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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage. / Fernsyrech-Anschlutz Nr. 1287.

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Veruarvreis für die Zeit vom 10. bis 19. April 75 Eoldpfennig ohne Tragerlobn Einzel­nummer 10 Freitags u. Samstags 12 Eoldpfennig.Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Eoldpfennig. für die R e kl a m e z e i l e (68 mm) 50 Eoldpfennig Offerten« eb üb r 30 Eoldpfennig Geschäftsstelle Sammerstrahe 9- , V--->

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Nr. 92

Donnerstag den 17. April

1924

Das Neueste.

Prinz Max von Baden erklärte in einer Aussprache an die ausgewiesenen Pfälzer, das deutsche Volk brauche einen Führer, dessen bloße Persönlichkeit bereits die befreiende Parole ver­körpere.

Der Reichsverband der deutschen Industrie wird sich am nächsten Donnerstag mit dem Sach­verständigengutachten befassen.

Die Golddiskontbank hat gestern ihren Be­trieb im Gebäude der Reichsbank eröffnet.

In der Nähe von Gvtenburg in Schweden sind umfangreiche Platinfunde gemacht worden.

Die Sowjet-Gesundheitskommission hat 250 000 Goldrubel und die Mobilisierung aller Aerzte in Rußland' verlangt zur Bekämpfung der Pest, die ganz Kaukasien bedroht und .in dm Wolgagegenden stark um sich greift.

Aus -em englischen Unterhaus.

Macdonald über das Sachverständigen- gutachten. Das Wettrüsten zur Luft.

London, 16. April. (Un terhaus.) In Verbindung mit der von den Sachverständigen für Deutschland vorgeschlagenen Ausländs­anleihe von vierzig Millionen Pfund Ster­ling fragte Lord Henry Cavendish Bentinck den Premierminister, ob sich die Regierung nicht dafür verbürgen wolle, daß eine Unterstützung Großbritanniens nur unter der Bedingung der militärischen und wirtschaftlichen Räumung durch dieF r a n z o f e n ^gegeben würde. Macdonald erwiderte: Die Emp- -ehlung 'der Sachverständigen beruht auf der Annahme, daß die steuerliche und wirt­schaftliche Einheit Deutschlands wre^L e p h e r g e st e l l t wird, und daß die wirtschaftliche Tätigkeit nutzt durch eine andere ausläâische Organisation behindert oder be­rührt wird als die in dem Bericht vorgesehene Kontrolle. Macdonald fügte hinzu, die Sach­verständigen hätten ausdrücklich festgestellt, daß ihre Empfehlung als ein unteilbares Ganzes betrachtet werden sollte und sagte sodann, ich habe bereits mitgeteilt, daß die Re­gierung bereit ist, den Plan in seiner Ge­samtheit zu unter stütze n, voraus­gesetzt, daß alle anderen Parteien Willens sind, dasselbe Verfahren einzufchlagen. Macdonald bemerkte weiter, er glaube nicht, daß er im gegenwärtigen Stadium seinen bisherigen Aus­führungen etwas Nützliches hinzufügen oder in eine Einzelbesprechung eintreten könnte.

Kenworthy fragte den Staatssekretär des Auswärtigen, ob ein Vertrag zwischen den Regierungen der Türkei und des Deutschen Reiches abgeschlossen wurde und ob die Bedingungen des Vertrages dem Unterhaus« mitgeteilt werden könnten. Pon­sonby erwiderte, es sei nicht Brauch, dem Par­lament Verträge zu unterbreiten, die zwischen Dritten abgeschlossen wurden. Ob der Vertrag derartig beschaffen sei und die britischen Inter­essen so berühre, daß er ein Abweichen vom all- fiemeinen Brauch rechtfertige, fei eine Frage, worüber die britische Regierung nicht urteilen könne, bevor sie nicht den Wortlaut erhalten habe.

Auf die Frage eines Abgeordneten, ob der Staatssekretär die Gesamtzahl der d e u t s ch e n Staatsangehörigen angeben könne, die aus dem besetzten Gebiet durch die alliierten Behörden ausgewiesen wor­den seien sowie über die Zahl derer, die die Erlaubnis zur Rückkehr erhalten hätten und ob irgend eine Aktion in dieser Frage von der britischen Regierung unternommen werde, er­widerte P o n s o n b y, es fei ziemlich schwierig, genaue Zahlen zu erhalten; die britische Re­gierung trachte aber darnach, sie zu erlangen. Der Einfluß der britischen Regierung werde auch weiter in die Wagschale gelegt, wo es nötig sei, die Wiederher stellung nor­maler Verhältnisse im besetzten Gebiet durchzufetzen.

Macdonald erklärte auf eine Anfrage eines Mitgliedes, das Problem der inter- Klierten Schulden bildete in der letzten Zeit nicht den Gegenstand formeller oder in­formeller Erörterungen zwischen Großbritan­nien, den Vereinigten Staaten oder Frankreich.

Das liberale Parlamentsmitglied General S e e l y warf die Frage der R ü st u n g e n i n der Luft auf und sagte, er glaube, der gegen­wärtige Zeitpunkt fei günstig für einen Versuch, die Last zu erleichtern, die so schwer die Völker Europas, insbesondere Englands und Frank­reichs, drücke. Die Laac sei außerordentlich

ernst. Frankreich habe eine große Luftstreit­macht aufgebaut. Er glaube nicht, daß sie gegen England gerichtet sei. Es sei jedoch Tatsache, daß mit einem Wettrüsten in der Luft begonnen worden sei. Er hoffe, daß der Premierminister in der Lage sein werde, eine Konferenz der Mächte, vielleicht sogar nur von zwei von ihnen, einauberufen in der Art der Washingtoner Konferenz. Mac­donald erklärte, er sei durchdrungen von der Ueberzeugung, daß man sich, sobald einige der gegenwärtig bestehenden Schwierigkeiten in Europa beseitigt seien, mit der Frage her Rüstungen sehr ernstlich befassen müsse, nicht nur mit den Rüstungen in der Lust, sondem mit allen Rüstungen. Wenn er den Eindruck habe, daß die geringste Möglich­keit auf eine gute Aufnahme einer entsprechen­den Anregung bestehe, so sei er bereit, sie zu machen. (Beifall). Er glaube der Zustimmung des ganzen Hauses sicher zu fein, wenn er er­kläre, daß, wenn er von irgendeiner anderen Macht aufgefordert würde, mitzuhelfen, eine derartige Verhandlung zustande zu bringen, feine Tür einer solchen Einladung offen stehe. Er würde gerne sehen, daß dies allgemein sei. Es sei von der größten Bedeutung, daß nicht nur kein Grund zum Streite, sondern auch kein Grund zu Mißverständnissen zwischen Frankreich und England b e st e h e. Es sei äußerst wichtig, daß dies so sei. Aber, wie das Haus wisse, gebe es andere Mächte, die an diesem bedauerlichen Wettrüsten in der Luft teilnehmen, das bereits begonnen habe. Es würde weit besser sein, wenn man es erreichen könnte, eine Art von Washingtoner Abkommen zustande zu bringen, nicht nur ein Uebereinkommen zwischen zwei Mächten, son­dern zwischen vielen Mächten, damit Frankreich, WWSW, ruiuiten mro alle anderen ein guxuuc» Maß von Sicherheit erhielten. Das große Problem sei, ein Gefühl von Sicherheit zu schaffen, und das sei ja in der Hauptsache eine psychologische Angelegenheit. Zum Schluß drückte Macdonald seine Befriedigung darüber aus, daß diese Frage aufgeworfen worden sei und sagte, er würde sich sehr freuen, wenn er unter herzlicher Mitwirkung aller Teile des Hauses, deren er sicher sei, etwas tun könne, um die in General Seelys Rede ausgesprochenen Gedanken zu fördern.

Macdonald über die Möglichkeit eines neuen Weltkrieges.

London, 16. April. Macdonald erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter der Arbeiterpresse, in der auswärtigen Politik sei er weiterhin zuversichtlich. Er sei jedoch nicht die überoptimistische Persönlichkeit, wie ihm einige Zeitungen dargestellt hätten, er könne nicht eine sofortige und umfassende europä­ische Regelung versprechen, aber die Aussicht auf Erfolg war besser als je. Die Uebernahme der Regierung durch die Arbeiterpartei habe einen Einfluß zum Guten gehabt, auf der an­deren Seite sei der unheilstiftende Einfluß be­dauerlich groß. Eine Rede Lloyd Georges, die er kürzlich im Unterhaus gehalten habe, hätte die guten Beziehungen zu Frankreich behin­dern können, glücklicherweise habe Frankreich gewußt, daß die Rede nur ein Parteiangriff auf die Regierung gewesen sei, durch den die britische Politik nicht beeinflußt werde. Es habe aber keinen Zweck die Augen davor zu ver- schließen, daß, wenn die Aktion politisch fehl- schlage, die Rüstungen von neuem beginnen würden. Eine Reugruppierung der Mächte würde einsetzen, bei der Rußland und Deutschland eine große Rolle spielen würden und sicherlich würde es zu einem neuen Weltkrieg kommen.

Die Aniwortnoie berReichsregierung.

Berlin, 16. April. Der Vertreter der deutschen KriegSlkstenkommission in Paris hat beute nachmittag der Neparationskommission folgende Note übergeben:

Die deutschr Regierung beehrt sich, den Empfang der Note der ReparationSkommission zu bestätigen. Auch die deutsche Regierung sieht in diesem Gutachten eine praktische Grundlage für eine schnelle Lösung des Neparationsproblems. Sie ist deshalb bereit, ihre Mitarbeit an den Plänen der Sachverständigen zuzusichern.'

Die Note der ReparationSkommission vom 11. April lautete folgendermaßen:

Die ReparationSkommission, die von den Sachver­ständigenberichten Kenntnis genommen hat, sieht in ihnen eine Grundlage für eine schnelle Lösung des Revaratiousvroblems. Sie ist daher schon jetzt ae=

neigt, innerhalb ihrer Zuständigkeit die Schlußfilge' rungen der Sachverständigen zu billigen und deren Methode anzunehmen. Um die Durchführung der Programm? der Sachverständigen zu erleichtern und zu beschleunigen, beabsichtigt die Reparationskommission den beteiligten Regierungen die Schlußfolgerungen der Sachverständigen, soweit sie in ihre Zuständigkeit fallen, zur Annahme zu empfehlen. Die ReparationS- kommission sieht sich jedoch verpflichtet, ihre Zustimmung und Initiative zurückzustellen, bis sich die deutsche Re­gierung bereit erklärt, an den Plänen der Sachverstän­digen mitzuarbeiten. Zu diese« Zweck wird sie die deutschen Delegierten am Donnerstag de« 17. April anhören, wenn die deutsche Regierung nicht vorzieht, eine schriftliche Antwort zu geben.

Pari-, 16. April. (Havar.) Die Reparations­kommission, die morgen vormittag eine offizielle Sitzung abhalten wird, um sich mit verschiedenen Fragen und besonder? mit dem Programm der von Deutschland im Mai auszuführenden Kohlenlieferungen auf Reparationskosten zu beschäftigen, wird im Laufe der Sitzung offiziell von der deutschen Antwort be­treff? der Eachverständigenberichte Kentnir nehmen.

Es ist wahrscheinlich, daß die Kommission diese Ant­wort al? befriedigend betrachten wird in Bezug auf die Bedingungen, die die Kommisfion in ihrer Ent­scheidung vom 11. April stellte, in der sie bekanntlich die Annahme de? Berichts der Sachverständigen durch die RcichSregicrung als Vorbedingung d«für ausge­stellt hat, und die Annahme der Schlußfolgerungen der beiden Komitees den alliierten Regierungen anzu- empfehlen. Unter diesen Umständen konnte die Repa- rationskommisston den alliierten Regierungen die Sachverständigcnbcrichte osfiziell übergeben, damit sie so in Stand gesetzt werben, die Fragen zn prüfen, die dtt wirtschaftlichen Ei.bcil Deutschlands. Die Re parationskommission wird ihrerseits diese Dokumente im Einzelnen zu prüfen und Abänderungen vorzu- nehmen haben, die sie für nötig erachtet, bevor sie die endgültige Entscheidung trifft.

Eine Unterredung mit Reichskanzler Dr. Marx.

Berlin, 17. April. Reichskanzler Marx hat dem Berichterstatter desMatin" eine Unter­redung gewährt. Er führte uns: Die Antwort un die ReparationSkommission bedeutet, daß wir grundsätzlich zu stimmen. Der Bericht, der durch gründliches Studium der Wirtschaftslage entstanden ist, bildet für uns eine Diskussionsbasis. Aber eine gewisse Anzahl Punkte sinh unklar oder widersprechen sich. Wir sind aber bereit, Vertreter z u e n t s e n d e n, um im Einzelnen diese Fragen zu klären. Auf die Frage, ob die deutsche Regierung sich Èie Ansicht der deut­schen Blätter über die Ruhr und Rhein- ruge und die Ansicht über die Gesamt­schuld zu eigen mache, antwortete Marx: Die Einwendungen seien nicht unbedenklich. Ob die Annuitäten zu hoch sind, werde man sehr bald erkennen. Die Zahlung von 2% Mil­liarden Goldmark, die man bis 1928 von Deutschland verlange, schließe eine Erhöhung der Ausfuhr in sich, die so bedeutend sein müsse, daß man nicht Voraussagen kann, ob nicht die Alliierten die Aussichten für die eigene In­dustrie als zu bedrohlich ansehen werden. In welchem Maße die Sachverständlgengutachten vervollständigt oder beschritten werden müssen, muß erst die Erfahrung lehren. Die Sachver­ständigen haben erklärt, daß der Bericht ein unteilbares Ganzes bilde, das gilt vor âm für die Besetzung des Ruhrgebietes. Der Ver­waltungs- und Eifenbahndienst muß wieder in unsere Hände gehen. Die Befreiung der G e - fani0enen und die Rückkehr der Aus­gewiesenen muß eine automatische Folge ibes Berichtes sein. Das ist eine unbedingte moralische Forderung, die wir stellen müssen. Die Regierung kann dem Volk die Lasten nur oufbürden, wenn sie als Opfer für die Be­freiung von Rhein und Ruhr gelten. Die Be­setzung habe den Zweck gehabt, Pfänder in die Hand zu bekommen, diese Pfänder sind durch allgemeine Garantien ersetzt.

Prinz Max von Baden an die ausgewiesene« Pfälzer.

Heidelberg, 16. April. PrinzMaxvon B a d e n, der zur Zeit mit seiner Gemahlin in Heidelberg weilt, sprach heute nachmittag im Europäischen Hof in Heidelberg zu den dort versammelten ausgewiesenen Pfäl­zern. Er dankte in feiner Begrüßungsan­

sprache vor allem denjenigen, die sich in den Dienst des Vaterlandes gestellt und ihre Treue zum Deutschtum bewiesen haben. Es ist unsere Pflicht, sagte Prinz Max, auch das Letzte her­zugeben, um den bedrängten Brüdern in der Pfalz zu helfen. Ich glaube die Wirklichkeit unserer Lage, die sittliche wie die materielle, wird die Pfalz klarer erkennen als das unbe­setzte Gebiet. Das liegt nicht an einer über­legenen politischen Einsicht, sondern im Instinkt,, der in der Pfalz und den Ausgewiesenen her- vorgebracht werden mußte. Christlich-national, das ist die heilende Botschaft, die aus dem be­setzten Gebiet zu uns dringt. Neben dieser großen sittlichen Wahrheit steht eine furchtbar ernste realpolitische Erkenntnis, die in dem un­besetzten Gebiet vorhanden ist. Ich will ver­suchen, sagte Prinz Max, diese Stimmung und ErkeiMtnis in konkrete, politische Form zu bringen. Es gilt heute nicht nur allein der Sorge um den Schutz der Republik, sondern um den Schutz des Vaterlandes. Mehr als je brauchen wie heute den Religionsfrieden. Wir brauchen auch den Klassensrieden. Separatist ist heute jeder, der planmäßig Bitternisse und Spannungen im deutschen Volk aufhält, die schließlich nur ein Bürgerkrieg lösen könnte. Die Vismarcksche Forderung muß wieder Geltung erhalten, daß die auswärtige Politik das Primat vor der inne­ren haben muß, d. h. auf unsere innere Lage angewandt: Unser politisches Leben muß eine solche Gestalt annehmen, daß wir die verlorene Bündnisfähigkeit wiodergswinnen. Deutsch­land fordert, die Anerkennung seines Rechtes auf nationale Freiheit, auf Leben und Streben nach Glück. Prinz Max schloß mit demselben an den Reichspräsidenten im vorigen Jahr ge­richteten Appell:

Kic ¥tuu wn einen Lk.hr k^ bloße Persönlichkeit die befreiende Parole ver­körpert. Er muß in einfachen und großen Um- r^en vor dem Volke dastehen. Richt nur Schuld, auch Verleumdung kann heute außer Gefecht setzen. Millionen von Deutschen, be­sonders von jungen Deutschen, denen in der heutigen Zeit der Schmach und Rot ihr eigenes Leben wertlos geworden ist, sollten spüren: Dieser Mann wird das Letzte tun, um die Frei- Heit des Vaterlandes wieder aufzurichten. Ein im Kriege bewährter Führer würde am besten die Sehnsucht des Volkes befriedigen. Freilich, eint große versöhnende Kraft mühte von ihm aus­gehen. Die Arbeiterschaft darf nicht vom Staate abgedrängt werden. Die Erhebung im August 1914 wäre unmöglich gewesen ohne die freiwillige Hingabe dec Arbeiter. Es gilt heule den nationalen Funken in den Massen anzu­fachen, anstatt ihn durch Schmähungen zu unterdrücken.

Tschilfcherin über die wellhisiorische Bedeutung öes RapoUoverlrages.

Moskau, 16. April. In einer Unterredung mit einem Vertreter der russischen Telegraphen- agentur würdigte Tschitscherin die welt­historische Bedeutung des Rapollovertrages, der den Abschluß der ersten Nachkriegsperiode und des Triumphes der Siegerstaaten bedeute. Aus Genua, wo die Ententemächte das wider­spenstige Sowjetrußland auf die Knie zu zwin­gen hofften, wo die Frage der deutschen Repa­rationen ausgeschaltet worden sei, hätten allein Deuffchland und Sowjetrußland einen Vertrag heimgebracht, der zum Eckstein einer ganzen Periode ihrer Beziehungen geworden sei. Vom Gesichtspunkte der eigentlichen diplomatischen Kombinationen habe der Rapollovertrag sehr bedeutende politische Vorteile für beide Staaten gebracht und deren internationale Lage ge­festigt; nicht nur Sowjetrußland Hobe hoch­wichtige politische Stützpunkte gewonnen, son­dern auch Deutschlands internationales spezifi­sches Gewicht sei sofort gestiegen. Abgesehen von den politischen ^Combinationen der regie­renden Kreise erblickten die weitesten Vcllks- massen beider Länder im Rapollovertrag die beginnende Verwirklichung von Gedanken, die von der größten Bedeutung für die Zukunft seien. Die gewaltige Bedeutung eines Wirt- schaftsbündnisseg beider Länder sei von beider sofort erfaßt worden. Zugleich sei der Rapollo­vertrag der Ausdruck einer tiefwurzelnden Be­sonderheit der Politik der Sowjetrepubliken als eines Freundes aller unterdrückten und be­drohten Völker. Zwei Jahre seien eine sc kurze Frist, daß nur die ersten Keime der welt­historischen Bedeutung des Rapollovertrages zur Reife gelangen könnten. Der Vertraa