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Mittwoch den 30. mm

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Politische Nachrich'en.

Die Un!ersuü)un" -er Markstützungs- akiion.

Der flutersuchnngsausscliusi de? Reichstags zur Äsung der Wirkung und Maßnahmen zur Stützung ^r Mark trat am Dienstag vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammen.

Zu Beginn der öffentlichen Sitzung ergreift Staatssekretär Schröder vom Reichrffnanz» Ministerium das Wort zu einem Referat. Es war M vornherein klar, daß eines der wichtigsten Ab- Mmittel in dem Kampf gegen den Ruhreinbrnch der strmzasen und Belgier der Versuch sein würde, die soffen der Lebenshaltung in Deutschland einigermaßen in gleicher Höhe zu halten wie bisher. Die beiden Mel die in Frage kamen, waren einmal eine Ein- sjkânlnng der Gewährung von Krediten, und zweitens â technisches Eingreifen durch den Verkauf von Avisen am Markt, und zwar sowohl an den deutschen Mßn wie an den ausländischen. Die Aktion bat «ich den Erfolg gehabt, daß von Anfang Februar ül Mitte April, also beinahe drei Monate, der Dollarkurs auf einem Niveau von 2022000 gehalten worden ist. Natürlich konnte es sich bei der ganzen Aktion nicht bereit» um eine Stabilisiernng handeln. Die ganze Maßnahme stand nicht im Zeichen der Währungspolitik, sondern es handelte sich um eine stnegsmaßnahme. Um die Kredite der Reichsbank für diese Aktion zu stärken, hat die Regierung die Anleihe in Doklarschatzanweisungen aufgelegt. Diese war des- ütgen nicht in Papiermärk, sondern in Dollars ein« ,«zahlen, weil sie den ausgesprochenen Zweck hatte, die Devisenbestände der Reichsbank für diese Aktion zu stärken: nicht dagegen war der Zweck, eine wert­beständige Anleihe «ufzulegen. Inzwischen machte sich in immer wachsendem Maße die Tatsache geltend, daß unsere Handels- und Zahlungsbilanz stark passiv ist md daß

der Bedarf an Devisen sSr die deutsche Wirt­schaft stark über das hinausgeht, was die Wirtschaft an Devisen durch den Export produziert.

Ziifolgedeflen wurde es fit die Reichsbank immer schwieriger, einzugreifen, insbesondere als der geringe Erfolg der Dollarschatzanweisnngen uns nicht die Mittel brachte, auf die man gehofft hatte, und da­durch zugleich der Oeffentlichkeit gezeigt wurde, daß Hefe Mittel der Regierung »icht in dem erwarteten Umfang zugeflossen waren. Deswegen hat man sich, «lr der Ansturm immer größer wurde, entschlossen, ben Kurs nicht mehr unter allen Umständen zu halten, sondern dem Ansturm nachzugeben, um an anderen Eigen später mit stärkeren Mitteln einzugreifen. Als nun am 17. oder 18. April der Ansturm doch so stark wurde, daß die ReichSbank mit den Mitteln nicht weitergehen konnte, ist dann da» eingetreten, was Ihnen allen bekannt ist.

Darauf sprach ein Mitglied der LevisenbeschaffungS- Yelle über die

Ansführungsbestimmuugen der Devisen- Verordnung.

ES entspinnt sich eine Erörterung, in der die Mit­glieder des Ausschusses verschiedene Auskünfte der- laugen, die von den Regierungsvertretern gegeben Mrdcli.

86g. Hertz (Soz.) bittet den Staatssekretär Schröder, sich auch über die Frage der Rubrkredite unb ihrer Einflusses auf die Devisenentwicklung zu äußem.

RelchsbankprSfident Havenstein

«greift dann das Wort und führt unter anderem aus, raß man sich von vornherein darüber klar gewesen sei, daß an eine dauernde Stabilisierung der Mark nicht gebaut werden konnte. Er wieS auf die passive Zah­lungsbilanz und daSReichShaushaliSelend, die begründet seien in den Reparationslasten. Fernerhin spielten bei der Entwertung der Mark psychologische Momente mit. Der Redner wandte sich dann mit aller Entschiedenheit den Gerüchten entgegen, als ob das Reichshankdirek­torium einer Intervention Widerstand geleistet hätte. 3m letzten Drittel bei Januar fühlte man den Kurs heraus, den man halten konnte. Darauf erfolgte die Intervention. In diesem Augenblick gelang es, bis Mitte Februar den Dollar auf 23000 zu senken. Die Mark stieg bann weiter ohne Einflug der Reichsbank auf einen Dollarstand von 19 000. Bald darauf ging «er Dollar auf ungefähr 2123 000 und auf diesem Kursstand hielt er sich bis in den April hinein.

®ir find mit nicht Unerheblichen Devisen- Mengen herangegangen, vor allem im Auslande.

Aen ganzen März hindurch gebrauchten wir erhebliche «trage. Inzwischen wurde eS zur Gewißheit, daß der Ruhrkampf sich länger hinziehen würde. Die ReichS- «ank wurde sich darüber klar, daß sie weitere erhebliche Mittel gebrauchen würde, um den Markstand zu halten, ^ ließ bei der ReichSftnanzverwaltung den Gedanken kulftthen, Schatzanweisungen yerauszugeben. Die Relchs- M griff diesen Gedanken auf und war bereit mitzuhelfen.

Risiko im späteren Verlaufe, Gold für Papier zu Erkaufen, war aber weder Reich noch Reichsbank zu "vernehmen ix der Lage. Wenn wir nun aber auch « Devisenbestände der deutschen Wirtschaft nicht allzu y einschätzen die in der belgischen und ftanzösischen «esse genannten Zahlen sind nur Phantasiegebilde «d auch überzeugt waren, daß der überwiegende Teil ?et Devisenbestände des deutschen Volkes für die Ein» W und die Fortführung der Produltion notwendig so haben wir doch geglaubt, erwarten zu dürfen, der Großhandel und das Kapitalistenpublikum, Noten gehamstert hatte, Verständnis dafür haben ?urde, daß diese Devisen, soweit sie nicht absolut ge- Mucht wurden, in dem von der deutschen Regierung «» dem deutschen Volk geführten Existenzkampf nicht n He Kästen, sondern in die Kampffront gehörten. 3h dieser Erwartung find wir allerdings

getäuscht worden.

und mit mir sehr viele, durchaus nicht von ke- i°»derem Optimismus behafteten Männer hatten doch gurtet, daß allermindestens die Hälfte der au,ge­lten Anleihe, vielleicht erheblich mehr, gezeichnet ^°cn würde. Statt dessen wurde ungefähr ein «itel gezeichnet

m Menn der Sturz der Mark am 18. April im ^eutlichtn der Schwermduyrie zur Last gelegt ,"den ist, so ist dieser Vorwurf durchaus unbe- 'Mit. !ißenu BüJt d reinen Spekulation ab. ^' He sich ja immer für berechtigt hält, das Ge. aus dem Geschäft ycrauszulafsen und M der Mutation ein berüchtigte» Lebens- und Geschist»- ? 'Mie unter allen Umständen sieht, ich meiner uM^ieugung dahin Ausdruck geben muß, daß el ein »t 'st, diesen Ansturm irgend einer einzelnen .^ichastSgruppe oder einzelnen Menfchen besonders Last |U legen. Diese Ueberzeugung habe ich un

ZentralauSschuß am 28. Mpril ausgesprochen mit voller | Ueberzeugung und Bewußtsein. Wenn ich aber in der I Vreffe zum Eiderhelfer dafür gestempelt worden | bin, daß ich einzelne Tatsachen im Auge hatte, nament­lich einzelne Vorwürfe, die in der Presse gegen einen unserer ersten WrrtschaftSführer erhoben worden sind, so kann ich hierauf nur bemerken, ich habe da» bereits in derDeutschen Allg, Zt,." dementiert und kann auch hier nur bezeugen, daß

meine damaligen Feststellungen fich in keiner Weise gegen einen Einzelnen oder eine einzeln e

Gruppe ger ichtet haben, sondern gemacht worden sind auf Grund unserer all- gemeixex Wahrnehmungen und Beobachtungen bei der Börse und sonstiger Geschäftsstellen. Ich lehne es also ab, Eideshelfer für eine solche Einzeltatsach e zu sein.

Der Reichsbankpräsident machte hierauf vertrauliche Mitteilungen über die Summen, die die Stützungs­aktion der Reichsbank erfordert hat. Das Vorgehen der Reichsbank im ganzen sei erforderlich gewesen, um den passiven Widerstand an der Ruhr aufrechtzu­erhalten. Darauf vertagte sich der Ausschuß. Die nächste öffentliche Sitzung ist noch nicht bestimmt.

Allmähliche Beruhigung im Jn-uslriegebiel.

Bochum, 29. Mai. Um die heutige Mittags­stunde atmete die Bochumer Bevölkerung wie­der auf: An den Hausecken waren Anschläge der Polizei-verwaltung angebracht, die folgender­maßen lauteten:Die gesetzmäßige Polizei hat den Ordnungsdienst wieder übernommen. Jede Gewalttat wird rücksichtslos unterdrückt. An­sammlungen sind zu vermeiden. Jeder gehe sei­ner Beschüftigung nach." Demnach scheinen die Franzosen der Forderung der deutschen Be­hörden um verstärkten polizeilichen Schutz end­lich nachgegeben zu haben. Die Anwesenheit frischer Polizeikräfte machte sich schon in den frühen Morgenstunden erfreulich benierkbar. Die Feuerwehr und der ihr beigegebene Sicher­heitsdienst fuhren in Lastautos durch die Stadt und hoben die Kommunistennester aus. Gegen Mittag waren alle Straßen und Plätze ge­säubert. Die Gewerkschaften geben in Anschlä­gen bekannt, daß die organisierten Arbeiter sich von den Kommunisten nicht zu Putschen miß­brauchen lassen sollten; das Ziel der Ausstands­bewegung sei der kommunistische Staat. Ein Todesopfer der Kommunisten ist auch der Bergreferendar T r e i n e r geworden: er wurde gestern abend, als er auf einen Anruf der Kommunisten nicht stehen blieb, erschossen. Die bürgerlichen Blätter werden morgen wieder erscheinen.

Münster, 29. Mai. In Bochum geht die Säuberungsaktton ohne Verlust der Polizei wei­ter. Bisher sind 200 Verhaftungen der Auf­rührer gemeldet. In W a t t e n s ch e i d ist die Lage 3um größten Teil unverändert. Im Land- -n^âL'und .MÄW.«- in den Streik getreten. Auf der ZecheAltebecke" beschloß heute die. Belegschaft, den Streik sortzu- setzen. In Gelsenkirchen wurde in einer öffentlichen Versammlung beschlossen, morgen die Arbeit wieder aufzunehmen. Dem Beschluß sollen auch die Unionisten beigetreten sein. Im Landkreis Gelsenkirchen ist die Lage unver­ändert. In V o t t r o p empfahlen kommuni­stische Redner den Versammelten, die Arbeit wieder aufzunehmen. In Dortmund und in Hörde sowie im Landkreis Hörde ist die Lage unverändert. In Dortmund fand eine große öffentliche Versammlung und anschließend eine solche der Metallarbeiter statt. Im Essener Bezirk sind heute eine Reihe von Zechen neu in den Streik getreten. Die Verhandlungen zwischen der Stadtverwaltung von Essen und den Gewerkschaften über die Bildung einer ge­werkschaftlichen Polizei sind noch nicht zum Ab­schluß gelangt. Es wird geplant, eine 400 Mann starke Gewerkschaftspolizei aufzustellen, von der 45 Prozent Mitglieder der Freien, 20 Prozent der Christlichen, 10 Prozent der Hirsch-Duncker- schen Gewerkschaften fein und 15 Prozent den Unionisten angehören sollen. In D ü s s e l d o r f liegen alle größeren Werke, die Gas- und Elek­trizitätswerke sowie der Hauptteil der Straßen­bahnen still. In Hagen sind Teilstreiks aus­gebrochen.

Die Lohnregelung im Bergbau.

Berlin, 29. Mai. Nachdem die Löhne für den Stein- und Kohlenbergbau in den besetzten und Einbruchsgebieten geregelt waren, trat gestern nachmittag im Reichsarbeitsministermm unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. I a r r a s-Duisburg der Schlichtungsausschuh zusammen, der die Lohnerhöhungen für die übrigen Bergbaugebiete festsetzte. Die Regelung konnte mit Ausnahme eines Gebiets durch ein­stimmigen Schiedsspruch erfolgen. Danach ist die Lohnerhöhung für die einzelnen Gebiete nach der herrschenden Uebung im Verhältnis zum Ruhrbergbau abgestust. Sie beträgt z. B. für die Schicht in Oberschlesien durchschnittlich 9000 Mark, für den mitteldeutschen Braunkohlen­bergbau 8460 Mark einschließlich der Erhöhung des Hausstands- und des Kindergeldes.

Aus dem Einbruchsgebiet.

TNaffenausweifungen von Eisenbahner«».

Koblenz, 29. Mai. Am 24. Mai sind 30 Eisenbahner und am 25. Mai aus Bingen und Bingerbrück 130 Eisenbahner mit Familien ausgewiesen worden. Gestern wurden in Koblenz 15 Eisenbahner, ebenfalls mit ihren Familien, ausgewiesen.

Düsseldorf, 29. Mai. Bisher wurden 67 Eisenbahnbeamte mit ihren Familien aus Düsseldorf ausaewiesen. Außer den Beamten

wo die wegen der Unvasilichkeit Iaspars au^ geschobenen Verhandlungen stattfinben sollen

Eine Re-e MUleran-s.

Paris, 29. Matt Präsident Millerand hat gestern seine Rundreise durch das Elsaß begonnen. Er besuchte die Städte Altkirch, Mülhaufen und Colmar. Bei einem Bankett, das ihm zu Ehren in Mülhausen gegeben wurde, hielt er eine Rede, in der er sich mit der ftanzösischen Ruhr­politik beschäftigte. Er jagte, in dem Maße, in dem Frankreich gezwungen worden sei, die Klauseln des Versailler Vertrages zu realisieren und feine Dispositionen spielen zu laßen, sei es klar geworden, daß man nicht genügend Rücksicht auf die Menta­lität des besiegten Vockes genommen habe. Welch kostbare Andeutungen hätten die Eliäffer nach dieser Richtung geben können, die durch die jahrhunderts alten nachbarlichen Beziehungen und durch di« deutsche Beherrschung von 1870 bis 1918 sich nur zu gut hätten als Aufklärer betätigen können. Die Elsässer mußten die Lehrer und Führer Frankreichs in dem Kampfe sein, den die deutsche Unaufrichtig­keit Frankreich zwinge fortzujetzen, bis man die feierlichsten Versprechungen unb schamlos nicht aus­geführten, aber versprochenen Reparationen erhalten habe. Keiner von den Elsässern habe Überraschung oder Beunruhigung darüber empfunden» als die ftanzösischen Truppen, begleitet von ihren belgischen treuen Freunden nach dem Ruhrgebiet gegangen seien, um den säumigen Schuldner zu pfänden. Indem der Versailler Vertrag Frankreich dieses Recht gebe, verfolge es nur den trationellen Grundsatz des internationalen Rechts und indem Frankreich von diesem Recht Gebrauch mache, könne es von Seiten kaltblütiger und gutgläubiger Richter keinerlei Ktttik entgegennehmen. Keine Hinterge- üanken feien hinter seinem Akte verborgen. Es »erlange feine Schuld und es werde sie erhalten. Es habe ein Pfand genommen, weil es nicht be­zahlt worden sei, uno es werde dieses Pfand gegen Bezahlung aufgeben, nicht vorher. Wenn man an­gesichts einer so einfachen unb so gerechtfertigten Geste von Militarismus oder Eroberungsabsichten spreche, so sei dies einfach lächerlich. Zwei Willens- äußemngen kämpften miteinauber. Die deutsche, die ihre Schulden nicht beza^cen wolle, wie Frank­reich das wünsche, und die französische, di'e ihre ge­rechten Forderungen reguliert zu sehen wünsche. Der französische Wlle^ werde rm Frieden siegen, wie er im Kriege gesiegt habe. ^Heute wie gestern wird das Recht und die Gerechligkett triumphieren, in.diesem Kampse, der unsererseits mit einer Be­harrlichkeit geführt wird, die ihresgleichen nur in chrer Mägigung besitzt. Außer unserer materiellen Hrgft tzKpen wst. auch die moralische Autorität auf unserer Seite, die allein den dauerhaften Erfolg stcherftellen kann. Die Lügen des Gegners haben einen Augenblick die schlecht unterrichteten Kreise beunruhigen uno überragen tönnen. Die Zeit aber ist für die Wahryelk und für die Vernunft. Wenn die französischen Reparationen einen Richter nötig härten, würden es die Elsässer fein, die, von Deutschland erobert.und von Frankeich zurücker­obert, mehr als irgend jemand die Berechtigung hätten, ein feierUM Urteil zu fällen."

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Der französische Präsident sordert in halben Wendungen die Elf an er auf, Richter im Ruhr- jtreit zu jein. Liefe Wendungen srno deswegen tntereffaiu, weil sie eine Differenzierung zwischen Franzosen unb Elfässern anbeuten. Millerand nimmt offenbar an, baß die Etfässer in dem Kampfe, bei sich gegenwärtig um die Bersttavung ober Befrei­ung bes Ruhrgebiers ab spielt, weniger Parier als bie Franzosen selbst sind. Würde er unparreische Elsässer tatsächlich zu Worte lommen tassen, so würden sie rhn gewiß darauf verweilen, daß die etjaifi|d)e Geschichte voll von Warnungen für den Ryern unb Ruhr ist. Sie würben taum gelten lassen, daß französische Huireigedanken hinter oer jo yarinlos unternommenen Siigemeuraltion im Ruhr­gebiet, hinter aU den Gewalttaten gegen die deutsche Bevölkerung, hinter der überlegten Zerstörung oes deutschen Verwaltungsapparätes, der Vernichtung der deutschen Wirtschaft und der Abürosselunä des deutschen Geisteslebens am Rhein unb an der Ruhr sich nicht verbergen sollen. In ihren Jahrhunderte alten nachbarlichen Beziehungen, wovon Millerand spricht, lernten die Eljaffer die französischen 'Jmdj= darn als Eroberer hinreichend kennen. Das Etsag ist auch ein Beispiel für die verschiedenen Formen französischer Eroserung und für bte Harlnäckigkeir, womit bte Franzosen unter jedem Regime ihre territorialen Ziele verfolgten, von Heinrich II. über Luowig X1V. bis zu den Männern der fr an» zöftschen Republik. Vielleicht würden solche unpar- reuschen Elsässer Miileranü auch an die nachbarttches- Beziehungen erinnern, bte Luowig XIV. beijpiel« weije mir der Pfalz Heidelderga Delera und Napoleon in bei Rheinoundpolitik mit Deutsch­land gepflogen haben. Wenir Millerand übrigens versucht, bie Ruqrattion als Ausfluß tradittoneller internationalen Rechtes darzustellen, jo vermag et durch leine Häufung beschimpfender Ausdrücke da­rüber hinwegzuläuschen, baß bie moralische Autori­tät des französischen Präsidenten nicht ausreicht, um vor dem Urteil der Welt den krassesten Ver­tragsbruch der Geschichte zu decken.

Das neue polnische Kabinett.

Warschau. 28. Mai. Das neue polnische Ka­binett setzt sich folgendermaßen zusammen: Prä­sident Witos, Inneres Kiernik, Aeußeres Seyd«, Finanzen Grabski, Justtz Nowcürmorski, Unter­richt Glabirrski, Landwirtschaft Goscicti, Handel Wucharski, Eisenbahnwesen Karlinstt, Post Ätoszczenski und öffentliche Arbeiten Lopuszanski. Die Geschäfte des Kriegsministeriums werden von General Ostnski, von Dawwsti utti) von Bujaiski geführt werden.

sind 156 Mitglied? < i^rer Familien, im Ganzen also 223 Personen, ausgewiesen worden. Die Ausweisungen dauern fort.

Wiesbaden, 29. Mai. Am Freitag sind 70 Eisenbahner und am Samstag weitere 18 aus Wiesbaden ausaewiesen worden, ebenso 25 aus Biebrich. Die Möbel durften nicht mitgenom­men werden.

Wetzlar, 29. Mai. In Ehrekbreitstein wurden gestern wieder 21 Eisenbahner ausge­wiesen.

Reue Schikanen.

Buer, 30. Mai Am Samstag abend ent­stand an der Ecke der Hoch- und Essenerstraße zwischen einem belgischen Kriminalbeamten und einem unbekannten Straßenpassanten eine Schlägerei, in deren Verlauf ein unbeteiligter Bergmann einen Schuß in die Ferse erhielt. Der Bergmann, der flüchten konnte, wurde am nächsten Morgen verhaftet. Aus Anlaß dieser Vorfälle rburden von der belgischen Besatzung neue Sanktionen verhängt. Der Straßenver­kehr ist von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens verboten. Dieses Verbot gilt auch für den Ver­kehr mit den Straßenbahnen. Die Wirtschaften müssen um 8 Uhr abends schließen. Der Rats­keller wurde bis auf weiteres geschlossen. Im Zusammenhang mit diesen Sanktionen wurden 4 Personen verhaftet und ausgewiesen und zwar der Besitzer des Ratskeller, der stellvertretende Amtsanwolt Böger, Stadthauptmann Molitor und Stadtsekretär Scheperz.

Düsseldorf, 29. Mai. Am Samstag abend ereignete sich bei Bacharach ein Eisenbahn­unglück, bei dem ein Zugführer verletzt wurde. Bürgermeister Bastian aus Bacharach wurde daraufhin von den Franzosen verhaftet und in das französische Gefängnis in Koblenz ver­schleppt.

Düsseldorf, 29. Mai. Der Düsseldorfer stell­vertretende Regierungspräsident Oberregie­rungsrat Lutterbeck, der von den Franzo­sen verhaftet und in das Gefängnis nach Deren­dorf verbracht worden war, wurde gestern abend nach Sterkerade abtransportiert.

Münster, 29. Mai. In Kupferdree haben die Franzosen die Geleise der Bahn­strecken nach allen Richtungen aufgerissen. Der Verkehr ist dadurch völlig unterbrochen. (Be­deutet dieses französische Vorgehen nicht auch Sabotage? D. Red.)

Italienische Bandileü an der Ruhr.

Buer, 27. Mai. Die Schlägereien zwischen den fremdländischen Arbeitern und der deutschen Bevölkerung in Buer-Hassel nahmen in den letzten Tagen einen geradezu gefährlichen Cha­rakter an. Der Rheinisch-Westfälischen Zeitung' wird darüber gemeldet:

.Besonders sigd es die italienischen Arbeiter, die die Bevölkerung in der unerhörtesten Weise terrori­sieren. Mit Browningpistolen, Dolchen und Gummiknüppeln schwer bewaffnet, beherrschen sie den ganzen Stadtteil. Bei eintretender Dun­kelheit kann sich niemand auf der Straße sehen lassen, ohne Gefahr zu laufen, von diesen stechen Gesellen verprügelt zu werden. Einige Vor­kommnisse beleuchten die Lage blitzartig. Um den Ausschreitungen der meist betrunkenen" Banditen vorzubeugen, hatte die deutsche Polizei die Wirte veranlaßt, ihre Lokale abends zu schließen. Die Italiener aber erzwangen sich ge­waltsam Einlaß, indem sie in der Wirtschaft Peters einfach durch die Türfüllungen schossen und die Jalousien zerschlugen. Einige Gäste, die im Lokal anwesend waren, wurden von ihnen schwer mißhandelt unb unter Schlä­gen bis in den dritten Stock verfolgt. Gestern abend beschoßen sie aus Rache wegen der Schtte- ßung der Wirtschaften das Polizeirevier, um die Polizeibeamten herauszulocken. Da diesen jedoch keine Waffen zur Verfügung stehen, konn­ten sie sich auf den ungleichen Kampf nicht ein­lassen. Auch wird die Lage der Bevölkerung da- durch erschwert, daß die Belgier, die in einer naheliegenden Schule ihr Wachtlokal haben, den Italienern bei Widerstand durch die deutschen Arbeiter bewaffneten Beistand leisten. An einem der letzten Abende wurde der Polizeikommissar Schneider von drei angetrunkenen italienischen Arbeitern aufgefordert,Brüderschaft" mit ihnen zu trinken. Schneider lehnte dies natür­lich ab, worauf die Kerle ihn unter Bedrohung mit Revolver und Dolch gewaltsam zwangen, einen Krug Bier auszutrinken, in den sie vorher gespuckt, ferner, Asche und gekauten Kautabak hineingeworfen hatten. Diese unglaubliche Ge­meinheit haben sie noch mit mehreren Arbeitern in gleicher Weise begangen. Ein deutscher Arbei­ter, dessen Frau angeblich Beziehungen zu einem belgischen Arbeiter unterhalten hatte, wurde von einem belgischen Kriminalbeamten lebensge­fährlich angeschossen, so daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte, Ueberhaupt schießen die Banditen jeden Abend ziel- und wahllos auf den Straßen umher. Die Erregung unter der Bevölkerung in Buer-Haßel ist natürlich außer- ordentlich groß, da sie fast schutzlos dem un­glaublichen Treiben dieser Hilfstruppen der friedlichen Mission" ausgeliefert ist. Sowohl die Polizeibehörden als auch private Stellen haben sich an die maßgebenden Stellen in Ber­lin gewanot, um diesem skandalösen Treiben ein Ende zu bereiten.

Die sranz.-belglsche« Verhaa-luvge«

am 6. 3*nL

Paris, 29. Matt Havas meldet aus Brüssel: Pottwal teilte dem belgischen Außenminister Jaspar mit, daß er entsprechend dem von der belgischen Regierung ausgedruckten Wunsche bereit fei. am 6. Juni na» Brüssel zu kommen,