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Hanauers Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt» und Landkreis Sanou a. M.

General-Anzeiger

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Nr. 71

Montag den 24. März

1924

Der Beginn -es Wahlkampses

Der Außenminister und der Reichskanzler sprechen.

Stresemann in Darmstadt.

Darmstadt, 23. März. Dr. Stresemann hielt heute in der hessischen Landeshauptstadt eine Rede, die sich mit den innen- und außen­politischen Fragen befaßte. Nach einigen ein­leitenden Worten des Landesvorsitzenden der Deutschen Volkspartei Hessens, Abg. Dingeldey, begann unter lebhaftem Beifall Dr. Stresemann seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf, daß der Ausfall der bevorstehenden Wahlen nicht nur für unser Vaterland, sondern auch für die weltgeschichtliches Ereignisse von Bedeutung sei. Dr. Stresemann ging dann auf die inner­politische Lage während der letzten Jahre ein, von denen auch die außenpolitischen Schicksale abhängig seien. Er fragt, wie haben die deutschen Parteien in den letzten Jahren ihre Pflichten erfüllt?

Die Deutsche Volkspartei ging von anfang an mit vollem Bewußtsein den Weg der Ver­ständigung in der Voraussetzung, daß es nur hierdurch möglich sein werde, das gesteckte Ziel zu erreichen. Aber immer, wenn die Regierung glaubte, einen gangbaren Weg gefunden zu haben, würd« ihr dieser von den anderen Par­teien unmöglich gemacht.Wir müssen mit allen Mitteln dahin streben, ein einiges nationales Volk zu bilden. Nur dann wird uns wieder Achtung vor der Welt werden und unsere Stimme wieder gehört."'

der Beamtenabbau und die steuerliche Belastung hängen ebenfalls mit der Stellung der Deutschen Volkspartei zusammen. Die extreme Bewegung in Bayern und anderswo hätte sich dürchgesetzt, wenn wir unseren Willen nicht in entscheiden­den Augenblicken hätten durchführen können. Die Schaffung des wertbeständigen Geldes sei das beste Mittel gegen den Separatismus. Der Grundsatz, nicht mehr auszugeben, als einge­nommen werde, müßte unter allen Umständen aufrecht erhalten bleiben.

Zum Schluß wandte sich der Minister gegen den Vorwurf, daß die Politik der Deutschen Volks­partei rein ovvortunistisch sei und verwies dabei auf Bismarck, der seine Verbündeten da genommen habe, wo er sie finden konnte. Man müsse aus jeder Lage das Beste herausholen. Die Deutsche Volkspartei habe sich bèwußt zur Politik der Verantwortung bekannt und sie sei stolz darauf, an der Wiederaufrichtung mitgewirkt zu haben, auch wenn sie dadurch Unpopularität zu ertragen habe.

Nicht endenwollender Beifall dankte dem Redner. r

Reichskanzler Marx in Elberfeld.

Elberfelp, 23. März. Reichskanzler Marx sprach heute hier in der Stadthalle in einer öffentlichen Ver­sammlung, mit der die Zentrumspartei bei Wahl­kreise» Düffeldorf-Ost, die den Reichskanzler an die Spitze der Kandidatenliste gestellt hat, die Wahl-

-uc* nwnw rotnuei ptq oann gegen Die bewegung eröffnete. Der Reichskanzler führte dann ' VaftM her Me feine Außen- etwa folgenbes au!*

Der Redner Wendet sich dann gegen die

sichtslosigkeit bei Feindes ohne Erfolg. Trotz der Lehren, die jeder einsichtige Deutsche aus den bitteren Erfahrungen des passiven Widerstandes an der Ruhr ziehen muß, lauschen noch weite Kreise der Volkes auf berauschende Klänge von Mannesmut und nationaler Entschlossenheit. Man träumt von bewaffnetem Wider­stand, obwohl unsere Waffenrüstunq zerfetzt und zer- trümmert ist, und obwohl auch niemand von denen, : die so gern das Wort national im Munde führen, ; sagen kann, wie bewaffneter Widerstand für uns mög­lich sein soll. Weit mehr scheint mir echt nationale : Gesinnung zu sein, sich durch Uebernahme schwerer und ernster Pflichten im Dienste des Volksganzen auSzn- zeichnen, um Schwereres von ihm fernzuhalten. So sehr es verständlich ist, daß gegen die zahlreichen nationalen Demütigungen, die unser Volk seit 1918 hat ertragen müssen, ein ehrenhafter nationaler Wille und der Wille zu nationaler Freiheit sich aufbäumt, so ist es doch notwendig, mit kühlem nüchternen Verstände die unglückliche Lage unseres Vaterlandes zu betrachten und ohne Parteihab und Parteileidenschaft geschlossen den opfervollen und ehrlichen Weg der Erfüllung der ungbwälzbaren harten Verpflichtungen zu gehen.

Nach einem Hinweis auf die bevorstehenden Gut­achten der Sachverständigen fuhr der Reichskanzler fort: Eine deutsche Partei allein vermag bie ungeheuren Ausgaben, welche bie Zukunft bringen wird, nicht zu meistern. Deshalb muß auch das Zentrum sich nach Bundesgenossen umsehen, die gemeinsam mit ihm Ha» groß« Ziel der Rettung von Volk und Vaterland er­streben. Wer sollen diese Bundesgenossen sein? Wir sind bereit, mit jeder Partei zusammenzuarbeiten, bie mit un» positive Arbeit zum Segen bei Ganzen und und Einzelnen zu leisten gewillt ist. Damit glauben wir, wenn vielleicht auch nicht patentnational, so doch ganz gewiß echt national zum. Besten von Reich und Volk tätig zu sein. Rationale Politik ist unserer Ueberzeugung nach auch die Entschlossenheit,-die Ein­heit des Reiche» zu schützen und zu sichern, auf dem Boden der in Weimar beschlossenen Verfassung.

Der Reichskanzler ging darauf in großen Zügen aus da» Verordnungswerk der Reichsregierung ein i und sagt» weiter: Eine gefunbe Wirtschaft ermöglicht

Ein Märtyrer Deutschlands.

Berlin, 22, März. Der im vorigen Sommer wegen angeblicher Sabotage im Ruhrgebiet von den Franzosen verhafiete, ur­sprünglich zum Tode und dann zu lebensläng­licher Zwangsarbeit verurteilte und seit Mo­naten im Gefängnis von St. Martin de Re untergebrachte Reichsangehorige Dreyer, der vor drei Tagen vom Präsident Millerand wegen tödlicher Erkrankung begnadigt worden war, ist gestern im Zivilkrankenhaus in St. Martin de Re in Gegenwart seines Vaters, der gekommen war, um ihn in die Heimat zurück­zubringen, gestorben.

London, 22. März. DerDaily Herold^ veröffentlicht einen Brief aus Mainz, der dem Blatt von einem Deutschen, der von den Fran­zosen gefangen gehalten wird, zugestellt wurde. In dem Briefe heißt es: 150 Mann befinden sich ohne jeden Anlaß in den Gefängnissen in Mainz, 60 von ihnen wurden entlassen, weil sie bereits 2 bis 12 Monate abgeseffen hatten. Als politilsches Verbrechen betrafen die Fran« zosen: Ungehorsam gegenüber den Befehlen der Besatzungsbehörden, Propaganda für die passive Resistenz, ganz gleich, ob diese schriftlich oder wörtlich -erfolgte, Lächerlichmachung der Besatzungsarmee, Zahlung von Geld an Strei­kende. Die Leute, die wegen Sabotage oder Spionale festgehalten werden, und eigentlich politische Verbrecher sind, werden wie gewöhn­liche Verbrecher behandelt oder besser mißhan­delt. Tausende dieser unglücklichen Menschen füllen die Gefängnisse des Ruhrgebietes und des Rhsinlandes. Was die zahllosen Gefange­nen anbetrifft, die von französischen Kriegs­gerichten zu langen Gefängnisstrafen verurteilt sind, so betont der Briefschreiber, daß über 300

DeuiMe in den Geia^gm

Wenn man sich ab , m$: selbst aufgeben will, muß man immer wieder neue Versuche machen, besonders wenn man weiß, daß mit Waffen­gewalt nichts zu erreichen ist. Der Versailler Vertrag sei auch von internationaler Seite jetzt für undurchführbar erklärt worden: aber durch seine einfache Zerreißuug werde man nichts erreichen. Wir müssen durch Verhandlungen die Rückkehr unserer Ausgewiesenen durchsetzen. Wenn man nach Lage der Verhältniffe nicht mehr erreichen kann, sei die» schon ein schöner Erfolg. Vis die Feindstaaten zugeben, daß sie- uns Unrecht getan haben, werde wohl noch lange Zeit vergehen. Die Forderung der Deutschnationalen, die außenpolitischen Konse­quenzen zu ziehen, bilde eine Ultima ratio, die sehr gefährlich sei. Die mit Frankreich ver­bündeten Mächte sähen heute schon selber ein, daß der Versailler Vertrag undurchführbar sei. Ein idealer Gedanke sei ein Millionenprotest gegen die Zurückhaltung der Ausgewiesenen.

Dr. Stresemann verurteilt die Stellung­nahme des bayerischen Ministerpräsidenten in der Kriegrschuldfrage. Von feiten des Reiches I« alles geschehen, um die Kriegsschuldlüge geltend zu machen.

Die Einstellung der fremden Staaten gegen­über Deutschland habe in der letzten Zeit eine erfreuliche Wendung zu unseren Gunsten ge­nommen. Besonders in Amerika zeige sich ein Umschwung, das bewiesen schon die Besuche der Sachverständigen und der MeistbeKinftigungs- vertrag. Es stehe fest, daß in so kurzer Zeit bei keinem politischen Geschehen eine so starke Um­stellung, wie gegenüber Deutschland seit dem Jahre 1919 stattgefunden habe. Heute wollten sich die Väter des Vertrages nicht mehr zu'ihrem Kinde bekennen, das bewiesen die Broschüren âttis, die Reden Lloyd Georges und verschie­dener anderer.

Im eigenen Lager selbst werden der Regie­rung die größten Schrvierigkeiten bereitet. Wenn man im Auslande der Goldnotenbank Kredite gewähre, so hat man sicherlich auch im Aus­lande Interesse an unserem Wiederaufstieg. Un- sei es, ihn wegen der Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten der Anerkennung des Marxismus zu beschuldigen. Stresemann wider-

erste Reichstag der deutschen Republik hat nicht das Ende seiner verfassungsmäßigen Legislaturperiode erreicht, weil er angesichts der großen Not des Vater­landes eine Fülle gesetzgeberischer Arbeit, die zur Ab­lenkung der Katastrophe getan werden mußte, zu leisten nicht mehr imstande war. Dietz Feststellung bedeutet nicht einen Vorwurf, denn nie hat ein Parlament vor größeren und schwereren Aufgaben gestanden, wie nie ein Volk Größere» geleistet und Schwereres erlitten hat als das deutsche, da» jetzt schon seit 10 Zabren in steter Rot lebt. Wem soll der deutsche Staatsbürger seiue Stimme geben? Das ist eine Gewissensfrage, die von uns allen demnächst beantwortet werden muß. Ueberlegen wir uns ohne Leidenschaft und Vor­eingenommenheit:, Was ist das Ziel unserer politischen Betätigung anresichts der Lage von Volk und Vater­land?, Es kann nur Lines sein: die Aufrechterhaltung der Einheit des Reiches und die Aufrichtung unseres infolge des Krieges und der Wirren der Revolution

Anforderungen an alle WirtschastSkreise gestellt, ins­besondere an die Arbeitnehmer, bir gezwungen sind, manche zur Besserung ihrer harten Lage geschaffenen Erleichterungen vorübergehend preiszugeben. Es ist . verständlich, daß sie das schweren Herzens getan haben; | Kreisen aber sie haben ihre Opfer in Würdigung der schweren materiellen Lage Deutschlands gebracht. Die Zen- trumspartei empfindet eS entsprechend ihrer Tradition als sittliche Pflicht, das harte Los der arbeitenden

und unter von 14 bis

Wir

Die Zoll- und Paßkontrolle.

zu Bodex geworfenen Volkes. Diese» Ziel hat dem Zentrum und den von ihm maßgebend beeinflußten Regierungen der letzten Jahre vorgeschwebt. Alle Kraft hat el für die Erreichung dieses Zieles eingesetzt. Wir standen vor der Frag«, die auch jetzt noch die Leidenschaft in hohem Maße erregt; welche Außen­politik sollen wir treiben, um das gesteckte Ziel zu erlangen? Daß der FriedenSvertrag von Versailles untragbar i ft, ist bie klare Ansicht bei ganzen Volkes. Jnbesondere schmerzt der Vertrag, weil bie in ihm enthaltene Beschuldigung Deutschland», allein ant Ausbruch des Krieges die Schuld zu tragen, durch bie objektive wissenschaftliche Forschung Lügen gestraft ist. Kein Wunder, daß ein Teil bei Volke» verlangt: Auflehnung gegen die Be­stimmungen diese» Diktats mit aller Macht, keine Nachgiebigkeit und kein« Schwäche, sondern Verweige­rung jeglicher Erfüllung. Was würde die Folge sein, wenn dieser Weg eingeschlagen würde? Der Sieger von Versailles ist im vollen Besitz seiner Macht. Rücksichtslos bis zum äußersten würde er sie anwendcn und steil angewandt haben, falls wir mit einer groß«» Geste die Erfüllung der uns auferlegten Verpflichtungen abgelehnt hätten. Wir sind ein waffenloses Volk. Geradezu Wahnwitz wäre es gewesen, den Gegner zu innerster Gewaltanwendung zu reiten. Das Zentrum jat sich entschlossen, den Versuch zu machen, die Stoeren Lasten bei Versailler Diktates bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit zu tragen, erfüllt von >em Gedanken, auf diesem harten Wege am ehesten )k Befreiung Deutschland» von den ihm durch den Versailler Vertraa auferlegten Fesselln zu erreichen. Schwer sind die Opfer, die das deutsche Volk infolge­dessen hat tragen müssen; erhalten geblieben ist ba« durch aber bie Einheit bei Reiches. Schwer ist vor allem dar Joch, das der Friedcnsv«rtrag auf die Be­völkerung de», besetzten Gebietes gelegt hat. Schwerer noch sind die ungeheuerlichen Bedrückungen, die der widerrechtliche Einmarsch im Ruhrgebiet für bie bor* tige Bevölkerung zur Folge gehabt hat. Mit be« wundernswertem Heroismus haben alle Deutschen an der Ruhr und am Rhein da» schwere Schicksal getragen.

Auch heute wollen wir der harten Opfer dieser Bevölkerung gedenken, insbes»ndere derer, bie jetzt noch in Gefängnissen schmachten ober von ihrer Heimat ver­trieben sind. Viele sind Opfer der aul jedem deutschen Herzen hervorbrechenden Auflehnung gegen bie wider­rechtliche Vergewaltigung geworden. Waffenlos wie am w rK -um-. °°NN Mch, K4MU»

pZKren sein sollte. Die Neue Arbeitszeit, auch er blieb mtgefWl der UebermaSt und der Rück-

M on Hand von Tatsachen, daß man den Marxismus unterstützt habe. Das Eingreifen Reichswehr in Sachsen könne doch wirklich nicht als Unterstützung des Marxismus ange- werden. Die Abkehr vom Achtstundentag, die Ausstellung des Paffes an den Exkronprin- die mit ausdrücklicher Zustimmung der So- 8ia!bcniofratie erfolgt sei, fei ebenfalls keine Unterstützung des Marxismus. Bei den Dor- kampfen um die Rentenmark sei das Ent- !°leidende, daß der Etat unter allen Umständen 'n Ordnung gebracht werden mußte, wenn nicht

Bevölkerung zu erleichtern, sobald die Möglichkeit dazu besteht. Mit Bedauern und zornigem Unmut hat die Zentrumspartei in der letzten Zeit von beklagens­werten Zwangsmaßnahmen einzelner Arbeitsgeber ge­hört, die hofft und erwartet, daß es Ausnahmen sind. Sie sieht ihre oberste Aufgabe darin, die von Gott gewollte soziale Ordnung zu schützen. In diese soziale Ordnung gehört auch die große Masse der deutschen Volkes, die Arbeit nehmen muß. Diese wird sich uur dann als ein Teil des Volkes und als Blut vom LcbenZblut der Nation fühlen, wenn sie als lebendiges Glied der sozialen Ordnung gewertet wird.

Die mannigfachen Zweifel, die bisher in weitesten isen über die Paß- und Kontrollstationen der französischen Regie herrscbten, beseitigt der soeben herausgegebene amtliche Eisenbahnfahrplan für den Direktionsbezirk Frankfurt. Wer bisher in das besetzte Gebiet fahren mußte, vertraute sich einem blinden Schicksal an. Niemand an den Frankfurter AmtS- stellen kannte die Anschlüsse der Regiebahn an die- deutschen Züge aus dem unbesetzten Gebiet. Alle Ver­suche der heimischen amtlichen Stellen, von der fran­zösischen Verwaltung Fahrpläne zu erhalten oder Zollbestimmungen zu bekommen, waren vergeblich. Die in den letzten Wochen zwischen den deutschen und französischen Behörden gepflogenen Verhandlungen über Eisenbahn- und Tariffragen haben jetzt auch die Verbesserungen, die im Interesse beider Gruppen liegen, herbeigeführt.

Der Kanzler schloß: Ueber lebenswichtige Fragen bei deutschen Volke» wird der nächste Reichstag ent- scheiden müssen. Seine Zusammensetzung ist von aus­schlaggebender Bedeutung. In der Hand der Wähler­schaft liegt das Schicksal unsere! Reiche». Wenn die radikalen Parteien von rechts oder von link» eine starke Vermehrung ihrer Mitglieder erfahren, dann sind die Folgen unübersehbar.

Den Ausführungen des Reichskanzlers folgte lang- andauernder stürmischer Beifall. Die Versammlung, die ohne Störung verlief, stimmte in das Hoch auf das deutsche Vaterland ein und sang begeistert das Deutschlandlied.

Nieder mit der Ärsegsschut-lüge!

München, 22. Dhârz. Der bayerische Minister­präsiden v. K n i l l i n g hielt gestern abend in einer Versammlung beiStahlhelm?" (Bund der Front­soldaten) im Bürgerbräukeller eine Rede, in der er sich gegen die KriegSschuldlüge auSsprach. Der Minister erinnerte an feine Rebe vom 26. Juni v. I. im daher. Landtag, die den Zweck gehabt hätte, die allgemeine Aufmerksamkeit in Deutschland und vor allem die der deutschen Regierung darauf zu lenken, daß el auf diesem Gebiete keine »»gel-StraNtz-Potittk geben dürfe. Weite Kreise in Deutschland erwarteten zuversichtlich, daß die Sleichsresierung in der «chuldfrage jur Offensive übergehen würde, doch hat sich diese Hoffnung bis heute leider nicht erfüllt. Wir haben, abgesehen von gelegentlichen Acußirunge« von Mit­gliedern der Reich»regierung, birher vergeblich darauf gewartet, daß eine ReichSregierung sich auf. raffen würde, selbst den Kampf Regelt die KriegSschuldlü«e aufzun«hm«n. Eine solche Passivität wird im AuSlande nicht begriffen und es t selbstverständlich, daß das Au»land diefeS amtliche Stillschweigen als ein Schuldbekenntnis deutet. Solange bie Reichsregierung sozialistisch durchsetzt war, brauchte man sich über eine derartige vorsichtige urückhaltung nicht zu wundern. Denn mit der Schuldlügt füllt der Hauptgrund für das verbrecherisch« und frevelhafte Untentte^mett d«r Novemb«rr«volution 1918. (Stürmischer Beifall). Nach der Wahl müsse «s heißen: -Nieder mit der KriegSschuldlüg«!"

Auch Freiherr ». L e r » n e r sprach in demselben streife über die Notwendigkeit des Kampfe» gegen die

Aus dem VerwaltungSberëich der Reichsbahn- direktion Frankfurt befinden sich zurzeit noch folgend« Strecken in Regiebetrieb: Frankfurt Höchst Limburg. Frankfurt Höchst Wiesbaden, Frank­furtHöchstSoden, FrankfurtGoldsteinMainz, LcmburgKoblenz, Limburg Montabaur Siers­hahnFlammersfeld, SiershahnEnger» und Gren­zau-Hillscheid.

Er kommen als Tarifendstationen in Betracht für die Strecke: FrankfurtMainz: Goldstein, Frank­furt Wiesbaden und Frankfurt Limburg: Höchst GießenKoblenz: Eschhofen, AuWesterburgLim­burg: Staffel, WesterburgMontabaur: Montabaur, Altenkirchen-Flammersfeld-Siershahn: Fammer». selb, DarmstadtGerauMainz: Darmstadt, Groß- GerauBiebesheimGernsheim : Groß-Gerau, Gern», heimBensheimHeppenheimWeinheim: Worm» und Mannheim Worms: Worms, ferner für all« Züge aus der Richtung Betzdorf für Stationen rheiL- aufwärt» und fâr Spich und Wahn: Troisdorf.

Auf allen diesen Tarifstationen müssen die au» dem unbesetzten Gebiet kommenden Reisende« neue Fahrkarten für die Weiterreise in.Rcgiezügen lösen, und zwar muß da» Fahrgeld in französischem Geld erlegt werden. Für Reisende, die von Frankfurt nach Mainz bezw. Wiesbaden fahren, tritt insofern eine Erleichterung ein, al» im hiesigen Hauptbahnhof kürz­lich einRegieschalter" eröffnet wurde, an dem Fahr- karten für die Stationen bi» Mainz und WieSbader erhältlich sind.

Nicht weniger als 42 Personen au» Frankfurt e. M. und einigen anderen Orten bestrafte dieser Tage das Milstärpolizeigericht in Wiesbaden mit je 50 Gold- mark, weil sie beim Ueberschreiten der Grenz« nicht im Besitz vorschriftsmäßiger Püffe waren, zum größten Teil aber gar keinen besaßest. Zwei Personen, die im Besitz einer größeren Summe französischer Franken waren, wurden mit hohen Geldmarkstrafen belegt. Außerdem zog die französische Kontrollbehörd« da» französische Geld ein.

Poinearvs Sieg.

Pari», 23. März. Kammer und Senat endeten nachts die Beratung der Finanzgeietz^ Gegen 11 Uhr kam es zur Einigung über die ge­meinsamen Texte. Einige unwesentliche ArtikA wurden ausgeschaltet. Die Kammer nahm imließ» US das Gesetz mit 370 gegen 172. der Senat mit 143 gegen 12 Stimmen an. Kammer und Senat