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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1287.

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Nr. 109

Freilag den 9. Mai

1924

Das Neueste.

Sm Ruhrbergbau sind gestern 92,35 Proz. der Belegschaften nicht angefahren.

Nach einer Meldung aus Halle beabsich­tigt die Mansfelder Kupferschiefer bauende Ge- roerkschaft, die 30 000 Arbeiter beschäftigt, in­folge Unrentabilität ihre Betriebe zu schließen.

Bei der Badischen Anilin- und Soda- fabrik in Ludwigshafen wird heute die Arbeit wieder ausgenommen werden, nachdem sich be­reits 80 Prozent der Arbeiterschaft zur Arbeits­aufnahme gemeldet haben.

In Neubrandenburg wurde eine Kom­munistenversammlung aufgehoben, die den Zweck hatte, eine Tscheka einzurichten.

ziehen, sind in der Hauptsache Radilalsozialisten. Sie vertreten die Richtung der einstigen Unab­hängigen. Sie denken gar nicht daran, staats­politisch zu wirken. Sie sind vor allem Partei- fanatiker,klassenbewußte Proletarier". Die Sozialdemokratie, wie sie jetzt in dem Reichstag vertreten ist und Rücksicht auf die Kommunisten nehmen muß, denkt auch gar nicht daran, mit bürgerlichen Parteien eine Regierung zu bilden. Die innere Struktur der Großen Koalition ist durch die Radikalisierung der Sozialdemokratie vollkommen unmöglich geworden. Aber auch das deutsche Bürgertum hat sich für eine natio­nale Regierung entschieden und aus diesem Entscheid haben die politischen Führer die Fol­gerung zu ziehen. Diese Folgerung liegt klar zutage. Der neue Reichstag ist als ein Zwei- lager-Parlament zu betrachten. Auf der einen Seite die Marxisten, die international eingestellt sind, auf der anderen Seite die nationalen Par­teien des- Bürgertums von den Demokraten bis zu öen Deutschnationalen. Kommt dieses Zwei- lager-Parlament zustande, so ist der Weg für eine nationale Politik gewiesen. An der Deutsch- nationalen Partei, der stärksten Frakt'ion des neuen Reichstags, liegt es, so bald als möglich die Führung zu übernehmen. Das erste Hinder­nis, das auftaucht, ist der Entscheid über das Sachverständigengutachten. Hier haben die staatsmännischen Elemente der Deutschnativ- nalen Bolkspartei eine Annäherung mit den bisherigen Regierungsparteien zuwege zu brin­gen, da bekanntlich Deutsche Bolkspartei, Zen­trum und Demokraten! auf Annahme des Sach­verständigengutachtens sich festgelegt haben. Und wir freuen uns, daß diese Annäherung sich be­reits in Vorbereitung befindet. Hergt hat, wie berichtet, erklärt, daß die Deutschnationalen in MMWMMWWMMWWMMWWM sich reden lassen wollen. Von den alten Regie­rungsparteien ist nun zu erwarten, daß sie den Prinzipienstreit nicht auf die Spitze treiben und ebenfalls zu Zugeständnissen bereit sind, ohne die keine Koalition möglich ist. Wenn das natio­nale Lager des deutschen Bürgertums im Reichstag zustande kommen soll, so muß man sich grundsätzlich klar sein, daß dort die gemein­samen Interessen aller bürgerlichen Parteien zur Gellung, die einander entgegenstehenden zum Ausgleich kommen müssen. Wir meinen,' daß dies bei gutem Willen möglich sein kann. Dazu ist einmal nötig, daß die verschiedenen kleinen Parteien, so sehr sie auch gewisse Son­derinteressen vertreten, den großen Parteien in wichtigen nationalen Fragen sich anschließen; dann aber ist erforderlich, daß jede Verärge­rung, jedes Nachtragen, jeder Trotz und Un­wille aus der Wahlkampfzeit verschwindet. Jetzt heißt es: Das Vaterland über die Partei gestellt! Praktische Staatspolitik getrieben! Es gäbe für die bürgerllichen Parteien, die bisher in der Regierung saßen und die Verantwortung trugen, nichts Törichteres, als sich gegen die Deutschnationalen feindlich zu verhalten und Zwietracht zu säen zwischen dem Bürgertum. Die bürgerlichen Parteien haben zu beweisen, ob sie Staatsbewußtsein haben, ob sie im wahr­sten Sinne des Wortes national sind. Die bür­gerlichen Parteien müssen den Ernst der Stunde erfassen. Gelingt es nicht, die Scheidung zwischen Internationalismus und Marxismus einerseits und nationalem Wollen, deutschen Leben an­dererseits durchzuführen, triumphieren im Lager des Bürgertums die Zwietracht, so stehen unse­rem Volk weiter schwere Erschütterungen bevor. Davor möge uns der Himmel bewahren. R. H.

Das Ergebnis der Reichslagswahl in Keffen-Nassau.

Laffrl, 8. Mai. Nach dem jetzt vollständig vor­liegenden amtliche« Wahlergebnis der Reichs, tagswahl in Hessen-Nassau sind 15 Kandidaten als gewählt zu betrachten, die sich folgendermaßen ver­teilen; Deutschnationale Partei 8, Deutsche Volks­partei 2, Zentrum 2, Demokratische Partei 1, Ver­einigte Sozialdemokratische Partei 5, Kommunistische Partei 1, Völkisch-sozialer Block 1.

Kein Briefwechsel zwischen Mac­donald und Pomemv.

Paris, 8. Mai. In offiziellen französischen Kreisen wird erklärt, daß Macdonald kein neues per­sönliches Schreiben über die Besprechungen, die er in der Vorwoche mit den belgischen Ministern hatte, an Poincarö gerichtet hat. Dagegen habe der englische Botschafter in Paris eine Unterredung mit dem französischen Mimsterpräsidettten gehabt. Auch der französische Botschafter in Brüssel sei durch den Außenminister Hymans von den englisch-belgischen Besprechungen in Kenntnis gesetzt worden, die trotz ihres allaemeine» Charakters einen aüniticen Anscma

der nächsten interalliierten Beratungen darstellten. Der Botschafter habe hierüber einen langen Bericht nach Paris geschickt. Den von den Sachverständigen des englischen Schatzamtes aufgestellten Bericht über die Durchführung des Sachverständigenplanes habe die französische Regierung bis jetzt noch nicht erhalten.

Paris, 9. Mai. DerMatin" glaubt mitteilen zu können, daß Macdonald den Wunsch geäu­ßert habe mit Poincare persönlich zu verhan­deln. Die Zusammenkunft soll noch im Laufe des Mai stattfinden und zwar vor dem Besuch des serbischen Königspaares am 25. Mai. Der Matin" schreibt weiter. Es wäre auch keine Zeit zu verlieren, da der Bericht von allen Re­gierungen angenommen sei mit Ausnahme der Deutschen. DerMatin" geht in seinen Ver­dächtigungen sogar so weit, daß er das erneute Sinken des Franken als Offensive gegen Frank­reich ifn Verband der Wahlen bezeichnet. Aber auch dieser Versuch werde an der Haltung der Alliierten scheitern. DerPetit Parisien" hält es für wenig wahrscheinlich, daß die Zusammen­kunft zwischen Poincarè und Macdonald vor Mitte Juni stattsindet, da die belgischen Mi­nister erst eine Zusammenkunft mit Mussolini gehabt haben müßten. Es besteht auch kein An- laß die Angelegenheit zu überstürzen, da erst der Bericht des englischen Schatzamtes über das Gutachten abgewartet werden soll und die Hal­tung der neuen deutschen Regierung. Der Reichstag trete aber erst am 22. Mai zusammen.

Eine Anlerhausdebatte über die Floltensliirke.

London, 8. Mai. Im Laufe der Unterhaus­debatte über die Flottenstärke wurde die Frage aufgeworfen, ob sämtliche britischen Docks bei- bsbalten werden sollten. Der liberale Abg. K e n w o r t y erklärte, daß nicht alle Docks be­nötigt würden und ersuchte die Regierung, eine gründliche Untersuchung darüber anzustellen, ob nicht die Zahl der Docks vermindert und einige von ihnen dem Bau von Handels­schiffen nutzbar gemacht werden könnten. Er wies ferner darauf hin, daß in diefem Jahre eine halbe Million Pfund Sterling mehr für Docks ausgegeben worden feien als im Vor­jahre. Der Konfervative Burney führte aus, daß die Kontrolle der Küstengewässer infolge der Entwicklung der Luftschiffahrt mehr und mehr zur Aufgabe der Luftstreitkräfte werde. Das sei ein Grund mehr, um die Politik der Admirali­tät in der Dockfrage zu ändern. Er richtete an die Admiralität das Ersuchen, eine Kommission zu ernennen, die sich zur Frage der Einbe­ziehung von Chatham in den Hafen von London äußern soll. Der frühere erste Lord der Admira­lität Amery sprach die Hoffnung aus, daß die Admiralität die Zahl der Docks soweit wie möglich auf dem jetzigen Stand halten würde. Er bezweifelte die Kliughatt der Maßnahme, die drei Docks von Chatham, Portsmouth und Ply­mouth aufzugeben oder umzustellen. Der parla­mentarische Staatssekretär bei der Admiralität Ammon erklärte, die Aenderung und die Ent­wicklung der Angriffwaffen würde auch die Be­deutung der Docks vom strategischen Stand­punkte'sehr fühlbar beeinflussen. Augenblicklich könne er nur mitteilen, daß die Admiralität ge­neigt sei, die Aufgabe des Docks von Sheerneß in Erwägung zu ziehen.

Der Kampf im Bergbau.

Berlin, 8. Mai. Zu dem Streik im Ruhr­bergbau wird uns von unterrichteter Seite mit­geteilt: Die Arbeit-iverhültniffe im Ruhr bergbau waren bis zum 1. Mai 1924 wie folgt geregelt: Auf Grund von Vereinba­rungen und Schiedssprüchen leisteten die Berg­arbeiter feit dem 4. Januar 1924 im Anschluß an ihre regelmäßigen Schichten eine Mehrarbeit derart, daß die Gesamtschichtdauer unter Tage 8 Stunden und über Tage in der Regel 10 Stunden betrug. In Betrieben mit durchgehen­der Arbeit wurde mit zwei Schichten gearbeitet. In Betrieben über Tage, in welchen vor dem Kriege weniger als 10 Stunden gearbeitet wurde, verblieb es bei dieser kürzeren Arbeits­zeit. All das galt bis zum 30. April 1924. Die tariflichen Durchfchnittslöhne waren bis zu Beginn des Jahres 1924 einschließlich der für die Mehrarbeit zu leistenden Zuschläge auf 5.40 Mark für die Hauer und für die ober­sten Schichtlöhne, wie z. B. für die Handwerker auf 4.70 Mark festgesetzt. Diese Löhne blieben unter dem Druck der dem Ruhvbergbau aus­erlegten Lasten und der dadurch bedingten außer­ordentlichen Steigerung der Selbstkosten aller­dings hinter den Friedenslöhnen der Ruhrberg­arbeiter zurück. Mit der Fortdauer dieses Zu­

Der Dolkswille.

Unser Volk steht im Begriff, nach und nach die bösen Säfte des Internationalismus aus­zuscheiden. Die Wahlen vom 4. Mai legen Zeugnis dafür ab. Sie offenbaren eine starke Abkehr vom Marxismus, von jener politischen Lehre, die in törichten Theorien groß ist, die die nationale Wesensart eines jeden WEes gering achtet, in einem schemenhaften Gebilde, der roten Internationale, ihr 'Heil steht. Das deutsche Volk hat mit denen abgerechnet, die in den Re- llolutionstagen jene Tiraden ertönen Keßen: Deutschland muß ein freimütiges, umfassendes Schuldbekenntnis oblegen, einen neuen Staat aus neuer Grundlage aufbauen. Ist dies ge­schehen, dann wird sich die Welt Mit uns aus- jöhnen, dann wird sie Vertrauen zu uns fassen, dann wird man leichte Friedensbedingungen uns Merlegen/ Das deutsche Volk hat sich die-

EM nichts ^hiiCi^iT^i^ü Uerinnerß hat.erkannt, daß grenzenloser Haß und frecher Raub, bitteres Unrecht und trost­loses Elend, Demütigung und Schmach ohne Unterlaß den Versprechungen -folgte, daß die siegreiche" Revolution,das Selbstbefreiungs- werk", die Verleugnung und Schmähung alles Nationalen umsonst war. Das deutsche DE hat sich in Überwältigender Stimmenzahl für die Nation, ihre Freiheit und Wohlfahrt ent- schiedm. Undl dem Himmel sei Dank, daß es so gekommen ist. Die Staatsmänner der gegne­rischen Mächte können daraus ersehen, daß das deutsche VE nicht gewillt ist, auf dem Wege der Versklavung, der Demütigung, des Leidens wei­ter zu wandeln. Die Wahlen vom vergangenen Sonntag sind für unsere Gegner als Kund­gebung auszufassen, den Bogen nicht zu über­spannen. Man komme uns Nicht damit, daß das Ausland aus dem nationalen Votum eine deutsche RevanchepMtik herauslesen könnte- daß man Poinoarö neue Trümpfe in die Hände gegeben habe. Das ist töricht und zeugt von Kleinmut. Daß genösse französische Hetzblätter, wieMatin" undPetit Parisien", die Lärm­trommel zu neuer Auspeitschung des französi- chen Chauvinismus rühren, ist selbstverftänd- sch. Das tun Zeitungen dieses Schlages in jedem Falle. Würde das deutsche Volk am 4. Mai in der Hauptsache sozialdemokratisch ge­mahlt haben, so hätte man erklärt: Das ist pure Heuchelei von den Deutschen, sie sind bis zum Grunde ihrer Seele unehrlich, denn ein VE, d as so gezüchtigt worden ist, kann nicht im In­ternationalismus seine Ideale sehen. Diese An- hcht wäre in kurzer Zeit die der ganzen Welt geworden. Das Maß der Verachtung gegen alles, was deutsch ist, wäre noch um ein Bedeu­tendes gestie gen. Also weg mit dieser Befürch­tung! Noch imnrer haben ernste nationale Kundgebungen eines ganzen Volkes ihre Wir­kungen nicht versagt. Wir sind überzeugt, daß 'das Ausland in dem erwachenden nationalen Bewußtsein, in der Abkehr vom Internatio­nalismus ein Warnungszeichen sieht.

. Ansehen in der Welt kann unser Volk nur wiedergewinnen, wenn es nationale Würde, Wahrheit und Festigkeit zÄgt. Die Wahlen vom t. Mai sind ein Schritt auf dem Wege, der zu diesem Ziele führt. Bei diesem kleinen Schritt! darf es aber nicht bleiben, und noch weniger Surfen wir diesen Schritt wieder aufgeben, wo- sich politische Kreise leider anschicken, durch Kmsliktstof.se die Bemühungen, die sich für die Schaffung eines großen nationalen Blocks ein- Wen, zu vereiteln. Weg mit dieser Zwietracht! Wenn verschiedene Blätter für die Bildung der Großen Koalition von den Sozialdemokraten bis zu den Deutsch nationalen Eintreten, so sagen W, daß dieses Verlangen heute eine Unmög- "chkeit darstellt. Unmöglich ist diese Koalition vor allem dann, wenn man sie unter dem Ge- Nchtswinkel der radikalisierten geistigen Ein­stellung der Sozialdemokratie betrachtet. Die Aerren Genossen» die jetzt in den Reichstag ein­

standes wurde die Lage im Ruhrgebiet für die Bergarbeiter von Tag zu Tag schwieriger. In der ersten Hälfte des April setzte deshalb ein, unter dem Vorsitz des Schlichters Mählich ge­fällter Schiedsspruch eine 15prozèntige Lohn­erhöhung mit Wirkung vom 15. April ab fest. Der Zechenverband lehnte diesen Schiedsspruch ab, weil er die Datierung der Lohnerhöhung schon ab 15. April für unerfüllbar hielt; die Gewerkschaften nahmen dagegen den Schieds­spruch -an und beantragten seine Verbindlich, erklärung. Nach ergebnislosen Einigungsver­suchen sah sich der Schlichter ebenfalls genötigt, einen Schiedsspruch über die Arbeitszeit zu fällen. Danach sollte die Arbeitszeit unter Tage bis zum 4. November wie bisher 8 Stunden be. tragen und auch über Tage sâè bis zu diesem Tage die Mehrarbeit fortgesieiNErden; ledig­lich für besonders schwierige ^Verhältnisse sollten schon nach dem 1. - 625 Stelle der zwolfstündigen nur achistünd'n geZchichten tre­ten. Diesen Schiedsspruch lehntesstLie Zechen ab, weil sie die Wiedereinführung der Achtstunden­schicht nach dem 1. Juli für undurchführbar hiel­ten, und die Gewerkschaften in erster Linie des­wegen, weil der Schiedsspruch die Fortdauer des Manteltarifvertrages für die Zeit der Mehr­arbeit nicht fichere, weil er für die Mehrarbeit keine besondere Bezahlung vorsehe und weil sie über eine illoyale Anwendung der bestehenden Arbeitsverträge (Urlaub, Deputatkohle u. a.) durch die Arbeitgebe/ klagten. Somit bestand am 1. Mai Streit über die Löhne und die Ar­beitszeit im Ruhrbergbau. Das Reichsarbeits- minifterium versuchte die Parteien im Verhand­lungswege zu einigen. Da aber ein Ergebnis nicht zu erreichen war, griff der Reichsarbeits­minister persönlich in die Verhandlungen zu Hamm am 3. Mai ein. Mit den Vertreten: des Zechenveândes und der Gewerkschaften war i über die vielen und weitgehenden Streitpunkte keine sofortige Verständigung zu erzielen. Der Reichsarbeitsminister sprach darauf die Der- bindlichkeitserklärung des in der Lohnfrage ge­fällten Schiedsspruchs mit Wirkung ab 1. April und des Schiedsspruchs über die Arbeitszeit mit Wirkung bis 31. April aus. Auf Grund dieser Verbindlichkeitserklärung ist der Hauer-Durch- schnittslohn ab 1. Mai auf 6.21 Mark und der Handwerkerfchichtlohn auf 5.40 Mark erhöht worden. Diese Beträge bleiben hinter denen der Friedenszeit um etwa 8 Prozent, also um etwa so viel wie die gegenwärtige Arbeitslefftung hinter der Friedensleistung zurück. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Hausstands- und Kindergeld zu diesen Löhnen noch hinzutreten, während sie in den Friedenssätzen schon enthalten waren. In der Urlaubssrage erklärten sich die Vertreter des Zechenverbandes auf Empfehlung des Mi­nisters bereit, die für den Monat Mai verfügte Urlaubssperre aufzuheben. Die Vertreter des Zechenverbandes erklärten sich mit der durch den Reichsarbeitsminlfter in Hamm getroffenen Regelung einverstanden, wiesen aber darauf hin, daß die Betriebe durch ihre wirtschaftliche Notlage genötigt seien, die Arbeiter zu ent­lassen, die sich nach der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches etwa weigern werden, eine Arbeitszeit von 8 bezw. 10 Stunden zu leisten. Die Vertreter der Gewerkschaften erklärten, daß sie die in Hamm getroffene Regelung, ebenso wie es bisher mit den Schiedssprüchen geschehen sei, der Revierkonferenz ihrer Vertrauensleute unterbreiten müßten, vor deren Enschließung sie keine Stellung nehmen könnten. Der Reichs­arbeitsminister hat daraufhin beide Teile tele- graphisch dringend gebeten, alles zu tun, um die Durchführung der in Hamm vorgesehenen Regelung ohne Reibungen zu ermöglichen. Er wies die Gewerkschaften auf die Notwendigkeit hin, ihre Mitglieder über die durch die Verbind- lichkeitserklärung geschaffene Rechtslage schleu­nigst zu unterrichten, und bat den Zechenver­band, die Bemühungen der Gewerkschaften nicht durch vorzeitige Kampsmaßnahmen zu erschwe­ren. Daß die Revierkonserenzen die in Hamm getroffene Regelung abgelehnt haben, und daß die Bergarbeiter sich weigerten, die in dem Schiedsspruch festgesetzte Arbeitszeit zu leisten, und daß die Betriebe zu Entlassungen ge­schritten sind, wurde der Oeffentlichkeit bereits bekannt.

Diese Darstellung stellt lediglich die Tat­sachen nebeneinander und enthält sich jeder Be­gründung der einzelnen Maßnahmen. Es darf erwartet' werden, daß ' die beiden streikenden Teile in ihrem eigenen wie im Interesse des Gesamtwohles bald einen Weg zum Frieden finden werden, den zu ebnen die berufenen amt­licken Stellen nach wie vor bereit sind.