SanauerS Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt. und Landkreis Kanan a. M.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Gotta» und Feiertage. / Fernfprech-Anschlutz Nr. 1237.
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Nr. 118
Dienstag den 20. Mai
1824
Das Aeueste.
— Blâtkermeldungen aus Essen zufolge wird nach Mitteilungen aus Gewerkschaftskreisen die Zahl der streikenden Arbeiter im Ruhrbergb m: und in anderen Industrien auf rund 600 000 geschätzt.
— Der amerikanische Senat hat die Gesetzesvorlage über die Gewährung einer Gratifikation für die Knegsteilnehmer, trotz der Vetos des Präsidenten, angenommtn. Die Vorlage erlangt damit Gesetzeskraft.
— Der deutsch-awerikanische Alkoholvertrag wurde gestern von Hughes und dem deutschen Botschafter Wiedseldt unterzeichnet.
Menetekel.
Das Stahlwerk Becker, eins der größten Stahlwerke von Europa, das am Niederrhein feinen Sitz hat, ist freiwillig unter Geschäftsaufsicht gegangen, hat also einen Schritt getan, der als der letztmöglichste gilt, wenn man noch einen Konkurs vermeiden will. Man wußte in nngeweihten Kreisen schon seit einiger Zeit, daß fieses Werk mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen hatte und seine Angestellten auf die Auszahlung des Lohnes warten ließ, ein in der Geschichte der deuffchen Industrie fast unerhörter Zustand. Die in Bedrängnis geratene Firma hätte das Angebot eines international finanzierten Frankfurter Bankhauses annehmen können, wenn sie bereit gewesen wäre, ihr Werk für 10 Millionen Goldmark zu verkaufen. Da es etwa das Vierfache wert ist, verzichtete die Firma auf dieses Geschäft und zog es vor, sich unter Geschäftsaufsicht zu stellen.
Unter normalen Verhältnissen wäre das Stahlwerk Becker vollkommen flüssig geblieben. Es hätte jederzeit Kredit genug haben können, um damit sein Passiv-Saldo damit zu überwin-
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Lager befindliche Vorräte werden mit lionen Galdmark bewertet, seine Außenstände auf 3 Millionen Goldmark. Die Passiven von 9 Millionen Goldmark, die dem gegenüberstehen werden dadurch vollkommen ausgeglichen. Nur daß es heute unendlich schwer ist, Vorräte im Innenmarkt zum Herstellungspreise abzusetzen ufib vollständig unmöglich, sie auf dem Weltmarkt unterzubringen. Und ebenso trübe sieht es mit den Außenständen aus. Es ist eine allgemeine Klage, daß Wechselverpflicytungen in immer steigendem Maße nicht mehr eingelöst werden, da der Schuldner einfach zahlungsunfähig ist. Und mancher Bankzusammenbruch ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen. Diese an- normalen Zustande haben auch ein so völlig solide fundiertes Unternehmen, wie das Stahlwerk Becker, ins Wanken gebracht. Bei vollen Lagern und einem ansehnlichen Posten von Außenständen ist kein Kredit zu haben, da diese beiden Aktivposten einfach nicht zu realisieren smd, da der Kredit fast vollkommen erstarrt ist. Begleiterscheinungen, wie wiederholte Streiks, haben die Schwierigkeiten noch vermehrt.
Die Erschütterung des rheinischen Stahlwerks ist ein Warnungssignal, wie man es ü mcht drohender denken kann. Es ist wirklich keine Schwarzmalerei, wenn hervorragende Vertreter der deutschen Wirtschaft behaupten,
die Wirtschaftslage in ein paar Wochen unerträglich sei, wenn es so weitergehe wie bisher. An einem allgemeinen Druck der Wirtschaftslage haben alle in Deuffchland zu tragen, überall begegnen wir derselben Kreditnot, demselben absoluten Mangel an Kapital. An der Boffe ist allerdings in der letzten Zeit etwas Geld und infolgedessen auch etwas Kauflust in die Erscheinung getreten. Es scheint, daß der Großhandel viele bisher zurück gehaltene Waren uuf den Markt gebracht hat, selbst unter Verlusten, und daß dieses Geld zur Effektenspekula- uon verwandt worden ist. Aber dieses flüssige Kapital ist ein Tropfen auf einen heißen Stein und es ist nicht dorthin gegangen, wo es bringend nötig wäre, nämlich in die Jndifftrie- detriebe, sondern an die Börse. Für die Wirt- schaft im Ganzen ist die Lage des Stahlwerks Becker vollkommen typisch, zum Teil gefüllter ^-ager, die totes Kapital und große Zinsoerluste barstellen, zum Teil Außenstände, die nicht ein- zutreiben sind, nicht etwa weil der Gläubiger em böswilliger Nichtzahler ist, sondern weil es mm die Stockung der Geschäftstätigkeit eben- salls unmöglich macht, feine Arbeit und Produkte in Geld umzusetzen. Bei dem Stahlwerk Becker kommt noch etwas besonderes hinzu:. Die Belastung durch die Micumverträge. Die 9 Mil- uonen Passiven, die das Werk aufweist, sind Ilcher zum großen Teil Kredite, die zur Aus- luyrung^ der Micumverträge ausgenommen werben mußten. Es ist gar kein Zweifel, daß es ^len und hochangefeyenen Betrieben im Rhein- und Ruhrgebiet nicht viel besser geht als dem Mahlwerk Becker. Es ist unter diesen Umstän
nalisieren und völlig versklaven. Zum Schluß for
den nur zu verständlich, daß aus diesem Gebiete der dringende Ruf kommt, endlich eine neue Basis zu schaffen, auf der sich die Wirtschaft mit ausländischen Krediten sättigen kann.
Auf diesem Hintergründe erscheint der Konflikt im Kohlenbergbau in besonders greller Beleuchtung. Der Schiedsspruch ist abgekehnt worden und> der Kampf soll nach dem Beschluß der Bergarbeiterverbände woitergehen. Wie es scheint, wäre eine Einigung denkbar, wenn außer der ILpvozentigen Lohnerhöhung noch eine besondere Lvhnzulage für Ueberstunden zugestanden würde. Ob ein. solches Zugeständnis überhaupt möglich ist, erscheint zweifelhaft. Die Kohlenzechen behaupten, daß sie schon gegenwärtig mit Verlust arbeiten. Und man hat wirklich keine Ursache mehr, darüber die Achseln zu zucken, nachdem sogar eine Firma, wie das Becker-Stahlwerk, unter Geschästsaufficht gegangen ist. Der Produktionsausfall belastet die Industrie und die gesamte Wirtschaft mit neuen ungeheuren Kosten. Und wenn es notwendig ist, daß der deutschen Wirtschaft sobald wie möglich geholfen wird, so ist es auf der anderen Seite nicht minder nötig, daß die-Arbeiterschaft sich den Verhältnissen anpaht. Denn unter dem Zusammenbruch der Wirschaft hat'sie zuerst zu leiden. Das Menetekel vom Niederrhein wird hoffentlich auch hier nicht vergebens fein.
Der Arbeilskonflikl im Ruhrbergbau.
Berlin, 19. Mai. Als Sachverständige zur Abgabe des Rechtsgutachtens über die Frage, welche Regelung der Arbeitszeit im Ruhrbergbau gegenwärtig zu Recht besteht, schlug der Vorsitzende deS vorläufigen Reichswirtschaftsrates vor: ReichSgerichtSrat Dr. Bewer, die Universitätsprofefforen Dr. KaSkel, Dr.
Sinzheimer, Dr. Hück, sowie Landgerichtsdirektor Dr.
Gerstel. Diese Sachverständigen sind vom Reichs- „ _ . ...
arbeitsminister drahtlick um ihr Erscheinen gebeten s dert die Resolution den Reichsverband der Deut-
______._____________mmermm zum.................
Essen, 19. Mai. Zu dem Schreiben deS Zechenverbandes an das Reichsarbeitsministerium, mit dem die Annahme des Berliner Schiedsspruches mitgeteilt wurde, und zu dem auf allen Zechen auSgehängten Anschlag geben die vier Bergartetterverbände folgende Erklärung ab:
Das Schreiben des Zechenverbandes kann an der Rechtslage, sowie an den Beschlüssen der Konferenzen der Organisationen nichts ändern. Diese Beschlüsse der Organisationen haben nach wie vor Geltung. Darnach besteht die nach der Arbeitsordnung im alten Tarifvertrag festgesetzte Arbeitszeit unter und über Tage.
Effet«, 19. Mai. Die vier Bergarbeiterverbände erlassen folgenden Aufruf an ihre Mitglieder:
Die Belegschastsversammlungen einzelner Zecken I der Ruhrgebietes haben beschlossen, mit allen Mitteln,
ganz gleich, ob mit gesetzlichen oder ungesetzlichen, den gegenwärtigen Kampf zu verschärfen und die Notstandsarbeiten zu verhindern. Diese Beschlüsse werden von den unterzeichneten Organisationen auf das Schärfste verurteilt. Sie stehen mit gewerkschaftlichen Grundsätzen in Widerspruch und dürfen unter keinen Umständen von den Bergarbeitern befolgt werden. Die Ruhrbergleute wurden in den gegenwärtigen Kampf von den Unternehmern hineingedrängt. Er kann nur zentral von den am Tarifvertrag beteiligten Organisationen geführt werden, deren Beschlüsse allein sind maßgebend und zu beachten.
Verband der Bergarbeiter Deutschlands, Gewerkverein Christl. Bergarbeiter Deutschlands, Hirsch-Dunckerscher Gewerkverein, Abteilung Bergarbeiter, Polnische Berufsvereinigung, Abteilung Bergarbeiter.
Die Mieum beschlagnahmt Koks und Kohlen.
Paris, 20. Mai. HavaS meldet aus Düsseldorf: Nachdem der Streik fortgesetzt wird, hat die Micum beschlossen, einen Teil des Kokses und der Kohlen, der auf den Halden liegt, zu blockieren. Täglich sollen statt 9000, 12000 Tonnen abgefahren werden.
Die Kohlenförderung und Kokser, zeugung im Ruhrgebiet.
Cffei», 19. Mai. Im Monat April wurden auf den Zechen des gesamten RuhrgebieteS ohne dir von der Regie betriebenen drei Zechen und zehn Kokereien 3124 319 t Kohle gefördert und 1754 484 t Koks erzeugt gegen 7 297 741 t Kohle und 1849121 1 Koks im April 1922 und 9 707 784 s Kohle und 1925 884 t Koks im April 1913. Die Brikettherstellung belief sich im Berichtsmonat auf 238 207 (302 657 bzw. 436 585) t. ArbeitStäglich stellte sich die Kohlen- forvcrung im April 1924 auf 338 513 t (gegen 317 293 im April 1922 und 373 376 t im April 1913). Die tägliche Kokserzeugung betrug 58 483 (61637 bzw. 64196) t. An Briketts wurden arbeit-täglich 9 925 (13 159 bzw. 16 792) t hergestellt. Brikettbe- triebe sind von der Regie nicht beschlagnahmt. Die Gesamtbelegschaft des Ruhrbersbauer belief sich Ende April auf 454175 gegen 536 389 im April 1922 und 393 559 im April 1913.
Kundgebung der „Deulsch-Jnoustriellen-Vereinigung"
Berlin. 19. Mai. Sm Hotel Esplanade veranstaltete heute die vor einigen Tagen neu ge
gründete „Deutsch-Jndustriellenvereinigung" ihre erste öffentliche Kundgebung. Ungefähr 300 Vertreter von Einzelfirmen und Verbänden nahmen an der Kundgebung teil. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden Direktor Möllers erstattete zunächst Oberfinanzrat Dr. B a n g ein Referat. Er verwahrte sich zunächst gegen den Vorwurf, daß er als Finanzminister Kapps tätig gewesen sei, und trat dann in eine Kritik der Sachverständigenberichte ein. Er verlangte die vorbehaltlose Ablehnung dieser Berichte durch die Regierung und die Industrie und erhob gegen den Reichsver- band der deuffchen Industrie schwere Vorwürfe, daß er sich auf den Boden der Expertenberichte gestellt habe. Er legte eine Entschließung vor, worin erklärt wurde, daß die Versammelten keineswegs einverstanden seien mit der Haltung, die die Leitung des Reichsverbandes der deutschen Industrie seit Jahren zu den Fragen der amtlichen deutschen Erfüllungspolitik eingenommen habe. Die Stellungnahme des Reichsverbandes zu den Sachverständigengutachten fei durchaus verfehlt. Statt sich für die Annahme zu erklären, hätte der Reichsverband die Verpflichtung gehabt, auf die schweren Schäden hinzuweisen, die dem Wirtschaftsleben aus der Annahme drohten. Es sei ein Zeichen völliger Verkennung der deutschen Wirtschaftskräfte zu glauben, daß die in dem Sachverständigengutachten verlangte Summe aus Deutschland herausgezogen werden könnte. Der mit Sicherheit zu erwartende Uebergang der deutschen Tarifhoheit auf einen ausländischen Agenten werde die Wiederauferstehung der deutschen Wirtschaft anhalten. Die ausländische Großfinanz werde das deutsche Kreditwesen beherrschen und so die deutsche Industrie internatio-
achten zu erzwingen.
Nach dem Referat Dr. Bangs kam es zu einer Aussprache. Geheimrat v. Borsig erklärte zunächst, er lege Wert auf die Feststellung, daß n i ch t a l l e zu der Kundgebung Erschienenen mit den Ausführungen in dieser Versammlung einverstanden seien. Die Ausführungen des Oberfinanzrates Dr. Bang hätten auch auf ihn ihren Eindruck nicht verfehlt, und er gebe zu, daß Deutschland sich in einer furchtbaren wirtschaftlichen und politischen Lage befinde. „Ich habe", so erklärte Geheimrat v. Borsig, „kein Mandat vom Reichsverband der Deutschen Industrie, für ihn einzutreten, aber ich bin doch der Ansicht, daß die Angriffe gegen ihn unge- rechtferttgt sind. Der Reichsverband hat zu den Sachverständigengutachten noch keine endgültige Stellung genommen und er hat vor allem be-
tont, daß das Gutachten wohl geeignete Grundlagen für weitere Verhandlungen bietet, ler hat sich aber nicht für die Annahme als solche ausgesprochen." Geheimrat v. Borsig trat dann den Ausführungen Dr. Bangs bezüglich des Schicksals der deutschen Reichsbahnen entgegen und vertrat die Ansicht, daß die im Gutachten enthaltenen Vorschläge über die Reichsbahnen eher eine Milderung bedeuteten, da nach dem Versailler Vertrag die Bahnen so wie so der Entente verhaftet seien. (Heftiger Widerspruch und Lärm.) „Die Mehrheit im Reichsverband der Deutschen Industrie", fuhr Geheimrat Borsig fort, „ist mit dem Verlauf der 2
von
Borsig fort, „ist mit dem Verlauf der Dinge nicht 'einverstanden und ich selbst mache kein Hehl daraus, daß ich die Haltung des Vorsitzenden in der Gutachtenfrage mißbillige. Aber eine
Spaltung der Industrie gerade jetzt bedeutet eine furchtbare Gefahr. (Zurufe: Es gibt keine andere Möglichkeit!) Trog aller Meinungsverschiedenheiten im Reichsverband halte ich eine Spaltung für ein nationales Unglück. Es wäre um vieles besser gewesen, wenn man vor der Gründung eine Klärung herveigeführt hätte. In Deutschland aber kann man sich nicht eins sein und man gründet einfach neue Verbände, um keinen Widerspruch gegen seine eigene Meinung zu hören. (Unruhe) Ich habe auch das Gefühl, daß man sich in dieser Versammlung Deutschlands Lage nach dem verlorenen Kriege nicht in der erforderlichen Weise klar gemacht hat. Was soll denn nun geschehen? Mit nationalen Leidenschaften kann man keine Poli
tik machen. Alles, was jetzt vor sich geht, ist der Ausfluß des Versailler Vertrages, und wie stellt man sich dessen Lösung vor? (Lebhafte und anhaltende Unruhe. Zurufe: Durch Courage! Rache!) Courage zeigt man nicht im Sitzungssaal und ebensowenig nimmt man dort Rache. (Beifall und Unruhe.) Wenn ich das sage, vergebe ich mir in meinem Nationalgefüvl nicht das Mindeste. In dem Gutachten steht Manches, was nicht tragbar ist, aber durch Beschimpfung
der Sachverständigen ändern wir daran nicht einer Artiller das Geringste. Mit einem schroffen Nein! aurruführen.
Deutschlands ist auch nichts getan. Wir Männer der Wirffchaft müssen das Ausland dafür zu gewinnen suchen, daß wir Mittel erhallen, unsere Wirffchaft aufrechterhalten zu können. Keineswegs dürfen wir blindwütig in den Abgrund hineinlaufen. Es ist ein Irrtum, wenn man hier annimmt, daß der Reichsverband der deutschen Industrie Erfüllungspolitik ohne Bedingung treibe. Ich bedaure auf das lebhafteste, daß man nicht vorher noch einen letzten Versuch der Verständigung gemacht hat. Die Brandfackel jetzt in die deutsche Industrie zu werfen, bedeutet Sechstmord."
In der weiteren Diskussion machte Fabrikant Hülsmann (Freiburg) dem Reichsverband der deutschen Industrie den Vorwurf, daß er in einer Frage über Leben und Tod der Nation durch den Vorstand Beschlüsse gefaßt habe, ohne maßgebende Gruppen im Reich um ihre Ansicht zu fragen.- Die Voraussetzung für die erwünschte.'Einigkeit sei die prinzipielle Zurücknahme der Erklärung der Reich*- verbandeS.
T e e tz, Berlin empfiehlt eine scharfe, aber sachliche Opposition im Rahmen deS Reichsverbandes.
Graf R e v e n t l o w, M- d. R. erklärt, die einzige Möglichkeit einer Rettung für und als Volk bestehe darin, daß wir jetzt geschlossen „Nein" sagen und dann darauf eine zweckmäßige Politik aufbauen.
von Bru ck-Düsieldorf-Velbert fordert den Rücktritt der Leitung deS Reichsverbandes und führt aus; Hinter der Erfüllungspolitik steht nicht daS Interesse des deutschen Volker, sondern das Sittereffe ganz weniger einzelner Persönlichkeiten, die daraus Vorteile gezogen haben.
ReichstagSabgeordneter Q u a a tz schlägt die Bildung einer ArbeitSkommission und einer Kommission vor 'mit dem Auftrag, sich mit dem Reichsverband in Verbindung zu setzen.
Geheimrat Borsig verlangt als Mitglied der Präsidiums des Reichsverbandes bezüglich der von Bruck erhobenen persönlichen Vorwürfe Namensnennung. Da er seine Anwesenheit nicht we^r_ für erforderlich hält, verläßt Geheimrat Borsig den Saal.
v. Bruck antwortet, ttt&U eluzeM« KrUMUH- feiten, sondern bestimmte Kreise habe er im Auge gehabt. Im Reichsverband sei nicht lediglich ein Personenwechsel, sondern ein Systemwechsel notwendig. Ein Zusammenarbeiten fei nur möglich bei einer Einigung über die grundsätzliche Frage: Planwirtschaft oder freie Entfaltung der Kräfte?
Geh. Oberfinanzrat Bang stellt in seinem Schlußwort fest, daß- über die von ihm vorgetragenen Dinge zwischen ihm und Geheimrat Borsig vollkommene Einmütigkeit bestehe.
Hierauf wurde die erwähnte Resolution einstimmig angenommen.
Schwere „Sanktton" über Buer.
Buer, 19. Mai. Der Kommandant der belgische» Ruhrarmec hat über die Stadt Buer wegen angeblichen Diebstahls einer auf dem Bahnhof aufgepflanzten belgischen Fahne folgende „Sanktionen" verhängt: In dem Stadtkern Buer-Mitte, einen Kilometer im Umkreis von der katholischen Kirche sollen die CafèS, Wirtschaften, KinoS und Konzertsäle für eine Zeit von 15 Tagen geschlossen sein. Vom 20. Mai ab bis 15. Juni wird die belgische Fahne aufgepflanzt auf folgenden öffentlichen Gebäuden: Bahnhof, Schupokaserne und zwei Schulen. Die Fahnen müssen geliefert werden von der Stadt. Sie sollen der gestohlenen Fahne ähnlich fein. Vom 20. Mai bi« 10. Juni werden alle Gesuche der Einwohner von Buer für Versammlungen, Gesellschaften, Erlaubnis, scheine jeder Art verweigert werden. I« Falle daß der oder die Täter bekannt und der belgischen Militär- gerichtsbehörde ausgeliefert werden, werden die .Sanktionen" aufgehoben werden.
Empfindliche Beschlagnahme« in Düsseldorf.
Düsseldorf, 19. Mai. Beschlagnahmt wurden heute von der Besetzungsbehörde:
1. der ganze Kunstpalast. Am 1. Sunt sollte darin eine Düsseldorfer Kunstausstellung eröffnet werben; die Ausstellungsgemälde waren schon in den letzten Tagen hingebracht worden;
2. die Konzertsäle des Zoologischen Gartens. Diese Konzertsäle waren in den letzten Monaten durch die städtisch« Verwaltung neu hergerichtet worden, nachdem sie in den ersten Jahren der Besetzungszeit auch militärischen Zwecken gedient hatten. Der Betrieb des städtischen Zoologischen Gartens war neu organisiert worden und sollte jetzt wieder der Bevölkerung dienen;
3. dar Werk IX der Rheinischen Metall, waren- und Maschinenfabrik;
4. ein Neubau der Rheinstahl-Eesellschast
an der Gräfenberger Allee;
5. die gedeckte Reitbahn der Polizei an der Cäcilien-Allee;
6. die sämtlichen Wohnungen der Schupo. Diese Wohnungen hatte das Reich erbaut und erst in den letzten Wochen hatte die Stadt diese Wohnungen vom Reich übernommen.
Diese Beschlagnahmungen sind eine „Sanktion" der Besetzungsbebörde gegen die Stadtverwaltung, die sich geweigert hatten den Neubau einer Artilleriekaserne für die Besetzungsbebörde