SanauerS Anzeiger
General-Avzeiger / AmMches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan a. W.
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Nr. 148
Donnerstag den 26. Juni
1924
Das Renette.
— Wie wir erfahren, hat der Reichskanzler die Staats- und Ministerpräsidenten der Länder für Donnerstag, 3. Juli, zu einer Aussprache über die allgemeine politische Lage, insbesondere auch über dm Stand der Reparationsfrage, nach Berlin geladen.
— Die Einladungen zu der interalliierten Konferenz im Juli werden vorbereitet. Die Bereinigten Staaten werden eingeladen, Vertreter in der Eigen- schaft zu entsenden, wie sie die amerikanische Regierung für angebracht hält. Japan wird, wie bei früheren Gelegenheiten, ebenfalls zur Teilnahme auf- gesordert. Man hofft, daß Mussolini persönlich zur Konferenz kommt.
— Nach dem Brüsseler Korrespondenten des „Journal des Debüts" werden gewisse BlSttermel- dungm, die eine Einmischung des Völkerbundes in die Reparationsfrage in Aussicht stellt, in amtlichen Kreisen in aller Form dementiert.
— Mussolini hat gestern von der Kammermehr- Heit eine Vertrauenskundgsbung erhalten.
London leugnet das Defensiv- abkommen.
' London, 25. Juni. Hiesige politische Kreise legen nach wie vor große Zuversicht bezüglich der durch die Konferenz von Cheguers geschafe- nen Lage an den Tag. Sie bezüglichen Meldungen, wonach Macdonald Herriot etwas in der Art eines militärischen Bündnisses ange- foten habe, werden als vollkommen unbegründet bezeichnet. Macdonald sei über eine Wiederholung jener ©teile in seiner porter Rede, in der er erklärte, daß ein nach Annahme des QawkSberichtes in Verzug geratendes Deutsch-
*MiM» des Garantievertrages erwogen wurde, so geschah dies höchstens im Zusammenhang mit einem nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund möglichen allgemeinen Pakt. Gegenüber den Berichten, wonach Herriot die Beibehaltung der Besetzung der drei Ruhchäsen gefordert habe, wird darauf hingewiesen, daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen erscheint, daß der französische Premierminister derartigen Maßnahmen Nicht abgeneigt war. Es kann jedoch mit Sicherheit angenommen werden, daß er seine etwaigen Wünsche in dieser Beziehung zurückgestellt habe, da eine Zustimmung der britischen Regierung zu derartigen Plänen kaum in Frage kommen konnte. Bon britischer Serie wird ausdrücklich dem Eindruck entgegengetre- ien, als handele es sich bei der Zuziehung Deutschlands zu den Verhandlungen im zwecken Stadium der bevorstehenden Londoner Konferenz darum, Deutschland vor vollendete Tatsachen zu stellen . Es w ird hervor gehoben, d aß in Wirklichkeit zwei Konferenzen unterschieden werden können, eine erste, auf der die Alliierten zu einer Vereinbarung über ihren Standpunkt zu gelangen suchen werden und eine zweite, zu der Deutschland zugezogen wird, und auf der mit den deutschen Delegierten nach Entgegennahme ihrer etwaigen Gegenvorschläge über die Erzielung einer gemeinsamen Lösung verhandel werden soll. Englische Kreise geben der Ueberzeugung Ausdruck, daß diese Form der Verhandlungen von deutscher Seite kaum als eine Auferlegung des Willens der Alliierten angesehen werden könne ünd hoffen zuversichtlich, daß unter der fruchtbaren Mitwirkung Deutschlands eine Lösung erzielt werden wird, die den gerade auf die bevorstehende Konferenz gesetzten Erwartungen voll entspricht.
Serrioi wird vor dem Sena! erscheinen , Paris, 25. Juni. Ministerpräsident Herriot M heute vormittag im MinPerrat über seine Besprechungen mit Macdonald, Dheunis und Hymans Bericht erstattet. Nach Schluß des Mi- wfterrats erklärte Herriot auf Befragen, daß er W befriedigt von der Absendung der franzö- chch-englischen Note in der Frage der Mititär- f entrolle sei. Es habe sich darum gehandelt, nicht eine Geste zu machen, sondern eine Tat zu voll- oriugen, darauf allein komme es an. Wir haben Grund, fügte Herriot hinzu, zu der Annahme, baß Deutschland akzeptieren wird. Der JBor= Wende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Senator Hubert, hatte vèute vormittag eine Unterredung mit dem Mi- Wterp residenten Herriot, in der, wie Havas witteckt, verschiedene Fragen über die franzö- issche Außenpolitik gestellt wurden. Herriot, der am Montag im Senatsausschuß eine Erklärung abgeben werde, habe die Absicht bekundet, sich aor dem ganzen Senat auszusprechen. Dementsprechend werde Senator Hubert morgen in der
Senatssitzung eine Anzahl Fragen über die Art, Ergebnisse und Folgen der Besprechungen von London und Brüssel stellen.
Die Ergebnisse der Brüsseler Besprechung.
Paris, 25. Juni. Der Brüsseler Korrespondent des „Temps" faßt aufgrund von Mitteilungen aus im allgemeinen gut unterrichteten belgischen Kreisen die Ergebnisse der Brüsseler Besprechungen in der Reparationsfrage wie folgt zusammen:
1. Die belgischen Minister hatten sich mit der Einberufung einer interalliierten Konferenz am 16. Juli in London einverstanden erklärt. Die Konferenz werde einen technischen Charakter haben und ihr Programm werde streng auf den Sachverständigenplan beschränkt sein. Der Meinungsaustausch von Cheguers und Brüssel habe sich auf allgemeine Grundsätze bezogen.
2. Die endgültige Erklärung der Frage werde bis zum 16. Juli durch den interalliierten Sonderausschuß oder auf diplomatischem Wege zwischen den Regierungen erfolgen.
3. Paris und Brüssel seien darüber einig, daß über den Zeitpunkt, an dem sämtliche Bedingungen des Sachverständigenberichts erfüllt seien und die Franzosen und Belgier ihre wirtschaftlichen Pfänder im Ruhrgebiet und im Rheinland aufgeben, die Reparationskommission zu befinden habe.
4. Sie militärische Räumung des Ruhrgebiets werde in zwei Etappen erfolgen. Dis Besetzung werde zunächst unsichtbar gestaltet und dann aufgehoben werden, nachdem ein großer Teil der deutschen Jndustrieobligationen untergebracht sei.
Was die Garantien für die Durchführung SanktionsgaranAen wieder aufgenommen. Hiernach werbe, wenn nötig, der Kontrolleur an die Stelle der deutschen Verwaltungsbeamten treten und selbst die Steuern einziehen bezw. Ve- sitzrechte verwalten. Sie Kontrolle werde sich auf diese Weise automatisch in eine Sanktion um- wcm'deln. An dieser Formel schiene man festge- halten zu haben und sie erscheine den Engländern annehmbar. Man bemühe sich, die Amerikaner an der deutschen Eisenbabngesellschaft zu interessieren. Die „Sicherheiten" aus den rheinischen Eisenbahnen, namentlich was die Kontrolle der Hauptstrecken der Rheinlande und des Ruhrgebietes anlange, so glaube man zu wissen, daß diese Frage an die Sachverständigen verwiesen worden sei
Der Daw-s-Bericht und die deutsche Zahlungsfähigkeit.
Paris, 26. Juni. Der „Sxcelsior" veröffentlicht ein Interview mit dem bekannten deutschen Historiker Prof. Hötsch, in dem dieser u. a. über den Sachver- ständigcnplan erklärt haben soll:
„Meine politischen Freunde und ich glauben, bei di« Amerikaner kaum ganz genau Kenntnis von der deutschen Zahlungsfähigkeit gehabt haben. In all unseren politisch maßgebenden Kreisen hat man die Ueberzeugung, daß die Zahlungsfähigkeit überschätzt worden ist, besonders, was die Zahlungen auf Rc- parabonskonto in den nächsten Jahren anbelangt. Die nach dem Sachverständigenbericht von Deutschland zu erfüllenden drei Bedingungen, nämlich: Errichtung einer Goldnotenbank, Organisation der deutschen Eisenbahn auf neuer Basis und die Industrie-Obligationen sind meiner Ansicht nach unannehmbar und zwar deswegen, weil wir sie für unausführbar erachten."
Neue französische Verleumdungen.
Berlin, 25. Juni. Der Reichskanzler hat in dem Interview, das er vor einigen Tagen dem Berliner Vertreter des Renterbüro? gewährt hat, davon gesprochen, mit welchen Verleumdungen und Entstellungen in einem gewissen Teil der ausländischen Presse der Propagandafeldzug wegen angeblicher deutscher Rüstungen geführt wird. Ein weitere« Beispiel für diese Entstellungen bietet die Art, wie die „Daily Mail" diese« Interview kommentiert. Sie behauptet nämlich, der Reichskanzler habe nicht den General Rollet wied-rlegt, sondern durch seine Mit- lkilungcn über den „verwaltuiigSkörper" von 150 000 Mann im Gegenteil die Angaben de« General Rollet bestätigt. Er habe damit zugegeben, daß ein geheime« deutsche« Heer bestehe. Tatsächlich ergibt der Zu- sammcnhang vollkommen einwandfrei, daß der JkuD«. kanzler mit „Aerwaltungtlörper" die deutsche Polizei gemeint hat, deren Vorhandcmcm der gesamten Oeffentlicbkclt im AuSlande selbstverständlich immer bekannt und ein ständiger Gegenstand eingehende! Kontrolle durch die MlitärkontroUkommission gcwcicii ist. Die Deutschland «ufgrnii» der sogenannten Rote von Boulo, ne vom Sahre 1120 zugestandene, bi«her jedoch nicht erreichte Vermehrung her Zahl her Polizeibeamten ist völlig unabhängig vom deutschen Oberbefehl, da« heißt von der Reichswehr, erfolgt. Lediglich die Zivilrefforts der Länder waren und sind m Deutickläud für dm Soliselanacleacubelten rukèndia.
_.,^tn keinerlei Militärwaffen. Die oben bezeichneten Behauptungen entbehren daher jeder
Keimstops wurden 5 000 Offiziere und 50 000 Unter- Offiziere des alten Heeres eingestellt. Tatsache ist vielmehr, hab sich die Polizei aus allen Berufskreisen ergänzte. Die Behauptung, daß die Polizei die gleiche Ausbildung wie die Reichswehr erhielte, ist aus der Lust gegriffen. Die Ausbildung der Polizeib-amten geschieht nach den Bestimmungen der zustânvigen Z vilressortS der einzelnen Länder. Auch die Ausbildung im Gebrauch der den Polizeibeamten zuqe- staudenen nach Art und Zabl äußerst geringen Waffen erfolgt lediglich nach polizeilichen Sesicktrpunkten und ist auf das hierfür unumgänglich notwendige Maß b schränkt.
Gegen das Märchen der Milttarisierung.
Berlin, 25. Juni. Don dem Vorsitzenden der beiden die Gesamtheit der deutschen Turn- und Sportvereine umfassenden Verbände, dem Deutschen ReichS- auSsckusi für Leibesübungen und der Zentralkommission für Arbeiterturnen und -Sport, geht unS nachstehende Erklärung zu: Nach einer in der deutschen Presse verbreiteten Mitteilung behauptete der fetzige sranzostsche Kriegsminister, General Rollet, englischen Journalisten gegenüber, dah außer dem Heere andere verkappte militärische Organisationen, besonder? Turnvereine, die ganze militärische Ausbildung vermitteln und mit Waffen und Munition von der HeereSleittmg ausgerüstet werden. Demgegenüber stelle ich fest, daß die deutschen Turn- und Sportvereine lediglich Leibesübungen in der Form treiben, wie sie die Turn- und Sportverein« der ganzen Welt pflegen, daß aber in Deutschland gerade seit Kriegsende das völlig auSge- schaltet ist, was in anderen Ländern als Verbindung zwischen Turnen und Sport einerseits und dem Militär andererseits besteht. Während in Frankreich die staatliche Förderung der Turn- und Sportvereine von dem Kriegsministerium ausgeht, während in Belgien die unter der Aufsicht des Kriegsministeriums stehende Turnpflicht die Jugend erfaßt, haben die deutschen Turn- und Sportverbânde keinerlei organisatorische oder tatsächliche Verbindung mit der Reichs- wehr; während beß den gegenwärtig in Frankreich ab«
WWMWMMtMMchMM»ichWMMMDMiMMMMD MilitSrgewebrrn veranstaltet wird, ist in Deutschland durch die Ablieferung aller KriegSwaffen nur das Schießen mit einem Kleinkalibergewehr möglich. Die Turn- und Sportvereine — auch die unter dem Drucke der Besatzungstruppen leidenden Vereine im besetzten Gebiet — haben ihre UebungSweis« in nichts ge- e vermitteln keine militärischen Ausbildungen
ändert, Jii und besitz
dem deutschen Regierungsdelegierten Bergmann sei er darin einverstanden, daß in Deutschland die äußeren Einflüsse in der letzten Zeit sehr viel stärker gewesen seien als aller guter Wille. Wenn man von einer Kontrolle der Arbeitsbedingungen in Deutschland spreche, so müsse diese Kontrolle auch auf andere Länder ausgedehnt werden.
Danach nahm der englische Regierungsdelegierte Rhys John Day iss das Wort zu einer Erklärung namens der englischen Regierung. Er sagte, er hätte gewünscht, daß dis Frage der Reparationen und der Arbeitszeit in Deutschland ganz voneinander getrennt bleiben würden. Da sie aber hier miteinander in Verbindung gebracht worden seien, sei es auch nötig, daß er einige Worte über diese Seite des Problems sage. Nachdem er betont hatte, daß der Achtstundentag in England tatsächlich in weiterem Umfange mnegehalten werde als in irgendeinem anderen Lande, und nach der Mitteilung, daß die englische Regierung die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens vornehmen werde, sobald es der Geschäftsgang des englischen Unterhauses gestatte, zittierte der Redner zwei Paragaphen aus dem Sachverständigengutachten zum Beweise dafür, daß die von den Sachverständigen oorge« schlagens Maßnahme keine schwereren Lasten für den deutschen Steuerzahler zur Tilgung der inneren Schulden Deutschlands bedeuten als die Lasten der alliierten Mächte, die ihnen aus ihren inneren Verpflichtungen erwachsen. Es folgt daraus, so fuhr der Delegierte der englischen Regierung wörtlich fort, daß nichts in dem Bericht der Sachverständigen oder sonstwo ein Argument abgeben kann für die Einführung ungünstigerer Arbeitsbedingungen in Deutsch-
Man kann also behaupten, daß die Frage der Reparationen, wenn man sie mit derjenigen des Achtstundentages in Verbindung bringen will, irgendein Grund zur Rechtfertigung der Ablehnung des Grundsatzes der achtstündigen Arbeitszeit abgibt. Die Verkürzung der Arbeitswoche sei, so schloß der englische Regierungsdelegierte, der einzige praktische Vorteil, den die Arbeiter als Ergebnis des Friedens erzielt hätten. Diejenigen, die sie dieses Vorteils berauben wollten, würden seiner Ansicht nach eine sehr schwere Verantwortung auf sich laden. Gegenüber dem deutschen Arbeiterdelegierten Müller betonte der deutsche Arbeitgeberdelegierte Vogel, daß seinerzeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausdrücklich vereinbart worden fei, daß der Achtstundentag nur dann in Deutschland durchgeführt werden könne, wenn er in allen Kulturländern gleichmäßig eingeführt sei. Das fei aber bis heute durchaus nicht der Fall. Von irgendeinem Dumping der deutschen Industrie könne keine Rede fein. Sie deutsche Industrie habe in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die ungeheuren Lasten der sozialen Fürsorge auf sich genommen, als in anderen Ländern noch keine Rede von sozialen Einrichtungen war, und ohne daß sie von einem Dumping der Aickieren gesprochen habe. Deutschland habe kein anderes Ziel, als seine Lasten abzutragen und seinen Kindern eine bessere und glücklichere Zukunft zu bereiten. Darauf gab der deutsche Arbeiterdelegierte Müller eine persönliche Erklämng an, in der er sagte, Herr Vogel hat sich in einer Weise mit meinen Ausführungen beschäftigt, die den Eindruck eines häuslichen Streites machen mußte. Deshalb ziehe ich es im Interesse meines Vaterlandes vor, diesen Streit bei uns zuhause auszutragen. Mit einem Bericht des argentinischen Arbeitgeberdelegierten de Marval, der betonte, daß in Argentinien der Achtstundentag im wesentlichen praktisch' durck)geführt fei, schloß die heutige Debatte, deren Fortsatzung fobane auf morgen vertagt wurde.
AAchmals das Kakenkreuz im Gertchlssaal.
In der vergangenen Wache hatte der Vorsitzcnttz filier S^öffenfammer beim Amtsgericht Charlottenburg Amts«encht«rat Fricdländer, den völkischen Reichs« k«g»abgcordnkten Major a. D. Hennins, in ein» Ordnungsstrafe genommen, weil er im Gerichtstag mit einem Hakenkreuz am Rock erschienen sei. Dei Rcchttheistan» Hennin«« hatt« daraufhin den Amt« acricht«rat Friedländer wegen Befangenheit abgelchnt Die über die Ablehnung entscheidende Instanz bei Landgericht« 3 hat nunmehr diesem AblehnungSe» suchen statt,tgcbeu unt zwar mit ber Begründung »aß wohl ein in auffälliger und ostentativer Weis« getragenes Hakenkreuz der Würd« bei Gericht? nicht entspreche und daher abzulehncn fei. Der Richtet dabe aber in diesem Falle an feine SüterjMMttmJml
Grundlage.
gcz. Dr. Lewald
Präsident der Deutschen R-i»rausschusseS für Leibesübungen.
Für die deutschen Turn- und Sportvereine erkläre ich alle Nachrichten über eine Militarisierung für unwahr. gez. Wildung.
Nochmalige Verlängerung der Mienm-Vertrâge.
Blattern, eldungen aus Düsseldorf zufolge sind die Vertreter des Ruhrbergdaues für morgen nach Düsseldorf zu neuen Verhandlungen über die Verlängerung der Micumverträge emge- laden worden. Die Verträge wurden bekanntlich am 15. Juni bis zum 30. Juni verlängert. Bezüglich des deutschen Standpunktes in dieser Frage wird dem „Berl. Tageblatt" zufolge aus Kreijen des Bergbaus nochmals die Notwendigkeit betont, daß das elte Micumsystem für den Bergbau fortfallen und in das Sachverständigengutachten aufgehen müsse.
Der Achtfiun-entag vor -er ArbeUs- »o«ferenz.
Genf. 26. Juni. Der zweite Tag der Debatte über den Achtstundentag auf der 6. internationalen Arbeitskonferenz begann mit einer großen Rede des deutschen Arbeiterdelegierten Hermann Müller, der die Objektivität des Berichts des Direktors des Internationalen Arbeitsamts anerkannte. Bis zum Jahre 1923 fei der Achtstundentag in Deutschland regelmäßig durchgeführt worden. Die befonder« Lage, in die Deutschland durch die Ruhrbesetzung ge- kommen sei, wolle er gern anerkennen, aber die deutsche Regierung hätte diese Lage und die Schwächung der Arbeckerorganisationen durch die steigende Inflation dazu benutzt, den Achtstundentag nicht mehr innezuhalten. Was man den deutschen Unternehmern vorwerfe, erklärte der Redner, sei, daß sie die großen Gewinne der Jnflationsperiode nur zur Verbesserung und Vermehrung ihrer industriellen Anlagen benutzt haben. Sie schwierige Lage infolge der Reparationszahlungen verkennen wir nicht, aber wir wollen, daß ohne irgendeine Veränderung der Grundsätze die Achtstundenarbeit aufrecht er- halten wird. Wir wollen nickst ausgebeutet werden. Eine Erhöhung der Arbeitszeit kann überhaupt nur bann nützlich wirken, wenn sie mit Willen und Zustimmung der Arbeiter erfolgt. Deshalb unterstützen die deutschen Arbeiter durchaus die Resolution Jouchaur. Mit