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Nr. 127 Samstag den 2. Juni 1923

Das Neueste.

Wie gemeldet wird, rechnet man damit, ^ die deutsche Reparationsnote Mitte der nächsten Woche zur Absendung gelangen wird.

Die Gewerkschaften haben dem Reichs­kanzler eine Denkschrift übersandt, in der sie sich gegen die von der Industrie gestellten Bedin­gungen aussprechen.

In Bautzen wurden bei Straßenkämpfen Mi Personen getötet und mehrere verletzt.

Millerand hat gestern erneut zwei Hetz­reden gehalten.

Nach amtlichen Mitteilungen über die Streikbewegung der belgischen Eisenbahner ist die Wiederaufnahme der Arbeit auf allen Linien erfolgt.

Die Mark unter -er Krone.

Berlin, 1. Juni. An der heutigen Berliner Börse hat sich der Zerfall der Mark und damit die Flucht vor der Mark in katastrophaler Weise fortgesetzt. Nachmittags stand der Dollar 76 000 und die österreichische Krone hatte mit einem Stande von 102. den Kursstand der Reichsmark überschritten. Dabei ist keineswegs abzufchen, daß und mann der Zerfall der Mark ein Ende erreicht,

Der Reichsbankprästdent hat bei den Ver­handlungen des Reichstag sau ss chu ff« s über die Stützungsaktion die Hauptschuld an dem Schei­tern dieser Intervention der allgemeinen Pa­nikstimmung zugeschoben» die im April dieses Jahres in Deutschland die Oberhand gewann. Damit ist zum ersten Male von fachmännischer Seite zugegeben worden, daß psychologische Momente bei der Beurteilung des Wertes un- ^LL_Wihrung unter Umständen von aus- ^r^^fe^^

zu einer sicheren Einschätzung des Geldwertes. Alles ist im Fluß. Der Goldbestand der Reichs­banb schmilzt mehr und mehr zusammen, im Reichshaushalt wächst das Defizit von einer Woche zur anderen in erschreckender Weise. Wir haben die Substanz unserer Wirtschaft im Verlauf weniger Jahre aufzehren bezw. für Reparationsleistungen opfern müssen. Heute leben wir nur mehr von dem kümmerlichen Kredit, den uns das Ausland noch entgegen- bringt, indem es hier und da deutsches Geld m Zahlung nimmt. Unter solchen Umständen muß natürlich eine plötzlich auftretende Panik­stimmung, zumal wenn sie auf die Auslands­börse übergreist, verheerend auf den Kurs der Mark eimvirken.

Man frägt sich heute allgemein, wie lange dieses Spiel noch fortdauern wird. So lange wir nicht zu positiven Verhandlungen in der Reparationsfrage kommen, sind der unheil­vollen Bewegung der Devisenkurse kaum Schranken gezogen. Im Moment des Beginns der Verhandlungen ist allerdings die Möglich­keit eines scharfen Rückschlags gegeben. Da­rüber sollten sich auch jene Kreise klar sein, die letzt glauben, daß auch die Effektenkurse bis in den blauen Himmel weiter steigen. Die Zahl ver Mitläufer ist gerade in der Effektenspeku- lation wieder sehr groß. Sobald der Rückschlag kommt, werden viele Hals über Kopf aus ihren Engagements herauszukommen suchen.

halle, 1. Juni. In der Strafanstalt Lichten- brrg überfielen die Gefangenen im Arbeitssaal den Wachtmeister, zwangen ihn nieder und Amen ihm die Schlüssel ab. Ein zweiter Wachtmeister, der in diesem Augenblick den ^aal betrat und dem die Gefangenen gleich­es die Schlüssel abnehmen wollten, warf, als ^Gefangenen sich gegen ihn wandten, die Schlüssel aus dem Fenster in den Hof. Dadurch

die Wache aufmerksam und der Aufruhr tonnte unterdrückt werden.

Gewerkschaften zum Industrie- angebot.

ß. Berlin, 1. Juni. Der Allgemeine Deutsche ^Akschaftsbund, der Allgemeine Freie An- NEtenbund, der Allgemine Deutsche Beam- Mund und der Gewerkschaftsring Deutscher weiter-' Angestellten- und Beamtenverbände jU eine Denkschrift an den Reichskanzler ge- iini ' ^ der sie anerkennen, daß die Stellung- iSe 1,63 Reichsverbandes der Deutschen Jn- zur Frage der Heranziehung der indu- iühs Wirtschaft als Garantie für den An- 'yedienst die grundsätzliche Zustimmung zum Wnfcn der Sachwerterfassung bringt. Diese !"Mmung werde aber, so führt das Schreiben ^ durch die daran geknüpften außen- und

innenpolitischen Vorausfetzungen nahezu wir­kungslos. Die Industrie versuche, mit dem Staat als unabhängige Macht zu verhandeln und stelle Forderungen, wo es gelte, die Bürger­pflichten gegen den Staat zu erfüllen. Die Hal­tung der Industrie lasse den Schluß zu, daß sie das Gesamtproblem der Reparationen über den Staat hinweg von Industrie zu Industrie lösen wolle. Die Sachwerterfassung könne nur au dem Wege gesetzlicher Erfassung ermöglicht wer­den. Unmöglich sei es der organisierten Ar­beiterschaft über die Preisgabe des Achtstunden­tages und über die anderen erhobenen Forde­rungen des Reichsverbandes zu verhandeln. Eine Privatisierung der Reichs- und Staatsbe­triebe hält die Denkschrift für ausgeschlossen. Selbst die Verwirklichung dieses Verlangens dürste die Erzielung der von der Industrie an­genommenen Erträgnisse dieser Betriebe für absehbare Zeit unmöglich machen. Andererseits werde in dem Schreiben des Reichsverbands der Wille zur ausreichenden Steuerbelastung ver­mißt. Schließlich erwartet die Denkschrift eine gerechtere Verteilung der Reparationslasten seitens der Regierung und des Reichstages, vor allem sollen die gut fundierten Vermögen zur Deckung herangezogen werden. Die Denkfchrift ist von einer Anlage begleitet, die sich im ein­zelnen mit dem Schreiben des Reichsverbandes der Deutschen Industrie auseinandersetzt, um.zu erklären, daß in ihm die Grundlage für die Lösung des Reparationsproblems nicht ge­geben ist.

Die neue deutsche Nole.

Berlin, 2. Juni. Die neue Reparationrnote der Reichsregierung an die Allierten wird einer sozialdemokratischen Korrespondenz zufolge nicht vor Mitte der kommenden Woche überreicht werden. Die Korrespondenz will wissen, daß

Garantiefrage.

Zeitgemäßere Gestaltung der briik- sehen ReparalivnspoMtk.

London, 1. Juni. Dem Londoner Bericht­erstatter desManchester Guardian" zufolge befaßt sich das britische Schatzamt augenblicklich damit, die britische Reparationrpolitik zeitge­mäß zu gestalten. , B a l d w i n sei entschloßen, eine Regelung der Probleme der Reparationen und der interalliierten Schulden zu versuchen. Auf einer unformellen Zusammenkunft von Ministern sei beschloßen worden, die dem Plan Bonar Laws vom letzten Januar zugrunde liegenden Prinzipien aufrechtzuerhalten, zugleich mit der nötigen Revision der Zahlenwerte. Das Schatzamt prüfe die Gesamtfrage von neuem, um abzuschätzen, welchen Einfluß die Ruhrbesetzung auf den britischen Plan habe. Die einzige Aenderung, die in diesem Plan gemacht werde, werde die Einsetzung abgeän­derter Summen sein, wo diese bei den augen­blicklichen Bedingungen notwendig sei.

Die PolittK der eisernen Stirn.

Zwei neue Reden Millerand-,

Paris, 1. Juni. Während der gestrige Tag, den der Präsident der Republik in Straßburg verbrachte, der Fkicr des Gedächtnisse» eines Gelehrten gewidmet war, scheint der heutige Tag in geschickter Weise vor­bereitet worden zu sein, um propagandistisch von ganz Frankreich aulgebeutet zu werden. Der Präsident der Republik wurde am Bormittag in der Handelskammer empfangen, und mittags gab ihm der Generalrat im Präfekiurgebäude ein Frühstück; beide Anlässe benutzte her Präsident der Republik, um politische Reden zu Hilten.

In der Handelskammer antwortete er dem Vor­sitzenden, der ihm die Wünsche der Straßburger Wirt- schaftSkreise vorgetragen hatte, r, gebe Probleme, die die Wirtschaftler besonder» interessierten, und für sie müßten ohne Verzug Lösungen gefunden werden. Seit vier Jahren mache da» angeblich ruinierte Deutschland beträchtliche Ausgaben für öffentliche Arbeiten, um seine Konkurrenz in der ganzen Welt zu erdrücken. Von gewißer Seite wolle man da» nicht sehen. (Nach dem , Jntranstgeant" erwähnte Millerand im Zusammen- hang mit dieserVerblendung", über die sich die Ge- schicht,Schreiber wundern würden, England. Da» Blatt bemerkt, daß der betreffende Satz Sensation hervor- gerufen habe.) Die selben Leute, die Deutschland vor oem Kriege al» Konkurrenten zur See hingesiellt hätten, der einen von Tag zu Tag bedrohlicheren Aufschwung nehme, hätten ihm gestattet, die Bestimmungen der Versailler Vertrag» zu verletzeu, da» Geld, da» zur Zahlung geheiligter Schulden ver­wendet werden sollte, dadurch diesem Zweck zu ent­ziehen, eine Handelrflotte zu bauen und Hafenein- richtungen zu schaffen, die nun in unerhörter Blüte ständen. Und war Deutschland auf dem Gebiete de» Hafen- und Schiffbaues durch,eführt habe, habe e» auf allen Gebieten bewerkstelligt, sodaß man die Achseln zucken müsse, wenn Deutschland sein Elend bejammere und behaupte, daß ei aus Armut seine Schulden nicht bezahlen könne. Er sei außerstande

dazu, weil er nicht wolle und e» vorziehe, seine ver­fügbaren Mittel für seine eigenen Bedürfnisse zu ver­wenden. DaS sei die Gesinnung Deutschlands. Man müsse sich klar sein über das, was Deutschland tun werde, wenn er die freie Verfügung über den Hafen von Kehl wicdererlange und seine Pläne durchzuführen imstande sein werde. Bis dahin werde man also keine Minute verlieren dürfen, und e» werde alle» geschehen müßen, damit der Hafen von Straßburg und die französische Rheinschiffahrt in der Lage seien, ihre deutsche Konkurrenz niederzuhalten. Millerand ver­sicherte, daß die zuständigen Ministerien da» Erforder­liche tun würden, um den im Parlament eingebrachten Gesetzentwurf über den Straßburger Hafen zur An­nahme zu bringen.

Bei dem Festmahl im Generalrat erklärte Millerand in seinem Namen und im Namen Poincaräz, sie nähmen beide eine Lehre mit aus Straßburg. Und wo hätte man eine solche besser erlangen können als inmitten einer Bevölkerung, die achtund­vierzig Jahre hindurch das Joch Deutschlands er­duldet habe!Mehr als einmal ist mir im Verlaufe meiner Reise zugerufen worden:Bleiben Eie fest! Halten Sie durch!" Sie können ^beruhigt sein: wir werden ihren Ratschlägen folgen. Wie könnten wir auch schwanken? Hatten wir nicht, ehe wir uns zu einer auf den Versailler Vertrag und das interna­tionale Recht gestützten Politik entschlossen, drei Jahre hindurch zu lange vielleicht! alle möglichen Versuche unternommen, auf gütlichem Wege unseren ehemaligen Feind zu veranlassen, daß er seine Ver­sprechungen halte und seine Pflichten erfülle, die ihm heilig sein müßten? Man versichert, daß eS in Deutsch­land gewisse Gruppen und gewisse Parteien gebe, die nur wünschten, daß feie Regierung das unternehme, was sie tun müße; an ihnen liege es, die Regierung denn nun auch dazu zu bestimmen. Aber wie könnten wir vergessen, daß drei Jahre hindurch Frankreich und die Alliierten mit den verschiedensten Regierungen, mit den Sozialdemokraten und mit dem Zentrum, ver­handelten und daß wir während dieser Jahre auf einen schlechten Willen gestoßen sind, der alle erdenklichen Formen annahm und der immer den gleichen Versuch, darstcllt: uns zu ködern und sich über uns lustig zu machen l Die Interessen Frankreich sind uns anver-

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schlossen, dafür zu sorgen, reich» nicht geschädigt werden.

Deutschland wird zahlen, was eS schuldig ist

das versichere ich Siel

Wir brauchen dabei nur dem Beispiel zu folgen, da» Deutschland selbst gegeben hat: Nach dem Kriege von 1870 hat Deutschland Frankreich eine Krieg»kontribution von Milliarden aufgezwungen; eS hat uns aber nicht gefragt, was wir tun wollten, es hat uns weder seine Unterstützung noch seine Rat­schläge angeboten, er hat uns nur erklärt: Zable, was du schuldig bist; ich bleibe auf deinem Gebiet, bis gezahlt ist. Wenn gezahlt ist, werden wir fort­gehen ! Und Deutschland hat nach dem gehandelt, was es ausgesprochen hattx. Wir werben nun han­deln, wie Deutschland gehandelt hat."

Millerand gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die gestern- abenö von der Bevölkerung von Straß­burg veranstaltete Kundgebung auf dem Broglie-Platz nützlich gewesen sei. Aber auch anderswo werde man begriffen haben, daß das nach 1871 dem Mutterland entrissene Elsaß gesagt habe:Nimm dich in acht! 1870 hast du nicht achtgegeben. Wir sind einer verblendeten, kurzsichtigen Politik zum Opfer ge­fallen. Damals wurden wir selbst der Einsatz einer solchen Politik. Wir werden am Rhein Wache halten, aber wache du mit un», denn wir würden sonst für die, die auf uni lauern, die erste Beute sein!" Dar Elsaß," so fuhr Millerand fort,kann sich aus Fraukreich verlassen, das im Bewußtsein, im Einklang mit seiner politischen Idee zu handeln, da» unerläßliche Werk bis zuin Ende durchführen wird!"

Im Anschluß daran hat sich der Präsident der Republik nach Zabern begeben. Poiucarâ hat die hat die Rückreise nach Paris angetreten.

Schwere Ausschreitungen in Sachsen.

Bautzen, 1. Juni. Die Demonstra­tionen Erwerbsloser fanden am gestrigen Donnerstag und in der Nacht zu heute hre Fortsetzung. Es kam zu schweren Ans­schreitungen. Während der Rat der Stadtverordneten eine Sitzung im Gewand­haus abhielten, hatte sich auf dem vor dem Ge­wandhaus liegenden Hauptmarkl eine große Menschenmenge angesammelt, die Lärmszenen veranstaltete. Gegen S Ahr abends wurde von der Polizei der Platz gesäubert und dabei von Gummiknüppeln Gebrauch gemacht. Die de­monstrierende Menge nahm in den späten Abendstunden eine immer drohendere Haltung an und forderte den Abzug der Landespolizei, owie die Herausgabe eines hiesigen Polizei- leamken. Gegen %12 Ahr nachts fielen aus der Menge der Demonstrierenden Schüsie gegen die Polizeiwache und gleichzeitig wurde mit Knüppeln und Steinen die Fensterscheiben zer- rümmerl. Die Polizei versuchte die Menge mit Schlauchleitungen zu zerstreuen, als ihr dies aber nicht gelang, wurde eine Gewehrsalve ab­gegeben. Dabei wurde ein Kaufmann namens Reymann und eine Frau Holkasch getötet. Die Gesamtzahl der Verletzten läßt sich zur Zeit noch nicht sestslellen.

Dresden, 1. Juni. Zu den ErroerbslosAv Unruhen in Bautzen verbreitet die Nachrichten­stelle der Staatskanzlei eine Mitteilung, worin es heißt: Nachdem aus den Reihen der Demon­stranten einzelne Schüsie gefallen waren, mach­ten auch die Polizeibeamten von ihren Schuß­waffen Gebrauch. Erst gaben sie Schreckschüße ab und hinterher würd« scharf geschossen. Um 11 Uhr war der Marktplatz geräumt. Durch Schüsse wurde eine Frau getötet und «in Mann durch einen Kopffchuß verletzt, an dessen Folgen er im Krankenhaus starb. Außerdem sind fünf Schwerverletzte zu verzeichnen. Die Vertreter der Gewerkschaften und der sozialdemokratischev Partei bemühen sich, die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.

Aus dem Einbruchsgebief.

LlberfÄd, 1. Juni. Ein ganz r ü ck f i ch t s loser Fall von Ausweisung hat sich in Trier ereignet. Dort wurden am 29. Mai zwölf Eisenbahner von der Straß« weg ver­haftet und mit vorgehaltenem Revolver ge­zwungen, zu folgen. Sie kamen, wie sie waren, ohne Rock und Bluse, in den Arbeitskitteln und teilweise ohne Kragen und Hut, in Gießen an.

Bochum, 1. Juni. Heute nachmittag fuhren französische Panzer- und Lastautos in schnellem Tempo durch die Hochstraße. Beim Einbiagen in die Vorgerdstraße verlor der Führer eines Lastkraftwagens die Herrschaft über den Wagen und fuhr auf den Bürgersteig und in die dort stehende Menge. Ein junges Mädchen wurde g e t ö t e t, ein zweites erlitt ein« schwere Quetschung. Eine französische Kommission be­sichtigte den Tatort und stellte Nachforschungen an.

Düsseldorf, 2. Juni. Der bisherige Stellver­treter des Regi«rungspräsidenten, Oberrsgie- wuroc wegen BsteiLi

gung der belgischen Vesatzungstruppen zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Paris, 2. Juni. Wie dasEcho de Paris" mitteilt, find im besetzten Gebiet für insgesamt 200 Millionen Francs chemische Produkt« be­schlagnahmt worden.

Landau, 1. Juni. Das französische Polizei- gericht verurteilte gestern den Polizeiwacht­meister Berberich aus Mannheim, weil er im unbesetzten Mannheim einen französischen Offi­zier nicht gegrüßt hatte, zu 5 Monaten Ge­fängnis und 50 COO Mark Geldstrafe oder wei­teren 3 Monaten Gefängnis mit der Begrün­dung, daß der Boden, auf dem ein französi­scher Offizier im Dienst erscheint, als besetztes Gebiet zu betrachten ist.

(Die größenwahnsinnige Begründung er­innert an die französische These aus dem drei­ßigjährigen Krieg:Wer gegen Frankreich sümpft, kämpft gegen Gott!")

Die preußischen Finanzen.

Berlin, 1. Juni. Der Hauptausschuß des preußischen Landtags begann heute die Vorberatung des Haushaltsder allgemeinen Finanzverwaltung, Finanzminister Dr. v. Richter machte aus« führlich« Mitteilungen über das Ergebnis der Kali- und Roggenanleihen. Das Ergebnis der drei Anleihen beläuft sich auf 56 Milliarden Papiermark. Die erste Kali-Anleihe wurde drei- einhalbmal, die zweite sechsmal und die Roggen­anleihe viermal überzeichnet. Roggen-Pacht­verträge über 100 000 Zentner sind abge­schlossen. Zur Verzinsung und TUgung der Roggenarileihe sind nur 12 000 Zentner, zur Verzinsung der Kali-Anleihe nur 6000 Tonnen erforderlich. Der Minister gab sodann einen zahlenntäßigen Ueberblick über den Haushalt: Der Haushaltsanschlag hatte den Fehlbetrag ursprünglich auf 11.986 Milliarden festgelegt. Dieser Fehlbetrag erhöht sich jedoch infolge der Besoldungserhohungen, der sachlichen Preis­steigerungen und eines Ausfalls an Ueber» Weisungen auf 945.47 Milliarden. Dem stehen an Mehreinnahmen gegenüber: aus der Post­verwaltung 420 Milliarden, aus. der Ueber« Weisung von Reichssteuern 100.972 Milliarden und aus anderen Posten, besonders aus eigenen Steuern 54.498 Milliarden, sodaß sich ein Mehr an Einnahmen in Höhe von 575.47 Milliarden ergibt. Da Defizit beträgt danach rund 400 Milliarden Mark. Der Minister stellte ein preußisches Geldeniwertungsgesetz in Aus- icht; danach werden u. a. auch die Sätze der Zrundsteuer der Geldentwertung angepaßt. Auch ein neues Dotationsgesetz, soll eingebracht werden.

Dollar (10 Mr vorm.) 74500