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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Skadl- und Landkreis Kanan a. M

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Ar. 121

Samstag den 26. Mai

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1923

MWettto^

Terror in mehreren SlüSlen. Die Franzosen gegen polizeiliche Verstärkungen.

Der Kommunismus tobt seit einigen Tagen Im Ruhrgebiet. Nach den blutigen Ereignissen, die vor fünf Wochen in Mülheim stattfanden, erleben jetzt Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen, Essen und einige Orte ihrer Umgebung den roten Schrecken, in dem sich die systematische Vernichtung alles geregelten Wirtschaftslebens, jeder geordneten Verwaltung, jedes Schutzes von Ordnung und Sicherheit auswirkt. Was Frankreichs Katastrophenpolitik an Rhein und Ruhr gesät hat, droht Moskaus Ernte zu wer­den. Die ftanzösische Politik kann den ersten Erfolg ihrer Einbruchs in das Ruhrgebiet buchen: Der Kommunismus hat losgeschlagen. Wir haben von Anfang an darauf Hinweisen müssen, daß die französische Vernichtungspolitik zu nichts anderem führen kann, als zum kom- munistischen Chaos. Wer alle Ordnung vernich­tet, alle Ordnungsstützen niederreißt, der muß missen, welche Geister er Heraubbeschwört, der muß wissen, welchen Kräften er freie Bahn verschafft. Frankreichs Politik hat ès gewußt, Frankreichs Polttik hat das Freiwerden dieser zerstörenden Kräfte nicht nur geduldet, sie hat ihnen hilsteiche Hand geliehen. In Mülheim hat es angefangen. Während jeder Besitz einer verbotenen Waffe sonst zum Kriegsgericht führt, fat man in den roten Tagen von Mülheim die Kommunisten nicht nur mit Schießwaffen hemmlaufen und auf Bürgerschaft sowie ihre Vertreter im Rathause schießen lassen, nein, man hat auch die Polizeikräfte fernzuhalten «ersucht, die zur Wiederherstellung der Ord- m$ herbergerufen werben jMey»,.JeM sieht man das Bild von Mülheim in anderen Städten des Ruhrgebietes. Auch dort greift der Kommu­nismus mit allen Mitteln zur Macht, terrorisiert und kein französischer Soldat regt sich zum Schutz der Ordnung. Auch hier wird das Er­suchen, deuffche Schutzpolizeibeamte zur Wie­derherstellung der Ordnung und Sicherheit zu- zulassen, abgelehnt und man spricht bereits ganz offen von einem Freundschaftsverhältnis zwi- Aen Franzosen und Kommunisten. Gegen den Kommuyismus kennen sie keinen aktiven Wi­derstand, den haben sie nur gegen Elemente der Ordnung. Die Schutzpolizei haben sie aus

Ruhrgebiet herausgerisien, haben es damit schutzlos dem Verbrechertum und dem politischen Radikalismus ausgeliefert, der roten Garde Moskaus überlasten sie freie Bahn. Paris And Moskau reichen sich an der ^uhr die Hand. Allerdings nur so lange, der französische Imperialismus mit Hilfe der deutschen Kommunisten sein Ziel erreicht

denn der französische Imperialismus fühlt auch stark genug, den deuffchen Kommu- d'sten, wenn er seine Arbeit für ihn getan hat, pW Knütteln totzuschlagen. Der Plan ist so durchsichtig, daß es schwer zu begreifen ist, wie systematische Ausbeutung deutscher Men- zu Zwecken französischer Macht und einer ausgreifenden Annexionspolitik Frank- mchs von denen, die sich dazu brauchen lassen, dicht durchschaut wird.

Was nun kommt bleibt abzuwarten. Mög- Ä daß die bürgerlichen Elemente, daß die Gewerkschaften, die von diesem Treiben der Kommunisten weit abrücken, noch einmal stark sind, den vorläufig unter dem Schutz ^uzösjsch^er Bajonette stehenden Kommunis­mus zu bannen, möglich auch, daß er zu weite»

als nur vorübergehenden Erfolgen kommt.

, französisch-belgische Gewaltpolitik hat an und Ruhr so sehr gegen jede wirtschaft- und politische Vernunft gewütet, daß die runde für die äußerste Linke vielleicht jetzt reif ist. Dies läßt sich von hier aus nicht ^urteilen. Ist sie reif, dann kann es keine Wge mehr fein, daß über Deutschland die Furchie hereinbricht, jene Anarchie, in die mankreich Deutschland mit Absicht stürzen will.

Der rote Schrecken hat die Brandfackel in dar geschlendert, da» wir gegen den Einbruch der u^nzostn verteidigen. Der Kommunirmus hat sich bie deutsche Kampffront an der Ruhr hinweg- und leistet den Franzosen in niederträchtigster HenkerSdienste. Auf ihn muß und wird die 'rantwortung zurückfallen, wenn wir in dem Abwehr- vorzeitig zusammcnbrechen.

Siluationsberichle.

. Gelsenkirchen» 25. Mai. Anläßlich der Vor- "mmnisse der letzten Taae bat sich im R u h r -

gebiet ft eigen Ö e Erregung unter der Bevölkerung bemerkbar gemacht. Es ist selbst­verständlich, daß die Arbeiterschaft in ihrer übergroßen Mehrheit das Treiben der Unruhe­stifter aufs entschiedenste mißbilligt. An ver­schiedenen Stellen wurden auch bereits Maß­nahmen getroffen, um derartigen Ereignissen vorzubeugen und entgegenzuwirken. Trotz solcher Versuche zur Wiederherstellung ord­nungsmäßiger Zustande ist die Lage nach wie vor ernst. Mit der Beunruhigung der Bevölke­rung wächst auch die Erbitterung gegen die französischen Besatzungstruppen. Es wird keineswegs erwartet, daß die Truppen sich an der Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung beteiligen. Die Bevölkerung ist davon überzeugt, daß die Hauptschuld an den jetzigen Zuständen die Besatzungstruppen trifft, die die staatlichen und kommunalen Polizeiorganisationen zer­schlagen haben und nach wie vor die kommuni­stischen Fanatiker und das Großstadtgesindel durch ihr Verhalten begünstigen. In Dort­mund ist es gestern abend zwischen Polizei und kommunistischen Hundertschaften, die von Hörde anrückten, zu Zusammenstößen gekom­men: die Hundertschaften wurden vertrieben. In Witten und Buer kam es gestern ebenfalls zu Ansammlungen und Demonstra­tionen. In Wattenscheid haben wilde Kontrollkommissionen versucht, die Preise herabzusetzen. Auch in Langendreer ist es zu Unruhen gekommen. In E s s e n und Um-

frage statt. Ueber die S t r e i k l a g e wird be­kannt, daß im Dortmunder Bezirk die Beleg­schaft von etwa acht Zechen und mehr als dreißig Werken streiken.

Auf dem Hörder Königswerk ist die Ar­beitsniederlegung durch die Kommunisten erzwungen worden.

Im Bochumer Bezirk traten die Belegschaften der Zechen Julius Philipp und Karl Friedrich in den Streik. Auf der Zeche Mont Cenis wur­den die Bergarbeiter wiederum am Einfahren gehindert. Ebenfalls gestreikt wird auf den Zechen Konstanze, Mansfeld und Planeten. In Gelsenkirchen besteht noch Streik­neigung, doch wurde die Arbeit bereits an einigen Stellen wieder ausgenommen. Jm unbesetzten Gebiet wird neu gestreikt auf den Zechen Sachsen und Radbod. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten ist die Lage noch un­geklärt. Dagegen wurde auf den Zechen Carl und Viktoria die Arbeit wieder ausgenommen. Versuche, die Streikbewegung auch auf den Essener Bezirk auszudehnen, sind nach den bis zur Stunde vorliegenden Nachrichten nicht ge­glückt.

Dortmund, 25. Mai. Im Amtsbezirk Langendreer streiken seit heute sämtliche Zechenanlagen. In Hörde wurden gestern eine Anzahl Zechen im Anschluß an eine Ver­sammlung auf dem Phönix-Werk von auswär­tigen, meist jugendlichen Elementen stillgelegt. Zu größeren Unruhen kam es nicht. Es streiken hier heute morgen die Arbeiter auf den meisten Zechen. Auf sämtlichen Zechen fanden Beleg- schaftsversammlungen statt. In Bochum traten heute zwei weitere Zechen in den Aus­stand. In Wattenscheid-St adt er­zwangen gestern nachmittag radaulustige Ele­mente in einer Reihe von Geschäften

Preisherabsetzungen, vor allem für Lebensmittel.

In diesem Bezirk stehen 2 Zechen im Streik. In Witten zogen gestern abend im Anschluß an eine Versammlung kommunistische Trupps zum Wittener Gußstahlwerk und erzwangen hier die Stillegung einzelner Teilbetriebe. Heute morgen wurde überall gearbeitet, außer auf der Zeche Franziska, wo die Belegschaften aus Furcht vor Terror nicht eingefahren sind. Um 11 Uhr heute mittag fand eine Versammlung statt. Die Ge­werkschaften verhandeln zurzeit untereinander über die Bildung einer aus ihren Reihen zu­sammenzusetzenden Sicherheitswehr. In H e r n e ist es bis jetzt ruhig geblieben. Es wird nicht gestreikt. In B u s r kam es gestern abend zu Ansammlungen und Demonstrationszügen auf den Straßen. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. In Essen wird überall gearbeitet. In Remscheid traten gestern nachmittag auch hie Arbeiter der Mannesmann- MsrL» in da«

Streik. Im Laufe des heutigen Tages finden Verhandlungen statt. Im Landkreise Hamm ist die Belegschaft der Zeche Sachsen heute morgen nicht eingefahren. Es ist mit einer Aus­dehnung des Streiks zu rechnen. In Reck­linghausen ist bis jetzt alles ruhig.

Münster, 25. Mai. In Bochum ist heute der Bochumer verein von Kommunisten besetzt und stillgelegt worden. Aus der Stadt werden Zusammenstöße und Schießereien zwischen den Aufrührern und der Feuerwehr gemeldet, wobei mehrere Per­sonen verletzt wurden. In Gelsenkir­chen ist es im allgemeinen ruhig. Der A u s - verkaufderLäden zu den von den Kom­munisten herabgesetzten Preisey dauert an. Ueber die Haltung der Franzosen ist föstgestellt worden, daß sie den Aufrührern eine unmittelbare Unter stützung zuteil werden ließen. Im Landkreis Dortmund haben die Kommunisten heute die Zeche Preußen I bei Lünen besetzt. Bei der Säuberung der Anlage durch die Polizei hatten die Aufrührer fünf Schwerverletzte. Im Be­zirk Lünen wurden heute 30 Haupträdels- fährer der Aufständischen festgenommen. In Essen ist es heute nachmittag zu Plünde­rungen auf dem Marktplatze gekommen. Der Selbstschutz mußte einschreiten und den Plab mit der Waffe räumen. In B o ch u m sind heute morgen die Geschäfte und Wirtschaften ge­schlossen.

3m Bochumer Bezirk streiken 31 Zechen­anlagen und 15 rNekallbekriebe

mit insgesamt 60 000 Arbeitern.

Esten, 26. Mai. Dem Lebensmittelhändler Strattmann, der in Gelsenkirchen ein Lebens­mittelgeschäft betreibt, wurde von Kommunisten auf offener Straße mit einem Rasiermesser der

Die Franzosen gegen polizeiliche Verstärkung.

Düsseldorf, 25. Mai. Wie mikgekeilk wird, haben die von deutscher Seite beim französisa-en Oberkommando wegen Erteilung der Erlaubnis zur Entsendung deutscher Schutzpolizei- und Kriminalbeamten nach den gefährdeten Orten des Ruhrbezirks erhobenen Vorstellungen ein negatives Ergebnis gehabt. General Denvignes, an den das Gesuch weiter­geleitet wurde, hat es abgelehnt, die Erlaubnis zu erteilen. Der Vertreter des ausgèwiesenen Regierungspräsidenten Grützner hat heute noch­mals beim General Dsgoulte Vorstellungen er­hoben und generell um die Erlaubnis zur Ent­sendung von Schutzpolizeibeamten nachgesucht. Die Franzosen die Freunde der Kommunisten.

London, 25. Mai. Der Sonderberichterstatter desDaily Expreß" in Gelsenkirchen, W. Beach Tbomas berichtet an den dortigen kommunist­ischen Unruhen, daß die deutschen Behörden hilflos neweien seien, da keine Polizei und keine Sol­daten vorhanden seien. Die Franzosen verhielten sich vollkommen passiv. Der Sonderberichterstatter derTimes", der sich ebenfalls persönlich nach Gelsenkirchen begab und mit den deutschen Kom­munisten und ihrem Führer Führer zusammen kam. meldet, zahlreiche Kommunisten sagten, daß die Franzosen ihre Freunde seien. Einer erklärte, daß die Franzoien die Polizei entwaff­neten und am 23. Mai abends auf die Feuerwehr geschossen hätten. Dies wurde dem Berichterstatter später von verschiedenen Zeugen aus dem Mittel- stand bestätigt, die wie er schreibt, beichämt zu- aeden mußten. bau der bei der Plünderung der Läden begriffene Mob den französischen Truppen zujubelte, die in Lastkraitwagen vorbeiiuhren. ohne dagegen einzuichreiten. Der Berichterstatter zufolge wurde der Geist der Plünderung und Zer­störung losgelassen, der sich leicht über das Ruhr­gebiet verbreiten könne. Die ganze Unruhe hätte durch wenige Polizisten oder Soldaten unterdrückt werden können. Die Polizisten seien von den Franzosen ausgewieien worden

Die Franzosen vollstrecken ein Todesurteil.

Paris» 26. Mai. Havas meldet aus Düsseldorf: Das Gnadengesuch des Kauf, manns LeoCchlageter au» Berlin gegen das am 8. Mai vom Kriegsgericht in Düffel- dorf gefällte Todesurteil wurde verworfen. Die Hinrichtung wird am 26. Mai bei Tagesgrauen vollzogen werden.

(Schlageter ist bekanntlich wegen angeblicher Spionage und Sabotage verurteilt wurden.)

Poincarès Rücktrittsmanöver.

Paris» 25. Mai. Nachdem der Präsident der Republik Millerand dem Ministerpräsident Poincaro erklärt hatte, daß es sich bei dem Be­schluß der Senats nicht um eine politische, son­dern nur um eine juristische Frage handele, die kein Mißtrauensvotum bedeuten könnte, und nachdem er ihm im bedenken aeaeben batte.

daß am Vorabend der mistigen Beratungen mit Belgien eine Geschlossenheit und Konti­nuität der französischen Negierung dringend erforderlich sei, hat Poincar^ feine Demission zurückgezogen.

Wir haben gestern schon angedeutet, daß die Demission Poincarès nicht ernst zu nehmen sei und wir haben recht behalten. Poincarè brauchte etwa» Theaterdonner und Sensation, die ihn in benga­lischer Beleuchtung zeigte, um die Blicke etwas von den mangelnden Ergebnissen des Ruhreinbruchs abzulenken. Seine taktische Position war ausge­zeichnet: Er zwang Herm Millerand den ihm so wenig grünen Herrn Millerand ihm entweder zu bescheinigen, daß er für Frankreichs Politik als Ministerpräsident zurzeit unentbehrlich wäre, ober ihn bei einer Gelegenheit zurücktreten zu lassen, bei der er, Raymond Poincarè. der über kleinliche Kammerintriguen gestürzte große Franzose war- ihn an dem gleichen Tage zurücktreten zu lassen# an dem er unter stürmischem Jubel der Kammer den deutschen Vorwurf widerrechtlicher Gewaltakte einesteche Verleumdung" genannt hatte, womit sich Herr Poincarè eine Stellung gesichert hätte, die womöglich noch einflußreicher gewesen wäre» als die des Ministerpräsidenten, der doch immerhin für die Mißerfolge seiner Ruhrpolitik einmal wird geradestehen müssen. Und wie herrlich leicht hatte es Poincarè gehabt, diesen Mißerfolg dann seinem Nachfolger in die Schuhe zu schieben, der das von ihm glorreich Begonnene schlecht weitergesührt hätte. Herr Millerand ist, wenn Herr Poincarè dies letzte beabsichtigt haben sollte, ihm nicht in die Falle gegangen. Im Gegenteil, er hat so operiert, daß der große Lothringer für nüchterne Betrachter ein wenig lächerlich geworden ist. Für nüchterne Betrachter» für die Franzosen aber in der Siedehitze ihres Ruhichauvinismus, für die Pariser Presse bloc national aber ist Herr Poincarè durch den Theaterdonner wohl ein noch größerer Mann geworden, als er in ihren Augen wohl eben schon war.

Am VoradevH ^einerwichtigen E»t>* fdfeiiuug Lausanne»

Lausanne, 26. Mai. Heute vormittag hatten die drei alliierten Bevollmächtigten eine Besprechung mit Venizelos, in der sie den griechischen Dele­gierten auf die Gefahr irgendwelcher überstürzten griechischen Schritte eindringlich aufmerksam machten. Da auch heute keine Komiteesitzungen stattfanden, kann die Konferenz seit acht Tagen als suspendiert gelten. Immerhin hat der Beschluß der Alliierten, auf jeden Fall am Samstag eine offiziöse Sitzung mit den Griechen und Türken einzuberufen, «eine leichte Entspannung der Lage gebracht. Die Griechen und die Türken haben die Einladung angenommen. Die Sitzung soll morgen nachmittag 3 Uhr statt­finden. Einige Bestürzung hat die von Havas verbreiteteMatin"-Meldung hervorgerufen, wo. nach die Angoraregierung die türkische Delegation aufgefordert haben soll, Lausanne zu verlassen, falls die Griechen die Reparationszahlungen ab> lehnen. In den Kreisen der türkischen Delegation erklärt man jedoch, daß man nichts von einem der­artigen Beschluß wisse. Andererseits stehen bie türkischen Delegierten in lebhaftem telegraphischem Meinungsaustausch mit der Angoraregierung.

Lausanne, 25. Maß Am Vorabend der vor- ------- Wibenben Konferenz zwischen den bevollmächtigten und den türkischen

aursichttich entscheidenden Konferenz zwischen ven drei alliierten bevollmächtigten und den turkychen und griechischen Delegierten konzentriert sich alles die Haltung der Türken, bie bis letzt über ihre Stellungnahme in der morgigen Sitzung verlauten lassen. Nach einer Besprechung von heute morgen ließen die Alliierten Ismet Pascha wissen, daß sie, falls et eine Mitteilung zu machen habe, zu feiner Verfügung ständen. Ssmel Pascha machie aber von dieser Einladung lernen Gebrauch und in den Kreisen der türkischen Dele- aation wird versichert, daß bis jetzt keine Voraus­sage möglich sei, weder in positivem noch in nega­tivem Sinne Man erklärt sich hier die außer- ordentliche Zurückhaltung der Türken bamtt, daß wiichen Ismet Pascha und der Angora^tegierung ernste Äleinungsverichiedenhetten herrschen. Die Angora-Regierung soll auf Zahlung einer Reparation» summe durch Griechen­land bestehen oder die Wiederherstellung der Grenze von 1915 fordern. Ismet Pascha dagegen, der von der Unannehmbarkeit dieser Bedingungen überzeugt ist und auf jeden Fall die Verantwortung ür den Bruch »ermeiben will, bemühe sich, eine« zemäßigteren offiziellen türkischen Vorschlag zu er­zielen, nämlich auf der Grundlage der Abtretung von Karagatsch (zu der vetannrlich, wie vor einigen Tagen gemeldet, die Griechen bereit sind. D. Rco.) oder, falls territoriale Lösungen nicht zu verwirk» ichcn sind, auf der Grundluge der früheren alliierten

Vorschlages über direkte griechlich-türklsche Ver­handlungen und eventuellen Schiedsspruch über bie

Interesse aus noch nichts über ihre

gegenseitigen Forderungen.

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