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SamuerS Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Con», und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237.

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Mittwoch den 8. März

1924

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Das Neueste.

In der belgischen Ministerkrise ist eine Acnde- mng der Lage insofern eingetreten, als die Sozialisten die Mitwirkung bei ver Kabinettsbildung fordern.

Im englischen Oberhaus wurde ei« Antrag angenommen, in dem gefordert wird, daß Groß­britannien eine Luftstreitmacht zum heimatlichen Schutz unterhalten soll.

Rach Nachrichten aus Mexiko haben die Re­gierungstruppen in ganz Mexiko die Oberhand. Ein revolutionärer Führer hat erklärt, daß der Ausstand gescheitert sei und auch in den Petroleumgebieten sein Ende gefunden hat.

Deuffch-kürkische Freundschaft.

Die Verhandlungen, die seit ein paar Tagen in Angora zwischen dem deutschen Gesandten in Bukarest und der nationaltürkischen Regierung geführt worden sind, haben, wie schon gestern kurz gemeldet, rasch zum Abschluß eines Freund­schaftsvertrages geführt. Dieser Vertrag bildet die Grundlage für die Wiederanknüpfung regel­rechter diplomatischer Beziehungen, die hoffent­lich den Auftakt zur Abschließung des alten freundschaftlichen Bündnisses führen, das früher zwischen der Türkei und Deuffchland bestanden hat. Freilich wird es sehr Schutz- und Trutzbünd­nis fern, da Deutschland noch wehrlos ist. Um so mehr aber können die kulturellen und wirt­schaftlichen Beziehungen gepflegt werden, die durch die vertragslosen Jahre nach dem Kriege nur unterbrochen, aber nicht zerrissen worden sind.

Seitdem die Türkei den Frieden von Lau­sanne mit den Gwhmächten abgeschlossen hat, war die Wiederaufnahme der deutsch-türkischen Beziehungen nur eine Frage der Zeit. Der Ver­trag von Lausanne berührt nämlich eine Reche von, Punkten, die für Deutschland wie mMhuiiiid) von giere '

Gewisse Klauseln des Vertrages schließen die Anerkennung der neuen türkischen Grenzen auch für Deuffchland ein. Ferner haben die Vertrags- bestrmmungen, die sich auf die türkischen Staats­schulden, die Anerkennung von Bündnisverträ­gen, die Aufrechterhaltung früherer Konzessions- rechte und die Handhabung des Fremdenrechtes in der Türkei betreffen, auch für Deutschland Geltung. Freilich zieht der Lausanner Vertrag der Vewegungsfrecheit der Türkei auch gewisse Grenzen. Denn es ist darin bestimmt, daß sie keine Verträge abschließen darf, die mit den Bestimmungen der Lausanner Vereinbarung in Widerspruch stehen.

Trotz der Schranken, die hier wie dort be­stehen, werden Deuffchland und die Türkei sicher bald wieder in enge Fühlung und Berührung kommen. Denn trotz aller Wechselfälle der letzten Jahre ist in dem inneren Verhältnis zwischen uns und der Türkei keine wesentliche Aenderung emgetreten. Aeußerlich betrachtet ist der Wechsel, onn Rechnung getragen werden muß, allerdings nicht unbeträchtlich. Die Nationaltürken haben früheren Kapitulationen abgeschafst und be­achten das als eine Haupterrungenschaft ihres mÄheitskampfes. Für unsere Beziehungen zur Ekei bedeutet dieser Umschwung keine Er- -ichWerung, Denn Deuffchland hatte auch früher schon an der Aufrechterhaltung der Kapitula- nonen, die das türkische Hoheitsrecht in der âchtspflege und in der Verwaltung einschränk- P kein Interesse. Uns ist eine Türkei, die sich r Souveränität wieder errungen hat, der

Vertragspartner. Deshalb werden wir uuch vollkommen damit einvefftanden fein, daß junge Türkei auf allen Gebieten des öffent- 'chon und wirffchaftlichen Lebens die nationale i.^Ekage wahrscheinlich ganz anders betonen Fohren wird als das frühere Sultanat. In Wirtschaftsleben der Nationaltürken wer- Levantiner, Griechen, Armenier und ähn- türkische Spielarten wohl keine große Rolle Umspielen. Bekanntlich hat in der alten Türkei Volkshaß gegen diese ausländischen Bestand- große Rolle gespielt und manchesmal £fjn<os die berechtigten Grenzen der Abwehr - schritten. Die junge Türkei wird von vorn- ein größeres nationales Selbstbewußt- pflegen und jenen ausländischen Volksteilen ^ frühere Bewegungsfreiheit auf türkischem nicht mehr gestatten. Da Griechen und x^uier durch ihre Vorherrschaft im türkischen der türkischen Bevölkerung zweifellos zur Last gefallen sind, so kann die neue «höbe nur von Vorteil sein.

< allen Aeußerungen, die von den führen- , n Männern in Angora und in Konstantinopel ogeworden sind, muß man erwarten, daß k 9h der Staatsverwaltung, ähnliche natio- uurkijchsGrundlaaen durebaeführt werden. Es

besteht die Absicht, im öffentlichen Dienst und in der Verwaltung nur Türken zu verwenden. In dem anatolischen Effenbahnvertrag ist aus­drücklich die Bestimmung ausgenommen worden, wonach alle Eisenbahnangestellte Türken sein müssen. Diese neue Wendung der Dinge in der Türkei braucht für die Wiederaufnahme unserer Beziehungen zu den Nachfolgern des Sultanates nicht im geringsten hinderlich zu sein. Im Gegenteil. Die Nationaltürken missen ganz ge­nau und zumeist noch aus den Jahren unserer Kriegsbrüderschaft daß sie sich auf ehrliche deuffche Mtarbeit verlassen können. Die junge Türkei, die sich milttärffch so glänzend bewährt hat, wird in wirffchaftlicher Beziehung und viel­leicht auch in der Verkchrsverwaltung HKfe und Mitarbeit brauchen. Es gibt noch aus früheren Jahren in Deutschland eine große Zahl von Sachverständigen, die ganz genau mit den Ver­hältnissen der Türkei Bescheid wissen. Es gibt Techniker und Ingenieure, die auf türkischem Boden schon früher zum Nutzen der Türkei ge­arbeitet haben und es gibt deutsche Industrie­zweige, die bei einer Betäffgung in der jungen Türkei in gleicher Wese ihr Interesse und das des türkschen Staates wahren werden. Die Na- Honaltürfen, die ihr Land nach langen und har­ten Kriegsjahren wieder in die Höhe bringen wollen, haben vor allen Dingen ein Interesse an dem Ausbau des Verkehrs und an der Schaf­fung moderner Verkehrsmittel Bei dem Feh­len eines ausgebauten Eisenbahnnetzes wird die Türkei Motorwagen und wird sie auch Flug­zeuge nicht entbehren können. Sie sucht den wirtschaftlichen Aufstieg ihres Landes und sie weiß, daß sie ihn in engem Zusammenwirken mit herrischer Arbeit am leichtesten erreichen kann. Das ist die sicherste Grundlage für den deuffch-türksschen Freundschaftsvertrag.

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«Bsumilie Sterling io6.5O gegen

Paris, 4. März. Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel ist der Kalif heute nach der Schweiz abgereist.

Paris, 4. März. Aus Konstantinopel wird ge­meldet, daß die Verbannung aus der Türkei den Ka­lifen und seine Familie, sowie 32 Prinzen und 35 Prinzessinen betrifft. Die Nationalversammlung will dem Kalifen eine Summe von 100000 türkischen Pfunden und den Prinzen zusammen 200 000 türkische Pfund zubilligen. Er ist ihnen aber untersagt, ihre Depots bei den Banken abzuheben. Jedoch würde ihnen die Regierung die Nutznießung aus den persön­lich mitgenommenen Sachen und Edelsteinen zugestehen und ihnen innerhalb eines Jahres den Erlös ans den Immobilien nach Bezahlung der Steuern zuführen.

Luffflottendebatte im Oberhaus.

London, 4. März. Im Oberhaus brachte Lord L o n d o n d e r r y, der ehemalige Unser= staatssekretär für Luft sah rtw e sen, einen Antrag ein, in dem zum Ausdruck gebracht w'rd, daß Großbritannien eine L ü s t st r e i t m e ch t zum H eimat s ch u tz unterhalten muß, die genügend stark ist, um Luftangriffen der stärksten Luststreitmacht innerhalb des Be­reichs seiner Küste Widerstand leisten zu kön­nen. Als der Krieg zu Ende gegangen sei, habe England die stärkste Luftstreitmächt der Welt besessen. Seit dem Kriege habe sie all­mählich abgenommen, und heute könne Lon­don von der Luft aus in kürzester Zeit ver­nichtet werden. Lord Londonderry fuhr fort, seine Worte enthielten in keiner Weise etwas Feindseliges gegen eine anldere Macht. Er' er­klärte, die Franzosen könnten wahrscheinlich zehn Flugzeuge für jede Maschine ausbringen, die England zu seiner Verteidigung in die Luft senden könnte. Der Herzog von Suther­land erklärte, der Lüftfahrtminister Thomp-

on halbe in einem kürzlich veröffentlichten Är- ikel Ausfälle gegenüber Frankreich gemacht, ausgesprochen feindselig und militaristisch sein schienen. Thompson erklärte, die tschliehung, die dem Hause vorliege, fordere auf, einen Grundsatz zu bekräftigen, der tat­sächlich auf Geltendmachung eines Einmüchte- standards hinauslaufen würde. Es werde nichts anderes vorgeschlagen als ein Rü­st ung sw ett I a uf mit Frankreich. Man ibetone die Schwäche Großbritanniens

die aus!

in der Luft, als ob die Arberterregierung da­für verantwortlich sei. Wenn er den Eindruck hätte, daß irgendeine neue Notwendigkeit für die Durchführung der Grundsätze, die in dem Skntrag verkörpert seien, bestehe, so würde er bereit sein, mehr zu tun, um die Luftstreitmächt auszudehnen. Der Plan für den HeimatsüMtz, der von der Koalitionsregierling im Jahre 1922 begonnen wurde und von der letzten konser- " H"' worden sei,

vativen Regierung aus!

wer-

merbe in der bisherigen

den. Die Vorlage betreffend die Sicherung der

Luftstreitmacht werde Armen kurzem dem Par- lamewt vor gelegt werben. Tompson fügte hinzu, wenn irgendeine Konlserez in der Art der Washingtoner Ubrüstungstonferenz zugun­sten einer allgemeinen Herabsetzung der Rü­stungen einberufen werben sollte, werde die Regierung sich diese Gelegercheff gern zunutze machen. Der Antrag Londonderry wurde in­dessen hierauf trotzdem angenommen.

Ein SoziaNsten-Kabinell in Belgien?

Paris, 4. März. Nach einer Havasmeldung aus Brüssel hat der König heute vormittag 9*^ Uhr den belgischen Sachverständigen in Paris und Abgeordneten von Tournai, Baron Goutant empfangen. Dieser hat es abgelehnt, die Neubildung des Kabinett» zu über­nehmen.

Der Brüsseler Korrespondent deSTemps" ver­zeichnet einen unerwarteten neuen Faktor. Es handele sich um eine völlige Schwenkung der Sozialdemokraten. Drese haben heute vormittag den Generalrat ihrer Partei einberufen. Die Verhandlungen waren geheim. Aber eS ist eine Tagesordnung veröffentlicht worden, in der der Generalrat erklärt, der König würde seine verfassungsmäßigen Kompetenzen überschreiten, wenn er nicht zunächst den Versuch mache, die Regierung mit derjenigen Mehrheit zu bilden, die bei der Ab­stimmung vom 27. Februar zustandegekommen ist. Die Tagesordnung erklärt eine Wiederauf­auffrischung der alten Koalition nnd der alten Regierung nach dem Mißerfolg deS Gesetzent­wurfes über den Achtstundentag und der Ablehnung des 'französisch - belgischen Wirtschaftsabkommens für unzulässig. Die von den Sozialisten ausgestellten Be­dingungen für eine evtl. Beteiligung an der Koalitions­regierung bis zu den Wahlen!sind nach dem Korre­spondenten: Einstellung 'der militärischen Besetzungs­politik, Kampf gegen die Tenerung, freundschaftliche Regelung der Reparationsfrage.

Wettere AbwSrrsbewegung des Franken.

Einer Blâtterm «ldung zufolge, notierte

Montag, -«r Doklar 24.80 gegen 24.01. Die neue Abwärtsbewegung des Franken wird auf den letzten sehr ungünstigen Wochen- ausweis der Bank von Frankreich zurück- geführt, der eine beträchtliche Vermehrung des Notenumlaufs -aufweist.

Die 3. SleuernolverorSnuug.

Der Fünfte Zivilsenat der Reichsgerichts hat in einem Urteil vom 1. März 1924 die auf die Hypo­thekenaufwertung bezüglichen Vorschriften des Artikels 1 der 8. St«ue rn otv erordnun g grundsätzlich als rechtsgültig anerkannt.

Zu den Differenzen in der sozial- demokratischen Partei.

Der sozialdemokratische Parteivorstand hat sich gestern mit den Differenzen befaßt, die wegen der Auf­stellung der sozialdemokratischen ReichStagskandidaten in den Wahlkreisen Berlin und Teltow-Beeskow ent­standen sind. Wenn in den beteiligten Parteiorgani­sationen eine Einigung über, die Kandidatur nicht zu erzielen ist, s» wird der Partcivorstand laut demVor­wärts" eine über allem RichtungSstreit stehende Liste aufstellen.

Pisjolenfor-sruug zwischen Parla- menkariern.

Berlin, 4. März. Die drei deutschvölkischen ReichstagSabseordneten v. Graefe, Wulle und Henning haben dem volkrparteilichen Abgeordneten Dr. Cremer ihre Kartellträocr gesandt und ihn auf Pistolen bis zur Kawpsuniahigkeit gefordert, weil Cremer Graefe während der letzten Reichstagsdebatte das WortHoch­verräter" zugerufen hatte.

Zu dieser Duellfordernng erfährt bieVoss. Ztg." aus volksparteilichen Kreisen, daß Dr. Cremer seine im Reichstag gemachte Bemerkung, die Deutschvölkischen seien Hochverräter, außerhalb deS Reichstags ut der Oeffentlichkcit wiederholen werde, um damit den drei Abgeordneten die Möglichkeit zu geben, sich durch eine Beleidigungsklage vor Gericht von der Beschuldigung des Hochverrat, zu reinigen. DemLokal-Anzeiger" zufolge tat Dr. Cremer dem Kartellträger erklärt, er lehne die Annahme der Forderung ab. Der Ehren- kodex käme für ihn nicht in Frage, da er weder einem militärischen noch einem studentischen Verband angrhöre.

Deutscher Kredit in Amerika.

New York, 4. März. (Funkspruch). DerNew- York Herald" meldet aus Washington: Senator Dml brachte einen Gesetzentwurf ein, durch den da, Schatz- amt ermächtigt wir», aus den v»m Treuhänder für leindliches Vermögen verwalteten Geldern 150 Millionen Dollaff zur Begründung eine, Kredits für Deutschland und Oesterreich zum Ankauf amerikanischer Waren zu verwenden. Dial ist der Meinung, daß sein Vorschlag auf den Baumwoll- markt des Südens, sowie den Kupfermarkt und die Landwirtschaft im Nordwesten des Landes anregend wirken ioetbe.

Die ersten Zeugen im Killer-Prozetz.

München, 4. März. Der Verteidiger Roder beantragte schließlich, daß der Bericht von Lossow vor dem Gericht zur Verlesung kommt, um zu zeigen, wie die Zeugen geradezu im Sinne einer Fälschung der Wahrheit beeinflußt würden. Rechtsanwalt Holl erklärte, er möchte nicht den Eindruck erweckt wissen, daß dieser Protest zu dem Zweck geführt wurde, um die Herren von Kahr, Lossow und Seißer des Hoch­verrats zu beschuldigen. Staatsanwalt S t e n g. lein gab die Erklärung ab, daß die Staats­anwaltschaft mit dem Bericht Lossows in keinem Zusammenhang stehe. Rechtsanwalt Dr. G a d e- mann schloß sich dem Antrag auf sofortige Verlesung der Denkschrift an. Das Gericht beschloß schließlich, die Der- lesung der Denkschrift des Generals v. Lossow einem späteren, vom Vorsitzenden zu bestimmen­den Zeitpunkt vorzubehalten. Justizrat Z e z s ch- w i tz gab die Anregung, daß während der Ver­nehmung der Zeugen aus der Jnfanterieschule der Vertreter des Reichswehrministeriums und des Wehrkreiskommandos VII nicht im Saale bleiben sollen, andere Verteidiger schlossen sich diesem Verlangen an. Das Gericht beschloß hierauf demgemäß. Die Anwesenheit wurde nur den Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden gestattet. In geheimer Sitzung wurden darauf von 11 Zeugen aus der Jnfanterieschule zwei vernommen. Aus die Vernehmung der übrigen neun Zeugen wurde verzichtet.

Zu Beginn der Nachmittagssitzung gab Justizrat Dr. Schramm eine Erklärung ab, in der er auf die Angaben des Hauptmanns Röhm zu sprechen kam, wonach der Leutnant Casella auf dem Sterbebett gesagt habe, daß er von dem Oberleutnant Braun erschossen wor-

anks am

auf Oberleutnant Braun zu sprechen gef en, den er gegen die Angriffe des Hauptmanns Röhm verteidigte. Berchem habe dabei Röhm, bis dieser seine Behauptungen zurücknehme, als einen niederträchtigen Verleumder bezeichnet. Er, Schramm, erwarte, daß Oberstleutnant Ber­chem seine Sachdafftellung schleunigst denrew tiere.

Der Vorsitzende teilte den Wortlaut einer Erklärung des Kommandeurs des Reichswehr- Infanterieregiments Nr. 19 mit, in der in Be­zug auf den Tod Casellas dargelegt wird, daß von Oberleutnant Braun überhaupt kein Schuß abgegeben wurde. Ebensowenig wurde von Braun der Versuch gemacht, Offizieren die Por­tepees und Achselstücke herunterzureißen. Hierauf wird in die weitere Zeugenvernehmung eingetreten.

Als erster Zeuge wurde Oberregierungsrat Tenner, der Stellvertreter' des Münchener Polizeipräsidenten, aufgerufen, der u. a. erklärt, daß Frick durchaus rechts eingestellt war und mit den führenden Persönlichkeiten der deutsch­völkischen Bewegung Beziehungen unterhalten habe. Er habe niemals den Eindruck gehabt, daß sich Frick einer Bewegung anschließen würde, die aus einen gewaltsamen Sturz der Verfassung hinarbeite. Er habe auch keine Anhaltspunkte dafür, daß Frick Kenntnis davon hatte, daß für den 8. November ein Putsch beabsichtigt war. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Frick ver­pflichtet gewesen wäre, ihn zu oerftänbigen, er­widerte der Zeuge, nachdem der Polizeipräsident selbst nicht anwesend war, wäre er als dessen Stellvertreter unbedingt zu benachrichtigen ge­wesen. Er sehe in der Tatsache, daß Frick ihn nicht verständigt habe, durchaus keinen Beweis dafür, daß er ihn nicht habe oerftänbigen wollen.

Der nächste Zeuge Regierungsrat ßern- r e u t h e r von der Pelizeidirektion bemerkt, er sei im Bürgerbräukeller unmittelbar nach der Verhaftung der Minister festgenommen worden. Wenn ein Polizeibeamter eine derartige Mel­dung bekomme, dann sei es seines Erachtens feine Pflicht, alles in Bereitschaft zu setzen. Er hätte in diesem Falle die grüne Polizei alarmiert aber zunächst nicht eingesetzt. Ob Frick von den Vorgängen Kenntnis hatte, könne er nicht ohne weiteres sagen. Auf die Frage des Justizrats Kohl, ob die Staatsanwaltschaft bei der Polizei­direktion den Ausenthalt Ehrhardts hätte er­fahren können, antwortet der Zeuge verneinend. Er wisse, daß Schreiben aus der Zeit von Mitte Dezember existierten, die auf umsturzähnliche Dinge abzielten. Aus die Frage Hitlers, warum das Generalstaatskommissariat gegründet wurde erwidert Bernreuther, daß es wegen einer Be­fürchtung gebildet wurde, daß bereits im Sep- Umber von rechts ein Umsturz erfolgen solle.