Anzeiger
Hanau
General-Anzeiger / AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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Nr. 98
Samstag den 26. April
1924
Das Neueste.
— Nach einer Pariser Meldung soll gestern in Berlin eine gemeinsame Note der Botschaft der Alliierten überreicht worden sein, die auf Grund der Verhandlungen der Botschasterkonferenz bei der deutschen Regierung gegen die Tâtigkett der Geheimverbände in dm besetzten Gebieten protestiert und die Ergreifung der notwendige» Maßnahmen verlangt.
— Die englische und die belgische Antwort sind bei per emgerrsssen.
— Ein Verkehrsflugzeug, da» gestern abend mit rii Passagieren von England nach Holland abflog, nicht eingetroffen. Es wird befürchtet, daß die Insassen in der Nordsee ertrunken sind.
— Wie aus Weimar gemeldet wird, hat oaS thüringisch« Ministerium bei Innern alle Kreis- und Stadtdirettor« angewiesen, für de« 1. Mai keine Ausnahme von dem Verbot für öffentlich« Versammlungen unter freiem Himmel oder Umzüge zu gewähren.
Ammen im 5 Won FkMW
Dien, 25. April. Nach den Mitteilungen aus Bukarest ist der Inhalt des französisch-Mmräni- der folgende:
Ich garantiert Rumänien die
2. Frankreich erhält das Recht und hat die Pflicht, die rumänische Armee vollständig zu reorganisieren.
3. Frankreich räumt Rumänien die zum
ein und unter- heversiuche in
Die Neuwahl -er französischen Kammer.
Die französische Wahlkampagne ist gegenwärtig in vollem Gange. PoinoarZ hätt eine Wahlrede nach de« andern, obgleich das Mini» stertmn des Ministerkandidaten
Wt
mit gutem Beispie
und Poincarè
4. Rumänien verpflichtet sich an der Seite der Tschechoslowakei bei einem französisch-deutschen Kampf mit seiner ganzen Macht Frankreich zu unterstützen.
5. Bei einem polnisch-deutschen Kriege treten beide vertragschließende Parteien auf die Seite Polens.
6. Bei einer polnisch-russischen Auseinander»
8. Me italienischen Hegemoniepläne im Wit- telmeer werden gemeinsam bekämpft.
Als Mied in der Kette der Dasallenstaaten, die Frankreichs MiGtärherrschost in Europa festigen und verteidigen sollen, ist nun auch Rumänien eng an Frankreich gebunden, wie schon Belgien, die Tschechoslowakei und Polen. Der Bündnisvertrag hat gegenüber dem mit der Tschechsi den Vorzug der Mapphett und größeren Klarheit. Man erkennt, wie eng und wie stark der bewaffnete Ring um das fast waffenlose Deutschland ist und Reiz liest
man, daß hier ein Frankreich
der en. Ru-
Sitzung zu dem Gutachten der SaLverftändignt Stellung genommen und einstimmig eine Sntschliehung gefaßt, in der eS heißt:
Obwohl die Sachverständigen Me BRftSettre Verarmung Deutschlands unterschätzen und seim Leistungs fShigkett erheblich überschätzen, ist der deutsche Industrie« und Handelstag ebenso wie die Reichsregierung der Auffassung, daß Deutschland grundsätzlich an den Plänen des Gutachtens der Sachverständig
Dentschländ zu bet
eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit des Gebietes wünscht. Das Schicksal dieses köstlichen Elsaß-Lothringen" ist also vorerst gewalt-
eigent
Dorangugeben. Der Propagandaeifer des französischen Ministerpräsidenten ist indessen verständlich, denn die Fortsetzung seiner Politik hängt davon ab, ob der bloc national in ge migenber Mehrheitsstärke wiederkehrt oder ob es dem Block der Linken gelingt, eine Mcht- Heitsbildung für PoincarS in der neuen Kam-
rung, We M Genau wie
wo
m« zu erschweren oder unmöglich zu machen.
ch ver. worren. bloc rrational war keine geschlossene Koalition von einzelnen Parteien, sondern setzte
derselben Gruppe an demselben Strang zogen. In der alten Kammer gab es zehn solcher Grup. pen, nämlich von rechts nach links: 1. die repu- blikanifch-foziale Aktion, 2. die republikanisch»
5. die Unabhängigen, 6. die republikanischen Sozialisten, 7. die Radikalen und Radikal- Sozialisten, 8. die Bereinigten Sozialisten unb 9. die Kommunisten. Die zehnte Gruppe bestand aus den sogenannten Wilden. Die Gesamtzahl der Abgeordneten betrug 629.
Durch das neue französische Wahlgesetz ist die
einen Mgeordneten auf 75 000 Einwohner wählen und einen weiteren auf den etwa überschießenden Bruchteil. Dabei behalten aller- dings die Departements des Kriegsgebietes zunächst noch ihre alte Zahl. Im übrigen verlieren die Departements an Abgeordneten, und zwar zum Teil je einen, zum Teil auch je zwei. Einige Wenige wieder gewinnen einen Abgeordneten^
In der alten Kammer ständen sich bloc na» lional und Block der Linken gegenüber. Die obenerwähnte erste Gruppe, kurz Aktion genannt, stand außerhalb der Mehrheitsbildung, unterstützte aber im allgemeinen die auswärtige Politik Poincarè. In ihr vereinigen sich die Royalisten und Bonapartisten zur äußersten Rechten. Mese Partei ist faschistisch und antiparlamentarisch. Sie verlangt einen Führer, worunter sie natürlich den Herzog von Orleans versteht, und erwartet von ihm alles Heil. Zu dem bloc national zählten die republikanisch- demokratischen Linken und der Linksrepublika- Ner und Telle aus den Unabhängigen. Der Block der Linken umfaßte die republikanischen Sozialisten, die Radikalen und Radikal-Sozialisten sowie die Vereinigten Sozialisten. Zu ihm gehörten auch die Teile der Gruppen 3 und 4, die sich dem bloc national nicht angeschlossen hatten.
Me Fraktionen der Kammer spiegeln keineswegs die französischen Parteien getreulich wider. Vielmehr lassen sich die Abgeordneten tos Grund von Parteiprogrammen aller Art wählen und schließen sich, dann nachher in der Kammer zu Gruppen zusammen, die ein ganz inberes äußeres Bild ergeben, als die Parteien. Entscheidend für die künftige Zusammensetzung ist die Frage, ob der Nationale Block einigermaßen in der alten Stärke wiederkehrt. Der Kern des Blockes ist die republikanisch-demokra- ffsche Vereinigung, die mit 182 Abgeordneten gis stärkste Kammerfraktion aus den letzten
mitarbeiten muß. Dabei müssen unbeschadet noch zu äußernder Wünsche folgende Forderung« durchgesetzt werden: Die mmtärische Besetz««- deutsch« Gebietsteile darf nm innerhalb der Grenzen bei Ler» sailler Vertrages stattfinden. Im ganzen deutsch« Hoheitsgebiet muß die volle wirtschaftliche Souveränität des Deutschen Reiche» wiederhergestellt werd«. Die verhafteten und ausgewiesen« deutsch« Staatsbürger müssen ihre Freiheit bezw. die Genehmiguu- zur Rückkehr in die Heimat erhalten. Die vorgesehenen
zur Rückkehr in die Hei.______________ .
Kontrollinstanzen dürfen lediglich zum Zwecke der Bereitstellung der wirtschaftlicher Leistungeu au» dem Vertrage angewendet werden. Die für btt Sicherheit der Kriegslasten keineswegs erforderliche Gestaltung der Eisenbahnverwaltung muß eine grundlegende Wandlung erfahren. Der Einfluß bei Ausländer auf die geplante neue Goldbank muß grundsätzlich ferngehalten und die Tätigkeit deS Kommissars auf die Ucberwachung der N»tenauSgab« beschränkt werde».
Frankreichs und der Tschechoslowakei eine wohlwollende Unterstützung^ Mit Waffen und Kriegs- material vorsieht.
7. Ein Wiederaufleben der AnschluMewegung in Oesterreich, eine Restauration der Habsburger oder Hohen zollern wird mit geschlossenem ultimativem Schritt, eine Erhebung Deutschlands oder Oesterreichs mit dem casus belli beantwortet.
der ZuOchöri'gkLtt hös fast 90 Prozent von Deutschen bewohnten Gebietes erfolgen sollte. Hatte die Entente nicht angeblich „Or die Selbstbe-
arabien.
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Wahlen hervorging. Sie hat inzwischen 30 Mitglieder vom linken Flügel an andere Gruppen abgegeben, hat aber mit den übrigen Bestandteilen des bloc national eine Mehrheit von über 400 Abgeordneten gebildet. Gegen diesen bloc national kämpft der geschloffene Block der Linken. Die Radikalen Ind Radikal-Sozialisten sind ein Wahlbündnis eingegangen. Sie müssen alleMngs außerordentlich große zahlenmäßige Erfolge haben, wenn sie den Block stürzen wollen. Die Radikale Partei zählt in der Kammer etwas über 80 und die sozialistische Fraktion einige 50 Abgeordnete. Die 15 Kommunisten kamen in der alten Kammer nicht in Frage und werden auch in der neuen Kammer nicht zählen.
Poincarè sieht die Hauptgefahr in den Radikalen, seinen innerpolitischen bürgerlichenGeg-. nern„ die von Herriot geführt werden und die einmal den Grundstock der früheren linksbürgerlichen Mehrheit bildeten, in den nationalistischen Wahlen des Jahres 1919 aber vollständig geschlagen wurden. Die Sozialisten, die unter der Führung Leon Blums stehen, machen Poin- care keine Sorge. Für die französische Außenpolitik sind die Wahlen natürlich auch von Bedeutung, doch ist vor Illusionen zu warnen. Sämtliche bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Radikalen vertreten die strickteste Durchführung des Versailler Diktates und auch die französischen Sozialisten werden sich ihre Finger an der Reparationspolitik sicher nicht ver- brermen.
Don -er Reparatronskommission.
Paris, 25. April. Ueber die heutige Vormit- tagssitzung der Reparationskommission ist ein Kommunique ausgegeben worden, wonach die Antworten der französischen, der belgischen und der englischen Regierung auf das Schreiben der Reparationskommission vom 17. April zur Kenntnis genommen worden sind. Die Antwort der italienischen Regierung wird morgen erwartet. Sobald sie eingetroffen ist, werden die vier Schriftstücke veröffentlicht werden. Die Reparationskommiffion hat ferner den französi- chen Delegierten Barchou und den englischen Delegierten Sir John Bradbury gebeten, sich mit verschiedenen Persönlichkeiten der Finanzwell in Verbindung zu setzen, um deren Meinung über die Entschließungen der Sachver- ündigen und die Möglichkeiten der Verwirk- ichung ihrer Pläne kennen zu lernen. Da der amerikanische Bankier Morgan bereits in Frankreich erwartet wird, werden der franzö- ische und der englische Delegierte wahrscheinlich nsbefondere dessen Ansicht einholen. Diese Benechungen haben indessen rein konsulativen charakter und werden nicht mit der sofortigen Durchführung der im Sachverständigenprogramm vorgesehenen Modalitäten gleichbedeu- ,
Dienstag vormittag eine neue Sitzung ab. Nach dem „Temps" ist auch der Regierung in Washington der Beschluß der Kommission vom 17. April mitgeteilt worden. Die Regierung der Vereinigten Staaten habe den Eingang bestätigt.
Sticht die Repko^ sondern Sie alliierten Kabinette haben das Wort.
P a r i s, 26. AprN. Die bereits vorliegen den Antworten der englischen, belgischen und französischen Regierung zum Beschluß der Repko foßen nach dem „Matin« erklären, daß die drei Regierungen die Vorschläge der Sach- verständigen annehmen und geneigt sind, ihre Ausführungen sicher zu stellen. Nach dem „Echo de Paris" sind die Antworten platonisch abgefaßt und sollen den Standpunkt der drei Regierungen noch unvollkommen zum Ausdruck bringen. Die Franzosen verlangen 1. die Ausarbeitung der verschiedenen Empfehlungen. 2. einen Unterschied zu machen zwischen den Angelegenheiten. die der Kompetenz der Repko unterstehen und denen, die von den Alliierten verhandelt werden können. Dadurch, daß man auf das Unzulängliche der Entscheidung vom 17. April Hinweise, wurde von belgischer Seite eine gewisse Kritik geübt. England wünsche rasch voran zukommen. aber es scheine, daß man nicht über die Beschlüsse vom 17. April hinauskommen könne. Setzt man voraus, daß derartige Bedenken in der Repko auftauchen, dann kann man mit einiger Sicherheit annehmen, daß in den nächsten Tagen die alliierten Kabinette und nicht die R^ko das Wort haben werden.
Aelgisch-sranzSsische Beralurrgen.
Pari-, 25. April. Eine halbamtliche Mitteilung der Havaragentur bestätigt nunmehr, daß die belgischen Minister TheuniS und Hymans den Montag in Paris verbringen werden, um Verhandlungen mit der französischen Regierung zu führen. DaS „Journal des DebatS" glaubt in der Lage zu sein, mitzuteilen, daß die beiden Minister bereit» Samstag abend in Paris eintreffen werden. Die Verhandlungen würden ich natürlich vor allem auf die Reparation-frage beziehen. Die französische Negierung scheine der Ansicht zu sein, daß die Reparationskommrssion vor allem die Schlußfolgerungen der Sachverständigen ausarbeiten müßte, und daß ein Meinungsaustausch zwischen den alliierten Kabinetten inzwischen provisorisch vertagt werden könne. In ^ gewissen alliierten Kreisen, namentlich auch in Brüssel, glaubt man jedoch, man könne sich sofort über die wichtigen Fragen ver- ländigen, über die die Reparationskommission sich nicht aussprechen könne. DaS „Journal des DebatS" glaubt auch, daß während der Anwesenheit der ielgischen Minister einige neue ausschließlich bclgisch- ranzösische Interessen besprochen werden sollen.
Der Jnöuslrie- und Kan-elslag zu den Sachvsrs!än-igenbesch!üsfen
Die pfälzischen und rheinische« Separatisten.
DaS „Berl. Tagebl." veröffentlicht eine Rtkhe separatistischer Geheimdskumente, u. a. einen bertrtru» lichen Briefwechsel zwischen rbemischen und pfälzischen Sonderbündlern. Aus den Schriftstücken geht hervor, daß der rheinische Unabhängigkeitsbund und der * rheinisch-westfälische DolkSbund nicht» weiter find als eine Markierung der ehemaligen separatistischen Vereine und Verbände, von denen sie sich in den Zielen kaum unterscheiden. Ebenso wie in den Putschtagen bei vergangenen Jahre», plant man bte Errichtung einer sogenannten Wohlfahrtkdiktatur, wobei man vor gewaltsamen Mitteln nicht zurtckschrecken wird. Sm« rheinische Schutzwehr ist im der ÄcldtW« Legriffen. Waffen sind noch genügmd vorhanden und können jederzeit mit Leichtigkeit beschafft werden, da die Separatisten noch in dem Besitz der von den Be» satzungSbchörden ausgestellten Waffenscheine sind. Die pfälzischen Separatisten haben sich unter Führung einer gewissen Shm$, der in Marseille geboren ist, unter dem Namen „Rheinische Arbeiterpartei* zu» sammengeschlossen. Kun» soll in der Woche nach Ostern, wie er selbst in einem von dem Starte veröffentlichten Brief an den rheinisch-westfälischen Un- avhängigkcitrbund in Düsseldorf angibt, nach Frankreich reisen, um wahrscheinlich dort für die Beschaffung der für die Propaganda der separatistischen Parteigruppen erforderlichen Geldmittel zu sorgen.
Das Eisenbahnunglück auf der Gotthardbahn.
Zürich, 25. April. In Bellinzona hat man eine Art Totenmuseum eingerichtet, in dem die aufgefundenen Gegenstände ausgestellt sind, aus denen die Identität der Toten 'erwiesen werden soll. Alle diese Gegenstände tragen Spuren des Feuers: Damenuhren, Herrenuhren, Armbänder, Fingerringe, Zigarren- und Zigarettenetuis, Damenhandtaschen, Brieftaschen mit ungebrannten Banknoten und Münzen verschiedenster Provenienz, Gepäckstücke, Kleider usw. Direktor Fortmann, einer der Geretteten, gibt an, daß im deutschen Unglückswagen mindestens 20—25 Menschen anwesend gewesen sein müssen. Die große Zahl der auf« gefundenen Gegenstände läßt vermuten, daß diese Angabe zutrifst.
Me „Neue Zürcher Zeitung" oeröffenMcht zum Zweck der Identitätsfeststellung der Der-
mal die Worte: „In eiserner Zeit 1916", ferner ein deutsches Wappen und der Spruch: „Gold zur Wehr, Eisen zur Ehr'". Außerdem wurden gefunden eine Krawatte mit der Fabrikmarke „Franz Berger, Wien, Augnstmerstraße 12", ein Dä decke r mit der Namenseintvagung S. Hallo-Cassel 1911, ferner Taschenbücher mit den verschiedensten Initialen wie: B, G., H. S., 0. B„ K. H. (Karl Helfferich) und A. A.
Begleitung ihres Schwagers Theodor Helfferich von Stvesa kommend in Bellinzona eingetroffen. Frau Helfferich hat die Leiche chres Gemahls wiebe rerkannt. Heute vormittag findet die von jen Gemeind ebehörden von Bellmzona organi- ierte Trauerfeier für Helfferich statt. Der Zu- land des schwer verletzten Dr. Hoffmann aus Berlin, der im Kanton-Spital Bellinzona be
jandelt wird, hat sich gebessert.
Die Trauerfeier in Bellinzona.
Berlin, 25. April. Der Vorstand des Deutsche« I] , Industrie- und Handelstages hat heute in einer «die Opfer
Bellinzona, 25. April. In der Stadt herrschte chon um 1 Uhr mittags ein außerordentlich sger Verkehr anläßlich der durch die Gemeindebehörden veranstalteten Trauerfeier für
* ' • der Eisenbah^kata<