Einzelnummer 13 Gol-psennig
SanauerS Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl, und Landkreis Kana« a. M.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237.
8 11 u a « » r e i s für die Zeit vom 22. bis 31. Januar 90 Eoldviennig ohne Trägerlobn Linzelnummer 13 Eoldviennig. — Anreigenvrsile^ für die 28 mm breite Zeile im Anzeigenteil 15 Eoldvfennig. für die Reklamezeile (68 mm) 50 Eoldviennig
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Nr. 22
Samstag den 26. Januar
1924
Das Neueste.
— Der Ssni>erbündler-„Landrat" Schlicht ist von llnbckannten erschossen worden.
— Die separatistische „Regierung" plant Straf- Maßnahmen gegen eine Reihe von Pfälzern, die sich dem englischen Generalkonsul Clive gegenüber scharf gegen den Eeparatistenterror ausgesprochen hatten.
— Der französisch-tschechische Vertrag ist gestern von Poincarö und Benesch unterzeichnet worden.
— Das Arbeitermitglied des Unterhauses, Jamc» O'Grady, wird voraussichtlich zum britischen Botschafter in Rußland, den ersten seit »nSbräch der Revolution, ernannt werden.
Trugbild und Wirklichkeit.
Das Statistische Amt hat kürzlich Ziffern veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß Deutschland im November über eine aktive Handelsbilanz verfügte. Angeblich haben wir also in diesem Monat mehr ausgeführt als ein» geführt, was man wohl als Gradmesser einer gesunden Wirtschaft betrachten kann. Es versteht sich dann auch von selbst, daß man im Nuslande, namentlich in Frankreich, die Ziffern des Statistischen Amtes für eine Beweisführung zu Ungunsten Deutschlands verwandt hat. Französische Zeitungen haben von „dem armen Deutschland" gesprochen und ihre Ansicht vom Gegenteil mit den Ziffern des Statistischen Amtes belegt.Diese Schlußfolgerungen sind umso schlimmer, als die Zugrundelegung dieser Ziffern ein ganz falsches Bild ergeben. Das Statistische Amt hätte darauf unbedingt Rücksicht nehmen müssen und es vermeiden sollen, ein Gesamtbild in Ziffern darzubieten, von denen es ganz genau wissen muß, daß sie zu Trugschlüssen verleiten. Der deutsche Außenhandel ist ziffernmäßig überhaupt nicht zu er» ■Wwrba oie Einfuhr über bas beizte
sich unserer Kontrolle vollkommen entzieht. Zudem würde das Uebermiegen unserer Ausfuhr, wenn es wirklich in jenem Monat vorhanden gewesen sein sollte, nur beweisen, daß wir wirtschaftlich schlimm daran find. Die deutsche Industrie ist infolge ihrer Kapitalfchwachheit micht imstande, sich mit Rohstoffen im Astslande ein» zudecken. Und es wäre durchaus möglich, daß die deutsche Ausfuhr gelegentlich deshalb einmal überwiegt, weil die Einfuhr vollkommen stockte. Daß darin alles andere liegt als ein Zeichen blühender Wirtschaft, versteht sich von selbst.
Tatsächlich ist unsere Wirtschaft dem Zusammenbrechen näher als der Möglichkeit, sich wieder aufzurichten. Die Micumverträgs muten unserer Produktion im Ruhrgebiet Unmögliches M Diese Verträge _ sind von den Franzosen Wmatisch vom Großbetrieb bis auf das kleinste -Werk übertragen worden und so erpreßt man aus der Produktion dort Werte, die bei einer Durchführung einen Jahreswert von mehreren Milliarden Goldmark darstellt. Die deutsche Industrie muß diese Leistungen vollkommen auf die eigenen Schultern nehmen, da die Regierung bekanntlich, abgesehen von der Gutschaft für Steuerzahlungen keine Rückvergütung leistet. ersteht sich von selbst, daß dieser Zustand ,“ern kann. Tatsächlich haben wir also n Ruhrgebiet eine Wirtschaftskrise in größter und im unbesetzten Gebiete eine Wirt- die kaum etwas abwirft. Das ist die Wirk- Neü, über die man sich durch Trugbilder nicht hmwegtäuschen lassen darf.
Der Sonderbündler Schlich erschossen.
^uyen , 25. Jan. Gestern abend gegen „,,.^r wurde der Sonderbündlerführer Schlich Zwischen Niedermendig und Obermen- !rnkk^„ ossen. Er wurde von acht Kugeln ge- n‘r ?er Gelötete trug selbst einen enlsicher- o" Mladenen Revolver bei LH. Schlich kam na* souderbündlerischen propagandareise Er war der Anführer der hie- bündl-5°"^bündler. Während der Sonder- Steile spielte er den Landrak des liebpn'rÄDen. Während dieser Zeit ließ er hier nn^' ilwnen Wark Geldscheine drucken, die Der <R»^t^m tarnen Schlichgeld bekannt sind. Don ^/Olete war von Beruf Backofenbauer. " den Tatern fehl, stde Spur.
SÄÄ sind verflossen, seit der Heinz-Ürbis aus der Bojen ) ift mürbe. Jenes Ereignis, das den Fran- 'rfreul L»®^ P den Streifen paßte, hatte als sonstig ?.c die Reise des britischen General- R Pfalz, die für Frankreich Material zutage sörderte. Vor Speyer ^on der „Times"-Berichterstatter in »sinder S englischen Landsleute auf das nicht Iwnnai°n-yrliche Treiben der Sonderbündler und - len tm Moseltale und der Umgebuns tünne»
Abg. Husemann wies in seiner Rede im besonderen auf die starke Herabsetzung der Bergarbeiterlöhne hin und sagte, der Bergmann, der drei Schichten wöchentlich ar» beite, habe nach Abzug des Gefälles nicht mehr Einkommen als der Bezieher der Erwerbslosenunterstützung. Die Arbeitsleistung und die Förderleistung würden durch eine solche Entlohnung natürlich nicht gehoben.
An die Aussprache über den Bericht Bennhold s schloß sich ein Referat deS Geschäftsführers der technisch-wirtschaftlichen Sachverständigenausschüsse des Reichskohlenrats über deren Tätigkeit im Jahre 1923. Nach einer kurzen Diskussion darüber wurde die Sitzung geschlossen.
Die künftige KaNurm Englands gegenüber Ruhland.
Land»«, 25. Jan. Reuter erfährt zu den zahlreichen Berichten, die über die Haltung der Regiernne gegenüber Rußland verbreitet werden, aus britischen Kreisen, daß das Einzige, waS mit Sicherheit gesagt werden könne, sei, daß el bestimmt die Politik der Regierung ist, Sowietrußland anzuerkennen. Im übrigen sei el nötig hinzuzulügen, daß die ganze Frage erwogen und daß die notwendige Maschinerie in Bewegung geletzt werde. ES werde für untlua angesehen, zu erwarten, daß die ganze Angelegenheit sofort geregelt werden könnte. Er gebe ziemlich viel zu tun; die? müsse zu einer Verzögerung führen. Uebrigen« üt von dem Premierminister in seiner Albert Hall- Rede bereits klargestellt worden, daß natürlich keinerlei Sympathie mit den kommunistischen Tendenzen bestehe.
Eine andere Reutermeldung besagt, eine endgültige Mitteilung binnen kurzem fei bestimmt nicht erwartbar. Reuter erfährt von gut unterrichteter russischer Seite, daß bisher keinerlei Verhandlungen iwischen der britischen und russischen Regierung über die Anerkennung der letzteren eigeleitet worden sind. Zweifellos müßten derartige Verhandlungen bald erwartet werden, da stets angenommen worden sei, daß die Anerkennung Rußlands eines der Hauptziele ocr gegenwärtigen britischen Regierung sein werde. In russischen Kreisen werde darauf hingewiesen, daß, bevor dieser Schritt nickt getan sei, Verhand- Inngen über die Regelung schwebender Fragen, wie die Schulden Rußland» und die russischen Gegenforderungen an England nicht stattfinden könnten; für den Augenblick sei jedoch die britische Regierung vollauf mit inneren Angelegenheiten beschäftigt und die russische Regierung befinde sich wegen bei Todes Lenins in Trauer.
Die auswärtigen Botschafter bei Maedonalb.
London, 25. Jan. Macdonald empfing heute im Fore-gn Office in Anwesenheit bei Unterstaats- sekretärS für auswärtige Angelegenheiten Arthur Ponsonby die Botschafter des Deutschen Reiches, Amerikas, Italiens, Belgien», Spaniens, Japan» und Frankreichs.
Französische Kammer.
Die Verhandlung über die Regierungsvorlagen zur Sanierung der Finanzen.
Paris, 25. Jan. Die Kammer hat heute nachmittag die Debatte über die Gesetzentwürfe der Regierung zur Sanierung des Budgets ausgenommen.'Nach Eröffnung der Generaldiskussion ergreift der Berichterstatter Abg. B o k a» nowsky das Wort. Er erklärt im wesentlichen: Die vorliegenden Gesetzentwürfe verfolgten den Zweck, der Teuerung ein Ende zu setzen, die seit dem Monat Januar das Land plötzlich bedrohe. Die Grundursache für den Sturz des Franken sei der Ueberfchuß der französischen Einfuhr in den Jahren nach dem Kriege, der sich auf 80 Milliarden Franken belaufen habe, und wenn der Franken damals nicht tiefer gesunken sei, so sei das ausschließlich darauf zurückzuführen, daß die ausländischen Frankenbesitzer Vertrauen in den Kredit Frankreichs gehabt hätten. Die Darstellung, daß für das französische Währungsunglück die ausländischen Frankenbesitzer verantwortlich seien, sei ein Märchen, das zerstört werden müsse. Es liege ja nur im Interesse dieser Frankenbesitzer, den Franken zum Steigen zu bringen. Die Schwankungen des Franken seien vor allem auf psychologische Umstände zurückzuführen. Es müsse also jedermann die Gewißheit gegeben werden, daß die französischen Finanzen in vollem Gleichgewicht seien, wenn Frankreich nicht Gesahr lausen solle. Das französische Budget sei aber tatsächlich im Gleichgewicht. Man habe die Gewissenhaftigkeit so weit getrieben, in dieses französische Budget die Zinsen der für Rechnung Deutschlands zur Deckung der Reparationen aufgenommenen Anleihe einzustellen. Was das Wiederaufbaubudget anlange, so könne kein Franzose das Recht bestreiten, dieses deutsche Budgel von dem französischen abzusondern. Eine der Hauptursachen der gegenwärtigen Krise sei aber gerade der Fehlbetrag des Wiederaufbaubudgets Zahlreiche Persönlichkeiten des Auslandes hätten erklärt, daß der Kranken wieder itelaen
wiesen. Aber in Paris blieb man abermals taub. — Neue Alarmschüsse zur Aufrüttelung des französischen Gewissens! Ob sie bei und um Poincars Gehör finden werden?
Neuer Separalistenlerror.
Speyer, 25. Jan. Die „-autonome Regierung" plant Strafmaßnahmen gegen eine Reihe von Pfälzern, die sich bei dem englischen Generalkonsul Clive scharf gegen den separatistischen Terror ausgesprochen haben. So wurden am 22. Januar zwei führende Mitglieder des Winzerbundes in Bad Dürkheim, obwohl sie erklärt hatten, bei dem Empfang Clives in Neustadt nicht anwesend gewesen zu sein, von der „autonomen Regierung" in Speyer einem ö^stündigem Verhör unterzogen. Von dem berüchtigten Presse-Chef Schmitz- Epper wurde ihnen angedroht, zehn bi? fünfzehn Winzer über den Rhein „spritzen" zu lassen, d. h. auszuw-eisen. Durch die weitere Drohung mit sofortiger Verhaftung und Vermögensbeschlagnahme gelang es Schmitz-Epper, einen der beiden Herren so einzuschüchtern, daß er eine Erklärung unterschrieb, wonach die von dem Winzer Poth aus Bad DürkhMi in Neustadt gemachten Ausführungen der Wahrheit nicht entsprächen. (Wie gemeldet, wurde das ganze bewegliche und unbewegliche Vermögen Poths von den Sonderbündlern wegen feiner scharfen Ausführungen gegen die Separatisten in Neustadt beschlagnahmt.) Die unter Gewalt erpreßte Erklärung wurde dem Generalkonsul Clive und General de Metz als Beweisstück für die angeblich feparatiftenfreundliche Gesinnung der Bevölkerung übersandt.
Die Lage der Kohlenwirtschafr.
Berlin, 25. Jan. Auf der Tagesordnung der a ts. seit einem Jahr nicht mehr zusammengetreten war, stand als erster Punkt der übliche Bericht über die Lage der Kohlenwirtschaft. Der Bsrghauptmann Bennhold, der diesen als Geschäftsführer des Reichskohlenrats erstattete, führte u. a. aus, daß durch den Ruhreinbruch auch eine zuverlässige Schätzung der deutschen Kohlenförderung im Jahre 1923 verhindert worden sei. Sie dürfte sich auf 82% Millionen Tonnen gegenüber 158 Millionen im Vorjahr und 174 Millionen im Jahre 1913 bei Berücksichtigung der Grenzveränderungen belaufen. Die im letzten Jahr in erhöhtem Umfang notwendig gewordene Einfuhr an Steinkohle und Koks, im wesentlichen aus Großbritannien, be= trug in den ersten elf Monaten 1923 rund 23% Millionen Tonnen. Um die deutsche Wirtschaft wieder vom Bezug fremder Kohle unabhängig zu machen, sei es vor allem erforderlich, daß die Schichtleistung de§ Bergmannes wieder der in der Vorkriegszeit angenähert werde. Für alle Steinkohlenreviere feien die in diefem Sinne getroffenen Vereinbarungen bereits in der Ausführung. Nebenher gehen müsse die weitestgehende Anwendung aller Mittel zur wirksamsten Ausnutzung der Betriebe. Der Redner gab weiter viel Material über die starke Steigerung der Kohlenförderung in dem in Frage kommenden Ausland und sagte in diesem Zusammenhänge, die 1250 Millionen Goldfran- ken, die aus dem Ruhrpfand nach Poincarâs Gelbbuch jährlich herausgepreßt werden sollten, würden Illusion bleiben, wenn der Geist, wie er in den sogenannten Micumverträgen sich zeige, auch in Zukunft die Vertragsgegner beherrsche. Es müsse bestimmt erwartet werden, daß, wenn nicht schon bei den inzwischen vom Januar in den Februar verlegten Nachlieferungen, so jedenfalls nach dem Ablauf der Micum-Abkommen Mitte April, die Verpflichtungen des Bergbaues auf wesentlich andere Grundlagen gestellt werden als bisher. Bennhold wies zum Schluß darauf hin, daß die Flüssigkeit und Unberechenbarkeit des Marktes eine größere Beweglichkeit der bisher starren, für das gesamte Absatzgebiet der einzelnen Syndikate einheitlich festgesetzten Preise verlangt.
Im weiteren Verlauf der Sitzung des Reichs- kohlenrats sprach der Ministerialrat Prinz über den Kohlenbedarf der Reichsbahn und sagte u. a>: Gestern teilten die maßgebenden deutschen Lieferverbände mit, daß die Reichsbahn jetzt monatlich auf 750 000 Tonnen deutsche Kohlen rechnen könne. Da sich ihr Gesamtmonatsbedarf aber auf rund 1 100 000 belaufe, müsse der Fehlbetrag weiter vom Ausland eingeführt werden. Uebrigens wolle die Reichsbahn in den Anforderungen an die Qualität der Kohlen bis zu der durch die Betriebssicherheit und die Wirtschaft gesetzten Grenze gehen.
würde, sobald es ausgeglichen wäre. DA Freunde Frankreichs schnitten chm nicht das Recht ab, seine Forderung an Deutschland ein« zuziehen, aber sie verlangen von ihm, daß es eine ausgeglichene Betriebsbilanz vorweise. Das sei vielleicht grausam und ungerecht, denn man berücksichtige dabei nicht die hervorragende Lefftung, die Frankreich durch den Ausgleich seiner Handelsbilanz beispielsweise vollbracht habe. Aber es sei eine Notwendigkeit, sich in diese Forderungen zu fügen. Sämtliche Nationen, denen es gelungen sei, ihre Währung zu stabilisieren, hätten den Anfang mit dem Ausgleich ihres Budgets gemacht. Man brauche im übrigen nur an die Vorgänge vom 15. Januar zu denken. Es habe genügt, daß die Regierung öffentlich ihren Entschluß bekundete, energische Maßnahmen zu treffen, um de« Kurs des englischen Pfundes von 98 auf 90 zu drücken. (Zwischenruf des kommunistischen Abgeordneten Lafont: Nach der Rede des Ministerpräsidenten ist er wieder gestiegen. PoincarS: Er ist wieder gestiegen nach Ihrer Opposition.)
Der Berichterstatter fährt fort, es hänge von der Entscheidung der Kammer ab, ob das Vertrauen endgültig wieder herge- stellt und der Kredit Frankreichs vor den Schlägen der Spekulanten in Sicherheit gebracht werden solle. Das Parlament stehe vor der Alternative, entweder sich zu der von der Regierung verlangten Leistung aufzuraffen und die ständigen Einnahmen zur Deckung der ständigen Ausgaben zu finden oder aber die Verleumdung und die Gehässigkeit der Spekulation weiter am Kredit Frankreichs nagen zu lassen.
Nach dem Berichterstatter ergreift als erster eingetragener Redner der Abg. Dutreil das Wort. Er bezweifelt, daß der Steuerentwurf
DMien herbeiführe, und fürch- tet, daß er die Teuerung nur verschärfen würde. Der Redner verlangt eine Gesamtpolitik aus wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet, die sich der gegenwärtigen Lage anzupassen hätte.
Der Abgeordnete D u b o i n bezeichnet die Entwürfe als Notbehelf. Man habe allzulange von der Formel gelebt, „Deutschland werde bezahlen". Die Steuererhöhung wèkrde unpopulär und wirkungslos sein.
Der Abg. T a i t t i n g e r erklärt, es stehe fest, daß das Parlament in einer heiklen Lage sei. Den französischen Steuerzahler erfasse Besorgnis bei dem Gedanken, daß er für ein Budget aufkommen solle, das nach Auffassung der ganzen Welt Deutschland zur Last solle. Sei nicht zu fürchten, daß man, wenn Frank- reiche diese Ersparnisse machte und diese neue Maßnahme aufbringe, erkläre: Eure verwüsteten Gebiete sind wieder hergeftellt, und nun versetzt die ganze Welt nicht in Ausregung mit euren Reparationenl
Ministerpräsident Poincars protestiert gegen diese Aeußerung, die nach seiner Ansicht den Feinden Frankreichs als Waffe dienen werde.
Abg. Taittinger macht dem Ministerpräsidenten den Vorwurs, nicht damit gerechnet zu haben, daß die Deutschen, um den französischen Druck im Ruhrgebiet zu lockern, den Versuch machen würden, Frankreich an seiner chwächsten Stelle zu packen. Rach seiner An- icht könnten die französischen Metallindustriellen und die WiederaufbaWesellschaften große Dollarkredite erlangen , was Poincars bezweifelt. Abg. Taittinger fürchtet, daß die Maßnahmen zur Unterbrürfung der Steuerhinterziehungen gegenüber den Großkapitalisten unwirksam seien und fragt sich, ob die Oeffent- lichkeit nicht in erster Linie vom Parlament und von der Regierung verlange, selbst zu sparen. Poincarè beruft sich darauf, daß er das Programm der Regierung noch nicht im vollen Umfange bekanntgegeben habe. Er hoffe den Redner zu befriedigen, aber er werde nicht in die Einzelheiten eingehen, bevor er die Vollmacht zum Erlaß von Verordnungen in der Hand habe. Auf diese Aeußerung hin kommt es zu heftigen Protesten auf der Linken un- äußersten Linken, von wo aus Poincars zu gerufen wird: „Das ist die Diktatur, das ist Mussolini". Das ganze Haus gerät in Unruhe.
Im weiteren Verlaufe geraten auch Mini fte r p r ä fi d e n t und Herriot in einen energischen Wortwechsel, wobei Poincars es ablehnt, von irgend jemandem gute Lehren bezüglich der Verteidigung der Republik anzu- nehmen. Schließlich fordert Poincars die Kammer auf, die weitere Debatte auf morgen vormittag und nachmittag zu vertagen. Die Kammer beschließt in diesem Sinne mit 453 aeaen 110 Stimmen, aewäbrt aber noch dem