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hanauerS Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Son», und Feiertage. / Fernfprech-Anschluß Nr. 1257.

B e r u s s v re i s für die Zeit vom 12. bis 20. Mai 75 Eoldpfennig ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Eoldpfennig. —Anzeigenpreise : für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Eoldpfennig. für dis R eklam eze ile (68 mm) 50 Eoldpfennig —Offertengebüh r 30 Eoldpfennig — Geschäftsstelle Hammerstraße 9. <_——-----------------

Erfüllsnssort and GertLtsSand für Leids Teile Sana» a. Mai». Für PlatzvoriLriftund ErkLeinangstase der Anreisen wird keine ®em8jt geleistet, — 2m Falle -höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Snsoruch auf Lieferuna oder Nachltefer««» oder auf Rückzahlung des Bezugsvreises

' Ar. 114

Donnerstag den 15. Mai

1924

Das Neueste.

- Sint volk-parteilich« FrakttonSfitzung hat sich ' gegen den .Block der Mitte' ausgesprochen.

— Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium i/ jur Beilegung der Konflikt- im Ruhrbergbau, die bis i gestern abend 8 Uhr dauerten, haben bisher einen s befriedigenden Verlauf genommen. Sie sind auf - heute vertagt worden.

— Der Mannheimer Metallarbeiterstreik dauert fort.

— Don zuständiger preußischer Stelle erfahren ß wir, daß der Leiter der politischen Abteilung des f Berliner Polizeipräsidiums, Oberregierungsrat Weiß, S dir zur völligen Klärung der Angelegenheit in der russischen Handelsdelegation in Berlin beurlaubt : würbe.

Deutschland und die Sudeten- -eutschen.

Soeben hat in der Tschechoslowakei der . Diesjährige Reichsparteitag der Deutschen Na- tionalpartei unter außerordentlich starker Be­teiligung aus allen Teilen des Landes stattge­funden und einen erhebenden Verlauf genom­men. An der Geschlossenheit und Zielstrebig­keit dieser deutschen Partei können sich die Par­teien und Fraktionen im Reiche ein leuchtendes Leispiel nehmen. In Tschechen wurde der Be­weis erbracht, daß man große deutsche Politik treiben kann, auch wenn man den Weltkrieg verloren hat, Voraussetzung ist freilich, daß man an die Zukunft des gesamten deutschen Volkes glaubt und unter Hintansetzung von kleinlichen Streitfragen auf die Erringung der Freiheit mit allen Fasern und Kräften hin­arbeitet.

Ausgangspunkt für die Politik unserer Freunde in der Tschechoslowakei ist die seiner-

bestimmung unseres Volkes zu fordern, daß wir dies als den obersten Grundsatz aller unserer Maßnahmen unseres Verhältnisses zu diesem Staate betrachten." Dieser tschechoslowakische Staat ist ein künstliches Gebilde, das zum größ- 'en Teile fester geographischer Grenzen ent­behrt und, der wie kein zweiter Staat den Ge­danken des Selbstbestimmungsrechtes der Völ­ker ins Gesicht schlägt. Bei einer Gesamtbe- oölkerung von etwa 13 Millionen weist die Tschechoslowakei nicht weniger als 3% Millio­nen Deutsche auf, daneben 2,2 Millionen Slo­waken, über 1 Million Magyaren und % Mil­lion Ruthenen. Trotzdem die Tschechen eine Minderheit darstellen, befindet sich die tatsäch­liche Gewalt im Staate durchaus und aus- ichließlich in ihren Händen und sie machen von ihr mit rücksichtsloser Gewalt und Brutalität Gebrauch.

Hinter der tschechischen Regierung steht Frankreich, das dieses künstliche Gebilde des tschechoslowakischen Staates nur geschaffen hat, âm in Gemeinschaft mit Polen den östlichen und südöstlichen Teil Deutschlands fest zu umklam­mern. Wie sehr es hierauf abgesehen ist, be­weist das zwischen Paris und Prag abge­schlossene Militärabkommen. Wenn der Wort­laut des kürzlich durch die Presse gegangenen Geheimvertrages auch nicht zutreffend sein mag, so ist an der Tatsache als solcher, daß ein der­artiges Bündnis besteht, nicht im geringsten zu zweifeln, und Deutschland täte gut daran, hier­mit als mit einer zurzeit jedenfalls bestehenden Tatsache zu rechnen. Ob sich dieser Zustand im Laufe der Zeit ändert, ob vielleicht im Anschluß an die Wahlniederlage Poincarès und im Ver­folg iines veränderten französischen Kurses an­dere Wege eingeschlagen werden, vermag im Augenblick niemand zu sagen. Wer aber die französische Politik in den letzten Jahren ver­folgt hat, und wer den fanatischen Haß der Tschechen gegen alles Deutsche kennt, wird den Glauben zu einer grundsätzlichen Abkehr von der bisherigen Politik nur sehr schwer auf­zubringen vermögen.

Umso notwendiger ist es im Interesse des gesamten deutschen Volkes, den 3^ Millionen treuen Sudetendeutschen, die in der Tschecho­slowakei unter ungeheuren Opfern und Kraft­anstrengungen für ihr Deutschtum kämpfen, eine größere Beachtung zu schenken, als dies bisher in so vielen reichsdeutschen Kreisen leider der Fall gewesen ist. Können wir diesen Deut­schen im Augenblick auch weder materiell noch politisch helfen, so müssen sie doch wissen und 'N rhrem schweren Kampf fest daran durchdrun­gen sein, daß das deutsche Volk ungeachtet seiner parteipolitischen Einstellung fest hinter ihnen steht und ihnen genau so die Treue hält, wie wir überzeugt sein dürfen, daß sie uns ^derzeit die Treue halten werden. Hierzu ge- Mt m erster Linie, daß wir die.Aufkläruna

über die Lage der Sudetendeutschen in mög­lichst großem Umfange verbreiten. Wenn es heute nicht möglich ist, daß von sogenannten Gebildeten dem Sudetendeutschen wegen seiner formvollendeten Beherrschung der deutschen Sprache Schmeicheleien gesagt werden, dann bedeutet dies einen Tiefstand in völkischer Hin­sicht, der beschämend und beleidigend zugleich wirkt. Die 3% Millionen Sudetendeutschen, deren geschlossenes Siedlungsgebiet sich an den Südabhängen des Erzgebirges und der Sudeten von Eger bis Troppau entlang zieht, gehören zu den besten und treuesten Deutschen, die seit Menschenalter für ihr Deutschtum kämpfen. Die Besatzung, die wir an Rhein und Ruhr jetzt haben, haben die Sudetendeutschen seit langen Jahren mitten in ihrem eigenen Lande. Dieser Kampf hat sie bereits in der alten österreichi­schen Monarchie gestählt, sodaß sie den unge­heuerlichen Bedrückungen und Drangsalierun­gen der Tschechen, die im November 1918 ein­setzten, von vornherein den größten Widerstand entgegensetzten. Und wenn auch die Tschechen an Boden gewinnen, wenn sie deutsche Beam­ten entfernen und Tschechen an ihre Stelle setzen, wenn sie den deutschen Städten die Polizeihoheit nehmen und in den rheindeutschen Kurorten Karlsbad, Franzensbad, Marienbad usw. verlangen, daß überall tschechische Auf­schriften angebracht werden, so vollzieht sich dieses Vorrücken doch dank des starken inneren Widerstandes auf deutscher Seite verhältnis­mäßig langsam. Das geschlossene deutsche Sprachgebiet muß als ein Ganzes erhalten und hinübergerettet werden in die neue Zeit, die an die Stelle des jetzigen Zeitabschnittes der Un­gerechtigkeit und des Unrechtes treten wird. Wenn überall auf deutscher Seite in so zielbe­wußter Weise gearbeitet wird, wie seitens der treuen Sud'ètendeutschen in der Tschechoslowa- großen lutschen Volksgemeinschaft^ 'die alle Deutschen in der Mitte Europas umschließt, dermaleinst sicher erreicht werden. Und sollten bis dahin noch viel größere Schwierigkeiten zu überwinden sein, als die bereits hinter uns liegenden, so werden wir auch sie überwinden, wenn wir den Gedanken der großen deutschen Volksgemeinschaft allenSonderinteressen irgend­welcher Parteien oder Schichten getreu die Worte voranstellen, die Felix Dahn einst in das Stadtbuch der- alten deutschen Stadt Eger eintrug:

„Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk. Das höchste Gut des Volkes ist sein Staat, Des Volkes Seele lebt in seiner Sprache: Dem Volk, dem Staat und unserer Sprache treu,

Fand uns der Tag, wird jeder Tag uns finden." ,

Kein Block der Wille.

Absage der Deutschen Volkspartei.

Berlin, 14. Mai. Die Reichstagsfraktion und der Parteivorstand der Deutschen Volks­partei billigten in Anwesenheit der Reichs­minister Dr.' Stresemann und Dr. Jarres nach dem von der Partei ausgegebenen Bericht die grundsätzliche Stellungnahme derReichsregierung in der Behandlung der Sachverständigengut­achten. Sie erwarten, daß die Reichsregierung in der Ausführung des Gutachtens die deutschen Interessen tatkräftig wahre, insbesondere die Wiederherstellung der finanziellen und wirt­schaftlichen Einheit des Reiches gegen den Ver­such irriger Auslegung durchsetzt und daß die Forderungen deutscher Ehre und Freiheit erfüllt werden. Nach einem Rücktritt der Reichs- regierung sei für die Regierungsneubildung die Stellung der Deutschen Volkspartei durch den nach wie vor maßgebenden Beschluß vom 12. Januar 1924 gegeben. Außen- und inner- politische Gründe erfordern eine Zusammen- fasiung der staatsbejahenden bürgerlichen Par­teien. Dieses Ziel sei nicht zu erreichen durch die Schaffung einer sogenannten Fraktionsge­meinschaft der nationalen Mitte, die die Deutsche Volkspartei für unausführbar hält. Nicht die Taktik, sondern die sachliche Uebereinstimmung in den außenpolitischen Lebensfragen der Nation stehe im Vordergrund der demnächst beginnen­den parlamentarischen Verhandlungen. Die Vorstandswahl wurde bis nach Eröffnung des Reichstages verschoben. , -

Die ete»u«âtt»r>mc der Demokraten.

Im Berliner demokratischen Klub sprach am DienStaa abend der 1. Vorsitzende der Demokratischen Partei, Reichsminister a. D. Koch, über die Reichs­tagswahlen. Nachdem er sich gegen das gegenwertige Wahlrecht aewandt und als eine der wichtigsten Aiif- gäben der Demokratischen Partei im neuen Reichstag bezeichnet hatte, hier eine Besserung herbnzUsühren, aaü er ank die Krane. Welche Sicherheiten bei der

an der Ruhr, die sich teils aus den Nachwirkun­gen des Ruhrkampfes, teils aus den Belastun­gen durch die Micumverträge und der Kredit­not, teils aus den Teuerungsverhältniffen und den Schwierigkeiten des Lebensverhaltniffe er­geben. Demgegenüber ständen aber die wich­tigen Belange außenpolMscher Natur, die ehren baldigen Abschluß des Kampfes zur dringenden nationalen Pflicht für die beiden Parteien machten. Jede Verlängerung des Kampfes vermehre die Schwierigkeiten der Wirtschaft, steigere die Kreditnot und bringe außenpolitische Gefahren in einem Augenblick, da Me Frage des Gutachtens und die Wiederaufnahme der Re­parationsverhandlungen Frieden und Geschlos­senheit in Deutschland zur Pflicht mache. Auch speziell für den Bergbau würde ein längerer Kampf eine Heilung der gegenwärtigen Note nur erschweren.

Der MelallarbeNerfireik in Mannheim

Mannheim, 15. Mai. Der Aufforderung her Mannheimer Metall-Industriellen zur Wiederaufnahme der Arbeit am heutigen Tage haben sämtliche Beleg­schaften der Anweisung ihrer Gewerkschaften gemäß nirgend? Folge geleistet. Die Arbeiter waren wohl in Massen vor den Werken erschienen, haben diese aber nicht betreten. Zu Zusammenstößen mit der Polizei ist eS nicht gekommen.

Sin politischer Mord im Tegeler Forst.

Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit: Seit mehreren Tagen beschäftigt sich die Berliner Polizei mit einem Leichen rund im Tegeler Forst. Die Ermittelungen der Abteilung la haben er­geben, daß der Mann von deutschvokki- scher Seiteermo rdet worden ist, weil er im Verdacht stand, Beziehungen zu den Kom­munisten zu haben. Nach erfolgtem Morde sind dem Toten die Taschen geleert und die im Besitz des Toten befindlichen Wertgegenstände zu Geld

zwei an der Mordtat Beteiligte wurden von der politischen Polizei festgenommen.

Der amtliche preußische Pressedienst teilt dazu mit:

Anfang Dezember des vorigen Jahres &e*' richteten Berliner Pressenotizen über einen Mord im Tegeler Forst, dem ein angeblicher Oberleutnant Müller zum Opfer gefallen sein sollte. Als Mörder kam ein gewisser Robert Grütte-Lehder in Betracht. Grütte-Lehder war damals verhaftet worden, nachdem am 13. No­vember 1923 eine Mordanzeige in Hermsdorf erstattet worden war und nachdem Grütte sich im Kreise deutsch-völkischer Jugendgenossen da­mit gebrüstet hatte, daß er einen Spitzel zer­schossen hätte, der deutschvölkffche Pläne hätte an die „Rote Fahne" verkaufen wollen.

Nun ergab aber damals, als man der Mord- anzeige nachging, der Leichenftmd, daß es sich nicht um die Person des Müller, der in Wirk­lichkeit Dammers hieß, handelte. Da auch Grütte damals, nachdem dieses Ergebnis herausgekom­men war, fein ursprüngliches Geständnis zu­rückgenommen hatte und eine andere Leiche nicht gefunden wurde, wurde er nach einiger Zeit aus der Haft entlassen.

Die ganze Mrgâgenheit hat setzt eine über­raschende Wendung dadurch genommen, daß nunmehr im Tegeler Forst wirklich die Leiche des Müller (Dammes) gefunden worden ist, und im Zusammenhang damit auch die Begleitmn- stände genau aufgeklärt worden- sind. Die am 11. Mai von einem Spaziergänger aufgefun- deM Leiche zeigt die Wundkanäle der drei Kugelschüsse, die von Grütte-Lehder auf den Ermordeten abgegeben worden sind.

Ein gewisser Steltenkampf und ein gewisser Böttcher, die ebenfalls in die Angelegenheit ver­wickelt sind, ^befinden sich zurzeit in Haft.

Steuenkampf echielt vor einiger Zeit von Grütte-Lehder einen Brief aus Wien — Grütte- Lehder hatte sich nach seiner Haftentlassung zu­erst nach München und dann nach Oesterreich gewandt —, in dem er ihm voraussagte, daß in kurzer Zeit (jedenfalls infolge der dann ein» tretenden warmen Witterung, die zur Auffin­dung der Leiche führen mußte), die Angelegen­heit Müller wieher aufgerollt werden würde und ihn dringlich auf sortierte, möglichst bald außer Landes zu gehen.

Ueber Grütte-Lehder selbst fit noch festgestellt worden, daß er in der Tat in Vorpommern im Dienste des deutschvölkischen Gedankens organi­satorisch gearbeitet hat. Er hat in.den Orten Eggesin und Ueckermünde die Gründung von Ortsgruppen des „Deutschen Herold" angeregt und dadurch bewerkstelligt, daß er den Oberst­leutnant Ahlemann von der Berliner Zentrale zu zwei Versammlungen dorthin kommen ließ.

Zum Schluß fei noch erwähnt, daß her er­mordete Müller (Sammers), her sich bei ferner

neuen Regierungsbildung erzielt werden müßten, folgende Antwort:

1. Beihaltung der bisherigen Aurlandspolitik.

2. Schutz der Verfassung und der Republik.

3. Erhaltung unserer Währung.

Das Wahlergebnis zeige, daß wer sich zu diesen drei Tatsachen bekenne, die Mehrheit der Volles hinter sich habe. Hinsichtlich der Bildung einer Fraktion?» gcineinschaft der Mitte erklärte Koch, daß ,dieser große und bedeutungsvolle ZukunftSgedanke nicht ad hoc aus taktischen Erwägungen verwirklicht werden dürfe, sondern nur, wenn prinzipielle Momente für eine dauernde Zusammenarbeit der Mitte sprechen. Die Demokratische Partei würde einem solchen Gedanken schwere Opfer bringen müssen. Wenn sie sich trotzdem zu Verhandlungen bereit finden lassen würde, so könnte das nur geschehen, um endlich einmal eine starke,Macht zusammenzubringen,die dem anßen- und innenpolitischen Kurs der Regierung die erforderliche Kraft verleihe.

Konsum im Reichsverban- der deutschen Industrie.

Wie die Blätter milteilen, hat sich gestern eine Gruppe von Industriellen in einer in Berlin aSgehaltenen Sitzung von der Politik des Reichsverbandes der deutscheu Industrie, der sich für das Sachverständigengutachten ausgesprochen hatte, losgesagt «. beschlossen, sich als Deutsche Industriellen- Bereinigung selbständig zu machen. Die Bereinigung be­absichtige noch vor dem Zusammentritt des Reichstages eine Jndnstriellen-Bersammlung nach Berlin einzuberusen, in der zu dem Sachverständigengutachten Stellung genom­men werden soll. Wie die Blätter bemerken, wird sich bei dieser Gelegenheit zeigen, wie­viele Anhänger die neue Vereinigung auf­weisen kann.

Das Volksbegehren in Hannover.

Berlin, 14. Mai. Zu dem Volksbegehren in Hannover erläßt die Parteileitung der Deutschen Demokratischen Partei folgenden Aufruf:

möglich««- einer straffen Durchführung aller tm Interesse des deutschen Volkes erforderlichen Maß­nahmen. In einem Reich, helfen Grenzen gefährdet und dessen Volksgefühle zerrissen, find, muß alle», was die Erreichung dieses Zieles hindern könnte, abge­wiesen werden. In der Schaffung einer selbständigen Hannover sieht die Deutsche Demokratische Partei keinen Weg zur Stärkung des Reiches, vielmehr einen Weg, der von diesem Ziele wegführt. Vor allem ist die Deutsche Demokratische Partei der Auffassung, daß, solange feindliche Truppen Deutschland besetzt halten, alles vermieden werden muß, was den Eindruck erwecken könnte, als ob der deutsche Einheit-gedanke im deutschen Volke nicht fest verwurzelt sei. Die Schaffung eines selbständigen Hannover würde von den rheinischen Separatisten in reich-feindlicher Weise ausgenutzt werden; sie würde die Bevölkerung des besetzten Gebietes vor neue schwere Gefahren stellen. Deshalb ersuchen wir alle Demokraten und darüber hinaus alle Freunde einer gesunden Verhältnisses zwischen Reich und Ländern am 18. Mai dem von den Deutsch-Hannoveranern beantragten Volksbegehren nicht znzustimmen. Koch, Erkelenz, Fischer."

Die Verhandlungen im Ruhrkvnflikl.

Jm Reichsarbeitsmini st erium begannen gestern mittag 2 Uhr die Verhand­lungen über die Schiedsgerichtsbeileg-ung des Konfliktes im Ruhrbergbau. Unter der Leitung des Reichsarbeitsministers wurden sich beide Parteien darüber einig, daß den Vor­sitz des Schlichtungsausschusses der Vizepräsi­dent des Oberpräsidiums zu Magdeburg und frühere Ministerialrat im Reichsarbeitsministe- rium Hausmann übernehmen solle. Haus­mann, der bereits im Sommer 1922 die Ver­handlungen über den Manteltarif im Ruhr­bergbau erfolgreich geleitet hat, hat diese Wahl angenommen.

Als weitere unparteiische Vorsitzende wurde auf Vorschlag der Arbeitgeber Herr Ministerial­rat Kralick und auf Vorschlag der Arbeitnehmer der Direktor des Reichskohlenverbandes Löffler ernannt. Außerdem gehören dem Schlichtungs­ausschuß je fünf von den Parteien benannte Beisitzer an, ü. a. von Arbeitgeberseite Gene­raldirektor Wiskott, Engelmann, Esser, Assessor Huck, von Arbeitnehmerseite Schmidt, Martmüller, Rotthälser, Rosenberg. Die Schlichtungskammer tagte im Reichsarbeits- minifterium. In einer Vorbesprechung wur­den zunächst die Einzelheiten des Verhandlungs- ganges festgelegt. Nach Uebereintunst aller Be­teiligten sollen Mitteilungen über den Gang der Verhandlungen erst nach dem A b s ch l u ß d e r Besprechungen, den man für h e u t e er­hofft, erfolgen. *

Reichskanzler M a r x leitete die Verhand­lungen damit ein, daß er in gebührender Form auf den Ernst der Lage hinwies und den Be­teiligten eine Einigung ans Herz legte und be­tonte, daß die Reichsregierung volles Verständ­nis habe für die Notlage der beiden Parieren