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Hanauer S Anzeiger

General- Anzeiger / AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1287.

Ve»nssvr'eis für die Zeit vom 12. bis 20. Mai 75 Goldpfennig ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Goldpfennig.Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldpfennig. für dis R eklam eze ile (68 mm) 50 GoldpfennigOffertengsbüb r 30 Goldpfennig Geschäftsstelle Sammerstrahs 9. ,

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Sir. 111

Montag den 12. Mai

1924

Das Neueste.

Der Deutsche Tag in Halle selbst ist ruhig verlaufen. Dagegen ist es in dem nahegelegenen Dorf Böllberg zu blutigen Zusammenstößen ge­kommen.

- Bei dem Segelllugwettbewerb in Nossitten gelang es dem Lehrer Ferd. Schulz den Weltrekord zu brechen.

Macdonald ließ durch den englischen Bot» sâafter in Paris Poincarè ersuchen, seine Reise auf den 19. Mai vorzuverlegen. Poincarö hat zugesagt.

Der amerikanische Senat in Washington hat die Herabsetzung der Einkommensteuer um 25 Proz. und eine Reihe von Herabsetzungen bei fast allen anderen Steuern beschlossen.

Eène Rede des Reichs- prüsi-enteno

Eröffnung der Kölner Messe.

gesicherten Existenz, mag diese auch hart sein an Arbeit und Entbehrung, kann die Lösung der Frage der Reparationen durchgoführt werden. (Sehr richtig!) Wir hoffen, daß endlich Einsicht und Vernunft in den Völkern der Welt obsiegen, daß die Zukunft unser Dokk, besonders aber unsere Brüder und Schwester im Westen, von Bedrückungen verschone, deren unglücklicher Schauplatz die -Lande -am Rhein und an der Ruhr während des letzten Jahres gewesen sind , zum Unheil Deutschlands, aber auch zum Scha- den Europas (Sehr richtig!) und als G i f t i M eigenen Volkskörper. (Lebh. Bravo.) In schmerzvollen Jahren, die hinter uns Kegen, waren unsere Herzen und Gedanken stets bei Ihnen, am -Rhein, denn hier, am Rhein, wo jeder Stein von Jahrhunderte -alter deutscher Geschichte spricht, schlägt das Herz Deutschlands. (Sehr richtig!) Der Rhein ist der deutsche Schicksalsstrom und das Sinnbild deutschen Volkstums,

KAn, 11. Mali. Heute vormittag fand Fwßen Saal des Gürzenich die feierliche Cröff- MNg der ersten Kölner Messe in Gegenwart des Reichspräsidenten statt. Von der Reichsregie­rung waren außer dem Reichskanzler und Außenminifter die Minister Höfle und Hamm, am der preußischen Regierung die Minister Severing, Siering und Hirtsieser anwesend. Unter den Gästen bemerkte man auch den Erz­bischof von Köln Kardinal Dr. Schulte, den Oberpräsidenten von Westfalen Gwuowski und den Regierungspräsidenten von Köln, Mel- mann, sowie eine größere Anzahl höherer Be- amten der Reichs- und Staatsbehörden. - Der

tim

teuer und heilig jedem Herzen, das sich zuge- hörig fühlt zur Gemeinschaft des deutschen Volkes. (Bravo!) Eng und unlösbar sind die Bande, die dieses Land und seine Bewohner mit dem -gesamten Vaterland verbinden; ge­meinsames Unglück hat sie noch härter geschmie­det und im Feuer hundertfacher Drangsal haben sie sich vor aller Welt als stärker bewährt als remde Waffen. Dies Land und bies

Volk sind deutsch und werden deutsch bleiben. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Tausendjährige Bande gemein­samer Kultur und gemeinsamer Geschichte trotzen lallen Gegensätzen des Tages und allen Wirren der Zeit!

mir, grüßt das ganze deutsche Volk heute den deutschen Rhein und das alte, schöne Köln!" (Allgemeiner stürmischer, sich immer wieder­holender Beifall und Händeklatschen.)'

Im Namen der preußischen Staatsregierung ergriff Staatsminister Severing das Wort zu einer Ansprache, in der er ausführte:

Die preußische StaatSreperung bat Vertreter entsandt, um zu bekunden, daß sie nicht nur großes Interesse nimmt an der Kölner Gemeinde an sich, son­dern daß sie gesonnen ist, durch eine starke Verbindung zum Ausdruck zu bringen, das Köln, das Rheinland und Preußen zusammengehören (Bravo). Als Sie, Herr Oberbürgermeister, vor etwa zwei Jahren den Vertretern der Staatsregierung ihre kühne Pläne ent­wickelt haben über die Anlage der Grünringes und die Errichtung einer Messe in Köln, da haben wir ge­sunden, daß nicht nur Essen, Duisburg und Düssel­dorf, sondern auch Köln gleicherweise von einem Optimismus getragen wird, der in den Zeiten wirt­schaftlichen NiederbruHS notwendig ist, um wieder vorwärts zu kommen. Wir sind niedergebrochen, wir haben aber auch wieder aufgebaut. Es ist nicht immer so gewesen, daß wir mit Mut und Tatkraft daran gingen, wieder auszubauen. Es hat einst ein Volk mr den Wassern Babylons geweint, aber der Rhein ist nicht das Wasser Babylons. Wir wollen nicht weinen, sondern schaffen (Bravo). Ich habe den Eindruck gewonnen, daß, wenn wir nicht kleinmütig sind, sondern auch das Letzte hergeben, wir das Werk trotz aller Widerstände vollenden werden. Ich freue mich, Ihnen Herr Oberbürgermeister zn sagen, daß ich die von Ihnen in Köln vertretene Auf­fassung teil«. Die preußische Staatsregierung begrüßt eine Stadt, die sich als nicht vollendet betrachtet. Eine Stadt, die sich fertig dünkt, wird niemals zum Wiederaufbau Preußens und Deutsch-

einem Ori

[ und dem Siräußschen

Festlichen PrÄudium" ergriff Oberbürger- me-ister Dr. Adenauer, der Vorsitzende des Auf­sichtsrats der Kölner Messe, das Wort zu einer BegrüßungsaNspr-ache und bat den Reichsprä­sidenten die erste Kölner Messe zu eröffnen.

Von allgemeinem Beifall begrüßt, ergriff daraus Reichspräsident Ebert das Wort. Er erwiderte auf die Ansprache des Ober-

lands beitragen. Darum freuen wir uns auch,, wenn

rren Der Hem der kühne und optimistische Geist auch in anderen

In diesem Gefühle unserer Gemeinschaft ist Lagern Preußens nnb Deutschlauds vorhanden ist, denn MMMWWWMWWWW Damen I dann werden wir von dem Wiederaufbau nicht mehr weit

und Schwestern rm Rheinland unö in Westfalen an dieser historischen Stätte den Gruß der deutschen Republik überbringen und hier den Dank des gesamten deutschen Volkes für ihr treues Ausharren sowie die Versicherung unserer Treue zu Ihnen Ausdruck zu geben. (Beifall.) Bewegten Her­zens -gedenken wir heute auch der vielen unserer

Mwmt ^m. ââve w fee ^LkM es deutschen Kaufmannes, an die Intelligenz des deutschen Technikers, an die Leistungsfähigkeit des dentschen Arbeiters. Wenn auch die Lebensbedingungen des deutschen Arbeiters schwierig sind durch deu zu harten FriedenSvertrag und wenn auch die Unter-

Wvri. M erwioerre ans me Mripracye ves woer- ^ns gedenken wir heute auch der vielen unserer burgermeiiters zunächst Mit Worten des Dan- Volksgenossen, die immer noch, jedem mensch- für die freundliche Begrüßung und fuhr I fi,^en Gefühle zuwider, gefangen oder aus Hof dann fort:!. und Haus vertrieben sind. Ihnen die Freiheit

. »Wir sind Ihrer Einladung, mit Ihnen zu- und Heimat wiederzugeben, wird stets unser lammen die erste Kölner Messe zu eröffnen, heißes Bemühen sein. (Zustimmung.) Aber gerne und mit besonderer Befriedigung gefolgt, unser Ziel muß ein noch höheres fein nämlich unsere Anwesenheit in der Haupfftadt des das, ihnen-allen, dem ganzen Lande hier e in Rheinlandes am heutigen Tage soll Ihnen, soll -gesichertes Dafein un d die freie der Stadt Köln und dem befetten Gebiet erneut Entfaltung ihrer Kräfte wieder- bekunden, daß wir mit warmem Herzen und zugeb en. (Beifall.) Seien Sie überzeugt, daß brüderlich-em Gefühl die Leiden und N-ä-te! es nicht leere Worte einer feftlichen Stimmung unserer Volks genas en im besetz- sind, die wir zu Ihnen sprechen und die schnell

Gebiet teilen. (Bravo.) Mit gleich verhallen. Kein Opfer, das in unserer Kraft herzlichem Empfinden- freuen wir uns des tat- liegt, wird uns zu schwer sein, um Ihnen, un= kräftigen Strebens, das die Lande am Rhein1m ~ '

und Ruhr trotzdem geigen. Wir freuen uns die­ser u-nersch-üt-terlichen Schaffenskraft, die in der Kölner Messe, dieser Schau d-eutscher Arbeit und deutschen Unternehmungsgeistes, ihren Ausdruck findet. Sie haben, Herr Oberbürgermeister, der Kölner Messe die Aufgabe zugewiesen, Zen- tralmarkt des deutschen Wirt- ! cha f t l e b e n s zu sein und die wirtschaftlichen Bande zu knüpfen ymfdjen Deutschland und ben westeuropäischen Ländern. Wir von der Reichsleitung begrüßen lebhaft dieses Streben. Fällt es doch in den Kreis unserer großen Erundaufgaben, die deutsche Wirtschaft neu zu beleben, sie zu kräftigen und ihr noch den Zer­störungen des Krieges und den Stimmungen der Nachkriegszeit neue Entfaltungs- tnö glich ketten Au schaffe n. Schroff hat der Krieg unsere Handelsbeziehungen abge- brochen. In grausamer Weise haben die Be­dingungen des Friedensdiktates den deutschen Handel und die deutsche Wirtschaft in drückende

Besond^s schwer leiden die durch den Frie-1

densvertrag der fremden Okkupation verfallenen ^.verheerend betroffene Wirtschaft^ ^^tzs und über diesen Vertrag hinaus besetzten Län- E^,öu bÄeben und st ^Mtragen zum Wie­der an Rhein und an Ruhr, Gebiete, die Herz derausbau, bringen tuir, b ingen die Leitung und Mitbelpunkt des wirtschaftlichen Lebens un- ^5 tljre besten Wunsche^SeW. Möge

lerer Nation sind. Das wirtschaftliche und soziale !^ Arbeit, ungestört durch Rückschläge, sich beben dieser Gebiete ist fortgesetzt starken Er- segensreich und gedeihlich nnitcrcntmicMn. Uns Fütterungen ausgesetzt, die zu einer schweren allen aber, unserem ganzen so schwergeprüften und dauernd-en Schädigung der gesamten deut- Volke wollen wir wünschen, daß der Geist, den Fen Wirtschaft führen müssen. So sind uns bis- wir hier am, Rhein, suhlen,, dieser G e i st her unser Wille zum WiederEsbau des durch d e r Zusammengehörigkeit, der Krieg und Friedensschluß Verstörten, unsere un- Verantwortung sb e wußten Arbeit ausgesetzten Anstrengungen, durch friedliche r" " 1 * & s"

Arbeit wieder die Grundlagen der Lebcnsmög- lichkeit für unser Volk zu erreichen, immer wieder durch äußere Wirkungen )n nichte geniacht worden. Gleichwohl dürfen wir in diesen Bemühungen nicht erlah- vM. LeMi nur auf der Grundlage der eigenen

ein noch höheres fein, pämlich

seren Brüdern im Westen, die Freiheit zu er­kaufen. (Stürmische Zustimmung und Hände­klatschen.) Schwere Lasten, die sozial und- ge­recht verteilt sein müssen, werden wir alle tra­gen müssen, um wieder mit Ihnen in freier Gemeinschaft zus-ammenMöben, mit Ihnen als freies Volk auf freiem Grund zu stehen-! (Weif.)

Der heutige Tag steht im Zeichen der ersten Kölner Messe. Für Sie, meine Herren, ist er bedeutsam, weil mit ihm Köln, seit tausend Jah­ren schon bekannt und berühmt als Handelsstadt, hoffnungsfroh nun auch in die Reihe der Messe­städte eintritt. Uns ist er ein Zeichen unge­brochenen Willens, lebensmutigen und zähen Charakters der Lande am Rhein, allen Fehl­schlägen und Enttäuschungen zum Trotze auf den Trümmern des Gestern neu wiederaufzubauen in der Zuversicht eines besseren Morgen, im Vertrauen auf die Lebenskraft des deutschen Volkes und die Rückkehr der Vernunft in die Welt. (Beifall.) Ihren Bestrebungen, Handel und Wandel dieses Teiles des Reiches zu för-

reier

sie-

Les Reiches ihre besten Wünsche entgegen. Möge

Zusammengehörigkeit.

der

für die großen Ziele der Nation, der Opferbe-reiff-ch für das deutsche Vaterland und seine Zukunft mehr als bisher uns beseelen und einen möge! (Zustimmung.) Auf diese Zu­kunft vertrauen wir trotz allem; ihr gehört un­sere Arbeit, für sie tragen wir die Last der Ge­genwart. In diesem festen Vertrauen grüßen

nehmungen unter der harten Kriegsnot gelitten haben" so werden wir trotz alledem eine bessere Zukunft er­leben. Ich bin beauftragt, Ihnen, sehr verehrte Dameu und Herren, dafür zu danken, daß Sie mit der Messe ein Symbol der Zusammengehörigkeit der Rheinlandes und Preußens errichtet haben. Neben der internationalen Bedeutung der Messe, hat diese aber auch eine große nationale Bedeutung, sie ist das Symbol des deutschen Wirtschafts­lebens und ein Symbol dafür, daß das Rheinland zu Preußen und zu Deutschland gehört und daß alle Bestrebungen scheitern werden, die darauf gerichtet sind, die Rheinlande von Preußen und Deutschland zu trennen. Sie haben in den letzten Tagen zum Ausdruck gebracht, daß Sie in einem freien und starken Preußen die beste Gewähr für ein einiges Deutschland erblicken. Der nächste Sonntag soll in anderen Teilen Deutschlands entscheiden, ob wir einig bleiben oder uns zersplittern. Sie haben in erfreulicher Weise den Volksgenossen in Hannover ein Beispiel gegeben, daß in den Zeiten des Unglücks kein Volksteil das Recht hat, die Kräfte zu zersplittern sondern daß alle die Pflicht haben, die Kräfte zusammenzuhalten. (Lebhafter Beifall).

Der deutsche Tag in Katte.

Ruhiger Verlauf in Halle. Zusammenstoß in Böllberg.

. Halle a. S 11. Mai. Der ungeheure Zu­strom der an hunderttausend zählenden Teil­nehmer von Nah und Fern gestaltete den Tag der Einweihung des wieder errichteten Moltke-StandbilLes zu einem natio­nalen Weihetag erster Ordnung. Schon vom frühen Morgen an bewegte sich eine festlich ge­stimmte Menge durch die geschmückten Straßen. Vom Wetter begünstigt, nahm die Feier in jeder Hinsicht einen befriedigenden Verlauf. Während Lie Mehrzahl der Teilnehmer sich zur Pferde­rennbahn hinaus bewegte, begaben sich die Fah- nenabordnungen der Studentenschaft aller be­teiligten vaterländischen Verbände von hier und aus dem Reiche mit mehr als 1600 Fahnen zur Teilnahme an dem Weiheakt nach dem Platz am Denkmal. Inzwischen waren dort zahlreiche Ehrengäste erschienen, darunter Prinz Oskar von Preußen, Generalfeldmar­schall Mackensen, der ursprünglich an der Feier hatte teilnehmen wollen, war infolge eines durch Sturz vom Pferde erlittenen Schlüsselbeinbruchs am Erscheinen verhindert. Nachdem die unübersehbare Menge der Fahnen­träger sich um das Denkmal gruppiert hatte, begann um 12 Uhr der eigentliche Weiheakt, ein­geleitet Lurch den gemeinsamen Gesang des Niederländischen Dankgebets. Hierauf hielt Oberstleutnant a. D. D si st e r b e r g die Weihe­rede. Die Absicht der Zerstörer des Denkmals sei gewesen, mit dieser Herostratentat eine blutige Auseinandersetzung im Deutschen Reiche auszulösen. Die wahren Schuldigen seien jedoch

die geistigen Urheber des Attentats gewesen. Aber die Bubentat habe eine ungewollte Wir­kung gehabt. Die nationalen Kreise seien auf­gerüttelt worden. Der Redner verwies an- knüpfend an Deutschlands große Erinnerungen, auf die politische Zerrissenheit im Innern und Ohnmacht nach außen, die nach dem Weltkriege in Deutschland eingetreten fei. Weder das Weltgewissen noch der Völkerbund, weder die 2. noch die 3. Internationale hätten verhindert, daß man Deutschland, allen feierlichen Zusiche­rungen zum Trotz, immer weiter entrechtet und versklavt habe. Das Leben der drei Männer, die uns bas Denkmal zeigt, vor allem Moltkes Leben, muß uns, fuhr der Redner fort, ein An­sporn in dieser trüben Zeit sein, und Moltkes Wahlspruch:Mehr, fein als scheinen" muß der Heranwachsenden Jugend auf ihren schweren Weg voranleuchten, das heißt, ersehnte Be­freiung Deuffchlands wird nur durch bewußte Rückkehr zu sittlichen GrundfStzen erreicht werden, die Preußen-Deutschland einst groß gemacht haben. Pflichttreue im Kleinsten, eiserner Fleiß, restlose Hingabe, freiwillige Manneszucht, vorbildliches soziales Verhalten, glühende Vaterlandsliebe werden uns den har­ten Weg zur Freiheit erfolgreich gehen lassen. Wir brauchen keine Revanche! Wir Deutschen haben auf allen Schlachffeldern einer Welt von Feinden gegenüber siegreich stand­gehalten: wir verlangen aber und das soll nicht nur Deutschland, nicht nur Europa, son­dern die ganze Welt hören auf Grund des ersten aller Völkerrechte, auf Grund des Selbst­bestimmungsrechts, die Wiedervereini­gung aller in Mitteleuropa ge­schlossen lebenden Deutschen zu einem neuen großen Deuts Heu Reiche. Dieses heilige Ziel werden wir, und wenn es notwendig ist, alle kommenden Ge­schlechter anstreben, bis wir es erreicht haben.

Mit dieser wiederholt von Beifall unter­brochenen Rede fiel unter dem Geläute aller Kirchenglocken die Hiille vom Standbild, das nunmehr Oberstleutnant Düsterberg im Namen der Vereinigten vaterländischen Verbände Mitteldeutschlands allen denen übergab, die Ruhm und Ehrs Deuffchlands, das Vaterland und seine stolze Vergangenheit über alles stellen. In das dreimalige Hoch auf das geliebte Vater­land fiel die Menge begeistert ein.

Nach der Dennkmalsenthüllung begaben sich die Fahnenabordnungen nach der Renn­bahn und gliederten sich dort ihren Verbän­den ein. Bald darauf erschienen die Ehren­gäste, von der Menge jubelnd begrüßt, und schritten die Front ab. Darauf vollzog sich der fast vier Stunden dauernde Vorbeimarsch vor Generaloberst v o n He e r i n g e n als dem älte­sten Offizier des Heeres und den übrigen Ehren­gästen. Die Kalloren in ihrer traditionellen Tracht eröffneten den Vorbeimarsch. Ihnen schlossen sich die Turner, Marineangehörigen, Kriegervereine, die Studentenschaft, die vielen Delegationen aus dem Reich, die Ruder-, Schwimm- und sonstigen Vereine, die Knapp­schaftsoerbände, der Deutsche Offizierbund, die Schutztruppler in ihren Tropenuniformen usw. an. Das Bild war bunt belebt von 3500 Fah­nen. Ein Flieger der Dessauer Dunkerswerke streute Blumen über die Stadt aus. Um vor Beginn der Dunkelheit mit dem Vorbeimarsch fertig zu werden, formierten sich die Reihen zu zwölf Mann. Die Veteranen aus Deuffchlands großen Kriegen hatten in der Nähe der Tribü­nen Sitzplätze bekommen. Den Beschluß des Abends machte ein gemütliches Beisammensein Ler Festteilnehmer in 18 Sälen.

Halle a. S., 11. Mai. Während es in Halle bis zu den ersten Nachmiltagsstunden nur zu geringfügigen Reibereien zwischen Kom­munisten und Rationalgesinnten gekommen war, wurden die im nahegelegenen Dorf Voll­berg dort zur Sicherung gegen einen geplan­ten kommunistischen Zuzug von außerhalb auf- gestellten Schupokommandos beim Zerstreuen eines kommunistischen Zuges be­schossen. Sie machten auch ihrerseits von der Waffe Gebrauch. Etwa fünf Polizeibeamte wurden verwundet. Die Verluste der Kommu­nisten sind noch nicht bekannt.

H a l l e, 11. Mai. Bei den Zusammenstöße« bei Böllberg wurden nach dem preußischen Amtlichen Pressedienst vier Schutzpolizisten schwer und einer leicht verletzt. Ein weiterer erlag seinen Verletzungen. Die Zahl der Opfer unter den Angreifenden steht noch nicht fest. Einige Häuser, aus denen auf die Schutzpolizei geschossen worden war, wurden durchsucht. Lin« größere Anzahl Kommunisten mürben festge-