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SanauerS Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

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General-Anzeiger

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Nr. 96

Donnerstag den 24. April

1924

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Äelfferich unter den Verunglückten.

Wie wir schon gestern meldeten, hat sich in der Nacht zum Mittwoch auf dem Bahnhof Bellinzona, der ersten großen Station hinter dem Gotthardtunnel, eine außerordentlich schwere Elsenbahnkatostrophe ereig­net. Der von Luzern kommende Nachtschnell- wg überfuhr, wie es heißt, das Haltesignal vor dem Bahnhof Bellinzona und fauste in voller Geschwindigkeit in den von dort ebenfalls mit der vollen Kraft zweier elektrischen Lokomotiven herankommenden Mailänder Expreß. Fast das gesamte Personal -er Maschinen und der Heiz- wagea wurde getötet oder schwer verletzt.

Bis gestern nachmittag wurden über 30 lote und 50 Schwerverletzte festgestellt. Unter den Opfern befinden sich die Lokomotivführer der vier Maschinen und die Heizer der Heiz­wagen. Ein großer Teil der Leichen der Heiz- wagen konnte noch nicht identifiziert werden, ba die Leichen völlig verkohlt sind. Bundesrat Motta und -er Direktor der Basler Bundesbahnen haben sich an die Stätte des Eisenbahnunglücks begeben. Die vorläufige Untersuchung hat ergeben, daß der Fichrer des Luzerner Schnellzuges das Halte­signal überfahren Hlt. Bei dem Zu­sammenprall geriet dermitGasbeleuch- kete deutsche wagen des aus Mailand kommenden Zuges infolge Explosion des GasbehältersinBrand. Samtliche 3n- fassen des Wagens, vermutlich LVcchw'eg Deüt sche, sind in den

groß. Allein die vier elektrischen Lokomotiven laben einen Wert von etwa 4 Millionen Fran­ken.

Heute morgen erhalten wir über das Unglück folgende ergänzende Nachrichtens

Basel, 23. April. Seit einigen Tagen trifft der Nachtschnellzug MailandBasel wegen der großen Zahl der Reffenden mit Verspätung in Bellinzona ein. In der Nacht des Unglücks wurde er doppelt geführt. Der erste Zug pas­sierte Bellinzona fahrplanmäßig. Der zweite Zug, der 70 Minuten Verspätung hatte, traf nördlich von Bellinzona Mit dem Nachtschnellzug BaselMailand zusammen. Dieser hatte bei Ambrieinen Güterzuaüberholt. Versehent­lich war diese UeberRötung nicht weitergemeld etworden. Als nun i m Güterbahnhof Bellinzona das Signal geschlossen war, glaubte der Lokomotivführer, das Signal gelte dem Güterzuge und beachtete es nicht, trotz der Mahnung des Heizers. Der Heizer, die Ge­fahr erkennend, sprang vom Zuge ab und rettete sich dadurch. Der nördliche und südliche Schnellzug fuhren beim Güterbahnhof Bellin­zona Stirnseite gegen Stirnseite ineinander. 3m nördlichen Zug wurden die beiden elektri­schen Lokomotiven sowie der Heiz- und Gepäck­wagen demoliert. Die Reisenden konnten sich in Sicherheit bringen, während das Maschinenper­sonal zum «größten Teil umkam. Schlimmer ging es dem von Süd en herfahren ­den Z u gV. Dort befand sich hinter dem Ge­päckwagen ein vierachsiger Wagen erster und zweiter Klasse, der noch Gasbeleuchtung führte. Nach dem Zusammenprall explodierte der Gas- bch älter und der Wagen brannte sofort lichter­loh;

der größte Teil -er Insassen verbrannte.

Die Leichen konnten noch nicht alle identi- siziert werden, da von vielen nur verkohlte Ueberreste vorhanden sind. Hinter diesen Wa- gen folgte ein neuer Wagen der italienischen Staatsbahn. Er wurde ebenfalls vom Feuer erfaßt imd brannte vollständig aus, doch feine Passagiere konnten sich zum größten Teil retten.

An der Unglücksstelle ist der Generaldirektor der Schweizerischen Bundesbahnen in Beglei­tung von Bundesrat Motta eingetroffen. Gene- voldirektvr Schraff erklärte dem Spezialbe richt- erstatter derBaffer Nachrichten", das Unglück habe drei Ursachen: 1. die Nichtbeachtung des Signals, das auf Halt lautete, 2. die Nichtrück- Meld-ung der Ueberhvlung des Güterzuges, 3. die noch nicht vollständig ausgebcmte Zentral­weichenanlage in Bellinzona. Von den tödlich verletzten Personen gehörten fünf dem Maschr- Nendienst an; es sind im Kanton Tessin an­sässige Lokomotivführer und Heizer. Unter den verletzten Reisenden befinden sich die Angehörigen einer Berliner Familie __ ____

Fortmann, Wilhelm, Frieda, Werner, Al-bedeutete. Vor der Einführung des elektrischen

bert, Hans und Hilda, ferner ein Herr Otto K a r r e I aus Bremen.

Bellinzona, 23. April. Die heute nachmittag vorgenommenen weiteren Fesfftellungen und- das Verhör des Kondukteurs sowie der Uâr- lebenden bestätigen, daß außer dm 5 Personen des Personals zahlreiche Reisende umgekommen- smd, die sich im brennenden Wagen Mailand Ber lin befanden. Von ihnen sind nur verkohlte Ueberreste vorhanden, sodaß sie bis jetzt nicht identifiziert werden konnten. Unter der Asche fand man neben einigen bis auf das Skelett zusammengeschmmpften Körpern ein Zigaret- ten-Etui, ein ^goldenes Damenarmband, einen goldenen Damen-Brillantring mit dem Datum 18. 7.1906, ein Rasiermesser, ein geschmotzenes Kofferschloß, Toilettensachen Mit der Initiale F. Von der verunglückten Berliner Familie Fort­mann sind der Vater Wilhelm und die Tochter Helga schwer verletzt. Letztere hatte beide Beine gebrochen. Der Sohn Heinz kam Mit Schür­fungen davon und konnte seine Mutter, den ver­letzten Vater und die Schwester retten, bevor das Feuer von dem explodierten Berliner Wa­gen in den hinteren italienischen Wagen Über­griff. Einige Ueberreste von einem Korsett, Kinderschuhen und einer Damenbroche lassen darauf schließen, daß im Berliner Wagen eine mehrköpfige Familie zusammen umgèkommen fft. Der Nachtschnellzug aus dem Süden führte besonders viele internationale Durchreisende mit sich Nach der italienischen Paßkontrolle war dreier Zug von ro -scywMgem, 4^^*ku|w scheu, 5z Italienern, 4 Amerikanern, 2 Nor­wegern, 2 Tschechen, 2 Franzosen und 2 Eng­ländern besetzt, die über Bellinzona hinaus- fa hren wollten.

Kelffertch unter den Verunglückten?

Reichskagsabgeordneker Helfferich hatte die Absicht, mit dem in Bellinzona verunglück­ten Zug von feiner Jtalienreise nach Deutsch­land zurückzukehren, um gestern abend hier in Hanau seine erste Wahlrede zu halten. Dr. Helfferich hatte seiner in Frankfurt a. M. wohnenden Schwester telegraphiert, daß er nachts von Italien abreisen wolle und mittags gegen 1 Uhr in Frankfurt eintteffen werde. Dr. Helfferich ist jedoch bisher nicht elngelroffcn. Auch fehlt jede weitere Nachricht von ihm. Die Berliner Parteileitung der Deukschnakionalen Partei hegt ernste Befürchtungen um das Schicksal Dr. Helfferichs, da bei seiner Zuver­lässigkeit unter allen Umständen von ihm ein Telegramm über die Verzögerung seines Ein­treffens in Hanau hätte ankommen müssen.

Bellinzona, 24. April. Eine Be­stätigung der Nachricht, daß Helfferich bei dem Eisenbahnunglück umgekommen sei, war bei den zuständigen Stellen nicht zu erhalten. Die verkohlten Leichen konnten noch nicht identifiziert werden. Ein Verletzter des Zug­personals ist inzwischen gestorben.

Die elektrische Gotthard-Strecke.

Der Schauplatz des Unglücks gehört zu der großen internationalen Linie Berlin Er­furt Frankfurt Bafel Lu­zern Bellinzona Lugano Chiaffo Mailand. Die Strecke führt durch den St. Gotthard-Tunnel. Die schweizer und italienische Strecke vor und nach dem Tunnel werden elektrisch betrieben. Die Strecke von Bellinzona nach Erstfeld war der erste Teil der Gesamtlinie Arth Goldau ErstfeldBellinzonaLuganoChiasso, der in elektrischen Betrieb genommen wurde. Der erste elektrische Zug ist im September 1920 durch den St. Gotthard-Tunnel gefahren worden. Der letzte Teil der Gesamtstrecke LuganoChiasso wurde im Februar 1922, also vor verhältnis­mäßig kurzer Zeit, eröffnet. Betrieben wird das Bahnsystem mit dem Einphasen-Wechsel- strom, der gleichen Stromart, die für die bereits elektrifizierten Teile des deutschen Bahnnetzes übrigens in Uebereinstimmung mit der Schweiz und Schweden, die das gleiche System anwenden eingeführt worden ist.

Die Elektrifizierung der Linie hat sich als besonders ergebnisreich erwiesen, weil die Zug­fahrer mit einer einzigen Lokomotive eine Stundengeschwindigkeit von 50 Kilometern er-

reichen, was eine hundertprozentige Steigerung der Leistungsfähigkeit der St. Gotthardbahn

Betriebes mußten die Züge die erheblichen Steigungen mit zwei Lokomotiven, einer Vor­spann- und einer Drucklokomotive zu überwin­den suchen und brauchten beispielsweise für die Fahrt durch den Tunnel 23 Minuten, während der internationale Zug seit 1922 in 10 bis 12 Minuten diesen Teil der Strecke überwandt. Im Winter fährt der Zug häufig mit einem Heizwagen für die Dampfheizung des Zuges, der als Lokomdttve angesehen wird, aber natür­lich kein« ist.

Der Verunglückte Wagen ist ohne Zweifel der italienische Durchgangswagen, der in den Zügen eingestellt ist, von denen der eine den Anhalter Bahnhof oberes 8 Uhr 35 Min. ver­läßt und der andere den Anhalter Bahnhof morgens 8 Uhr 10 Min. erreicht. Dieser italie­nische Wagen ist allen Reisenden, die jemals die Strecke BerlinBasel befahren haben, sehr gut bekannt. Er zeichnet sich durch sehr saubere aber sehr leichte Bauart aus. Man kann sich vorstellen, daß die innensitzenden Personen bei einem Zusammenstoß ohne Zweifel der denkbar höchsten Gefahr ausgesetzt sind. Bei einem wuch­tigen Anprall muß der Wagen fast widerstands­los zusammenkrachen. Bei den deutschen Eisen­bahnern war er nicht beliebt, da er in wieder­holten Fällen wegen der zu leicht gebauten Kuppelungsvorrichtung zumAbreißen" der Züge geführt hat, so daß ein Teil des Zuges dem andern davonfuhr, ein Vorgang, der na­turgemäß zu außergewöhnlichen * Betriebs­störungen führen muß.

Keine Aufhebung der militärischen Besetzung.

Paris, 24. April. Wie der Brüsseler Be­richterstatter des »<k meldet,

bereitet die belgische Regierung die Antwort auf die Enffcheidungen der Repara­tionskommission vor. Ueber den Inhalt dieser Mitteilung fei noch nichts bekannt, aber es fei wohl möglich, daß er gewisses Interesse bean­spruchen könne, weil das Brüsseler Kabinett den Wunsch habe, mit Poincarö zu verhandeln und die französisch-belgische Zusammenkunft, die frühestens im Mai stattfinden sollte, werde früher erfolgen. Der Grund ist in der Unter­redung Macdonalds mit dem Botschafter in London und der Rede Eoolidges zu suchen. Theunis werbe in der Unterredung mit Poin- carè zum Ausdruck bringen, daß man die ge­botene Gelegenheit die deutsche Anleihe zum Gelingen zu bringen, ergreifen müsse. Wenn die belgischen Minister mit Poincarè gesprochen haben, werden sie auch mit Macdonald verhandeln. Sie würden bei ihm den sronzosisch-belgischen Standpunkt vertreten und betonen, daß keine Aufhebung der mililärischenBesetzung, sondern nur eine Milderung erfolgen könne.

Deutsche VolKspartei und Sachver- stündtgenberichl.

Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei hat zu dem Gutachten der Sachverständigen Stellung ge­nommen und seinen Beschluß dem Reichskanzler Marx in folgendem Schreiben übermittelt:

Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei hat in seiner gestrigen Dienstagssitzung zu den aktuellen Fragen der Außenpolitik, insbesondere den durch das Sachverständigengutachten notwendig werdenden Ver­handlungen Stellung genommen.

Der Parteivorstanü der Deutschen Volkspartei ist geneigt, die Regierung bei ihren Bemühungen, zu einer Verständigung zu komnien, zu unterstützen. Er muß jedoch für die Deutsche Volkspartei entscheidenden Wert darauf legen, daß keine endgültige Regelung getroffen wird, ohne daß die Rückkehr der Ausge^ wiesencn und die Befreiung der Gefangenen ,in einer die deutschen Interessen restlos befriedigenden Weise sichergeftellt werden.

Reichsbahn und Sachverständigen- bericht.

Sitzung -es OrganifationsausschuffeS.

Im ReichSverkehrsniinisterium trat gestern der OrganisattonsauSschuß zusammen, um sich mit dem Gutachten der Sachverständigen über die Deutsche Reichsbahn zu beschäftigen. Dem über die Konferenz vorliegenden amtlichen Bericht entnehmen wir folvendcs:

Nach einem eingehenden Referat über dar vorge­sehene Eisenbahnstatut nahm ReichSverkehrsminister Oeser persönlich Veranlassung, auf die finanziellen Lasten einzugchen, die das Gutachten der Reichsbahn auferkgt und auf die Möglichkeit, diese durch die Reichsbahn zu leisten.

Hierzu erfahren wir noch folgende Einzelheiten: : ReichSniinlster Oeser betonte in seiner Ansprache, daß , die Forderung der Entente, die Reichsbahn aus dem ; taatlichen Gefüge helauSzureißen, außerordentlich hart ei, daß aber weder Geld noch Gut geschont werden - dürfe und daß die schlimmsten Opfer ertragen werdrn müßten, wenn es aeste. deutsches Land und deutsches

Blut auch deutsch zu erhalten. Dar sei auch ; die Auffassung im Kabinett gewesen, all man sich . mit dem Gutachten beschäftigte. Der Minister er- . örterte dann weiter die Zusammensetzung des Der- waltungSrates und teilte mit, daß von den 18 gt- ; planten Mitgliedern des VerwaltungSrater 9 vow ' Reich zu stellen seien, während von den 9 anderen 5 Mitglieder der deutschen Nationalität sein könnten, : Die restlichen 4 würden sich aus Vertretern Frank- , reich?, Belgiens, England? und Italiens zusammen« : setzen.

Auch die Tariffrage würbt bei den Besprechung gen gestreift. Die Befürchtungen, daß die künftig« Gestaltung der Reichsbahn eine Heraufsetzung der Tarife bedinge, wurde als unbegründet zurück« : gewiesen, und man fonxte aus den Erklärungen der amtlichen Vertreter entnehmen, daß vielmehr : in Zukunft noch mehr als bisher Ersparnisse an sach­lichen und persönlichen Ausgaben gemacht werden müßten, weil vor allem der ReparationSbetraz in Höhe von 660 Millionen und der Zinsendienst in HShc. von rund 180 Millionen sichergestellt werden müßte. Es herrsche die Tendenz, durch Niedrighaltung der : Tarife den Verkehr nach Möglichkeit zu steigern, um aus dem größeren Umsatz auch einen entsprechenden Nutzen erzielen zu können. In der kommenden Sitzung am Mittwoch nächster Woche wird dann die allgemeine Aussprache über die Einzelheiten des Gutachtens beginnen.

Die Rheinschiffahri.

Die Zahl derbeschlagnahmten" Söhne.

Berlin, 23. April. Zu der Meldung über da­mit den Besatzungsmächten über die Rheinschiffahrt getroffene Abkommen erfahren die Blätter ergänzend, daß Frank­reich zur Zeit noch etwa 30 deutsche Rheinschlepper und 100 Rhein- kähne beschlagnahmt hat, deren Frei­gabe im Anschluß an die Regelung zugesichert worden ist. Frankreich und Belgien habe außer. Sem zugesagt, daß jeder weitere Zugriff auf die Rheinflotte, ihr Hilfsgerät und ihre Umschlags­einrickstungen auch für die Zukunft unter­bleibt. Die Rheinschiffswerften werden durch Festlegung der noch abzuliefernden Neubauten frei in ihrer geschäftlichen Betätigung und eben­falls vor weiteren Beschlagnahmungen sicher­gestellt.

Von den durch die Kohlenreedereien auszu> führenden Reparationskohlentrans- Porten zahlt die französisch-belgische Trans­portkommission etwa zwei Drittel der Fracht. Dieses Zugeständnis der Besatzungsmächte an die Rhemreeder ist umso bemerkenswerter, als die Reparationsgläubiger nach dem Vertrage von Versailles an sich Anspruch auf frachtfreie Beförderung der Kohlen bis zur Grenze haben. Die Kohlenfrachten wurden demgemäß früher auch von der deutschen Regierung tatsächlich bezahlt. Es gehört zu den Erfolgen der Ruhr- besetzung, daß die Besatzungsmächte sich jetzt entschließen mußten, die Kohlenfrachten größ­tenteils selbst zu bezahlen. Wenn es sonach auch den deutschen Reedereien gelungen ist, bei den Verhandlungen gewisse Vorteile herauszuholen, darf doch im Ganzen nicht verkannt werden, daß es sich hier genau wie bei den Micum- Verträgen um eine durch rechtsw idrige Uebergriffe erzwungene Regelung han­delt, die der Wirtschaft der besetzten- Gebiet« und insbesondere den Reedereien neu« schwere Lasten auferlegt.

Der kleine Littlerprozeh.

München, 28. April. I« Prozeß gegen die An« gehörigen des Stoßtrupps Hitler erhoben die Verteldiger Protest gegen die Verhaftung des Angeklagten Maurice, der sich am Schluß der Vormittagssitzung selbst gestellt hatte und sofort in Haft genommen worStn war. Der Staatsanwalt erklärte die Verhaftung für gerechtfertigt. Die bis zum Nachmittag vernommenen Angeklagten gaben im Großen und Ganzen die ihnen zur Last gelegte Beteiligung an einzelnen Unternehmungen zu; sie erklärten, in dem Glauben gehandelt zu haben, daß zwiscken Kahr, Lossow, Ludendorff und Hitler eine Einigung erzielt sei und daß eine nationale Regierung zustande gekommen sei; sie hätten sich als Soldaten gefühlt und da sie zu unbedingtem Gehorsam gegen- über den Vorgesetzten verpflichtet gewesen seien, du ihnen erteilten Befehle ausführen müssen.

Am die preußischen Gemeindewahle«.

Der preußische Landtag wird heute nach­mittag 3 Uhr zu einer Sitzung zusammentreten. Sie wird vermutlich wieder nur von kurzer Dauer sein, denn auf der Tagesordnung stehen neben der ersten Beratung des Notetats für 1924 und etlichen kleineren Vorlagen der ge meinsame Antrag des Zentrums und der Deutschen Volkspartei, die für den 4. Mai vor. gesehenen Gemrindewahlen mit Rücksicht auf die Reichstagswahlen auf einen späteren Termin zu verschieben. 3n Aussicht genommen war der 1. Juni. Schon in der letzten eigens zur Be­ratung über diesen Gegenstand einberusenest