SanauerW Anzeiger
General-Anzeiger / Amllèches Organ für Sladl- und
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Nr. 94
Dienstag den 22. April
1924
Das Neueste.
— Die französiche Regierung hat gestern auf das Schreiben der Reparationskommission mit Vorbehalt geantwortet.
— Mac Donald gab auf der Konferenz der unabhängigen Arbeiterpartei in Dork neue Erklärungen über den Standpunkt der englischen Regierung zu den Gutachten der Sachverständigen ab.
— Nach einer Londoner Meldung haben die Schiffsbauarbeiter von Southampton in einer Versammlung, an der 2000 Streikende teilnahmen, beschlossen, vom nächsten Mittwoch an die Arbeit wieder aufzunehmen. Dadurch wird die Aussperrung in den übrigen Werkstätten automatisch hinfällig, durch die 134000 Arbeiter betroffen worden wären.
— In Buckow in der Mark ist es zu einer blutigen Schlägerei zwischen Kommunisten und Jugend- bündlern gekommen.
Frankreichs Vorbehalte.
Paris, 20. April. Nach einer von der Havas- agentur verbreiteten halbamtlichen Erklärung sind -die französischen offiziellen Kreise der Ansicht, di e Donnerstag von der R e p a r a t i o n s- kommisston getroffene Entscheidung werde gewinnen, wenn sie vervollkommnet und präzisiert würde. Zweifelsohne werde die französische Delegation bei der Repa-va-tionskommission unverzüglich offiziell über den Standpunkt des französischen Ministerpräsidenten unterrichtet werden. sNach dem „Petit Journal" soll diese Mitteilung an Barthou heute a-bgehen.) Die französische Re-gierung habe die Initiative ergriffen, die Sachverständigenausschüsse einzufetzen, und sie habe nicht -gezögert, das Verdienst ihrer Arbeiten anzuerkennen und ihre Entschließungen und Methoden des SachVerständi-gen- planes. soweit sie ihrer Kompetenz unterstehen. ââßWè-^iöè^ E t^.„^i^. mU*£$^ -b;QH falte N^LDH- rationskonnNifsion ausdrücklich erkläre, was bei der Ausführung des sehr verwickân Planes den interessierten Parteien zur Durchführung chstche, nämlich der Reparationskommission, den alliierten Regierungen und Deutschland selbst. Nach der Ansicht der Sachverständigen habe tatsächlich die Reparationskommission alle Befugnisse, gewisse Organisationen des neuen Planes zu fixieren. Aber die Sachverständigen hätten eine grundsätzliche Regel aufgestellt, über die die französische Regierung nicht feilschen könne, sie müsse nämlich wissen, ob die fran - zösisch-belgischenOr-ganisationen im Ruhrgebiet ausgegeben oder in dem Maße, in dem sie die wirtschaftliche Einheit Deutschlands stoven, erst umge wandelt werden sollen, wenn Deutschland- den ihm anempfo-hle- nen Plan zur Ausführung gebracht habe. Die deutsche Regierung müsse glso vor allem die gesetzgeberischen Maßnahmen annehmen und die nötigten Organisationen d-u-rch-ge- führt haben für die Bildung der Emissionsbank und für die Reichssisenbahngesellschast. Sie müsse eine industrielle Hypothek vermitteln, die Steuern erhöhen usw.
Also erst, wenn d-as Deutsch-e Reich einen sichtbaren Beweis feines Willens gegeben habe, an dem endgültigen Plan der Reparationsk-om- mission mitWarbeiten, könnten Frankreich und Belgien aufgefordert werden, das wirtschaftliche Pfand im Ruhrgebiet Fegen anderes, weit'ergehendes Kon trollfystem auszutauschen. Dann- werde unvermeidlich die Frage der Gara n t i e n u n d Sanktionen aufgeworfen werden, die W® Sachverständigen nicht beha-n- delt hätten, da diese Maßnahmen politischen Charakter hätten. Die französische Rogi-erung wolle, bevor sie die Druckmittel aufgebe, über die sie sitzt verfüge, sich von vornherein mit den anderen alliierten Mächten über die Sanktionenverständigen, die nach einem gemeinsamen Abkommen für den Fall -getroffen werden müßten, daß Deutschland bei der Ausführung der neuen Bedingungen versage. In London dagegen wolle man sich erst nach einer etwaigen Ber- sehlung des Deutschen Reiches und zwar nach Kenntnis des Charakters derselben sich darüber aussprechen. Es sei klar, daß Poincarè daraus bestehen werde, seine These zu-m Siege zu führen, wenn die Stunde der Verhandlungen zwischen den alliierten Regierungen gekommen sei. Er werde das mit umso größerer Ueberzeugung tun, als die Erfahrung gezeigt habe, daß man keine Sanktionen habe anzuwenden brauchen, wenn die Alliierten ent» Flossen gewesen seien, sie durchzusühren. Frankreich, das Pfänder im Ruhrgebiet -besitze, deren -Wirksamkeit bewiesen sei, würde sehr naiv handeln, wenn es sie gegen ein einfaches Versprechen der deutschen Mitarbeit ausgäbe, und ohne versichert zu sein, daß das Deutsche Reich sich nicht noch einmal seinen Verpflichtungen entziehen werde. Frankreich zeige sein Entgegen
kommen genügend dadurch, daß es die EntsMè- hun-gen der Sachverständigen annehme. Man könne ihm also nicht die unerläßlichen Garantien verweigern, deren Berechtigung die Sachverständigen sogar anerkannt hätten.
Die französische Antwort an -le Repko
Paris, 21'. April. Der »Demps" berichtet, diè französische Regierung habe auf die Mitteilung der Reparationskommission, in der der Beschluß vom letzten Donnerstag mitgeteilt wurde, -bereits geantwortet. Sie habe die Haltung eingenommen, die man vorausgesehen habe. Ihre Meinung über den Bericht der Sachverständigen weiche nicht von der Meinung der englischen Regierung ab. Sie erwarte jetzt, daß die Reparationskommission die Entscheidung treffe, die ihr zukomme, um den endgültigen Plan aüs- zuarbeiten. Wenn die Reparationskommission in den Grenzen ihrer Befugnisse beschließen werde, könne die französische Regierung die Maßnahmen bestimmen, die sie zu ergreifen habe. Das Wort habe also von nun an die Reparationskommission. Sie allein fei qualifiziert im Rahmen ihrer Kompetenz das Werk vorzubereiten, wie sie es am Donnerstag angekündigt habe. Sie allein könne den Konklusionen der Sachverständigen Gewicht geben, nachdem sie die vorbereitenden Arbeiten durchgeführt habe.
Paris, 22. April. Der „Matin" bestätigt die Meldung des „Temps", daß die französische Re- gierung einen Brief an die Reparationskommission gerichtet hat. Die französische Regierung versichert darin, daß sie vor der Arbeit der Sachverständigen die gleiche Achtung wie die Repko habe, aber damit seien die Arbeiten noch nicht vollendet. Es genügt nicht den Bericht anzuerkennen, und die Arbeit unter das è^ , .âj^i^j^^
man dem ersteren sage es müsse die nötigen Gesetze erfassen. Uebrigens sei in Punkt 6 anerkannt, daß die Arbeiten in gewissem Grade vervollkommk werden müssen. Es scheine also der logische Verlauf der Dinge nicht vollkommen beobachtet worden sein. Es sei normal, daß die Repko ein vollkommenes Reparationsprogramm ausarbeite. Dieses Programm habe die Kommission dem deutschen Reich zu übermitteln und seine Veröffentlichung bekannt zu geben.
Macdonald über den Dawes-Derichk.
London, 19. April. Premierminister Macdonald erklärte in seiner mit Spannung erwarteten Rede auf der Zusammenkunft der unabhängigen Arbeiterpartei heute in Park, von stürmischem Beifall begrüßt, u. a.: Die jetzige Regierung bestehe auch nur aus Menschen. Sie habe Fehler gemacht und werde Fehler machen. Wenn sie ihr Amt in zwei Wochen niederlegen würde, so würde sie doch der Geschichte der ArbeiterbewegUHg ihren Stempel aufgcdrückt haben.
Was die ReparationSfrage anlange, so sei er froh, zu sehen, daß das ganze Land hinter ihm stehe in seiner Ansicht, daß der Sachverständigenbericht als Ganzes angenommen werden müßte. Der Bericht enthalte Dinge, die er schätze, und Dinge, die er nicht gern habe. Aber wenn er diese und jene Einzelheiten aufzuwerfen beginnen würde, würden Frankreich, Belgien und Deutschland dasselbe tun, und man werde sich in genau derselben Lage befinden uno genau wieder da sein, wo man angefangen habe. „Hier ist," sagte Macdonald, „Europas Gelegenheit — ergreift sie sofort und vollständig und macht weiter und nehmt das Werk und bringt Frieden und Sicherheit für den Kontinent."
Es geht aus den Berichten der Sachverständigen klar hervor, daß, wenn man noch zwei Jahre dieselbe Politik führt, welche man seit zwec oder drei Jahren betrieben hat, keine Hoffnung auf Sicherheit und Frieden mehr bestehe. Das aber ist eS, was mir am Herzen liegt, wofür ich arbeite. Ein Eintrit Deutschlands in den Völkerbund würde die Organisation vollenden, auf der ich gern den künftigen Frieden Europas gründen wollte." Macdonald drang endlich darauf, Deutschlands Wort anzunehmen.
Macdonald kam dann auf Indien zu, sprechen: er sagte, die Regierung kenne die Lage in Indien und sie wolle sie verbessern, das ihr bevorstehende Ideal sei der Dominion-Status für Indien. Zum Schluß erklärte der Ministerpräsident, nach seiner Ansicht sei seine Pflicht, die Regierung des Landes fortzuführen und Neuwahlen, die niemand wolle und die, wenn sie kämen, nichts bessern würden, fern zu halten. Er sehe keinen Grund, weshalb das Land in den nächsten zwei oder drei Jahren mit Neuwahlen belastet werten sollte. Es würde mindestens diese Seit dauern, um Europa auf eine friedliche Grundlage zu setzen und einigermaßen normale industrielle Bedingungen wieder herzustelleu.
Die Kanl-Feier.
Einweihung des Grabmals am Dom.
Königsberg, 21. April. Heute mittag erfolgte die Einweihung des neugeschaffenen Grabmals JmmanuelKantsam Dom. Zu der vorangehenden akademischen Feier hatten sich in -dem ehrwürdigen Gotteshause gegen 12 Uhr die Vertreter der Reicks- und Staatsministerien
und der Albertu-niv-erfität Folge zu feisten, und persönlich an der Kantfeier teilzunehmen, huldige aber Mt Jnhen dem Gedächtnis des großen M-Mnes. An diesem Gedenktage feiert das deutsche Volk nicht nur den Denker, der in beispielloser geistiger Kraft und vorbildlicher Aufrichtigkeit und Treue der Arbeit ein neues Weltbild errichtete und damit für alle Völker eine neue Epoche des Denkens begründete, es bekennt sich auch zu den unversieglichen Quellen seiner eigenen seelischen Kraft, die gerade im Geiste Kants aus tiefstem Grurâe strömen. Kant hat die hohen Ideale, die das Leben bestimmen, in das Geb-iet der persönlichen Ueberzeugung versetzt; er hat den erhabenen Pflicht- begriff, der sich an die Freiheit des Menschen richtet in den MittelMnkt tuet Moral gerückt; er hat den hohen Begriff der Menschenwürde ausgestellt, wonach die Menschen nicht zu bloßen Mitteln für die Zwecke anderer auf Kosten ihrer Mtur und ihres Menschentumms herabgedrückt werden dürfen, -und' er wies den sicheren Weg zu einem -sinnvollen Zusammenwirken der Völker und Staaten. Aus den Menschen selber aber hat er ihr Bestes herausgeholt, weil er ihnen gutes zutraute. So wurde er in einer für die Kultur Deutschlands wichtigsten -Zeit der moralische Gesetzgeber und zugleich jedem einzelnen Deutschen ein Vorbild. Die deutsche Republik wird mit den besten Kräften des deutschen Geistes verbündet bleiben, solange sie die Kantische Idee der Freiheit als die Grundlage und den Antrieb ihres staatlichen Lebens anerkennt und sie in der Staatssorm zu verwirklichen sucht, die auf dem Gedanken Kants beruht, „was ein Volk nicht selbst über sich befchl-ießen kann, kann auch ein Gesetzgeber nicht über ein Volk beschließen". Möge die Kantfeier in der ehr- âüLdâ»,. Stadt,'eines Wirkens den Geist und den Sinn aller Volksgenossen erheben und sie in ihrem Aufstieg aus Zwang und Not beflügeln und stärken."
Ein Volksentscheid über den Achtstundentag.
Wie der „Montagmorzen" berichtet, hat der Allgemeine deutsche Eewerkschaftsbund auf An. trag des Deutschen Textilarbeiterverbandes beschlossen, die Frage des Achtstundentages auf dem Wege über den Volksentscheid zur Ent. scheidung zu bringen. Eine Kommission, in bei auch der Allgemeine deutsche Beamtenbund ver. treten sind, ist gegenwärtig mit den technischer Vorbereitungen beschäftigt. Wie das Blatt erfährt, wollen die fteigewerkschastlichen Spitzen, verbände nicht ein besonderes Gesetz über den Achtstundentag zur Volksabstimmung stellen, sondern die Ratifikation des Washigtoner Abkommens verlangen, das die gmndsätzliche Fest- legung des Achtstundentages enthält. Das Volksbegehren wird erst nach den Wahlen dem neuen Reichstage eingereicht werden.
Blutige Schlägereien zwischen Kommunisten und IugenSbün-lera.
Wie die Blätter berichten, wurde Bukow in der Mark am Ostersonntag Nachmittag bei Schauplatz einer großen Schlägerei zwischen Kommunisten und rechtsradikalen Zugend. bündlern, wobei ein Mitglied der rechts, radikalen Iugendbündler erstochen und ein junger Kommunist durch Messersttche schwer verletzt wurde. Einige in der Nähe weilende Förster trennten mit Gewalt die Kämpfenden und nahmen zwei Kommunisten fest, deren Freilassung jedoch wieder von den Kommunisten erzwungen wurde: Dem „Lokalan;." zufolg« wurde noch ein zweites Mitglied der rechtsradikalen Jugend so schwer verletzt, daß es seinen Verletzungen erlegen ist.
Die britische Reichsausslelluug.
London, 22. April. Morgen um 12 Uhr mittags findet im Stadion zu Wembley die feierliche ErSff- nung der britischen Reichsausstelluns, der bisher größten Ausstellung der Welt» durch den König statt. Die Eröffnungsrede deS Königs soll drahtlos in diganze Welt gesandt werden. Bei der Eröffnung soll ein aus 54 Kirchenchören zusammengesetzter Chor mitwirken. An der Ausstellung, an deren Zustande, kommen 450 000 Menschen beigetragen und die 3€ Millionen Pfund gekostet hat, beteiligen sich 11 DominiumS. Zu der Eröffnung ist das gesamte diplomatische Chor und die auswärtigen Prcffevertretei geladen.
Mussolini Bürger von Rom.
Som, 11. April. In Anwesenheit zahlreiche, Deputierter und Senatoren und Vertreter der ^adi wurde Mussolini heute zum Bürger der Stadt Row ernannt. Mussolini dankte in seiner Aussprache f8t die ihm Don der ewigen Stadt erwiesener Ehre. Ei erinnerte dabei an den Ruhm des alten Rom uno verivrach, die Stadt zu neuem Glanre enworzuführeu.
und die Mitglieder sämtlicher provinziellen und städtischen Behörden und Körperschaften mit den ausländischen und heimischen Teilnehmern eingefunden. Unter Glockengeläute und Orgel- spiel zogen die Abordnungen sämtlicher studentischen Korporationen mit ihren Fahnen und Bannern in den Dom. Dahinter folgten die Rektoren der auswärtigen Universitäten und die Hochschulen im Ornat, an ihrer Spitze der preußische Kultusminister Voelitz, Staatssekretär Becker und Ministerialrat Professor Rich- t e r. Den Schluß des feierlichen Zuges bildeten die Lehrkörper und die Professorenschaft der Albertusuniversität. Nachdem die Studentenschaft sich M ihren Bannern um den Altar gruppiert hatte, nahm Stadffchulrat Professor Stettiner das Wort zu einer Ansprache, in der er zum Schluß betonte, daß durch Kant die Stadt nicht nur für Deutschland als Vorort des Idealismus Ruhm erworben habe, sie sei auch welthistorisch geadelt.
Nach Professor Stettiner sprach Professor Wolf von Harnack. Er ging von der Tat- ache aus, daß Kant unter uns heute noch so ebendig ist wie kein anderer Philosoph. Um eine geschichtliche Größe näher zu bestimmen, prach der Redner zuerst von der wissenschaft- ichen Persönlichkeit Kants, sodann von seinem Werk und endlich von den Wirkungen dieses Werkes bis zur Gegenwart. Jnbezug auf die wissenschaftliche Persönlichkeit Kants müsse man feststellen, daß seine ganze Leidenschaft und daher sein Lebenswerk der Erkenntnis des Wirklichen und der Wahrheit gewidmet war, so daß man ihn den „Heiligen Franziskus der Wissenschaft" nennen darf. Die Besten unter seinen Zeitgenossen, so führte Harnack aus, haben seine Philisophie nicht nur als Stahlbad Schopfuntzstag der Erkenntnis und wie trie höhere Stufe des Begriffes „Mensch sein". Was an kirchlichen Dogmensystemen und an der vulgären Aufklärung überlebt, matt und unbefriedigend war, das schien nun alles beseitigt, was an der Aufklärung des Zeitalters wahr und befreiend war, das erschien gerechtfertigt. Dieser König hat aber ferner nicht nur Kärrner durch sein Lebenswerk beschäftigt, sondern er hat auch Könige erweckt: Könige der Philisophie wie Fichte, Schelling, Hegel, Schopenhauer und andere wie auch Könige in den Einzelwissenschaften. In der ganzen Philosophie des deutschen Idealismus ist Kant grundlegend wirksam gewesen, aber auch in zahlreichen wissenschaftlichen Einzeldisziplinen in der naturwissenschaftlichen und ethischen steht sein Name voran, v. Harnack schloß seine Reoe mit einem Hinweis darauf, was Kants eisernes Pflichtgefühl dem niedergeworfenen deutschen Vaterland auch heute bedeuten kann. Als der Redner geendet hatte, verließ der Zug der Studentenschaft und der Rektoren das Gotteshaus und begab sich um den Dom herum zu der Grabstätte Kants, wo sich auch die übrigen Festteilnehmer versammelten. Ringsum hatten die Königsberger Schulen mit Fahnen Aufftellung genommen. Oberbürgermeister Lohmeyer betrat sodann die Stufen des Grabdenkmals und richtete eine kurze Ansprache an die Versammelten, in der er einen Ueberblick über die wechselvollen Sckick- sale der Grabstätte Kants gab und dem Schöpfer des jetzigen Grabmals, Prof. Lahrs, für sein Werk dankte. Eitle Einfalt und fülle Größe, so führte der Redner aus, waren Kants Wesen und Wirken. So steht auch heute in schlichten und einfachen Formen dieses Grabmal vor uns. Jedem Beschauer jederzeit zugänglich, helles Licht kann von allen Seiten hereinfluten. Wir sind stolz darauf den großen Meister Kant zu den Unsern zählen zu können und darauf, daß von hier aus die ^-tahlen seines Geistes über die ganze Welt hinaus gegangen sind. Es wird die Spur von feinen Erdentagen nicht untergehen. Und nunmehr übernehme ich als derzeitiger Oberbürgermeister der Stadt dieses Grabmal.- Nach diesen Worten öffnete der Oberbürgermeister die Tür die Säulentempels und legte an der Grabstätte des großen Toten, über der in goldenen Buchstaben nur die Worte stehen: „Immanuel Kant", einen schlichten Kranz nieder. Dann löste sich die Festversammlung still auf.
Der Rerchsprüsi-enl über Kant.
Berlin. 19. April. Der Reichspräsident richtete anläßlich der Kantseier an den Oberbürgermeister der Stadt Königsberg und den Rektor der dortigen Universität folgendes Schreiben:
„Zu meinem Bedauern ist es mir nicht möglich. der freundli-cken Einladuna Köniasberas