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General-Amzeiger / AmMches Organ für Skadl- und Landkreis Sana« a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme -er Son«- und Feiertage. / Fernfprech-Lnschluß Nr. 1237.

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® t j u 8 s » i e i s für die Zeit vom 21. bis 31. März 75 Eoldpfennig ohne Tragerlobn. Einzel­nummer 10. Freitags u. Samstags 12 Goldviennig. —Anzeigenvreiierfür die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Eoldpfennig. für die R e k l a m e z e i l e (68 mm) 50 Eoldpfennig — Offertengeb Lbr 80 Eoldvfennig. — Essckaftsftelle Hammerstratzs 9.

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Erfüllungsort und TerlLtsstand ffit beide Teile Sana« «. Mai«. Für Blatzvorschrift und Erfcheinungstage der Anzetsrn wird keine EewLbr geleistet. — 3m Falle höherer Gewalt Streik «iw. Lat der Bezieher keinen AafvrnL auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Nückrahlung der Bezugsvrets«»

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Ar. 69

Freitag den 21. März

1924

Das Neueste.

— Das „Berliner Tagebl." veröffentlicht peute weitere Enthüllungen über die französisch- tschechische Kriegspolitik.

— Der französische Hauptmann d'Armont wurde vom Reichsgericht Leipzig wegen Spio­nage zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.

— Die französische Kammer hat gestern das Armeegesetz angenommen.

— Dem neue Kabinett Theunis ist das Ver­trauen ausgesprochen worden.

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Arbeit und Sparen.

Reichswirtschastsminister Hamm hat gestern Berliner Pressevertretern eine Unterredung über die im Vordergründe des Interesses stehen­den wirtschaftspolitischen Fragen gewichrt. Der Minister ging dabei zunächst aus die außerordentliche K r e d i t n o t der deutschen Erwerbsverbände ein, die er voll anerkannte.

Er äußerte sich eingehend über die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung und über die der Kredit­gewährung durch diè Währungsverhältnisse ge- 3men Grenzen. Der Minister führte unter erem aus: Eine Kreditgewährung der Reichsbank muß stets davon ausgehen, daß sie Gelder nur in solchem Umfange bereitstellt, wie sie im Jnlandsumlauf gebunden werden, da­mit nicht freies Geld zu unnötigen Devisei kaufen verwandt wird. Eine allzu starke & schränkunader Kredite müßte aber eine Drosse­lung der Wirtschaft zur Folge haben. Die Kre­ditgewährung der Reichsbank hat seit Januar eine erhebliche Erweiterung erfahren, wobei

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gs an dem Grundsatz festgehalten wer- * daß die in beschränktem Maß non«

geführt wer)

Das „D. T." beschäftigt sich heute noch ein­mal sehr eingehend mit den Aeußerungen des tschechoslowakischen Außenministers Dr. Benesch zu den von dem Blatte veröffentlichten Ge­heimdokumenten. Bezüglich der von Benesch zum Beweise der Unechtheit der Dokumente an­geführten Formfehler weist das Blatt darauf hin, daß sogar das offiziöse tschechoslowakische Regierungsblatt, die Prager Presse, bei der Veröffentlichung des Freundschafts- und Vünd- nisverkrags, den PoincarS und Benesch am 25. Ianuar 1924 unterzeichnet haben, textliche Abweichungen von dem offiziellen Wortlaut des Vertrages aufweist. Das Blatt hebt ferner her­vor, daß in den Artikeln 2, 3 und 5 des ver­öffentlichten Vertrags fortwährend von „Vor­kehrungen" gesprochen wird, die getroffen wer­den sollen und über die man sich zu „verstän­digen" gedenkt. Wenn das nur sinnlose Redens­arten wären, dann hätte der ganze Vertrag keinen Sinn. Man kündiM an, daß man sich über Vorkchrungen verständigen werde und hinterher, wenn die Sache unbequem werde, schwöre man, man habe nie eine solche Verstän­digung gewollt oder gesucht. Die „Verständi­gung" Wer die „Vorkehrungen", zu der man sich verpflichtet hat, fei erfolgt und geschehen mit dem von dem Blatte veröffentlichten Ge­heimabkommen. Zur Widerlegung der Be­hauptung Beneschs, daß niemals ein geheimer Vertrag die Tschechoslowakei mit Frankreich verküpft habe, veröffentlicht das Blakt den bis­her geheim gehaltenen Vertrag zwischen -57«Nfr<?ich uv.h der Tschechoslowa

Republik, Materiallieferungen für den ersten Aufbau einer tschechoslowakischen Wehrmacht zu leisten. Art. 5 bestimme, daß die Gesamtleitung der tschechoslowakischen Wehrmacht auf die Dauer von 10 Jahren

a) in der Leitung von militärischen Opera­tionen gegen Deutschland und die Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie sowie sich aus dieser neu bildenden Staatengruppe,

b) in der Gesamtorganisation der tschecho­slowakischen Wehrmacht und

c) in der Ausbildung auf allen Gebieten -er tschechoslowakischen Wehrmacht eine 60 glie- drige, aus französischen Generalstäblern und Oberkommissaren bestehende, vom kriegs- minislerium der Republik Frankreich zu er­nennenden Militärmission übernimmt. Für die gleiche Dauer von zehn Jahren wird ein fran- zösischer General auf den Posten eines Chefs des gesamten tschechoslowakischen Generalstabes systemisiert. In Art. 6 verpflichtet sich die tschechoslowakische Regierung, ihre gesamte Innen- und Außenpolitik auf die Durchführung der Friedensverträge im Einvernehmen mit der ftanzösischen Regierung einzustellen.

Das „V. T." bemerkt zu diesem Geheimver- trag, daß seine Bestimmungen genau verwirk­licht worden sind. Die französischen Offiziere entfalteten tatsächlich, mit dem General Mittel- Hauser an der Spitze, ihre fachmännische Tätig­keit im tschechoslowakischer Grneralstab Wie das Blatt mär avsMrt. Verkraa

vom 28. Oktober, später im Jahre .^och

Reichswehrministerium sei, d'Armont neu« Quellen zur Beschaffung von Material erschlie­ßen zu können.

Das Urteil lautete auf 12JahreZucht- haus und 5000 Mark Geldstrafe. Die Geld­strafe wird durch die Untersuchungshaft für ver­büßt erachtet.

Sine Erklärung Ludendorffs.

München, 20. März. General Ludendorff laßt durch feinen Verteidiger in der Preffe eine Erklärung veröffentlichen, die sich gegen d«n Vorwurf wendet, Ludendorff habe feine Ein­stellung zur Anklage in der letzten Gerichts­sitzung geändert, und festgestellt, daß Ludendorff von dem Plane Hitlers, am 8. 11. v. Kahr, v. Lossow und Seißer durch eine Aktion im Bürgerbräukeller zum Absprung in ihrer Ziel- richtüng zu bringen, absichtlich in Unkenntnis gelaffen worden fei. Ludendorff habe sich in dem Bewußtsein, daß es sich am 8. 11. bei bei Aktion Hitlers um die Verwirklichung des bis- her erörterten Planes Kahrs, Loffows und Seißers handele, sich dieser Sache zur Ver­fügung gestellt. Er sei hierbei davon ausge­gangen, daß die Zustimmung Kahrs, Loffows und Seißers freiwillig und emsthast erteilt worden sei. Diese Einstellung des Generals zur Anklage fei von Anfang an die gleiche ge­wesen, genau wie seine Stellungnahme zu der Person und dem Werke Hitlers die gleiche war und bleiben werde.

einen wirksamen produktiven Nutzen ziehen können. Ich würde es im allgemeinen nicht für richtig halten, wenn die Reichsbank langfristige Anleihen finanzierte und etwa von vornherein Prolongierungen der Dreimonatsdiskonte in Aussicht nähme. Der Kredit des Zentralnoten- inftttuts muß ein Warenumsatzkredit bleiben. Die für langfristige Anlagen von Gemeinden, Gesellschaften usw. an den Kapitalmarkt gestell­ten Ansprüche zeigen, daß in weiten Kreisen über unsere surchtbare Verarmung heute noch keine klare Erkenntnis herrscht. Nur auf dem Wege der rationellen Verwendung des Kapitals kommen wir am ehesten zu der so notwendigen Kapitalneubildung, die Grundlage des Wieder­aufbaus, unserer Wirtschaft. Die ernsteste Sorge wird daher auch der Wiederbelebung des Spar- und damit des freien Kreditverkehrs gelten, wobei der Ein­führung von Goldkonten bei Banken und Spar­kassen eine besondere Bedeutung zukommt. Es sei schlechterdings auf die Dauer unmöglich, daß die deutsche Wirtschaft bei Kreditsätzen von 20 Prozent und mehr konkurrenzfähig bleibe, wenn die ausländische Konkurrenzindustrie nur sechs bis acht Prozent zahle. Natürlich könne man sucht einfach einen gesetzlichen Höchstpreis für- Geld festsetzen, aber es sei schlechterdings not­wendig, daß man in allen Kreisen unseres Bankgewerbes sich der unbedingten Rotwendig­keit bewußt werde, die Bankbedingungen so entgegenkommend wie möglich zu halten, um nicht zu unvermeidbaren Teuerungsgründen zum Schân der Wirtschaft vermeidbare zu llsgen., Dringendst zu wünschen sei natürlich, daß die mit der Errichtung der Golddiskontbank nunmehr in Aussicht stehenden Auslandskredite für die deuffche Wirtschaft alsbald zu angemesse­nen Zinssätzen verwendbar würden.

Zur allgemeinen Wirtschaftspolitik betonte der Minister, daß er es als eine der wichtig- e n Aufgaben der weiteren Zukunft an« Me, geregelte weltwirtschaftliche -oeziohungen wieder herzustellen, etwa in folgenden Etappen: Abbau der Ein­fuhrverbote, Rückkehr zur Methode lediglich zoll- politischer Einwirkung aus den Außenhandel, Anpassung unseres autonomen Zolltarifs an die ß welen Hinsichten veränderten wirffchaftlichen Verhältnisse und Abschluß von Zoll- und Handelsverträgen zur Sicherung unserer Aus- uyr und der angemessenen Einfuhr. Jnsbe- Andere wies der Minister darauf hin, daß sich uuf dem Gebiete der Handelsvertraglichsn Be- f>eHungen letzthin für uns sehr erfreuliche An- We bemerkbar gemacht haben. Der Minister Moß mit dem Hinweis darauf, daß, so er= huscht es wäre, der Industrie in steigendem ^erbrauch einen Absatz zu schaffen, man sich Uten müsse, die innere Kaufkraft zu über« UM»; die vornehmste Aufgabe sei eine all- wahiichg Wiederbildung von Kapital für die ch^oduktion, was nicht anders als durch Arbeit M.Sparen sn «weichen fetz

chisch-französischer Geheimverkraq vom 28.0s kober 1918“. In Art. 4 des Vertrages ver­pflichtet sich die Regierung der französischen

diesem Falle vermieden worden ist. kann Herr Venesch sagen, er schließe keine „Geheimver- kräge" ab.

Die Arbeiten -er Sachverstan-iqen. Handlung im Sinne der Anklage vorliege. 'Hauptmann Dschunke vom Reichswehrmmlste- rium bekundete, daß das Reichswehrmimfte- rium bereits seit Mai 1921 von der Tätigkeit d'Armonts sichere Kenntnis gehabt habe. Der Angeklagte verweigerte jede Aussage zu der Anklage. Durch die Zeugenvernehmung wurde die Spionagetätigkeit im Einzelnen beleuchtet. Der Zeuge "Biens, der am Montag wegen Spionage zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, hatte im Auftrage d'Armonts versucht, Nachrichten über die Württembergischen Trup­penteile dèr Reichswehr zu erhalten. Rach Mög­lichkeit sollte er Offiziere aushorchen. Er sei auf den Gedanken gekommen, sich als den Veauf-

Eine Information deS „Temps".

Paris, 20. März. Der Unterausschuß des Komitees DatveS für Bankfragen hat heute nachmittag seine Verhandlungen über die Goldnstenbank, das Komitee Mac Kenna die Abfassung seines Berichtes fortgesetzt. Um 3 Uhr nachmittags hat eine Besprechung des Unterausschusses für Bankfragen mit Reichsbank­präsident Dr. Schacht begonnen. Dr. Schacht über­reichte eine schriftliche Aufzeichnung über die an ihn gerichteten Fragen. Die Sachverständigen werden die Angaben Dr. Schachts in den nächsten Tagen prüfen und am kommenden Montag hierüber wiederum mit ihm verhandeln.

Nach dem „Temps" werden die Anhänge zu dem Bericht des Komitees DaweS folgende Fragen zum Gegenstand haben:

1. die Errichtung einer Goldnotenbank,

2. den deutschen Haushaltausgleich mit den Ein­nahmen und Ausgaben für das Haushaltsjahr 1924/25 und die nächstfolgenden Jahre, ein zweijähriges Mo­ratorium für die Reparationsleistungen in bar, Fort­setzung der Gachlieferungen und ihre Bezahlung an die deutschen Industriellen,

3. Reorganisation der deutschen Eisenbahnen, eine neue Verwaltung für das gesamte Netz, in daS die zur Zeit von der französisch-belgischen Eisenbahnregie betriebenen Strecken der Rheinlande und des Ruhr­gebiets einbezogen würden, Nutzbarmachung der Eisen­bahn für eine internationale Anleihe, deren Ertrag teilweise al» Kapital und Reserven der künftigen Eold- notenbank und teilweise zur Finanzierung der Sach­lieferungen Verwendung finden soll,

4. Einführung von Tabak-, Alkohol- und Zünd­holzmonopolen, deren Einnahmen zur Begleichung der Reparationen Verwendung finden sollen,

5. Kontrolle der Erhebung gewisser Einnahmen sowie der Tätigkeit der Notenbank und deS Betriebes der Eisenbahn,

6. Organisation eines Systems von Hypotheken auf die deutsche Wirtschaft, d. h. den industriellen, kommerziellen und landwirtschaftlichen Besitz Deutsch­lands, die als Pfänder für die Ausgabe von Ob­ligationen dienen würden.

Spionage-Prozetz.

Leipzig, 2(1 März. (Wolff.) Vor dem 5. Strafsenat des Reichs gerichts unter Vor­sitz des Senatspräsidetnen Richter hatte sich der Hauptmannim französischen Ge- netalstäb Robert PenLa rie s d'Ar• mont aus Paris wegen Spionage zu ver­antworten. Er war Leiter des dem französischen Konsullot in Basel angegliederten Nachrichten­büros, dem auch Stellen in Zürich und Bern unterstanden. Am 10. September 1923 wurde d'Armont in der Nähe von Singen verhaftet. Vor Eintritt in die Verhandlung protestierte

d'Armont gegen die Art seiner Verhaftung. Der Vorsitzende erklärte, diesen Protest als für die

heutige Verhandlung ohne Bedeutung darüber zu, entscheiden fei. ob eine

, da nur strafbare

fragten der Friedensliga auszugeben und habe diesen Gedanken auch d'Armont mitgeteilt, wo­rauf dieser anscheinend auch andere Agenten veranlaßt hat, sich diese Eigenschaft beizulegen. Im ganzen hat Biens 61 Rapporte nach Basel gebracht: er hat auch bestimmte Aufträge von d'Armont erhalten, die er nach Möglichkeit aus­zuführen versuchte. Einer der von d'Armont er­teilten Aufträge, der sich auf ganz bestimmte, mit Nummern bezeichnete Geheimbefehle höhe­rer militärifcher Diensfftellen bezieht, wurde verlesen. Den Auftrag, die Stimmung des bayerischen Klerus über die Königsfrage und die Trennung Bayerns vom Reich zu erkunden und zu diesem Zweck den Erzbischof von Bam­berg aufzusuchen» hat der Zeuge Biens als zu schmutzig nicht lausgeführt. Im Uebrigen er­klärt er, seine Berichte vielfach aus der Luft gegriffen zu haben. Er habe für die einzelnen Berichte Beträge im Werte von je 15—20 Schweizer Franken erhalten. Er bestritt, davon gelebt zu haben. Nebenbei habe er seine Ge­schäfte betrieben. Die von d'Armont erhaltenen Gelder hätten nur seine Reisen verbilligt. Der Zeuge Rudolf S e n f t l e aus Lörrach (Baden), der wegen Spionage zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, stand seit Mai 1922 in Be­ziehungen zu d'Armont und hatte von ihm den Auftrag erhalten, in Konstanz die militärischen Verhältnisse zu erkunden und ihm insbesondere Tagesbefehle und Befehle über Uebungen usw. zu besorgen. Ebenso sollte er über Uebungen auf dem Schießplatz von Grafenwöhr genaue Unterlagen beschaffen. Senftle hat im Auftrage d'Armonts auch, seinen Gewährsmann, den Reichswehrsoldaten Rotzner, veranlaßt, nach Baden zu fahren, wo er mit d'Armont eine Unterredung hatte und von ihm den Auftrag erhielt, die Stimmung in der Reichswehr fest- zustellsn. Ebenso vermittelte er die Bekannt­schaft d'Armonts mit dem Schlosser Eugen Zimmermann aus Lörrach, der vorgab, durch einen anaeblicben Freund, der Ordonnanz im

Sine finnlänöffche Pressestimme zum Kitter - Prozeß.

Di« btbeuienbfte Zeituna Finnland» „Huvudstads- ^TGbet" schreibt in einem längeren Aufsätze über den Hltier-Prozeß: . . Wie die,Krieg»verbrechkr", welche nur m den.

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gemacht haben, so ist es auch in d Prozeß gegen die sog. reaktionären Putschisten, zu denen die Hitler­leute gehören, die Rede von Männern, welche dafür blitzen müssen, daß sie sich nicht der allgemeinen taten­losen Resignation fügen konnten, sondern von einer befreienden vaterländischen Tat zu träumen wagten. So vollständig kann die kalte, nüchterne Staatskunst, welche die Liebe zum Vaterlande und dessen Ehre an einem Gehorsam gegen Opportunität-« und Kom­promißpolitik gebunden sieht, alles umkehren. Nach einer verständnisvollen Würdigung der Hauptange­klagten geht der Aufsatz weiter noch auf Kahrs Doppel­spiel ein, was wir uns an dieser Stelle schenken können. — Diese finnländisch« Preffestimme.ist für uns Deutsche um s» bemerkenswerter, wenn man sich vergegenwärtigt, wie das kleine tapfere Land trotz langer russischer Unterdrückungszeit nie den Willen zur Freiheit verloren hatte. (Einer Mitteilung des Jnüituts für Finnlandkunde der Universität Sreif»- Wald entnommen).

Reichswehr und Slaalsireue.

Ein Heeresbefehl v. Seeckls vom 4. Rov. 1923.

Berlin, 19. März. (Wolff.) Die $eu genaue« sagen im Hitlerprozeß haben ein Bild davon gegeben, wie im Herbst 1923 von verschiedenen Seiten um die Reichswehr geworben wurde, und wie auf ihr Eingreifen zu Gunsten gewisser politischer Richtungen gehofft wurde. Dem­gegenüber bezeichnet ein Befehl des Ehefs der Heeresleitung an die Wehrkreiskommandeure vom 4. November o. I., der hiermit der Oeffenllichkeit übergeben wird, den Weg, der damals wie schon früher, der Reichswehr ge­wiesen und von ihr innegehalten wurde:

Der Ruhrkampf und sein Ende haben Deutschland im Tiefften ausgewühlt. Frank­reichs und Belgiens frevelhafter Eingriff in das fieichs gebiet und die wirtschaftliche Not, die >as Volk an den Rand der Verzweiflung bringt, haben uns nicht zusammengeführt, son­dern den Kampf der Parteien zur Siedehitze gesteigert. Der kommunistische Umsturz wurde n Hamburg soeben von der Polizei und der Reichsmarine niedergeworfen, aber die Kom­munisten sind entschlossen, ihn zu erneuern, so» >ald ihnen die verschärfte Not neue Gelegen­heit gibt. In Sachfen ist die Reichswehr ein« ;esetzt worden, um die schwersten Bedrohungen )er Ruhe und Sicherheit zu beseitigen. Ihre Aufgabe ist noch nicht völlig erfüllt. Anderer- eits ist über Nacht der Anhang derjenigen ge- vachsen, die Deutschlands Rettung nur in einer ieschleunigten gewaltsamen Beseitigung des gütigen Regierungssystems durch eine natio­nale Diktatur sehen. Die bayerischen Natio­nalsozialisten fordern den Marsch auf Berlin.

In diesen Tagen der schwersten Not unseres Vaterlandes sind die Augen weiter Volkskreise auf die Reichswehr gerichtet. Wird die Wehr­macht die jetzige Probe bestehen, wird sie ein unbedingt zuverlässiges Instrument in der Hand ihrer Führer bleiben? Das ist die Frage, mit der sich die Reichswehrsreunde und «feinte aleichermaßen gespannt beschäftigen,.