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Einzelnummer 13 Gol-psennig

SanauerS Anzeiger

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

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Nr. 17

Montag den 21. Januar

1924

Das Neueste.

Dis französische Regie hat in der britischen Zone eine Blockade für die Einfuhr errichtet.

In Berlin trat gestern der Reichsausschutz der Zentrumsvartei zu einer Tagung zusammen.

In England ist in der letzten Nacht ein Eisendabnerstreik ausgebrochen.

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Gedanken zur neuen Woche.

In Paris wird heute der Reichsbank - präsiÄent Dr. Schacht vor dem ersten Ausschuß der internationalen Sachverständigen über Deutschlands Finanzlia'g^ und Währungs­politik gehört werden. Auch der zweite Unter­suchungsausschuß, der sich bekanntlich mit der deutschen Kapitalflucht beschäftigt, wird Dr. Schacht zu seinen Beratungen hinzuziehen. Die Reise des Bankpräsidenten nach Paris ist ein Beweis dafür, daß die Sachverständigen wirk­lich Wert darauf legen, sich eine eigene und unabhängige Meinung zu bilden. Auf der an- öem Seite zwingt allerdings diese Reise den ReichÄbankprästdenten dazu, die Vorarbeiten für die Gründung der deutschen Goldnotenbank wenigstens für eine Weile zu unterbrechen. Diese Vorarbeiten sind schon sehr wesentlich ge­fördert, sodaß man Mit einer ziemlichen Be­stimmtheit mit dem Zustandekommen dieser wichtigen Gründung rechnen kann. Dr. Schacht, der mit der festen Ueberzeugung von der Not­wendigkeit einer solchen Gründung sein Amt an getreten hat, ist in der letzten Zeit überaus tätig gewesen, um den Plan sobald wir irgend möglich zu verwirklichen. Die Dinge verlangen die denkbar größte Beschleunigung, da von dem Zustandekommen einer deutschen Gold- mit ausländischer KapitalÄbeteAigung

« Mc Sicherung unserer Währung ätzten Endes

abhängt. Insofern bedeutet also die Abwesen­heit Dr. Schachts von Berlin eine unliebsame Verzögerung. Aber die Vertretung Deutschlands im SachverstäNd igenau sschu ß ist natürlich auch von außerordentlich großer Wichtigkeit und bei v der Energie Dr. Schachts kann man davon überzeugt sein, daß er die verlorene Zeit nach Kräften wieder einholt.

Die Tätigkeit der Sachverständigenkom­mission in Paris kann der Ausgangspunkt einer erfolgversprechenden Entwicklung sein. Aller­dings muß man HasKann" sehr stark betonen, da wir noch weit davon entfernt sind, mit einem sicheren Fortschritt auf dem dornenvollen Wege der Reparationsverhandlungen rechnen zu können. Die internationalen Sachverständigen werden zweifellos ihr Urteil genau so unab­hängig bilden, wie es der englische General­konsul Clive in der Pfalz getan hat. Aber es hängt schließlich alles davon ab, ob der fran- A ö s i s ch e Ministerpräsident geneigt lein wird, auf das Urteil und die Ratschläge der Sachverständigen zu hören. Die Aussichten nach dieser Richtung finlb nicht eben günstig. Die èterpellationsdobatte hat dem französischen Ministerpräsidenten eine ziemlich ansehnliche Vertrauensmohrheit gebracht und Poincarë ist Sum Abschluß dieser Debatte wieder ganz in die -.onart verfallen, die er in seinen schlimmsten -bogen gegen Deutschland angewandt hat. Er yat auch in sachlicher Beziehung nicht Schwie- ugkeiten aus dem Wege geräumt, sondern neue Schwierigkeiten angehäuft. So sucht er immer den bösen deutschen Willen festzustellen, weg angeblich die deutsche Regierung der Eisen- vaynregie im besetzten Gebiete nicht genügend .,oromottoen und Wagen stellt. Dieser Einwand P milden Haaren herbeigezogen und soll offen- °r ebenso wie die Frage der Militärkontrolle ^öu dienen, die Verhandlungen über die Re- parationsirage zu erschweren, wenn nicht ganz u verhindern. Man wird diesen recht dunklen Untergrund immer im Auge behalten müssen, . nn man die Beratungen der Sachverstän- k-E^^schüsse verfolgt. Was alles auch an Er- ntnls in den Ausschüssen zutage gefördert a3 es hilft nichts, solange die der französischen Politik die- ob der K a b i n e t t s w e chf e l n 91 u n b den Kurs der französischen Po- tffw^änien^ beeinflussen wird, ist noch eine niä'4 » ^ wird es bleiben, solange man bens,ra t ^.^i6 Entwicklung erlebt. Wir wer­de- uicht lange zu warten haben, denn ° c des Kabinetts Baldwin wird mor- unb die Bildung eines Kabinetts daram^d âd mit ebenso großer Sicherheit Die Wirkung dieses für Eng­es Jnnenvolitik bochbedeutsamen Ereignisses

wird sich in außenpolitischer Beziehung erst noch zeigen müssen. Vor Überschätzungen' ist jeden­falls zu warnen. Zweifellos hat die englische Politik in der letzten Zeit einen Anlauf zu einer schärferen Vertretung englischer Interessen ge­nommen. Der Vorstoß Lortz Curzons gegen Frankreichs Rheinpläne und die damit in Ver­bindung stehenden Machenschaften in der Pfalz hat zum ersten Male bewiesen, daß England seine Konfliktsscheu überwunden hat. Wenn eine englische Zeitungsmeldung richtig ist, so wird Macdonald einen zweiten Vorstoß folgen lassen, der sich gegen die Militärkontrolle richtet. Er will diese Kontrolle gemäß dem Versailler Ver­trag dem Völkerbund übertragen missen, was ja ganz dem sonstigen Eintreten des künftigen englischen Ministerpräsidenten für den Völker­bund entsprechen würde. Aber Poincarè ist zäher denn je. Er weiß, daß es bei der Ver- terdigung seines Kurses um seine politische Existenz geht und deshalb will er der Alte blei­ben bis die Neuwahlen zur französischen Kammer zeigen werden , welcher Wind in Frankreich selbst weht.

Kolöe Eintracht, süßer Friede!"

Paris, 20. Jan. Ministerpräsident Poincarö beschränkte sich in einer Rede, die er heute zur Einweihung eines Kriegerdenkmals im 7. Pariser Arrondissement hielt, im wesentlichen auf lokale Kriegserinnerungen. Am Schluß betonte er, Frankreich wünsche, friedlich seiner Arbeit nach­zugehen. Wenn es für die Beobachtung des Friedensvertrags und die Aufrechterhaltung der in ihnen festgelegten Rechte eintrete, so wolle es damit die allgemeine Eintracht verteidigen. Frankreich wünsche unter dem Schutze des be­schworenen Vertrages in Sicherheit zu leben es durch den Krieg er- litten habe, wieder gutzumachen. Keine poli­tische Hetze, kein Finanzmanöver, kein Druck des Auslandes würde diese Stimme des Gewissens ersticken. Frankreich sei keine von imperialisti­schem Wahnsinn erfüllte Macht, die nach fremdem Gut trachte. (?) Es wünsche das Glück der anderen Völker, und zwar nicht nur das seiner Alliierten, sondern auch das seiner ehemaligen Feinde, vorausgesetzt, daß sie ihre Vergangenheit ausmerzten und sich besserten, Frankreich sei bescheiden, es wünsche nichts weiter, als daß es von Niemanden um das ge­bracht werde, was ihm versprochen worden sei, und daß es nicht wieder von feinen Nachbarn an der Kehle gepackt werde.

Blockade Ser brttischSN Rhemzone durch Frauzosen.

Paris, 20. Jan. Havas teilt offiziös mit, daß zu den Nachrichten über die zwischen der französisch­belgischen Eiscnbahnregie und den englischen Behörden der Kölner Besatzungszone entstandenen Schwierig­keiten erklärt werde, die britische Regierung habe es in der Tat abgelehnt, sich mit der Regie über die eng­lische Zone zu verständigen, was für den Handel und namentlich für den von Köln eine beträchtliche Er­schwerung darstelle. Da diese Haltung der englischen Behörden, die Regie verhindere, die durch die Kölner Zone gehenden Strecken für den Verkehr zu verwen­den, habe es sich als nötig heraüsgestellt, Maßnahmen zu treffen, die die Konzentration des Regieverkehrs auf den übrigen Strecken ermöglichen. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch anscheinend noch nicht getroffen.

Nach einer Meldung der gleichen Agentur aus Mainz über die Benutzung der Strecke NeußDüren- EuskirchenBonn zur Umgehung der englischen Zone nimmt dieser Verkehr sämtliche auf den Bahnhöfen dèr fraglichen Strecke zur Verfügung stehenden Mittel in Anspruch, so daß die Einrichtungen für einen erheb­lichen Austauschverkehr mit der Kölner Zone uicht verfügbar seien. Um Verstopfung zu vermeiden, habe daher die Regie den Austausch mit der Kölner Zone auf ein Minimum einschränkcn müssen, und das werde sich leider nicht bessern, ehe nicht der Regie die Mög­lichkeit gegeben sei, Die Strecken der englischen Zone genau so zu benutzen, wie sie die deutsche Verwaltung benutzte.

London, 21. Jan. In einer Blätter­meldung aus Köln heißt es, die französische Regie habe den britischen Behörden den Krieg erklärt, durch die Erhebung einer Blockade gegen alle Einfuhr, ausgenommen Lebens­mittel und Militär-Transporte. Dieses stelle die unverkennbare Anstrengung dar, Handel und Industrie auszuhungern, damit sich ein Widerstand gegen die feste britische Haltung bezüglich der Verwaltung der Eisenbahn er­gebe. Die Frage bestehe jetzt, ob britische Kohlen noch länger nach der französischen und der belgischen Zone gesandt werden sollen, solange diese Blockade andauere.

der Reparationssrage praktisch durchführbare Lösungen nt erzielen, wie sie die Führer der oppositionellen Parteien nicht zu finden verstanden hätten. Die Revarations-frage sei mehr politischer als wirtschaftlicher Art. Manhabe es mit einem Konflikt von Willens richtnngen zn tun. Die angebliche materielle Unmög­lichkeit, die man Frankreich entgegenhalte, würde sich verflüchtigen, sobald diese WillenSrichtungen im 6in« klang miteinander ständen. Macdonald vermöge viel in dieser Beziehung. Aber abgesehen von England und abgesehen selbst von der Kleinen Entente möchte man gerne in der Lage sein, festzustellen, daß auch andere Länder, der gemeinsamen Gefahr bewußt, auf die deutsche öffentliche Meinung Einfluß nähmen, darnit diese das Berliner Kabinett bestimme, aus seinem circulns vitiosus herauszutreten.

DemTempS" scheint es, daß Frankreich bie Jniative zu neuen Verhandlungen über die Kriegs­schulden ergreifen sollte. Es könnte nach dem Bei­spiele Englands zunächst einmal mit den Vereinigten Staaten Fühlung nehmen. Zunächst würde man den genauen Betrag der amerikanischen Forderung an Frank­reich festsctzen. Wenn bis jetzt noch kein Gesamtbetrag im gegenseitigen Einvernehmen festgesetzt fei, dann würde man über die Grundlagen einer Regelung ver­handeln. Die tatsächlichen Zahlungen würden natür­lich in gewissem Maße von d«n Mitteln abhängig sein, bie Frankreich sich nach und nach durch die. Einziehung seiner Forderungen an Deutschland verschaffen würde. Die Debatte sei iedenfalls unvermeidlich und Frankreich würde daber gewinnen, wenn es sie selbst eröffnete. Während es verlieren würde, wenn es ihr aus dem Wege ginge. Eine französisch­amerikanische Regelung würde auch zweckmässig An­haltspunkte für die Festsetzung der künftigen deutschen Zahlungen liefern. Sie würde schließlich vielleicht auch die Gelegenheit zu einer späteren Verständigung zwischen den Franzosen und Engländern mit sich bringen.

Eisen bahnerslreik in England.

London, 20. Jan. Die Vertreter der Lokomotiv­heizer-Gewerkschaft haben beschlossen, den Ausstand poch heute, Soniftag um Mitternacht zu eröffnen.

London, 21. 3an. Nach einer amtlichen Meldung begann der Streik der Eisenbahner am Sonntag um Mitternacht.

Entschließung d. deutschen Volksparkei

Frankfurt a. M., 20. Jan. In einer Ver­sammlung von Vertretern der Deutschen Volkspartei des ganzen besetzten Gebietes, die heute in Frank­furt a. M. stattfand, wurde eine Entschließung an« genommen, in der es heitzt:

Wir begrüßen den Beginn unmittelbarer Ver­handlungen zwischen der Reichsregierung und Frank­reich über die Zustände an Rhein und Ruhr, war­nen aber eindringlich vor dem Versuch, unter Aus­schaltung der politischen Parteien wirtschaftliche Körperschaften mit der politischen Verantwortung für das Schicksal des Rheinlandes zu belasten. Eine aussichtsreiche Fortführung der Verhandlungen ersche int jedoch unmöglich, solange nicht die Schreckens­herrschaft der separatistischen Banden, besonders in der Pfalz, ihr Ende findet.

Weiter wird in der Entschließung die Rückkehr der Vertriebenen, die Freigabe der Gefangenen und die völlige Wiederherstellung der politischen Rechte, insbesondere der Preffe- und Versammlungs­freiheit, gefordert und ferner betont, daß die Rück­gabe der Bahnen an die deutsche Verwaltung stets unsere Hauptsorderung sein müsse. Unter keinen Umständen dürften Teile des Reichseisenbahnnetzes, um angeblich örtliche Schwierigkeiten zu überwinden, an die Regie abgetreten.werden.

In der Entschließung wird ferner dargelegt, daß die Micumverträge der Industrie des besetzten Gebietes auf die Dauer unerschwingliche Lasten auferlegen, daß die Zollinie den Absatz in das un­besetzte Gebiet unmöglich mache und die rheinische Wirrschaft lahmlege, und daß es für das besetzte Gebiet dringend der Schaffung eines wertbeständigen Zahlungsmittels bedarf. Die Zulaffung einer be­sonderen Goldnotenbank sei jedoch nur zu gestatten, wenn die Interessen des Reiches hinlänglich gewahrt und die Einheit der Reichswährung sowie die spätere leberführung in die Reichsgoldnotenbank gesichert bleiben. Ein Rheinstaat wird in der Entschließung mit aller Entschiedenheit abgelehnt und gefordert, daß der Widerstand gegen die separatistisches Räu- berbanoen auch weiterhin fortdauere, um der ganzen Welt den Beweis für die unwandelbare Zugehörig­keit aller besetzten Gebiete zum Deutschen Reiche und zum deutschen Volkstum zu geben. Von der Reichsregierung wird schließlich erwartet, daß sie mit allem Nachdruck auf die Innehaltung der in Versailles getroffenen Bestimmungen drängen und insbesondere auch die rechtzeitige Räumung der. belebten Gebiete nach den dort festgelegten Fristen verlangen wird. Weiter wird erwartet, daß sich die Rerchsreaierung wie bisher in weitestgehendem Maße der Not und Sorgen der besetzten Gebiete annimmt und alles tun wird, um die Einheit von Rheinland und Reich bis zum äußersten zu wahren.

Die Entschließung schließt mit dem Ausdruck der Zuversicht, daß nuch diese Zeit der Verelendung und Knechtung des ganzen Volkes vorübergehen wird.

Aeichsausfchutz der Zenlrumspartek.

Sonntag vormittag begann im Reichstag die Tagung der Reichsaussckufies her deutschen

London, 20. Januar. Der diplomatische Be­richterstatter desObserver" schreibt zu der Blockade der britischen Rheinzone durch die französische Eiien- bahnregie: Die schon seit einiger Zeit bestehende Spannung zwischen den Franzosen und den englischen Behörden im Rheinland habe sich durch das Versagen jeglichen Entgegenkommens seitens der französischen Regie verschlimmert. Die Haltung der Franzosen sei hervorgerufen worden durch die feste Weigerung Lord Kilmarnoks, den fran­zösischen Behörden zu gestatten, die britisch« Zone als Werkzeug zur Zertrümmerung Deutschlands zu behandeln. Dem Widerstand Lord Kilniarnocks gegenüber dem französischen Versuch, die Mission des Generalkonsuls Clive in der Pfalz zu verhindern, habe erneut die Entschlossenheit der britische» Regie­rung bewiesen, nicht an dem vollkommen ungesetzlichen Versuch der Errichtung einer autonomen Regierung teilzunehmen. Daher die offenbare Feindschaft der französischen Behörden gegen die brititische Zone. Die Schwierigkeiten der britischen Behörden würden allerdings nicht ernstlich vermehrt, denn schon sei den britischen Interessen großer Schaden zugefügt worden, aber sie würden jetzt aller Welt offenbar. Das wirk­lich Interessante sei, daß durch diese Ereignisse klar ge­worden sei, daß die Franzosen sich nicht mehr ernstlich bemühten, den französischen Vorspann der separatistischen Bewegung in der Pfalz zu verheimlichen.

Englische Demarche in Paris.

Paris, 21. Januar. Nach einer vomPetit Journal" veröffentlichten Meldung aus London verlautet in gut unterrichteten Kreisen, daß der englische Botschafter in Paris Auftrag erhalten habe, bei Poincarè eine Demarche zu unternehmen, die sich auf die von der französisch-belgischen Eisen- bahn-Regie getroffene Anordnung insbesondere im Eisenbahnverkehr mit der englischen Zone beziehe.

Französische Spekulation auf Maedona?d.

Paris, 20. Jan. Im Hinblick auf den bevor­stehenden Kabinettswechsel in England schreibt das ..Journal des Dèbats" : Macdonald würde ein er­hebliches Prestige erwerben, wenn es ihm gelänge, in der Reparationsfrage praktisch durchführbare Lösungen zu erzielen, wie sie die Führer der tradi­tionellen Parteien nicht zu finden verstanden hätten. Die Reparationsfrage sei mehr politischer als wirt­schaftlicher Art. Man habe es mit einem Konflikt von Willensrichtungen zu tun. Die angebliche materielle Unmöglichkeit, die man in Frankreich entgegenhalte, würde sich verflüchtigen, sobald diese Willensrichtungen im Einklang miteinander stünden. Macdonald vermöge viel in dieser Beziehung. Aber abgesehen von England und abgesehen selbst von der kleinen Entente möchte man gerne in der Lage sein, festzustellen, daß auch andere Länder, der ge- meinsamen Gefahr bewußt, auf dis deutsche öffent­liche Meinung Einfluß nähmen, damit diese das Ber­liner Kabinett bestimme, aus seinem circulus vitiosus herauszutreten.

DemTemps" scheint es, daß Frankreich die Initiative zu neuen Verhandlungen über die Kriegs­schulden ergreifen sollte. Es könnte nach dem Bei­spiel Englands mit den Vereinigten Staaten Füh­lung nehmen. Zunächst würde man den genauen Betrag der amerikanischen Forderung an Frankreich festsetzen, dann würde man über die Grundlagen einer Regelung verhandeln. Die tat­sächlichen Zahlungen würden natürlich in gewißem Maße von den Mitteln abhängig sein, die Frank­reich sich nach und nach durch die Einziehung seiner Forderungen an Deutschland verschaffen würde. Die Debatte sei jedenfalls unvermeidlich und Frankreich würde dabei gewinnen, wenn es sie selbst eröffnete, während es verlieren würde, wenn es ihr aus dem Wege ginge. Eine französisch-amerikanische Rege­lung würde auch zweckmâtzig Anhaltspunkte für die Festsetzung der Zünftigen deutschen Zahlungen liefern. Sie würde schließlich vielleicht auch die Gelegenheit zu einer späteren Verständigung zwischen den Fran­zosen und Engländern mit sich bringen.

Das voraussichtliche Kabinett WaedonalSs.

London, 21. Jan. DieSundah Times" teilt auf Grund von Informationen folgende voraussichtliche Zusammensetzung des neuen LrbcitSkabinettS mit:

Premierminister und Staatssekretär deS Aenßern: Ramsay Macdonald, Geheim-Siegelverwalter: Lord ClyneS, Lordkanzler: Lord Parmosr, Stadtkanzlcr II Snobden, Finanzsekretär deS Schatzamtes: Grahani, Minister des Innern: Arthur Hendersen, Kriegs» nun r: Thomas, erster Lord der Admiralität: Lord Halcanc, Kolonialsekretär: Wedgood, oder Benn, Spoon, Präsident des LandwirtschastsamteS: Noel Buxtons Arbeitsminister: Sydney Webb, GesundheitS- mumter: Wheatley, UnttmdiMminuter: Trevelyan, Pensionsmmlftcr: - Ro'«rt, Präsident des Handels- amteS: Greemoon, Generalpostnikister: HarrShorn. Sekretär für Schottland: Avamion, UntetfiaatSfetretär des Aeutzern: Brwadegeneral.Thomion, Unterstaatr- jekretär des Home Office Mts. Bondfield, Attorney Gene­ral Patrijk Hastings und Solicitor General Sleffer. Französische Sèimmen zum devor- ftehenöen englisch .-n KaLinettswech)?!.

Paris, 20. Jan. Im Hinblick auf den bereor« stehenden Kadinettswechsel in England schreibt das Journal des Debats": Macdonald würde ein erheb­liches Prestige erwerben, Wenn es ihm aelänae. in