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SanauerW Anzeiger

General-Anzeiger

AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237.

B e»u s s v r-e t s für die 2 Wochen vom 1. bis 14. Juni 1 Goldmark ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Goldpfennig.Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldofsnnig. für die R e k l a m e z e i l e (68 mm) 50 Goldpfennig Offertengebüh r 80 Goldofsnnig Geschäftsstelle Hammerstraße 9.

Eriöllnassart und Gerichtsstand für beide Teile Sana« a. Main. Mr PlatznoriSriN «nd GriSeinanastag» der Anreisen wird feine Gewähr geleistet. Zm Falle höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anivruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Berugsvreiler

Nr. 140

Dienstag dem 17. Juni

1924

Das Neueste.

Dem Neuterschen Büro zufolge ist es sehr ! voh! möglich, daß in einigen Wochen eine s alliierte Reparationskonferenz stattfinden werde.

Herriot wird im Zusammenhang mit seiner Reise nach England eine Konferenz mit I ben Belgiern haben.

Nach einer Meldung aus Mainz ist ein Teil der im Mainzer Eisenbahnprozeß vom 7. Mai 1923 verurteilten deutschen Eisenbahner aus der Haft entlasten worden. Die Freige­lassenen hatten seinerzeit von dem französischen ' Kriegsgericht Freiheitsstrafen bis zu sieben Jahren erhalten.

Von Arbeitgeberseite im Baugewerbe wird mitgeteilt, daß die Mitglieder sämtlicher Arbeitgeberverbände des Baugewerbes die Aus­sperrung -aller Bauarbeiter der Provinz Ost­preußen mit Wirkung vom 18. Juni beschlossen haben, da die Arbeitnehmer alle Schiedssprüche abgelehnt hätten.

Der rote Kandschuh.

Vor einigen Tagen war berichtet worden, Herr S e v e r i n g, der preußische Minister Des Innern, werde verfügen, daß Stadt- und Gemeinde verordnete, die sich nicht durch Handfchlag verpflichten lassen wollen, ihr Mandat nicht ausüben und an den Sitzungen Der Gemeindevertretungen nicht teil« nehmen könnten. Falls ein solcher Erlaß wirklich I erscheint, wird er nur ein Lusthieb gegen Die I kommunistische Hydra sein. Sie wird nämlich - rohen Spaß damit treiben, wie es bei der «F Verpflichtung in Den rheinischen und weWM scheu Gemeinderatssitzungen bereits geschehen ist. Da erschienen Die neuen Inhaber von Ehren- amtem in roten Handschuhen, Die sie beim Pslichteid zwar vorübergehend ablegten, um aber im Anschluß Daran Das Geschehene zu widerrufen . und Die feierliche Handlung ins I Lächerliche zu ziehen. Wiederholt haben Denn auch die zuständigen Bürgermeister sich vorbe­halten, aus solchen Auftritten Die rechtlichen ' Folgerungen zu ziehen, Das heißt, solche kommu- ! Mischen Stadträte nicht anzuerkennen. Aber I was bedeutet ein solcher Vorbehalt anders als I âcht- und Ratlosigkeit, da der Kommunist sich als der Stärkere und Witzigere fühlt und schon bei der allernächsten Gelegenheit seineTod- : seindschaft" gegen Die bürgerliche Ordnung lär- luend zum Ausdruck bringen wird!

Die Regierungen werden über kurz oder uM die kommunistischen Methoden in den öffentlichen, Körperschaften doch etwas schärfer >ns Auge fassen müssen. Es bestehen ausführ- von Mo s k au stammende Anweisun- j gfnfür die neugewählten kommu- U'stischen Gemeindevertreter in Deutschland, und wer die Geistesverfassung dieser Weltstürzer noch nicht hinreichend kannte, der ivird staunen über Die Ausführlichkeit und Gründlichkeit, womit hier alle möglichen Dritte der Hemmung und Bekämpfung bür« geriuber Arbeit bis ins Endlose beschwätzt wer- < ^ "Köln. Ztg." bringt ein Auszug einer Wen Anweisung im heutigen ersten Morgen- zum Ausdruck. Was soll da nicht alles unternommen und geredet werden, um die Gei- r Au schwachen und mürbe zu machen, damit Kommunismus mit Ellbogenstöhen sich vor- anarbeite! Erstens durch Anträge. Zuje- Punkt Der Tagesordnung sollen kommu- Ulsnsche Anträge gestellt und bei allen sich bie« Wen Gelegenheiten wiederholt werden; das die Lockspeisen für Unzufriedene aller im Staat, unter Denen überdies vorher Ver- lammlungen abgehalten werden sollen. Dann heißt es weiter:

Tage der Verhandlung im Gemeinde­parlament müssen Umzüge Der Streikenden, -ausgefperrten, Obdachlosen, Erwerbslosen usw. urch Die Straßen der Gemeinde auf die Ver- yandlung aufmerksam machen. Die Demonstra- uonszüge sind vor Die Rathäuser usw. zu führen io weit durchführbar, stets auch in i e Sitzungssäle. Sowie der Demonstra- , Miszug ankommt, beantragen unsere Ge- ^Vertreter, daß die Demonstranten M Sitzungssaal zu Gehör kommen. Ein Teil er Fraktion begibt sich sofort vor das Rathaus, Wit eine kurze Ansprache und führt die Dele- ober den ganzen Zug der Demonstranten m ven Sitzungsraum, wo die Vertreter Der De« WnftMnttzn das Wort nehmen,

Sitzen sich Widerstände des Gebrüll ent

gegen, so wird dennoch gebrüllt, wobei Die be- sichtlich bis dahin die Arbeiten der sonders geladenen Gäste auf Den Tribünen mit- von der Reparationskommission eingesetzten zuwirken haben. Kommt aus Dem Tumult et- Organisationsausschüsse zu einem gewissen Ab- was heraus oder kommt nichts heraus, so wird, schluß gelangt sind.

wie in mehreren Paragraphen festgelegt ist! Dmitris Reise «ach London.

zuwirken haben. Kommt aus

das Ergebnis in neuen Massenversammlungen gebührend" gewürdigt.Das Auftreten del kommunistischen Gemeindevertreter muß sich von dem der Bürgerlichen und ihrer sozialde­mokratischen Lakaien durchaus abheben." Aus­führlich ist die Anweisung, wie sie dem Kapita­lismus gegenüber eineherausfordernde Hal­tung" zeigen müssen, nicht nur in Worten, fon- dern auch in Taten. Was das Kapitel derparla­mentarischen Formalitäten" anlangt, so stellen die Vorschriften nor allem fest, daß Eid und Handschlagfelbstvèrständlich ge° leiste t" werden sollen. Die Gewissens- fragen, die künftig den gewählten kommu- niftischen Gemeinderatsmitgliedern zur proto­kollarischen Beantwortung vorgelegt werden sollen, werden den von Skrupeln und Zweifeln nicht Geplagten also auch nicht viel Sorge machen. Sie nehmen unbedenklich alle Aemter an,Vertraulichkeit wird nicht respektiert." Dann kommt etwas besonders Ungeheuerliches:

Unsere Genossen müssen sofort verlangen, daß die bisherigen bürgerlichen und sozialdemo­kratischen Bürgermeister, Gemeindevorsteher, Schössen, Stadträte usw. wegen ihrer arbeiter­feindlichen Taten sofort ihre Aemter niederlegen. (Daher gewiß auch der Ma­gistratsabbau-Antrag in Hana u.) Nach bür­gerlichem Recht haben diese Leute einen An­spruch auf Pension. Unsere Genossen stimmen jedoch nach proletarische:

>1^ W1I|WI [nuuned am 17. Mai an Macdonald gerichtet hat und fragt, im Recht dagegen. Bei lob Herriot die darin festgelegten Bedingungen zu den

Kandidaten.

In dieser Tonart geht es noch seitenlang weiter. Wo die Kommmunisten die Mehr­heit gewinnen, wird das Gemeindeparlament zu einer KeimzelleeinesRäteparla- ments umgewandelt.In ihm sprechen zu den einzelnen Punkten nicht nur die gewählten Gemeindeoertreter, sondern vor allem die je­weiligen Delegierten der Betriebsräte, Betriebs­zellen, Erwerbslosen, Kriegsopfer usw." Par­lamentarische Ordnung wird von proletarischem Terror abgelöst. Aber nicht nur die Gemeinde­parlamente, sondern auch schondie Schu­len sollen zu solchen Keimzellen des Räteparla­ments gemacht werden. Am 22. Juni sind in Preußen die neuen Elternbeiratswahlen. Dazu schreibt dieRheinische Ztg.",die ganze Wucht des Kampfes sozialdemokratischer Eltern werde sich gegen die Kommunisten richten müssen". Schon häuften sich, so berichtet das Blatt, aus verschiedenen Städten die Nachrichten, daß die Freien Schulen dem Kommunistenterror nicht standhalten könnten, daß vernünftige Eltern stark in Zweifel gerieten, ob sie ihre Kinder die­sem Terror, der an den Freien Schulen immer mehr Platz greife, noch länger anvertrauen könnten, und daß die Lehrer wieder zu den kon­fessionellen Schulen zurückkehrten. Die kommu­nistische Parole wirdverbrecherisch" ge- nannt, da sie dieErziehung unserer Jugend zur Staatsverneinung und zum revolutionären Klassenkampf" ausruse. Gegen Verbrechen müssen aber Gesetze m Anwendung gebracht werden, und wo sie nicht ausreichen, müssen sie neu geschaffen werden.

Aus den kommunistischen Instruktionen für die Gemeindepolitik ist leicht zu ersehen, worauf es bei neuen gesetzlichen Verboten etwa an­kommen müßte. Ein Reichsgesetz nach Art des Sozialistengesetzes von 1878 wäre verkehrt, denn man braucht nicht kommunistische Vereine und Versammlungen zu verbieten, sondern nur diejenigen leicht zu umschreibenden Ausschrei­tungen unter besondere Strafen zu stellen/ die unsere Staats- und Gemeindeverfassungsrechte mrchbrechen oder umbiegen. Nur wenn im Ro­ten Handschuh sich die Sauft zuTaten" ballt, muß zugepackt werden, und das kann nicht mit Samthandschuhen geschehen. Die kommunisti- chen Anmaßungen sind so herausfordernd und »eschämend für das deutsche Volk geworden daß schon aus diesem Grunde eine Reichsregie-' rung auf breiter Grundlage eine drängende Notwendigkeit ist.

gndufttie und Reparationsproblem.

Der Vorstand der Reichsverbandes der deutschen Industrie hat den Hauptausschuß für , den 2. Juli nach Berlin eingeladen, um zu der gegenwärtigen Wirtschaftslage und den ge- amten Fragen des Reparationsproblems, ins­besondere au dem Inhalte des Sackverständiaen- i

gutachtens, Stellung zu nehmen, da voraus-

Pauls, 16. Juni. Herriot bestätigte heute morgen seine Absicht, am SamStag abend nach London abzu. reifen, um sich mit Macdonald zu besprechen. Er ge­denkt zwei Tage in London zu bleiben. Am Sonntag wird er mit den englischen Ministern Fühlung nehmen und am Montag die verschiedenen, die beiden Länder angehenden Probleme einer eingehenden Prüfung unterziehen. Auch wird er entweder schon vor oder nach seiner Londoner Reise nach Brüssel fahren, um mit dem belgischen Kabinett die Beziehungen auf« zunkhmen.

Paris, 17. Juni. DasEcho de Paris" schreibt über. die bevorstehende Reise Herriots nach London und Brüssel. Herriot müsse wissen, daß die Kabinette in Paris und Brüssel das Versprechen ausgetauscht hatten, sich über die verschiedenen Reparationsprobleme zu verständigen, bevor sie in Verhandlungen mit den übrigen Regierungen treten. Der französische Wort­führer könne seine Stellung gegenüber dem englischen Kabinett nur mit Zustimmung des belgischen Kabinetts geltend machen. Wir hoffen also, so schreibt das Blatt, daß die wichtige Etappe Brüssel auf der Hin­reise nicht übergangen wird. Der Außenpolitiker des Blattes macht Herriot klar, warum er diese Forderung stellt, es ist nötig wegen der gestern von Macdonald abgegebene Erklärung über die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund. Das Matt erinnert Herriot an den Inhalt des Briefes, den Poincar«

geneigt sei, sie fallen zu lassen. DaS Matt stellt an Herriot die Frage, ob er die These, die seit dem 6. Februar 1920 alle französischen Ministerpräsidenten wiederholt hätten, anerkennen würde, daß die Be­iatzungsfristen nicht laufen, solange Deutschland feine

Unterschrift nicht geleistet habe. Die früheren Re­gierungen sind der Ansicht gewesen, daß statt einer soliden Sicherheitsemstellung das Besatzungsrecht voll ausgenutzt würde. Herriot muß zu diesen Fragen Stellung nehmen.

Verriet beim deutschen Botschafter.

Paris, 16. Juni. Ministerpräsident Herriot hat heute nachmittag dem deutschen Botschafter von Hoesch einen längeren Besuch abgestattet, in bessert Werlau eine politische Aussprache stattfand.

Vertagung der Ftottenabrüstungsfrage

Genf, 16. Juni. Der Völkerbundsrat be schloß am Ende seiner heutigen Sitzung au Antrag Benesch, angesichts der starken Meinung» Verschiedenheiten, die sich bei der bisherigen Behandlung der Flotienadrüstungsfrage ergeben hatten, das gesamte Problem der nächsten Völkerbundsversammlung vorzulegen, damit diese letztere für eine allgemeine Verständigung über die Beschränkung der Flottenrüstungen ent­werfen könne. Ferner bestimmte der Rat, daß die ungarische Regierung sowohl mit der rumänischen, wie mit der tschechischen Regierung Verhandlungen über die Ernennung der Präsi­denten der ungarisch-rumänischen und der unga­risch-tschechischen Schiedsgerichte führen möge. Falls bis zur nächsten Ratstagung eine Einigung nicht zustandegekommen sei, würde der Rat ge­mäß den Bestimmungen des Friedensvertrages selbst die Ernennungen vornehmen.

Deuifcher Tag in Siegen.

Siegen, 17. Juni. Am 14, und 15, Juni fand hier ein deutscher Tag statt, an welchem eine große Anzahl von auswärtigen Vereinen und Verbänden, namentlich aus dem besetzten Gebiet, erschienen waren. Von Generälen waren Ludendorff und Below er­schienen. Da die Abhaltung öffentlicher Feiern ver­boten war, fanden sie in geschlossenen Sälen statt. Nach der Begrüßung der Gäste am Bahnhof fand die Einweihung eines neuen Schachtes auf der Grube Neue Haard in Weidenau statt, der den Namen Ludendorff-Schacht erhielt und von General Ludendorff geweiht und feiner Bestimmung überreden wurde. Am Abend fanden i» großen Sälen Begrüßungsfeiern statt. Der Sonntag wurde durch einen großen Fest, gatterdienst eingeleitet. Die r siebenen Feiern in oen Sälen am Sonntag waren ^uaieifl für auswärtige Gil sie bestimmt. Die Feier verlief ohne Störung in voller Ruhe und Ordnung.

Das Berliner Eisenbahnunglück.

Berlin, 16. Juni. Wie die ReichSbahndirektion in Berlin mitteilt, läßt sich das Ergebnis der Unter-11

suchuug des Unfalls am Potsdamer Bahnhof wie folgt zufammenfaffen: Die Hauptschuld trifft den Fahrdienstleiter des BesehlSstellwerkes im Potsdamer Bahnhof. Er mußte infolge einer Störung in bet Stellwerkseinrichtung das telegraphische Zugmeldever- fahren einführen. Dies bat er aber unterlassen. Inwieweit den Lokomotivführer des Magdeburger Personenzuges ein Mitverschulden trifft, weil er es an der nötigen Aufmerksamkeit in der Streckenbeobach­tung fehlen ließ, wird die gerichtliche Untersuchung er­geben. Bei den Presseerörterungen über den Unfall wurde bezüglich der Rettungsaktion das Fehle« von Werkzeugen und die Kopflosigkeit des Personals be­anstandet. Nach unseren Feststellung«« waren bereits 25 Minuten nach dem Unfall die Verunglückten nicht nur aus ihrer Lage befreit, sondern größtenteils auch schon abtransportiert. Hieraus geht zur Genüge her< vor, daß alle Mittel zur Rettung der Verunglückten in ausreichendem Maße zur Verfügung standen unb rechtzeitig herbeigebolt wurden. Auch der Wagenbrani ist sofort im Entstehen gelöscht worden. Sämtliche Verletzte befinden sich, wie der Präsident der Reichs« bahndirektion noch am Samstag persönlich i« den Krankenhäusern festgestellt hat, außer Lebensgefahr.

Einigung im Eisenbahner-Konflikk.

Die gestrigen Verhandlungen der Gewerkschafts« Vertreter der Eisenbahner mit der ReichSregierung Haben zu einer vollen Einigung geführt. Die Lohnerhöhung beträgt danach durchschnittlich 10 Prozent. Die zehnte Arbeitsstunde in der Bahn- unterhaltung fällt in der Sommerzeit fort. Die Be­zahlung der neunten Stunde als Ueberstunde findet nicht statt.

Die Erschießung des belgischen Leutnants Graff.

Steffin, 16. Juni. Heute vormittag begann vor dem Schwurgericht des Landgerichts Stettin unter dem Vorsitz des Landgerichts- direktors Hoffmann der Prozeß gegen die drei Angehörigen der Schutzpolizei, Kaws,

März 1922 in Hamborn erschossen zu haben. Die Anklage wird vertreten durch den Generafftaatsanwalt G u t t h a h n - Berlin und den Oberstaatsanwalt Schönfeld -Stettin. Da im Verlauf der Verhandlung die Ak tetr herbei g ifchen Behörde n, die seinerzeit als vermeintliche Täter den PMzeileutnant Reinhardt und acht Polizeiwachtmeifter verurteilt haben, zur Erörterung gelan­gen, wurde ein Dolmetscher zugezogen. An dem

Amtes und des preußischen Justizministeriums teil. Nach der Vereidigung der Geschworenen und Feststellung der Personalien der Angeklag­ten werden die Angeklagten vernommen.

Bei der Vernehmung Kaws' mach! der Vorsitzende diesen darauf aufmerksam, daß in seinen bisherigen Aussagen, u. a. bei der

LH ^IUU^VJ^ I V V * I Y * V*/ V iW I l IWJ1/ VIV

ausgskKrt werden müßten. Kaws hat den Feldzug als Kriegsfreiwilliger mitgemacht und war eine Zeitlang Büroangestellter des Pom- morschen Landbundes. Er schilderte die Vor- gänge vor der Tat, insbesondere die Erregung, die über den Mord an dem Polizeiwachtmeister Chmilewski durch den belgischen Polizei-agenten Schmitz in der Zwilbevölkerung wie in der Schutzpolizei bestanden. Am Tage der Mord­tat hatten er und die beiden Atitangeklagten Ruhetag gehabt und seien gegen abend in Zivil

ausgegangen. tote hatten sich über den Fall Chmilewski unterhalten unb dabei Meinungs- Verschiedenheiten gehabt. Sie feien in zwei Wirtschaften gewesen irrtb hätten Bier getrun­ken. Kaws will nun an der Haltestelle der Wolffftraße in Hamborn in der Straßenbahn einen Belgier gesehen und in diesem den PM- zewgenten Schmitz erkannt haben. Nach der Angabe Kaws seien sie dann emgestiegen, um sich davon zu überzeugen, ob es sich um Schmitz handle. Schwirrat fei jedoch wieder abgesp-un- gen. Engeler aber, der ihm folgen wollte, wurde von Kaws zm sickgehalten. Kaws habe dann durch d'e Glasscheibe den Kopf des Belgiers gc- ehen und die Wagentür a ufgemacht.' Darauf labe er die Zivilisten, die auf der l,-in leren Plattform standen, gefragt, ob die Straßen­bahn nach Walsum fahre, um sich zu über­zeugen, ob sich auf der Plattform belgische Poli- geiagenten in Zivil befänden. Sobald er Schmitz erkannt zu haben glaubte, habe er sich gesagt, dem müsse er dasselbe Schicksal bereiten, las dieser Chmilewski bereitet habe. Kaws labe dann durch die geöffnete Tür mit der Pistole einen Schuß gegen Graff abge­geben. Er habe dann noch einen Schrei gehört, es von der Plattform abgefprungen und in eine Querstraße gelaufen. Während dieser Zeis habe er noch zwei oder drei Schüsse vernonv men. Später sei er mit Schwirrst und Engeler

re, um sich zu über