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Nr. 12»

* Vrodt'scher Männergesangvereln erfolg- teicf, in Darmstadt. Was die Brodler an Mühe ^nd Arbeit in den letzten Wochen nicht gescheut hatten, ist ihnen am vergangenen Sonntag aus dem Gesangswettstreit in Darmstadt voll und ganz gelohnt worden. Das alte Sprichwort: Ohne Fleiß kein Preis" kann man hier wieder einmal anwenden. Unter sehr starker Konkur- renz erkämpften sie sich den 1. Stadt- klassen pre i s, einen großen Erfolg, den i ^ Brodter in der Chronik ihrer Vereinsge- . Mchte buchen können. Wir beglückwünschen den Verein zu seiner ganz vorzüglichen Lei- stung, insbesondere deshalb, da drei der besten Vereine Darmstadts in derselben Klasse auf das Podium traten und es ihnen nicht gelang, übv i Hanau zu kommen. Ein Zuhörer berichtet uns u. a.: In der dicht-besetzten Turnhalle am Woogsplatz ging der Wettstreit vor sich. Der ' M. G. D. Höchst hat das Podium nach einer sehr guten Leistung verlassen. Nun treten die Brodter aus. Totenstille herrscht im Saal und M zartem klaren Piano beginnen sie den. Schwierigkeitschor, dasMorgenlied" v. Rietz. Derselbe wird unter der sicheren Leitung des Dirigenten Herrn I. Brodt einwandfrei und herzerhebend zu Gehör gebracht. Der Schluß: . . schöne Erde, wache auf", in einem For- ( tissimo aus klingend, war unstreitbar das Beste. ' Nicht endenwollender Beifall war die Bestäti­gung. Hierauf wurde der WerthscheDeser­teur" angestimmt, welcher dann auch die Zu- Hörer mit seinen dramatisch reichen Stellen von Anfang bis zum Schluß im Banne hielt. Der Erfolg konnte nach all diesem nicht aus- bleibm. Nachstehend geben wir noch die Punktzahlen der ersten 6 Vereine bekannt: Brodtscher Männergesangverein 201 Punkte, M. G. V. Höchst 200 P., Harmonie Rüsselsheim . 198 P., Harmonie Darmstadt 197 P., Rhein- gold Darmstadt 197 P., Orchsches M.-Q. Darm­stadt 191 P. Eine große Ehre wurde auch dem Dirigenten des Vereins, Herrn I. B r o d t zu­teil, welcher durch fein ruhiges Auftreten sehr gefiel. Ihm wurde von dem Kunstausschuß der 1. -oirigentenpreis zugesprochen.

* Hypnose-Experimentalabend. Der Expe­rimentalabend am Sonntag in derCentral­halle" hatte einen guten Besuch aufzuweisen. Der ExperimenteurShankara" begann sofort ohne große Einleitungsworte mit Experi- . menten und erzielte mit diesen, dank einiger sehr guter Medien recht beachtenswerte Erfoltze. Allgemeine Bewunderung fand die Zurückver­setzung eines 37jährigen Erwachsenen in das siebente Lebensjahr, ebenso die Verwandlung einer hiesigen Dame in eine Reichstagsabge­ordnete, dieShankaya" eine ausgezeichnete Rede über Frauenfragen halten ließ. Die Lach- einem - Spaziergang! durch den Zoologischen Garten auf ihre Kostest es war auch zu drollig, mit welchen Gebärden und Redewen­dungen die beiden Medien das Sehen des herrlichen" Waldes, der Kunststückchen der Affen, die Raubtiere usw. zum Ausdruck brachten. Das Publikum dankte dem Experi- . menteur durch reichen Beifall.

* 120 000 Mark verbrannt. Ein Dienst­mädchen, das^einer Herrschaft 120 000 Mark veruntreut hatte, verbrannte das Gelli, als die -Entdeckung zu befürchten war.

* Ueberfall. Am 25. Mai wurde ein junges Mädchen, das von feiner Arbeitsstelle in Fechenheim mit dem letzten Zuge zurückkehrte, auf dem Heimweg nach Klein-Steinheim von einer männlichen Person verfolgt, die dem Mädchen in der Nähe des kleinen Viadukts die glanzlederne Handtasche, enthaltend eine

Schlageler.

Albert Leo S ch l a g e t e r, den das Schick­sal Schills getroffen hat, ist ein Schwarzwälder Bauernsohn aus Schönau bei Lörrach. Der ausbrechende Krieg sah ihn noch auf der Schul­bank. Sog Begeisterung für sein Vaterland meldete er sich freiwillig. Im badischen Feld­artillerie-Regiment Nr. 76 machte er den gan- ^u Feldzug im Westen mit. Seine hervor- ^gande Tapferkeit, der das Gefühl für eigene ^afahr etwas Fremdes.war, brachte ihm schnell Auszeichnung und Beförderung zum Offizier, "-breue bis zum letzten Atemzug!" das war mn Leitspruch seinen Kameraden und seinem Ackerlands gegenüber. Als die Front im Westen zusammenbrach und im Osten der Bol- mervismus durch das Baltenland auf Deutsch- and loszumarschieren drohte, da setzte er auch oa droben an der Düna fein Leben ein. Er war iner der schneidigsten Führer im Baltenland nter der Gruppe von Medem, und seine ^auernburschen gingen mit ihm durch dick und unn. Er war es, der im Mai 1919 mit seiner uno einer Nachbarbatterie, dem Gros voraus, der neuen Holzbrücke über die Düna mitten in das bolschewistische Riga jagte und unbekümmert um die Gefahren, die an den lauerten, die Straßen von den Bolsche- miren säuberte. Bis nach Wolmar drangen sie mj- Dort, auf estnischem Gebiet, traf die uppe Medem eine schwere Niederlage, und n mußte sich zurückziehen. Keine Schuhe ^SfJeine Munition mehr! So mußten sie ^l'ch zurück nach Deutschland. In Ostpreußen e er dann mit seinen Getreuen mit TM und Schaufel Monate lang bei Ent- »..^ronIsarbeiten, und als der harte Winter

Icheute er sich mit den Seinen nicht, in Upberg den Schneeschaufler zu machen, ihm r c mPf und Krieg und Gefahr schienen I. .^uensnotwendig geworden zu sein, und oie Litauer mit den Bolschewisten in Krieg

Dlenskaq ben 5. IuM

Wochenkarte, 6 Messer und Gabeln mit schwar­zem Griff, Paß mit Photographie und Brief­tasche mit 5000 Mark, entriß und damit flüch­tete. Zweckdienliche, auch vertrauliche Mittei­lungen erbittet die Kriminalpolizei.

Landkreis Kanan.

z. Dörnigheim, 4. Juni. (Sanitäter- Prüfung.) Am Sonntag nachmittag fand im Lokale zur Mainlust die diesjährige Prüfung der Kurfusteilnehmer der hiesigen Ortsgruppe vom Roten Kreuz statt. Leider war die Ver­anstaltung nicht so besucht, wie man erwartet hatte. Es fehlt eben auch hier noch das nötige Interesse. Herr Kolonnenarzt Dr. Stahl, Dörnigheim, leitete die Prüfung und es muß be­stätigt werden, daß in dem verflossenen Lehr­kursus fleißig gearbeitet worden ist. Vieles was vorgeführt wurde:Die Anatomie des Men- schen"Die Verbandslehre" usw. war er- sreulich, sachgemäß wurden die einzelnen Ver­bände angelegt, ebesso wurden die gestellten Fragen prompt beantwortet. Dies Lob darf je­doch kein Grund für die einzelnen Samariter und Samariterinnen sein, nun in ihren Bestre­bungen zu erlahmen, vielmehr muß es ein An­sporn für sie fein, auf dem vorgezeichneten Wege weiterzuschreiten: ein Helfer der gesam­ten hilfsbedürftigen Menschheit zu sein. Nach­dem durch eine kurze Ansprache des Kolonnen­führers Ph. Magerdie Prüfung beendet war, fand man sich von 4 Uhr ab im Saale zu einigen fröhlichen Stunden zusammen. Dem Kolonnen­arzt Dr. Stahl wurde als Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste und mühevoller Arbeit ein kunstvoll ausgestattetes Diplom über­reicht. Herr Max Linz aus Franksurt a. M. wurde in Anbetracht seiner steten Opferwillig­keit und Unterstützung der Kolonne unter Aus­händigung eines Diploms zum Ehrenpräsiden­ten der Kolonne Dörnigheim ernannt. In­zwischen wurde fleißig getanzt und einige Mit­glieder vomBayernverein Hanau" führten Schuhplattler- und sonstige kunstvolle Tänze vor und ernteten damit reichen Beifall. Leider schlug für manchen Kameraden der auswärtigen Ko­lonnen die Abschiedsstunde zu früh. Den Dör- mgheimer Sawaritern rufen wir zu, weiter fortzufahren auf dem begonnenen Wege, ein guter Samariter zu sein, und dies kann er nur durch fortgesetzte praktische Uebungen und Vor­träge über die Samariteraufgaben.

Wetterbericht.

Mitgetettt von der Wetterdienststelle Franksurt a. M Die Abküblintg, die eingetreten ist, wird vorläufig I noch ankalten. Die Regenfälle hören allmählich auf.

Varhersage bis Mittwoch abend: Wolkig, im all- I gemeinex trocken, kühl, Nordwestwind.

Aus Nay und Fern.

»Wächtersbach, 2. Juni. Gestern abend fand im Isenburger Hof dahier eine Vorbesprechung betr. die Bildung einer Wassergenossenschast für die Gemeinden Wächtersbach, Hesseldorf, Wei­lers, Neudorf und Aufenau zum Zwecke der Be- und Entwässerung von in diesen Gemeinden gelegenen Wiesenslächen statt. Um die zur Ent­wässerung erforderliche Vorflut herzustellen, sollen auf Grund des landesxolizeilich geneh­migten Planes drei Durchstiche der Kinzig aus­geführt werden, um größere Windungen der­selben abzuschneiden und sie zwischen der Aufe- nauer Brücke und dem Uebergange der Order Kleinbahn zu begradigen. Das gleiche soll auch für die Bracht von dem lieb exgang der Vir- steiner Kleinbahn bis zu ihrem Einfluß in die Kinzig geschehen.

gerieten, da war er mit den Seinen wieder an der Front. Freilich, es behagte ihm nicht recht bei den Litauern, und sie kehrten nach wenig Wochen nach Deutschland zurück. Eine zeitlang studierte er an der Universität Freiburg Na­tionalökonomie. Als der Aufruhr im Ruhr­gebiet losbrach, war er sofort wieder in den Reihe der Kämpfer. Und vom Ruhrgebiet gings nach Oberschlesien. Und hier knüpft sich eine der kühnsten Taten an seinen Namen: die Erobe­rung des Annaberges, des Schlüssels der polni­schen Stellung.

Daß sein Herz unter der.neuen Schmach, die Deutschland an der Ruhr zugefügt wurde, schwer litt, war begreiflich. Ohne Zögern eilte er ins besetzte Gebiet, bereit, auch hier sein Leben in die Schanze zu schlagen. Und seinem Sehnen ist Erfüllung geworden: er ist durch französische Kugeln für sein Vaterland gefallen! Ein tra­gisches Ende! Den Franzosen in die Hände gespielt durch Deutsche! Nicht ohne die Schuld gewisser hoher Regierungsstellen. Einen Steckbrief hatte man hinter ihm hergejagt: wegen militärischer Bandenbildung und Geisel­gefährdung! Zwar stand sein Name nicht rich­tig im Steckbrief, aber man hatte ihm die Photo­graphie beigegeben. Gleich, wer ihn verraten hat, er. ist durch schmählichen Verrat in die Hände der Franzosen geraten. Als er mit einem Bekannten am Düsseldorfer Hauptbahn­hof ausstieg, wurde er verhaftet. Und nun be­gann für ihn eine wochenlange Leidensgeschichte. Die Franzosen müssen ihn im Gefängnis fürch­terlich gemartert haben, denn sein Körper war braun und blau und voller Bajonettstiche. Und erst nach wochenlangen Qualen ist er zusammen­gebrochen und hat den Franzosen jedes ge­wünschte Geständnis gemacht, um feine Ruhe zu bekommen. Vor Gericht hat er seine Ge­ständnisse zurückgezogen. Was er den Fran­zosen geschadet, wie gefährlich er ihnen ge­worden ist, das wird einmal eine günstigere Zeit dem deutschen Volke erzählen. Und dann

.^n^ 3. Juni. Die Allgemeine Ortskranken­kasse der Stadt Fulda legt ihren Rechnungsab­schluß für das Jahr 1922 vor. Die Gesamtein­nahmen beliefen sich auf 23,9 Millionen Mark gegenüber 2,4 Millionen Mark im Jahre 1921. Die Gesamtausgaben beliefen sich 1922 auf 18 Millionen Mark gegenüber 2 Millionen Mark im Vorjahre. Das Vermögen der Kasse betrug am 21. Dezember 1922 insgesamt 12 Millionen Mark. Bezüglich der Einnahmen ist zu bemer­ken, daß die versicherungsvflichtigen Mitglieder 14,6 Mill. Mark aufgebracht haben, die Arbeit­geber 7,3 Mill. Mark, die oersicherungsberechtig­ten Mitglieder 235 500 Mark. Die Verwaltungs­kosten beliefen sich insgesamt auf rund 1,5 Mill. Mark. Zur Dermögensanlage kamen 6,4 Mill. Mark.

Eschwege. 2. Juni. Die Erwerbslosen haben heute vormittag mit dem Magistrat und dem Landrat über Forderungen, die sich aus der großen Verteuerung der Lebenshaltung wäh­rend der letzten Wochen ergeben, verhandelt. Der Landrat verwies die Erwerbslosen, deren Wünsche er anhörte, an die Stadtverwaltung, weil diese zuständig sei, da es sich um Arbeits­lose aus der Stadt handelte. Der Magistrat er­klärte sich bereit, die Wünsche der Arbeitslosen an den Regierungspräsidenten weiterzuleiten. Sie forderten eine Erhöhung der Unterstützungs­sätze, die bei der jetzigen Geldentwertung und der damit verbundenen Teuerung vollständig unzureichend seien, und baten den Magistrat, darauf hinzuwirken, daß möglichst bald die Re­gulierung derHaarlache" in Angriff genom­men werden könne, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Der Forderung nach sofortiger Aus­zahlung einer den heutigen Verhältnissen an­gepaßten Unterstützung, um vorläufig der dringendsten Notlage abzuhelfen, konnte jedoch der Magistrat nicht entsprechen, weil hierzu eine ministerielle Genehmigung erforderlich ist.

Frankfurt a. 21L, 2. Juni. Mit Wirkung vom 7. Juni 1923 tritt eine neue Steuerverord­nung betreffend die Besteuerung des Aufent- Halls in Gastwirtschaften in Kraft. Darnach haben Besucher von Likörstuben, Bars, Dielen und sonstigen Schankstätten, die überwiegend zum Ausschank von Sekt, Branntwein und branntweinähnlichen Getränken bestimmt sind oder vorwiegend dem nächtlichen Verkehr dienen, eine Steuer zu zahlen. Sie beträgt für die Zeit bis 9 Uhr abends 200 Mk., für die Zeit von 9 Uhr bis zur Schließung 400 Mark. Die Steuermarken sind von den Gästen während ihres Aufenthalts in den Lokalen aufzubewah­ren und auf Verlangen der Steuerstelle vorzu­zeigen.

Höchst a. 2N., 3. Juni. Im Stadtteil Sind­lingen wurde der Arbeiter Hermann Linz aus Soden a. T. von einem Personenautomobil der Farbwerke» angefahren und so schwer-ver­letzt, daß er kurz »ach -er,Einlieferung rnMas Krankenhaus verstarb.

Butzbach, 2. Juni. In einer der letzten Nächte wurde in Griedel ein Einbruch verübt, bei dem den Dieben Lebensmittel und Klei­dungsstücke im Werte von 1% Millionen Mark in die Hände fielen. Die Einbrecher, zwei aus dem Arresthaus in Gießen entsprungene Kerle, wurden jetzt verhaftet und wieder hinter Schloß und Riegel gebracht.

Mainz, 2. Juni. Ein besser gekleideter junger Mann transportierte auf der Straße einen großen Gummischlauch. Er wurde an­gehalten und nach seinen Papieren gefragt. Da diese auf den ersten Blick als falsch erkannt wur­den und auch das sonstige Verhalten des Ange­klagten verdächtig erschien, mußte er mit- zur Polizeiwache folgen. Hier unterzog man ihn einer gründlichen Körpervisitation, da sein Ueberrock auffallend abstand. Die Ursache war

wird man ihn an die Seite jener Männer stellen, die wie Schill, Andreas Hofer und Palm für ihr Vaterland das Leben hingegeben haben.

Ein neuer Kampf um die Cheops- Pyramide.

Mit einiger Verwunderung verfolgt die deutsche Oeffentlichkeit die große Beachtung, die die Entdeckung des Grabes Tut-Ank-Amens im gesamten Auslande -findet. Die großen Zei­tungen hatten fast durchweg Sonder-Korrespon­denten nach Aegypten geschickt, während die Sonderberichterstatter aus dem Ruhrgebiet längst wieder heimgekehrt sind. Auch der Raum, der in den einzelnen Zeitungen den Allertumsschätzen und dem tragischen Geschick seiner Entdecker gewidmet wurde, scheint uns in eigentümlichen Mißverhältnis zu stehen zu dem Raume der den großen Fragen der außen­politischen Weltlage gewidmet wird. Aber auch bei uns in Deutfchlarrd beschäftigen sich Tau­sende und aber Tausende mit altägyptischen Problemen, und es sind, so unglaublich es auf den ersten Blick zu sein scheint, in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Büchern er­schienen, die allen Ernstes und mit dem Rüst­zeug tiefgründiger Wissenschaft sich mit der Cheops-Pyramide beschäftigen. Im Türmer weist 3L Francs darauf hin, daß im Jahre 1921 in deutscher. Sprache nicht weniger als fünf Werke über, das Rätsel der Cheops-Pyramide erschienen, und im Jahre 1922 haben die Aegyptologen weitere Werke hierüber ver­öffentlicht, und auch die ersten Monate des Jahres 1923, die uns doch wahrlich ander­weitigen Stoff für Abhandlungen genug ge­boten haben,schenkten" uns ein neues, mit drei Tafeln ausgestattetes Buch, das denneuen Kampf um die Cheops-Pyramide behandelt.

Der Kampf um die Cheops-Pyramide hat schon weite Kreise gezogen. Nicht nur die Fach­gelehrten, sondern auch das gebildete Laien­

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eine scharfgeladene Selbladepistole, welche er schußbereit im Gürtel stecken hatte. Mit dem Festgenommenen hatte die Polizei einen guten Fang gemacht. Derselbe ist aus dem Polizei­gefängnis in Wiesbaden ausgebrochen, wo er ebenfalls wegen verschiedener Straftaten festge­nommen war. Der Gummischlauch rührt, wie ebenfalls festgestellt wurde, aus einem Dieb­stahl her.

Groß-Zimmern, 2. Juni. In Mainz stürzte die Tochter des zurzeit auf der Durchreise be­findlichen Ingenieurs Einar Holtersen aus Vi­borg in Dänemark von der Kaimauer in den Rhein und verschwand in den Fluten. Ein junger Herr von hier, der in der Nähe in einem Nachen saß, sprang sofort nach und rettete das Mädchen unter eigener Lebensgefahr, ver- schwand aber dann sofort unter der sich am sammelnden Menge. *

Zwingenberg, 2. Juni. Der Klingelbeutel in der hiesigen evangelischen Kirche ist z. T. außer Dienst gesetzt worden, weil er für das viele Papiergeld unerträglich war. Statt des Klingelbeutels wird jetzt von Schulkindern ein Körbchen herumgereicht.

Afckmffenburg, 4. Juni. Das Gerücht von einem Mord durchfchwK'te am Samstag die Stadt. Draußen in der Nähe der äußeren Glatt­bacherstraße sollte das Verbrechen geschehen sein. Es wurden bereits die Einzelheiten der Besichtigung des Tatortes genau gefchiDert. Man hatte im Felde einen Platz bemerkt, auf dem das Getreide stark zusammengetreten war. Dazu sand man an der betreffenden Stelle ein Taschenmesser und einen Haarkamm. Die nähe­ren Feststellungen ergaben denn auch, daß es sich allem Anschein nach nicht um ein krimi- netles Verbrechen handelte, sondern nur die Lagerstätte eines Liebespärchens, das sich dort niedergelassen hatte. Dafür sprachen auch die beiden Fußspuren, die vom Tatorte weg fried­lich nebeneinander herliefen. Die gefundenen Gegenstände, darunter das Taschenmesser, wur­den in polizeiliches Gewahrsam genommen.

Halle, 4. Juni. In Einhausen bei Meiningen zerstörte durch ein Heißlaufen der Welle ent­standener Brand die Gerlachschen Mühlenwerke, sämtliche angrenzenden Gebäude, Getreidelager und Wohnhäuser. Der Schaden beträgt zirka 10 d^miarden Mark.

Nürnberg, 4. Juni. In Feucht ereignete sich bei einer Versammlung der Ortsgruppe der sozialdemokratischen Partei am Samstag abend ein schwerer Zusammenstoß zwischen Sozialisten und verschiedenen in der Versammlung am wesenden Angehörigen der Vereinigung der Reichsflagge, sodaß zur Unterstützung der Gen­darmerie eine Abteilung der Landespolizei her­beigerufen werden mußte. Beim Betreten des Versammlungslokals wurde die Landespolizei mit Pistolenschüssen empfangen und mußte ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch machen. Die Ruhe war aber bald wieder hergestellt. Bei der Räumung des Saales wurden zahl­reiche Waffen beschlagnahmt. Verschiedene Poli­zisten wurden nicht unerheblich verletzt. Ein Krankenkassenbeamt er aus Nürnberg wurde durch einen Schuß getötet. Einige andere Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Der Haupttäter wurde festge­stellt.

Pforzheim, 4. Juni. Am Freitag fanden wieder Lohnverhandlungen zwischen den Ver­tretern der Organisationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber des Schmuckgewerbes statt, die mit einer vorläufigen Vereinbarung ende­ten. Danach sollen die bestehenden Löhne um 60 Prozent erhöht werden. Heute mittag wird eine Vertrauensmännerversammlung der Ar­beitnehmer zu dieser Vereinbarung Stellung nehmen.

publikum hat sein Interesse den durch die Cheops-Pyramide aufgeworfenen Fragen zu­gewandt. Der Dichter-Ingenieur Max Eyth hat einen sehr unterhaltenden Roman über die Cheops-Pyramide veröffentlicht, in dem er die Behauptung aufftellt, daß die alten Aegypter durch die Abmessungen des Sarkophages in der Königskammer jener Pyramide niedergelegt hätten die Kenntnis der Umlaufszeit der Erde, die Sonnenentfernung, das spezifische Gewicht der Erde, die Umlaufszeit der Planeten usw. Ferner soll aus den Abmessungen und der Kon­struktion der Pyramiden eindeutig hervorgehen, daß die alten Aegypter die Zahl ?! ^gekannt hätten, die bekanntlich zur Preisberechnung dient. Dieser Roman hat ungeheuer befruchtend gewirkt und die Abfassungwissenschaftlicher Werke" über die Rätsel der Cheops-Pyramide verschuldet. Eines der fünf im Jahre 1921 er­schienenen deutschen Werke über diesen Gegen, stand kommt zu dem Schluffe, daß die Inschrift J. N. R. J. über dem gekreuzigten Heiland eben­falls eine geometrische Formel darstelle!

Die Bücher über die Cheops-Pyramide sind nicht etwa unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erschienen, sondern haben einen reißenden Ab­satz gefunden. Eins dieser Bücher konnte in der kurzen Zeit seit seinem Erscheinen sogar in mehreren Auflagen herausgebracht werden. In einer Unzahl von Aufsätzen wurden diese Bücher besprochen und somit das Weitergreifen der Welle verschuldet. Fachgelehrte sümpfen teilweise mit empörtem und verbißenem Haß gegeneinander und man kann Francè nur recht geben, wenn er zu dem Schluffe kommt:Wo sind wir hingeraten Ist diese Zeit wirklich reif für das große Gericht? Jetzt in diesen furcht­baren Jahren, da unser Volk endlich dasGute und Richtige" erkennen inuß, wenn es noch leben soll, ein Streit um solche Fragen?*