General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Leiertage. , Lernsprech-Anschluß Nr. 1237.
—.. — ----------------------
L«,uasvreis: Monatl.Mk.60M.— ohne Trägerlob»: Einzrlnummer Mk.250.—.Samstags300.— anieUenpretfe: Die 28 mm breite Zeile Mk. 300.—: F i n a n z i n f e r a t e Mk. 600.— Reklame (68 mm breit) Mk. 800.—. Inserate, auch laufende, werden nur zum jeweiligen Tagervreise berechnet. — Offertengebübr Mk. 200.—. — Geschäftsstelle: Hammeritrahe 9.
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile Sanau a Main. Für Platzvors chrift und E rs ch« i n u n g s t a g e der Anzeigen wird keine Gewäbr geleistet. — Im Falle böherer Gewalt. Streik uiw. bat der Bezieher keinen Ansvruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzablung des Bezugsvreises
Nr. 131
Donnerstag den 7. Juni
1923
Sie WWeWen MMlmW.
Sine Prüfung des deutschen Angebotes findet nur statt. wenn Deutschland
-orher den passiven Widerstand aufgibt. — Neue Druckmittel im Ruhrgebiet.
Paris, 6. Juni. Die belgischen und die stan^öfifr^ Minister haben sich heute in Brüssel um 2% Ahr zu einer Konferenz ver- elnlgk. Nach einer Unterredung zwischen Poin- mè, Theunis und Jaspar. die mehr als eine Stunde gedauert hat, sind die Sachverständigen jvr Teilnahme an den Beratungen berufen wor- den. Die Sitzung dauerte bis 6^ Uhr. Sofort nach Beendigung ist folgendes
Eommuniquè msgegeben worden:
Die belgische und die französische Regie- mng haben heute die gemeinsame Prüfung der verschiedenen durch die Ruhrbesetzung aukaeworfenen Frauen forf^^t. Sie haben restlos alle ihre früheren Beschlüsse aufrecht- erhalten, namentlich was die Bedingungen betrifft, unter denen die Räumung des Ruhr- gebieks nach Zahlung der Reparationen erfolgen wird und was die Verpflichtung Deutschlands betrifft, vor jeder Prüfung feiner Vorschläge dem passiven Widerstand ein Ende zu bereiten. Die beiden Regierungen haben das Programm neu zu ergreifender Maßnahmen geregelt um den Druck zu verstärken und um Deutschland zu einer raschen Erfüllung feiner Verpflichtungen zu zwingen.
Die die Havasagentur berichtet. Haben die Minister den Sitzungssaal durch eine hinkerlür oerlassen, um den Fragen der Journalisten zu entgehen.
Paris, 6. 3uni. Wie havas aus Brüssel im Laufe der Derbandlunaen. die Olé AstMer VoincQtee, ThsMlsMWWWWWW vor Beginn der ällgèmelnèn Konferenz' mitem- anber Hallen, die allgemeine PoliNk geprüft worden, die die beiden Regierungen hinsichtlich der Reparationsfrage zu verfolgen gedenken. 3m Verlauf der der Konferenz vorausgegangenen Konferenzen von Paris und Brüssel fei man Lbereingekommen, daß die Räumung des beschien Ruhrgebiets nur nach Maßgabe der Zahlungen Deutschlands erfolgen solle. Diese Tnlscheidung fei nicht nur aufrecht erhalten und bestätigt worden, sondern eine ganz neue Bedingung von großem Interesse fei heute beiderseits gestellt worden, nämlich, daß das Deutsche Reich denpassl- ven Widerstand im Ruhrgebiet aufgeben müsse, ehe feine Vorschläge geprüft werden könnten. Taffächlich, fo fährt havas fort, fei es nicht zwei- Waft. daß Deutschland in seiner Haltung des Menen Aufruhrs gegen die legal in Ueberein- !«mmung mit dem Versailler Vertrag getroffe- "eu Maßnahmen alle Angebote vollkommen illusorisch machen würde. Nur die Einstellung passiven Widerstandes werde den sichtbaren Beweis des deutschen guten Willens kundtun “no eine klare und logische Lage durch d i e .effektive Feststellung der Kapitu- lachondesDeulschenReiches schaffen.
Havas fügt ferner hinzu: Da man in Brüssel wo Varis also entschlossen fei, über die grund- Mchen Bedingungen nicht feilschen zu lassen, nichts, anderes übrig, als von England k;„ö Italien annehmen zu lassen, wenn man bal- , nie alliierte Einheitsfront wieder Herstellen [im fei eine tiefgehende und sehr berech- borge. Mun könne voraussetzen, daß die Wsche Regierung jetzt in London feststellen
°b man diese grundlegenden Vorbedin- ^ugen vor jeder Verhandlung annehmen wolle.
Kabinett Baldwin sich der französisch- In MM 2tiefe anschließe, dann werde England ^ ^age sein, wenn es den Wunsch habe, sich !>"„, Kollektivanlwort auf die kommende
Vole anzufchliehen. Andernfalls aber di« « ? schwer sein für den Augenblick über bp»n ?c selbst eine Annäherung der verfchie- Dj^" Auffassungen der Alliierten zu erzielen. W Annäherung könnte dann nur um den ^? des Verzichts auf die Grundsätze erzielt iJ™’ die die Grundlage der französisch-belgi- Politik und er Ruhraktion bildeten. mit » ? dieser Beratung beschäftigte man sich èlfi!» uischen Fragen über die wirtschaftliche 'lc.i> im Ruhrgebiet. 3m allgemeinen sollen Bphx K havasagentur die französisch-belgischen ^Morden sich verständigt haben,
de« Druck im Ruhrgebiet zu m . verstärken, taÄli^. indem sie das Regiesystem auf
Bergwerke und Brücken auszudehnen
gedenken. Das letzte ist ebenso neu wie bedeutsam.
Einzelheiten von der Konferenz.
Paris, 6. Juni. Ueber die gestrige, französisch- belgische Konferenz meldet der Sonderberichterstatter der „Petit Parisien" aus Brüssel: Das Geheimnis, das da» Communigue über die gestrigen Verhandlungen enthalte, lasse erkennen, daß zwei wesentliche Fragen nach einander angeschnitten worden seien: nämlich die Frage über evtl. Verhandlungen mit Deutschland und die Frage über dar Programm, das Frankreich und Belgien gemeinsam verteidigen werden. Dies scheinen die Hauptgkgenstände in der Einzelberatung der drei Minister gewesen zu sein. Man wisse, daß Belgien in dieser Richtung seine augenblicklichen Wünsche nicht verberge. In Wirklichkeit schienen gewisse Nuancen seine beiden hauptsächlichsten Vertreter von einander zu trennen. Während der Außenminister Jaspar wünsche, daß unmittelbar die Verhandlungen mit London und Rom wieder ausgenommen werden sollen, glaubt Ministerpräsident Theuni», daß vor Eröffnung der Verhandlungen es notwendig sei, das französisch-belgische ReparationSprogramm zu beenden, um alsdann abzu» warten, ob die deutschen Vorschläge seriös genug seien, um eine eingehende Prüfung unter den Alliierten beanspruchen zu können. Die Ansicht von Theunis scheine um so leichter gesiegt zu haben, als da sie auch die Poincarè» sei. Infolgedessen habe man, anstatt unmittelbar mit London und Rom zu verhandeln, es
®èW^(*tt ¥^ fcteff nstd
selbst Vorschläge unterbreitet hätten, die der Prüfung würdig seien. Was da» zweite Problem, ein französisch- belgische» Programm aufzustellen, anbelangt, so wisse man, daß die belgische Regierung Dokumente überreicht habe. Für ein so ausgedehnte» Programm genüge nicht eine kurze Dirkussion in Gegenwart von 20 Per- sonen. Infolgedessen scheine man sich gestern daraus beschränkt zu haben, gewisse Grundsätze besser zu be» gründen. Wenn Frankreich und Belgien erklärten, daß sie das Ruhrgebiet nur nach Zahlungen räumen würden, waS bedeute diese Erlärung S Es sei unerläßlich gewesen, diese These zu präzisieren. Die belgische These sei, daß beide Länder 'ohne Ungelegenheiten daS Ruhrgebiet räumen konnten, wenn die französisch-belgischen Zahlungen zu Ende gegangen seien, d. h. den französtich-belgischen Reparationszahlungen eine Priorität zuerkannt worden sei, vor Beendigung der Zahlungen der von Deutschland der Gesamtheit der Alliierten geschuldeten Beträge. Es scheine, daß diese These mühelos angenommen worden sei. Andererseits hätten Frankreich und Belgien in gleicher Weise in ihrer jüngsten Antwort Deutschland mitgeteilt, daß sie vor jeder Diskussion verlangten, daß der passive Widerstand ein Ende finde. Auch hier habe man sich über den genauen Sinn der Erklärung verständigen müssen. Bevor irgend etwas an den Maßnahmen geändert werde, die Frankreich und Belgien im Ruhrgebier ergriffen haben, müsse Deutschland alle Ordonnanzen annulieren, durch die el den Widerstand gegen den Friedcnrvertrag von Versailles organisiert habe, sowohl wa» die Reparation anbetreffe, als das Innere der besetzten Gebiete.
Paris. 7. Juni. Havas meldet aus Brüssel: Poincarè verläßt heute früh 8 Uhr Brüssel, um nach Paris zurückzukehren. Er wurde nach Schluß der Konferenz vom König empfangen, mit dem er eine lange und wichtige Unterredung hatte.
Die deutschen Vorschläge unbefriedigend,
Paris. 6. 3unL Zu der deutschen Nole, deren Ueberreichung heute nachmiktag in Paris erwartet wird, meldet der diplomatische Redakteur der Havas-Agenlur. der Poincarè nach Brüssel begleitet hat. von dort, er glaube zu wissen, daß nach den neuesten von Berlin gekommenen Nachrichten, die deutschen Vorschläge keine Ziffer über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands enthalten. DasAngebol bedeute jedoch einen Fortschritt hinsichtlich der angebotenen Garantien und enthalte auch einen Hinweis auf den passiven Widerstand, jedoch nur in allgemeiner Form. Man erkläre in Brüssel, daßdiedeul - schen Vorschläge unbefriedigend seien.
Der „Matin"-Verichkerstatter teilt aus Brüssel mit, Außenminister Jaspar habe durch ein Telegramm aus Berlin gestern nachmittag den Inhalt der deutschen Note erfahren und ihn Poincarè mikgeteilt. der darin neue Argumente zur Unterstützung seiner Meinung, nämlich, daß die deutsche Note nicht geprüft werden soll, bevor nicht der passive Wider st and ein Ende g e - fundenhabe, erblicke. Die Note sei in kei - ner Weise befriedigend. Sie enthalte weder eine bessere Ziffer noch präzisere Garantien. Wie es scheine, mache sie nur eine ziemlich verworrene Anspielung auf den passiven Widerstand, aber dieser Hinweis ähnele nicht einer freimütigen und unzweideutigen Erklärung, den passiven Widerstand beenden zu wollen. Infolgedessen sei also die unabänderliche, von Poincare gestellte Stage, nicht gelöst. Die deutschen Vorschläge könnten nicht einmal geprüft w e r d e n, das sei der f r a n z ö s i s ch e Standpunkt.
Aussprache über das Reparalions- Problem unzweckmäßig.
London, 6. Juni. 3m Unterhaus hat Baldwin heute erklärt, er fei der Meinung, daß eine Aussprache über die Reparakionsfrage im gegenwärtigen Augenblick unzweckmäßig fein würde.
Aus dem Einbruchsgebiek.
Die Militarisierung der Ruhrbahnen. — Vertreibung der Eisenbahner.
Köln, 6. Juni. Nach einer Meldung der Kölnischen Zeitung aus Gelsenkirchen wurde die bereits gemeldete Besetzung der Eisenbahnstrecke Herne— Gelsenkirchen—Altenessen gestern Nachmittag beendet. Die Franzosen verwiesen die Beamten und Arbeiter, nachdem sie sich geweigert hatten, in französische
Zukunft nichts mehr aitfthr^mThmaén®^ 31t suchen hätten. Eine große Menge rollenden Eisenbahn- und Baumaterials fiel den Franzosen in die Hände. Die Beute die ihnen aus ben Statious- kaffen und Güterabsertigung»stellen in die Hände fiel, ist jedoch nicht bedeutend. Kurz nach 4 Uhr verließ die militärische Bcgleittruvve der Besetzung das hiesige Gebiet. Nur die Blilitäreisenbahner und die französischen Zivileisenbahner sowie ein stärkeres Wach- fommaxbo blieben zur Bewachung der Strecke und der Brücken und Uebergänge zurück.
Paris, 6. Juni. In einer Havas-Meldung über die gestern erfolgte Besetzung der Eisenbahnlinie von Gelsenkirchen nach Wanne und Herne un» der Bahnhöfe an der Strecke Bergebvrdèck-Altena-Dortmnnd heißt es, daß letztere Strecke militarisiert werden soll und der Abfuhr her auf den Zechen Hibernia, Zollverein, Rhein-Elbe und Dahlbusch dienstbar gemach: werde.
Drtisbur», 6. Juni. In Duisburg sind wieder 166 Eisenbahner ausgewiesen worden.
Reue Verkehrscrschwerungtn.
Mainz, 6. Juni. In Anbetracht der kürzlichen Sabotageakte auf den militarisierten fiienbabnitrecfeii hat die Rheinland-Kommission eine neue Verordnung erlassen, die eine besonders strenge Ue b erwach nng des Automobilverkehrs Vorsicht Danach wird der Verkehr sämtlicher Automobile mit Ansnahm der schweren LaßautoS im besetzten Gebiet untersagt, falls der Eigentümer des AutoS nicht int Besitz einer von der Kommission ausgestellten besonderen Erlaubnisscheines ist. Dieser Erlaubnisschein ist für Motorräder usw. vom 10. Juni ab erforderlich und wird bei beut jeweiligen KreiSdelegiertcn verabfolgt.
Angestellten und Arbeiter hinweist, die LeuerungSkaiasiropbe entstanden ist. 60 fragt, ob die preußische Staatsrcgierung oer »uchenschen Ausdeutung der Volke« schärfsten Sigßnabmcu cntgegcnjiitreten.
Zechenbesetzung.
^ffett, 6. Juni. Die Zeche »Unser Fritz" wurde von den Franzosen gestern besetzt. DaS Anschlußgleis nach dem Bahnhof Bismarck ist anfgerissen und die Bedienung der Zeche deshalb unterbunden.
Die Franzose»» verkaufen geraubtes «ut.
Koblenz, 6. Juni. Die Interalliierte Rheinland- kommission hat durch eine am 9. Mai erlassene Verordnung Nr. 171 bestimmt, daß die auf den von der Regie betriebenen Eisenbahnen unbestellt (!) gebliebenen Waggonladungen vom 10. Juni ab ausgeladen und für bie sowohl in Waggons als auch in Magazinen befindlichen Waren genauere Verkauf-bedingungen festgesetzt werden. Wie von zustänoiger Stelle hierzu mitgeteilt wird, ist diese Ordonnanz ungültig und nicht zu befolgen. Ihr Zweck ist, durch Anerbieten schein- barer Vorteile die WirtschaftSkreise für die Eisenbabn- regie zu gewinnen und dadurch den deutschen Widerstand zu erschüttern. Wer Frachten an die Regie zahlt, begeht Landesverrat, wer die geraubten Güter kauft oder beim Abtransport mitwirkt, begeht Hehlerei.
Wieder ein Deutscher von einem französischen Posten er chossen.
Berlin, 7. Juni. Die „Kölner Zeitung" meldet aus Trier, daß in der Nacht zum Samstag auf dem Bahnkörper Trier-Kueren
der Ortsfremde Union Eilens, der den Anruf nicht beachtete, von französischen Posten erschoßen worden ist.
Kein Paßvisum sie Beamte.
Berlin, 7. Juni. Den Beamten die ein Paßvisum für die Reise nach dem unbesetzte» Gebiet von den Franzosen haben wollen, wird dieses ohne Angabe von Gründen »er» weigert.
Neue blutige Zusammenstöße inLetpzlg
7 Tote, 37 Schwerverletzte.
Leipzig, 6. Juni. Für heute nachmittag hatte das Gewerkschaftskartell gemeinsam mit der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei eine Massenkundgebung auf dem Auguslusplatz einberufen. Bereits um 4 Ahr hatten sich am Eingang der Grimmaischen Straße zum Au- gustusplatz undisziplinierte Massen angefammeU die die dort stationierten Polizeibeamten verprügelten und sie zu entwaffnen versuchten. Dabei wurde eine Anzahl Beamte verletzt. Die Beamten wurden schließlich von der Menge bis an die Ritlerslraße zurückgedrängt. Zu dieser Zeit laugten die Demonstrationszüge auf dem Au-- gustusplatz in völliger Ordnung an. Die Demonstration selbst verlief ebenfalls in Ruhe und Ordnung. Jedoch verzögerte sie fick etwas. Diese Gelegenheit wurde von wilden Rednern benutzt, um die Massen aufzuhetzen. Die Menge in der Grimmaischen Straße nahm eine immer bedroh- lichere Haltung an und verlangte, daß die Polizei abziehen sollte. Weil die Gefahr bestand, daß die Polizeibeamten abgeschnitten würden, wurde nach Hinzuziehung weiterer Verstärkungen die Menge zurückgedrängt und der Auguslusplatz geräumt. A usdenkreisenderDemon- strauten fielen hierbei Schüsse. Darauf würde auch seilensder Polizei
6 Tofé und 23 Verwundete zu beklagen. Bei der Firma Bamberger & herz wurde eine große Schaufensterscheibe zertrümmert. Plünderungen wurden durch die Polizei und den Ordnungsdienst verhindert. Der gewerkschastliche Ordnungsdienst vermochte sich nicht zu halten und zog sich zurück. Eine Anzahl Ordner wurde von der Menge mißhandelt. Die Stimmung im Skadlinnern ist nach wie vor erregt. 3m weiteren Verlauf der Polizeiaktion wurde auch eine berittene Abteilung eingesetzt. Das Vorgehen der Polizei wurde von den Leitern des Gewerk- fchafksverbandes dem Polizeipräsidenten gegenüber als in jeder Beziehung korrekt bezeichnet.
In den Abendstunden versammelten sich aus dem Auguslusplatz und den anliegenden Straßen abermals Gruppen von Demonstranten und Neugierigen. sodaß der Platz nochmals geräumt werden mußte.
Morgen früh ergeht ein Verbot des Polizeipräsidenten für Versammlungen unter freiem Himmel und Umzüge.
Nach einer weiteren Meldung hat sich die Zahl der bei den Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten getöteten auf sieben erhöht. Ein Polizeiwachtmeister erhielt einen Stich in den Rücken und erlag bald darauf der erlittenen Verletzung. Den „Lpz. N. Nachricht.- zufolge wurden bis gestern abend 10 Uhr 37 Schwerverletzte, darunter 15 Polizisten, fest« gestellt. Am Nachmittag wurden andauernd Opfer der blutigen Zusammenstoßes in die städtischen Krankenhäuser eingeliefert, man schätzt sie über 100. Die Geschäftsleute in der inneren Stadt hatten fast alle infolge der Unruhen bereits am Nachmittag ihre Läden geschloffen.
Die sozialdemokratische Teuerungs- Interpellation.
Berlin, 6. Juni. Nach dem Beschluß bei Atltestenrates bei Reichstages kommt am Donnerrteg uii» Freitag die sozialdemokratische Interpellation über die Teuerung und die Markentwertung zur Besprechung. Die Siraigerichlsreform, die heute zur ersten Lesung kommt, soll so gefördert werden, duß sie noch im Laufe de» jetzigen Tagnnrsabschmttr verabschiedet werden kann. Ueber den Beginn der Sommerpause ist noch feine Bestimmung getroffen; el wird nur mit der
Möglichkeit gerechnet, »aß die Tagung sich bi» in den Juli hinein ernreckt.
Berlin, 6. Juni. Die sozialdemokratische Fraktion de« preußischen Landtag» hat eine Große Anfrage eingebracht, die auf die große Notlage der Erwerb»- losen, »er Sozial- und Kleinrentner, der Beamten,
durch die wirb gt« bereit sei, mit den
Dollar (10 Uhr oorm.) 78000