Nr. 72
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Lokales.
Hanau, 25. März.
Sinweihung der Gedenktafel in der Knaben-Millelfchule.
Zu einer Weihestunde gestaltete sich am Sonntag die Einweihung der Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen ehemaligen Schüler der Knaben-Mittelschule. Die mit Grün ge- schmückte Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Feier wurde eingeleitet mit dem Schülerchor „Harre, meine Seele." MlÄmnn nahm Herr Rektor Schmitt das Wort zu einer tiefempfundenen Ansprache. Ausgehend von den Augusttagen des Jahres 1914, erinnerte er an die Begeisterung, mit der sich gerade die Jugend zu den Fahnen gedrängt hat, ungefordert, freiwillig; er wies hin auf die vielen Tausende, welche ihre Liebe zum Daler- lsnde mit ihrem Blute besiegeln mußten. „Wir dürfen Wagen, wir müßen klagen über das Werk der Vernichtung, vor dem wir stehen. Wir rufen Klage Aber die geliebten Toten, die in Ost und West, im fernen Asien, in unsern Kolonien, auf dem Weltmeer und überall, wo die Fackel dieses Krieges entbrannt war, im Glauben an die deutsche Zukunft gefallen sind. Wir rufen Klage über die Toten, über die Jungen und Alten, alle umfassend in Liebe und Schmerz. Wir klagen nicht nur im Namen der Familie und Schule, Nicht nur im Namen der Freunde; wir klagen um des ganzen deutschen Volkes willen, das feine Besten verloren hat." Im weiteren sprach der Redner über den Tod im allgemeinen und über den Tod auf dem Schlachtfeld« im ^besonderen. „Nicht darauf kommt es an, wann und wie unser Leben endigt, sondern darauf, wie wir es im Dienste des Geilstes und der Menschheit vollbracht haben." Von der „Totenklage" leitete er barm über zur „Totenfeier". „Schämt such eures Schmerzes nicht, die ihr Unersetzliches verloren habt. Laßt eure Tränen rinnen, ihr Kinder und Frauen. Aber hebt euch hinaus Aber Leid und Klagen; denn es gilt, die Toten zu feiern, die in dem gewaltigen Ringen gefallen sind. Selig sind- die Toten, die in der Feldschlacht dahm-gerafft sind fürs Vaterland; denn sie haben das ewige Leben des deutschen Volkes erkämpft durch das Opfer weniger Lebensjahre.
unsere Helden ihre Treue mit dem Tode besiegelten. Treu unserer Pflicht, treu unsern Lieben, treu unserem Vaterland«. Ihr lieben Stüber, die ihr den furchtbaren Kampf habt ousgek-ämpft bis zum Ende — euer Andenken fei uns heilig! Ihr Tapferen und Guten, die ihr hinausgehoben seid- über Wunsch und Wille — euer Tod segne das deutsche Volk, daß es wieder bekomme den Geist her Treue, der Einigkeit und- der schlichten Pflichterfüllung. Ja, er segne uns!
Nach diesen zu Herzen gehenden Worten sang der Schülerchor ergreifend schön „Wie sie so sanft ruhn". Dann ergriff Herr Rektor Schmitt wieder das Wort und widmete den gefallenen ehemaligen Mittelschülern warme Worte ehrenden unb dankbaren Gedenkens. „Auch wir wollen durch ein einfaches Gedenkzeichen alle, die hier ein- und ausgehen, daran ermahnen, daß wir viele verloren haben, bre einst unser waren. Es sei aber auch das Mal unserer Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den gefallenen Helden und möge allzeit eine Mahnung sein, in Treue zusammenzustesten . Unserer Jugend aber wollen wir vor dem Gedenkzeichen erzählen von ihren Vätern und Brüdern, die für sie und die Heimat kämpften, litten und starben. Und die konnnenden Geschlechter sollen sich vor der Gedenktafel der drangvollen Kriegszsit erinnern und sich bewußt -bleiben, Deutsche
-zu fein."
Während nun der Schülerchor anstimmt« „Ich hatt' einen -Kameraden" siel die Hülle von der Gedenktafel. Sie ist aus der Künstlerhand des Herrn Jean Naas (Zeichenlehrer an der KwabenMrttelschUle) fjenvorgegangen, ein Kunstwerk in Auffassung und Ausführung. Die Ehrentafel ist auf gelblich grauem Papier in Gold- und Schwarz gehalten. Der Kopf zeigt einen gefallenen Helden. Di« Linie des Mfam- -mengebrochenen- Körpers wiederholt das Fallen in den Linien der abfallenden Berge im Hin-
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tergrunde. Die sich aufballenden Erdhügel halten den Körper jedoch in der Schwebe, d. h. die tapferen Toten bleiben unvergessen. Ueber den Horizont wälzen sich die dicken, körper- lichen Wolken des Ungemachs, der Kriegslasten
und des Jammers. Der Körper des Gefallenen liegt zwischen der unversehrten Heimat und dem verwüsteten Kriegsgebiet. Durch das Gewölk bricht die ausgehende Sonne zu vollem, neuem Lichte. Das Mittelstück trägt He Worte: Im Weltkriege 1914—1918 erlitten den Heldentod für das Vaterland die ehemaligen Schüler der Knaben-Mittelschuke. Die Namen derselben sind aus drei Felder verteilt, die dem Ganzen
iönen Abschluß geben.
'Mm die Hülle gefallen und Herr Rektor Schmitt die Ehrentafel dem Schutze der Stadt übergeben, ergriff Herr Bürgermeister Dr. Müller das Wort. Mit markigen, be-
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geisterten und begeisternden Worten wies er aus die Bedeutung der Gedenktafel für die Jugend hin. In dem sinnigen Gleichniss« von den beiden Tannen zeichnete er aus das treffendste das Deutschland von einst und das von heute. Die heutige Jugend sei aus Glück in Not gekommen; an ihr sei es, dafür zu sorgen, daß wir aus Not wieder zu Glück gelangen, in Frieden.
Der stimmungsvolle Chor „'Holder Friede" schloß die würdige Feier.
Mich der Feier fand Äne ZusVMnMMnft der anwesenden ehemaGgen Schüler der Mittel- schule statt, um den Gedanken des Zusmnmen- Muffes der ehemaKgen Schüler zu einer Ver- sinigung zu besprechen. Die Anregung hierzu ginn zum Teil von ehemaligen Schülern selbst, sowie -auch von Lehrern der Schule aus, die teils selbst frühere Schüler der Mttelschule sind. Der Plan fand sympathische Aufncchme und es wurde unter den Anwesenden, die den verschiedenen Schuljahrgängen angehören, vereinbart, die ehemaligen MitschMer für das Vorhaben zu gewinnen. In einer Zusammen- kunft, die auf den 26. April (abends 8 Uhr Aula EberhardMule) festgelegt wurde, sollen sodann weitere Besprechungen, sowie die Gründung der Vereinigung stattfinden. Ml« ehemaligen Mitschüler sind hierzu eingeladen und eg wird gehofft, daß bet Gedanken auf fruchtbaren Boden fällt und es zu dem wünschenswerten Zusammenschluß kommen möge.
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* Personalien. Dem staatlich geprüften Gesanglehrer, orb. Lehrer am Lyzeum, Herrn Kar! Fr. Appel ist seitens des Prov.-Schulkollegi- ums zu Cassel die ab Ostern 1924 neu eingerichtete Musiklehrerstelle am hiesigen Lyzeum und zugleich auch die Leitung des Chores an her Oberrealschule übertragen worden.
* Awergrenten in der Unfakloersichernug. Ueber die Auszahlung von Zwergrenten in der Unfallversicherung wird mitgeteilt: Die Unfall- renten von zehn und fünfzehn Prozent der Doll- rente werden nach dem Gesetz vom August 1923 nicht auhzewertet. Den Ber«htigten konnte daher die Post nur einen Goldpfennig zahlen. Zur Beseitigung dieses für bie' Verletzten und die Zahlstellen schädlichen Zustandes hat der Reichs- arbeitsminister am 21. März angeordnet, daß bei der Auszahlung die Zwergrenten ans eine Goldmark anfgerundet werden. Dadurch erhält
tiguna der Zwergrenten ausgesprochen ist. neuen Reichstag wird ein Gesetzentvnrri
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gehen, der die Ablösung der kleinen Renten behandelt.
* Die SAbermünzeoprügmV. In fänEchen sechs Münzstätten des Reiches wich gegenwärtig die Herstellung der sogen. „MünzMätt- chen" (d. h. die Rohformen der Münzen, aus die der Prägestempel kommt), mit Hochdruck
H öchste enlM, was der Jugend beschied en werden kann. Sie -haben sich selbst vergessen um eines höheren Zweckes willen. Ihr Beispiel wird durch Ja-hrhunderte ^glänzen. Selig sind die Toten, die Hinausgerufen wurden von Amboß und -PfluMchar, von Feld und Fabrik. Ihren Anteil am Leben hat der Tod -unendlich gesteigert; denn sie haben den Flug des -Witschen Geistes gehört, den die Nüchternheit ^W^WâËiUÜMiv Iah tihpAH -pMIMH^ ^L^^âj^L^
Aüb haben- sie den Geist gespeist, der ihrer Enkel Kraft sein wird. Selig sind die Toten, die aus dem Hader und- Streit des öffentlichen Lebens kamen; denn sie hatten die Einheit des Volkes erlebt. Selig sind die Männer, die von Weib und Kind schieden und stark geblieben sind im Tode. Ihr Andenken segnet Kind und Kindeskind. Selig sind unsere Toten alle, dè fürs Daterland starben. Sie fielen im Glauben an ein starkes Reich und brauchten Schmach und Schande des Vaterlandes nicht mehr zu erleben. — Dank sei ihnen dargebracht in dieser feierlichen Stunde, ernster, erschütterter, fruchtbringender Dank. Ihr teuren Helden, die ihr vorangegangen seid — euer Beispiel sei unsere Kraft! Laßt uns Treue halten, wie
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kanntlich soll der Geld-umlauf in demselben. Um» 0 verringert werden, als Münzen in Umgesetzt werden.
* Festnahme zweier Scheckschwiadler. Aus Hersfeld wird uns berichtet: Am Samstag wurden hier zwei Personen festgenommen, die in Hünfeld -bei einem dortigen Fahrradhändler durch Ausstellung eines ungedeckten Schecks auf die ^Leipziger Dolksbank" sich drei neue Fahrräder erschwindelt hatten. Die beiden Schwindler waren bei ihrer Festnahme noch im Besitze der Räder. Eine dritte Person, welche auch beteiligt ist, konnte fliehen. Die Fahrräder wurden dem Eigentümer wieder zu- geftetit und die beiden Festgenommenen dem hiesigen Amtsgericht zugefirhrt. Bekanntlich wurden kürzlich in Hanau verschiedene Schwindeleien mit Nähmaschinen ver ucht. Es ist möglich, daß es sich um dreselben Personen handelt. Die Schwindler gaben an, daß sie vorher in Frankfurt, Hanau und Gelnhausen gewesen seien-.
* Die Reihenfolge der geflügelten Früh- lingeboten. Eine alte Bauernregel sagt: „Zu Maria Verkündigung (25. März) kehren die -Schwalben heim mit Schwung!" Diese Bau- ernweisheit stimmt mit den Forschungsarbeiten über di« Rückkehr der Zugvögel ganz genau überein. Ende März, Anfang April kehrt die Schwalbe, die um die Zeit Mariä Gebuxr (8. September) nach dem Süden geht, in Go-ell- schast der Waldschnepfen, Rotschwänzchen, Turmfalken und der Singdrossel zurück. Di« Schwalbe zählt aber nicht zu den ersten Heim- köhrenden Zugvögeln. Der erste Frühlingsbote ist nach neuesten Feststellungen der Duffard, der Ende Januar, Anfang Februar aus dem Süden nach unseren Landsttichsn' re^t. Ihm folgt als Febru-avvogel der Star, die Gabelweihe und bie Feldlerche. Erst um die Öfter« zeit treffen Grasmücke, Nachtigall, Goldammer, Kuckuck und Wiedehopf ein, und die letzten der Heimkehrenden, die „fahrplanmäßig" erst die letzten FrühlingsmoMte zur Rückreise benützten, sind: Pirol, Mandelkrähe und Nacht- schwalbe.
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Piefkes neuer Chauffeur
Roman von Friede Birkner,
50. Fortsetzung. (Nachdr. verboten.)
XXVI.
Es war einige Tage später. Astrid suhlte fid) im Haus Doubles und in der Gesellschaft seiner Angehörigen sehr wohl und freute sich auf die Abendmahlzeiten, an denen Hans regelmäßig teilnahm.
Für heute entschuldigte Hans sich gleich n-ach dem Souper, denn er hatte von Robby einen Anruf bekommen mit einer Einladung zu einem nächtlichen Bummel mit ihm und dem Fürsten, die Hans gern angenommen hatte.
Lustige Ermahnungen wurden- ihm mit auf den Weg gegeben, Mister Kingsearl, der Schwager Mister Doudles, warf chm lachend eine Brieftasche an den Kopf, eine südameri- kanische Sitte, damit dem Fortgehenden das Geld und Geldeswert Kar im Kopf blieben. Mistreß Kingsearl droht« ihm mit der Hand.
„Daß morgen feine Skand-alnachrichten in den Times stehen über das nächtliche Leben dreier junger deutschen Herren."
„Was denken Sie von uns, Mistreß Kings- earl, Robby ist doch dabei, da passiert nichts."
„Robby als Kindermädchen?" lachte Asttid auf. „Auch nicht -schlecht."
„Armer Robby, du wirst hier verkannt," sagte Hans mit einem salbungsvollen Blick An Himmel.
. Robby und der Fürst empfingen Hans schon unten in der Hotelhalle.
„Hallo, endlich! Gott, so'n Bräutigam!" . „Du hast dich wohl nie mit Henny ver« ipiitet? Sprich du überhaupt nicht so verächtlich von Bräutigam. Wir sind es ja alle drei."'
„Richtig! Das ist famos. Es zogen drei Bräutigams nach Brooklyn, bei einer Spelunke ta fetalen sie in," sang er laut.
„Was hast du denn mit uns vorL"
„Hach nein, hat das Tintchen Angst? Will -wieder bei Maman dehn?"
„Quatschkopp, sag endlich, was du geplant hast."
„Alsdann, dses muß i a schon sagen, d-aß ich neugierig bin," klappte der Fürst nach.
„Jungens, fallt nicht in Ohnmacht, ich führe euch in einen echten Niggerverbrecher- salon in Brooklyn."
„Was?"
„Ja, und dazu fahren wir jetzt erst in unsere Fabrik und- Hüllen uns dort in der Ar» heiterganberobe in härene Gewänder, und dann geht's zu- Fuß nach dem Hafenviertel."
„Du, ist die Sache nicht ein ^bißchen gewagt?"
„Möglich! Wer sehr amüsant. Es soll das interessanteste Loch in ganz Brooklyn sein. Und außerd'em stecken wir uns ja jeder so ein -nettes, Mines Schietzding ein. Also — avanti Signori!"
Mit gemischten GeMlen folgten ihm Hans und der Fürst in das Hotelauto, das sie schnell nach BrvoklM brachte.
Bald gingen die drei, m ArbeiterNeider ge- hüW, untergef-aht durch die „ferneren" Straßen Brooklyns, dem Hafenviertel zu. Der Beschreibung eines Bekannten -nach fanden sie auch bald den Nüggersalon, durch zwei grüne Laternen kenntlich
Es war dies ein -großes, fchmutzstarvendes Lokal, in dem HafènMindel, Schmuggler, -weiße und schwarze Verbrecher und feine „Damen" verkehrten. Ein Lokal, das die Polizei streng mied, da sie da unbedingt Arbeit gefunden hätte. Und wozu arbeiten, wenn man sowieso sein Gehalt bekam?
Man war also da in „Marys Salon' so nett unter sich und batte keine unangebrachten Störungen zu befürchten. Hat einer einen Mord auf dem Gewissen — hier fand er ein sanftes Ruhekissen. Wollte einer einen guten Raub verstauen — Mary, die Besitzerin- tue|es -exquisiten Lokals, hatte immer einen SchlM-
winkel. Sollte es wirklich einmal der Polizei höchst unnötiger Weise einfallen, einen kleinen, lieben Verbrecher, ein Ddörderchen oder dergleichen, zu suchen -°— hierher kam sie bestimmt nicht.
Und deshalb herrschte auch heute die alte, liebe Gemütlichkeit und Ruhe in Marys Salon. Mary selbst, eine freundlich schielende, fette Negerin in einem schmierigen mohnroten Kleid, hatte auch behaglich die Hände über den Bauch gesät und rechnete befriedigt die Einnahmen des Abends zusammen.
Ein lieber, alter Stammgast war heute seit
blatt! Sam, Piefkes Kammerdiener.
Oh, Sam war vergnügt, Sam stand auf dem Tisch und sang eines seiner unendlich albernen, aber hier sehr beliebten Niggersongs.
Auch Kitty, das Zimmermädchen aus dem Atlantic-Hotel war da. O ja, und wie war sie da!
Gerade als unsere drei Freunde in Marys Salon eintraten, schrie Gam in den schrillsten Tönen sein Lied in den ihn begleitenden Gram- mophonkrach hinein. Unzählige Mal« wiederholte er mit lachendem Gesicht und schlenkernden Gliedmaßen den dummen Refrain seines Brcwourliedes: ,
„Tommy is good, smart is Tommy,
Oh, he is good for all sy money."
Robby hatte ihn trotz des dichten Zigaret- ten-gualmes sofort erkannt und dirigiert« die Freunde nach einem Tisch, der im Dunklen stand. Er selbst setzte sich so, daß er Sam und feine Gesellschaft im Rücken hatte, und veranlaßte auch den Fürsten, sich so zu setzen.
„Du, Hans, sieh dir Sam an. Ist hier Spelunkenstar. Emils Kammerdiener. Den ’ Burschen müssen wir ein wenig beobachten, dann führe ich ihn morgen aufs Eis."
„Bitt' schön, den Menschen kann doch mein Schwiegervater net wieder in Dienst nehmen, nachdem wir ihn hier gesehen haben."
„Was wollen Si«, Durchlaucht, das ist sicher eine ehrliche Berbrecherhaut. Dich kennt er nicht so, Hans, du mußt ihn beobachten."
„Der Junge scheint ja hier sehr beliebt zu sein. Die Weiber strahlen ihn nur alle so an."
Jetzt kam Mary an den Tisch gew-atschelt, stopfte dem Fürsten, ausgerechnet dem Fürsten, vertraulich auf die Schulter, schielte sie alle drei holdselig an und fragte in ihrem herrlichen Hafen-klang:
„Was wünschen die drei Sirs von Mary? Essen, Trinken — oder —?"
„Kein oder, schöne Mary, nur drei Absintk — aber Klasse," sagte Robby kurz.
„Ja, meine Burschen, Mary hat nur Klaffe, Wie -ist's, habt ihr auch monev?"
Hans warf Kleingeld auf den Tisch
„Langt's?"
„Oh yes, Sir! Nur, wenn Mary ihre Gäste noch nicht kennt, fragt sie immer erst nach money. Das nächste Mal kenne ich euch, da könnt ihr hier pumpen."
„Zu gütig, Mylady," antwortete ihr Hans devot.
In göschmsicheltem Lachen schüttelte Marys Busen beängstigend im Mohnroten hin und her.
„Mylady? Mary eine Lady? Oh, Mary borgt euch heute schon." Und ihren zärtlichen Gefühlen feinen Zwang antuend, drückte sie Robbys Haupt an das Mohnrote.
„Let m-e in peace," schimpfte Robby wütend.
-Mary watschelte zurück und schickte durch einen „Kellner" die drei Absinth.
„Na, Hans, berichte! Was macht Freund Sam? Herrgott, was ist dir, du siehst ja leichenblaß aus?"
„Ruhe, rühr' dich nichti Sie auch, Durch« laucht! Hast du einen Spiegel bei dir?"
„Ja, was soll ich zum Teufel damit?"
„Halte ihn so, d-aß du über deine Schulter Sam im Spiegel sehen kannst. Aber dreht euch nicht um, damit man euch nicht erkennt," stieß Hans halblaut in höchster Erregung hervor.
Fortsetzung folgt,