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SanauerS Anzeiger

General-Anzeiger Amtliches Organ für Sla-l- und Landkreis Kanan a. M.

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IM. 165

Mittwoch den 16. Juli

1924

Bor öer Londoner Konferenz

Paris, 16. Juli. Der Berichterstatter des F Journal" meldet, wie bereits bekannt, daß heute vormittag um 11 Uhr die erste Sitzung der Konferenz und zwar im Foreigne Office stürchndet, ferner daß die Eröffnungs-Konferenz 5 nur unter Teilnahme der Vertreter Englands, Belgiens, Italiens, Frankreichs, Japans und her Vereinigten Staaten stattfinden wird.

Die Ankunft Kerriots.

London, 15. Juli. Herriot ist bei seiner An-

kunft auf dem Viktoriabahnhof von Macdonald empfangen worden. Zahlreiche englische Dele­gierle, die an der Konferenz teilnehmen wer­den, waren ebenfalls am Bahnhof erschienen. Herriot begab sich nach dem HHde-Parkhotel, wird.

wo die franzö Die itoßeni.

eine halbe

Stunde vorher in London angekommen war, legiert im Claridge-Hotel, die belgische im Carl­ton-Hotel.

Herriot hat bei feiner Ankunft in Dover den englischen Journalisten eine Erklärung abge­geben, in der er seine lebhafte Sympathie für das englische Volk ausdrückte und die Hoffnung aussprach, daß er nicht mit leeren Händen aus London zuvückkehren werde.

London, 15. Juli. Ein Vertreter des Reu- ierbüros, der mit dem französischen Minister­präsidenten nach London gereist ist, teilt mit, daß Herriot aufs AenMichfte darauf bedacht jei. nichts zu sagen, was irgendwie die Ver- Mdlungen beeinträchtigen könnte. Herriot Me gesägt:Sie können sich wobl verstellen, j âuurangsL rackit es jetzt für mich wäre, zu ,: in dir l^i.iLZ^Ln^n .

ferenz zunächst die Aufgabe hat, eine Einigung zwischen den Alliierten herbeizuführen.

Zuversicht bei den Italienern.

London, 15. Juli. Der Berichterstatter des Reuterbüros hatte ein Interview beim Chef der heute eingetroffenen italienischen Delegation für die Londoner Konferenz, de Stefani, der erklärte, er käme beseelt vom Geiste herzlicher Zusammenarbeit, da ja das Ziel der Konferenz sei, in Europa wieder eine friedliche Lage her­zustellen und freundliche Beziehungen zwischen allen Völkern zu schaffen. Die Nachrichten, die ihm aus den Hauptstädten der anderen Alli­ierten zugegangen seien, flößten ihn glücklicher­weise das Vertrauen ein, daß die Konferenz zum Erfolge führen und die von allen ge­wünschten Ergebnisse haben würde.

Französische Pressestimmen am Vor­abend -er Konferenz.

Paris, 15. Juli. In einer Vorschau zur Lon­doner Konferenz schreibt derTemps" unter be­sonderer Berücksichtigung der gestrigen Debatte im englischen Unterhaus: Gleich zu Beginn seiner gestrigen Rede habe Macdonald erklärt, seine der­zeitige Sorge sei, die Zukunst vorzubereiten, nicht über die Vergangenheit zu streiten. Er habe voll­kommen recht. Man müsse sich damit beschäftigen, besseres zuwege zu bringen als bisher. Die rück­blickende Debatte ließe sich leicht fortsetzen, aber sie sei so unfruchtbar wie die Arbeit auf einem Acker, wo der Pflug den Sand umwühlt. Das Studium der Vergangenheit werde noch zu seinem Rechte kommen. Wirklich fruchtbar werde es erst dann sein, wenn man alles ans Licht ziehen dürfe. DerTemps"

wenn

daß die Konferenz einen Ausschuß für Regelung | zeitig mit der Einführung jeder Frage eines deutschen Verzuges ernennen plante Herabsetzung der Ui könnte, in amtlichen Kreisen gut ausgenommen Ladennreis trob der enen worden sei. Es verlaute, daß dieser Vorschlag S

in der heutigen Kabinettssitzung erwähnt worden ,er ^. 'n âbsalut ertro

sei und wahrscheinlich in die Vorschläge, mit denen sich die Konferenz besassen wird, eingeschlossen werden würde.

von Schutzzöllen ge^

Umsatzsteuer dürfte den

eventuellen Auswirkung der Zölle in absolut erträglichen Grenzen hal-

ten. Die durchaus ungerechtfertigte Spannung der Mehlpreise zwischen Berlin und München von 50 Prozent zeige, daß der Getreidepreis auf

dliMnMn treffen werden, die nicht unäftÄ ch sind diesem herrlichen Wetter, das alle Hoff­nungen erwecken muß. Grundtatsache ist, daß die Engländer, Italiener, Belgier und Fran­ssen vollständig von der Notwendigkeit einer friedlichen, raschen Lösung der gegenwärtigen Probleme durchdrungen sind. Ich komme mit dem festen Glauben, daß lebenswichtige Pro­bleme der eunopätschen ^vie-derherstellung in einen neuen Abschnitt eintreten ols Ergeb ns unserer Beratungen in London. Sehr hoch ichstze ich die Haltung der Presse, die der Mei- ist, daß die führenden Staatsmänner der beteiligten Länder ihr bestes tun werden und empfinden müssen, daß zu guterlellt unser ge= ^infamer Wunsch, der so wesentlich für Eu- Wa und die ganze Welt ist, verwirkliwt ^er= wird. Wir alle sind bemüht, daß die Ver­handlungen so kurz wie möglich sein werden, weil wir alle wünschen, daß der Vawe s b eri ch t möglichst bald in â aft tritt. Ich bin Macdonald sehr ver- <?âen für seine offensichtlichen Bemühungen, u ânsche und Schwierigkeiten der französi- Hen Regierung zu verstehen und ihnen Rech­nung zu tragen."

Mae-onal- un- Ksrrio! wer-en Re-en hatten.

eme gewisse Gegnerschaft gegen den Sachverstän- drgenbericht herauszufühlen. Schuld daran ist nach seiner Meinung die Tatsache, daß gestern im eng­lischen Parlament die Beweisführung der haupt­sächlichsten Redner sich unaufhörlich um die von den Sachverständigen vorgeschlagene Anleihe drehte, um jene erste Anleihe, die doch nur dazu bestimmt sei, die Maschine in Gang zu bringen. Es sei nicht davon gesprochen worden, die deutschen Obligationen in Milliardenbeträgen unterzubringen. Es sei nicht davon die Rede gewesen, die Uebertragung der in Deutschland eingenommenen Summen zu organi­sieren. Alles in allem habe man sich an ein Bruch­stück der ganzen Frage gehalten. Wenn man aber die Diskussion erweiterte, würde man rasch erkennen, daß die an die Anleihe geknüpften Befürchtungen für die englische Industrie und die Ausfuhr un­gerechtfertigt seien, daß die Begleichung der Repa­rationen aufhöre, für England unbequem zu sein und daß der europäische Friede sich viel eher ver-

London, 15. Juli. In einemVor der Kon­ferenz" überschriebenen Leitartikel führt derMan chester Guardian" aus, der Dawesplan ziehe einfach allein den besten Weg in Betracht, um den größten Geldbetrag aus Deutschland herauszubekommen. Es liege daher mehr im Interesse Frankreichs als irgend eines anderen Landes, diesen Plan so wie er sei, ohne Argument und ohne Preis anzunehmen. Es müsse eine Zeit kommen, wo es möglich sein werde zu sagen, daß entweder der Plan geändert werden müsse, oder daß Deutschland ihn vörsätzlic undurchführbar mache. Es sei befriedigend, da Macdonald endgültig seine Einwände dagegen er klärt habe, England im voraus an irgendeine be­sondere Form von Sanktionen zu binden. Ihre Natur werde bestimmt werden müssen, wenn es dazu komme. Wenn aber einmal die Reparations­kommission Deutschland in Verzug erklärt habe, so würde der Druck, Frankreich in seinen besonderen Methoden des Zwanges zu folgen, stark und viel­leicht unwiderstehlich fein.

Die Repko über das Inkrafttreten -es Dawes-Planes.

Pakts, 16. Juli. Die ReparationSkommission hat gestern in drei offiziösen Sitzungen, die am Abend -n eine offizielle Sitzung umgewandelt wurden, siÄ mit den Fragen beschäftigt, die durch das Herriot-Macdonald- Abkommen vom 9. Juli aufgeworfen worden sind. Die Rcparationskommission ist gestern aufgefordert worden, Vorschläge für die Ausstellung des Plane? zu machen, nach dem die wirtschaftliche und fiskalische Einheit Deutschlands wieder hergestellt werden soll, sobald die R-parriion8komm'ffion entschieden hat, daß der DaweSplan jur Ausführung gelangt ist. Nach sein ,Mil 4WÜw£ M i»I erklärt haben, es sei ihre Ansicht, daß die Frage von den Regierungen nicht in genügend präziser Form ge­stellt worden fei, und daß sie deshalb keine Entscheidung treffen könne. Die Reparationskommiffion hat als­dann die Bestimmungen festgestellt, die nach ihrer Ansicht erfüllt fein müssen, wenn der DaweSplan als erfüllt betrachtet werden soll. Sie wird erst dann offiziell feststellen, daß Deutschland den DaweSplan zur Ausführung gebracht hat, wenn folgende 5 Be­dingungen erfüllt sind:

1. Die Reichseisenbahn-Gesellschaft konstituiert ist, 2. Die Goldnotenbank konstituiert ist,

3.

4.

5.

Das System der Industrie-Obligationen organi­siert ist,

Die Eisenbahn- und Industrie-Obligationen an die von der Reparationskommission ernannten Truste für die Reparationszahlungen abge­treten sind.

Die Ausländsanleihe von 800 Millionen unter­

bürgen lasse.

i^.^"«dsn, 16. Juli. Die Presse bezeichnet die ,te Konferenz, die heute vormittag um t« Foreigne Office eröffnet wird, als die Zusammenkunft aller alliierten Staatsmänner Diplomaten seit der Versailler Friedenskonferenz, * ihr entscheidende Bedeutung bei. Blätter- , Zungen zufolge wird Macdonald bei der heutigen K^fu Eröffnungssitzung im Zimmer des

^kretars die Begrüßungsansprache , Man erwartet, daß auch Herriot

i6r,n m r."greifen werde. Die Konferenz wird dann -r^utzenden wählen, oder ein System abwechsclii- drs Vorsitze» annehmen. Sie wird außer

"scheiden, in welchem Umfang der Oeffentlichkcit ^,?/" Verlauf der Verhandlungen Mitteilungen , Lr werden sollten. Nachmittags wird mitd. Erwägung S^°N°rdnung begonnen werden. Die zahlreichen an denen besonders die fn werd?« reich sei würde in die Ausschüsse verteilt ~ Zugleich mit der Hauptkonferenz tagen beging $Excelfior" ist der Ansicht, die heut

1o. Konferenz seit der Unterzeichnung des Ersn,/" Vertrages biete eine bessere Aussicht am 9tqan«. â ihr während der letzten 5 Jahre vorau»- lchrâ^m Konferenzen.Daily Mail",Chronicle" ben^'' Van der erfolgreichen Annahme des Dawc»- be; n>'f, ^urde der Frieden und die Zahlungsfähigketi der turnte die Stabilität und der Fortschritt europäischen Gesellschaft abhängen.

'anzöfische

Ein?" gut unterrichteten Kreisen wird mit einer im st°ung Deutschlands zur Londoner Konferenz W "ufe der nächsten Woche gerechnet. - Es 'Sinais darauf hingewissen, daß die Kon­

DasJournal des Debats" schreibt, Macdonald scheine ebenso wie alle seine Vorgänger von einer vorgefaßten Idee beherrscht zu sein, die ihm den Blick verbaue. Er führe alles auf eine Spezial- frage zurück, von der er vollkommen eingenommen sei. Weder der Versailler Vertrag, noch die Repa­rationen interessierten ihn. 5m Geheimen betrachte er sie eher als Hindernisse. De facto mache er ihre Wirksamkeit von dem Erfolg einer Sonderkombi­nation abhängig. Gestern habe er wohl zugestanden, daß die Vollmachten der amerikanischen Delegierten in ihrer eigentlichen Ausdehnung bei den Pariser Besprechungen absichtlich unklar gelassen worden seien, aber man müsse in London aus dem unbestimmten heraus. Die aufgeworfenen Fragen fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich eines Sachverständigenausschustes, sie seien im höchsten Grade politischer Art. Französtscherseits zähle man darauf, daß die übrigen Gläubiger Deutschlands den Standpunkt Frankreichs unterstützen wurden. Uebrigens werde sich ohne allzu große Schwierig­keiten eine Lösung finden lasten, als die einander entgegenstehenden, in Wirklichkeit solidarischen Jute- resten sich miteinander ausglichen. Die Zeichner der künftigen Anleihe würden ebenfalls ein Inte­rests daran haben, daß gegebenenfalls gegen Deutsch­land Sanktionen getroffen würden. Es würde sich nur darum handeln, welche Sanktionen festzusetzen seien, und Maßnahmen zu vereinbaren, die zu gleicher Zeit den Jnteresten der Zeichner und denen der Gläubigerstaaten Schutz gewährten. In diesem ge­danklichen Zusammenhänge gelte es zu arbeiten. Man werde zum Ziele kommen, wenn man sich innerhalb des Rahmens des Versailler Vertrages halte, anstatt ständig aus ihm heraus zu wollen.

London, 15. Juli. Rach Ansicht amtlicher britischer Kreise beginnt die morgige interalliierte Reparationskonferenz unter besseren Auspizien, als jede bisher abgehaltene derartige Konferenz. Mac­donald werde die Eröffnungsansprache halten, die zusammen mit den einleitenden Formalitäten den größten Teil der Vormittagssitzung in Anspruch nehmen werde. Am llkachmittag werde die Konse- renzagenda in Angriff genommen werden. Der Evening Standard" glaubt, daß die Konferenz zwei Wochen dauern werde. Das Blatt will wissen, daß Baldwins gestriger Vorschlag im Unterhaus,

gebracht ist.

Dieser letztere Punkt habe zu der lebhaftesten Dis­kussion Anlaß gegeben. Der englische Delegierte habe erklärt, die Unterbringung der Anleihe sei schwierig, wenn nicht unmöglich, wenn die deutsche Wirtschafts­einheit vorher nicht wieder hergestellt sei.

Kanitz über Die Schutzzölle.

Berlin, 15. Juli. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Graf Kanitz, ge­währte heute einem Vertreter des Wolff-Büros eine Unterredung über die Notlage der Land­wirtschaft. Es handle sich heute darum, so er­klärte der Minister, ob die deutsche Volksernäh­rung sich in Zukunft vorzugsweise auf die Pro­duktion der heimischen Scholle oder auf die Ein­fuhr stützen solle. Die deutsche Volksernährung sei in greifbarer Zukunft gefährdet, wenn die notwendigen Vorkehrungen nicht schon heute getroffen würden. Keine Regierung dürfe taten­los zusehen, daß die Landwirffchaft unter dem Zwange einer akuten Notlage zum extensiven Betrieb übergeht. Die Landwirtschaft sei aber bereits auf dem Wege zur Extensivierung. Aus allen Lanoesteilen liegen Nachrichten über den berechtigten trostlosen Pessimismus der Bauern, über mangelnden Mut vor, noch ernsthaft und im gewohnten Umfang an die Bestellung des Brotgetreides für das nächste Jahr zu gehen. Vom Ernährungsstandpunkt aus sei es also Pflicht der Regierung, der Landwirtschaft durch Kredithilfe, Steuererleichterungen, Ausfuhr und durch Zölle eine wirklich nachhaltige Erleichte­rung zu verschaffen. Leider fehlten für die Kre- dithilse heute die Mittel und ein radikaler Ab­bau der Steuern würde den Staatshaushalt umwerfen und die Gefahr einer neuen Inflation heraufbeschwören. Durch Preisgabe der Aus­fuhr fei keine durchgreifende Erleichterung zu erhoffen. Es bleiben daher die Zölle. Der Er­nährungsminister verbreitete sich dann ein­gehend über die Frage der Schutzzölle, die erfah­rungsgemäß geeignet seien, die Produktion zu vermehren. Die von der Reichsregierung gleich-

: den Brotpreis keine ausschlaggebende Wirkung hat. Die Verhinderung der Einfuhr von Ge­frierfleisch, die tendenziösen Nachrichten zuwider

1 nur 5 Prozent des ganzen deutschen Fleischkon- : sums ausmache, sei nicht beabsichtigt. Maßvolle ; Agrarzölle bewirken unbedingt die Hebung der heimischen Agrarproduktion, gleichzeitig aber

: auch mit dem Steigen der Kaufkraft der Land­wirtschaft die Hebung der industriellen Produk­tion. Somit bessere sie die Arbeits- und Lohn­bedingungen bei der Industrie. Umgekehrt sei

; heute durch fehlende Absatzmöglichkeiten der In- dustrie an die Landwirtschaft der Arbeitsmarkt bereits gefährdet. Im übrigen sei es nach der vor zwei Jahren erfolgten Wiedereinführung autonomer Jnduftriezölle volkswirtschaftlich ein Unding, Jnduftriezölle, aber keine Agrarzölle zu haben, da die nicht durch einen Zoll geschützte Landwirffchaft die durch den Jndustriezoll ver­teuerten Produktionsmittel von der Industrie kaufen müsse. Wahrung der Parität auf diesem Gebiet sei selbstverständlich. Eine Verteuerung der Lebenshaltung des Arbeiters brauche man durch die Agrarzölle nicht zu befürchten, wenn es gelinge, die Zwischenstellen vom Agrarpro­duzenten bis zum Verbraucher zu einer Preis- korrektur zu bewegen. Zur Erreichung dieses Zieles werde die Regierung kein Mittel un­versucht lassen. Erfahrungsgemäß entstehe die größte Belastung des Verbrauchers immer durch einen Rückgang der agrarischen und industriel- len Produktion. Der Reichsernährungsminister erinnerte schließlich daran, daß ein aus monate­langen Beratungen hervorgegangenes Gut­achten des Reichswirtschaftsrates als sachliche Unterlage für die jetzige Regierungsvorlage über die Agrarzölle gedient habe. Das Problem liege nicht darin, wie man dem Volke für die allernächste Zeit möglichst billiges Brot ver­schaffe, sondern darin, wie durch die Zukunft ' Brot zu erträglichen und vor allem gleichblei­benden Preisen gesichert werde. Die Beantwor­tung dieses Problems konnte nur in der heuti­gen Gesetzesvorlage gefunden werden, deren Vorlage aus reinen ZweckmäßigkeitsgrürHen erfolge und aus ernährungspolitischen und han­delspolitischen Gründen unerläßlich sei.

Ein neues Ermachliaungsgesetz?

Berlin, 16. Juli. Dis Nachtausgabe des Tag" erfährt über die Stellung der deutschen Negierung zur Londoner Konferenz aus parla­mentarischen Kreisen, daß die Reichsregierung offenbar nicht nur dem Reichstag die Gesetze zum Sachverständigengutachten ohne jede Rück­sicht auf den Verlauf der politischen Verband­lungen von London und nur nach Maßgabe des Abschlußes der Arbeiten der Organisations­ausschüsse vorlegen will, sondern daß fie auch gleichzeitig dem Reichstag ein Mantelgesetz zu. gehen lasten wird, das die Regierung ermäch­tigen soll, Fragen, die mit den Gesetzen zum Sachverständigengutachten Zusammenhängen und die nicht ohne Aufhebung der Ordonnanzen bei Rheinlandkommission ausgeführt werden können, aus eigener Vollmacht gesetzmäßig > zu regeln, sobald die notwendigen Zusagen und Maß. nahmen der Gegenseite vorlägen.

Langsames Arbeilen.

Darmstadt, 16. Juli. Aus dem besetzten Heffi. chen Gebiet waren insgesamt 7500 Reichsbeamte von den Franzosen ausgewiesen worden. Von diesen haben bisher 8700 die Rückkehrerlaubnis erhalten, ras heißt etwa 50V Bon 175 ausgewiesenen bestä­chen StaatS- und Gcmeindebeamten erhielten bisher 22 die Rückkehrerlaubnis, b. h. etwa 12V Von rund 3000 Angehörigen freier Berufe erhielten die ltückkchrerlanbniS ca. 165, d. h. also 56/0, Insgesamt inb aus dem besetzten heffischen Gebiet von den Franzosen 11000 Familicnhöupter ausgewiesen worden, von denen bis beute rund 4000 die Rück- kehrerlaubnis erhielten, also etwa 30V Aus dem gesamten besetzten Gebiet sind von den Franzosen ca. 150 000 Menschen ausgewiesen worden, von denen bisher 100 000 die Räckkchrcrlaubnis erhielten. Von Diesen entfallen jedoch auf da» @inbru4Sflebief 64000, wo bekanntlich sämtliche Ausweisungen ^aufgehoben wurden mit Ausnahme von 64 Fällen. Für Die alt« besetzten Gebiete bleiben also noch 36 000 übrig, was ungefähr ein Drittel aller Ausweisungen bedeutet.

Das Arleil im Münchener Kommunistenprozetz.

Münckener