General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Lana« a. M.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Son». und Feiertage. / Fernfprech-Anschluk Nr. 1287.
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Nr. 81 Freitag den 4. April 1924
Das Neueste.
— Auf Vorschlag des Reichskabinetts hat der Reichspräsident sich entschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, um den Reiseverkehr Deutscher ins Ausland, soweit er nicht um der Gesamtheit des Volkes willen notwendig ist, nach Möglichkeit einzudämmen.
— Wie wir hören, ist die erhöhte Devisenzuteilung für Getreideimporte ins besetzte Gebiet aufgehoben worden, da die Versorgung des besetzten Gebiets mit importiertem Getreide fürs erste sichergestellt ist
— Der Streik auf den Hamburger Fluß- Schiffswerften geht weiter. Die Arbeitnehmer haben den Schiedsspruch des Hamburger Schlichters abgelehnt.
— Poincarö wurde gestern abend von der Kammer mit 408:181 Stimmen ein Vertrauensvotum erteilt.
Das amerikanische Kilfswerk für Deutschland.
Es ist schon wiederholt berichtet worden, daß in den Vereinigten Staaten die Bereitwilligkeit herrscht, Deutschland einen Nahrungsmittelkredit in Ler Höhe von 60—70 Millionen Dollars einzuräumen. Dieser Plan ist jedoch vertagt worden und muß solange ruhen, bis die Reparationskommission sich für ein Vorrecht der Kreditgeber ausgesprochen hat. Es ist aber wenig wahrscheinlich,daß es überhaupt jemals zu einer solchen Entscheidung kommt. Infolgedessen hat man in den Vereinigten Staaten einen an- dern-Weg-gewählt. Während der letzten Monate wurde dort ein Gesetz vorbereitet, das bereits durch das Repräsentantenhaus durchge- gangen jst Der Entwurf (eingebraM â den Abgeordneten Fish und Neuton) bevollmächtigt den Präsidenten der Vereinigten Staaten Getreide, Fette, Milch und andere Nahrungsmittel aufzukaufen, zu transportieren und zu verteilen, und den in Not befindlichen Frauen und Kindern in Deutschland zu helfen. Er erhält dadurch die Vollmacht, aus Mitteln des Staates eine Summe, die 10 Millionen Dollars nicht übersteigt, für diesen Zweck zu verwenden. Eine weitere Vorbedingung ist die, daß die Waren in Schiffen nach Deutschland gebracht werden, die Eigentum der Vereinigten Staaten sind. Es handelt sich also hier nicht um eine Anleihe, sondern um. eine Schenkung. Es liegt in der Tradition der Vereinigten Staaten, durch solche Mittel politische und wirtschaftliche Gegensätze mit anderen Staaten auszugleichen. Auf demselben Grundsatz beruht der Verzicht auf die Entschädigung, die China im Boxerkrieg aufer- Uegt wurde und Lie Samlung für den Wiederaufbau in Japan.
Daß wir die amerikanischen Lebensmittel gut brauchen können, liegt auf der Hand, denn unsere Ernährungslage ist immer noch sehr schwierig. Zwar haben wir von Rußland im Austausch gegen deutsche Jndustrieerzeugnisse rund 300 000 Tonnen eingeführt. Außerdem mürbe der erhebliche Teil, der aus der deutschen Ausfuhr gewonnenen Devisen unter rücksichtsloser Einschränkung aller anderen Bedürfnisse in den Dienst Ler Getreideeinfuhr gestellt. Aber selbst wenn man eine Herabsetzung des Verbrauches von Brotgetreide von 250 Kilogramm vor dem Krieg auf 180 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung als Ausdruck unserer gegenwärtigen Notlage annimmt und hinnimmt, so wäre doch eine Einfuhrmenge von 2 Millionen Tonnen notwendig. Nur die Hälfte davon ist auf der obenerwähnten Weise beschafft worden, sodaß immer noch rund 1 Million Tonnen Brotgetreide aufzubringen ist. Außerdem ist die Einfuhr von Schmalz und Speck unentbehrlich, da unsere eigenen Vorräte bis zum Schluß des Wirtschaftsjahres (15. August) nicht reichen. Infolge der sorgfältigen Behandlung der deutschen Getreidevorräte sind wir mit diesem Nahrungsmittel bis etwa Mittè oder Ende Juni vorsorgt. Dann muß auch hier das Ausland aushelfen. Aus allen diesen Ziffern kann man ersehen, wie willkommen uns die amerikanische Hilfsaktion sein muß.
Bei Ler Besprechung der Kreditforderung im Repräsentantenhaus herrschte ein Geist, der es uns leicht macht, die .amerikanischen Gaben anzunehmen. Von allen Seiten hörte man, Laß die deutschen Kinder vor dem Kriege die bestgenährten waren und daß man in Deutschland für sie mehr Sorge und Pflege aufwandte, als in irgend einem anderen Lande Europas. Deshalb treffe die jetzige Not die deutsche Kinderwelt doppelt empfindlich. Es wurde auch aner-' kannst. Laß Deutschland trotz seiner Not für das
Ruhrgebiet und für die Armen in den übrigen Teilen des Reiches mehr getan hat, als die ganze Welt zufammengenommsn. Es wurde deshalb auch abgelehnt, diese amerikanische Stiftung mit der Frage des deutschen Eigentums in Amerika zu verquicken. Ueber Frankreich und den dort herrschenden Geist sprach man mit rückhaltloser Offenheit. Der Antragsteller Fish erklärte, die Geistesverfassung Poin- carès lasse es als hoffnungslos erscheinen, daß man in Frankreich einen etwaigen Lebens- mittelkrèdit an Deutschland jemals ein Vorrecht einräumen werde. Staatssekretär Hoover erklärte, der wirtschaftliche Zusammenbruch Deutschlands fei .auf die Ruhrb efetzung zurückzuführen.
Es Olt als .gewiß, Laß der Präsident dem Gesetz seine Unterschrift geben wird, wenn es Len Senat passiert hat. Auch die Annahme im Senat selbst ist nicht zweifelhaft. Man wird allerdings nicht daran vorübergehen dürfen, daß das Hilfswerk im Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten einer lebhaften Opposition begegnet ist. Eine andere Frage ist die, ob diese Opposition tatsächlich für die Haltung des Senats bestimmend sein wird. Jedenfalls haben wir alle Veranlassung, uns über die Gründe dieser Opposition klar zu werden. Man trifft hier wie auch in anderen Fällen immer wieder auf den außerordentlich schlechten moralischen Eindruck, den die immer noch vorhandenen deutschen Schlemmer und Prasser im Auslande machen. So wurde im Senat darauf hingewiesen, daß eine Anzahl von wohlhabenden Deutschen ihr Geld verschwenderisch ausgebe und' im Auslande ein vergnügtes Leben führe, während in Deutschland die Not ^herrsche. Unter diesen Umständen ist es außerordentlich zu begrüßen, daß die deutsche Regierung jetzt scheu das Schlemmerleben im Auslande wenigstens zu erschweren, wie an anderer Stelle gemeldet wird. Bei dieser Gelegenheit wurde amtlich festgestellt, daß 70 000 Deutsche dauernd im Auslande leben. Hier muß tatsächlich rücksichtslos Schluß gemacht werden. Denn Auslandshilfe und deutsche Vergnügungssucht vertragen sich unter keinen Umständen.
Derlrauensvolum für Poincarö.
»Wir werden das Ruhrgebiet nicht verlassen."
Paris, 3. April. Die Kammer setzte heute nachmittag die Jnterpellationsdebatte fort. Der Abg. Louis Dubois, der ehemalige Vorsitzende der Neparationskommission interpelliert über die Außenpolitik der Regierung. Die Zusammensetzung des neuen Kabinetts habe ihm — so führt er aus — ein gewisses Mißtrauen eingeflößt, aber die gestrige Erklärung Poin- carös über die Kontinuität der französischen Politik habe ihn beruhigt. Die Erklärung des Ministerpräsidenten, daß die Politik der vollkommenen Ausführung des Friedensvertrages von Versailles fortgesetzt werden solle, habe be= friedigt. Poincarö habe auchvvon der Konservierung der besetzten Gebiete bis zur vollkommenen Zahlung gesprochen, auch von dem Einverständnis mit Frankreichs Alliierten, um Frankreich die beiden wesentlichsten Bedingungen für die Erhaltung seiner Existenz zu verschaffen, nämlich Reparationen und Sicherheit. Der Redner geht alsdann auf die Frage der Feststellung der deutschen Schuld durch die Reparationskommission ein und erklärt, daß der britische Delegierte mit der Summe von 132 Milliarden Goldmark einverstanden gewesen sei. Man muffe sich-also wundern, daß Lord Curzon die Forderung Frankreichs von der Zahlungswilligkeit Deutschlands abhängig brachen wolle. Poincarö unterbricht und erklärt, bei den Debatten über den Friedensvertrag hätten zwei Thesen einander gegenübergeftan- den, die These der Abschätzung der Forderung und die These der Abschätzung Ler Zahlungsfähigkeit. Die französische These der Abschätzung der Schuld sei angenommen worden. Der Abgeordnete wundert sich nach dieser Feststellung umsomehr, daß der Forderung Frankreichs Widerstand entgegengesetzt werde, obzwar es auf allen internationalen Konferenzen ein außerordentliches Entgegenkommen gezeigt habe. Die gestrige Erklärung des Ministerpräsidenten, so fährt Ler Redner fort, müsse in ihrer Bedeutung hervor gehoben werden. Es sei also sicher, daß Frankreich das Ruhrpfand nur für weitergehende Pfänder auf geben, daß es aber im Ruhrgebiet bleiben und daß es bei her ersten Schwierigkeit, der man begegne, die Ausbeutung der Pfänder wieder übernehmen werde. (Der royalistische Abg. 2éon Daudet ruft dazwischen: „Der Sperling in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dache.") P o i n = c a ré erklärt;
Ich wiederhole, daß wir nicht vor vollkommener Zahlung das Ruhrgebiet verlassen werden.
Wenn die Repko vorschlägt, weitergebende Pfänder Äs die, die wir ausbeuten, an deren Stelle zu setzen, werden wir die Frage prüfen, aber wir werden Las Ruhrgebiet nicht verlassen und bei dem geringsten Versagen die Ausbeutung wieder übernehmen. — Der Abg. Dubois unterstreicht die Wichtigkeit der Sicherheitsfrage, weil an dem Tage, an dem sich Deutschland als der Stärkere fühlen werde, es alle seine Verpflichtungen lösen würde. Frankreich muß seinen Alliierten wohl zu verstehen geben, daß es sich um eine gegenseitige Sicherung handele, wie Frankreich auch England sagen muß, daß, wenn es ihm zahlen solle, was es ihm schulde, es vorher von Deutschland bezahlt werden müsse. Die Regierung hat unser Vertrauen, wenn sie bei dieser Politik bleibt, wenn sie aber davon abgeht, sind wir entschlossen, sie zu stürzen.
Nach Dubois interpelliert der Abg. d e M o n t j o u über den
Stand der französischen Luftfahrt unter der neuen Regierung. Die Luftfahrt — erklärt er — fei das Haupt werk zeug der französischen Sicherheit und werde es immer mehr. Poincarö erwidert: Sie können, was die Uebernahme der neuen Regierung anlangt, in dieser Beziehung ruhig sein. Der Interpellant verwahrt sich dagegen, daß er einen endgültigen Organisationsplan für die Luftfahrt in diese Debatte hineintragen wolle, aber es seien ihm gewisse Vorschläge gemacht worden, die sämtlich dem Rechnung trügen, daß die Luftfahrt in ständiger Verbindung mit den übrigen Waffen stehen müsse. — Wenn die Möglichkeit bestünde — erklärte Poincarö — ein neues Mi-
MMäre das, Luffichiff- fahrtsnnnifterium das erste, an das wir Herangehen würden, aber wir haben die Zahl der Ministerien herabsetzen müssen. Ich hatte beschlossen, sämtliche Unterstaatssekretariate zu beseitigen, und ich habe nur aus den von dem Abg. de Montjou geltend gemachten Gründen eine Ausnahme gerade für die Luftfahrt gemacht. Dabei war mitbestimmend, daß der bisherige Unterstaatssekretär für dieses Departement seine Arbeit unentgeltlich zur Verfügung stellte. Er behält genau dieselben Funktionen, die er bisher ausgeübt hatte.
In der Debatte über die Interpellationen ergreift zuerst das Wort der Abg. Herriot. Zu Beginn seiner Rede lobt er die ehemaligen Präsidenten der Republik Loubet, Falliöres und Poincare, da man ihnen das Zeugnis ausstellen müsse, daß sie die Verfassung loyal respektiert hätten. Die Engländer seien ein glückliches Volk, und der Herrscher berufe immer die Führer der Partei zum Amt, die von der Mehrheit bestimmt würden. Poincarö habe jetzt gehandelt, wie er hätte handeln dürfen, aber Verschiedenes müsse seftgestellt werden. Der Ministerpräsident habe es den neuen Ministern ermöglicht, ihr Portefeuille anzunehmen, weil er plötzlich das Ermächtigungsgesetz umgetaüft und als „wirtschaftliche Dekrete" bezeichnet habe. Auch den Minister de Jouvenel, dessen Opposition gegen das Steuergesetz man nicht vergessen habe, habe Poincarè in einen goldenen Käfig emgefperrt. Auch Loucheur habe gegen die Regierung gestimmt. Der Ritus für die Bekehrung sei nicht beobachtet worden. Es sei etwas irreführend für die öffentliche Meinung, Herriot bespricht alsdann die Politik Poincarès gegenüber Deutschland. Er verstehe die Schwäche nicht, die man 1922 gezeigt habe und die dahin geführt hätte, nicht die Sachlieferungen zu erhalten, auf die man ein Anrecht gehabt habe. Für wieviel hundert Millionen Goldmark Sachlieferungen hätte man damals erlangen können.
Der Ministerpräsident und der M i ü i st e r f ü r öffentliche A r beiten erklären, die Regierung habe Anstrengungen gemacht, um Deutschland zu bewegen ein Programm öffentlicher Arbeiten im Betrage von 400 Millionen Goldmark durchzuführen, und um Kapitalien zu erhalten. Deutschland habe aber systematisch die Lieferungen und die Ausführung dieses Programms verweigert. Um wenigstens Holz- und Kohlenlieferungen sicherzustellen, habe man das Ruhrgebiet besetzen müssen. .Der Abg. Herriot vergesse auch — erklärte Poincarö —, daß die Repko Ende 1922 wegen der mangelhaften Kohlen- und Koksliefc- rungen die Verfehlungen Deutschlands habe feststellen müssen. Die Besetzung des Ruhrgebietes aber habe bewiesen, was Deutschland leisten könne/
Der Abg, Herriot nimmt seine Kritik wieder auf. Er sagt dabei, daß man im Jahre | 1922 für 900 Millionen Goldmark Materialien
hätte erhalten können, aber die französischen Industriellen hätten gewollt, daß nur deutsche Kohlen und deutscher Koks für ihre Industrien bezogen werde. Die anderen Lieferungen hätten sie aus Furcht vor der Konkurrenz zurück- gewiesen.
Minister Le Trocquer widerspricht. Er habe den Industriellen erklärt, die Regierung werde sich durch derartige Einwendungen nicht beirren lassen, und er habe alsdann sein Programm über die Ausführung größerer öffentlicher Arbeiten durch Deutschland ausgestellt.
Abg. Herriot fährt fort: Ich war der Erste, der den Skandal der umfangreichen Bauten in Deutschland festgestellt hat, und gerade weil Deutschland schlechten Willens ist,' hätte man Methoden anwenden müssen, die Deutschland gezwungen hätten, Sachlieferungen durchzuführen. Die breite Masse verstehe eben nicht, warum man nur Kohlen und Koks erhalten habe. Aber sie wiffe auch ganz genau, daß die von der Repko festgestellte Verfehlung sich nicht auf die Lieferungen bezogen, von denen er jetzt spreche. Aber jetzt beziehe man Kohlen und Koks, aber keine anderen Materialien. Wir sind sogar soweit gekommen, daß wir unseren Wiederaufbau haben einstellen müssen. Wenn die Minister Las für schön finden, dann überlasse ich das ihrer -Beurteilung.
(Der Abg. Daudet ruft: Hier liegt etwas .Geheimnisvolles vor, das man aufklären muß.) Herriot fragt: „Warum hat denn England Sachlieferungen erhalten?" Poincarö erwidert: „Großbritannien und Deutschland haben Spezialabmachungen getroffen".
Herriot ruft: „Nun also! Aber ich muß noch weiter gehen. Warum hat denn Serbien Materialien erhalten?" (Der Abg. Daudet ruft: „Das ist wieder ein Geheimnis". Der Abg. Tardieu fügt hinzu: „Das ist wirklich ein Geheimnis.") Die Repko habe mitgeieilt, daß Frankreich in Deutschland alle Materialien für sein Laboratorium finden könne und -auch sonstige Rohmaterialien. Warum habe es niemals Liese notwendigen Materialien verlangt? Herriot geht alsdann dazu über, die betreffend den Ertrag im Ruhrgebiet gestern von Poincarö knitgeteilten Zahlen zu besprechen. Die Er- trägnisse im Februar seien durch die Entwertung des Franken aufgebauscht worden, und dann müsse man bedenken, daß die Micumver- träge in 12 Tagen zu Ende gehen. Wie könne man da Vorschläge für das ganze Jahr machen? Und außerdem rechne man jetzt in Franken, früher habe man in Goldmark gerechnet. Auf diese Weise könne man natürlich eindrucksvolle Ziffern schaffen. Herriot zieht aus den gestrigen Erklärungen Pomcarès in der Kammer den Schluß, daß er bereit sei, das. Ruhrgebiet wieder dem deutschen Wirtschaftsleben einverleiben zu lassen. Poincarö: „Unter den Kontrolle Frankreichs und der Alliierten". Als der Abgeordnete auf den Sachverständigenbericht anspielt, unterbricht ihn Poincarö heftig mit der Bemerkung, er trage die Verantwortung. Er könne nicht zulassen, daß irgend jemand — sei er wer er wolle — behaupte, daß Lie Sachverständigen zu dem oder jenem Schluß in dem oder jenem Sinne gekommen wären denn die. Schlußfolgerungen der Sachverständigen — er gebe sein Ehrenwort darauf — seien ihm unbekannt. Der Abgeordnete Herriot findet es jämmerlich, wenn Frankreich allein im Ruhrgebiet stände, während das Programm der Sachverständigen durchgeführt werde. Es gche nicht an, daß Frankreich allein dessen Kontrolle übernehme. Frankreich werde erst seine Sicherheit erlangen, wenn es sich mit seinen Verbündeten über Lie nötige Kontrolle gegenüber Deutschland verständige. Es sei bedauerlich, daß die demokratischen Elemente in Deutschland nicht wirksamer unterstützt worden seien. Was Frankreich für die Zukunft zu befürchten habe, das sei nicht der Säbel des banalen und lächerlichen Großsprechers Ludendorff, sondern die Bewegung im deutschen Volke selber. Die Rede Herriots verliert sich dann in innerpolitischen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Wahlkampagne.
Paris, 3. April. Mit 408 gegen 151 Stimmen hat die Kammer heute nacht gegen 11 Uhr Lie Jnterpellationsdebatte über die Annahme einer von dem Abgeordneten Adolf Cheron eingebrachten Tagesordnung abgeschlossen, in der sie die ministerielle Erklärung billigt und ihr Vertrauen zu der Außen-, Re- parations- und Sicherheitspolitik der Regierung ausspricht. — Die Tagesordnung lautete: Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung- Lie Politik der Reparationen, Sicherheiten und der Sparsamkeit. An der Abstimmung nahmen viele Abgeorüüete nicht teil, darunter Briarü) und Tardieu,