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SanauerSAnzeiger

General-Anzeiger Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237.

B e » « e » » » e i s für die 2 Wochen vom 16. bis 28. Juni 1 Doldmark ohne Trägerlobn. Einzel­nummer 10 Freitags tu Samstags 12 Goldvfennig. Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldvfennig. für dir R s kl a m s z e i l e (68 mm) 50 Goldvfennig O f t e r t e n g ed S d r 30 Goldvfennig Geschäftsstelle Sammerstraße 9-

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Er. 150

Samstag den 28. Juni

1924

Das Neueste.

Die Wahl des bayerischen Mmifterpräisi- -enten dürfte heute und die Bonstellung des Heuen Kabinetts am Dienstag erfolgen-.

Die neuen Micumverhandlungen finden Henie statt. Die Werkvertreter haben erklärt, daß eine wettere Verlängerung der Verträge Mmögli^ fei.

Sämtliche Geleitscheiine zur Einreise in die britische Zone über Höchst tu M., Goldstein und Ludwigshafen sind für ungültig erklärt worden. Die Inhaber solcher Geleiffcheme wer­den aufgefordert, diese mit genauer Adressen­angabe an die Paßstelle, Köln, Domhof 28, ein- zufenden, welche die Scheine über Hennef ge­bührenfrei abstempe-lt und den Inhabern zu- rückschickt.

Nach einer Meldung aus Halle wurde gestern abend nach der Stahlhelm-Feier Dr. Hitzgeroth an der Saale-Promenade durch vier Revolverschüsse schwer verletzt. Die Täter sind unerkannt entkommen.

Der 28. Juni ein Doppel­gedenktag.

Rosentage! Junges Sommerglück breitet sich über Wald und Feld, Wer Berg und Au. Die Sonne sendet ihre sengende Strahlen auf die Erde. Wir schreiben das Jahr 1924. Der Blick wendet sich rückwärts. Waren uns vor zehn Jahren nicht ähnliche Tage voll Sommerfülle und blauen Himmelsglanzes beschert, Tage voll köstlicher Schönheit und herrlichen Duftes? Ja, [o mar es! Und Frieden herrschte, Wohlstand und Kraft in deutMen Landen. Unser Volk be­fand sich in einem wirtschaftlichen Aufstieg, wie er nur wenigen Völkern in der Geschichte be- schieden war. Geachtet war der deutsche Name Sreryen, die» Stätten deutscher Arbeit, deutschen Fleißes.

Da fielen am 28. Juni, einem herrlichen Sommersonntag die unheilvollen Schüsse von Serajewo, der österreichische Thronfolger und dessen Gemahlin brachen unter den Kugeln eines serbischen Fanatikers, eines 19jährigen Gymnasiasten, zusammen. Die Untersuchung des Verbrechens durch die österreichisch-ungari­schen Behörden ergab, daß das Komplott gegen das Leben des Erzherzog-Thronfolgers in Bel­grad unter Mitwirkung amtlicher serbischer Personen vorbereitet urch gefördert, mit Waffen aus den staatlichen serbischen Depots ausgeführt wurde. Dies Berbrechen mußte der ganzen zi­vilisierten Welt die Augen öffnen, nicht nur über die gegen den Bestand und die Integrität der österreichisch-ungarischen Monarchie gerich­teten Ziele der serbischen Politik, sondern auch über die verbrecherischen Mittel, die die groß- serbische Propaganda in Serbien zur Erreichung dieser Ziele anzuwenden sich nicht scheute. Es konnte dies nur tun, weil es sich bei seinen Be­strebungen der Unterstützung durch Rußland sicher war. Unter diesen Umständen mußte Oesterreich sich sagen, daß es weder mit der Würde noch mit der Selbsterhaltung der Mo­narchie vereinbar wäre, dem Treiben jenseits der Grenze noch länger tatenlos zuzusehen. Oesterreich richtete verschiedene Forderungen an Serbien, die aber abgelehnt wurden, weil Ser­bien Rußland hinter sich hatte. Und so entlud sich der Weltbrand, begann der größte aller Kriege, den die Geschichte der Menschheit kennt. Ueber vier Jahre hielt unter Aufbringung bei­spielloser Opfer unser Volk einer Weltkoalition stand. Dann brach es zusammen. Und mit ihm stürzte der stolze Bau des Kaiserreiches. Wie es geschah? Unter welchen Umständen, in welch heilloser Verneinung und Verblendung? Es ist jedem klar denkenden Mann, der dabei war, stach in frischer Erinnerung. Vier Jahre lang oin Heldenvolk, das einer Welt voll Feinden twtzte, ein Volk, dessen Jugend und dessen Män­ner an der Front kriegs- und wetterharte Ge- sellen von unbezwingbarer Widerstandskraft geworden waren, ein Volk, dessen Frauen in oer Heimat die Männerarbeit auf die Schul­tern nahmen, dessen Mrllionenheere den Kriegs- ruhm Deutschlands weit über die Grenzen hinaus in fremde Länder trugen. Und dann ein Volk, das in politischer Verblendung dem Lockruf des Feindes vertraute, das sich selbst entwaffnete und die Revolution begann, die für unser Volk eine trostlose Katastrophe brachte, we uns außenpolitisch unseren Feinden gegen- uber in eine Lage brachte, die die furchtbare ^°t des Krieges in eine noch viel furchtbarere

Not des Friedens verwandelte. So stark und groß unser Volk in jenen Jahren war, da es, überzeugt.von seinem Recht, den Kampf auf­nahm gegen eine Welt der Lüge und Verleum­dung, des Neides und Haffes, so würdelos, so klein, so erbärmlich zeigte es sich in jenen Jah­ren, die beherrscht sind vom Zusammenbruch. Wahrlich man wird in der Geschichte eines Vol­kes wohl fetten eine so kurze Spanne Zeit fin­den, in der, wie in diesen zehn Jahren, die grellen Gegensätze zwischen sttahlendem Licht und dunkler Nacht so aufeinanderstoßen.

Der 28. Juni ist aber auch in einer anderen Beziehung noch ein Schreckenstag für unser Volk. Vor fünf Jahren wurde an diesem Tage unter dem Druck der waffenstarrenden feind­lichen Heere wir hatten ja unsere Waffen freiwillig an die Wand gestellt unter An­drohung fortgesetzter Aushungerung das Diktat von Versailles unterschrieben. In einem Vorfriedensvertrage vom 5. November 1918, hatte man das Friedensprogramm von Wilson dem deutschen Volke vorgespiegelt, nur um wenige Tage später, am 11. November 1918, demselben Volke Bedingungen zu diktieren, die nichts weiter waren und nichts weiter sein soll­ten, als eine Etappe aus dem Wege nach Ver­sailles. Nach einem halben Jahre wurde uns das angebliche Friedensdokument präsentiert und siehe da, alle Punkte des Wilsonprogramms waren darin verleugnet. Dafür aber enthielt es das Programm Clemenceaus, das darin gip­felte, nach Zerschlagung der deuffchen Wehr­macht die deutsche Einheit zu vernichten, die deutsche Volkskraft weiter auszuhöhlen, die deutsche Wirffchaftsmacht auf unabsehbare Zeit zu schwächen. Das Selbstbestinnnungsrecht war in das Beute- und Knechtungsrecht des Siegers verkehrt worden, Millionen von Deutschen wur- den vom Mutterland losgerissen, andere Mil­den Raub der Kolonien, wertvollster Ueber- schuß. und indufttieller Rohstoffgebiete wurde die Dolksernährung, die Volksgesundheit, die Volkserhaltung untergraben. Das deutsche Reichsvermögen wurde in einer Weise ausge­plündert, die Deutschland jede Möglichkeit der Erholung und des wirtschaftlichen Wiederauf­baues raubte. Dies alles unter die ^Berufung der in diesem Diktat ausgesprochenen Ehrlos­erklärung:. . . und Deutschland erkennt «n, daß Deutschland und seine Verbündeten als Ur­heber für alle Verluste und Schäden verant­wortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen in­folge des Krieges, der ihnen durch den Angriff Deuffchlands und feine Verbündeten aufge­zwungen wurde, erlitten haben." Diesen Kar- dinalpunktAlleinschuld am Krieg" unter­schrieb das deutsche Volk und aus dieser Unterschrift basieren alle die Gewalt- maßnahmen der ehemaligen Feindstaaten gegenüber Deutschland in den letzten fünf Jah­ren. Der ganze, ausgepowerte und ausgehun­gerte, reichsdeutsche Mittelstand wäre bereit gewesen, die Unterschrift unter dieses Diktat zu verweigern. Fachmänner der Wirtschaft for­derten dies und der größte Teil der Zeitungen warnten: Die Folgen der Unterschrift würden verwüstender sein, als alles was auf ein Nein erfolgen könnte. Do-ch vergebens. Die Partei der Sozialdemokraten wollte nicht und einige führende bürgerliche Abgeordnete bestärkten sie in ihrem Nicht-Wollen. Die Unterschrift wurde geleistet, obwohl sich das deutsche Volk auch im innersten Winkel seines Herzens frei von teder Schuld fühlte.

Jeder Mann in Deutschland wußte, daß den eigentlichen Anstoß zum Weltkriege die russische Gefamtmobilmachung gegeben und daß alles weitere sich daraus zwangs­läufig ergeben hatte. Wir Deutsche wußten, daß Rußland niemals mobilisiert hätte, wenn es nicht der Bundesgenossenschaft der Franzosen, die sich in der Hinterhand gehalten haben, sicher gewesen wäre. Nicht nur unsere Konto­bücher liegen heute vor aller Welt aufgeschlagen auf, wir haben auch unsere Staatsarchive ge­öffnet und aller Welt in unsere Geheimakten Einblick gewährt. In rastloser Aufklärungs­arbeit ist in den letzten Jahren von Deutschland der Beweis gebracht worden, daß die deutsche Regierung die friedliebendste in der ganzen Welt gewesen ist und daß der Weltkrieg durch eine zielbewußte Koalitionspolitik von Jahr­zehnten herbeigeführt worden ist, eine Politik, die schließlich lediglich eine Einheitsfront gegen das deutsche Reich herstellte. Die wahren Kriegsziele lassen sich in wenigen Worten aufammenfaffen: England wollte Vernichtung

der deutschen Seemacht, der deuffchen Handels­und Jndustriekonkurrenz, Raub des deutschen Kolonialbesitzes. Frankreich wollte die Zu­rückeroberung Elsaß-Lothringens, Vernichtung der deutschen Einheit und Machtstellung, Zer- trünnnerung der deutschen Wehrmacht, Er­richtung einer Kontinentalhegemonie und Rußland wollte die Erweiterung der West- grenzen. Ueber diese Kriegsziele besteht heute kein Zweffel mehr. Die in- und ausländische wissenschaftliche Forschung hat diese Ziele längst festgestellt und damit die Unhattbarkeit der Schuldanklagen gegen Deuffchland bewiesen.

Heute -am 5. Jahrestage des Inkrafttretens des schmählichen Dokuments gilt es für das deutsche Volk das Gelöbnis abzu­legen, nicht zu richen und zu rasten, bis das Schandwerk von Versailles mitsamt dessen erlogenem Schuldbekenntnis von dem Sockel gestürzt ist, den ein Weltbetrug unge­heuerster Art ihm errichtet hat. Im Som­mer 1923 schrieb einer der Vater dieses Ver­sailler Diktats, Lloyd George, daß über dieses wichtige Dokument der Neuzeit nur wenige Leute Beschett» wissen, daß mir wenige sagen können, was in demVertrag" stehe. Der ein­stige britische Premierminister hat unzweifelhaft recht. Nur wenige Menschen wissen genau, was dieses Schicksalsdokument Europas ent­hält. Leider ist das deutsche Volk nicht aus­genommen. Aber wenn auch die meisten denVersailler Vertrag" nicht kennen, eines wissen sie: Deutschland ist an allem schuld, darum muß Deutschland z a h l e n. Wie anders wäre es auf der Erde, wenn die Völker durch Aufklärung erfa-hren hätten: Deutschland trägt nicht die Alleinfchuld am Krieg. Wäre nicht schon längst das Ver­sailler Diktat wie ein Kartenhaus zusammen- gebrochen? Es wurde bereits fricher an dieser daß dasVeâiller Diktat" das bände sei, das je in der Geschichte errichtet wurde, ein Gebäude, das kein Ende, keinen Abschluß haben will, sondern aus jeder neuge­schaffenen Lage heraus neue Bedingungen stellt. Seit fünf Jahren erlebte die Welt nun dieses Spiel eines bisher nie dagewesen-sn Wahnsinns. Ihm kann nicht anders zu Leibe gegangen werden, als daß man zu seinem U r - f p r u n g zurückgeht. D a s i st d i e S ch u l d - frage, das ist die Beseitigung der Anklage von Versailles, die heute vor 5 Jahren unterschrieben wurde. Mögen die Kundgebungen des Arbeitsausschuffes deut­scher Verbände, die morgen in allen Teilen des Deutschen Reiches stattfinden, Hanau steht leider wieder zurück den Auftakt geben zu einer umfangreichen Protestbewegung gegen die Lüge von der deutschen Schuld am Welt­kriege, gegen weitere Gewalt und weitere Be­drohung, -mögen sie sein ein Ausdruck des ge­schloffenen Willens zum Frieden und zur Frei­heit, eine Forderung des Rechtes auf Leben und En-twickelungsmögNchkeiten. R. H.

Eine EnlschUetzunq des rheinischen PtooinziaUandrags.

Düsseldorf, 28. Juni. In der gestrigen Schluß­sitzung des 68. Rheinischen ProvinziallandtagrS verlas Abg. Freiherr von Loe sZtr.) namens aller Fraktionen mit Ausnahme der Kommunisten nachstehende Ent­schließung :

Die besonderen Lasten, die auf der Bevölkerung der Rheinprovinz liegen, sind so groß, daß sie von ihr allein nicht länger getragen werden können. Sie müssen von dem ganzen deutschen Volk übernommen und sozial gerecht verteilt werden. Der Rheinische Provinziallaiidtag sieht nach der Lage der Dinge die einzige Möglichkeit zur Erreichung diese» Zieles darin, daß die auf der Grünblaue bei Sachverständigengut­achten» von der ReichSregierung eingeleiteten Verhand­lungen und Maßnahmen mit möglichster Beschleunigung »urchgeführt werden. Er erwartet von diesen Ver­handlungen neben der dringend notwendigen Wirt- schastlichen Erleichterung die Räumung der über die Bestimmungen der Fnedensvertrag» hinaus besetzten deutschen Gebiete, die Innehaltung der im Vertrag festgesetzten RäumungSfrcsten für da» besetzte Gebiet, die Wiederaufrichtuug der deutschen Staatshoheit, die Freilassung der politischen Gefangenen, die Rückkehr aller Ausgewiesenen und die Wedereinsetzung der ausgewiesenen Beamten in ihre Aemter."

In seiner Schlußrede betonte der Präsident Dr. Jar.c», daß über die Lebensfragen bei rheinischen Volkes im Verlaufe der Tagung eine Einmütigken geherrscht habe, die mit Freude und Genugtuung er­füllen müsse. Alle der Treue zur Heimat und zum eigenen Volke entgegenstebenden Bestrebungen seien, jo dürfe man mit Stolz sagen, gescheitert, nicht zuletzt durch die Haltung bei Rheinischen Provin;iallandtagS, der dem rheinischen Volke iticht nur Vertreter, sondern in kritischen Tagen, auch Führer gewesen sei. Man dürfe hoffen, daß die Länder, die mit Deutschland in Verhandlungen treten wollen, sich davon überzeugen

würden, daß e» eine billig« Forderung ist, daß bei rheinisch« Volk wieder rehabilitiert werden woll«,

Eine Verlängerung der Mleum« Verträge unmöglich.

<2 f f e n, 28. 3uni. Z« den heute Samstag beginnenden Verhandlungen der 3ntmfttie mit der rNicum erfährt die »Deutsche Vergwerks- 3 ei hing, daß eine Einwilligung der deutschen Werkleiter in die Verlängerung der Micumver- träge gänzlich ausgeschlossen sei. Die Werke hätten ihre letzten Kredite verbraucht. Zur weiteren Verwirtschaftung des Restes der ihnen anverlrauten Kapitalien könnten die industri­ellen Führer unmöglich die Hand bieten. Die Verantwortung dafür, was aus dieser Situ­ation entstehen werde, falle den Regierungen zu, da lediglich durch Verhandlungen Mischen der deutschen und der französischen Regierung eine für die Industrie tragbare Regelung an die Stelle der RttcumvertrSge treten könne.

Berlin, 27. Juni. Die von der ftanzöstfchett Regierung gestern der deutschen Botschaft in Pavis Äbergobe-ne Note des französi­schen Ministerpräfident-en, in der der deutsche Antrag auf Einleitung von R e - gierungsverh-and-kungen über die Ausführung von Reparations- kohlenlieferungen nach dem 1. Juli ab gelernt wird, hat folgenden Wortlaut:

In Beantwortung der an die französische Regierung gerichteten Noten -betreffend die Er­neuerung der Micu-mver träge -beehrt sich das Ministerium für die Auswärtigen An-ge- legenhetten der deuffchen Botschaft -mitzuteilen, daß mit Rücksicht auf den nahe bevorstehenden Zusammentritt der Konferenz über die An­wendung des S a ch v e -r st ä n d i g- e n p l a n s es dem Ministerium nicht möglich erscheint, direkte Verhandlungen mit der deutschen Regie­rung anzubahnen. Im Hinblick auf den tech- jUjl^jjWM^J*^^^^^^^^^^^^^^^^^ glaubt das Ministerium überdies, daß sie mit Vertretern der deutschen Industriellen geführt werden sollten. Die französischen und belgischen Delegierten an der Ruhr erhielten Instruktio­nen,^ allen Forderungen der deutschen Indu­striellen Rechnung zu- tragen, die ihnen begrün­det erschemen. geg. Herriot."

Das Urteil im Synagogen-Prozetz.

£ e i p 3 i g, 27. 3 uni. 3n dem Prozeß wegen versuchten Hochverrats und Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz vor dem Staatsgerichlshos zum Schutze der Republik in Leipzig ist heute das Urteil gesprochen worden. Es wurde ver­urteilt: Bau zu sieben Jahren Zucht­haus und sieben Jahren Ehrverlust. R u l l - mann. Hielte und Metzger zu je sechs Jahren Zuchthaus und je sechs Jrchren Ehrverlust.

Die Verurteilung ist wegen hochverröte- rii-ben Komplotts, -hochverrv-cettfcher Konspi­ration mit dem Feinde sowie auf Grund des 8 6 Les Spren-gstoffgejfetzes erfolgt. In der Be­gründung des Urteils heißt es: Anfang voriaerr Jahres herttchte unter den -sogen, nationalen Verbänden und anderen Gruppen der -deuffchen Bevölkerung darin Einigkeit, daß es Anfang- 1923 zu einer allgemeinen sogen, nationalen Erhebung kommen sollte um die Republik zu stürzen. Diese Pläne -würben auch von den An­gehörigen des Wücherbundes verfolgt, der fei­nen Sitz in München hat und an dessen Spitze der Regierungsbaumeister Schäfer stand. Von München liefen die Fäden zur Untergruppe F r a n k f u r t a. M. Es wurden Anweisungen gegeben, sich für München oktionsfähig zu machen. Als Stichwort galt das WortStif- tungsfest". Den Angâgten Bau, Rullmann und sielte ging die Sache zu- langsam. Sie woll­ten die Aktion selbst in die Hand nehmen und planten deshalb ein Unternehmen in der Weiss, daß sie zuerst drei Synagogen in die Luft spren­gen wollten, um hiermit das Signal zu einem allgemeinen Aufftand zu geben. Diesen Plan faßten sie in durchaus ernster Weise und legten rhn auch schriftlich nieder. Ms sie das dazu ge­hörige Waffenmaterial in München nicht er­halten konnten, weil die Angr.egenher: dort noch nicht spruchreif war, faßten sie den Ent­schluß, sich die Waffen von den Franzosen zu besorgen, denen sie die Sache dadurch mundge­recht machten, daß sie ihnen sagten, sie feien nicht für ein einheitliches Deutschland, sondern wollten ein bayerisches Königtum errichten. Bau und Rullmann waren die Hauptmacher, während Hielle und Metzger voll­ständig- in ü-ie Pläne eingeweiht waren.