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Geaeral-Aazeiger Amtliches Organ für SLadl- und Landkreis Kanâu a. W.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237.

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Nr. 47 Montag den 25. Februar 1924

Das Neueste.

In Berlin hat gestern vormittag in Anwesen­heit bei Neich»präsidenten, der Reichskanzlers und ver­schiedener Reichsminister eine eindrucksvolle Kund- gebma für den gefährdeten deutschen geistigen Mittel­stand stattgefunden.

DerTempS" kündigt an, daß die französische Negierung als Gegenstück zu dem deutschen Weißbuch ein Gelbbuch über die französisch-englischen Verhand­lungen in der Pfalzfrage veröffentlichen werde.

Der englische Innenminister Henderson hielt in Burnley, wo er seine Kandidatur als Abgeord­neter aufgestellt hat, eine Rede, in der er die Revision der Versailler Vertrage» fordert.

Der albanische Ministerpräsident Zogu wurde in Tirana beim Betreten der konstituierenden Volkr- dertretung von einem Studenten, Bekir Walter, an­geschossen. Er ist an Arm und Bein leicht verletzt.

Eine Kundgebung für den geistigen Mittelstand.

Im Plenarsitzungssaal des Reichstags fand gestern vormittag in Anwesenheit des Reichspräsi­denten, des Reichskanzlers und verschiedener Reichs­minister eine eindrucksvolle Kundgebung für den gefährdeten deutschen geistigen Mittelstand statt. Der von nahezu 2000 Vertretern der notleidenden deutschen Kulturschichtbesuchten Versammlung wohn­ten auch zahlreiche Vertreter des Reichstags, der Landesregierungen, der Behörden, der ausländischen Mächte, sowie der inländischen und ausländischen Presse bei. Die Reden wurden, wie der Leiter der Versammlung, Dr. Groll, hervorhob, radiotelephonisch 2000 Kilometer weit verbreitet.

Als erster Redner wies Reichstagsabgeordneter Everlin als Vertreter des Schutzkartells für die notleidende Kulturschicht Deutschlands darauf hin, was deutsche Geistesgröße, deutsche Wissenschaft, Technik allen Völkern gegeben hat.

Geistesleben, so führte er aus, reroeMyt, die Stätten der Wissenschaft werden avgebaut und die Forschungsinstitute durch Eeldsorgen gehemmt. Der Währungszerfall vernichtete den Lebensertrag vieler deutscher Geistesarbeiter; überall droht der Zerfall der deutschen Kultur. Nach einem Hinweis auf die französische Politik, die immer noch ein ge- waltiges Volk von 60 Millionen zur Verzweiflung treibe, forderte der Redner für die gesamte not­leidende deutsche Kulturschicht Gerechtigkeit von allen, die am Versailler Vertrag beteiligt sind. Des­gleichen richtete er an die Regierung und den Reichstag die Bitte, daß sie der Not der geistigen Mittelstände mehr als bisher Rechnung tragen möchten.

. Der Reichskanzler begann seine Ausführungen mit dem Hinweis auf das unendliche Eiend, worin W das deutsche Volk bereits befand, als er das Kanzleramt übernahm. Unsere Pflicht erklärte er, mutzte es sein, den ungeheuren Sturz der Wirtschaft auszuhalten. Hoffentlich gelingt es nach einer der Miechti^keit entsprechenden . Regelung unseres Verhäitmsses zu den Ententsstaaten aufgrund des Versailler Vertrages auch zu einer ruhigeren Ent­wicklung unserer Finanz- und Wirtschaftslage zu gelangen. Der Staat hat ein Interesse am Wohl- Mehen aller Kreise der Bevölkerung, gerade der rlultuistaat unserer Zeit hat ein besonderes Jnte- Ä om Geistesarbeiter. Wenn alle Kreise die Wahrheit dieses Satzes erkannt hätten, dann wür-I Ungerade weite Kreise der Industrie und des vandels in den letzten Jahren und Monaten unseres ^ends für die Intellektuellen von ganz anderen wevauken beseelt gewesen sein und würden sich zu ganz anderen Taten haben aufraffen müssen, als

tza leider Gottes zu -verzeichnen hatten. Der Echskanzler wies dann den außerordentlichen der Geistesarbeit für die Entwicklung von Vnoustrie und Handel einerseits und für den Aus- oau öes Arbeiterschutzes andererseits nach. Er er-

^ deutsche Arbeit und deutsche Industrie am kommenden schweren internationalen Wettbe- werb nur dann siegreich bestehen können, wenn »tzerordentliche Qualitätsarbeit in jeder Richtung Meist-t wird. Für alle Fortschritte worauf wir rechnen Äsen, schafft er das geistige Leben, die Arbeit der Männer der Wissenschaft und der Techniker und ^emeure die Voraussetzungen. Dementsprechend

^taat, die gesamte Entwicklung unseres ^'"ichastslebens und unserer Finanzen und unser Li3t5 Gemeinschaftsleben ein außerordentliches n^^se daran, daß unser Kulturfortschritt und ^llektuelles Leben gesichert und gefördert Bedeutung unseres Geiste,lebens reicht über die Grenzen unseres Staates hinaus.

nicht zu stolz, wenn ich sage: An dem ^stehen und an der Fortentwicklung des ^eu Geisteslebens der deutschen Wissenschaft, . oeiltscken Literatur und Kunst sowie der deut- A" Technik hat die ganze Welt ein großes

Die Zeiten sind vorüber, rdo ein Staat nur seine eigenen egoistischen Ziele ver- A7 zu können. Der finanzielle Ruin Deutsch- mA hatte einen wirtschaftlichen und finanziellen Hergang auch der Siegerstaaten zur Folge. SA unsere Universitäten, unsere Forschung»- unsere Hochschulen, technischen sowie . htigen höheren Lehranstalten, die im Auslande °f>>?,Außerordentlichen Ruf genossen, jetzt so außer- ^/utlich schwere Not leiden, sollte dann nicht die

>"L Welt , daran teilnedmen müssen, nicht aus

Die Revision -es Versailler Vertrages eine «Misste MweMM.

London, 24. Febr. Der englische Minister des Innern Henderson befaßte sich gestern in einer Wahlrede in Burnley mit der inter­nationalen Lage unter besonderer. Bezugnahme aus die Notwendigkeit einer Revi - siondes Versailler Vertrages. Er sagte, die Tatsache, die am meisten aus der in­ternationalen Lage herausrage, sei die, daß dieFviedensverträgefehlgeschla- gen seien. Was auch immer die Ansichten der alliierten Staatsmänner wären, die ihre Länder in Paris vertreten, es sei ihnen nicht gelungen, »men gerechten und dauernden Frie­den zustande zu bringen. Die Politik, die nach dem Waffenstillstand angenommen wurde, habe Europa Chaos, Ruin, Hungersnot, Krankheit und Tod gebracht. Die Aufgabe, der Macdonald und die Regierung gegenüberständen, sie nicht nur die Frage, wie die Entsittlichung angehal­ten werden könne, sondern wie verhindert wer­den könne, daß der wirtschaftliche Ruin weitere Fortschritte mache. Die Aufgabe der Regie­rung fei es, einen wirklichen Frieden zu schaffen, Handel und Verkehr wieder herzustellen und auf eine so feste Grundlage zu setzen, daß die Zivili­sation niemals wieder von einer ähnlichen Ge­fahr bedroht werde. Daher müßten alle, die den Beginn einer neuen Aera internationalen Zusammenwirkens und Wohlwollens zu sehen wünschen, auf die schnellstmögliche Revision M »MMMMätz AHO ^MWjMMME einer unbedingten Notwendigkeit bestehen, ebenso wie auf einer Lösung des um­strittenen Reparationsproblems. Was sckwohl die territoriale als ' auch die wirt­schaftliche Seite des Versailler Vertrages betreffe, so sei eine Revision seiner Vestimmun- gen nicht nur wesentlich, sondern f^it langem überfällig. Die Urheber des Vertrages hätten, als sie ihn vorbereiteten, die Geschichte völlig verhöhnt. Sie hätten zum mindesten erkennen müssen, daß sie alte Traditionen verletzen und sich über die Wünsche der Bevölkerung hinweg- setzten, nur damit die Beute den Siegern zufalle. Der Versailler Vertrag sei zweifellos dem Grundgedanken der hem Waffenstillstand vor- ausgehenden Vereinbarung, unter der Deutsch­land die Waffen gestreckt habe, entgegengesetzt. Der Versailler Vertrag enthalte territoriale und wirtschaftliche Klauseln, die Tatsachen ableug­neten, die sowohl dem Buchstaben wie dem Geist nach in öffentlichen Erklärungen enthalten seien, die von den alliierten Staatsmännern während des Krieges abgegeben wurden. Der Vertrag habe ferner den Kampf der Völker um Befrei- ung.unb Schaffung einer Herrschaft des Rechtes in einen tatsächlichen Eroberungskrieg umge­wandelt. Die Bestimmungen des Vertrages verfolgten den Zweck, aus den besiegten Län­dern unmögliche Summen als Entschädigung herauszupressen unter der irrtümlichen An­nahme, daß das wirtschaftliche Leben mancher Länder zerstört werden könne, ohne daß dies das Wirtschaftsleben anderer Länder berühre. Hen­derson sagte, er wolle deshalb der Oeffentlich- keit zeigen, auf welchem Standpunkt die Re­gierung stehe. Der Premierminister versuche die notwendige Atmosphäre zu schaffen, und er hoffe, daß Schrtite durch eine Weltkonfe- renz, durch den Völkerbund oder durch beide unternommen würden, um zu sehen, ob

überschwenglichem Humanitätsgefühl, sondern aus dem Gefühl der bitteren Notwendigkeit, weil die ganze Menschheit mit der Wissenschaft verankert ist und leidet, wenn eines ihrer Glieder Not leidet.

Die ganze Welt muß Rücksicht nehmen auf unsere intellektuellen Kräfte, auf die große Zahl unserer Intelligenz, Chemiker und Techniker, auf alles was sich zur Kunst, Wissenschaft und Literatur rechnet. Es würde ein außerordentlicher Fehler und ein Manko für die Entwicklung der Literatur und Kunst der ganzen Welt sein, falls bie deutsche Literatur und Kunst ausgeschaltet würde. Die In­telligenz hat aber auch Anspruch darauf m den weitesten Schichten des eigenen Volkes Verständnis zu finden, namentlich in den Kreisen der Kapital- kräftigen, und bei ihnen materielle Unterstützung zu erhalten, die sich nachher wieder tn wertvoller Weise auch für die Kapitalkräftigen in Wirschaft und Großhandel aurwirken wird. Leider sind die Finanzen des Reiches und der einzelnen Länder derart zerrüttet, daß es bcm Staat unmöglich ist, auch dem intellektuellen Teil der Bevölkerung eine

man nicht zu dem Standpunkt zurückkommen könne, der von dem verstorbenen Präsidenten Wilson im Gegensatz zu der Politik der alliierten Staatsmänner in den Jahren 1915/16 und 1917 eingenommen wurde. Henderson schloß: Ich bin überzeugt, daß unsere alliierten Staats­männer nach dem WaffensMstand und, nach der Beginn ihrer Arbeit in Paris deutliche wirtschaftliche Tatsachen unberücksichtigt gelassen haben, und es scheint mir, daß je eher unsere Regierung die notwendige Atmosphäre schaffen und auf diese Frage der Revision des Vertrages kommen kann, es umso besser für alle in Be­tracht kommenden sein wird.

Eine italienische Stimme.

Turin, 24. Febr.Stampa" warnt vor allzu großem Optimismus hinsichtlich einer Aende­rung der Politik Frankreichs gegenüber Eng­land und Deutschland. Frankreich hat eine Aen­derung bisher nur im Einzelfelde, nicht aber in der Eefamtpolitik eintreten lassen. Bei der Be­handlung des Reparationsproblems müsse Ita­lien und England 1. darauf bestehen, daß Re­parationen nur möglich fiè, wenn die wirt­schaftliche Einheit des deutschen Reiches nicht auseinandergerissen werde und 2. daß, wenn aus Sicherheitsgründen eine Zone Deutschlands entmilitarisiert würde, eine entsprechende Zone in Frankreich die gleiche Behandlung erfahren

Aus dem Plan der SachverstänSigeu.

Paris, 24. Febr. DerNew-Jork Harald" weist darauf bin, daß die Arbeiten des Sachverständigen- ausschusseS DaveS in dieser Wocbe, wo die Sachver- berftänbigen in die Ausstellung ihres Berichtes ein­treten, in ihr kritisches Stadium treten. Bis jetzt herrscht unter den Mitgliedern noch Einstimmigkeit und es bestehen keine Anzeichen, daß von den Franzosen gegen die Aufgabe der wirtschaftlichen Kontrolle des RubrgebieteS Einwendungen erhoben werden. Soweit ersichtlich, werden die Vorschläge wie folgt formuliert wie:

Der Ausschuß sei entschlossen einen umfassenden Plan zur Rehabilitation Deutschland» vorznlcgen, dessen Elemente so ineinander greifen, daß er ent­weder gänzlich angenommen oder abgelehnt werden müsse. Die Sleparationskommisfion soll außerstande sein einzelne Vorschläge anzunehmen und andere abzulehne«.

2. Die Repko müßte nach Vorlage des Sachver' ständigen-BerichtS zwischen 2 Wegen wählen. Ent­weder sie nimmt den Plan an, der auf rein geschäft­licher Grundlage den Gläubigermächten Reparationen verschaffen könne, oder die Repko glaube den alliierten Interessen besser zn dienen, wenn sie den politischen Erwägungen folge und weitere Druckmaßnahmen auf Deutschland ausübe.

3. Deutschland müsse entweder den Plan der Sachverständigen annehmen oder es würde eine neue finanzielle Katastrophe heraufbeschwören, da der Wert der Rentenmark bedinglich von dem Vertrauen abhängt, das durch die Sachver­ständigen gebildet worden fei. Deutschland müsse sich damit abfinden, daß seine Einnahmen in Zu- kunst an die Alliierten abgeführt werden müssen. Von einer Kontrolle wie in Defterrcid) oder Ungarn soll abgesehen werden.

solche Förderung und Unterstützung zuteil werden zu lasten, wie das notwendig wäre und wie wir es gern tun würden, wenn nicht der eiserne Zwang der Not el unl einfach unwöili» machte. Die Re- gierung bat heute in erster Linie dafür zu sorgen, daß unser Wirtschaftsleben gehalten, wird auf der Höhe und dem ruhigen Stand, den wir seit Mitte November glücklicherweise haben. Alle unsere Maßnahmen sind nur von dem Gedanken beseelt: Unser Volk darf und soll nicht mehr in eine Inflation hinein,traten. Wir müssen den Sachverständwen zeigen, daß da» deutsche Volk bi» zum äußersten zu gehen entschlossen ist, um seine «eschäste seihst zu besorgen und feine Finanzen in Ordnung zu bringen, soweit e» möglich ist. Wir müssen diese nächsten Monate mit der Entschlossenheit des ganzen deutschen Volkes durchbalten, wir wollen wieder zu dem Aiusiieg zu einer besseren Entwicklung unserer Volker kommen. Der Kanzler «erachte |um Schluß mit sehr herzlichen Worten der Not der deut­schen studierenden Jugend. In den jungen Männern, worin der stählerne ernste Wille zur Tat lebt, die tx gemeinsamer Tätigkeit mit den Arbeitern schwer ae«

arbeitet haben, wird ein Geschlecht Heimreisen, da» weiß, wie wertvoll es ist, Brüder zu besitzen, wenn auch anderen Standes, Wir wollen ein Reich sein, wir wollen ein Volk sein, wir werden wetteifern in fried­licher Geistes- und Wirtschaft»arbeit, um das Wohl der Ganzen, das Wohl des deutschen Volke» und das der ganzen Welt zu fördern.

Nach dem Reichskanzler ergriffen noch das Wort: Dr. Dovifat, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Bezirksverbands Berlin im Reichsverband der deutschen Presse die furchtbare individuelle Not unter den Angehörigen der journalistischen Berufe schilderte; Dr. Ludwig (Fulda) der für das freie deutsche Schrift­tum betonte, daß keine Weiterentwicklung bet Welt­ideale ohne die Mitwirkung der deutschen Geistesarbeit möglich und denkbar ist; Geheimer Sanitätsrat Dr. Herzau, der die furchtbare Notlage der medizinischen Wissenschaft, der Krankenversorgung und der einzelnen Aerzte beleuchtete; Architekt Dr. Siedler, der auf die Not der deutschen Künstlerwelt hinwies und schließlich, der Hauptgeschäftsführer der Selbsthilfe der deutschen Studentenschaft, Dr. Schairer, dec nach einem Hin­weis auf das Leben der Werkstudenten sen Dank für ( die Hilfe aussprach, die der deutschen Studentenschaft' von inländischen und ausländischen Wohltätern, vom Papst und von den Studentenschaften der skandinavischen- Länder, der Schweiz, Spaniens, Englands und Amerikas zuteil wird.

Die Versammlung nahm schließlich einmütig eine Entschließung an, worin die Vertreter der geistigen Berufe Deutschlands unter Betonung auf ür Recht auf Leben die Welt daran erinnern, was die Mensch­heit der deutschen Wissenschaft, Kunst und Technik verdankt. Die Entschließung warnt davor, die Ver­elendung der deutschen Kulturschicht als eine Sonderangelegcnheit eines einzelnen Volkes zu betrach­ten und fordert vom gesamten deutschen Volk, vor keinen Anstrengungen zurückzuschrecken, um den Geistes­arbeitern erträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Die ZurkätzewieseKe Nsie über die Walz.

Ei« Echo »er Siebe Strosem«»«^

Paris, 23. Febr. 'DerTemps" beschäftigt sich mit der NeichStagrrede Dr. Stresemanns zur Zurück­weisung der Note über bie Sonderbündlcrbcwegung in ber Pfalz und macht darüber zunächst folgende An­gaben : Nach 12 Tagen der Ueberlegung habe sich die XeicbSrejierurg entschlossen, die Aussprache über die Psalztrage wieder zu eröffnen. Am letzten Mittwoch- nachmitiag habe der deutsche Botschafter dem Quai d'Orsay eine lange Note über die Ereignisse in der Pfalz überreicht. Dieses Schriftstück habe 40 Seiten umfaßt, sei in deutscher Sprache geschrieben gewesen, und seine französische Ucbersetzung habe beigelegcn. Vian habe belbalb dem deutschen Botschafter be­merkt, daß die französische Note vom 7. Februar der Aussprache ein Ende bereitet habe. Am andern Tag habe man dem deutschen Botschafter die Note zurückgesandt und ihm bestätigt, daß die französische Regierung keine Ntöglichkeit sehe, die darin aufgeworfenen Fragen zu besprechen. Die Unterredung, bie Botschafter v. Hoesch am Mitt­woch gehabt habe und der Brief, den man ihm am Donnerstag geschrieben habe, seien ^natürlich in höflichem Ton gehalten gewesen, wie eS sich bei einem so höflichen Diplomaten wie Herrn v. Hoesch zieme. Von französischer Seite iabe man von dem Vorfall nichts in die Oeffentlickkeit gebracht. Dr. Stresemann fei er gewesen, der bie Initiative hierzu ergriffen habe.

Sie Betrachtungen, sie der Tempi an diesen Bor- fall anknüpft, kann man in verschiedener Weise deuten. Er meint auf bet einen Seite, man hätte nach einer kurzen Prüfung die Note mit einigen Worten beant­worten können. Er habe niemals Handlungen unter­stützt, die falsch gedeutet werden könnten. Aber auf der andern Seite habe Dr. Stresemann sein Recht, sich zu beschweren, denn seine Landsleute selbst machten ihm gewisse Entgleisungen zum Vorwurf. Dr. »tresemann habe davon gesprochen, daß da» deutsche Volk zur Verzweiflung getrieben werde. Hieran» schließt der Tempr, daß wegen eines nicht gelesenen Briefe» von 40 Weiten, also wegen einer kleinen diplomatischen- Zwischenfall», das deutsche Volk doch nicht in Verzweiflung geraden könne, eine Regierung und ein Volk müßten ein wenig mehr ihre Ketten beherrschen. Der Temp» würde aber nicht fe Mele Worte gebrauchen, wenn er ber Umsicht wäre, daß die Pfalzsragc vollkommen zugunsten Frankreichs entziehen wurde, und würbe inrbesondere auch dann die Worte etrefewtnnl nicht absichtlich mißverstehen.

Die bayerische» Lan-kagswahlen i» »er Pfalz verboten.

M ü n ch e n, 23. Febr. Die französisthe Ve- satzung hat die DurcMhrung der Wahl für den baycrift^n Landtag am 6. April für das GeiüaL dec Pfalz verboten.

Krtezskerichlsurlette.

Remscheid, 23. Febr. Das französische Kriegs­gericht verurteilte eine «nz«hl Zollbeamte au» Rem. scheid wegen vergeben» gegen die Zollverordnungen de» Ofener«« Degoutte zu Gelangn, âafen von je 2 Monaten unb* zu inkgeiamt 32 500 Goldmark Geld- straft. Bei sieben Angeklagten, die zehn Wochen in Untersuchungshaft gesessen batte«, wurde die Strafe «I« verbüßt er flirt, «in Angeklagter, der ne» zehn Tage zu verbüßen Hai, wurde sofort all Selarlaener nach Düffeldorf abaefnhrt.