Einzelnummer 13 Gol-psennig
Ge«eral-A»zeiger / AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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Nr. 42
Dienstag den 19. Febrnar
1924
Das Neueste.
— v. Kahr und V. Lossow sind zurückgetreten.
— Die Gerüchte über eine abermalige Vertagung des Hitlerprozesses werden für vollständig unbegründet erklärt, der Prozeß beginnt wie schon angekündigt, am 26. Februar.
— In Mecklenburg ist ein voller sRechtssieg zu verzeichnen.
— In Pirmasens wurden 40 Bürger wegen des Sturmes auf die Separatisten verhaftet.
— Aus Rockenhausen, Kirchheimbolanden, Franken- thal, Kaiserslautern, Grünstadt und Neustadt sind die Separatisten abgezogen und in Speyer sitzen sie noch fest.
— RerchSbankpräsidext Schacht hat gestern in Paris mit dem Sachverständigenausschuß verhandelt.
Wahlausfall in Meâlenbnrg.
Berlin, 18. Febr. Das Resultat der Wahlen in Mecklenburg ist auch heute abend noch nicht völlig bekannt. Es stehen noch etwa 100 Dörfer aus, die am Gefamtresulkat aber nichts mehr ändern werden. Nach den amtlichen Berechnungen haben bisher erhalten:
Deutschnationale 87 993 — 18 Sitze (bisher 15), Kommunisten 42 436 = 8 Sitze (bisher 3), V. 5. P. D. 67 810 = 14 (bisher 28), Deutschvölkische 59 240 =12 (biher 0), Deutsche Volkspartei 23 470 = 5 (bisher 12), Demokraten 11312 = 2 (bisher 3), Wirlschaflsbund 4 853 = 0 (bisher 2), Unabhängige 2 449 = 0 (bisher 0), Republikaner 2 672 = 0 (bisher 0), Landliste 3 377 = 0 (bisher 4).
in Beziehungen zu
MO
leiner
mir
dem
aktive Rolle zuzuteilen.
Wien, 19. Febr. Zu der Dechaftung Roßbachs erfährt man, daß dieser zur Teilnahme an einer Konferenz der nationalsozialistrschen
t;^, vaß durch Zu,___________ ____ ___ ____
stimmen der Wirffchafksbund An Mandat erhält.
v. Lahr, der zurückgekrekene Generalstaakskommissar von Bayern.
Hiernach wurden also die beiden auf rechten Flügel stehenden Parteien mit zusammen 30 Sitzen bei bisher 59 Mandaten die
Das Gesamtergebnis der mecklenburgischen Landtagswahlen liegt fest. Zwar werden voraussichtlich noch die endgültigen Feststellungen die eine oder andere Mandatszahl etwas nach oben abrunden, aber das oben mitgeteilte Ergebnis kann dadurch nicht mehr geändert werden.
Das Hervorstechendste Merkmal dieses Wahlausgangs ist der ganzaußerordentliche Stimmenverlust der Sozialdemokraten und das Hervortreten einer starken Deutschvölkischen Fraktion. Wir haben hier die Abrechnung der Bevölkerung mit der Mißwirtschaft, die die bislang regierende Sozialdemokratische Partei hatte einreißen lassen, vor uns. Die Uebelstünde, die unter der sozialdemokratischen Parteiregie in Mecklenburg hervorgetreten waren, waren allerdings bei weitem nicht so schlimm, wie die- Migen in Sachsen und Thüringen. Immerhin bedeuteten sie eine so krasse und so beschämende Abweichung von der guten deutschen Regie- chngs- und Verwaltungstradition, daß die Em- pomng der Bevölkerung sehr wohl verständlich Daß die Sozialdemokratie beim Wahlgang bnse Empörung in der entschiedensten Weise zu whlen bekommen werde, haben alle Kenner von <and und Leuten erwartet. Bedauerlich ist nur, daß dabei auch die Mittelparteien stark in Mit- mdenschaft gezogen werden. Di« Deutschn atio- dalen, die vor drei Jahren, wo es noch keine putsch-völkische Freiheitspartei gab, wohl auch einen großen Teil der jetzigen völkischen Wäh- unter ihren Fahnen vereinigt haben, haben 1 ^»t allein ihre damalige Stimmenzahl erreicht, und die Völkischen sind nahe an sie Herange- wmmen. Das Gesamtergebnis ist, daß die Völ- mit den Deutschnationalen zusammen die pulste der Stimmen und Mandate erhalten Gegenüber diesem Zuwachs fällt die Zu- uhme der Kommunisten nicht ins Gewicht; sie nur einen kleinen Bruchteil des enormen Ummen- und Mandatsverlustes auf, den die '"z-aldenwkratie, und damit die sozialistische uste erlitten hat. Der „Vorwärts^ gesteht den Verfolg der Sozialdemokratie offen ein, in- er schreibt:
"$s hieße den Kopf in den Sand stecken, enn man nicht das außerordentlich starke An- Msen der völkischen Bewegung erkennen und wer Bedeutung nach würdigen wollte. Was schon zu den Zeiten des Sozialistengesetzes ro^W habe, wiederhole sich jetzt auch in der Zgenwart: das Verbot und die Unterdrückung to Gurteten und ihrer Presse tun's allein nicht, einmal gewisse soziale Vorbedingungen fanden seien, dann wachse so eine parteipoli-
tische Gruppe auch trotz aller behördlichen Maßnahmen gegen sie. Für die Sozialdemokratie ergebe sich die wenig erfreuliche Erscheinung, daß sie trotz starker Wahlbeteiligung genau die H älfte ih rer St imm en eingebüßt habe. Von diesen rund 60 000 seien aber nur 25 000 von den Kommunisten gewonnen worden, während der größere Teil in anderen Parteien aufgegangen sei. Es spreche sogar ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie zumeist den Völkischen zugeftrömt seien. Das sei eine Tatsache, die Grund zu e rnst Hafter UeVerlegung geben follte. Mit den bisherigen Mitteln der Parteikritik allein sei dieser starke Ruck nach ganz rechts — sowohl im industriellen Thüringen, wie im vorwiegend agrarischen Mecklenburg — nicht zu fassen."
Bei den nunmehrigen Parteioerhältnissen in Mecklenburg ist eine Regierungsbildung mit den Sozialdemokraten gänzlich ausgeschlossen. Die Rechtsparteien können die Regierung allein bilden und sie werden von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen. Das deutsch- nationale Mitglied des preußischen Landtages, v. L i n d e i rhe r - Waldau schreibt über die kommende Regierung im „Berl. Lokalanz.": „Schon jetzt steht ebenso, wie in Thüringen, fest, daß eine Rechtsregierung, bestehend aus Deutschnationalen, Freiheitsparteilern, Deutscher Volkpartei und gegebenenfalls Wirtschafts- bund, eine feste und sehr reichliche Mehrheit im neuen Landtage hinter sich haben würde. Es hängt für die praktische Auswertung dieses Wahlganges, ebenso wie in Thüringen, alles davon ab, ob sich die F reihe i t s p a r t e; zu einer Mitarbeit an einer Rechtsregierung bereitfinden oder sich so, wie
gierungskurs zu entziehen versuchen wird. Im Wahlkampf hat es die Freiheitspartei in Mecklenburg überall'abgelehnt, als eine Partei rechts von den Deutschnationalen zu gelten. In gleicher Richtung liegt die auffallende Tatsache, daß die Abgeordneten der Freiheitspartei in Thüringen darum ersucht haben, ihnen im Landtage die Sitze nicht rechts von dèn Deutschnationalen, sondern zwischen den Mittelparteien und der Sozialdemokratie anzuweisen. Wir Deutschnationale hoffen, daß dies teils taktische Wahlmanöver, teils Aeußerlichkeiten find, die nicht die wirkliche Einstellung der Leitung der Freiheitspartei wiedergeben. Diese wird doch wohl selbst keinen Zweifel darüber haben, daß ihre Anhänger in ihr eine Rechtspartei wählen wollten. Die Verantwortung, die in Thüringen und Mecklenburg durch das Wahlergebnis auf die Schullern der Freiheitspartei gelegt ist, ist eine außerordentlich große. Wir haben die Zuversicht, daß sie sich in Würdigung der Sachlage und des WillensderWählerschaft der Ermöglichung eines Rechtskurses in beiden Ländern, wie auch bei den bevorstehenden Neuwahlen in anderen Gebieten, nicht entziehen wird."
Kahr und LofsvM zurüâge!relen.
Berlin, 18. F^r. Herr v. Kahr hat sein Amt als Generalstaatskommissar nieder- ät Mit ihm hat der bayerische Reichswehr-
umbaut v. Lossow seinen Abschied ein- gereicht. Der Kommandant der bayerischen Landespolizei Seißer bleibt auf seinem Posten.
Eine Erklärung des Generalstaatskommifsarials
München, 18. Febr. Zum Rücktritt des Herrn v. Kahr gibt das Generalftaatskom- missariat bekannt:
„Der L a n d t a g hat in diesen Tagen mit der Staatsregierung eine Regelung vereinbart, die in die vollziehende Gewalt tief eingreift und eine Teilung derselben zwischen Generalstaatskommissariat und Staatsministerium vorsieht. Diese Teilung der vollziehenden Gew all hält der Generalstaatskommissar für praktisch undurchführbar und vom Standpunkt der Sicherheit des Landes aus für höchst -bedenklich. Unter diesen Umständen kann der General- staatskommissar die Verantwortung für die Fortführung des ihm seit dein 26. September 1923 anvertrauten Amtes nicht mehr fragen. Er hat sich daher veranlaßt gesehen, d i e s e s A m t am 17. Februar in die Hand des Gesamtftaatsministerium szurück- zu geb en. Dr. v. Kahr hat in dem Schreiben an die bayerische Staatsregierung dem herzlichen Wunsch Ausdruck gegeben, daß die scharfen Gegensätze, die heute noch unser öffentliches Leben erschüttern, sich allmählich ausgleichen
möchten und daß sich alle nationalen Kräfte über Persönliches hinweg im Dienste für den Staat auf dem Wege zusammenfinden, der zur Wiedergesundung und Erstarkung des deutschen Volkes sowie zu einer glücklichen Zukunft unseres bayerischen und des deutschen Vaterlandes führen möge; denn der einzelne Staatsbürger könnte sein wahres Glück doch nur im Glücke des Staates finden."
Den Ausnahmezustand 'beabsichtigt die Regierung, an die die Vollmachten des Ge- nerasttaatskommissars jetzt übergehen, wie verlautet, nicht aufzuheben. Die Verordnung zur Sicherung der Wahlfreiheit, die aber eine wesentliche Milderung bringen soll, wird nach einer Notiz der „Münchner Zeitung" vielleicht am Mittwoch oder Donnerstag den Landesparteien zur Kenntnis gebracht werden.
Dr. v. Kahr war fünfzehn Jahre lang im bayerischen Ministerium des Innern tätig' und wurde 1917 zum Präsidenten der Regierung von Oberbayern ernannt. Ws der Kapp-Putsch im März 1920 zum Rücktritt des sozialistischen Ministeriums Hoffmann führte, präsentierte die Bayrische Volkspartei den Protestanten Kahr als Präsidenten des „Uebergangs- und Geschäftsministeriums". Diese erste Aera Kahr fand ihren Abschluß im September 1921, als Dr. v. Kahr sich weigerte, die bayrischen Abänderungen des wegen der Ermordung Erzbergers verhängten Reichs-Ausnahmezustandes fallen zu lassen. Auch der Auslösung der Einwohnerwehr hatte sich Kahr starr widersetzt. Die Bayrische VMspartei ließ den ihr zu weit rechts abgerückten Ministerpräsidenten fallen und ersetzte ihn durch Herrn v. Knilling. Als jedoch die Hitlerbewegung Ende September dem damals ziemlich schwachen Ministerium Knilling über den Kopf zu wachsen drohte, rief dieses Herrn v. Kahr zu Hilst und rüstete ihn als Generalstaatskommissar mit diktatorischen Befugnissen aus.
Emiguwg Mischer» Berlin ».München.
Berlin, 18. Febr. Der Konflikt zwischen dem Reich und Bayern ist Lei gelegt.
Zur Erledigung der sachlichen Streitpunkte zwischen der Reich'sregierung und der bayerischen Regierung über den Vollzug des W e h r g e s e tz e s wurde in den letzten Tagen zwischen der Reichsregierung und der bayerischen Staatsregierung folgendes vereinbart:
Uebereinstimmung bestand, daß durch die Lösung des gegenwärtigen Falles die Best immungen der Reichsverfasfung und des Wehrgesetzes über die Einheit des Reichsheeres und die Einheitlichkeit des Oberbefehls nicht berührt werden sollen. In diesem
Rahmen soll
a) künftig auch bei der Abberufung Les Landeskommandanten mit der bayerischen Regierung ins Benehmen getreten und dabei chren begründeten Wünschen möglichst Rechnung getragen werden;
b) bei der Verwendun g bayrischer Truppen außerhalb des Landes Lie bayerische Regierung möglichst vorher gehört und dabei den bayerischen Belangen die tun* lichste Rücksicht zuteil werden, insbesondere hinsichtlich der inneren Sicherheit des Landes;
c) die E i d e s fo rme l der ge s am ten Wehrmacht zur Denneidung von Zweifeln künftig folgende Fassung erhalten: „Ich schwöre Treue der Verfassung des Deutschen Reiches und meines Heimafftaates mnd gelobe, als
hwor.
Reiches
tapferer Soldt mein Vaterland und seine gefetz-
Gehorsam zu leisten."
Durch vorstehende Vereinbarung wich der Behandlung weitergehender in der bayerischen Denkschrift enthaltener Wünsche nicht vorgegriffen. Mit dieser Vereinbarung ist das Einvernehmen zwischen der Reichsregierung und der 'bayerischen Staatsregierung wieder hergestellt und die Jnpflichtnahme des bayerischen Teiles der Reichswehr auf die bayerische Regierung vom 2. Oktober 1923 entfallen.
OberleulnAni Aotzbach verhafte?.
Wien, 18. Febr. Die Polizei verhaftete den bayerischen Oberleutnant Rohbach, der von den deutschen Behörden unter der Beschuldigung des Hochverrates verfolgt wird. Die Polizei habe
Hochverrates verfolgt wird nachgewiefen, daß Roßbach _ , _ den nationalsozialistischen Kreisen in Wien stand. Sein Wiener Besuch wird damit in Zusammenhang gebracht, daß er versuchen wollte, auf die Wiener Nationalsozialisten in den kommenden Ereignissen einzuwirken und ihnen eine
Partei nach Wien gekommen war. Der Polizei war die Anwesenheit eines Deutschen namens Richter bekannt, trotz dieses falschen Namens konnte Rotzbach überführt werden. Bei ü' Vernehmuna gab Rotzbach an, daß er sich für wenige Tage in Wien aufhalten wolle, um die Auflösung einer Organisation von jungen Leuten durchzufetzen, die gegen seinen Wunsch seinen Namen sichre. An der Versammlung habe er teilgenommen, weil die nationcliozva- f.W»^ feita«». ;.* OuäiÄMMi rSiT int^O-ÜLke.
Groste Grie^tt^
Ern Hilferuf an die Welt.
Pirmasens, 18. Febr. Bei der Bevölkerung herrscht große Erregung, daß von der Be- satzungsbohörde wegen der gewaltsamen Vertreibung der Separatisten Repressalien gegen dieEinwohner ichaft ergriffen werden. So wurden über 4 0 B ü r g e r, darunter 5 Schupo beamte, heute in das Amtsgerichts- gefängnis ein geliefert, um vor ein französisches Kriegsgericht gestellt zu werden. Es ist bekannt .geworden, daß ein Teil der Verhafteten von der französischen Kriminalpolizei schwer mißhandelt wurde. Wie nochmals ausdrücklich festgestellt werden muß, liegt ein Akt der Notwehr der Bevölkerung vor, die sich unter allen Umständen von ihren Peinigern befreien wollten. Die Erregung mußte eine 'Verzweiflungstat auslösen, weil die Separatisten unter den Augen und mit Duldung und Förderung der Besatzungsbehörde ungestraft ein Schreckensregiment ausüben konnten. Auf Vorstellungen und Beschwerden erklärten die Besatzungsbehörden immer wieder, es handle sich um eine innerdeutsche Angelegenheit, in die sich die Befatzungsbchörden nicht einmischen können. Bei jeder neuen Schuldtal der Separatisten wurde dasselbe erklärt. Den letzten Anstoß zur Verzweiflungstat gab der Umstand, daß die Separatisten dem wiederholten Verlangen auf freiwilligen Abzug nicht stattgaben, sondern in der Hoffnung aus die französische Unterstützung auf die wehrlose Bevölkerung ein starkes Feuer eröffneten, wodurch einige Bürger getötet und viele verwundet wurden. Bemerkenswert ist noch, daß vor dem Angriff auf die Separatisten der französische Bezirksdelegierte einer Abordnung von Bürgern, die um ein Eingreifen gegen die Separatisten ersuchten, erklärte, er kümmere sich nicht mehr um die Separatisten. — Wie die Separatisten in der Pfalz monatelang sich un* gestraft halten konnten, zeigt folgende erschütternde Statistik:
Von den Separatisten wurden ermordet über 20 Personen, verwundet über 200 Personen, der Freiheit beraubt über 1000 Personen, ausgewiesen über 300 Personen. Dazu kommen zahlreiche Fälle schwerster unmenschlicher Mißhandlungen, Plünderungen, Einbruchsdiebstähle üsw. Gegen diese Verbrechen ist in keinem Falle von der Besatzungsbchörde eingeschritten worden. Auf Vorstellungen und auf Beschwerden von Abordnungen der Bür- gerschaft wurde immer wieder erklärt, daß es sich um innerdeutsche Angelegenheiten handele, „in die wir uns nicht einmischen können". Jetzt, wo die gepeinigte, von den Separatisten ferro risterte Bevölkerung in spontaner Empörung zur Selbschiffe 'geschritten ist, wird diese Selbst-