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Vk-nstag Ben 18. März

Wr. St

nen Rechte wieder anerkannt werden. In die­sem Sinne sprach sich dann eine Entschließung aus, die sich sehr energisch für die Weiterführung des Kampfes erklärte, ferner wurde die Ver­öffentlichung eines Manifestes beschlossen, das die Direktion der Anilin- und Sodafabrik an­klagt, die Schuld daran zu tragen, daß die Poli­zei das Blutbad bei der Räumung der Fabrik angerichtet habe. Die bürgerliche und soziali­stische Presse wird beschuldigt, gegen das Ver­halten der'Polizei nicht mit aller Schärfe Stellung genommen zu haben. Der Industrie- verband der Chemiker in Ludwigshafen, erläßt einen Aufruf an die Fabrikarbeiter aller Län­der, in dem dazu aufgefordert wird, in der gan­zen Welt Sammlungen für die Streikenden vor­zunehmen. Wie die hiesige Arbeiterzeitung nritterlt. Hat die internationale Arbeiterhilfe be­reits einen Waggon Lebensmittel, der von eng­lischen und holländischen Arbeitern gestiftet wurde, abgefandt.

Die Mietsleuer.

Deckln, 15. März. Zur Beilegung der Diffe­renzen, die über die Frage der Hauszinssteuer, der sogenannten Mietssteuer, in Preußen ent­standen find, hat die preußische Regierung seit kurzem mit den Koalitionsparteien Fühlung ge­nommen. Entgegen gewissen Korrespondenzmel­dungen ist eine Einigung bisher noch nicht er­zielt worden. Vor allem wird uns von zustän­diger Stelle versickert, daß sich der preußische Finanzmmffter mit einer Mietssteuer in Höhe von 10 Prozent auf keinen Fall zufrieden geben könne, da bei einer so niedrigen Bemessung der Steuer die Etatsaufstellung ohne Fehlbetrag nicht durchgeführt werden könne.

Berlin, 17. März. Der Gesamtvorstand des Deutschen Mieterbundes hat in einer Entschlie­ßung zur Mietzinssteuer mit Genugtuung fest­gestellt, daß sich weder im Reichswirtschaftsrat noch im Reichstage eine Mehrheit für die durch die dritte Steuernotverovdnung geschaffene Mieffteuer gefunden hat. Er bedauert, ,chaß der Reichstag durch seine vorzeitige Auflösung an der Aufhebung dieser unsozialsten und ungerech­testen Steuer behindert worden ist" und spricht die Erwartung aus, daß die Regierungen und Parlamente der Länder von der Ermächtigung zur Erhebung einer Mieffteuer nur in bescheide- nem Maße und nur zur Herstellung von Neu­bauten Gebrauch machen, ferner daß sie die Mietzinsregelung auch weiterhin nach Maßgabe des Reichsmietengesetzes treffen, da diese nach dem Willen der Reichstagsmehrheit bis zum & Juli 1926 in Kraft bleiben soll.

Killer - Prozeß.

München, 17. März. In der heutigen Vor- mittagssitzung wurden die Zeugen Sanitäts- rat Dt. Pit tinger , Kapttänleutn-ant E h r - Hardt, Korvettenkapitän Kauffe r und Major Hunglinger aufgerufen. Nach der Mitteilung des Vorsitzenden war die Zustellung der Vorladung an Ehrhardt nicht möglich, da er in der dem Gericht angegebenen Wohnung nicht angetroffen wurde. Zunächst wurde da­rauf der Zeuge Sanitätsrat Dr. Pittinger, der Bundesvorsitzende vonBayern und Reich" vernommen. Auf eine Anfrage des Vorsitzen­den machte der Zeuge zunächst die Fsfftellung, es sei richtig, daß er Ende Oktober bei Pöhner gewesen war und mit ihm besprochen habe, ob er bereit sei zu einer Minen Mitarbeit im Sinne der vaterländischen Belange und im Sinne des Generalstaatskommissariats. Pöhner habe starke Bedenken gehabt, weil er glaubte, daß âhr doch nicht die nötige Aktivität besitze. Diese Meinung sei auch in den vaterländischen Verbänden vorhanden gewesen. Die Frage der Aktivität habe sich aber darauf bezogen, daß Kahr als derjenige betrachtet wurde, der die große wirtschaftliche Not zu mildern imstande sei. Zeuge habe dann den Baron Aufseß ge­beten, Kahr in seinem Auftrage mitzuteilen., die Stimmung in d«? Atterländischen Verbänden sei keine gute, well von Seiten des General- kommissariats die Erwartungen auf Behebung der allgemeinen Not nicht erfüllt worden seien und er sehe heute schon den Tag kommen, wo diese Stimmung dazu führen werde, daß die Kahr treuen Verbände ihr Treuoerhältnis lösen werden. Er Zeuge, werde das niemals mitmachen und er werde sich dann lieber voll­ständig aus der Bewegung zurückziehen, als in Gegensatz zu Kahr zu kommen. Ueber seine Reise nach Rosenheim ^bekundet Zeuge, im Auf­trage des Generalkommissars habe er sich am Morgen des 9. November nach Rosenheim be­geben, um die Leute des Chiemsees auszu- klären. Der Auftrag ging dahin, die Leute des BundsBayern und Reich" in Rosenheim zu sammeln. Er habe deutlich gesagt, daß Kahr es ablehne, einen Puffch mitzumachen, und daß er den Puffch niederschlagen wolle. Der Bund habe sich bereit erklärt, nötigenfalls sich der Polizei als Hilfsdienst zur Verfügung zu stellen.

Der Vorsitzende bezeichnet diese Darstellung als nicht übereinstimmend mit den Aussagen des Angeklagten Pöhner. Pöhner erklärt hierzu, bei der ersten Besprechung seien sie sich Aber das Versagen Kahrs vollkommen klar ge- wesen. Als Pittinger ihn an seine monar­chistische Einstellung erinnert habe, habe er er­widert, daß Kahr durch seine Entschlußunfähig- teit noch zum Totengräber der Monarchie werde. Zeuge Pittinger bezeichnet es als un­richtig als habe er gesagt, der BundBayern und Reich" würde eine ultimative Forderung an Kahr stellen oder sein Verhältnis zu ihm lockern. Von einem Zuge nach Berlin fei niemals die Rede gewesen. Zu Major Vogts habe er bei einer Besprechung ge- ^St» wenn sich eine nationalistische Regierung

in Berlin bilden sollte, so würde ihr Bayern die Mitwirkung nicht versagen. Weiter erklärte Pittinger, etwa Mitte Oktober habe Kahr zu ihm geäußert, ein wirtschaftlicher Separatis­mus, der jeden Tag ein politischer werden könne, mache er als deuffcher Mann nicht mit, lieber wolle er auf seine Popularität verzichten. Zeuge hatte von vornherein die Befürchtung, daß das, was Kahr in der Absicht getan habe, um Unüberlegtheiten zu vermeiden, geradezu den GruNd zu Unüberlegtheiten bilden werde. Auf eine Frage der Verteidigung erklärt der Zeuge, die Ausdrücke normaler oder anormaler Weg habe er von Kahr niemals gehört. Ptt- tinger verlas dann einen Brief des DedugaVer­lages, der die weiß-blaue Broschüre 'herausge­geben hat und feffftellt, daß weder Kahr, oder Lossow noch Seißner die Broschüre verfaßt habe, noch daß der Verfirsser in einem Dienst- oder Abhängigkeitsverhältnis zu einem der drei genannten Herren steht. Er Zeyge habe die Broschüre nich tverfaßt und auch niemand aus dem BundeBayern und Reich". Den Ver­fasser habe er diskreterweffe kennen gelernt. Rechtsanwalt Dr. Holl -besteht darauf, daß der Zeuge den Namen des Verfassers nenne und verlangt einen GerichtSbesckLuß, ob ein Zeuge verpflichtet ist, eine Frage zu beantworten oder nicht. Der Gerichtsbeschluß wird einstweilen zu­rückgestellt.

Für den Zeugen (Pittmger) war es von vornherein klar, daß die drei Herren im Bür- gevbräukeller unter einem gewissen Zwang ge­handelt haben müßten. Aiff eine Anfrage der Verteidigung erklärt der Zeuge, er habe die Ueberzeugung gehabt, daß, wenn Pöhner im Generalstaatskommisfariat mitgearbeitet hatte, er dem bayerischen Staate einen großen Dienst erwiesen hatte. Hierauf entspann sich eine Kon­troverse, wobei Pöhner mit Bestimmtheit er­klärt, daß er niemals eine negative Einstellung zum Staat gehabt habe, sondern daß er zum Staat so positiv wie jeder gute Deuffche ein­gestellt sei. Aus die Frage der Verteidigung, in welchem Verhältnis Oberst Schmitt zum Bund Bayern und Reich" und zu Pittinger stehe, erklärte dieser, Oberst Schmitt sei sein Mit­arbeiter. Er wisse nichts von der Mitteilung, )ie die Nummer 800 trage. Aus den Mittei- ungen Schmits über die Sitzung vom 24. Ok­tober habe er iBcht den Eindruck gewonnen, als ob es sich um eine Puffch handeln solle. Der Zeuge erklärt es für unrichtig, daß in der OrganisationBayern und Reich" täglich von )em Marsch nach Berlin gesprochen wurde. Wenn es in Mitteldeutschland zu Vorgängen gekommen wäre, ähnlich denen der Münchener Räteperiode, so wären unsere Leute sehr gerne bereit gewesen, mitzutun; abervon Mün­chen aus die Diktatur einzuleiten lnd sie nach Berlin vorzutragen, eiimmerabgelehntworden.

Justizrat Lütgebrune macht hier eine Reche von Feststellungen, so u. a., daß Luden­dorff stets die Auffassung vertreten habe, daß man in Deutschland augenblicklich dringlichere Aufgaben habe, als sich um die Staatsform und die Staatsverfasiung zu kümmern. Luden­dorff habe sich bis in den November 1923 hin­ein auf den Standpunkt gestellt, daß eine Aen­derung der Regierungsform in Berlin nicht durch einen Putsch, sondern durch eine von der legalen Macht unterstützte Volksbewegung er­folgen müsse. Auf Veranlassung Lossows und Kahr habe Ludendorff noch am 7. und 8. No­vember einen Sonderboten nach Berlin gesandt in der Frage der Gewinnung geeignter Persön­lichkeiten für das Direktorium'. Der Bote über­brachte die Aufforderung mit dem Ausdrück­lichen Zusatz, daß es auf Bitten Kahrs geschehe. Als Zeuge soll hierfür her zurzeit in München weilende Reichstagsabgeordnete v. Graefe ge­laden werden.

R.-A. Roder bittet, eine Reihe von Zeu­gen dafür zu laden, daß tatsächlich ein Marsch nach Berlin geplant gewesen sei, u. a. den Reichspräsidenten Ebert, den früheren Reichskanzler Dr. Stresemann, Reichs- wshvminister Dr. Geßler und den Chef der Heeresleitung darüber zu befragen, ob sie von dem auf Berlin ouszuübenden politischen Druck benachrichtigt, worden wären. Der Vorsitzende bezeichnet diese Zeugenladung als ihm unver­ständlich.

In der Frage nach dem Urheber der weiß­blauen Broschüre zog sich das Gericht zur Be­schlußfassung zurück. Das Gericht beschließt, die gestellte Frage als für die Entscheidung des Gerichts unerheblich aibzulehnen.

Dr. Pittinger stellt noch fest, er habe Ludendorff ersucht, seinen Wohnsitz nach Nord­deutschland zu verlegen, um in die etwas zer­fahrene vaterländische Bewegung im Norden wieder Ordnung zu bringen. Ludendorff habe dieses Ersuchen abgelehnt mit der Begründung, daß er in Norddeutschland bei seinen ehe­maligen Kameraden nicht viel Gefolgschaft habe. Sein Besuch in Ungarn sei auf Veran­lassung von Oberst Bauer, der sich dierechte Land Ludendorffs" nennen durfte, erfolgt. Die­ser Besuch sollte zum Ziel haben, eine Verbin­dung mit den nationalen Organisationen in Ungarn herzustellen, die ebenfalls gegen den Bolschewismus sümpften. Irgend ein Vertrag sei nicht abgeschlossen worden.

In der Nachmittagssitzung wird Oberlandes- gerichtsrat P a r st aus Nürnberg darüber ver­nommen, ob ihm bekannt sei, daß Ehrhardt im Auftrag des Eeneralftaatskommisfars nach Nürnberg gekommen und dort in feinem Auf­trag Gelder zum Marsch nach Berlin gesammelt habe. Der Zeuge erklärte, er habe Ehrhardt nie gesehen und nie gesprochen.

Der Zeuge Kapitänleutnant Kautter weist darauf hin, daß seit der Berufung Kahrs

an die Spitze der bayerischen Regierung die Beziehungen zwischen Berlin und München ihren rechtlichen Charakter verloren und einen politischen angenommen hätten. Sowohl Gene- ral von Seeckt als der Reichskanzler hätten Füh­ler nach den nationalen Verbänden ausgestreckt und mit ihnen zu verhandeln gesucht. Unzählige Abordnungen von Wirtschaftsverbänden seien bei Kahr vorstellig geworden und hätten die Er­wartung ausgesprochen, daß er sich an die Spitze der nationalen Bewegung von ganz Deutschland stellen würde. Herr von Kahr hat, fährt der Zeuge fort, bei den Unterredungen, die wir mit ihm hatten, keinen Zweifel gelassen, daß er ein Verbrechen einzelner Verbände nicht dulden würde. Zu den Vorgängen in den Tagen des 8. und 9. November erklärt der Zeuge, daß er, um sich zu orientieren, das Generalstaats­kommissariat angerufen habe. Es sei ihm von Baron Freyberg bestätigt worden, daß es sich um einen Staatsstreich handele. Nach den Ein­drücken, die ich von Norddeuffchland und von der nationalen Bewegung hatte, war mir klar, daß eine Einzelerhebung Hitler-Ludendorffs nie­mals Erfolg haben würde. Er habe sodann vom Generalstaatskommissariat aus die Mobil­machung Chiemgauverbandes und der Ver­bände in Koburg und Nürnberg veranlaßt, um Herrn von Kahr zu stärken, daß er ein gewich­tiges Wort in der Enffcheidung miffprechen konnte. Ich wollte ihm das am nächsten Tage mitteilen. Einzig und allein der Name Kahr konnte der Erhebung einen Antrieb geben, um allgemein in Deutschland zuwirken. Während meiner Anwesenheit im Generalstaatskommissa­riat erschien von Kahr, der einen sehr erregten Eindruck auf mich machte und nur kurz sagte, daß ihm die Vorgänge im Vüvgerbräu keinen anderen Weg gelassen hätten. Er habe den Ein­druck gehabt, daß Kahr der Sache passiv, wenn nicht gar ablehnend gegenübergestanden habe. Ich schlug hierbei Kahr vor eine Proklamation zu erlassen, etwa des Inhalts: Puffch niederge­schlagen. Ich habe als Statthalter der Monarchie die ganze Macht des Staates in meiner Hand. Bayern hält nach wie vor am Reich fest. Kahr überlegte hin und her. Der Wortlaut der Pro­klamation war schließlich Gegenstand einer längeren Unterhaltung. Baron von Freyberg versicherte mir, er wolle mir von dem Inhalt der Proklamation Kenntnis geben. Ich begab mich schließlich wieder nach meinem Büro, be­kam aber keine Mitteilung von Freyberg und fuhr dann nachts nach der Jnfanteriekaserne. Dort fragte ich Freyberg wieder wegen der Proklamtion und wartete. Nach einiger Zeit erschien Major a. D. Siry, und durch die Be­handlung, wie sie diesem Herrn draußen zuteil wurde, bekam ich nun ein ariberes Bild von der Lage. Ich bat dann von Kahr um eine Unterredung. Ich sagte zu ihm, er solle doch ver- suchen, eine Brücke zu Hitler-Ludendorff zu schlagen, um einen Kampf zu verhindern. Dieser- halb sprach ich auch später zu Seißer und Lossow und bat diese Herren, in genanntem Sinne auf Kahr einzuwirken. Dies wurde mir auch zuge­sagt. Seißer sagte mir dann: Seien sie über­zeugt, daß wir das Positive aus der Sache herausholen. In der Jnfanteriekaserne habe Zeuge die Herren nochmals gebeten, es nicht zu einem Waffenaustrag kommen zu lassen. Auch Kapitän Ehrhardt habe sich in diesem Sinne bemüht. Das Anerbieten sei aber abgelehnt worden.

Hierauf wird Freibankmeister Graf, der Begleiter Hitlers, vernommen, zunächst unbe­eidigt. Zeuge bestreitet, bei den Vorgängen im Bürgerbräu eine Maschinenpistole gesehen zu haben. Lossow und Seißer sagten bei den Be­sprechungen, sie müßten sich erst die Sache über­legen, und Zeuge hat den persönlichen Eindruck daß beide Herren einverstanden waren. Luden­dorff scheine irgend etwas nicht rech' -ewesen zu sein. Auf Zureden Hitlers habe dann ^ahr seine ablehnende Haltung geändert und gesagt: Sie haben mich nun überzeugt. Ich bin bereit, den Posten als Statthalter zu übernehmen. Darauf gab es ein Treuegelöbnis, das Zeuge sich nicht rührender vorstellen kann. Ludendorff unb Lossow hätten sich fest die Hände gedrückt.

Als nächster Zeuge folgt Hauptmann d. R. I s h ö f e r, der nur über Gespräche Auskunft geben kann, die er am Abend des 9. November und an den folgenden Tagen mit Ludendorff hatte. Dieser habe ihm erklärt, daß nachdem die drei Herren umgefallen seien, für ihn das Unternehmen erledigt gewesen sei. Er sei ledig­lich dafür gewesen, das Unternehmen auf eine würdige Weise zu beenden dadurch, daß man einen friedlichen Zug in die Stadt unternahm. Nach Auffassung des Gerichtshofes erscheint nunmehr ein weiterer Zeugenbeweis zur Klä­rung des Sachverhalts nicht mehr nötig. Auch die Angelegenheit Lossow wird für erledigt er­achtet. Die Verteidigung erklärt sich im allge­meinen mit dem Gerichtsbeschluß einverstanden. Der Erste Staatsanwalt besteht jedoch noch auf der Vernehmung des Hauptmanns Hunglinger. Das Gericht mirb über diesen Anttag noch Be­schluß fassen. Nächste Sitzung Dienstag. An die­sem Tage will man bestimmt die Beweisaus- nahme schließen.

Aus aller Well.

Die Gräfin als Dienstmädchen. Als die eng­lische Gräfin d'Armil kürzlich gelangweilt die Inserate der Zeitung überflog, blieb ihr Blick auf einer Anzeige haften, in der eine Frau ein Hausmädck^n suchte. Der Wunsch, etwas Ab- wechslung in das Einerlei ihres Gesellschafts­

lebens zu bringen, gab der gelangweilten Grä­fin den Gedanken ein, sich auf das Inserat zu melden. Sie setzte sich auch sofort an chren ele­ganten Schreibtisch, um unter der angegebenen Chiffre ihr Gesuch zu schreiben, das sie mit dem Decknamen Ellen Philipps unterzeichnete. Wenige Tage darauf erhielt sie zu ihrer Freude die Mitteilung, daß sie zur engeren Wahl ge­stellt sei und sich persönlich vorstellen möge. Als ehemalige Operettenfoubrette fiel es der Gräfin nicht schwer, sich in ein anziehendes Kammer­kätzchen zu verwandeln. Kostümlich ausge- stattet, als wenn sie zu einem Gesmdeballe ginge, begab sie sich dann zu der Wohnung der Dame. Sie gefiel auch und wurde als Haus­mädchen für einen WocheNlohn von einem Pfund Sterling und mit der Verpflichtung^ einer sechszehnstündigen Arbeitszeit täglich engagiert. Nach vierzehn Tagen war ihre Neugierde be­friedigt; sie gab die Stellung auf und verwan- bette sich wieder in die Gräfin d'Armil. Sie ist aber nicht wenig stolz darauf, daß sie die Rolle des Dienstmädchens zur vollen Zufriedenheit ihrer Herrschaft durchgeführt hat. Von dem Lohne von zwei Pfund Sterling blieb ihr frei­lich nicht viel übrig. Das Geld ging in der Haupffache für den Transport ihres Korbes nach und von der Dienffftelle, für Frisieren und Maniküren drauf. Sie behielt nur den Betrag von einem Schilling und sechs Pence übrig, den sie freudig als Lohn ihrer Tätigkeit mit nach Hause brachte. Mit der Entlohnung unb der Behandlung, die ihr als Dienstmädchen zuteil wurde, ist die Gräfin durchaus zufrieden; nur die sechszehnstündige Arbeitszeit scheint ihr für eine Vertreterin des schwachen Geschlechts als gar zu fang.

Durch zu reichlichen Genuß von frischem Suchen ums Leben gekommen ist in Fallers­leben bei Weihwasser (O.-L.) eine 23jährige Frau. Nachdem sie ganz frischen Kuchen ge­gessen, verhärtete sich ihr Darm, so daß sie ope­riert werden mußte. Unter furchtbaren Quäler ist sie gestorben.

Eine Verzweiflungstat. Die grausige Tat einer verzweifelten Mutter wurde in Neukölln bekannt. Hier wohnte die Kaufmannsfrau Lucis Zygalfki mit ihren 'beiden Kindern, die sechs und vier Jahre alt sind. Die Frau lebte in ehe­lichem Zerwürfnis und in Scheidung mit ihrem Manne und hat durch Wohlfahrtsfp'endsn Hren Kindern und sich das Leben erhalten. Gestern nachmittag wurde, da sich in der Wohnung nie­mand meldete, gewaltsam geöffnet. Man fand die Mutter und ihre beiden Kinder im Blute schwimmend vor. Die Mutter hat aus Furcht vor Strafe, weil sie fürchtete, wegen eines Ver­brechens angezeigt zu werden, chren 'beiden Kin­dern mit einem Messer die Kehlen im Schlafe durchschnitten und sich dann selbst mit dem Mester sc^e^Vâtzungen^am ^Hals^ beige - hatte sie ein von ihr kürzlich geborenes Kind- getötet und im Ofen verbrannt. Dies ist den Hausbewohnern bekannt geworden. Man hatte ihr gedwht, es bei der lsDlizoi zur Anzeige zu bringen.

Nngehruce Schneemenge« im Stiefengebirge.

Die in dieser Woche niedergegangenen Schneemcnaen betrugen im Gebirge etwa 30 Bi» 50 Zentimeter. Die Telephonstangen und die Wegweiser sind fast vollständig eingeschneit. Bei der Kirche Wang liegen durchschnitt­lich drei Meter Schnee, so ba6 von den Denkmälern überhaubt nichts zu sehen ist. Die Häuser in den höher gelegenen Ottschaften, wie Karlsthal usw., sind von riesiaen Schneewänden umschlossen. Auf dem Großen Teich ist mit der Eisgewinnung begonnen worden. Das Ei» hat Bit Stärke einer Meters und ist klar wie Glas. Eine große Filmgesellschaft Hai auf der Schlingelbaude ihren Einzug gehallen, um iw Hochgebirgswinter Aufnahmen zu machen.

Die schöne Helena ein Mann. Wie au» New Jork gemeldet wird, hat eine Affäre die die dortige Sicherheitsbehörde durch Woche» in Atem hielt, eme sensationelle Aufklärung gefunden. Er handelt sich um den weiblichen Banditendie schöne Helena von New Jork", die al» Königin der amerikanischen Banditen bezeichnet wird. Die schöne Frau mit ihrem charakteristischen blonden Lockenkopf, erschien wieder­holt überraschend in ihrem Auto vor New Forker Geschäften. Dort zwang sie mit vorgehaltenem Re­volver die Anwesenden, die Hände hochzuhalten, wo­rauf ihr Helfershelfer die Kassen und die anwesenden Personen ausraubte. Zuletzt waren 150 Detektivs von der Polizei in Brooklyn aufgeboten, um der weib­lichen Banditen habhaft zu werden. Er gelang bei einem Ueberfall, die beiden festzunehmen. Zur allge­meinen Ueberraschung entpuppte sich die Frau alr ein Student der Hochschule von Brooklyn namens Elarence Wilson, und sein Komplrc» al» ein zweiter Hochschüler.

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