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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- «nd Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237.

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Berugsvreis für die Zeit vom 11. bis 20. März 75 Eoldpfennig ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10. Freitags u. Samstags 12 Eoldpfennig. Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Eoldpfennig. für die R e k l a m e r e i l e (68 mm)

50 EoldpfennigOftertengebüh r 30 Eoldpfennig. Geschäftsstelle Hamm erstraße 9.

Hr. 65

Montag Sen 17. Mörz

Erfüllungsort und Gerichtsstand für Seide Teile Sana« a. Main. Für BladvorlSrift und Erscheinungstase der Anzeigen wird keine Gewähr geleistet. 3m Falle höherer Gewalt Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugsvretkess

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1924

Das Neueste.

Im Parchimer Mordprozeß erhielten die Angeklagten wegen Totschlags Strafen von 5 bis 12 Jahren Zuchthaus.

Im Hitlervrozeß wurde der Zeuge General v. Lossow wegen Fernbleibens zu 50 Mk. verurteilt.

Die schwedische Regierung hat beschlossen, Sowjetrutzland de jure anzuerkennen.

Eenenral Pelle, der ehemalige französische Oberkommissar in Konstantinopel ist gestern in Toulon gestorben.

Wvchenvorschau.

In Deutschland marschieren die Parteien zum Wahlkamps aus. Mit unter den ersten ver- össentlicht die Zen^trumspartei ihren Wahl- aufrus. Sie kv'mmt immer noch am leichtesten und raschesten über die inneren Schmierigkei­ten hinweg, an denen auch sie wie alle anderen Parteien leidet. Im Wahlkampf schließen sich ihre Reihen, mögen bis dahin auch noch so schwere innere Kämpfe hinter der Außenseite vor sich gegangen sein. Mir die Sozialdemo­kratie wird es entscheidend sein, ob sie die, Ein­heit der Partei durch Abstoßung linksradikaler Memente wiederhersteM. Auch bei der Deut­schen Volkspartei ist eine besondere Gruppen­bildung nach außen sichtbar geworden. Sie be­deutet keinen Riß, da die Organisation der Par­tei so gut wie völlig im Takt ist. Trotzdem aber wird auch hier, sobald wie möglich Klarheit ge­schaffen werden müssen, wenn die Partei ein­heitlich in den Wahlkampf eintreten will.

Mit einer knappen Mehrheit ist der franzö­sische Ministerpräsident im Senate Sieger ge­blieben. Die Abstimmungsverhältnisse zeigen eine gewisse Aehnkichkeit mit der Art und Weise, wie im KablNètt Dr. luuirg aas -ErncUllz^izziMtz«- . gesetz bewilligt wurde. Im Reichstag stimmten die Sozialdemokraten dafür, die Regierung und Gesetzentwurf stark bekämpften, im Senat haben, wie es scheint, Vertvetr der politischen Linken und âgestandene Gegner Poincares nicht gewagt, bis zum letzten Mann die Konse­quenz zu ziehen. Die Senatsmchrhsit ist zwar nicht imposant, aber sie genügt, der Stellung Poincares erneut eine feste Grundlage zu geben. Wir müssen dieser Tatsache ins Auge sehen, denn die Befestigung, die Poincares Stellung erfahren hat, wird sich am schärfsten und mar- kantesten in der französischen Politik gegen Deutschland ausprägen.

Für unsere auswärtige Politik ist dieser Aus- gang der französischen Parlamentskrisis ein un­günstiges Moment. Der französische Mimster- präfib'mt hat in seinen letzten Reden im Senat und in der Kammer wieder recht merklich auf- getrnmpst, nachdem sich horausgesteM hat, daß die Gegnerschaft Macdonalds doch ziemlich pla­tonischer Natur ist. Er behauptet, es gäbe keine Macht, die Frankreich zum Verlassen des Ruhr- gebietes zu bewegen wünsche. Wir werden sehen, ob England diesen neuen Vorstoß ruhig hinnimmt, für uns muß maßgebend bleiben, daß der französische Ministerpräsident trotz vor- Äergchenden Zeitgewinnes die Entwicklung im Großen nicht aushalten kann. Zwar wird man Mch dem Bericht der Sachverständigen-Kom- Mission die Pariser Atmosphäre recht erheblich anmerken. Aber daran kann auch die uwmsttel- bare Nachbarschast Poincarès nichts ändern, daß die Heilung der französischen Währung und die Ordnung der französischen Finanzen nicht durch künstliche Stützungsaktionen und durch Anziehen der Steuerschraube durchgestihrt wer­den kann, sondern daß die Wiederherstellung der deutsches Wirtschaft im Ruhr- und Rheingebiet

Au?ückgabe der Bahnen an Deutschland und die Wiedereinsetzung der deutschen Verwaltung das einzige Mittel ist, um mit der Lösung der s-ntschäd i gungssrnge auch dem Zerfall der M- Mnzwirtschast in Frankreich und in ganz Mit- meuropa ein Ende zu machen. An diesem Kernpunkt der Lösung werden und müssen die «achverständigen festhalten. Und diesen Kern gut eg durchzusetzen. Daß auch hier ein Erfolg sur Deutschland nicht ohne Kampf zu erzielen wissen wir schon heute ganz genau.

Coolidge für Anleihen an Europa.

Rewyork, 15. März. Aus Washington wird » meldet, Senator Shipstead habe einen Antrag Angebracht, in dem das Staatsdepartement auf-

A ert wird, die Morgan-Anleihe für Frank­em zu untersuchen. Wie ferner verlautet, be- b'rwortete Präsident Coolidge privatim eine meihe für Frankreich, weil er der Ansicht wäre, M "er amerikanische Außenhandel daraus Vor- M)lchen könnte. Weiter wird davon gesprochen W M dem Bericht des Dawes-Kmnitees der

Vorschlag gemacht werde, Deutschland eine An­leihe von 300 Millionen Dollar zu gewähren. Senator Harris hat dem Senat einen Vorschlag unterbreitet, die Amtstätigkeit des Präsidenten von vier auf sechs Jahre zu verlängern. Ferner schlägt er vor, daß der Präsident nur immer für eine Amtsperiode gewählt werden kann.

Eine halbamtliche Darstellung.

London, 15. März. Reuter meldet aus Washington: Obgleich die Bankiers die Zustim­mung des Präsidenten Coolidge für die Gewäh­rung von Krediten an Frankreich nicht eingeholt haben, ist Präsident Coolidge doch der Ansicht, daß Anleihen dieser Art, die ausländischen Re­gierungen gewährt werden, ermöglicht werden sollten. Er ist der Ansicht, daß der Wiederaufbau Europas unterstützt werden müsse, weil es der Vorteil der ganzen Welt sei, und hauptsächlich, weil Europa Amerika Millionen von Dollar schulde, die es nur dann leicht zurückzahlen könne, wenn seine Wirtschaft wieder auflebe. Man glaubt zu wissen, daß das Staalsdeparte- ment die Anleihe an Frankreich unterstützen wird, weil diese Anleihe mit der Politik und der Haltung des verstorbenen Präsidenten Harding die auch die des Präsidenten Coolidge sei, im Einklang stehe.

Rewyork, 15. März. Morgan, die franzö­sische Regierung und Me Bank von Frankreich verweigern jede Auskunft über den genauen Betrag oder die Bedingungen der Anleihe für Frankreich. Man glaubt allgemein, Frankreich habe gewisse Reparationsversprechungen abge­geben, auf die die Anleche basiert wäre.

Washington, 15. März. Im Weißen Haus sagt man, daß die privaten amerikanischen Bansten in Friedenszeiten das Recht haben, den ausländischen.Regierungen Anleihen . ac- währen Wenn aber Viess Anleihen sehr hoch seien, bestehe der Brauch, die amerikanische Re­gierung vorher über die Zweckmäßigkeit der fraglichen Anleihe zu befragen. Obwohl man nichts Positives darüber aussagt, nimmt man doch an, daß d ie Bank Morgan das Staats­departement um die Erlaubnis ersucht hat. Frankreich eine Anleihe von 100 Millionen Dollar zu gewähren, und daß das Staatsdepar­tement seine Zustimmung gegeben habe.

Der Stand des Franken eine Folge der Haltung Frankreichs.

London, 16. März. DieSunday Times" schreiben: In Paris muffe man jetzt klar erkannt haben, daß der Stand des Franken nicht auf die Wirkung äußerer Umtriebe zurückzuführen sei, sondern auf die Haltung Frankreichs selbst. Das'Ruhraben­teuer, die Anleihen an kleine Staaten wie überhaupt die politische Haltung Frankreichs habe zu dem jetzigen Stand geführt. Eine Abänderung der französischen Politik sei eine finanzielle Notwendigkeit geworden.

Die französischen Wahlen.

Paris, 16. März. Dem Echo de Paris zu­folge wird angenommen, daß dis französischen Wahlen am 18. Mai abgehalten werden sollen. Andere Blätter nennen nach wie vor den 11. Mai. Das Blatt erinnert dann an die deutschen Wahlen, die am 4. Mai stattfinden sollen und erwartet, daß sie das Vordringen der Nationa­listen und der Parteigänger der Revanchepolitik bringen werden und daß sie der französischen öffentlichen Meinnng endgültige Klarheit darüber verschaffen werden, was in Deutschland gegen Frankreich getrieben werde.

Die Schwäche des Völkerbundes.

London, 16. März. Churchill erklärte Blättermeldungen zufolge in einer Wahlrede, wenn man die Gefahr von Kriegen beseitigen wolle, so müßte vollständiger Aufschluß über die Rüstungen durch eine internationale Körperschaft erfolgen. Die Schwäche des Völkerbundes liege darin, daß er sich nur aus den siegreichen Rationen zusammensetzte. Churchill sagte, er trete für den Einschluß aller Rationen, darunter auch Deutschlands und Rußlands ein. Vor allem müßten Anstrengungen unternommen werden, um den Beitritt Amerikas zu erreichen. Es dürfte sich für den Völkerbund lohnen, ge­wiße Aenderungen in seiner Verfassung vorzu­nehmen, um den Vereinigten Staaten zu er­möglichen, ihren Platz im Völkerbund einzu­nehmen. Der Völkerbund werde jedoch nie ein leitender Faktor in der Welt sein, solange nicht einige der großen Rationen in einem wirklichen Versuch, die Streitigkeiten der Vergangenheit beizulegen, zusammengebracht worden seien. Churchill wies auf die alte Fehde zwischen Deutschland und Frankreich hin und erklärt, es sei Großbritanniens Aufgabe zu versuchen, sie beizulegen.

Berlin, in den Kreisen des alldeutschen Verbandes (Bewegung). Weiter sagt der Zeuge aus, daß er selbst in Berlin anregte, es sei höchste Zeit, etwas zu unternehmen, man müsse aber vorher etwas schaffen. Darauf sei ihm geantwortet worden: Das ist schon geschehen." Weiter wiße er nichts über diese neue Verfassung. Auf die Frage der Verteidigung, ob die ihm unterstellten Verbände die Sache als legal betrachtet hätten, falls Kahr mitgemacht hätte, antwortet der Zeuge, das könne er weder mit Ja noch mit Nein Beantworten, weil die Entscheidung darüber in den Verbänden selbst hätte fallen müssen. Rechtsanwalt Roder erwähnt dann seinen Besuch bei Httler in Landsberg, wo dieser ihm erklärt habe, jetzt werde die Ehrenwort- bluchgeschichtè aufgeklärt werden. Bauer hätte Hitler erzählt, daß Kahr selbst nicht mehr behaupte, daß dieses Ehrenwort gebrochen sei. Zeuge Bauer bekundet, er habe mit Hitler gesprochen, ob es zweck­mäßig wäre, daß vor Gericht die Ehrenhafttgkeü aller der Herren in der Angelegenheit anerkannt würde. Er könne sich erinnern, daß er feststellte, daß Hitler ihm sagte:Seißer hat erst sein Ehren­wort unter Bedingungen gegeben." Hierauf stellt Justtzrat Schramm die Frage, ob die vater­ländischen Verbände, insbesondere der Kampfbund das geflügelte Wort vomMarsch nach Berlin" wörtlich so verstehen mußten, und ob der Zeuge zugebe, baf speziell der Kampfbund dieser Annahme sein durfte bestätigt Bauer, daß es dann leider durchaus so auf gefaßt wurde. Man wollte aber erst nach Berlir kommen, wenn man uns von dort aus gerufen bätte Justizrat Schramm fragt, man hätte also den äußerer Umstand einer Hungersrevolte benutzen wollen, uw sich an die Stelle der Regierung zu fetzen? Bauer er­klärt darauf: Es wäre dann unsere Schuldigkeit ge­wesen, auf unsere Weise unsere Aufgabe zu erfüllen. Auf eine weitere Frage gibt der Zeuge an, Kahr habe für die Zukunst die Aeußerung von dem Marsch nach Berlin nicht verboten wissen wollen. Er habe nur gesagt, daß diese Aeußerung nicht glücklich getroffen sei.

Hierauf zieht sich das Gericht zur Beschlußtassung über den Antrag der Staatsanwaltschaft zurück, ob die Vernehmung des Zeugen Jost und bk Weiter- verneamuug ocs frugen o. Schierach unter Ausstich der Oeffentlichkeit erfolgen soll.

Das Gettcht schließt sich bem Anträge an. Darauf wird der Saal geräumt.

Nach Wiederherstellung der Oeffentllchkeit folgt die Vernehmung -eS Generals Dauner, des Münchener Stadtkommandanten. Ueber die Vor» gänge in der Stadtkommandant»! in der Nacht zum 9. November sagt der Zeuge, daß er damals zur Ver­hinderung eines Namensmißbrauchs angeordnet habe,- daß nur Befehle Geltung hätten, die von ihm per- sönlich gegeben würden. General v. Lossow sei bei seinem Eintreffen außerordentlich zornig gewesen tute er (Zeuge) habe keinen anderen Eindruck haben können, als daß Lossow niemals ernstlich mitgemacht habe.

Justizrat Schramm: Bestellt nicht die Möglich­keit, daß Lossow erst, nachdem er gesehen hatte, welche Maßnahmen schon getroffen waren, in seinem Entschluß, mitzumachen, schwankend geworden ist? Danner hat diesen Eindruck nicht gehabt.

Hitler fragt, ob die Generäle und Offiziere Lossow gefolgt batten wenn er bei der neuen Re­gierung stehen geblieben wäre.

Danner: Wir haben eS uns gar nicht anders vorgestellt, nachdem wir noch am Tage vorher unsere Instruktionen erhalten hatten.

Hit ter: Würden die Herren, wenn Losow ge­sagt hätte, um das Aeußerste zu verhüten, mache er mit, ihm Gefolgschaft geleistet naben, oder hätten die Herren gesagt, sie täten nicht mit? Danner glaubt, daß die Herren bei ihrer ursprünglichen Entscheidung stehen geblieben wären. (Bewegung).

Auf eine Frage der Verteidigung, ob Lossow bei der Offiziersbesprechung am nächsten Tage auch mit­geteilt habe, daß Kabr in dieser Besprechung auch von einemanormalen Weg" gesprochen hätte, meint Zeuge Danner, das Wort sei gefallen.

Die Vetteidigung kommt dann eingehend auf die Frage deS Waffengebranches am ' 9. November

vormittags bei der Residenz zu sprechen.

General Danner erklätt, er habe der ausbrück» liche Wille bestanden, unter allen Umständen Blut­vergießen zu verhüten. Der Zeuge stellt fest, daß von der anderen Seite gefeuert worden fei. Auf eine weitere Frage der Verteidigung erklärt Danner, daß besondere Weisungen an die Abteilungen der Landes­polizei bei der Resiixnz von Seiten der Kommandantur nicht ergangen seien; diese habe nach den allgemeinen Vorschriften gehandelt.

Schließlich wird noch der Stadttat R.-X. Nuß» baum über die Vorgänge im Ratbaus und insbe­sondere über die Geiselvcrhastungcn vernommen. Er habe von dm in das Rathaus eindringenden National­sozialisten einen Gewehrkolbenschlag erhalten. Die Geiseln seien beschimpft, bespuckt, geschlagen und bann zum Bürgerbräukeller gebracht worden. Vor ihren Ohren sei dann erklärt worden: Wenn die Reichswchr auf uns schießt, werden die Gefangenen niedergeschossen. Unter fortwährenden Bedrohungen seien dann die Ge­fangenen auf ein Lastauto geladen und zum Perlacher Forst gefahren worden. In Höhenkirchen seien sie dann in Freiheit gesetzt worden.

Der Vorsitzende verliest dann einen BrftfLossows, der zu den Aussagen Hitlers Stellung nimmt und auf eine Besprechung am 30. April 1923 verweist, zu der auch Hitler und Kriebel erschienen waren. Loffow stellt darin fest, daß nur ein bösartiger Mensch in seinem Verhalten am 30. April Wortdruch oder Ebrenwottbruâ erblicken könne.

Die -emokraiische Kandidatenliste für Kesfen-Nassau.

Die Demokratische Partei für Hcssm-Nassan be­stimmte gestern in einer in Gießen abgehaltenen Tagung die demokratische Reichstags-Kandidatenliste für Hessen-Nassau:

Professor Walter Schücking, Oberbürgermeister Dr. Blaum (Hanau), Gastwirt Emil Goll, M. d. L. (Frankfurt), Frau Dora Rade (Marburg), Direktor Friedrich (Kassel).

Die Reihenfolge der weiteren Namen auf der Kandidatenliste soll noch vom Wahlkreisvorstand fest­gestellt werden.

Die Aufstellung des Oberbürgermeisters Dr. Blaum erfolgte nach derFrankfurter Zeitung" unter be­sonderer Berufung auf seine kommunalpolitische Tätig­keit in den bekanntlich sehr schwierigen Hanauer Ver­hältnissen und früher unter Dr. Schwanders Leitung in seiner Heimatstadt Straßburg.

Lossows Zeugenfleeik im KMerprozetz.

München, 15. März. Bei Beginn des heutigen 16. Verhandlungstages verliest der Vorsitzende eine Richtigstellung des Kardinals Faulhaber in bet unter anderem zu den Darlegungen des Generals Luden­dorff festgestellt wird, der Kardinal habe niemals etwas von dem Plane gekannt, wonach er einen Zusammenschluß Bayerns mit Oesterreich und die Trennung vom Reiche betrieben haben soll. Auch die Behauptung sei unrichtig, der Kardinal habe während seiner Reise nach Amerika die Versenkung derLusitania" als völkerrechtswidrig bezeichnet. Weiter habe der Kardinal in Amerika niemals über die Schuld am Kriege gesprochen. Schließlich wird zu der Behauptung Ludendorffs, der Kardinal sei während des Fuchs-Machaus-Prozeffes in Amerika gewesen, erklärt, wenn hieraus die Auffassung er­weckt werden soll, der Kardinal hätte Grund ge­habt diesem Prozesse auszuweichen, so wäre das eine weitere unwahre Behauptung.

er behalte sich vor, dazu Stellung zu nehmen.

Hierauf teilt der Vorsitzende noch ein Schreiben des Generals von Lossow mit, worin dieser die Vorladung des Gerichts ablehnt und deshalb nicht erschienen ist.

Das Gericht schreitet dann zu der Vernehmung des Zeugen Universitätsprofeffor Geheimrat D ö b e r l. Der Zeuge, der vereidigt wird, gibt seine Eindrücke aus dem Vürgerbräuteller wieder. Er habe bei diesen Vorgängen keinen Moment an dem Ernste v. Kahrs gezweifelt, den er aus ver- ichiedenen Gründen einer Verstellung nicht für fähig hatte) dagegen hatte er bei Loffow den Eindruck, daß es diesem nicht ernst war.

Der nächste Zeuge, Kaufmann H. Hellmuth bekundet zu der sogenannten Händedruckszene, Kahr habe die ihm von Hitler hingehaltene Han­ergriffen und heftig geschüttelt.

Hauptmann H. B e r g e n von der Landespolizei gibt an, er sei Verbindungsoffizier von der Polizei­direktion zu General Danner gewesen. Loffow sei bei seinem Eintreffen über die Behandlung im Bürgerbräukeller augerordentlich erregt gewesen. Für ihn habe der Eindruck bestanden, daß Lossow nicht ernstlich mitmache.

Hierauf wird der Kaufmann v. S ch i e r a ch vernommen, der darüber Auskunft geben soll, daß Profeffor Bauer im Einverständnis mit Kahr an allen möglichen Abenden öffentlich zum Marsch nach Berlin aufgefordert haben soll. Zeuge erinnert sich einer Besprechung, anläßlich einer Zusammenkunft der Vorstände der vaterländischen Verbände in München, bei der Professor Bauer geäußert haben soll, das richtigste sei nunmehr gegen Berlin ener» gifcher vorzugehen, diese Aeußerung sei jedoch nur im Sinne eines gewissen Druckes zu verstehen ge­wesen. In seinen weiteren Darlegungen ist jedoch der Zeuge der Auffassung, daß es sich um einen tatsächlichen Marsch nach Berlin gehandelt habe. Da hier ein Widerspruch in der Aussage des Zeugen liegt, wird die weitere Vernehmung des Zeugen in geschloffener Sitzung beschloffen.

Weiter wird dann der Profeffor W. Bauer, der Vorsitzende der Vereinigung vaterländischer Verbände, aufgerufen. Bezüglich der Aeußerung Nicht los von Berlin" sondernAuf nach Berlin" führt der Zeuge aus, er habe in Berlin in einem Kreise gesprochen, bei welcher Gelegenheit Abge­sandte aus allen Teilen des Reiches zugegen ge­wesen seien. Gegenüber gewißen separatistischen Bewegungen habe er betont,nicht los von Berlin", sondernAuf nach Berlin". 3n einer Rede im Zirkus Krone in München habe er zum Ausdruck gebracht, daß man der Berliner Regierung nicht den Gefallen eines Kapp-Putsches tun dürfe. Die Frage, ob K a b r tatsächlich von einem Marsch nach Berlin gesprochen habe, verneint der Zeuge. Gegen diese Aussage wendet sich der Angeklagte Pöhner, der dem widerspricht, was er selbst im General- kommissariat gehört habe. Rechtsanwalt Roder fragt Bauer, ob er einem Herrn gegenüber auf dessen Frage, warum hätte denn Kahr den Marsch nach Verliü unternehmen können und nicht Hitler? geantwortet habe,

das darf man nicht sagen, sonst kommt Kahr vor den Staatsgerichtshof.

Zeuge Bauer bestreitet diese Worte nicht, er kann sich aber nicht mehr genau der Worte erinnern. Auf eine Frage des Vorsitzenden, wo die neue Ver- faßung ausgearbeitet worden fei. erklärt Bauer, in