SanauerSAnzei
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M
General-Anzeiger
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Nr. 130
Mittwoch den 8. Juni
1923
Das Neueste.
.- Der Reichstags-Ausschuß für die Untersuchung Kt Markstützung hat gestern wieder in öffentlicher Kjung getagt.
- I» Berlin veranstaltete gestern abend die kyialdemokratische Partei Berlins eine Reihe von r«sam«lungen, die sich mit der durch die Entwertung kt Mark hervorgerufenen Teuerung beschäftigten. In M Versammlungen wurde eine Resolution ange- M«en, die von der ReichSregierung wirksame und gallige Maßnahmen fordert, um der Rot der breite« Wn abzuhelfen.
- In den Verhandlungen über die Löhne ’unb, kchâlter der Reichs- und Staatsarbeiter, bezw. der SkMten und Angestellten ist eine Einigung erzielt borbtx.
- Nach einer Blättermeldung aus London wird England trotz des französischen Proteste« auf eine iladernng der Saarlandkommission bestehen.
Vor der Brüsseler Konferenz.
Paris, 5. Juni. Der Brüsseler Korrespondent des „Journal des Debüts" meldet unmittelbar vor den französisch-belgischen Besprechungen: Die Tagesordnung der morgigen Konferenz sei ziemlich stark besetzt. An erster Stelle stehe natürlich die Frage derVorschlägezumRe- P a r a t i o n s p r o b l e m, die die belgische Re- giemng durch ihren Botschafter der französischen Regierung übermittelt habe. Alsdann würden verschiedene Vorschläge geprüft, die der Verstärkung der Druckmaßnah men im Ruhrgebiet gelten, und die namentlich den Zweck hätten, Attentaten gegen die Besatzungs- truppen ein Ende zu machen. Auch über die end- p Orga isierung des Zoll- W ä h r u n g Wt äber Maßnahmen zur Sicherstellung der Ernährung der besetzten Gebiete werde gesprochen werden, sowie endlich über die Entwicklung der f r a n - zösisch-belgischen Eisenbahnregie Md über die Verteilungderbeschlag- nahmten Kohlen- und Koksvor- rate. In offiziellen belgischen Kreisen verheim- "che man nicht, daß die morgige Konferenz, obzwar sie nur eine logische Folge der früheren Beratungen sei, eine ganz besondere Bedeutung nicht nur weil wichtige Fragen diskutiert würden, sondern weil die britische Regierung “>r ein ganz besonderes Interesse beilege. In denselben Kreisen erkläre man, die belgische Re- Slerung habe keinen bestimmten Reparations- festgelegt. Sowohl in ihrer an die fränkische Regierung gerichteten Note wie auch in w Mitteilungen, die später gemacht wurden, Me die belgische Regierung sich darauf be- Mankt, Anregungen zu geben und gewisse Bor- Wage zu formulieren, die geeignet feien, die Husung und die Lösung des Reparationspro- wems zu erleichtern. Man erkläre ferner, daß belgischen Finanz- und Geschäftsleute, die den letzten Tagen Verhandlungen in Paris in London geführt haben, von denen die Wijsche Presse gesprochen habe, weder eine “Welle noch eine offiziöse Mission der belgi- Regierung gehabt hätten.
Deutschland soll zur Kapitulation
gezwungen werden.
London, 5. Juni. Auf Grund von Aeuße- Mhen amtlicher Persönlichkeiten wird in den Berichten der „Times" heute mit größ- r Bestimmtheit betont, daß Frankreich die deutschen Vorschläge in erster Linie unter keuschen, nicht aber unter wirtschaftlichen Ge- ^‘spuntten prüfen werde. Frankreich erde nicht erlauben, daß Deutschland . "r Note „Ja" und im Ruhrgebiet „Nein"
®et passive Widerstand müsse also s nächst unter allen Umständen aufhören, ^er sei ja unnütz geworden, da Frankreich Nichts veranlaßt werden könnte, gegen- ^'Q die Ruhr zu räumen.
aus Aeußerungen Londoner poli- Kreise geht hervor, daß die Frage des steh L 0 e n Widerstandes in den näch- " Tagen abermals im Vordergründe stehen gA und zwar nicht nur inbezug auf das der deutschen Vorschläge, sondern auch J. “s inbezug auf die Möglichkeit einer ge-
'^s inbezug auf die Möglichkeit einer ge- U^nien Antwort der Alliierten. Wenn die Note ober das deutsche Memorandum ^Frag« stillschweigend übergehen sollte, so bi»?* damit der Weg für Verhandlungen noch geöffnet werden. Es ist dann vielleicht da- Sn âu redytiert, daß Frankreich die englischen «mche ^ einer gemeinsamen Antwort mit
der Forderung beantworten wird, daß die Alliierten zunächst gemeinsam von der deutschen Regierung das Aufhören des passiven Widerstandes verlangen müßten.
Wird eine solche Forderung von Paris aus gestellt, so wird sie von London aller Voraussicht nach angenommen werden, da wie mehrfach berichtet worden ist, der französische Standpunkt in dieser Frage auf englischer Seite als gegebene Tatsache hingenommen wird. Die gemeinsame Antwort der Alliierten würde dann im wesentlichen auf die Forderung zur Kapitulation hinauslaufen.
Die rem politische Einstellung der französischen Auffassung bringt es mit sich, daß auch die Sicherheitsfrage in London mehrfach besprochen wird. Dabei tritt der englische Völkerbund s p l a n, der bereits durch den Eintritt Lord Robert Cecils in das Kabinett mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck kam, immer mehr in den Vordergrund. Die Hauptwünsche einer Völkerbunds-Kontrolle im Rhein- lande sind bekanntlich: Neutralisierung, internationale Gendarmerie, Kontrolle der Eisenbahnen usw. Im „Daily Telegraph" wird heute betont, daß es allerdings nicht leicht fein würde, die Standpunkte Frankreichs und Deutschlands inbezug auf den Völkerbund auf eine gemeinsame Formel zu bringen. Aber wenn erst einmal die Reparationsfrage gelöst fei, so würde sich bei beiderseitigem guten Willen vielleich ein Weg finden lassen. Dieses zu erreichen, se die größte staatsmännische Aufgabe Baldwins und Lord Curzons.
Auf englischer Seite wird also weiterhin inbezug auf die Reparations- und die Sicherheitsfrage nicht mit einer Gleichzeitigkeit, sondern mit einer Nacheinanderfolge gerechnet, was in der Praxis darauf hinauslaufen würde, daß Deutschland gleichsam als Belohnuüg für frage | des passiven Widerstandes die Erlaubnis erhalten wird, das Rheinland den Segnungen des Völkerbundes auszu- fiefern.
Aus dem Cinbruchsgebiel.
Einen 7jährigen Jungen erschossen.
Elberfeld, 5. Juni. In einer Seitenstraße imDüsseldorserhafenviertel wurde der siebenjährige Knabe Hans Herbes von einem französischen Soltiafen erschossen, der bei seiner Verhaftung angab, von dem Kinde beleidigt worden zu sein. Die Erschießung spielte sich folgendermaßen ab: Herbes spielte mit einem zwei Jahre älteren gleichnamigen Vetter und seinem elfjährigen Freunde Emil Siebert bei der Wirtschaft Lams- warp, die sich in dem Hause befindet, in dem das Sartoffelmagazin der Stadt Düsseldorf untergebracht ist. Das Magazin ist jetzt von den Franzosen beschlagnahmt und dient als Aufbewahrungsort für die Fouragemittel der Rheinarmee. In dem Magazin befinden sich an der Straßenflucht zwei Torausgänge und zwei vergitterte Fenster. Französische Soldaten waren mit dem Ausladen von Stroh beschäftigt, hinter dem einen vergitterten Fenster liegt eine Kammer, die als Wachstube dient, und in der ein Bett steht. Drei Kinder kamen nun beim Spielen in die Nähe dieses Fensters. Sie bemerken auf dem Bett einen Soldaten, dem sie im Scherz zuriefen: „Monsieur, nicht Brot?" Der Soldat sagte: „Alles weg!" Die Kinder machten aber nochmals denselbenn Zu- ruf. Darauf stand der Soldat vom Bett auf, nahm ein Gewehr von der Wand und stellte sich in die Toreinfahrt. Nach Aussage des älteren Knaben hat er dann an dem Gewehr hantiert, angelegt und geschossen. Der auf eine Entfernung von 3 Metern abgegebene Schuß traf den kleinen Herbes an der linken Schläfe und ritz den ganzen Hinterkopf weg. Der Täler wurde vou dem wachthabenden Unteroffizier verhaftet. Die Aussage des Soldaten, ihm fei das Gewehr zufällig losgegangen, wird durch die Aussage der mit dem Getöteten spielenden Sinder wioerlegt. Die Eltern des erschossenen Kindes sind in Düsseldorf, Siegstratze 18, wohnhaft. Der Vater ist Hafenarbeiter und zurzeit arbeitslos.
Die Milttarisserung bet Ruhrvahnen.
Essen, 5. Juni. Von der einzigen noch bestehenden Bahnlinie Bergeborbcck-—Alteneffen—Dortmund sind heute morgen durch bie Franzosen alle Stationen besetzt und mit Tank» und MaschinengcweKren gesichert »erben. Damit ist das ganze Industriegebiet von Herne bis Duisburg und Düsseldorf auf den Serfebr mit den Straßen bahn «n angewiesen. Die Strecke Herne—Rauxel—Mengede— Dortmund f»a von den Franzosen militarisiert werden. Nach in Munster vor» lietenden Meldungen besteht franrösischerseit» die 3lb»
sicht, die Nordstrecke nur bis Recklinabausen-Ost und die Südstrecke nur no* bis Steele-Nord in Betrieb zu lassen. Die neue Besetzung gilt der Ausbeutung der Haltenbestände der Zechen Hibernia, Zollverein, Rhein-Elbe, Dahlbausen, Ernestine, Caternberg, Helene usw. Die Eisenbabner von Altenessen und wahrscheinlich auch der übrigen Bahnhöfe wurden diesmal von den Franzosen nicht fortgewiesen, fonbern mußten sich in Reih und Glied aufftellen und ihren Namen sowie ihre Wohnung angeben, wobei im Falle unrichtiger Angabe mit schwerer Strafe gedroht wurde.
Ausweisangen.
Effe«, 5. Juni. Nunmehr hat auch tm hiesigen Bezirk die Ausweisung pflichttreuer Eisenbahnbeamter begonnen. Am Samstag wurde zehn Eisenbahn- beamten, am Montag neun und heute sieben der Ausweisungsbefehl zugestellt. Die Beamten werden im Kohlensyndikat gesammelt, von dort mittel» Lastkraftwagen nach Neviges an der Grenze bei besetzten Gebiete» transportiert und dann ausgesetzt.
Paris, 5. Juni. Nach einer Havasmeldung aus Koblenz hat der Delegierte der Rbeinlandkommiffion in Speyer im Zusammenhang mit kürzlich begangenen angeblichen Sabotageakten die Ausweisung von 30 Beamten beschlossen. Ferner meldet Hava», daß die Rheinlandkommisson das Berliner Tageblatt im altbesetzten Gebiet mit Ausnahme der englischen Zone aufs neue für drei Monat« verboten hat.
44 Millionen Mark Erwerbslosengelder beschlagnahmt.
Nach einer Meldung aus Buer hat di Besetzungsbehörde den gesamten Kassenbestand der Stadtkasse in Höhe von über 44 Millionen Mark, die zur Auszahlung an die ErwÄbslosen bestimmt waren, beschlagnahmt.
Sten« Repressalie«.
KarlSrnhe, 5. Juni. Die Franzosen haben, offenbar als Repreffalie gegen angebliche Eisenbahn- sabotageakte im besetzten Gebiet den Behörden verboten, von heute ab mit den Behörden im unbesetzten Gebiet in Verbindung zu treten.
Der neue Prozeh gegen die Zechendirektoren fdie dem Befehl zur Autnahme her Äoblenliefe» rungen an Frankreich und Belgien nicht Folge geleistet haben. sollte morgen vor dem Werdener Kriegsgericht beginnen. Die Verhandlung ist jedoch aus unbekannten Gründen verschoben worden. Drei der angeklagten Zechendirektoren halten sich im unbesetzten Deutschland auf, während die übrigen von den Franzosen in Haft gehalten werden.
Die Unruhen in Leipzig.
Leipzig, 5. Juni. Die Arbeitslosenunruhen setzten sich heute den ganzen Tag über fort und nahmen zeitweise sehr bedrohlichen Charakter an. Sie begannen am Vormittag mit Ansammlungen in der inneren Stadt, namentlich im Ceeburgviertel und am Rotzplatz, wo den Demonstrierenden Polizei mit Gummiknüppeln entgegentrat. Eine Stunde lang standen sich die Polizeikette und die ihren Abzug fordernden Demonstranten gegenüber, bis schließlich die Polizei nach mehrfachen Versuchen, Straßen und Platz zu säubern, nachgab und sich zurückzog. Vor dem Volkrhause gelang er berittenen Polizisten, mehrere hundett Demonstranten, die wegen Verweigerung eines Saales gegen einen Gewerkschastssekretär vorgehen wollten, ohne ernsten Zwischenfall zu zerstreuen. Auf dem Augustusplatz ging es den ganzen Nachmittag über außerordentlich unruhig zu. Auch hier mutzte berittene Schutzpolizei eingreifen. Namentlich in den Abendstunden sah es hier sehr bedrohlich aus. Zwischen der Sicherheitspolizei und den- Demonstranten, meist h«lb, wüchsigen Bursche«, fand andauernde» Geplänkel statt, das sich wie ein Vorspiel zu ernsten Ereignissen ausnahm. Ab und zu ging die Polizei mit Gummiknüppeln vor, dann flüchtete die Menge, unter der sich viele Neugierige befanden, in die Seitenstratzen, um sofort wieder zurückzukehren, wenn die Polizei sich auf ihren Standort zurückzog. 3m Verlaufe dieser Unruhen und Vorgänge wurden eine Anzahl Polizisten Durch Eteinwürfe verletzt. Gegen ‘,'19 Uhr gelang es den Sicherheitswehren, die von Auswärts verstärkt worden waren, den Augustusplatz freizumachen.
Deutscher Reichstag.
Vor Eintritt in die Tagesordnung bemerkt Präsident Loebe, auf die Tagerordnung ber ersten Sitzung nach der Pfingstpause seien nur kleinere Gegenstände gesetzt worden. Der Reichstag werde sich aber alsbald mit der schweren Notlage btschästigen müssen, in die weite Kreise unsere» Volke» durch den Markverfall und die Prerrsteigernng geraten feien «nd die bereit» zu Unruhen in den verschiedensten Teilen des Reiche» geführt hätten. Sodann fährt her Präsident fort: Die französische Regierung hat ihre, Er- ircffcrpolltik geleit den wichtigüen Teil bei deutschen Wirtichast»geb,ete» fortgeführt und gesteigert bi» zum gesetzlich mattierten Totschlag, jakrzehntelanger jterterhaft und Verbannung von Hunderte« unserer Laxdrleut«. (Lebhajtc Psui-Rufe.) Unser Wchrrltand
ist nicht zusammengebrochen ; aber der Lölkerhaß wird durch daS Vorgehen Frankreich» auf» schlimmste entfacht. Unter diesen Maßnahmen leidet nicht nur dar besetzte Gebiet, sondern auch unser ganze» Land, und darum ist eS unerhört, daß e» noch Menschen gibt, die in einer solchen Lage rücksichtslos ihre Drivat- intereffen geltend machen und unsere Lage verichärken durch Wucher und Preistreiberei. (Hört, hörtN Mr werden dem mit entschiedenen Maßnahmen entgegentreten müssen. Die Regierung wird der Not durch Gesetzesvorschläge zu steuern versuchen, aber darüber hinaus wird auch den Abgeordnete« eine ernste, schwere und verantwortungsvolle Arbeit erwachsen, wenn er gelingen soll, der Krisis Herr zu werden und bafüi zu sorq/n, daß Europa nicht in Anarchie versinkt. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident widmet sodann dem während der Ferien verstorbenen Abg, Busch (Z.) einen Nachruf, der von den Abgeordneten stehend am gehört wird.
Abg. Müller-Franken (S.) beantrag! schleunige Beratung einer sozialdemokratischen Jnter- Vellation, in der auf die durch die gewaltigen Preissteigerungen drohende Gefahr einer wirtschaftlichen und politischen Katastrophe hingewiesen uns gefragt wird: L Gedenkt die Reichsregierung sofort die notwendigen Maßnahmen zu treffen, «m eine Anpassung bei Renten und Unterstützungen, in»beson»ere für die Erwerbslosen, sowie die Löhne und Gehälter an die gestiegenen Preise zu bewirken? 2. Ist sie bereit, die drohende völlige Entwertung der Besitzstcuer durch sofort zu treffenden Aenderungen der Steuergesetzgebung hintanzukalten? 3. Welche Maßnahmen gedentt du ReichSregierung zu treffen, um währungspolitisch den weiteren Sturz der Mark aufzuhalten und den Auswüchsen der Devisenspekulation zu begegnen? Will sie sich endlich entschließen, eine Zentralisierung und Kontrolle des DevisenverkedrS durchzuführen ?
Abg. Koenen (K,) beantragt die Sitzung au»zu- setzen, bi» die Regierung erscheine und zu der furchtbaren Notlage des Volkes, den Ereigniffen im Ruhr- gebiet und zur geplanten neuen Note Erklärungen abgebe. Nach kurzer Debatte wird der Antrag Koenen abgelehnt, der Antrag Müller-Kranken angenommen.
Der Gesetzentwurf über die Spiel karten st euer geht ohne Debatte an de« SteuerauSschuß, der Gesetzentwurf über die Ausgabe
Verschreibungen an den RechtSarrSschus un» die Novelle zur AngestellteirvcrsicheruOg an den sozialpolitischen Ausschuß.
Er folgt die erste Beratung der Gesetzentwürfe« über eine vorläufige Arbeitslosenunterstützung. Reichs- arbeitSmimster Brauns begründete die Vorlage. In dem Entwurf wird die Arbeitslosenfürsorge in enge Verbindung mit dem ArbeitSnachwerSgesetz gebracht. Die Aufbringung der Mittel für die Erwerbslosen- fürsorge soll nicht mehr allein Sache de» Reiches, der Länder und der Gemeinden sein sondern durch eine Pflichtversicherung zu zwei Dritteln von den beteiligten Arbeitern. Angestellten und Arbeitgebern übernommen werden. Der KreiS der VersicherungSpflichtige« wird sich mit dem der Krankenversicherung decken.
Abg. A u f h ä «s e r («.): Wir müssen im Ausschuß gründlich prüfen, ob die Erwerb slosenfürsorge auf dem Wege einer Versicherung geregelt werden kann und ob der vorgelegte Gesetzentwurf überhaupt mit der Verfassung vereinbar ist. Positive Vorschläge zur wirksamen Hilfe für die Arbeitslosen behalten wir nur für den Ausschuß vor.
Abg. Eichhorn (K.) bestreitet, daß die jüngsten ArbeitSloseiiMirugen von len Kommunisten angestiftet worden seien. Die Lösung, die der Gesetzentwurf zur Linderung der Not der Arbeitslosen vorsehe, müsse mindesteur der Geldentiverrung Rechnung tragen.
Abg. Schwarz (B. VolkSp.) stimmt dem Antrag auf Ausschußberatung zu un» behält sich Verbesserungt» anträge vor. Die Vorlage geht sooann an den sozialpolitischen Ausschuß.
Die vor Pfingsten zurückgestellten Zuschußentschlie- Hungen zum Alüchtting»sicdlung»gesetz werden ein» timmig angenommen. — Die Beratung der Inter» pellalion Aèüllei-Kcankeil wird auf Wunsch des Arbeit». Ministers Brauns auf die Sitzung am Donnerstag verschoben.
Der Erzbischof von Saragossa ermordet
Paris, 5. Juni. Der 80jährige Kardinal» Erzbischof von Saragossa, Seldeoilla, ist ermordet worden. Es liegen außer der Ha- vasmeldung in der hiesigen heutigen Morgendresse nur wenig Eigenberichte vor. Diese be« agen, daß sich der Kardinal gestern nachmittag n Begleitung seines Generalvikars im Auto nach einem 4 Kilometer von Saragossa enferu- ten Kloster begab, als drei zu beiden Seiten »es Weges aufgestellte Leute etwa 2 0 Reoal- v e r s ch ü s s e auf ihn abfeuerten, von denen mehrere fast auf der Stelle tödlich waren. Der gleichfalls verwundete Generalvikar tonnte dem Sterbenden noch die Absolution erteilen. Der Chauffeur wurde ebenfalls schwer verletzt. Die Mörder konnten bisher nicht gefaßt werden. Der Kardinal war allgemein sehr geachtet und )öchst beliebt. Um Politik und soziale Kämpf« kümmerte er sich gar nicht. Seit 1898 Senator, ergriff der Kardinal im spanischen Oberhaus oft das Wort in der Debatte über. Unterrichtsfra- gen. Seine Ermordung erregt in ganz Spanier großes Aufsehen.
Dollar (10 Uhr norm.) 73 509