SanauerS Anzeiger
General-Anzeiger / AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Con«, und Feiertage. / Fernfprech-Anschlutz Nr. 1237.
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Sir. 128
Montag den 2. Juni
1924
Das Neueste.
— Bei der Station Ansnoye sind gestern abend Ht Schnellzüge Amsterdam—Paris und Köln—Paris zusa«me«gestoßen. Von den Reisenden ist niemand verletzt worden.
— Die „Oeuvre Novelle" erklärt in der Lage zu sein, mitzuteilen, daß der Entschluß Millerands zu- rülkzutreten schon gefaßt sei, aber er gedenke sich seine» Mandats in Regeln der Verfassung zu entledigen.
— Poincars hat offiziell seinen Rücktritt erklärt.
I — 3« der Regierungsbildung wird die Entscheidung heute erwartet. _______________
Wochenvoricharr.
Rücktritt PoincarLs und Berufung Herriots. — Internationale Zusammenhänge. — Ein neues
Kabine! Dr. Marx wahrscheinlich.
In Deutschland. wie in Frankreich ist Sie Regierungsbildung jetzt in ihr entscheidendes Stadium getreten. Auf dem Kongreß der frcm- zösischen SoziaKsten wird es sich heute zeigen, ob die Sozialisten aktiv an der Regierung teilnehmen oder nicht. Mes spricht dafür, daß der
Muderheit einen verneinenden Beschluß fassen wird. Die französischen Sozialisten sind ebenso wie die englische Arbeiterpartei noch stark durchsetzt mit kommunistischen Elementen (wovon ja auch die deutschen Genoßen nicht ganz frei sind). Sie fürchten schwere innere Kümpfe, wenn sie eine bürgerliche Koalition eingehen. Aber auch wenn die Anhänger von Leon Blum und Lon- guet die Koalition selbst zurückweisen, so ist dadurch die französische Regierungsbildung in Usbere^nsümmung mit dem Wahlausfall doch nicht gefährdet. Man kann für die nächste Zeit einigermaßen sicher voraussehen, wie die Dinge in Frankreich laufen werden. Poincare ist mit 'emem Kabinett gestern zurückgetreten. Die
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èer die Mission aus den Händen Millerands auch ann-iimrnt. Dann wird in wahrscheinlichem Falle einer sOzialistifchen Nichtbeteiligung ein Linkskabmett aus den bürgevKchen Parteigängern Herriois gebethet werden. Die Sozialisten werden es unterstützen und man rechnet unter diesen Umständen auf eine Reglerungs- mchcheit von etwa 30 Stimmen. Was weiter geschieht, ist noch eine offene Frage. Das bezieht sich namentlich auch auf den Fall Millerand, der allem Anschein nach durch den Rücktritt des Präsidenten der Republik feine Erledigung finden wird, wie es fchoint, aber erst nach parlamentarischen Kämpfen.
Wie man sieht, ist die Grundlage der neuen ranzösischen Regierung weit davon entfernt, so icher zu sein wie die des Herrn Poincare. Vom ersten Tage an wird deshalb auch Poincarè auf der Lauer liegen, um Herriot das Leben schwer zu machen und ihn, wenn es geht, wieder zu stürzen. Wir sind in Deutschland vielleicht zu sehr geneigt, auf das Ausland zu blicken. Es wäre aber in d^iefem Falle nicht politisch gehandelt, wenn man verkennen wollte, daß durch das Gutachten die auswärtige Politik aller betei- bgten Staaten miteinander verknüpft ist. In Frankreich hat man durch den Sturz Poincarès diese Verknüpfung anerkannt. Und man wird auch in Deutschland, wie immer die Regienungs- biLung läuft, nicht aus den Augen verlieren dürfen, deß die Zusammensetzung des neuen deutschen Kabinetts eine sehr-starke Rückwirkung aus die außenpolitische Haltung der Gegenseite haben wird. Weht die Stift in Deutschland Wn das Gutachten, so wird von der an sich nicht bedeutenden Mehrheit Herriots nicht viel zu halten sein. Und in England wird man dann das Spiel verloren geben, durch das man M Zusammenarbeiten mit den Vereinigten Staaten von Amerika eine grundlegende Aenderung der europäischen und weltpolitischen ^age gegen Poincare und feine bisherige Poli-
Zu gewinnen hofft. Deshalb ist es verständ- daß wir bei der Frage der Kabinettsbildung m erster Linie Rücksicht auf die Außenpolitik und daß das Ausland mit denkbar größtem Interesse den Verlauf der Dinge bei UNS verfolgt.
Auch in dieser Frage der deutschen SRegie* ^ungsbildiung wird heute wohl die Entscheidung
Sie ist kaum noch zweifelhaft. Die -ueutchnationalen aber haben eine Kursände- Wg verlangt, für die die ^anderen Parteien nicht zu haben waren. Unter diesen Umständen garnichts anderes übrig, als eine Wieüer- ^rjtellung der alten Koalition. Das Zentrum und die Demokraten sind dazu entschlossen. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei tritt heute Zusammen, um über die Frage ihrer Teilnahme Endgültig Beschluß zu fassen. Sie legt großen
Partei in die einzig jetzt noch mögliche Regie- mwb. Daß sie im übrigen der bisherigen btion treu bleibt, kann man wohl als sicher annehmen. Handelt es sich doch bei der Fortführung der bisherigen Außenpolitik in erster Linie um ihre Politik und um das Werk ihres Parteiführers Dr. Stresemann. Das neue Kabinett Marx, mit dessen Wiederaufrichtung man rechnen kann, wird für die außenpolitischen Entscheidungen eine sichere Mehrheit haben. Es wird diese Entscheidung so rasch wie möglich herbeGühnen, um eine Lösung zu ermöglichen, nach der die deutsche Wirtschaft seit Wochen schreit. Im ühri- igien ist auch in Deutschland — darin stimmt die Situation mit der in Frankreich überein — die weitere parlamentMsche Zukunft ungewiß. Aber es ist schon ein Gewinn, wenn wir über die nächsten vier bis sechs Wochen hinwegkommen.
Noch keine Lösung der Rsgierungs- krèfe.
Berlin» 2. Juni. Eine Regierung konnte auch in den letzten beiden Tagen nicht zustande gebracht werden, da man vorerst in eine Prüfung der neuen Sachlage eintreten will. Die Deutsche Volkspartei hat für den heutigen Tag alle Mitglieder der Fraktion telegraphisch nach Berlin beordert, um sie zu den Beratungen hinzuzuziehen.
Die Stimmung der Deutschen Volkspartei kennzeichnet folgender Beschluß ihrer Reichstagsfraktion: Die Fraktion der Deutschen Volkspartei ist durch die gestrige Erklärung der Deutschnationalen vor eine völlig neue Lage gestellt worden. Sie stand bisher unter dem Eindruck, daß die Deutschnationalen ebenso wie die Deutsche Volkspartei gewillt seien, unter
Aunenpvlrrlk eine Zusammenfassung aller bürgerlichen Kräfte herbeizuführen. Sie war zu dieser Annahme um so mehr berechtigt, als die gesamte außenpolitische Lage und die Situation
der deutschen Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, namentlich in der Kreditfrage, die
Annahme und beschleunigte Durchführung des Ä E Ms dem Wege der. Gewalt. Es wolle der
Sackverstündiaenautacktens aebieterisch erkor- ' < 06 ^eulimnatwnaien Mit der Erkla- Frieden, aber nicht einen Frieden, der hinter sich Furcht
S?3,;°{?£KIfS J SS rung hervorgetreten seien, daß auf dem Ge- unb Haß lasse und den Reim zu dein Gefühl der
dern, wobei die Deutsche Vaüspartei die Siche- bitztg ber Außenpolitik erscheine der Deutsch- Rache und der Revanche in sich bei^e. Er wolle einen
^^^lorderungen als Demokratischen Partei als eine Gefährdung der ^rechten Frieden, der mit der Würde aller Völkci selbstverständlich erachtet. Die Deutsche 23olfs= angebahnten Verständigung und als eine Vor- vereinbar sei, einen definitiven und dauernden Frieden, Partei hat durch ihre Verhandlungsführer in der den Krieg, die schlimmste Geißel der Menschheit
den veraanaenen Wocken unverrückbar an die- M^5 _5'i°.^.^oeutschen Wirtschaft so für immer ausschließe. Auf dem Gebiete der inneren
c ™ ■ ' 'N Zögerung der von der deutschen Wirtschaft so
den vergangenen Wochen unverrückbar an die- Ringend geforderten Lösung. 1 '
fern Zrel festgehalten und ist in ihren Be- ~
mühungen unter Zurückstellung parteipolitischer ,
und persönlicher Interessen bis an die äußerste âl. Die nächste Reichstags-
Grenze des Möglichen gegangen. Durch die nunmehr auf Montag o Uhr nach-
Deraffentlichung des deutfchnationalen Befchluf- vnberaumt worden. Wenn bis dahin
les mit feiner parteioffiziöfen Kommentierung, E ^^S Ser neuen Regierung noch nicht insbesondere durch die Forderung einer Kurs- gelungen rft, so wird stcy die Sitzung ausschließ- änderung in der auswärtigen Politik sind hiefe I "^rT!t-r n tEc^L „ Geschaftsordnungs-
Bemühungen der Deutschen Volkspartei zur Fruchtlosigkeit verurteilt worden. Ihre Rolle als ehrlicher Makler hat damit sein Ende ge- gefunden. Zu der neuen Sage wird die Frak
tion in einer für Montag telegraphisch einberufenen Sitzung Stellung nehmen, da die Möglichkeit der Anwesenheit aller Fraktionsmitglie- der gegeben werden mußte. Eine Verzögerung der Regierungsbildung tritt dadurch um so weniger ein, als auch die Bayrische Volkspartei, die selbstverständlich zu den Verhandlungen mitherangezogen werden muß, spätestens am Montag in Berlin verfügbar sein wird.
Ferner beschloß die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei folgendes Vertrauensvotum für den Parteiführer und Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann: Dis Fraktion der Deutschen Volkspartei weist die aus Anlaß der RegierungsbiDung gegen ihr Fraktionsmitglied, den Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann, erhobenen Angriffe aufs schärfste zurück. Sie betont aufs neue, daß sie feine politische Tätigkeit und vor allem seine Arbeit als Reichsminister des Aeußern durchaus billigt und fein Verbleiben in diesem Amt so lange fordert, als Dr. Stresemann selbst seine Dienste' in diesem Amt dem Vaterland zur Verfügung stellt. Zu dieser Haltung wird sie in erster Linie durch die Erwägung bestimmt, daß es aus sachlichen Gründen geboten ist, im Inland und im Ausland durch einen Wechsel der Person nicht den Anschein einer außenpolitischen Kursänderung hervorzurufen.
Die Deutschnattonalen geben parteiamtlich zu ihrem gestrigen Beschluß die Erklärung, daß dieser Beschluß nicht eine Absage an den Gedanken des großen Bürger- blocks als solchen bedeute, sondern nur gefaßt worden sei, weil nach Ansicht der Fraktion die
Verhandlungen mit Dr. Marx keine Aussicht auf Erfolg mehr geboten hätten. Daß irgendein anderer Weg gefunden würde, ist nach Ansicht der deutschnationalen Fraktion nicht ausgeschlossen. Sache der Deutschnationalen wäre es, statt pythischer Orakelsprüche diesen Weg zu zeigen unl> ein Programm kundzutun, das nicht nur agitatorischen, sondern auch praktischen Wert hat. Es zeigt sich aber immer wieder, wie fehlerhaft es war, den Deutschnationalen die Verantwortlichkeit der Kabinettsbildung zu ersparen.
Die „Streit;
schon die
llzztg." schreibt über Sie Lage. „Wäre
Person des Kanzlers Marx eine starke Belastung sowohl dem Ausland als auch dem deutschen Volke gegenüber gewesen, so war es eine Unmöglichkeit, daß Dr. Stresemann in dem neuen Kabinett weiter die Geschäfte des Außenministeriums führte. Gerade unseren Feinden gegenüber würde damit zum Ausdruck gekommen sein, daß die Haltung Deutschlands genau dieselbe geblieben wâr, wie zuvor und daß auch der nationale Einschlag der Wahlen wiederum nicht zur Geltung käme. Das alte Minderheitenkabinett Marx-Stresemann wäre
nur denkbar mit einer Unterstützung der Sozialdemokratie. Daß sich diese eine solche Leistung teuer bezahlen lassen wird, darüber dürfte kein Zweifel bestehen. Wir können uns nicht denken, daß in Sonderheit die Deutsche Volkspartei nach ihren üblen Erfahrungen Geschmack daran finden wird, sich in ein neues Hörigkeitsverhältnis der ehemaligen roten Koalitionsfreunde hineinzubegeben. Wenn der Vorwärts von dem „Druck von rechts" schreibt, so hat er allerdings die Lage richtig erkannt, denn wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, daß die Deutschnationalen fest entschlossen sind durch
zur Geltung zu bringen."
Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, ist der
Standpunkt der Demokraten.
daß die Verhandlungen aussichtslos erscheinen,
ausschusses aus Haftentlassung der gefangen gehaltenen Abgeordneten beschäftigen. Andere Anträge werden nach einer Vereinbarung der Parteien nicht auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Loebes Abschied.
Berlin, 31. Mai. Der bisherige Reichs- taqspräsident Loebe verabschiedete sich heute mittag von den Beamten und Angestellten de- Reichstags. Besonders dankte der Scheidende dem Direktor beim Reichstag, Geheimrat Galle und der Presse für das ungewöhnliche Wohlwollen, dar sie ihm entgegengebracht. Er nehme aber keinen Abschied von der Presse, weil er in die Reihe dieser Kollegen zurücktrete. Galle dankte dem bisherigen Präsidenten und begrüßte den neugewählten Präsidenten Wallraf. Wallraf hob rühmend das Vertrauensverhältnis hervor, das zwischen Löbe und dem Reichstagspersonal bestanden habe und sagte zu, daß auch er dieses Verhältnis pflegen werde. Heute stehe für alle das Wort „Pflicht" an erster Stelle. Für ihn als Präsident bestehe kein Unterschied der Partei, maßgebend seien nur di« Leistungen.
Offizieller Rücktritt Poincarès.
Paris, 1. Juni. Um 10,30 Uhr vormittags übermittelte Poincars dem Präsidentan der Republik die Demission seines Ministeriums.
Der Demissionsbrirf ist von allen Ministern unterzeichnet und hat folgenden Wortlaut:
„Nach der Entscheidung die die Regierung am Tage nach den Kammerwahlcn getroffen hat, haben wir Ihnen die K»llektivdemission des Ministeriums zu überreichen/
Paris, 1. Juni. Der Ministerrat, der um Vali Uhr unter dem Vorsitz deS Präsidenten der Rc- pubik zusammengetreten ist, war um 11 Upr beendet. Nach der Beendigung hatten Poincars und der Fi- nanzminister Francois Marsal eine Unterredung mit Millerand.
Paris, 1. Juni. Der sozialistische Kongreß, der heute vormittags 9 Uhr zusammenaetreten ist bat vor
Eintritt in die eigentliche Tagesordnung einstimmig die Resolution Renaudel angenommen, die von bet! Partei die Bekämpfung jeder Regierung verlangt, di« nicht aus der neuen parlamentarischen Mehrheit her« vorgegangen ist. Die Resolution stellt fest, daß bet Präsident mehrmals gegen die durch seine Stellung gebotene Unparteilichkeit verstoßen hat.
Paris, 1. Juni. Die Fraktion der radikalen Partehat heute vormittag eineSitzungabgehalteninderAecam- bray folgende Tagesordnung vorschlug. 1. Der Präsident der Republik ist aus seiner von der Verfassung vor» geschriebenen Rolle herauSgetreten. 2. Die aus den Wahlen hervorgegangene parlamentarische Mehrheit kann ihm also ihr Vertrauen nicht schenken. 3. In- folgedessen kann keiner der Gewählten der Linken da» Mandat der Regierungsbildung von dem jetzige« Staatschef in Empfang nehmen.
Nach einem Meinungsaustausch, an dem sich a«H Herriot beteiligte, ist mit allen gegen sechs Stimmen eine Tagesordnung angenommen worden, die den dritten Punkt beseitigt und erklärt: Da» fernere Verbleiben des Bürger» Millerand im ElysSe wird die republikanische öffentliche Meinung verletzen und wird die Quelle eines fortgesetzten Konflikte» zwischen der Regierung und dem Staatschef und eine ständige Gefahr für das Regime selbst sein.
Die erste Kammerfitzuns»
Paris, 1. Juni. Die Eröffnung bet neuen Leg!slaturperi»de ist heute unter dem üblichen Zeremoniell vor sich gegangen. Die Eröffnungsrede des Alterspräsidenten, des achtzigjährige radikalsozialisti- schen Abgeordneten Professor Pinard, flach stark ab von den bei diesem Anlaß üblichen Begrüßungsansprachen durch die außerordentlich prägnante Skizzierung der politischen Situation, durch ihre scharfe Kritik an der Politik der letzten Jahre und durch ihren hoffnungsfrohen Ausblick in eine bessere Zukunft. Pinard stellte fest, daß die zurückliegende Legislaturperiode in erster Linie bestimmt worden sei durch die betrübende Tatsache, daß der Sieg Frankreichs nicht den Frieden zu geben vermocht hatte, da man her« qeffeu habe, daß der Krieg nur dank der Hilfe der Alliierten gewonnen worden sèi. Frankreich habe zweifellos ein gutes Recht auf die Wiedergutmachung -Ct vMuxeueuj^ â» I.» weroe ateitu Ä«pru>v auch geltend machen/ Abev zu diesem Ziel werde es nur gelangen können, wenn es die Verbündeten auf seiner Seite habe, und unter der Voraursetzung, daß alle Abmachungen mit ihnen die Billigung des Völkerövndcs haben. Frankreich wolle die Gerechtigkeit, aber eine Gerechtigkeit auf dem Wege de» Rechte«, • nicht auf dem Wege der Gewalt. Es wolle den
für immer ausschließe. Auf dem Gebiete der inneren Politik bezeichnete Pinard als das schwerste Problem bet Zukunft die Lösung der finanziellen Schwierigkeiten, die am schärfsten durch da» starke Anwachsen der französischen Schuld von 223 Milliarden im Jahre 1919 auf 400 Milliarden zu Beginn des neuen Jahre» gckennzeichnet werden.
Die Kammer, die die Rede PinardS wiederholt mit starkem Beifall unterbrochen hatte, ehrte den Alterspräsidenten durch eine herzliche Ovation. Lin kommunistischer Antraff, die Kammer zu vertagen, bis der Präsident der Republik seine Demission gegeben nabe, wurde als verfassungswidrig zurückgewiesen. Die Kammer tritt morgen zusammen, um die Mitglieder der Wahlprüfungskommission auszulosen.
Die nächste öffentliche Sitzung findet am Dienstag statt.
Rheinlan-erlag.
Berliu, 1. Juni. Der Rheinländertag in Potsdam nahm unter Beteiligung der landsmannschaftlichen Heimatverbände der Rheinländer, Pfälzer, Saarländer, Reffen, Westfalen, Elsaß-Lothringer, Eupen- Malmedyer und der Ausgewiesenen einen glänzenden Verlauf. Aus etwa 100 Ortsgruppen de» Reiches waren Vertreter erschienen. Auch bemerkte man eine größere Anzahl bekannter Ausgewiesener aus den besetzten Gebieten, u. a. den früheren Reaierungsprâsi« denten Momm-Wiesbaden, Landrat Heising-Ahrweiler und Dr. kttügcr-Monschau.
Reichsminister Dr. Hoefle hielt eine begeistert auf« genommene Rede, in der er ausführte: Wir stehe« unmittelbar "or einem Höhepnnü der politischen Ent» wiÄung. Da» Sachverständigengutachten eröffnet uns die Aussicht, daß endlich die Einheit zwischen dem Rheinland und dem übrigen Deutschland wiederhergestellt ivird. In dem Sachverständigengutachten haben die Autoritäten der Welt sestgclegt, daß eine für alle Völker der Welt ersprießliche Lösung nur eintreten kann, wenn die Einheit des besetzten Gebiet» mit dem unbesetzten Gebiet wieder hergestellt wird. Wir haben die feste Erwartung und Zuversicht, daß sich diese Meinung durchsetzen wird. Wir verlangen, nachdem auf unserer Seite der passive Widerstand längst eingestellt ist, all unser Recht und all ein Gebot der Menschlichkeit bis Freigabe unserer Gefangenen und die Rückkehr unserer Ausgcwltsenen in die Heimat. Lasten Sie un» da» Gelöbnis unserer Treue zu unserer Heimat, den besetzten Gebieten am Rhein, in »er Pfalz, an der Saar und an der Ruhr, lassen Sie un» unsere Liebe zum deutschen Rhein und unsere Gefühle der festen und unerschütterlichen Zusammengehörigkeit mit dem ganze« Deutschen Reich zum Ausdruck bringen mit dem Liede, das einem jeden guten Rheinländer im Herzen klingt und das auch einen jeden Deutschen an die Treue, Pflicht zum besetzten Gtdiet mahnt:
Deutschland, Deutschland über allere