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Hanauer

General-Anzeiger / AmMches

Erscheint täglich mit Ausnahme her Eon«, und Leiertage. / Fernlprech-Anjchluß Nr. 1237»

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Bt. 149 Donnerstag den 28. Juni 1923

Das Neueste.

•— Der Papst hat eine Kundgebung über Re Lösung der Reparationsfrage erlassen.

In Buer ist gestern der Belagerungs- MarÄ noch verschärft worden. Weitere Todes- Opfer sind zu verzeichnen.

— Der Landarbeiterstreik in Niederschlesien ist beigelegt: die Arbeit ist heute wieder ausge­nommen worden.

— Auf den serbischen Ministerpräsidenten wurde gestern ein Revolverattentat verübt. Der Präsident blieb unverletzt.

Gegen die Kleinmütigen.

Sine Rede des bayerischen Ministerpräsidenten.

München, 27. Juni. Der bayrische Minister- Präsident Dr. v. Knilling hielt im Landtag iu dem Etat des Ministeriums des Aeußeren eine fett längerem angekündigte Rede.

Er leitete sie ein mit einer Kritik der außen­politischen Haltung des deutschen Volkes. Er be­tonte, es müsse das ganze innerpolitische Verhalten vor allem unter dem Gesichtswinkel der Auswirkung nach außen beurteilt werden. Aber die Größe Bismarcks habe die deutsche Nation nicht an ein selbständiges außenpolitisches 1 Denken gewöhnen lassen. Der Friedensvertrag von Versailles wäre nicht möglich gewesen, wenn das deutsche Volk seinen neuen Aufgaben anders gewachsen gewesen wäre. Noch immer sei es ein unpolitisches Volk trotz der harten Schule, durch die es in den letzten Zähren habe gehen müssen. Immer noch bringe das deutsche Volk nicht die Kraft und den Willen auf nach außen als geschlossene Einheit dazustehen. Nicht laut und tief und eindringlich genug könne die Forderung in das ganze Volk hinausgeschrieen werden: ^Besinne dich auf das, was Nation fein heißt, und fanae endlich an, ein politisches Volk M werden!" Der Redner gab sodann einen Rück-

en

daß von einèMschuldhaften Verhalten Deutschlands nirgends die Rede sein könne. Aber selbst wenn die von Frankreich behaupteten tatsächlichen Ver­fehlungen zuträfen, bleibe auch dann der Ruhrein­bruch ein frevelhafter Bruch des Versailler Vertrages und des Völkerbundsrechts und eine brutale, rechts­widrige Vergewaltigung eines wehrlosen Volkes. Das französische Ziel ist überhaupt kein wirtschaft- «ches, sondern ein politisches: die Wiederholung der Politik Ludwigs XIV. und Rapeleons L, näm= «ch die Zertrümmerung des Deutschen Reiches, seine Abdrängung vom Rhein und dadurch die dauernde Machtüberlegenheit Frankreichs in Europa. Zu diesem Zweck unterstütze Frankreich die Ruhr- auion durch Anzettelung separatistischen Hochverrates in Bayern und unterstütze auch die K o m m u n i st e n im Norden und in der Pfalz und fordere in der Pfalz zur Bildung der Rheinischen Republik auf. Deutschland kämpfe an »er Ruhr und am Rhein nicht bloß um seine eigene Weng, es kämpfe um den Frieden Europas. Die vmschaft der Franzosen am Rhein bedeute nicht Unterjochung Deutschlands, sondern auch vegenomie derfranzösischenGewalt-uno Eroberungs­politik in Europa und Friedlosigkeit der Welt. Nach ^aer Schilderung der Schandtaten der Franzosen Wachte Knilling dankbar der Kundgebungen des Mstes, der schwedischen Bischöfe und eines hohen Ruyters im Schweizer Nationalrat gegen das Un= uerliche, das am Rhein und an der Ruhr ge­schieht. Aber, so fuhr er fort, das Rechtsgefüht in W Welt, das Weltgewissen, fei eingeschlafen. Der dieser Teilnahmlosigkeit sei, daß die Welt u°ch immer vielfach an die größte Lüge der Welt? glaste an

e an

^is angebliche Schuld Deutschlands am Weltkrieg

Slaube. Damit müsse einmal aufgeräumt werden. ■ms Ausland verstehe es nicht warum Deutschland Mkrge, wenn es nicht schuldig sei. (Zwischenrufe: ««‘hsregieinng!) Solange die Kriegsschuldige bisher die Welt beherrsche, sei eine Wiederge- mndung nicht möglich. Alle Kreise des deutschen erwarteten deshalb zuversichtlich, daß die Li>° bregierung in der Schuldfrage zur Offensive ^öehe und von den Wahrheitszeugnissen Ee- rauch mache, die neuerlich den russischen Archiven “Kanten seien, und durch die der französtjchen Währungspolitik die heuchlerische Maske des rcyts und der Friedfertigkeit abgerissen werde, unsittlichem Zwang beruhende Unterschrift heute jeder Gerechtdenkende als null und erkennen. Wir bitten nicht um Mitleid, mn« " fordern Gerechtigkeit. Infolge feiner Ent- sei Deutschland nicht im Stande dem Begehen aktiven Widerstand ent- passive Wider st and, sei ein elemen- Vkn£Jr Naturgewalt aus der Seele des Volkes Dj,^â)!enrr und von all seinen Kräften getragener, besnki ^^derstand habe nicht von der Regierung ih2 9ten werden können, er könne auch nicht von >m»kk"^hsohlen werden. Die französische Politik nah,? ?u$ heute wieder auf deutscher Seite mit sie , ^Mchtt Folgerichtigkeit die Kraft, an der beufi* ' ä?®eR müsse. Wenn irgend etwas das Mn«/ Volk zu einer starken, geschlossenen Einheit ^ouzuschtießen vermöge, so sei es der gerechte ^fIwEeichs Wahnsinnspolitik zeugen müsse. Asj^.choem Dr. v. Knilling den kämpfenden oern und Schwestern am Rhein und an der

Eine Kundgebung öes Papstes.

Prüfung der Reparalionsfrage im Geiste des Christentums. — Die Gefahren der Verblendung. — Andere Bürgschaften als die Besetzung

Rom, 27. 3uni. Der Papst hak an den Kardinalstaatssekretär G a f p a r r i ein Schrei­ben gerichtet, in dem er auf feine wiederholten seit Beginn feines Pontifikats für die Ruhe Europas und das Heil der Nationen unter­nommenen Versuche hinweist, einen wahren Frieden und ein dauerndes Einvernehmen unter den Staaten herbeizuführen. D i e i n t e r n a - tionalenBeziehungen hätten sich jedoch nicht nur nicht gebessert, sondern vielmehr ver- schlechter^ derart, daß sie für die Zukunft zudenernstestenBesorgnissenAa- l a ß g ä b e n. Der Papst hebt hervor, daß er gegenüber dieser Lage nicht gleichgültig bleiben könne. Er müsse von jeder Gelegenheit Ge­brauch machen, die sich ihm biete, um bei der Herstellung des Friedens mitzuwir­ken. Deshalb halte er es für feine Pflicht, wäh­rend zwischen den an dem Konflikt am meisten beteiligten Mächten neue Vorschläge und neue diplomatische Verhandlungen vorbereitet wür­

den, um eine freundschaftliche Lösung der Mitteleuropa und infolgedessen unvermeidlich alle Nationen bewegenden Fragen zu finden, feine unparteiische und wohl- meinende Stimme zu erheben, schweren Verant- und allen denen

3m Bewußtsein der

Wörtlichkeit, die ihm

zufalle, die in ihren Händen die Ge­schicke der Völker halten, richte er an sie die i n st ä n d i g e Bitte, die verschiedenen Fra-

einmal zu prüfen, der die Forderungen der Gerechtigkeit nicht von denen der Barm­herzigkeit scheide, auf der das Leben der Völker beruhe. Wenn in der Absicht, die sehr schweren Schäden, die der Bevölkerung ehedem blühen­der Länder zugefügt worden sei, wieder her- zustellen, der Schuldner einen Beweis des guten Willens, zu einer billigen und endgültigen Ver­ständigung zu gelangen, gebe, indem er ein un- parteiisches Urteil über die Grenze seiner Zah­lungsfähigkeit anrufe und den Schiedsrichtern alle Mittel einer ernsten und genauen Kon­trolle zusichere, verlangen es die Gerechtigkeit und Nächstenliebe gleichwie das Interesse der Gläubiger selbst und aller der Zwistigkeit müden und sich nach Ruhe sehnenden Völker, daß von dem Schuldner nicht verlangt werde, was er nicht leisten könnte, ohne seine Quellen und sein Produktionsver- mögen bis zu seiner völligen Vernichtung und bis zur Vernichtung seiner Gläubiger selbst zu erschöpfen, nicht zu reden von der Gefahr s o - zialen Umsturzes, der der größte Ruin ganz Europas und eine ständige Gefahr neuer und noch verderblicherer Verwick­lungen wäre. Ls sei gerecht, daß die Gläubiger ihren Forderungen ent­sprechende Bürgschaften verlang­ten. Ihnen sei es überlassen, zu prüfen, ob es tatsächlich notwendig sei, unter allen Um­ständen die Besetzung von Gebieten aufrecht zu erhalten, die für das besetzte Land und die be­setzenden Völker mit großen Opfern verbunden sei, oder ob es nicht besser wäre, die B e -

Ruhr gedankt hatte, fuhr er fort: Ueber das poli­tische Ziel der Franzosen sei ein Verhandeln unmög­lich. Denn dieses Ziel greife an den Bestand des Deutschen Reiches und der deutschen Nation. Darüber könne und dürfe nicht verhandelt werden. Deutsches Land und deutsche Souveränität dürfen nie und nimmermehr zum Gegenstand diplomatischer Verhandlungen und Kompensationen gemacht werden. Der Leistung von tragbaren Reparationen werde sich das deutsche Volk nicht entziehen. Und dann noch eins: ohne Rückgängigmachung der ungerechten Maßnahmen gegen treudeutsche Volksgenossen ohne Aufhebung der Ausweisungen und "kriegsgericht­lichen „Urteile“ keine wirtschaftliche Verständigung So lange Frankreich am Rhein stehe, gebe es für Europa keinen Frieden. Weg^n der ernsten Bedenken, die die bayrische Regierung gegen die Note der Reichsregierung vom 2. Mai geäußert habe, sei behauptet worden, daß Unstimmigkeiten zwischen der bayrischen Landesregierung und der Regierung Cuno bestünden. Nach seiner Ansicht wäre es vor. zuziehen gewesen, wenn der Reichskanzler in einer Rede im Reichstag, in der manches hätte gejagt werden tönnen, was viele in der Note vermißten, versucht hätte, den Faden inte-nationaler Erörte­rungen weiter zu spinnen, den der britische Außen­minister im Oberbaus vorsichyg genug hingeworsen habe. Diese Meinungsverschiedenheit sei von ihm nicht in die Oeffenttichkeit hinausgetragen worden. Bayern müsse es als fein ames Recht ansehen, im

setzung durch schrittweise einzu- führende andere Bürgschaften zu ersetzen, die nicht weniger wirksam und sicherlich weniger schmerzlich wären. Wenn die beiden Parteien sich auf dieser Grund­lage einigten, würde die Besetzung von Gebie­ten alsbald und nach und nach gänzlich auf­gehoben werden. Dann konnte endlich der wirk­liche Friede zwischen den Völkern hergestellt werden, der gleichzeitig die Vorbedingung für eine wirtschaftliche Wiederherstellung sei, die von allen Seiten so dringend gewünscht werde. Die Herstellung des Friedens und die wirtschaft- liche Wiederaufrichtung seien für alle Nationen, siegreiche und besiegte, gleich große Güter, jodaß um sie zu erlangen, keine notwendigen Opfer zu schwer sein sollten.

Frankreich hält an der Besetzung fest.

Paris, 28. Juni. Zum Briefe des Papstes über die Frage deS ReparationSproblems schreibt das „Echo de Paris", niemals bätten PoincarS und die gesamte öffentliche Meinung Frankreichs etwas anders erklärt, als der Papst. Frankreich sei nicht nach dem Ruhr­gebiet gegangen, um kriegerische Demonstrationen sh veranstalten, sondern um Schulden einzukassieren. Das begreife der heilige Vater vollkommen. Die ganze Frage beschränke sich darauf, zu wissen. ob es, um zu diesem Ziele zu gelangen, andere Mittel gäbe, als die Besetzung. Dos Blatt möchte wünschen, daß es solche Mittel geben möge. Alle Katholiken Frankreichs, alle Franzosen möchten das wünschen. Unglücklicherweise aber gäbe eS jenseits des Meines einige großeAushungercr,

Land ruiniere. Man begreife also ohne Schwierig- feiten das Bedauern des Papstes und auch Frankreich bebaure diesen Zustand, aber Frankreich werde nach der Stellungnahme Deutschlands die Maß­nahmen zu ergreifen wissen, die nötig seien, damit d er W i d erstand aufhöre. (Sollen etwa die Maßnahmen solcher Art sein, wie sie gegenwärtig in Buer gehandhabt werden? D. Red.)

Las „Petit Journal" schreibt, es ist unmöglich, sich zu verheimlichen, daß der päpstliche Vor­schlag darauf abzielt eine Revision von Versailles einzuleiten und die Unparteilichkeit der Revarationskommission anzu- zwci'cln, dte ausdemBersaillcrVertrag ihre Existenz und ihreMachtbefugnisseherleitet. Daessich umeineRevisionk- irage handelt, ist vorauszusehen, daß die meisten der französischen Katholiken bei aller Schuldigachtung auch ferner daran denken werden, daß unter diesen Stand­punkten von grundlegender Bedeutung ihr Standpunkt am besten mit der Gerechtigkeit vereinbar ist. Neben allen anbereit Punkten könne die Meinung des Heili­gen Studier das französische Gewissen nicht beun­ruhigen. Pius XI. halte die dauernde Besetzung deS Ruhrgkbietks für nicht weniger wirkungsvoll, er ziehe aber andere Maßnahmen vor. Das hätte auch die französische Regierung fortgesetzt betont und wenn Deutschland diese Garantie gegeben hatte, hätte cs nicht nötig gehabt, andere zu suchen. Der Papst halte auch gewisse ernste Kontrollmaßnahmen für nötig. Kr sei also einig mir allen alliierten Re­gierungen. Endlich schließe er sich der Formel einer progressiven Räumung im Rudrgebiet an, auf die sich Frankreich und Belgien in Brüssel geeinigt hatten. Aber wenn Deutschland und die gesamte öffentliche Meinung Deutschlands das ernste Gefühl hätten, für die Wohltaten der Pazifizierung, dann stehe es ihm vor allem zu die Opfer zu bringen, die der Pabst für nötig halte, also einen Appell zu hören.

Einzelfall feine abweichende Meinung gegenüber der Reichsregierung zu vertreten.

Die Minister der deutschen Länder kämen doch nicht bloß zum Jasagen nach Berlin.

(Sehr richtig! rechts.) Was er bei Antritt seines Amtes gesagt habe, daß eine Reichsregierung, die den berechtigten Lebensnotwendigkeiten der Länder gebührend Rechnung trage und eine zielbewußte, von nationaler Würde getragene Reichspolitik als ihre Aufgaae betrachte, Bayern stets als den ge­treuesten Gefolgsmann an ihrer Seite haben werde, halte er auch heute unverändert aufrecht. Die gegenwärtige Reichsregierung könne das Vertrauen beanspruchen, daß sie diesen Erfordernissen gerecht werde. Gerüchte von einer auch nur vorüber­gehenden Verstimmung zwischen der Reichsregierung und der bayrischen Landesregierung aus jenem Anlaß müsse er als das bezeichnen, was sie feien: haltlose Erfindungen! Die bayrische Regierung habe nur den aufrichtigen und sehnlichen Wunsch, daß die Reichsregierung durch ihre Bemühungen das Ziel endlichen Friedens erreiche. Von der jetzt jchwebendcn Entscheidung hänge das Schicksal Europas ab, und Ue ruhe in erster Linie in der Hand Englands. Wie auch die Entscheidung fallen mögt, die deutsche Wderstandskrajt dürfe nicht erlahmen. Würde das deutiche Volk jetzt nach solchen Opfern und Leiden als kleinmütig als schlapp gefunden, so würde es den Krieg zum

1918. Der harte

Deutschland, - und Wohl- : Bayrischen

um

zweitenmal und nur noch entschiedener^und end­gültiger verlieren als im Jahre ' ' Kampf gehe um aller Schicksal, Zukunft, um deutsche Freiheit, Ehre fahrt. (Lebhafter Beifall bei der Volkspartei.)

Die Passivität Englands.

London, 27. Iuni. 3m Unterhaus fragte das Parlamentsmitglied General Spears den Premierminister, ob er angesichts der Tatsache, daß jede weitere Verzögerung in der Beant­wortung der deutschen Note infolge der immer gefährlicher werdenden wirtschaftlichen Lage eine ernste Frage sei, in Erwägung ziehen werde, den an der Besetzung des Ruhrgebiets beteiligten Mächten vorzuschlagen, daß bis za der Entscheidung über die an Deutschland zu se«. dende Antwort keine weiteren Waß­nahmen unternommen werden sollen, die dazu beitragen würden, den finanziellen Zusammenbruch Deutschlands zu beschleunigen. Der Minister des Innern Vridegeman.der für Baldwin antwortete, sagte, der Premierminister sei nichtderAu» sicht, daß unter den augenblicklichen Umstän­den die Annahme dieses Vorschlags irgendeinem nützlichen Zweck dienen wurde. — Das Parlamentsmitglied Dedge- wood fragte, ob die Unterredungen zwischen Lord Crewe und Poincars die Stelle einer Ant­wort einnähmen. — Bridegemanhak darauf um vorherige Ankündigung dieser Frage.

Menschenhetze in Duer.

Essen, 27. Juni. 3n Duer wurde der Be. lagerungszustand noch weiter verschärfi. Gestern begann die Verkehrssperre bereits um 4 Uhr nachmittags. Von diesem Zeitpunkt an durfte

durste sich niemand an den Fenstern zeigen. Zwei Herren und eine Dame die nach (Eintritt der Verkehrssperre von einer Patrouille sefige- nommen wurden, wurden in der Weise zu dem nur in furjer Entfernung befindlichen Rathause gebracht, daß sie zuvor vier Stunden lang mit erhobene Händen vor einem mit Soldaten be­setzten Lastkraftwagen durch die Straßen getrieben wurden, wobei fortwährend über ihre Köpfe hinweg Schüsse knallten. — Es ist verboten, daß mehr als zwei Personen zusammen auf der Straße gehen. Patrouillen treiben die Leute mit Solbenstößev auseinander.

Selbst Krüppel werden erhoffen.

Esfen. 27. Iuni. Nach einer Meldung der Rkeinisch-Westfälischen Zeitung aus Duer wurde gestern mittag im alten Amkshause auf der Treppe zur Sparkasse der Zechenbote Prinzen von einem belgischen Offizier er­schossen. Prinzen war zuerst von dem Offi­zier gestoßen worden und soll sich dies in ener­gischer Weise verbeten haben. Prinzen ist Schwerkriegsbeschädigter und Vater von fünf Kindern (!). Vor dem Rathaus in Horsts Emscher wurde gestern nachmittag um ^3 Uhr ein Wann »der in das abgeschlossene Gebäude wollte, von einem Posten erschossen.

horst-Emscher. 27. Iuni. Gerstern morgen wurde hier ein Bote von der Zeck« Nordstern von einem belgischen Saldos t e n erschossen. Es soll ein Wortwechsel mit dem Soldaten vorausgeangen sein.

Französische Schikanen in Söchsk.

Höchst a. M., 27. Juni. Hcute nachmittas ist ber Bürgermeister von Höchst von den Frenzoscn ber« haftet' und nach Wiesbaden transportiert worden. Er wird vermutlich vor ein Kriegspencht gestellt werden wegen Nichtbesolgung der Verordnung betreffend das Niedcrlassen der Schranken an den Bahnübergängen. Dasselbe Schicksal bat den Bürgermeister von Nied ereilt. Ferner hat der Kreisdelezierte von Höchst zwei Befehle erlasien. Nach dem einen ist es seit Diens­tag strengstens untersagt, die Grenze zwischen 8 Uhr abends uns 5 Uhr 30 morgens zu überschreiten. Bei tage ist das Ueberschreiten nur den Benu-ern der Regiezüge gestattet. Die andere Verordnung beschränkt den Lastwagenverkchr. — Man vermutet, daß dies« Mnßnadmen ans das Bomde«attent«t in Wiesbaden zurückznfnhren sind.

Dor einer offiziellen Besetzung Limburgs?

Liinburg, 27. Juni. Eine französische Kom­mission besichtigte heute eine große Anzahl von Quartieren in Limburg. JDas Gymnasium und mehrere Schulen sind anscheinend für Massen- quartiere in Aussicht genommen. Weiterhin wurden in der Parkstraße eine Anzahl von Einzelquartieren besichtigt, die anjcheinend für französtjche Offiziers- amiiien bestimmt sind. Es ist damit zu rechnen, daß Limburg in den nächsten Tagen offiziell be­setzt wird.