Einzelbild herunterladen
 

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«.

/ Fernsprech-Anschluk Nr. 1237.

z---------------------1--------

Bezugspreis für die Zeit vom 11. bis 20. Februar 90 Eoldvfennig ohne Trägerlohn Einzelnummer 13 Eoldpfennig. A n z e i g « n p r e i l e- für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Goldviennig. für die Reklamezeile (68 mm) 50 Eoldpfennig Offertengèbübr 30 Eoldpfennig. Geschäfts st elle Hammer st ratze 9.

k-----------------r-----/

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beibeMIeile 6 a n a u a. Main. Für Pladoorichrift und Erscheinungstage öer Anzeigen wird keine Gewähr geleistet. 3m Falle höherer Gewalt Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises : --------_----_________>

Nr. 41

Montag den 18. Febrnar

1924

Das Neueste.

Die beiden bayerischen Volksbegehren auf Land» tagSauflösung und Verfassungsänderung haben die verfassungsmäßige Unterstützung gefunden.

Bei den Wahlen zum mecklenburgischen Land­tag ist ein starker Zug nach rechts zu verzeichnen.

Die Separatisten haben unter Begleitung von Franzosen Ludwigshafen verlassen.

Nach dem 'Pebt Parisien" werden die Sach­verständigen ihre Berichte voraussichtlich erst gegen den 8. März überreichen können.

sem Gebiete nicht leisten, da alle Fragen, die hier gelöst merken können, zur Zeit noch Gegenstand von Verhandlungen und- noch nicht spruchreif sind.'Hoffentlich wird das Parlament so viel Einsicht besitzen und auf diesem schwie­rigen Gebiete keine Scherben zerschlagen. Ob man auf dem innerpolitischen Gebiete die gleiche Zurückhaltung erwarten kann, ist nicht ganz sicher. Wahrscheinlich wird die Sozial­demokratie es sich nicht nehmen lassen, eine Debatte über das Ermächtigungsgesetz zu ent­fesseln. Es wird dann Sache der anderen Par­teien sein, dafür zu sorgen, daß einer solchen Diskussion möglichst bald Grenzen gezogen werden, damit die innere Politik nicht wieder in einen inneren Skandal ausartet. Viel wird es natürlich auch auf die Haltung der Regierung ankommen. Ob das Kabinett ein neues Er­mächtigungsgesetz verlangen wird oder nicht, scheint zur Zeit noch nicht sestzustehen. Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, so wird man von der Regierung die Initiative erwarten dürfen, das Notwendige zu fordern. Sache des Reichstages wird es fein, die Frage des parla­mentarischen Prestiges aus dem Spiel und den parlamentarischen Interessen den Vorrang zu lassen.

Volfchafler s. âoesch bei WèUeraAd. Ueberreichung des VeglaubiKUnssschreibens.

Paris, 16. Febr. Der Präsident der Republick bat beute in offizieller Audienz den deutschen Botschafter v. Hoesch empfangen, der ihm das Schreiben über­reichte, in dem er als außerordentlicher und bevoll­mächtigter Botschafter Deutschlands in Paris beglau­bigt wird. Der Einführer des Botschafters Herr de Fouguieres batte Herrn v. Hoesch beim Botschafts­gebäude abgeholt und ihi^ im Wagen des Präsidenten und in Begleitung einer Schwadron der 11. Kürassiere ein^ei'.übrt, .Bei der Ankunft Botschafters im Hofe des Palastes wurden iVm die militärischen Ehrungen von einem Bataillon des 5 Infanterie-Regiments erwiesen.. Herr V. Hoesch wurde am Fuße der Freitreppe von Admiral Buc und dem Militärkommandanten des Palastes empfangen. Der Botschafter wurde darauf von Herrn de Fouguicres bei dem Präsidenten der Republik eingeführt, an dessen Seite sich u. a. Poincarâ sowie einige Offiziere aus der Umgebung des PräsidArten befanden. Indem er sein Bealaubiaungsschreiben überreichte, hielt der deutsche Botschafter folgende Ansprache:

Herr Präsident! Die deutsche Regierung bat in dem Wunsche, den Posten des deutschen Botschafters in Paris wieder M besetzen, mich mit diesem Amte betraut. Ich habe die Ebre, Ew. Exzellenz das Schreiben zu überreichen, durch das der deutsche Rcich?- präsidcnt mich bei dem Präsidenten der französischen Republik als außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter beglaubigt. Indem ich das mir über­tragene hohe Amt antrete, bin ich mir der Schwierig­keiten voll bewußt, die es zu überwinden gilt, um die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern wieder befriedigender zu gestalten. Ew. Exzellens können überzeugt sein, daß ich in Uebereinstimmung mit den Weisungen meiner Regierung alles d a r a n setzen werde, die Erreichung d i e s es Z i e l e s und damit die Lösn ng der großen Frage zu fördern, von deren Regelung in so hohemMaße die Zukunft Europas ab­hängt. Wenn ich trotz der bestehenden Schwierig­keiten nicht ohne Zuversicht an meine Angabe beran- trete, so geschieht dies in der Hoffnung, daß ich aus die hohe Unterstützung Ew. Exzellenz und aus di- Mitwilkung der französischen Regierung werde rechnen können.

Indem ich diese wirkungsvolle Unterstützung und Mitarbeit erbitte, habe ich die Ebre Herr Präsident dem Staatsoberhaupt der französischen Republik den Ausdruck meiner Ehrerbietung barmbringen.

Hierauf erwiderte der Präsident der Republik Millerand:

Herr Botschafter! Ich schütze mich glücklich, daß die deutsche Regierung zum außerordentlichen und bevollmächtigten Notschalter als Nachsolger des leider zu hüb verstorbenen Dr Mayer einen erfahrenen Diplomaten ernannt hat, der sich als Geschäftsträger in Pans bekannt gemacht hat und sich Slnertennmig zu verschaffen wußte. Es ist tatsächlich in hohem Maße Wünschen: Wert, daß der Vertreter des Deutschen Reiches, dein die Aufgabe zufällt, die Verhand­lungen mit d e r f r a n z ö s i s ch e n R e g ie rung unter heiklen II m ft â n b e u j o r 13 m f e $ e u, persönlich voin Anbeginn seiner Tätigkeit an über die Absichten unb den Willen Frankreichs unterrichtet ist. Ihr Aufenthalt unter uns bat es, Ihnen ermög­licht, hierüber sich vollkommene Ausklärung zu ver­schaffen. Zn Beginn dieses Jahres hatte ich Gelegen­heit, öffenttich zu erklären, daß der Wille Frankreichs in die Worte zusammengeßißt werden kann: Respekt vor den Verträgen. Hinter Dieter Formel, die das, was sie sagen will, klar zum Ausdruck bringt, versteckt sich sein Hintergedanke.

Im vollen Bewußtsein der Größe der in Frage kommenden Interessen und der Co idanlät der Völker sind Die Vertreter Frankreichs in gleicher Weise ent- schlossen, nichts' von den Rechten aufzn- geben, die sie zn wahren haben und in D c m weitgehendsten G eiste des Ent­gegenkommens alle Lösungen zu Drüsen, bie deren Rejvekt lick erstellen. Wenn die

Wschenvorschau.

In dieser Woche beginnt das Reichsparla­ment wieder in Aktion zu treten. Am heutigen Montag tritt der Auswärtige Ausschuß zu- sammen, am Mittwoch das Plenum des Reichs­tags. Wir sind es seit langer Zeit gewöhnt, daß der Wiederbeginn parlamentarischer Tätigkeit von Krisenluft umweht ist. Auch diesmal geben sich dieSozialdemokraten einige Mühe,eine ähn­liche Atmosphäre zu schaffen. Sie reden und schreiben wieder von der bevorstehenden Ab­rechnung mit der Regierung und lassen es an drohenden Gebärden nicht fehlen. Etwas Ernst­haftes steckt freilich nicht dahinter. Aber in der Lage, in der wir uns befinden, ist schon der Ver­such strafbar und man wird deshalb den Sozial­demokraten mit aller Deutlichkeit zu verstehen geben müssen, daß diesmal mehr denn je Ruhe die erste Parlamentspflicht ist und daß Krisen­manöver, die lediglich niedriger Parteisucht ihre Entstehung verdanken, ein Verbrechen am Volke sind.

Wir haben in den letzten Monaten unter Aufbietung unserer letzten Kraft eine Etappe ge- von her ein Wiederaufstieg möglich Diese Etappe liegt im Innern

lands. Die äußere Politik ist ganz gewiß für uns von absolut entscheidender Bedeutung. Aber ebenso sicher ist auch, daß auch die Voraus­setzungen für eine erfolgreiche auswärtige Politik in unferem eigenen Lande liegen. Slur wenn Deutschland ruhig ist, wenn es geordnete wirt­schaftliche und finanzielle Verhältnisse aufweist, nur dann kann es auf Hilfe vom Ausland rechnen. Diese Wahrheit ist niemals so aktuell gewesen wie gegenwärtig. Die Sachverständigen sind in wohlwollender Haltung von Berlin ge­schieden und ihr Urteil wird ganz gewiß nicht zu Ungunsten Deutschlands ins Gewicht fallen. Sie haben aber keinen Zweifel daran gelassen, daß alle Unterstützungsversuche und alle Lösungsver­suche in der Reparationsfrage scheitern müssen, wenn es Deutschland nicht gelingt, seinen Haus­halt im Reich, Staat und Gemeinden wieder in Ordnung zu bringen.

Dieser Gesichtspunkt darf allein für den Reichstag maßgebend fein. Es handelt sich jetzt gar nicht darum, der parteipolitischen. Fehde- iucht zu fröhnen und ein Hühnchen mit der Re­gierung zu pflücken. Es handelt fich nur darum, einer Sanierung unserer Reichs- und Staats­finanzen kein Hindernis in den Weg zu legen und nichts zu tun, was die immer noch gefähr­dete innere Ruhe stören könnte.

Der Reichstag wird sich in feinen ersten Tagen mit den Interpellationen über die Pfalz zu beschäftigen haben. Hier kann und darf es nur eine Einheitsfront geben, eine Front, die gegen die französische Räuberpolit.k gerichtet ist und den Pfälzern, ebenso wie den Schwestern und Brüdern an Rhein und Ruhr die Gewißheit gibt, daß das gesamte Deutsch- M mit ihnen zusammen auf der Schanze geht. DerVorwärts" war töricht genug, in den letzten Tagen abzuwiegeln in der Hosf- "ung daß Macdonald die Pfälzer Verhältnisse schon in Ordnung bringen werde. Nichts ist so trügerisch wie eine solche Illusion. Das Straf­gericht, das die Pfälzer selbst über die Sepa­ratisten verhängt haben, hat sie dem Ziel der Weiung näher gebracht, als alle diploma- bchen Aktionen zwischen Macdonald und choincarè. Deshalb wird auch der Eindruck der ^ichstagsdebatte .von außerordentlich großer Deutung sein. Das Ausland muß den Ein-

gewinnen, daß man in Deutschland die Endgültige Befreiung der Pfalz von dem sepa- ^tistischen Lumpengesindel als eine unbedingte Notwendigkeit ansieht und alles dafür einsetzen lB,rb- Es wäre ganz falsch, wenn wir dem ^Mischen Ministerpräsidenten die Initiative "oerlassen wollten.

Das Gebiet der äußeren Politik wird heute ^f Auswärtigen Ausschuß behandelt werden, wieviel davon auch in der Vollsitzung des Reichstages widerklingt, wird abzuwarten sein. Fruchtbare Arbeit kann der Reichstag auf die­

einer deutschen Reichsencheit und die Wie» derherstellung der Verhältnisse vor der Ruhrbefetzung voraus. Ohne die deutschen Reichsbahnen gibt es keine An­leihe. Die deutsche Reichsbahn ohne die Regie­bahnen .stellt keine Verkehrseinheit dar. Wir tehen wahrscheinlich vor großen Entschei- mngen. Die nahe Zukunft wird eine Verftän- üguna bringen. Seien wir uns klar darüber: Jede Verständigung wird uns außerordentliche, in normalen Zeiten kaum erträgliche Lasten bringen und wird mit dem Einfluß des inter­nationalen Kapitals auf diejenigen Insti­tutionen verbunden sein, bei denen es sich be­teiligt. Eine andere Frage, bei der es an har­ter Kritik- nicht gefehlt hat, ist die Frage der Weiterbezahlung der Besatzungskosten. Man hat es so hingestellt, als ob die Weiterzahlung aus das Drängen des Außenministeriums er» folgt fei, und als ob ich eine bessere' Tempe­ratur in Brüssel und Paris schaffett wollte. Die Vertreter der besetzten Gebiete waren kürizlich in Berlin versammelt, und alle ver­langten, daß die Besatzungskosten bezahlt wer­den. Stresemann wendete sich bann innerpoli- tischen Fragen zu und besprach besonders die Vorgänge in Sachsen, Thüringen und Bayern und den Beamten- und Gehaltsabbmi sowie die Frage dèr Finanzen. Durch die Sprengung der Koalition zwischen den Sozialdemokraten und Kommunisten haben wir eine ganz ander« Ordnung der Dinge in Sachsen erhalten, was ich nach dem Ergebnis der Wafilcn auch in Thüringen erwarte. Hinsichtlich der Vorgänge in Bayern wies der Redner auf die große' Gefahr hin, die Deutschland bei einem Erfolg des Münchener Putsches gedroht hätte. Die Reichsbahn sei auf eigene Füße gestellt mop n und es würden ihr noch 30 Millionen Gold: mar- Hingegene-ii. Mit der Post werde dasje-dt wie mit der Eisenbahn geschehen. Die Renten- mark haben wir in den Verkehr gebracht, sagte der Mlnister weiter, als wir in der Lage waren, den Etat zu balanzieren. Der viel an= gefeindete Finanzminister Dr. Luther hat alles getan, um seinen Etat bis heute in Ordnung zu halten. Es handelt sich jetzt darum, für die deutsche Wirtschaft und auch für die deutsche Landwirtfchaft Kredite zu schaffen. Die deutsche Wirtschaft ist nicht mehr in der Lage, sich das Geld zu beschaffen, das sie so notwendig zur Fcrtsührung ihrer Betriebe braucht. Diese Kredite brauchen wir. Es soll hier ein Bank­institut geschaffen werden, das neben dem Gold der Reichsbank Deutschland ausländisches Gold in Form von Krediten geben kann, auch für die Bedürfnisse der deutschen Landwirt­schaft. Die Zahl der Kurzarbeiter ist auf ein Viertel zurückgegangen. Dr. Schacht hat in Paris erwirkt, daß wir eine Goldnotenbank errichten. Das Prvblem, die Währung stabil zu halten, ist das Problem der Probleme. Der Minister geißelte in fefjarfen Worten bi« be­kannten Aeußerungen der drei deutschen Frauenrechtlerinnen in London und besprach noch die Frage der Aufwertung der Hypo­theken. Er erklärte, hier sei ein Kompromiß geschaffen worden, denn eine volle Aufwertung sei nicht möglich gewesen. Man solle sich auf beiden Seiten damit einverstanden erklären. Er sührte schließlich u. a. aus: Daß wir über die ganzen letzten Monate glücklich hinmegge­kommen sind, müssen mir dankbar dem Volke gegenüber anerkennen. Was wir dem Volke zugemutet haben, geht über das, was jemals eine Regierung einem Volke zugemutet hat. Wir müssen jetzt n 0 ch e i n e n g a n z s ch l i m- men Weg gehen. Wie lange er dauert, weiß ich nicht.' Eins sehe ich als hoffnungsvoll an, daß das Ausland dasgetan hat, als ob Deutschland ein falsches Bild gegeben hat, nun einsieht, daß wir aus eigener Kraft im Innern Ordnung geschaffen haben. Das war ein großes Plus, das wir dem Sachverständigen- 'omitee aufzuweisen hatten. Die Ausfüh­rungen des Redners, die wiederholt Zustim­mung sanden, wuttden schließlich von lebhaftem Beifall begleitet.

Die mecklenburqifchen ßanOfags» wählen.

Schwerin, 17. Fcbr. Der bisherige Verlauf bei mecklenburgischen Landtagswablen läßt, wie die Mecklenburgische Zeitung" meldet, eine schwere E i n. 'nße bei den Sozialdemokraten, eint mäßige Zunahme bei den Kommunisten und einen »tarlen Aulschwnng bei den Deutschvölkischen erkennen. Äuch die Deutschnationalen haben zum Teil stark zu» eenommen. Die Deutsche Vollspariei wird tuabr« scheinlich höchstens die Halste ihrer bisherigen Sitze erhalten. Der Wirtschastsbund und die kleineren Listen werden kaum einen bis zwei Sitze aufbringeu. Die Demokraten werden ungefähr ihren Bestand bchaltem

französische Demokratie es sich versagt, sich in die inneren Angelegenheiten fremder Nationen einzumischen, so kann sie doch nicht umhin, in ihrem Interesse und im Interesse der Welt Wünsche für den Fortschritt und den Triumph der Grundsätze, denen sie ergeben ist, auszusprechen. Durchaus friedlich, bat sie an dem Tage, an dem sie hierzu gezwungen wurde, gezeigt, daß sie zu allen Opfern bereit ist, um mit ihrer eigenen Unabhängigkeit die Freiheit der Welt zu ver­teidigen und zu retten. Ihr heißester Wunsch ist, daß eine so grausame Prüfung ihr fernerhin erspart bleibe. Die Aufrichtigkeit ihrer Gefühle, die Inbrunst ihrer Wünsche würde zur Unfruchtbarkeit verurteit fein, trenn sie nicht erwidert würde.

Mit Befriedigung nehme ich Kenntnis von den Versicherungen, die Sie in Ihrer Antrittsrede haben zum Ausdruck bringen wollen. Seien Sie versichert, daß zur Erfüllung Ihrer Mission, wie Sie sie ver­stehen und begründen, Ihnen weder mein Beistand, noch der der Regierung der französischen Republik mangeln wird.

Nach dem Empfang wurde der deutsche Botschafter unter dem gleichen Zeremoniell nach dem Botschafts­gebäude zurückgeleitet.

SZresemann über Deutschlands autzen- und innerpotttischs La^e.

Elberfeld, 17. Febr. Anläßlich des Partei­tages der D e u t f ch en V 0 l k s p a r t e i des 25. Wahlkreisverbandes im Regierungsbezirk Düffeldorf-Ost, sprach der Minister des Aeußern Dr. Stresemann im dicht besetzten Thalia- theater über Deutschlands außen- und inner­politische Lage. Er führte u. a. aus:

Der heutige Tag-soll im Reich als Pfalz- t a g begangen werden. Das bedeutet, daß er die Erinnerung wachhalten soll an all das Unrecht, das im besetzten Gebiet gegen deutsche Frauen und Männer begangen worden ist, an all das Unrecht, in dessen Mitleidenschaft gerade die Deutschen in der Pfalz gezogen worden sind, öffentlichkeit beschäftigt, ist ein besonderer Aus­druck der Frage der gesamten Deutschen im be­setzten Gebiet. Unzweifelhaft ist die Frage der besetzten Gebieten eine ganz unendlich schwierige. Wir waren vielfach mit unseren Kräften nicht in der Lage, dem besetzten Gebiet so zu helfen, wie wir hätten helfen sollen, vielleicht hatten helfen müssen. Aber wir stehen heute unter der allgemeinen deutschen Schicksalsfrage, ob es uns gelingt, dieses Deutschland vor einem wirtschaft­lichen und fozialen Chaos zu bewahren und über die Stabilisierung hinaus zum Wiederausbau zu bringen. Alle Fragen des besetzten Gebietes werden abhängig sein von der Verständigung über die größere Frage, die Frage der Repara­tion überhaupt. Wenn ich denke an die Verhand­lungen, die in Paris geführt wurden von den Sachverständigenkomitees und die in Berlin fortgesetzt worden sind, und wenn man sich da fragt, ob aus diesen Verhandlungen etwas zu erwarten sei, so möchte ich mich dem anschließen, was ein deutscher Wirtschaftler, der seit Jahren diese Sisyphusarbeit mitgemacht hat und der die Ergebnislosigkeit dieser Bemühungen sah, äußerte, er sehe

zum ersten Male einen Silberstreifen an dem sonst so düsteren Horizont.

Stresemann äußerte sich dann näher zu den bisher von Deutschland geleisteten Reparationen die von der französischen Presse als nicht genü­gend hingestellt würden. Er bemerkte u. a.: Wenn man unseren Angaben über die geleiste­ten Sachlieferungen nicht glaubt, sollte man jedenfalls der amerikanischen Kommission glau­ben, eines Volkes, das gegen uns im Kriege ge­standen hat, die ihrerseits die deutschen Leistun­gen auf 25 Milliarden" Goldmark geschätzt hat. Ich habe nicht gehört, daß diese Feststellungen von irgend einer Seite angezweifelt worden sind. Vielleicht ist es für das praktische Begrei­fen unserer Leistungen kennze:chnend,^daß die direkten Reparationsleistungen meist Sachliefe­rungen gewesen sind. Man geht achtlos an die­sen Lieferungen vorüber, die zahlenmäßig nicht belegt werden. Allein S ü d s l a w i e n hat für 4 Millionen Sachleistungen erhalten, dessen ganzer Etat hierauf balanziert wurde. Frank­reich hat nur einen kleinen Teil dessen bezogen, was es hätte beziehen sollen, weil es für feine Industrie die deutsche Konkurrenz fürchtete. Der 0 a l l d e s f r a n z ö s i s ch e n F r a n k e n wird sich weiter vollziehen, wenn die Ver­längerung der Wum -ertrüge unmöglich ist, was heute schon feststeht, und-wenn nw "â zu einer Reparationslösung kommt, mann bemerkt sodann zu der von Deutsck-r auszu nehmenden Anleihe: Die Anleihe . 's«t, glaube ich, ganz nach der Auffassung aller Sachverständigen zu urteilen, die Schaffung einer deutschen Verkehrseinheit, die Schaffung