SanaueM Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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Nr. 97
Freilag den 25. April
1924
Kelfferich t
veretts in Dem größten Teil unserer
Unglücks von Bellinzona.
übte. Es lag in Gr immer etwas â M mühsam WrückOehatten« Drang nach dem Besser- -machen unb ein gewisser Unmut darüber, dvß ihm triefe positive Tätigtet versagt war. Wer ihn in feiner politischen Tätigtet beobachtet hat, - - daß Helfferich
Iber tarnt nicht daran
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er, Nefer noch keine 52. Gin tragisch^ Un-
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Den Männer. Das war einmal wochenlang Das war damals, als nach die fvzi>aldemvkra-
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gangen. Umso furchtbarer ist es, daß er nun einem Unglück zum Opfer fallen muß, das wahllos ihn wie andere Insassen des UngMks- zuges auf fremdem Boden getroffen hat.
und sie ist vorüberge-
HeGsrich ist erst «HÄltnismäßtg spät in das öfferMche Leben und in die politische Arena getreten. Gr tat es mA großem und berech-
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Reichstags hat sprechen hören. i damals durch fern auHsrord-eMich
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Deileidskundgebungen.
Berlin, 24. April. Der Reichspräsident hat an Frau Staatsminister Helfferich folgendes Beileidstelegramm gerichtet:
Sehr verehrte, gnädige Frau! Die Nachricht, daß Ihr Herr Gemahl und seine Mutter einem furchtbaren Eisenbahnunglück in der Schweiz zum Opfer gefallen sind, hat mich tief ergriffen. Ich bitte Sie, die Versicherung meines herzlichen Beileids entgegenzunehmen. Möge die allgemeine Teilnahme, die dieser Schicksalsschlag findet, Ihnen einigen Trost in ihrem Unglück bringen.
Berlin, 24. April. Der Reichskanzler hat an Frau Staatsminister Helfferich folgendes Telegramm gesandt:
Tief ergriffen erfahre ich, daß Ihr Herr Ge- mahl durch das Bahnunglück am Gotthard den Tod gefunden hat. Aufs neue ist D e u t s ch - land eines feiner fähigsten Köpfe und bedeutendsten Führerberaubt worden. Während des Weltkrieges hat er seine ungewöhnliche Arbeitskraft unt) feine überragenden Kenntnisse und Fähigkeiten restlos in den Dienst seines über alles geliebten Vater- landes gestellt. Die Geschichte, deren Blick nicht durch den Kampf der politi chen Tagesmeinung getrübt ist, die vor allem Ziel unt) Wollen des Schaffens prüft, wird in dem Verblichenen einen Mann sehen, der mit seiner ganzen tarken Persönlichkeit das Glück eines Volkes erstrebte. Mit ihm per- änlich verband mich besonders die Liebe und Sorge für das besetzte Rheinland, troffen Söhne wir beide sind. Ich bitte Sie, die Versicherung meiner und der Reichsregierung aufrichtigen Trauer entgegenzunehmen.
Wissenschaft und als prakti-fcher Finanzfach- marm eine der -glänzendsten Laufbahnen hinter
auch im als Staatsmann
SÄ—
______ ... _______... _ , . Nektar der Deutschen Äank amh' bewiesen , haß er pra ktisch etwas von seinem Fache verstand. Mit der Sicherheit Md dem Selibstbewußtsein des Fachmannes übernahm er im Jahre 1915 die Derentwortungsvolle Aufgabe des Reichsschatz-
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Sfaafsminiffer a. D. Dr. Helfferich.
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n isterprnsident sandte an Frau Staats-
Der Drang nach positivem Schaffen, der
konnt war, so öffentlichen L vorgew-orfen,
von allen Seiten anet«
minister Helfferich nach Stresa, Mlla Siemens, folgendes Telegramm:
Anläßlich des in so grausamer Weise erfolgten Todes Ihres Herrn Gemahls, des früheren preußischen Staatsminffters Dr. Helfferich, spreche ich Ihnen zugleich namens des preußi- scheu Staatsministeriums meine wärmste Teilnahme aus.
München, 24. April. Der bayerische Ministerpräsidenk hat an Kommerzienrat Helfferich in Neustadt a. H. namens der Staatsregierung telegraphisch eine Beileidskundgebung gerichtet, worin es heißt:
Der tragische Hingang Ihres hochverehrten Herrn Bruders, der aus reinster Vaterlandsliebe alle Zeit seine glänzende Begabung und feine reichen Erfahrungen sowie seine bewundernswerte Tattraft restlos in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat, erweckt allenthalben die tiefste Teilnahme. Die Verdienste Helfferichs um die deutsche Politik und die' Volkswirtschaft ge- hören der Geschichte an und werden ihm einen unvergeßlichen Ruhm sichern. Zu reichem Wirken erschien er noch berufen. Bayern war stolz auf einen solchen Sohn und bedauert mit Ihnen den unersetzlichen Verlust auf das Schmerzlichste.
Berlin, 24. April. Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei Hergt richtete an Frau Staatsmimster Helfferich nachstehendes Telegramm:
Unter dem furchtbaren Eindruck von dem Hinscheiden unseres unersetzlichen Freundes, Führers und Vorkämpfers, der Zukunftshoff- nung unseres Vaterlandes, das feiner Besten und Größten einen in ihm verliert, gedenken wir in mitfühlendem Schmerz Ihres unendlichen Leides. Gott schütze Sie und Ihre Kinder. Möge der Sohn Helfferichs einst im Geiste
reifen sehen.
W h« WmnM m MWm
Bellinzona, 24. April. Zu dem Eisenbahnunglück auf der Gotthardbahn veröffentlicht die Generaldirektion der Schweizerischen Bundesbahnen folgendes amtliche Kommunique:
Am Morgen des 23. April ca. 2 Uhr 30 Min. fand zwischen dem um 2 Uhr 28 Min. in Bellinzona Hauptbahnhof abgefertigten Zug 51 B (direkte Wagen des Nachtschnellzuges aus Ita-
gehörende politische Akten gefunden, welche da» Reparationsproblem behandeln.
Berichte von Augenzeugen.
Frankfurt a. 21t., 25. April. Ein Frankfurter, der sich in dem Zuge befand und gerettet wurde, teilt folgendes mit:
In Bellinzona verdunkelte sich das Kupee und als der Zug anfing zu fahren, schlief ich langsam ein. Ein paar Sekunden darauf wurde ich durch einen enffetzlichen Ruck aufgeweckt, man hörte Scheibenklirren, Holz splittern, der Wagen stand schief und ich flog durch den Ruck direkt in hohem Bogen meinem Freunde auf den Schoß. Die Kupeewände schoben sich zusammen, sodaß das Kupee ungefähr ein Viertel so klein als vorher war. Sehen konnte ich nichts. Ein ganz kleiner Spalt war der einzige Zugang durch die zertrümmerte Scheibe nach der Außenwelt. Ein Franzose hatte die Geistegegenwart, mit seiner Hand die Scheibe ganz einzuschlagen und fiel halb rutschend durch das offene Loch aus das nebenliegende Geleise herunter. Darauf stürzte mein Freund heraus, halb gehend, halb kletternd, und ich kletterte mühsam hinterher heraus, indem ich mir an den zerbrochenen Scheiben Anzug und Hände zerschnitt. Mein Koffer, der bei dem Zusammenstoß auf meinen Freund gefallen war, rollte an die Oeffnung, sodaß ich gerade noch meinen großen Leder- kaffer mit herausnehmen konnte. In diesem Augenblick hörte ich neben furchtbarem Schreien und Wehklagen einen Knall. Sofort stand der vordere Teil des Wagens, der hoch geschoben war, in hellen Flammen, die sich rasend rasch weiter verbreiteten. In meinem Nachbarkupee saßen etwa fünf Menschen, Deutsche, deren Kupee infolge des Zusammenstoßes dermaßen verrammelt war, daß sie nicht herauskonnten und ich mußte zusehen, daß gerade die Insassen dieses Kupees bei lebendigem Leibe verbrennen mußten. Was sonst in den Wagen vorging, wußte ich nicht.
men Richtung gemacht. Er war es, der tn einer seiner letzten Reichstagsreden unter Hinweis auf die nächste Zukunft fast mit einem Seufzer der Erleichtwung davon sprach, daß die Regie- rungstätigtait seiner Partei in wahrscheinliche Nähe gerückt sei. Es ist von befond«s ergreifender Tragik, daß Helfferich dieses von ihm gelobte Land im Geiste sah, durch seinen Tod aber verhind«t wurde, es auch zu betreten. Und daß dies Leben so unbefriedigend ous- gehen mußte, wird auch der tief beklagen, der nicht zu feinen bedingüngslofen Bewunderern gehört hat, der aber dem Temperament, dem Wissen, demMut und der Unermüdlichkeit dieses geborenen Kämpfers feine Achtung nicht versagen kann.
Einige Daten aus Helfferichs Leben.
Dr. Karl Theodor Helfferich hätte am 22. Juli sein 52. Lebensjahr vollenden können. In Neustadt a. H. geboren, studierte er nach de« Besuch der ‘ Gymnasium» seiner Vaterstadt in München, Straßburg I und Berlin Staatrwissenschaften und promoviete auch , in diesem Fache. 1899 habilitierte er sich an der , Berliner Universität als Privatdozent und wurde : bereits 1901 znm außerordentlichen Professor ernannt. In diesen Jahren veröffentlichte er Bücher über 1 „Die Reform de» deutschen Geldwesens nach der Gründung des Reiches" sowie über „Handelspolitik'. ' Als Referent für wirtschaftliche Angelegenheiten in ' der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes ging - er 1902 in die Rcichsverwaltung über. 1908 wurde Helfferich zum Direktor der »natolifchen Tifenâehn ernannt. 1908 trat er in die Direktion der Deutschen Bank in Berlin ein. Mit dem Ausbruch des Krieges ■ erreichte seine politische Tätigkeit ihren Höhepunkt. Im Januar 1915 wurde Helfferich RelchSschatzsekretar, im Mai 1916 wurde er zum Nachfolger Delbrück» in das Staat-sekretariat deS Innern und zum «tellver- treter des Reichskanzlers berufen. Im November 1917 trat er von diesem Amte zurück. Im Juli 1918 ging Helfferich an Stelle der ermordeten Grafen Mirbach als Vertreter deS Deutschen Reiche» bei der Sowjetrezierung nach Mo,kau, kehrte aber bereits im August von dort wieder zurück. Nach der Redolution wurde Helfferich deutfchnatwnaler Vertreter in der Nationalversammlung und dann 1920 in den Reichstag gewählt. In seiner Partei wußte der Verstorbene sehr bald eine führende Stellung zu erringen, die er auch in allen Wirrnissen zu behaupten verstanden hat. Als Führer der Deutschnationalen Volkspartei mar Helfferichs Urteil im Reichstag bei allen finanz- ■ politischen Fragen von ausschlaggebender Bedeutung.
Im währungspolitischen Ausschuß empfahl er zur Lösung des Jnflationsproblems erst die Schaffung einer Roggenwährung, um sich dann das unverlierbare Verdienst zu erwerben, mit der Rentenmark dem deutschen Volke wieder ein stabiles Zahlungsmittel j L ru geben. „
mstvitten ist seine Position im a stets gewesen. Man hat ihm ) er während des Krieges eine "" getrieben habe und manche Kritiker haben ihn als dm Inf t bezeichnet, weil er nach während des Krieges eine große aushäufte, anstatt sofort durch
böswi
Vater der Ger
zu n. Diese Kritik aber ist hinterher leicht und sie ist auf alle Fälle ungerecht, fronn der unglückliche Ausgang des Krieges hat durch alle unsere Rechnungen, nicht mir durch unsere Finanzrechnungen, einem Strich gemacht.
Helfferich hat jedenfalls in seinem Amte bewiesen, daß er ein ganzer Mann war und auch Mit dem Einsatz seiner ganzen Kräfte und Mit seiner ganzen Energie on seine Ausgabe heranging. So hat er sich Mch für den U-Bootkrieg eingesetzt, obgleich er ihn zunächst ablehnte, nachdem dies« Krieg
dem Kriege posttiv und- schöpferisch tätig, trotzdem er sich in der Opposition befand. In aller Erinnerung ist noch der weitläufige Streit um He Vaterfebai " “ ' "
ft der Rentenmark, die unzweffel- -egnngen und Vorschlägen erwach-
wahres der Cunoâegiemng unterbreitete. Die llneigeunützigkeit seines Verhaltens in dieser Lebensfrage des deutschen Volkes wurde von den Linksparteien und ihrer Presse auf das heftigste bestritten, bis schließlich der gegenwär- ~ ther sie in fei«
ner bekannten Schrift über die Geschäftsführung des Reichsk-abi,netto auf Grund des Ermächtigungsgesetzes ausdrücklich und mit Wor-
. Der tragische und unerwartet frühe Ab- Muß seines Lebens ist außerordentlich zu be- dauern. Denn in dem Politiker und Staatsmann Helfferich ruhten ohne Zweifel Kräfte, sich in ^höpftwischer Tätigkeit noch glänzend Wen entfalten können. Helfferich war eine dnsgesprocyme Sampmatur und hat scher Wwer daran getragen, daß er nur mit dm Waffen der Kritik kämpfen konnte, ohne Ge- iMnheit zu praktischer staatsmännisch« Tättg-
lien) und dem fahrplanmä schnellzug Frankfurt-Basel zwei Wagen aus Zürich) bei Weiche I im Rangierbahnhof von San Paolo ein Zusammenstoß statt. Beide Züge hatten Vorspann. Vom Zug 51 B geriet der erste nach dem Heizwagen kursierende badische Vierachser 1. und 2. Klasse Mailand-Basel-Berlin, der Gasbeleuchtung
zwei Wagen aus
ißigen Zug 70 (Nacht- Basel-Mailand-Genua mit
führte, in Brand. Eine noch nicht genau fest- gestellte Anzahl Reisender dieses Wagens verbrannte. Ferner verbrannte der nachfolgende Vierachser 1. und 2. Klasse Mailand-Basel. Die Reisenden dieses Wagens konnten sich retten. Schwer verletzt sind bis jetzt 7 Personen im Spital untergebracht. Vom Lokomotivpersonal sind 2 Führer und 3 Heizer tot. Verletzt wurden 2 Führer und 4 Heizer. Der Materialschaden ist sehr groß,
Bellinzona. 24. April. Bis jetzt sind folgende deutsche Reichsangehörige von den Todesopfern des Eisenbahnunglücks indentifiziert worden: Reichstagsabgeordneter Dr. Helfferich und feine Mutter, Direktor Victor Wertheim vom Stahlwerk Becker A.-G., Charlottenburg, Römerftraße '40, Professor Rheinloge l, Berlin-Charlottenburg, Melitta Godet, 40 Jahre alt, aus Altsttahlstedt bei Hamburg.
Bellinzona, 25. April. In der Toten- Halle von Bellinzona sind die Ueber re sie vonlILeichenaufgebahrk. Unter den Trümmern der zerstörten Wagen befinden sich aber immer noch Leichen, sodaß die Zahl der Leichen noch höhe- ist Reu identifiziert unter den Toten wurde der deutsche Professor Weiß- Haus, dessen Wohnort unbekannt ist. Die Erkennung Dr. Helfferichs wurde hauptsächlich dadurch herbeigeführt, daß unter den Trümmern ein goldener Fingerring grs: ?den wurde, in welchem der Bame „Helfferich" ein- graviert ist. Außerdem wurden Dr. Helfferich
Das Trümmerfeld bot ungefähr folgenden Anblick: drei Maschinen aufeinander gefahren, einen wüsten Trümmerhaufen bildend, dann der deutsche Wagen in Flammen, in den der nachfolgende italienische Wagen zu Zweidrittel hineingefahren war, der nach kurzer Zeit genau so wie der deutsche Wagen verbrannte, mit der Ausnahme, daß die Insassen sich, so viel mir bekannt, retten konnten. 3n dem deutschen Wagen waren, _ «M. man hörte» * 8 Jßxt*