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SanauerS Anzeiger

General. Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Sana« a. AU

Erscheint täglich mit Ausnahme der Son«, und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1287.

Bezugspreis für die Zeit vom 12. bis 20. Mai 75 Eoldpfennig ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Eoldpfennig.Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldpfennig, für die R eklamezeile (68 mm) 50 EoldpfennigOff ertengeb üb r 30 Eoldpfennig Geschäftsstelle Hamm erstraße 9.

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Nr. 117

Das Neueste.

Die gestrige Vorabstimmung in Hannover hat »ine Simmenmehrheit gegen ein selbständiges Hanno- b« gegeben.

Den im Reichsarbeitsministerium gefällten Schiedsspruch für den Ruhrbergban haben die Berg- «rbeiterverbände hinsichtlich der Arbeitszeit abgclehnt.

Das Ermittlungsverfahren gegen v. Kahr, b. Seißer und v. Lossow ist eingestellt worden.

In Italien hat^ sich ein neues Eisenbahn­unglück ereignet.

Die Ruhrarbeiler lehnen ab.

Essen, 17. Mai. wie der alte Bergarbeiter- verband mitkeilk, haben der Verband der Berg­arbeiter Deutschlands und der Gewerkverein christlicher Bergarbeitr den gestern in Berlin ge- jälllen Schiedsspruch einstimmig abgelehnt.

*

Mess Ablehnung hat in Berliner politischen, Wirtschaftlichen, âr auch in gewerkschaftlichen Kreisen starkes Aufsehen erregt. Man hatte nicht erwartet, daß die Stellungnahme der Berg-, arbeitewerbän'de, darunter besonders des chrift- lichm, so schroff anssallen würde, wie dies nun­mehr der Fall ist. Was das Verfahren des Schiedsspruchs anliangt, so tönten alle Vorkeh­rungen getroffen, um ein wirklich unparteiisches Verfahren bis zum Letzten durchzuführen. Der Schiedsspruch selbst ist in seiner Gesamtheit von dem ganzen eingesetzten Schiedsgericht -gebilligt, in seinen Einzelheiten zum Teil mit wechselnden Majoritäten festgelegt worden.

PraMsch Mrd allerdings die Ablehnung nicht Diel bedeuten; nachdem der Zechenverband am heutigen Montag nachmittag seine Stellung zum Schiedsspruch genommen hat, wird nach noch-

MMvbÄksminister^ die Verbindlichkeit des s

I beiinchmer, wenn auch vielleicht nicht ganz frei- I willig, fügen müssen. Won wesentlicher Beden- I tuna dürfte die Wellungna^hme des Zechenver- 1 Landes fein. Wenn trotz der VerbinLllichkeits- erklärunq die Arbeit nicht wieder ausgenommen I werden sollte, so würden sich die Arbeitnehmer H vor der ganzen Oeffentlichkeit ins Unrecht setzen. I Eine große Frage ist es auch, ob die Ruhrberg- I kute' etwa 450 000 Mann1 mit ihren Fa­milien, zu denen auch noch die Eisen- und! son­stigen Metallarbeiter kommen, eine Verlänge­rung der Arbeitslosigkeit finanziell noch tragen- können. ,

Wühlarbeit der Kommunisten.

Bochum, 18. Mai. Die vier Bergarbeiter­verbände erließen am 17. Mai gemeinsam fol­genden Aufruf:

I Kameraden! Die Bergarbeiteroerbände ha­ben in ihren heutigen Konferenzen zu dem Ber­liner Schiedsspruch Stellung genommen. Auf ! allen Konferenzen wurde der neugeschaffene Manteltarif als annehmbar erklärt. Einstimmig wurde jedoch das Mehrarbeitsabkommen ent­schieden abgelehnt. Die Ablehnung erfolgte, weil weder eine besondere Bezahlung noch ein tarif­licher Zuschlag für die Ueberarbeit in diesem Schiedsspruch vorgesehen ist. Die festgesetzte Frist für das Mehrarbeitsabkommen, das bis MM 31. März 1925 unkündbar lauten soll, ist von zu langer Dauer. Das Zweischichtensystem für die durchgehenden Betriebe mit einer Wochenschichtzeit von 58 Stunden muß als be­sondere Härte für die betroffenen Arbeiter an­gesehen werden. Klar und deutlich brachten die Konferenzen zum Ausdruck, daß die Ruhrberg­arbeiter gewillt sind, die Mehrarbeit aus volks­wirtschaftlichen Gründen zu leisten, wenn die­selbe als solche anerkannt und dementsprechend bewertet wird. Nach wie vor ist die Vergarbei- serschaft bereit, zu der tariflich zu Recht be­stehenden Arbeitszeit von sieben Stunden unter Age und acht Stunden über Tage zu arbeiten. wird durch die allem Recht widersprechende Aussperrung seitens Ler Bergbauunternehmer an der Ausübung der Arbeit behindert. Der Volksgesamtheit erwächst aus diesem Vorgehen var Unternehmer unermeßlichen Schaden.

Ruhrbergleute! Verantwortungslose Ele­mente sind an der Arbeit. Die überall im Ruhr- -avier auftauchenden Sendboten der K. P. D. versuchen, die gewerkschaftliche Disziplin zu untergraben. Die Beauftragten der Union und oer K. P. D. treten in offener und versteckter Form an euch mit der Aufforderung heran, Plünderungen und Gewalttätigkeiten auszu- I üben. Dieses Vorgehen erhöht die Gefahr der Zertrümmerung unserer Abwehrfront.

Kameraden! Es gilt, in dem uns aufgeMUN- senen Kampfe auszubarren, gewerkschaftliLe Dis- ilvlin zu üben und nur den Anweisungen der Unterreiâneten Organisationen au folgen. Nur

Monlag dem 19. Mai

so ist die Gewähr gegeben, daß die Ruhrberg- arbeiterschaft in Ehren und ungebrochen aus diesem schweren Konflikt berausgehen kann.

Ein Friedens-Preisausschreiben.

Berlin, 18. Mai. Heute tagte hier unter dem Vorsitz seines Präsidenten Dr. Simons der Ausschuß zur Durchführung des deutschen Friedens-Preisaus­schreibens. An der Sitzung nahmen u. a. teil: Prof. Dr. Bonn, ReichStagsabgeordnete Fra« Bohn-Schuch, Prof. Dr. Delbrück, Reichskanzler a. D. Fehrenbach, Anne von Giercke, Reichsminister a. D. Koch, General der Infanterie Graf Max Montgelas, Gesandter Dr. Olshausen, Frau Pfuelf, Staatsminister a. D. Präsi­dent Dr. Samisch, Staatsminister a. D. Dr. Spahn. Die Mitgliedschaft haben außerdem führende Mit­glieder aller Parteien und Vertreter aller Berufs-

gruppen angenommen. Das Thema des Preisaus­schreibens lautet: Wie kann Friede und Gedeihen für Deutschland und Europa durch internationale Zu­sammenarbeit gesichert werden? Der erste Preis beträgt 5000 Dollars, die gleiche Summe steht für weitere Preise zur Verfügung.' Alle Preise sind gestiftet von Edward A. Filene in Sofien. Der Stifter sandte ein Telegramm, worin er die umfassende Zusammensetzung des Ausschusses .begrüßt, seiner Arbeit vollen Erfolg wünscht und diè Hoffnung aus- spricht, daß durch die Teilnahme weiter Kreise des deutschen. Volkes an dem Wettbewerb das Ergebnis des Preisausschreibens Friede und Gedeihen in Deutschland und in der Welt fördern werde. Dr. Simons betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß er sich der Aufgabe, den Vorsitz der Ausschusses zu übernehmen, deshalb unterzogen habe, weil er den Gedanken eines solchen Wettbewerbs für gut halte, der nur durchgeführt werden könne, wenn ihm eine völlig unparteiische, überparteiliche Grundlage gegeben werde. Die Bedingungen des Preisausschreibens sind folgendermaßen festgesetzt: Jeder. Deutsche kann sich beteiligen. Die Arbeiten dürfen nicht länger sein als fünftausend Worte. Die Pläne müssen so durchge- arbeitetet sein, daß sie innerhalb der verfassungsmässigen Legislaturperiode des Reichstages in Wirksamkeit ge-

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und Breitem Rande geschrieben sein. Die Namen der Bewerber dürfen nur im verschlossenen Umschläge beigefügt sein. Letzter Einlieferungstag ist der 20. Juli. Die genauen Bedingungen sind gegen Bei­fügung des Rückportos beim Sekretariat des deutschen Friedenspreises erhältlich (Berlin W. 35, Schöneberger Ufer 3a). Alle Anfragen sind ausschließlich dorthin zu richten, Anfragen an einzelne Mitglieder des AuS- schusseS können beantwortet werden. f~

werben will, wende sich also ausschließlich an die angegebene Adresse.

Die deutschen und die französischen Wahlen.

Berti«, 18. Mai. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" sagt in ihrem Leitartikel, in dem sie einen Vergleich zwischen dem Ergebnis der französischen und deutschen Wahlen zieht, es bestehe die Hoffnung, daß die beiden Parlamente sich nunmehr in dem Zentrum des gesunden Menschen- verstandeS treffen werden, denn ohne diesen gesunden Menschenverstand würde es unmöglich sein, den großen Konflikt zur Lösung zu bringen, der heute noch zwischen Frankreich und Deutschland bestehe. Es sei zwar richtig, daß der Ausfall der Wahlen in Frankreich kein Verdikt über die Ruhrpolitik darstelle, doch würden die neuen Männer die auf die Dauer unvermeidliche Liquidation des Ruhrvertrechens leichter aussprechen können als Poincarâ. Diese Liquidation müsse kommen und zwar schnell; denn die Wirtschaft Europas eile mit Riesen- schritten einer neuen Katastrophe entgegen, wenn die Verhandlungen über die Repa- rationsfrage aufgrund der Sachverständigengutachten noch lange hinausgeschoben würden. In Deutschland sei an einer Reichstagsmehrheit, die sich für die An­erkennung der Sachverständigenberichte als Grundlage für Verhandlungen ausspreche, keinen Augenblick zu zweifeln. Wie in dieser Hinsicht die Dinge inFrqnk- reich standen, sei noch eine Frage. Deshalb müsse von deutscher Seite alles geschehen, um Frankreich jeden Vorwand zu einer neuen Sabotage z« nehmen. Mit Entschlossenheit müsse Deutschland an der Lösung der Reparationsfrage Mitarbeiten. Der Druck der objektiven Situation dürfte auch in der Richtung auf einen Ausgleich wirken. Deutschland habe alles Interesse, dies« Wirkung zu verstärken und einer Berständigung die Wege zu bereiten.

Kerrlots Programm.

Paris, 18. Mai. Der Führer der Radikalen Partei, Herriot, ist gestern nachmittag nach seinem Wohnsitz in Lyon zurückgekehrt und hatte dort eine Unterredung mit einer Abordnung der neugewählten radikalen Abgeordneten. Diese Deputation verlangte die Einberufung des geschäftsführendcn Ausschusses der Radikalen Partei, um über die durch die Wahlen geschaffene Lage zu beraten. ES wurde ferner be­schlossen, in Anwesenheit sämtlicher gewählten Abge- geordneten der Partei nochmals im geschästsführen- den Ausschuß zu beraten. Nach demPetit Journal* hatte Herriot gestern nachmittag mit dem sozialistischen Abgeordneten Renaudel eine zweistündig« Unterredung. Im Beisein seiner Parteifreunde empfing Herriot auch einige Journalisten, darunter den Redakteur desPetit Parisien", dein er erklärte:Ich kann vor dem 1. Juni nichts sagen, denke aber, daß es notwendig ist, das Ermächtigungsgesetz zurückzuziehen und auch das

Zündholzmonopol beizubehalten. Die Finanzvolitik ist die Grundlage für die auswärtige Politik, die man betreiben' will. Unsere Aufgabe ist, zu stabilisieren, zu pazifizieren. Ich hoffe, daß wir zu England, auch zu Belgien brüderliche Beziehungen haben werden. Dem italienischen Volke bringe ich meine ganze Sympathie entgegen. Ich drücke auch meine Bewunderung aus für die Vereinigten Staaten. Ich kann natürlich nicht alle Völker nennen, zu denen wir enge Beziehungen unterhalten müssen. Unter allen diesen befreundeten Nationen muß ein enges Vertrauen herrschen und eine wirkungsvolle Zusammen­arbeit geschaffen werden, um die großen Prohleme zu regeln. Ich lernte in Lyon, die internationalen Be­ziehungen vom wirtschaftlichen Standpunkte aus zu beurteilen. Ich werde mich niemals vom Grundsatz der Vernunft abbringen lassen."

Paris, 19. Mai. Herriot hat dem Journalisten JuleS Sauerwein über seine politische Auf­fassung unterrichtet. Er erklärte: er wolle nur über die Außenpolitik sprechen. Man könne nicht daran denken die militärischen Lasten herabzusetzen, ohne daß Frankreich sich mit der Welt auseinander gesetzt habe. Er glaube Frankreich habe die Pflicht die Lösung zu bringen. Mit der alten Diplomatie kommen wir nicht mehr an. Man müsse mit den neuen Kräften rechnen, wie in England. Hier sind zwei Nationen, die zur Freiheit gekommen sind, aber sind auf verschiedenen Wegen dazu gelangt. Dort (in England) sei die finanzielle Lage gut, in Frankreich lamentabel. Englands wirt­schaftliche Zukunft sei unsicher, die Frankreichs brillant- England habe auch große Kriegsopfer gebracht. Wir müssen England verstehen, dann wird die brüderliche unerläßliche Allianz möglich sein. Zu Deutschland übergehend sagte er* Ob wir gut getan haben, Deutschland immer als ganzes zu nehmen, als Block, glaube ich nicht. Durch unser Vorgehen sind die Demokraten erstickt worden. Wir müssen die Demokraten stärken, denn sie sind die beste Friedens­garantie.

130000 Ausgewiesene.

Berlin, 17. Mai. Der Reichsverband der Aus- geiUiéHtiteit Äiiv .

erläßt folgende Kundgebung:

Die am Fuße bei Otzberg versammelten Mitglieder des ReichrverbandeS der Ausgewiesenen und Ver-

drängten von Rhein und Ruhr stellen vor aller Welt fest, daß über 130000 wegen Erfüllung ihrer vater­ländischen Pflichten von HauS und Hof Vertriebene nach Jahr und Tag noch immer von der Heimat ver­bannt sind, und daß über 1200 Gefangene aus gleichem

Grunde in Gefängnissen schmachten, obgleich der passive

v Widerstand von der gesamten Bevölkerung des besetzten

^ Gebietes längst aufgegeben ist. Sie fordern feie ged !<«««« samte gesittete Welt auf, dahin zu wirken, daß die '°mm-nst°ß

Ausgewiesenen in ihre Heimat und Wohnstätten, sowie L-Z^^ Der Sachschaden beläuft sich auf eine

Hannover bleibt bei Preußen.

Hannover, 19. Mai. (Endergebnis der

Abstimmung.) Bei der heutigen Vorabstimmung e Frage, ob eine Abstim-

in Hannover über

mung darüber skakksinden soll, ob Hannover von Preußen getrennt werden soll oder nicht, haben von der Gesamtzahl der Abstimmungs­berechtigten (nämlich 1 770 000) 438 961 mit Ia gestimmt. Da jedoch die Anhänger einer Tren­nung Hannovers von Preußen ein Drittel der Gesamtzahl der Abstimmungsberechtigten, also 590 000 Stimmen, ausbringen müssen, hak die Abstimmung für ein Verbleiben Hannovers bei Preußen entschieden.

Der deutsche Tag in Breslau.

Der gestern in Breslau veranstaltete Deutsche Tag ist den Blättern zufolge bis auf einen unbedeutenden Zusammenstoß zwischen Kommu­nisten und Stahlhelmleuten, bei dem die Polizei die Ruhe bald wieder herstellen konnte, ohne Zwischenfall verlaufen. Die Feier selbst war auf den Garten des Versammlungslokals be­schränkt und blieb der Oeffentlichkeit verborgen.

Prinz Alexander Kohenlohe f,

Badenweiler, 17. Mai. Prinz Alexander Hohenlohe, der jüngst« Sohn des Reichskanzlers Fürst Clodwiq von Hohenlohe, ist Samstag nachmittag an einem Herzschlag gestorben.

* ,

Alexander Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst wurde am 6. August, 1862 in Lindau geboren. Er studierte in Gratz, Wien, Paris, Leipzig, Straßburg und Göttingen, war von 1895- ab Legationsrat im Auswärtigen Amt in Berlin und Privatsekretär seines Vaters, des Reichskanzlers Fürsten Hobeulohe, 1899 bis 1906 Bezirkspräsident im Ober-Elsaß. In den Jahren 1893 bis 1903 vertrat er den Wahlkreis Hagenau-Weißenburg als Abgeordneter im Reichstag.

Sowjelrutzland und China.

Russische Aufregung über amerikanische Einmischung.

Moskau, 18. Mai. (Wolff.) Nach cingetroffenen Meldungen richtete die amerikanische Regierung an die chinesische Regierung eine Note, worin sie diese vor der Anerkennung des Verbandes der Sowjetrepubliken warnt, da solche zu internationalen Verwickelungen führen würde. Wie man sich erinnert, hatten vor

1924

zwei Monaten der Vertreter der chinesischen Regierung 1 Li-Wan, und der Sowjetgesandte in Peking, Karachcm, ein Abkommen Chinas mit den Sowjetrepubliken ge­troffen, wodurch die Sowjetunion von China de jure anerkannt wurde und die Sowjetregierung auf alle Begünstigungen in China verzichtete. Der Vertrag betraf aber auch wirtschaftliche und politisch« Interessen anderer Großmächte, weshalb die chinesische Regierung auf den Protest Amerikas, Englands, Frankreichs und Japans die Ratifizierung des Vertrages abgelehnt und offiziell, die Abreise Karachans aus Peking nach­gesucht hatte. Di« Verhandlungen wurden aber in- »sfiziell in Moskau und Peking fortgesetzt. Rumnehr wäre nach dieser von anderer Seite noch nicht bestä­tigten Meldung die Regierung der Vereinigten Staateu neuerdings in Peking eingeschritten. Steklow nennt die amerikanische Aktton eine beispiellose Unverschiatt- Heit. Die Intervention Amerikas gehe noch viel weiter als die diesbezüglichen Noten Frankreichs. Die französische Regierung habe nur gegen die Uebergab« der ostchinesischen Bahn an ihren, legale Eigentümer protestiert. Die amerika«ische Regierung jedoch ver­biete China unter Androhung internationaler Konchli- kationen die de jure-Anerkennung der Sowjetunion. Das habe noch nie irgendeine andere Regierung getan. Bisher sei es Frankreich gewesen, daS im fernen Osten am feindseligsten gegen Sowjetrußland aufgetreten sei. Amerika beweise nun, daß eS an Stelle der geschlagenen Regierung der nationalen Blocks treten wolle.

Ein neues Eifenbahnnnglückin Zlalleu

MaUanv, 17. Mai. Der Orientexpreß Konstan­tinopel-Paris ist in der lebten Nacht um 1,45 Uhr im Bahnhöfe Prcstranck-Mattegna auf der Linie Postumia- Triest infolge falscher Weichenstellung auf einen Güter- zng aufgefahren, der vorne und hinten mit einer Lokomotive bespannt war. Der Zusammenstoß war furchtbar. Die Lokomotive des Orientexpreß wurde auf die des GüterzugeS hinaufgeschoben, während alle seine Wagen mit Ausnahme von zwei entgleisten. Die beiden GrpSckwage« des Expreßzuges und zwei Wagen des GüterzugeS wurden »ollständig zertrümmert und ein Personenwagen schwer beschädigt. Ein Carabi- meri-Brigaöier uHt^|«MrüUMijto^ stellte wurden getötet, der Zugführer, ein Caradmien und ein Maschinist, sowie mehrere Reisende erlitten

schwere Verletzungen. t , , ,, .

Der Orientexpreß war vom Bahnhofsvorstand irrtümlicherweise auf ein Gütergleis geleitet worden. Als der Maschinist den Fehler wahrnahm, konnte er die 70 Kilometer-Geschwindigkeit noch abbremsen, so­daß ein Schlafwagen entgleiste und dadurch der Zu- sammenstoß gemildert wurde. Die meisten Reisenden kamen mit dem Schrecken davon. Der für den Zu­

tlliyMlu. Der Sachschaden beläuft sich auseine Million. Der durchgehende Verkehr i|t nicht gestört.

Zum Untergang derDixmuide".

Paris, 18. Mai. Aus Korsika wird gemeldet, daß an der Ostküste der Insel eine Flaschenpost von der Mannschaft der .Dixmulte" aufg«funden . wurde. Die Post enthielt auf einem mit Sleiftift beschriebenem Papier die letzten Abschied,grüße der Mannschaft. Sie lautet:Benzin zu Ende, wir treiben. Mannschaft des .Dixmuive*. Lebt wohl und es lebe Frankreich.

Ein neues Gifi-Gas. Londoner Blätter meft den, daß ein neues Gift-Gas entdeckt worden ist, das an furchtbarer Wirkung alle bisherigen Kriegsmittel dieser Art übertrifft. Es ist unsicht­bar und geruchlos; es kann von Flugzeugen leicht überall hingebracht werden. Niemand, der dieses Gas einatmet, ahnt, daß er zugleich den Tod in sich aufnimmt, aber nach 612 Stunden stirbt er unter furchtbaren Qualen. Der Profefsor an der Londoner Universität Delisle Burns sagte darüber: ^Das Gas ist derartig, daß es auf den Boden finkt und tödliche Wir­kung in Kellern oder den Schächten der Unter­grundbahn zwei Tage lang behält. Gegen Ende des Krieges war man bereits diesem Gas auf die Spur gekommen, aber man war noch nicht imstande, es in genügend großen Mengen her­zustellen. Die Chemiker haben nun diese Auf- gäbe gelöst. Während in Washington die große Abrüstungskonferenz tagte, waren in den Ver­einigten Staaten 20Q der fähigsten Chemiker in dem Edgewood Arsenal in der Nähe von Wa­shington damit beschäftigt, dieses neue Gas her- zustellen, von dem Amerika nunmehr über ge­waltige Vorräte verfügt. Gasmasken find der einzige Schutz gegen das Gas, aber man wird schwerlich eine ganze Bevölkerung in wenigen Minuten mit Gasmasken versehen können." Major Lefebure, der ein besonderer Kenner des Gaskrieges ist, erklärte:Für ein Volk, das das Geheimnis dieses furchtbaren Gases kennt, Mrd es möglich fein, rund um sein Land eine Gas­barriere zu legen, die es einem feindlichen Heere tagelang verwehren wird, seine Grenzen zu überschreiten. Etwa zwei Tonnen dieses Gases können in einem Flugzeug mitgenommen wer­den, und diese Menge genügt, um in einem Um­kreis von etwa einem halben Kilometer von dem Ort, an dem das Gas herabgeworfen wird, den sicheren Tod zu verbreiten."