Hanauer mAnzei
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan a. M
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Nr. 125
Donnerstag den 31. Mai
1923
Das Neueste.
^ Der Auswärtige Ausschuß des Reichsrats Sai sich gestern nachmittag unter dem Borsitz des Reichskanzlers in mehrstündiger vertraulicher Bettung mit der außenvolitischen Lage beschäftigt. An der Sitzung nahmen sämtliche Ministervräsi- beuten der Länder teil.
- Aus dem Industriegebiet wird das Ende jer Streikbewegung gemeldet.
- Der Reichshausbalt weist einen Fehlbetrag M 12,4 Billionen Mark auf.
- Am 1. Juli wird eine Vervierfachung der Fernsprechgebühren eintreten.
- Die Türkei sieht die Krise im nahen Osten als beiaelegt an und demobilisiert ihre Truppen.
Reparattonsumftellungen.
Jahrelang lastet nun schon das Problem der I Reparationen über Deutschland, über Europa, I über der Welt. In ihm verbirgt sich zum großen I Zeile das andere vom Frieden, vom Wiederauf- I bau und von normalen weltwirtschaftlichen Be- I Ziehungen der großen Völker der Welt unter- I einander. Wer ist heute noch imstande, alle I einzelnen Phasen und Entwicklungsstadien der I „Reparationen" zu übersehen und aus dem I immer größer werdenden Wirrwarr einen solchen Weg ins Freie zu weisen, der auf allge- I meine Zustimmung rechnen könnte? Die I deutsche Politik hat es für ihre Pflicht gehalten, I immer wieder in dem Bewußtsein des Hauptinteressenten und Hauptleidtragenden solche Wege zu suchen. Sie waren von verschiedenster Art und mußten sich notgedrungen in hohem Maße auch den Ansichten und den Wünschen der beteiligten Siegermächte anpassen. Welche Absichten im Einzelnen die bevorstehende Er- ! Weiterung und Erläuterung der letzten deutschen Grundsätzliche. Vergleicht man dieses mit früheren deutschen Plänen und wirft man einen kurzen Blick auf die augenblicklichen Strömungen und Veränderungen im nächstbeteiligten Ausland, so kommt man zu dem Schluß, daß wir uns nach Innen und nach Außen in einer Periode der Reparationsumstellungen befinden.
Zunächst im Innern. Die öffentliche Meinung ist erfüllt von Erklärungen großer deutscher Wirtschaftsverbände, der Regierung bei der Aufbringung der Reparationssummen freiwillig zu helfen. „Die Garantie der ge- famten deutschen Wirtschaft" war ja in der letzten Note zugesagt und wir waren von England und Italien aufgefordert worden, gerade diesen Punkt genauer zu präzisieren. Das geschieht jetzt. Schon heute ist es klar, daß die Durchführung der bis heute vorliegenden oder auch nur ähnlichen Pläne nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als eine völlige Umstellung unserer bisherigen Nachkriegswirtschaft, Es wird ein Prozeß werden, der unser Volk bis in das letzte Dorf seifen und aufwühlen wird. Ob er überhaupt durchgeführt werden kann, wird ausschlaggebend davon abhängen, ob der Staat genügende Klarheit und Festigkeit mit genügender Autorität paaren wird, um den notwendigen Interessenausgleich zu schaffen. Noch einmal wird, dies- wal von der wirtschaftlichen Seite her, die »rage nach Zusammenfassung aller Kräfte gestellt werden und beantwortet mer= müssen. Es wäre ein Widersinn und ein ^arhängnis ohnegleichen, wenn bei dieser von außen erzwungenen Umstellung der Wirtschaft ganze politische Parteien absondern und "scht auch Euerseits mit Hand anlegten, damit
n,“)t nur der notwendige Interessenausgleich ßsiunden wird, sondern der Staat darüber nicht Wanken gerät.
Eine andere Umstellung dieser Ä und Wochen bezieht sich auf die A r t u n d ise der Aufbringung der Repa- i 0 n s [u m m e n. Hatte noch vor einem
ariser Bankier-Konferenz von der
mPvle die 4>ui i|ei vum.ivi’avuHiciciio vun uci Möglichkeit größerer Ausländsanleihen unter Giffen Voraussetzungen für Deutschland ge« lachen und hatte sogar noch am 2. Januar [°: 9. das deutsche Angebot in Paris ebenso wie %s in die allerletzten Tage jene letzten deutschen Vorschläge vom 2 .Mai mit der Aufbringung foßerer Ausländsanleihen gerechnet, so hat Mn gerade wohl in diesen Tagen eine ent- lcheidende Umstellung stattgefunden. Es ist Nch der Ansicht maßgebender Autoritäten des Landes vorläufig so gut wie ausgeschlossen, M jetzigen Deutschland, dessen Grenzen be= sind und das sich in schwerster wirtschaft- 'Per Erschütterung befindet, Kredite in grosse« ’^ Umfange zu gewähren. So scheint die 6nt= 'EIung sich mehr und mehr auf Gedanken
gänge und Absichten festzulegen, wie sie der letzte englische Reparationsvorschlag enthält, d. h. Deutschland muß zunächst für eine Reihe von Jahren sich zur Au f b r i n g u n g f e ft e r Annuitäten verpflichten. Und gerade auf dieser Linie bewegen sich ja auch die der Oeffent- lichkeit bekannten Vorschläge der großen deutschen Wirtschaftsorganisationen. Auch von Belgien her kommen ähnliche Wünsche und selbst in Frankreich ist man dieser neuesten Entwicklung gegenüber nicht ganz abgeneigt. Die Gefahr für uns liegt natürlich darin, daß das, was wir „endgültige Löfung" des Reparationsproblems nennen, zunächst aufzuschieben versucht wird. Wir müssen ihr dadurch begegnen, daß wir untrennbar von der Festsetzung der Annuitäten immer wieder die Entscheidung über die von Deutschland zu leistende Gesamtsumme nötigenfalls auf dem Wege internationaler Experten fordern.
Entsprechend dieser hier kurz skizzierten Umstellung der wirtschaftlichen und finanziellen Betrachtungsweise im Reparationsproblem können wir auch, in gewissem Umfange wenigstens, eine solche in der Politik der Alliierten Frankreichs verzeichnen. Anstatt längerer Ausführungen hier nur eine kurze Gegenüberstellung von dem, was die englische, italienische und belgische offizielle Politik in der ersten Periode der Ruhrinvasion und was sie heute vertritt. Am 1. März hielt Curzon eine Rede, in der er behauptete, der „europäische Himmel habe sich bedeutend aufgehellt und er sähe mit Optimismus in die Zukunft." Als er in diesen Tagen den Vorsitz der konservativen Parteiversammlung innehatte, die den neuen englischen Ministerpräsidenten Baldwin zum Führer der konservativen Gesamtpartei erwählte, sagte er: „Die Einigkeit der konservativen, Partei ist dringend notwendig, ordentlich ernst!" Wenden wir uns zu Italien. Vor der Eröffnung der ersten Lausanner Orient-Konferenz trafen sich die alliierten Ministerpräsidenten in Lausanne. Es erfolgte auch eine längere Unterredung zwischen Mussolini und Poincare. Gleichzeitig und damit im Zusammenhang ließ der Beherrscher Italiens eine weitere Oeffentlichkeit wissen, daß er es sehr bedauere, daß „im Herbst 1918 die alliierten Truppen nicht bis Berlin marschiert seien und Deutschland völlig den Garaus gemacht hätten." Man vergleiche damit die heutige italienische öffentliche Meinung, ihre klare Erkenntnis, daß die Fortdauer der französischen Hegemonie und Gewaltherrschaft auch die italienischen Interessen auf das gröblichste schädigen muß und daß nur eine baldige Be- endigung des Ruhrkonfliktes Europa zunächst einmal wenigstens den Frieden erhalten könnte. Schließlich Belgien. Zuerst lief es willenlos und in Wiederholung, womöglich Uebertrumpfung sämtlicher französischer Tiraden hinter seinem großen Nachbar her und machte die Ruhrinvasion mit. Schon im März kamen aber Bedenken. Auf einer damaligen Konferenz in Brüssel wurde auf Belgiens Initiative festgelegt, daß die „Ruhr wieder zu räumen fei, je nach den deutschen Zahlungen. Heute lesen wir, daß Herr Poincare trotz heftigen Sträubens sich auf belgischen Wunsch demnächst nach Brüssel begeben wird, daß Belgien eigene neue Reparationsvorschläge vorbereitet habe und auch, seinerseits dringend die Eröffnung gemeinsamer Verhandlungen über die Lösung des Reparationsproblems wünsche.
Und Frankreich? Dort gibt es so gut wie keine U m st e l l u na bis zum heutigen Tag. Der Zweck und das Ziel— zunächst rein tattifrfi' genommen — des neuen deutschen Vorschlages wird unter allen Umständen sein müssen: die letzte KlarheitüberFrank- reichs Absichten zu gewinnen. Haben wir Anlaß zu der Vermutung oder wenigstens Hoffnung, daß die jetzigen deutschen Vorschläge gestützt und getragen von der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes und von den berufenen Vertretern seiner Wirtschaft, in England, Italien und Belgien über den aufrichtigen Willen Deutschlands zu äußerster Anspannung im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit keine Zweifel mehr lassen, so wird die fran^^'^sie Politik genötigt sein, unter Beiseitelassen aller künstlichen Verschleierung und Verdrehung der Tatsachen hierzu Farbe zu bekennen. Erfolgt dann auch in Frankreich nicht das, was man auch dort eine „Umstellung der bisherigen Zerstörungstendenzen" nennen könnte, dann bleibt nur eine letzte Umstellung vorzunehmen übrig: Die Um- und die Einstellung des ganzen deutschen Volkes darauf, daß Frankreich in keiner Weise und durch keine Mittel bewogen werden
schen Vorschläge von dem Wunsche ausgingen, von Deutschland nur Vernünftiges und Mögliches zu erlangen, dann würde Aussicht vor- Handen sein, England an die Seite Frankreichs und Belgiens zu führen. Die durch die Ruhrbesetzung aufgetauchten Schwierigkeiten würden, wie man in Brüssel versichert, an dem Tage aufhören, an dem England dem System zustimme. Der Berichterstatter glaubt hier die augenblickliche Ansicht der Minister Theunis und Jaspar wiederzugeben, betont aber ausdrücklich, daß er in voller Unabhängigkeit berichte. Das „Echo de Paris" selbst widerspricht an anderer Stelle der belgischen Auftastung und erklärt, die Ruhrbesetzung werde gegen Deutschland ein wertloses Druckmittel sein, wenn es nicht unter der Kontrolle der Alliierten und mm Nutzen der Alliierten ausgebeutet tu erbe. Die fortgesetzte Ausbeutung des Ruhrgebiets durch die Alliierten fei die Grundlage des aufzu st eilende n Systems. An diese These habe sich die französische Regierung formell g e < bunden.
Ende der Streikbewegung im In-uftrieflebret.
Essen, 30. Mai. DaS Lohnabkommen im Bergbau verfehlte, trotzdem eS sich bei den jüngsten Vor- fomniiuffen im Ruhrgebiet nutzt um eine allgemeine Lohnbewegung im Bergbau bandelte, feine Wirkung im Ruhrgebiet nicht. Aufden meiste» Zechen ist die Arbeit wieder a it f g e n , m m e», auf den übrigen die Wiederaufnahme in kurzer Frist zu erwarten. Die Zentralstrcilleitung, in der sich nach den Feststellungen der Gewerkschaften kein Mitglied der großen Bergarbeiterverbände befand, fordert selbst, dem. allgemeinen Druck nachzebend, in einem Aufruf zum Abbruch der Streiks uns zur Wieder- auinalune der Arbeit auf. Gleichzeitig mit der Ar- beilswiederauinahme trat eine allgemeine Berübigung >.ä^'^^ hergestedt werden konnten. Die Gefahr einer Dâr> auiflackerns der Aufrubrbewegung besteht indessen immer noch, ebenso die Gefahr, die durch die widerrechtliche Vernichtung des polizeilichen Schutze» in den Großstädten hervorgerufen worden ist. In einer Reihe von Städten der Ruhrgebiet» wird zurzeit über die Bildung einer Selbstschutzes verhandelt, an dem alle Bevölkerung»schichten beteiligt sein sollen. Durch die Unruhen der letzten Tage, deren Aurdehnung in der Hauptsache an der ablehnenden Haltung der »e- völkerung und insbesondere »er organisierten Arbeiter- schaft scheiterte, ist zw-,fcll»s erheblicher materieller Schaden verursacht worden, die Front de, paistven Widerstande» konnte aber dadurch nicht erschutlekj werden. _ .
D-ktmund, 30. Mai. Im Kreise Dortmund ist auf 19 Zeche» die Arbeit zumteil wieder ausgenommen worden. Auf neun Zechen wird noch gestreikt.
essen, 31. Mai. Es ist festgestellt, bafi bei den kommunistische» Unruhen im Ruhr, gebiet etwa 40 Tote zu beklagen find. In den Krankenhäusern liegen 300 mehr oder weniger schwer verletzte.
Rigorose Eingriffe in das Der- Kehrsieben.
Ludwigshafen, 30. Mai. Ben heute Mitk woch vtâ 8 Uhr an wird bis einschl. 7. Zum abends 8 Uhr jeder Verkehr über dre Rheinbrücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen und die Altriper Fähre gesperrt. Außerdem wird im Bezirk Ludwigshasen bis auf weiteres jeder Berkehr mit Kraftwagen 06« »«n atler «it °°M°mm-n mUât. Für die Ortschaften Mutterstadt und Rhein- Gönnheim ist ein Nachtoerkehrrverbot pon abends 8 Uhr bis morgens S Uhr angeordnet worden. Diese außerordentlich schweren Ein- griffe der französischen Behörden M das Ber. kehrsleben werden aus angebliche ^dotage. alte zurückgesührt, die m den letzten Zager gegen die Eisenbahnen in der Pfalz verübt worden sein sollen.
Koblenz, 30. Mar. Dre Rheinlandkommch sion hat eine neue Verkehrsordnung Nr. 17V erlassen, nach der Autofahrzeuge einschUeßl. der Motorräder eine vom zuständigen Krelsdele. gierten ' ausgestellte Autogenehmigung haben müssen Die Verordnung tritt sofort in Kraft Die Genehmigungen werden ad 10. 3um geserbelt. Ferner wurde eine weitere Verkehrs, ordnung erlaßen, nach der Autodrojchken und Personenautos, die mehrere Per^nen verschiedener Familien befördern, als gewerbsmäßige Transportmittel zu betrachten find. Ihre Fahrer müßen mit einer vorgeschriebenen Bescheinigung versehen sein.
kann, die Reparationsfrage auf friedlichem und roirtHmftlidjem Wege zu lösen oder wenigstens anzupacken. Dann bleibt für das deutsche Volk nur übrig daß es insgesamt diese Lage erkennt und unter fester Führung die nötigen Schlüsse für seine Selbstbehauptung daraus zieht.
Die Sozial-emokraNe zur poM. Lage
Der Vorstand der sonaldemokr. Reichstagsfraktion befaßte sich laut Vorwärts gestern mit der politischen Lage. Er billigte die Schritte der sozialdemokratischen Unterhändler, die Reichsregierung zu veranlassen, ein konkretes und substantielles Angebot zu machen, das Deutschland den Weg zu internationalen Verhandlungen öffnen solle. Der Vorstand ersuchte seine Vertreter, in den entscheidenden nächsten Tagen nachdrücklich in demselben Sinne zu wirken. Weiter befaßte sich der Fraktionsvorstand mit dem Angebot der deutschen Industrie und lehnte es aufs entschiedenste ab, daß die selbstverständliche Erfüllung von Staatsbürgerpflichten von irgendwelchen Voraussetzungen oder Bedingungen abhängig gemacht werde. Ueber die Inanspruchnahme der Wirtschaft habe die Gesetzgebung zu entscheiden. Der Fraktionsvorstand wendet sich insbesondere gegen den Vorstoß der Industrie zum Zweck des Abbaus der Errungenschaften der Arbeiterklasse. Er wisse sich in diesem Punkte mit den Gewerkschaften vollkommen einer Meinung.
Die britischen Handelskammern für die Lösung der Reparationssrage.
London, 30. Mai. „Evening Standard" zufolge werden die drei Delegierten des Verbandes der britischen Handelskammern auf dem geplanten internationalen Handelskammerkongreß in London folgende Vorschläge unterbreiten: Gewährung eines Moratoriums für Deutschland für eine verabredete Zahl von Jahren; Festsetzung der Reparationssumme, die Deutschland innerhalb einer angemessenen Zahl von Jahren ohne Schaden für den Handel der alliierten Rationen zahlen tann; ein? Zorm internationaler Anleihen für Deutschland und Sicherheit für Zinsen und Amortisationen. Mit Bezug auf den letzteren Punkt werde vorgeschlagen werden, daß die Abgabe in Gold auf die Ein- und Ausfuhr gelegt werden könne. Dazu müßleu die Alliierten eine internationale Kontrolle ter deutschen See- und sonstigen Zölle vereinbaren.
Die französisch • belgische Konferenz.
Paris, 30. Mai. Das „Journal des Debats" teilt mit, daß der französisch-belgischen Konferenz, die am 6. Juni in Brüssel stattfinde, ausschließlich MinisterpräsidentPoin- caré und die belgischen Minister beiwohnen werden. Mehrere Blätter hätten allerdings gs- meldet, daß vielleicht Mussolini an den Besprechungen teilnehmen würde. Eine Bestätigung aller dieser Nachrichten liege aber weder am Quai d'Orsay noch in offiziellen Kreisen vor. Mussolini könne übrigens nur dann an der französisch-belgischen Konferenz teilnehmen, wenn er von der belgischen Regierung eine Einladung erhalten habe, was jedoch nicht wahrscheinlich sei, da es sich keineswegs um eine interalliierte Konferenz, sondern um eine französisch-belgische Besprechung handle.
Nach dem „Petit Parisien" werden auf der Tagesordnung der Konferenz gewisse Fragen bezüglich der Ruhrbesetzung stehen, namentlich die der Mittel, den französisch-belgischen Druck zu verschärfen, und den deutschen Widerstand gegen den Abtransport der Kohlen, den Eingang der Steuern, die Regie und Beschlagnahme der metallurgischen Produkte zu brechen. — Der Brüsseler Berichterstatter des „Echo de Paris" glaubt den Standpunkt der belgischen Regierung dahin präzisieren zu können, es sei in keinem Augenblick in Brüssel die Rede davon gewesen, sich von dem Ruhr- Unternehmen zurückzuziehen. Die Besetzung' wird solange fortgesetzt, bis Deutschland seine Reparationsverpflichtungen erfüllt hat. Die Besetzung des Ruhrgebietes sei etwas anderes, als die Reparationsfrage. Nach Ansicht der belgi- j ,en Regierung feien diese beiden Fragen nicht notwendigerweise eng miteinander verbunden. Das Brüsseler Kabinett wäre glücklich, -wenn die Reparationen erzielt und das Ruhrgebiet vielmehr als ein Druck-, denn als ein Aus- nützungsmittel angesehen werden könne. Die Schwierigkeiten, die die Alliierten hätten, um sich in der Reparationsfrage zu einigen, hätten na* Ansicht der belgischen Minister kein anderes Ergebnis, als einen Vorteil für Deutschland. Es ziehe aus der Uneinigkeit und aus den Schwankungen der Alliierten Nlitzen. Deshalb wünsche die belgische Regierung mit allen Mächten eine einmütig angenommene Lösung. Wenn England erkennen würde, daß die belgi.
Dollar (10 Uhr vorm.) 66560 sehr schwanke«-.