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SanauerSAnzei

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan <u

General- Anzeiger

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Nr. 148

Mittwoch den 27. Juni

1923

Das Reueste.

In Buer haben die Franzosen erneut ein furchtbares Blutbad angerichtet.

Für den von den Franzosen zum Tode verurteilten Görges ist ein Gnadengesuch einge­reicht worden.

Nach einer Mitteilung von zuständiger Beite steht für den 1. August eine weitere Er­höhung der Post-, Telegraphen- und Telephon- Mhren bevor.

Die Ausführungsbestimmungen für die neue Devisenordnung sind ebreits fertig gestellt, und werden heute das Reichskabinett beschäf- tigen,

Stanley Baldwin machte gestern im Unterhause Darlegungen über die geplante Er­höhung der englischen Luststreitkräfte.

Die belgische Ministertrise konnte noch nicht gelöst werden.

So geht es nicht weiser!

Die politische Zersetzung unseres Volkes in scharf getrennte Parteigruppen, von denen manche einen Radikalismus von unglaublich fanatischem Eifer in sich bergen, hat einen Zu­stand geschaffen, der wahrhaftig nicht länger zu ertragen ist, der endlich einmal beseitigt werden muß, wenn unser Volk nicht völlig in die Ver­nichtung hineingestürzt werden soll. Es muß einmal laut gesagt werden: Sogehtesnicht weiter! Wir tun dies und erfüllen mit einem freien, offenen und ernsten Wort unsere Pflicht. Die Parteihetze, der Taten wie der Mecklenbur­ger Mord, das Dynamitattentat in Münster und die blutigen Zusammenstöße zwischen recht- und linksradikalen Elementen entspringen, muß end­

gaben, als sich durch solche Taten innerlich aus- einanderzustreiten und zu zerfleischen. Der Feind steht nicht an den Grenzen, der Feind steht im Lande, tief drinnen in den blühenden wirtschaftlichen Provinzen des Saar-, Rhein- und Ruhrlandes. Augen auf, deutsche Männer und Frauen, Hände zusammen, Willen gestählt! Wollen wir leben, so müssen wir uns wehren, »der nicht gegen uns, sondern gegen die Fran- psen.

Der ungeheuerliche Mord im Mecklenburger Wald nach der Sauferei im Wirtshaus ist eine viderliche Gemeinheit, für die jeder, aber auch

Milderungsgrund fehlt. Ob der ermordete Tadow ein Spitzel war oder nicht, geht uns mchts an. Daß aber unreife Burschen sich das Kecht über Leben und Tod anmaßen und sich lur Henkerrolle Mut ansaufen, geht das gesamte Rutsche Volk an und muß auf das allerschärfste ^brandmarkt werden.

Wenn sich Leute, die Taten begehen, wie sie den letzten Tagen zu verzeichnen waren, nun etwa auf chr Volk und ihr Volkstum berufen Mten, so muß diesen gesagt werden: deuffch ist ganze Treiben nicht. Einen Gegner be­trunken machen und ihn dann niederknallen Wer ganze Gebäude, wie die Druckerei in Munster in die Luft sprengen, das ist bisher Ulcht deutsche Art gewesen und sollte es auch werden, mag die Entente sich noch so große ^uhe geben, uns zu diesen romanisch-balkani- Mn Formen des politischen Kampfes zu er« wa èr Wir Deutsche sind fürwahr keine Engel M.^ugendbolde gewesen, aber eine Menschen- '^achterei wie die Batholomäusnacht oder die »republikanischen Hochzeiten" u.Noyaden" der fioben Revolution gibt es in der ganzen beut«

Geschichte nicht. Blut genug ist zuzeiten da geflossen, aber doch nur da, wo eben« ji^lge Gegner einander mit der Waffe gegen- a^^estanden und allzulanges Ringen die -.^"schuften bis zur Sinnlosigkeit erhitzt

Dies romanisch-kühle Abschlachten oder °>cyießen wehrloser Gegner oder das Spren- i °°n Gebäuden nochmals sei es gesagt eJ.lriu ^deutsch im höchsten Grade, und eine 9enb, die sich für solche Methoden des politi»

Kampfes begeistert oder begeistern läßt, gickst mehr das Recht, sie als Retter vioh i k® 8u bezeichnen. Deutsche Art ist es unh-i &em Gegner offen entgegenzutreten fW mit den Waffen zu bekämpfen, deren im st Mächtig ist. Verachten wir die Art, die dn-^§^icht eines schwer gewaffneten Gegners sau° ^u D°n lich wirft und sich aufs Hände len/. . internationale Psalmensingen ver- A' faßten wir auch die Art nicht ver° Jmn?' ie daran verzweifelt den Geist des t,^siatlonalismus und der völikschen Charak- wi.,,^keit mit den Geisteswaffen deutschen - ltstums zu bekämpfen? Und die es vorzieht.

die Methode von Balkan-Bandenkämpfen und Abruzzen-Räuber-Romanen auf deutschen Bo­den zu verpflanzen?

Nein, deutsche Jugend, so geht es nicht weiter! Uns tut etwas anders not. Wollt ihr wissen was, so lest den RomanZukunft" des Wiener Dichters Hohlbaum. Darin wird der kranken Zeit ein lauterer Spiegel vorgehalten und die Bilder, die er zurückwirft, predigen bittere, aber heilsame Wahrheit. Nicht Ver­zweiflung kann uns helfen und nicht Gewalttat und noch weniger moralisches Lumpentum und schillernder Internationalismus. Sondern nur Ehrfurcht vor unserer eigenen Vergangenheit und Arbeit. Einer, der sich selbst auf diesem festen Boden gesunden hat, ein Lehrer, zieht mit seinen Jungen hinaus durch die Wachau und wie sie da hinunterschauen auf die alte Nibelun- genstadt, da spricht er zu ihnen da spricht es aus ihm zu ihnen:Seht, Jungen, für diese Mauern, für die Innigkeit dieser Stadt haben einmal Starke gestritten, sind für sie gestorben, damit sie heute, verklärt vom ewigen Frühling, bestehen kann. Es gibt keinen Tod, das lernt aus dieser Nacht! Was stark und rein war, kann nicht untergehen. Immer und immer wieder wird ein heißes gläubiges Herz, wie es in euch schlägt, es wieder erwecken. Tod kennen nur die Menschen, die sich ans Heute klammern, an un­sere armselige Zeit! Nehmt alle Kraft des Einst, die euch hier entgegenströmt, in euch auf und bewahrt sie! Ich glaube an euch, weil ihr die Zukunft seid! Lauscht Jungen! Einmal wird eine Stimme euch rufen, die ihr heute nur leise Hort im Rauschen des Stromes, im Wehen des Windes! Das soll euch immer als Erinnern begleiten, bis es einmal aufschwillt zum Gebot der Stunde, die eure Tat will!" Wissen, daß

die Ehrfurcht hat vor der Vergangenheit, vor' der Weisheit des Alters, die Ehrfurcht hat vor dem ganzen großen unglücklichen deutschen Volke, dieEhrfurchtvorjedemeinzel- nenMenschenleben. Nur wer diese Ehr­furcht verloren hat und in sich selbst den Träger der Zukunft nicht mehr achtet nur der be­fleckt sein Volkstum mit hier in Frage kommen­den Taten, die undeutsch sind, und die auf das schärfste verurteilt werden müssen.

Eine große Reinigung muß einsetzen, sonst wird uns die Selbstzerfleischung die Entschei­dung über den Widerstand gegen den Volks­feind ersparen. R. H.

Die Mecklenburger Moröafsäre.

Berlin, 26: Juni. Im Zusammenhang mit der in Mecklenburg von Roßbach-Leuten ver­übten Mordtat sind in Berlin zwei Personen unter dem Verdacht, den Mord begünstigt zu haben, verhaftet worden.

Berlin, 26. Juni. Die beiden Personen, die von der Berliner Polizeibehörde unter dem Verdacht der Begünstigung des Parchimer Mordes verhaftet worden sind, wurden einem eingehenden Verhör unterzogen, nach dessen Ab­schluß beide weiter in Haft behalten wurden. Die Verhafteten, die der aufgelösten Deutsch- völkischen Freiheitspartei angehörten, sollen früher in dem Berliner Büro der Arbeitsge­meinschaft Roßbach tätig gewesen sein.

Roßbach selbst läßt durch seinen Vertei­diger zu den Veröffentlichungen des BeÄiner Polizeipräsidiums e r k l ä r e n, daß er persön­lich diesen Dingen völlig fernstehe, daß er schon deshalb an diesen Vorgängen nicht habe mit­wirken können, da er sich ja seit dem 17. März in Untersuchungshaft befinde.

Ueber die Ermordung des Walter,C a d o w, den man als Spitzel betrachtete und ihn des Doppelspieles mit der kommunistischen Partei für verdächtig hielt, meldet der Berliner Po­lizeidienst noch:

Die Ermordung erfolgte in geradezu viehischer Weise. Rollkommandos ver­schiedener mecklenburgischer Roßbachtrupps, die in einer Gastwirtschaft zu Parchim zusammen­berufen 'waren, machten Cadow z u - nächst betrunken. Rach Schluß der Po­lizeistunde fuhren sie ihn in einem Wagen aus Parchim hinaus, zerrten ihn im Walde vom Wagen herunter, schlugen mit Baumstämmen auf Cadow ein, bis er bewußtlos war und tra­ten ihm mit den Stiefelabsätzen ins Gesicht. Der besinnungslose und stark blutende Cadow wurde dann erneut auf den Wagen geladen und in einer Waldschonung wieder vom Wagen her­untergeschleift. Hier schnitt ihm einer der Täter die Kehle durch, zwei andere jagten ihm aus Armeerevolvern drei Kugeln in den

Kopf. Man ließ die Leiche an der Mordstelle bis zum nächsten Morgen liege und scharrte sie dann ein.

Die wahren Absichten der franz. Politik

Paris, 26. 3unL Der ehemalige Finanz- minister Francois M a r s a l sprach gestern im Parteiausschutz der demokratischen Entente in der Stadt Rouen über die französische Finanzlage. Er behauptete bei dieser Gelegenheit, der päpstliche Legat im Ruhrgebiet habe dem Vatikan einen Bericht des Bürger­meisters von Essen zugehen lassen, der auch den französischen Behörden mitgeteilt worden sei und in betn u. a. gesagt wird:Das Ruhrgebiet ist das Herz Deutschlands, und der Körper stirbt dahin, wenn das Herz nicht mehr schlägt." Fran­cois Marsal schloß den Vortrag mit den Dor­ten:Sagen Sie es all denjenigen, die unter dem Krieg gelitten haben: Der Krieg wird mit Eisenbahnen und mit Fabriken geführt, die Kriegsmaschinen. Granaten und giftige Gase herstellen. Halten wir dieEisenbah- n e n f e st, die die Truppen befördern, d i e Fabriken, die die Armeen speisen, und so­lange es vor den Toren dieser Fabriken einen Wachposten und solange es in ihrem Direktions­büro einen General gibt, werden unsere Kinder nicht den Tod erleiden; denn solange ist der Krieg unmöglich."

Die Rede des früheren Finanzministers Marsal spricht mit brutaler Deutlichkeit aus, daß die von ihm vertretenen politischen Kreise Frankreichs die dauernde Festhaltung der beut« sehen Eisenbahnen und Industriestädte im Rhein- und Ruhrgebiet betreiben, eine weitere Illustration der durch die Enthüllungen

Machenschaften. Wenn zu gleicher Zeit Herr Millerand versucht, bei der Weltmeinung für die französischen Ziele zu werben und die ver­hängnisvolle Politik der französischen Regierung durch täuschende Worte zu verschleiern, so müssen solche Verschleierungen angesichts der vielleicht weniger vorsichtigen, dafür aber offe­neren Bekenntnisse zu den wahren Absichten der französischen Politik vergeblich bleiben.

Zu den Enthüllungen desObserver".

Lands«, 26. Juni. Ei« Teil der Presse besaßt sich Weiterhin wit dem vomObserver" veröffent­lichten französischen Geheimbericht. Eine Reuter- Meldung besagt, ein nachdrückliches französisches Dementi besage, daß da? vomObserver" veröffent­lichte Dokument nicht existiere. Dennoch wird es von den englischen Blätter« als sicher angesehen, daß Frankreich versucht, das Rheinland von Deutschland zu trennen. Die Kommentare der Pariser Presse werden viel beachtet. Die Behauptung des .Matin", daß der Ches de? britischen Nachrichten­dienstes in Köln zur Zeit de? Kapp-PutscheS wit« gewirkt habe, um eine Rheinland-Republik ins Leben zu rufen, wird in London von amtlicher Seite'prompt dementiert; Reuter erfährt, es handle sich bei dieser Behauptung desMatin" nur um eine Wiederholung einer im letzten April in London veröffentlichten Mit­teilung, die schon damals kategorisch in Abrede ge­stellt wurde.

Der Kölner Berichterstatter desDaily Chronicle" erklärt, seine Informationen hätten ihn davon über­zeugt, daß die Franzosen die auf Schaffuug einer rheinischen Republik gerichtete Politik fallen gelassen hätten und daß ihre Politik stärker zu einer Annexions­politik geworden sei. Jedermann im Rheinland sei sicher, daß ein äußerst starker Druck nötig sein würde, um die Franzosen wieder aus dem Rheinlande zu vertreiben. Der neueste Plan der Franzosen gehe dahin, das Rhemland einschließlich des Essener Bezirks zu behalten.

Eine Re-e Millerands.

Paris, 26. Juni. Bei einem Frühstück, welches die Vertreter der auswärtigen Presse heute veran- starteten die deutschen Journalisten gehören selbst, redend dieser Vereinigung nicht an hielt Mille­rand eine Rede, in der er die französische P»litik zu rechtfertigen sucht. Als Frankreich nach drei Jahren vergeblicher Versprechung im Einvernehmen mit seinen belgischen Freunden sich entschloß, die Methode zu ändern und Zwang anzuwenden da, wo die Ueber- redung scheiterte, brauchte man, um seine Aktion zu verstehen, keinerlei Hintergedanken zu hegen, die nicht eingtftanben werden könnten. Kann man nicht zu- acben, fragte Millcrano, daß ein Volk den Wunsch hat, sein Guthaben zu erhalten und daß c» ihm widerstrebt, immer dingehalten zu werden? Der Frieden bat zwar dir Bande, die durch den Krieg geknüpft worden waren, gelöst und hat jedem Volk bic Freiheit seiner Anschauung und

seiner Entschlüsse zurückgegeben, (?D aber die Sache, für welche die Alliierten kämpfte« und siegten, blieb nichtsdestoweniger bestehen. Mit ihnen und durch sie bat eine gewisse Weltanschauung und Zivilisiftion den Sieg davongetrage». Frankreich hörte nicht auf, das zu lieben, war seine Toten liebten, und das zu hassen, wal sie verachteten. Millerand glaubt nicht daran, daß das Einvernehmen mit den Alliierten aufhören könnte. Eine solche Annahme wäre unzulässig. Er fordert die auswärtigen Jour­nalisten auf, ihren Landsleute« zu sagen, daß Glück und der Friede der Welt von dem republikanischen Frankreich nichts zu fürchten habe. (!!!) ES wäre das furchtbarste Los, das Frankreich treffen tönxtt, Wenn es verkannt würde.

Blulregimenl in D«er

(E f f e n, 26. 3unl Die Str asm atzn atz- men, die wegen der Erschießung eines belgi- schen Soldaten bei Lippramsdorf über di« S t a d t V u e r verhängt worden sind, forderte« bereits eine Reihe von Opfern und zwar drei Tote und eine Anzahl Verwun­deter. Auf der Osifalenstratze wurde der 23 Jahre alle Johann Tombrink erschaffen. Dieser stand um acht Uhr abends vor seinem elterlichen Haus im Vorgarten, als plötzlich eine belgische Patrouille auftauchte. Der jungt Tombrink war gerade im Begriff, auf Auffor­derung seines Vaters in das Haus zurückzu­gehen, als schon der tödliche Schuß fiel. Er stürzte sofort vor den Augen seiner Angehörige« nieder und verschied einige Augenblicke nachher. Die Angehörigen wurden, als sie zur Hilfe­leistung in den Vorgarten gehen wollten, eben­falls mit Erschießen bedroht. Der 22jährige Sohn der Witwe Wesemeyer aus der Esse­ner Straße ging mit seinem Bruder abends auf den Reumarkl. Die jungen Leute suchte«, als sie bemerkten, daß sie verfolgt wurden, Schutz Linker der: aresien Warkthallenbaracke. Zwei I blieben auf den Anruf der belgischen Posten mit erhobenen Händen stehen, während der dritte in das Haus hineinlief. Einer der Posten sandte ihm auf der Treppe einen Schutz nach, der ihn in den Racken traf und tötete. Die Leiche wurde in das obere Stockwerk des Hauses gebracht, wo sie zurzeit noch von Doppelposten bewacht wird. Die Meinungen, ob es schon acht Uhr war oder nicht, gehen auseinander. Der dritte Tote heißt Rickert. Er ist ein aller Mann, der für das Krankenhaus in Horst Besorgungen machte, wo­bei er erschossen wurde. Ferner wurden mehrere Personen angesäwffen. Der Anwohner Dö­renkamp erhielt einen Beinschuß^ und liegl im Krankenhaus. Der Bergmann Rorme- ling erhielt einen Armschutz. Am Samstag abend wurde der Steiger Zöllig durch einen Schullerschutz und Kopf- und Streiffchuß schwer verletzt. Wie mehrfcnh beobachtet wurde, ist auch von den Soldaten auf Leute, dieam Fenster ihrer Wohnung standen, ge­schossen worden. In vielen Fällen wurden auch erleuchtete Fenster eingeworfen. Außerdem sind eine Anzahl Personen aufgegriffen worden, die die Rächt mit Autoputzen und Kartoffel- schälen auf der Wache verbringen mutzten.

Buer, 26. Juni. Wie dieBuersche Volks­zeitung" meldet, ist der Schriftleiter dieser Zei­tung, d« Redakteur Hermann Diebold, von belgischen Gendarmen zur Kommandantur ge­holt und nach seiner Vernehmung für ver« haftet erklärt worden, und zwar wegen eines in der Zeitung erschienenen ArtikelsBlutopfer in Buer". Die Besatzungsbehörde verlangte die Aufnahme einer Berichtigung, in der es heißt, daß die Getöteten nicht vor 8 Uhr, sondern 8 Uhr 5 Min. von belgischen Posten erschossen wurden, weil sie aus Annrf nicht stehen blieben. Stadtrat Dr. Grewe, der gestern mittag von einer Reise nach seiner Heimat Buer zurück­gekehrt ist, wurde als Geisel nach Sterkerade ab- geführt, wo sich auch die übrigen Geiseln der Stadt Buer befinden.

Unglaubliche DrulalilSl.

Gelsenkirchen, 26. Juni. Am Sams* lag abend ^11 Uhr wurde die 17jährige Lhe^ stau des Bergmanns Otto Tielmann, die ihr vier Monate altes Söhnchen zu ihren Schwiegereltern zur Erholung gebracht hatte und sich auf der Rückreise befand, auf dem Heimwege von der S l ratzenbahnhallestelle in Kray nach Schonnebeck von einem französischen Eisenbahner und zehn französischen Soldat«» angehalten und von jedem dieser Wüstlinge vergewaltigt. Außerdem raubten ihr die Fran­zosen aus der Handtasche 98 000 Mark und zwei Pakete im Gesamtwerte von vielleicht 1 Million. Schließlich mißhandelten sie die Aermste mit Fußtritten. Ein Deutscher, der sie von Kray nach Hause begleiten wollte, wurde schwer miß­handelt.