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anauerW Anzeiger

General-Anzeiger / AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Sanau a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sons- und Feiertage.' / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1287.

^Bernssvreis für die Zeit vom 1. bis 10. März 75 Coldpfennig ohne Trägerlohn. Einzel­nummer 10. Freitags u. Samstags 12 Coldpfennig.Anzeigenpreise: für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Coldpfennig. für die R e k l a m ez e i l e (68 mm)

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Nr. 54

Dienstag Sen 4. Mörz

1924

Das Nenesie.

Dèr Reichskanzler wird heute seine Be­sprechungen mit den Parteiführern über die par­lamentarische Lage, insbesondere über die Frage der Reichstagsauslösung, fortsetzen und zwar zu­nächst mit den Vertretern der Mittelparteien.

Das Komitee Mac Kenna wird seine offi- ziellen Sitzungen am 10. März wieder aufneh­men. Man hofft, daß die endgültigen Berichte der Reparativnskonmrission Ende der nächsten Woche überreicht werden können.

Die Nationalversammlung von Angora hat den Gesetzentwurf betreffend die Absetzung des Kalffen angenommen.

Rußland ist dabei eine Finanzreform durchzuführen.

Der letzte Kalif.

Konstantinopel, 3. März. Die tüc­ksche Nationalversammlung nahm gestern so gut wie einstimmig den Gesetzentwurf betref­fend die Absetzung des Kalifen und die Abschaffung des Kalifats an. Die Konser­vativen machten nur eine schwache Opposition und schlugen vor, das Kalifat entweder dem Präsidenten oder der Nationalversammlung zu übertragen. Dieser Vorschlag wurde ver- worfen. Nach einem Telegramm aus Angora über die Haltung der fortschrittlichen Partei behauptet die Partei, daß das Kalifat eine Ge­fahr für die Rqmblik bedeutet und daher ab­geschafft werden müsse. Jede Bezugnahme auf den Kalifen und jede Vermischung von Religion und Politik wäre als Hochverrat an- zusehen.

. Nach diesem Telegramm hat die türkische Na- tionalversammlung in Angora am Sonntag den fâs beschlossen? Da die ReichsÄr Kalifen, d H. der Stellvertreter und Nachfolger des Propheten nüt dem Tode Mohammeds beginnt, (im Jahre 634) so erlischt mit dem Beschlusse von Angora eine Institution im ehrwürdigen Alter von fast 1300 Jahren. Aus den gewaltigen Herrschern, die auf Mohammed folgten, und die zeitweise in Europa Schrecken verbreiteten, waren aller­dings allmählich Schattenbicher geworden, in denen nur nod) der ehemalige Name fortlebte. Im Grunde genommen war nur noch die geist­liche Würde mit dem Amte des Kalifen ver­knüpft. Der Kalif aus dem Stamme Osmans war als der unmittelbare Nachfolger Moham­meds das gefftliche Oberhaupt aller gläubigen Türken. Das Schwert war seiner Hand längst entsunken und auch die Persönlichkeit des Kali­fen galt fast nichts mehr. Die Nationaltürken, die mit vollem Bewußtsein einen modernen, nicht mohammedanischen, sondern nationaltürki­schen Staat gründen wollen, haben mit anderen Ueberlieferungen auch diese preisgegeben. Sie haben es verschmäht, das Schattenbild des Ka- liefen neu zu beleben. Nachdem der Sultan als Herzog der Türken gefallen war, mußte auch der Mantel des Kalifen nach. Nationale oder Stammesbanden verknüpfen ihn nicht mit der erneuerten Türkei und an religiösen Bedenken haben Kemal Pascha und seine Anhänger sich ^icht gestoßen.

Der Sturz des Kalffen kommt keineswegs unerwartet. Am 1. November 1922 war eigent­lich schon die Entscheidung über sein Schicksal gefallen. Damals hatte die Nationalversamm­lung von Angora am 1. November den damali­gen Kalffen und Sultan Wahid, den vierten Sohn des Sultans Abdul als den Herrscher der " sm anen und geistliches Oberhaupt der Türken ^gesetzt. Der Sultan hielt es für geraten, sich mn 17. November an Bord eines englischen Kriegsschiffes von Konstantinopel zurückzu- gichen. Das Sultanat galt als erledigt, aber noch einmal wurde der Versuch gemacht, das Kalifat 3 erneuern. Am 19. November wurde Prinz ubdul, der älteste Sohn des früheren Sultans

der bisher als Thronfolger übergangen Anden war, zum Kalffen erwählt und mit dem Mantel des Propheten in der Moschee des Sul-, lens Mohammed bekleidet. Die Insignien der weltlichen Herrschaft nahm er nicht an. Er wurde nicht mit dem Schwerte Mohammeds umgürtet und nahm auch nicht den Titel Sultan

Im übrigen ließ man ihm noch den Schatten früherer Herrlichkeit. Er wurde mit Majestät an» geredet und nahm seine Wohnung im kaifer- bchen Palast, wo die frühere kaiserliche Leib­wache ihm zu Diensten stand.

Das Schattendasein des neuen Kalifen hat wcht lange gewährt. Prinz Adbul wußte, daß eine Absetzung bevorstand. Am 29. Februar kHerteKAm letztes Kelamltk. Wie Berichte aus

Konstantinopel betonen, war sein bleiches Ge­sicht von tiefem Ernst erfüllt. Aber er verlor den Gläubigen gegenüber, die ihn grüßten, nicht einen Zoll von seiner geistlichen Würde. Man weiß zunächst noch nicht ganz bestimmt, ob er sich in sein Schicksal fügen wird. Die National­versammlung von Angora wird vermutlich das ganze Haus Osman des Landes verweisen und die meisten fürstlichen Familienmitglieder be- reiten sich auf die Abreise vor, soweit sie nicht schon Konstantinopel den Rücken gekehrt haben. Wenn nicht alles trügt, wird auch der letzte Kalif sich ihnen anschließen, um wahrscheinlich in Aegypten ein geistliches Scheindasein aufrecht zu erhalten. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß der Versuch gemacht wird, in anderen moham­medanischen Ländern ein neues Kalifat zu grün­den, vielleicht mit englischer Unterstützung, da ja England ein Interesse daran hat, durch den Ka­lifen die mohammedanische Welt zu beherrschen, die einen so großen Teil seines Weltreiches aus­macht. Im Hedschas (im Lande von Mekka und Medina) sind kürzlich schon Regungen dieser Art bemerkbar geworden, die dann allerdings von England als vorzeitig unterdrückt wurden. Mög­lich, daß man jetzt die Geister los läßt. Möglich auch, daß Prinz Abdul als Kalif Verwahrung gegen den Beschluß von Angora einlegt und Wi­derstand leistet. Alles das wird jedenfalls nichts daran ändern, daß das geschichtliche Kalifat zu Ende ist. Denn fern von Konstantinopel wird ein Kalif immer so ohnmächtig sein, wie es die Päpste jederzeit gewesen sind, wenn sie nicht in Rom residieren konnten.

Die Nationaltürken haben eine Einrichtung begraben, nachdem sie inhalts- und bedeutungs­los geworden war. Man kann auf ihre Hand­lung nur zur Hälfte das Wort anwenden: Laßt die Toten ihre Toten^begraben. Denn die natio-

H hat alle ihres Vol­

kes und ihres Staates wieder zu Ehren zu bringen. Für Deutschland wird es immer dringender notwendig, mit diesem Staate die guten Beziehungen wieder anzuknüpfen, die uns mit der früheren Türkei und namentlich mit den Vertretern der Reformtürken, d. h. den Vor­läufern Kemal Paschas verbunden haben. Er- freulicherweiss erkennt die deutsche Regierung diese Notwendigkeit in vollem Maße an. Unsere Verhandlungen mit der Türkei werden in dieser Woche in Angora beginnen und wir hoffen, daß sie zu einem recht engen Zusammenarbeiten zwischen uns und dem jungen türkischen Staate führen werden.

Die Franzosen die Freunde der Separattsien.

Pirmasens, 3. März. Nach den bekannten blutigen Vorgängen vor dem Bezirksamtsge­bäude sind von den Franzosen etwa 25 Separa­tisten im Polizeigebäude untergebracht worden, die auf Befehl der französischen Bezirksdele­gation von der Stam mit Leibwäsche und Schuhwerk versorgt und verköstigt werden müssen. (!) Bis jetzt find 10 dieser Separatisten unbekannt wohin, abtransportiert worden. Im städtischen Krankenhause, in dem ein deut­scher politischer Gefangener von den Franzosen bewacht wird, müssen die dort untergebrachten verwundeten Separatisten von einem deutschen Schutzmann, in dessen Begleitung sich ein marok­kanischer Soldat befindet (!), geschützt werden. In der Nacht vom 26. zum 27. Februar hat der dem deutschen Schutzmann beigegebene Marok­kaner eine deutsche Krankenschwester überfallen, die sich jedoch losreißen und in das Zimmer des, Schutzmanns flüchten konnte. Der marokkanische Soldat wurde am nächsten Tage von der Be­satzungsbehörde fsstgenommen. Nach wie vor werden also die Separatisten von ihren Freun­den, den Franzosen, inliebevolle Obhut" ge­nommen, wie dieser Vorfall aufs Neue zeigt.

Eine Kavsslüge.

Berlin, 3. März.^ Havas wußte kürzlich mitzuteilen, daß die Sachverständigenausschüsse der Reparaiionskommission bei dem Aufenthalt in Berlin die auffälligeEntdeckung" gemacht hätten, daß Deutschland seit dem Waffenstill­stand 18 009 Lokomotiven und 400 000 Waggons gebaut habe. Das sei ein typisches Beispiel für die deutsche Produktionsfähigkeit undjgleichzeitig für den Mangel an gutem Willen, diese Pro- duktionssähigkeit in den Dieckst der Vertrags­erfüllung zu stellen. ..

Wie wir hierzu erfahren, durften die Sach­verständigen nicht in die Lage gekommen sein, dieseEntdeckung" zu machen, da seit dem Waffeustillstand nur 8506 Lokomotiven und 246 388 Euter- und Gepäckwagen, für die Reichs­bahn beschafft wurden und zwar als Ersatz

für die Kriegsverluste und für die aufgrund des Waffenstillstandsvertrages und Friedens­vertrages erfolgten Abgaben von 8264 Loko­motiven und 280 013 Gepäck- und Güterwagen. Bankerott -er französischen Mililar- pottttk.

Mailand, 8. März. DerSecolo" schildert in eitlem Leitartikel den finanziellen Bankerott der französischen Militärpolitik und weist auf die Not­wendigkeit hin, daß Frankreich das Ruhrgebiet räume. England und Italien könnten unmöglich die französische Ruhrpolitik unterstützen. Das Blatt hofft, daß Deutschland durch eine kluge Mäßigung den Rückzug Frankreichs nicht erschweren werde und bedauert die passive Haltung Englands.

Neuer Frankensturz.

Paris, 4. März. Nachbörslich notierte gestern abend das englische Pfund an der Pariser Börse, das während der Börsenstunden mit 102,80 ge­handelt worden war, mit 104,95. Der Dollar stieg von 24,01 während der Börsenstunden nachbörslich auf 24,43.

Dr. Schach! in Paris.

Paris, 3. März. Reichsbankpräsident Dr. Schacht der heute abend Paris wieder verläßt, verhandelte heute vormittag und nachmittag fünf Stunden mit dem Bankunterausschuß über die zu gründende Goldkredit­bank. Es wurden gewisse noch zu klärende Sinzel­fragen (diskutiert und unter anderem auch der Ueber- gang der Goldkreditbank in die geplante endgültige Bank besprochen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird am kommenden Montag nochmals mit dem Bank- unterausschuß verhandeln.

Von einer Re-e Poinearvs.

Paris, 4. März. Pomcare wird am kommen- ben Freitag in der Kammer nach Beendigung der Rede des Abgeordneten Mandel eine Rede halten, in der er sich nicht nur über die Frage der inneren Politik sondern wie derMatin" meinen Politik, namentlich über die Politik der Ruhrbesetzung aussprechen wird. Das Blatt kündigt eine große Rede an.

Anfragen im Anlerhaus.

London, 3. März. In der heutigen Sitzung des. Unterhauses nahm das neugewählte Unterhausmitglied Arthur Henderson (Minister des Innern) unter lautem Beifall der Arbeiterpartei seinen Sitz im Hause ein. Er wurde von seinen zwei Söhnen, die beide Parlamentsmitglieder sind, cingeführt. Sir Samuel Hoare fragte den Premierminister, ob er dem Hause eine Mitteilung, über die letzten Vorschläge der Regierung an die Alliierten über die Entwaffnung Deutschlands machen könne. Macdonald erwiderte, die britischen Vorschläge würden augenblicklich von der Botschafterkonferenz erörtert, und es wäre daher un­passend, in diesem Stadium über eine im wesentliche« interalliierte Frage eine Erklärung abzugeben, die die Regelung, die alle wünschten, beeinträchtigen müßte. Er würde bei nächster Gelegenheit eine Erklärung abgeben.

Das konservative Parlamentsmitglied Sir Elli Hume Williams fragte den Staatssekretär des Leußern, ob er mitteilen könne, wie hoch die Zahl der französischen Truppen sei, die augenblicklich im Saargebiet standen, welches die augenblickliche Stärke der örtlichen Gendarmerie sei, welche Schritte unternommen würden um diese Körperschaften auszubauen, und ob der britische Vertreter im Völkerbundsrat angewiesen würde, auf die baldige Zurückziehung der französischen Truppen aus diesem Gebiet zu dringen. Macdonald erwiderte, die letzte« Informationen, über die die Regierung verfüge, besagten, daß im Saargebiet augenblicklich 235 französische Offiziere und 5400 Mann ständen. '

Ein Geschäflsminislerium in Belgien.

Paris, 8. März. Havas meldet aus Brüffel: Der König hat heute vormittag den zurückgetretcnen Ministerpräsidenten Theunis empfangen. In poli­tischen Kreisen wird allgemein angenommen, daß der König ausS neue in Themis gedrungen sei, die Neu­bildung der Kabinetts zu übernehmen. Der Brüsseler Korrespondent des »Journal des DebatS" bemerkt, falls Theunis angesichts der auf allen Seiten herr­schenden Unsicherheit nachgebe, würde er eine Art Ge­schäftsministerium mit einer beschränkten Zahl von Portefeuilles bilden. Dieses Kabinett würde eS sich zur Aufgabe machen, das Budget zur Annahme zu bringen, die Finanzen zu sanieren und die Reparations- frage zu regeln.

Paris, 4. März. DerBrüsseler Korrespon- dent desPetit Parisien" meldet, es scheine, daß die gegenwärtige Kabinettskrise sich ebenso lösen werde, wie die vom Juli v. 2s. und daß Theunis auch diesmal fein eigener Nachfolger sein werde. Wahrscheinlich habe er im Laufe der Unter» rebung mit dem König diesem noch einmal er­klärt, daß er den Auftrag der Neubildung des Kabinetts nur dann wieder übernehmen könne, wenn er ausreichende Garantien von der flä­mischen Minderheit erhalte, die dadurch, daß sie sich von der Rechten trennte, seinen Sturz her- beigefiihrt habe. In dieser Beziehung hat Theu­nis gestern mit verschiedenen flämischen Führern verhandelt.

Kitter - Prozeß.

München, 3. März. In ter heutigen Dor­rn ittagssitzung des Hitler-Prozesses wurde zu­nächst von verschiedenen Seiten zu den An­griffen in der Presse Stellung genommen. An­geklagter Hauptmann Röhm erklärt dabei, er habe in vollem Bewußtsein der Tragweite gegen einzelne Offiziere der Reichswehr scharfe Vorwürfe erhoben. Zu einem absprechenden Urteil gegen Unteroffiziere und Mannschaften habe er seine Veranlassung gehabt.

Justizrat K o h l teilt zunächst die Dorfchrif- ten der alten königlich-bayerischen Armee über denWaffenyebrauch mii.Danach sei in ersterLini« von der blanken Waffe Gebrauch zu machen, und erst, wenn sich diese als unzulänglich er­weise, zur Schußwaffe überzugehen. Diese Vor­schrift sei im vorliegenden Falle nicht ange­wandt ^worden. Man müsse ^gewußt haben, daß der Zug keinen Angriff beabsichtigte, uNd es sei lein' Zweifel, daß das Mutvergießen am Odeonplatz auf die Herren Kahr, Loffow und Seißer falle. Er fei der Ansicht, daß die Staats­anwaltschaft die sofortige Verhaftung der Herren veranlassen müsse.

Rechtsanwalt Dr. Gademann étfRftl, es dürfe wohl Niemand daran zweifeln, daß die Angeklagten Wort für Wort die Wahrheit ge- fprochen haben. Er werde, sobald die Kronzeu­gen gesprochen hätten, Material genug, Vor­bringen, das die geheime Propagnda^ die von der Gegenseite getrieben werde, beweise.

Darauf wich in die Vernehmung des An­geklagten Leutnant der Infanterie Robert Wa gner eingetreten.

Der Angeklagte schildert zunächst seine Be­gegnung am 2. November 1918 mit dem Vize- feldwebel Fritz Ebert, dem Neffen des Reichs­präsidenten. Ende September wurde er in die Ju.a.^ct^^ ..u, Sgü^g; tommaudâ. Die Reichswehr habe eine nationale Erhebung von Bayern aus immer erwartet, und darum sehe man im Norden auf die bayerische Reichs­wehr immer mit einem gewissen Neide. Sie schien uns getragen zu sein von der nationalen und monarchistischen Idee.

Von irgend einer Beeinflussung der Schüler der Jnfanterieschule im Sinne der völkischen DeweMNg oder gar im Sinne einer Gehor­samsverweigerung den Vorgesetzten gegenüber féi keine Rede gewesen. Anfangs November war dann die Jnfanterieschule unruhig geworden, weil auf die Tat Lossows nichts erfolgte. Loffow beauftragte dann Leupold uns einen schrift­lichen Befehl vorzulegen, wonach der Tag der Wiedereinführung einer schwarz-weiß-roten Kokarde bevorstünde. Der Angeklagte betont, daß Lossow diesen Befehl hinter dem Rücken des Kommandeurs der Kriegsschule, General Tischowitz, gegeben habe. In der Parade am 4. November, die vordem Armeemuseum ab» gehalten wurde, erblickten wir narrt die letzte Heerschau des General Lossow vor der Tat.

Der Staatsanwalt beantragt nunmehr Aus­schluß der Oeffentlichkeit für die weiteren Aus­führungen, da diese mit der Reichswehr zusam­menhingen. Das Gericht schließt sich dem An­trag an.

Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit wurde in der Vernehmung des Angeklagten Wagner fort gefahren. Auf die Frage des Vor­sitzenden erklärt Wagner die Ueberzeugung ge­wonnen zu haben, daß Kahr und Loffow hinter der Sache ständen. Er wollte auch keine Aende­rung der Verfassung, sondern nur die Ent­fernung mißliebiger Personen. Weiter gibt der Angeklagte zu, den Zug durch die Stadt mit ungeladenem Gewehr mitgemacht zu haben. Es war unbedingt die Ausfassung seiner An­hänger, daß Kahr und Lossow mitmachen wür­den. Auf eine Frage der verschiedenen Vertei­diger erklärt Wagner zusammenfassenh, daß di« Stammoffiziere der Jnfanterieschule bei dem Marsche nach dem Bürgerbräukeller mit gan­zem Herzen bei der Sache waren. Irgend ein Befehl zum Abrücken oder dazubleiben fei von einem Vorgesetzten nicht gegeben worden.

In der Nachmittagssitzung brachte Justizrat Kohl die in der Vormittagssitzung an gekün­digten Beweisanträge zur Verlesung und be­grüßte die Mitteilung des Staatsanwalts, wegen des eingeleiteten Strafverfahrens über die Vorgänge am Odeonsplatz und drückte die Hoffnung aus, daß dasselbe schnellstens zu Ende geführt wird und daß es, wenn nötig, zur Ver­haftung der Herren Kahr, Loffow, Seiher und Godin führen meide. Des weiteren beantragte Justizrat Kohl, die Vernehmung sämtlicher Mit­glieder des Minffterrums Knilling einschließlich des ehemaligen üandwirtfchaftsnrimsters Wurzlhofer, des Geheimrats Dr. Hold und des Forstrats Escherich,