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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

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Donnerstag den 24. Mai

1923

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Das Neueste.

- Zn Gelsenkirchen ist es gestern zu schweren iMMUnistischen Ausschreitungen gekommen.

- Lloyd George bat gestern eine scharfe Kamvi- ndè regen Baldwin gebalten.

- Lord Turzon bleibt englischer Aubenminister.

- Die Lage auf der Konferenz in Lausanne Meint sich zu entsvannen.

- Der franzöfische Senat bat der Einführung der Sommerzeit zugestimmt, die in der Nacht vom Immenden Samstag zum Sonntag in Kraft tritt.

Der englische Ministerwechsel.

Von seiner Reise, die in England mit unge- I Ähnlicher Aufregung besprochen wurde, ist I Sonar Law zwar nach London, aber nicht mehr I in das Ministerpräsidium zurückgekehrt. Seine I Krankheit machte seinen Rücktritt notwendig. I damit hat eine verhältnismäßig kurze Episode I seines Lebens und der neueren Geschichte Eng- s geendet. Denn nur sieben Monate hat I Sonar Laws Herrschaft gedauert.

Englifche Ministerwechsel kann der Deutsche I gegenwärtig nur unter deutschem Gesichtspunkte I betrachten. Haben wir in vergangenen Jahr- I zehnten derartige Ereignisse mehr mit neu« I gieriger Spannung, etwa wie einem inter« I essanten Schauspiel gegenübergestanden, so stehen heute, wenn in den Staaten der Entente I etwas Wichtiges vor sich geht, immer auch I deutsche Interessen auf dem Spiel. Als nach dem Sturze Lloyd Georges im vorigen Jahre I Sonar Law als Vertrauensmann der englischen I Rechten die Regierung übernahm, knüpfte die I europäische Politik an diesen Regierungswechsel I in England die Frage, ob damit ein Wechsel I der englischen Politik in der Reparationsfrage I und insbesondere in der Haltung Englands gegenüber Frankreich verbunden sei. Man er« & wartete auf der ehren Seite ein stärkeres Her- I vortreten des Einflusses der Lovd-Derby- I Truppe, die die französische Anti-Deutschland- I Politik als auch in der Richtlinie der englischen I Politik liegend betrachtete. Andere Beurteiler I sagten sich jedoch, daß die Ablösung Lloyd Ge« I arges keinen sogenannten frankophilen Kurs be« I deuten würde, daß vielmehr lediglich die beut« I lief) ablehnende Schwankung, die Lloyd George, I namentlich seit den Tagen von Genua, gegen» I über dem Poincarismus eingeleitet hatte, mie« I der durch eine mehr neutrale englische Politik I »umgebogen" werden sollte, die es möglichst I »ermeibe, England in die Schwierigkeiten der I Reparationspolitik und der damit zusammen« I bangenden kontinentalen Fragen Europas I hineinzuziehen. Die Präsidentschaft Bonar I ^aws hat denen Recht gegeben, die von ihm I nichts anderes erwarteten, als eine möglichst I zaudernde, möglichst farblose, möglichst nichts- I sagende englische Politik. Poincars hat diesen I schwächlichen Zauderer am englischen Steuer I richtig erkannt und hat es unter seiner Minister- I Präsidentschaft gewagt, den Vorstoß an der I Ruhr zu unternehmen. Die Bedeutung der Aera I Sonar Law für England und Europa wird I We weiteres klar, wenn man die Gegenfrage rat, ob Poincars den Ruhrvorstoß unter I °'Nèm Ministerium Lloyd George vielleicht I W gewagt hätte? So sehr auch Lloyd George I als Opportunist, namentlich nach dem Kriege, in der Führung der englischen Politik I Neigt hatte, so ist doch kaum anzunehmen, daß Wer trotz aller seiner Fehler, im englischen I Ane, großzügige Minister, der sein Vaterland I einem Riesenerfolge durch den Krieg hin- I Achgelenkt hatte, sich einer Pariser Offensive I Stile der Ruhraktion so ohne weiteres hätte lassen. Erst dem Kabinett Bonar Law I es vorbehalten, einer französischen Aktion "Wn zu müssen, durch welche, wenn die damit fundene kontinentale Gewaltpolitik Frank- endgültig zu einem Erfolge führen sollte, W nur die englische Machtstellung in Europa bas Empfindlichste berührt wird, sondern "»ruber hinaus geradezu die ganze englische jütische Arbeit, und insbesondere die englische 5"!egspolitik seit der Marokkokrisis in ihren ^folgen derart erschüttert werden muß, daß Frage nach dem Sieger im Weltkriege er« rat entsteht. Die Aera Bonar Law bedeutet ln kurzes, aber ebenso nüchternes, farbloses, M nicht zu sagen klägliches Zwischenspiel in Oer englischen Politik.

R Nunmehr tritt Stanley Baldwin an die Alle Bonar Laws. Der bisherige Schatzkanz- hatte sich als Vertreter des zurückgetretenen Anisterpräsidenten wachsende Sympathie im Aerhause erworben. Als politisches Verdienst

Baldwin besonders angerechnet, daß er P seinen nicht ungeschickten Verhandlungen mit ist Washingtoner Kabinett die Regelung der

englischen Kriegsschulden an Amerika erreichte. Ob er aber die Führerkraft besitzt, um den Spalt, den die konservative Regierungspartei in einen Flügel der eigentlichen Tories und eine sehr starke gemäßigte Gruppe klüftet, zu schlie­ßen, und die Regierungspolitik auf eine Linie zu bringen, darüber bestehen in England selbst alle möglichen Zweifel. Er ist kein ausgesproche­ner Mann der starrköpfigen Tories. Doch ist zu bemerken, daß seine Ernennung in gleicher Weise als Sieg der äußersten Rechten wie als Sieg der City betrachtet wird. Eines ist aber nur möglich; denn während die wirtschaftlichen Kreise einemvernünftigen" Ausgleich des Re­parationsstreites zuneigen, und zwar auf Grund einer durch internationale Feststellung ermittelten Leistungsfähigkeit Deutschlands, fühlen sich die Tories fast immer noch aus­schließlich als Alliierte Frankreichs und daher mit dessen Pfänder- und Garantiepolitik ver­bunden. Richt ohne Bedeutung wird für Bald­wins Ministerpräfidentschaft die Einstellung der Opposition zu feiném Kabinett sein. Wir er­innern daran, daß die Unterhausdebatten der letzten Zeit erkennen ließen, daß ein erheblicher Teil des Hauses gegen die Politikwohlwollen­der Impotenz", wie der Führer der Liberalen, Asquith, sich ausdrückte, grundsätzliche Bedenken hat. Diese kritische Stimmung ist bei der ande­ren liberalen Gruppe, unter Führung Lloyd Georges fraglos noch stärker, was befonders aus einer auf S. 3 d.Bl. wiedergegebenen Rede, in der Lloyd George dem neuen Ministerprä­sidenten entschiedene Opposition ankündigt, her­vorgeht. Die konservative Partei verfügt zwar über 344 von 615 Unterhaussitzen, aber es darf nicht vergessen werden, daß die letzten Nach­wahlen in England für die Konservativen einen enttäuschenden Ausfall ergeben haben, während die oppositionellen Parteien der Liberal- und der Arbeiter jedesmal neue Wahlsiege erringen konnten. An diesem Warnungszeichen wird Baldwin nicht achtlos vorübergehen bürfen, wenn er mit einer verhältnismäßig längeren Präsidentschaft rechnen will. Es darf weiter nicht vergessen werden, daß die beiden Gruppen der Liberalen unter Führung von Asquith und Lloyd George, wenn sie auch heute noch lavieren doch ernste Versuche machen, um einen Zusammenschluß herbeizuführen. In Er­innerung ist noch eine Aeußerung, die vor weni­gen Wochen von der damals im Ruhrgebiet weilenden Gattin des früheren englischen Mi­nisterpräsidenten Asquith getan wurde. Sie sagte, daß im Juli die Lage in England Jo weit gediehen sein würde, daß dann wieder ein Liberaler das Steuer in die Hand nehmen würde. Innerpolitisch findet also Baldwin große Schwierigkeiten vor, und wenn es ihm nicht gelingen sollte, zwischen den auseinanderstre­benden Gruppen der Tories und der Gemäßig­ten innerhalb seiner Partei eine befriedigende Verständigung herbeizuführen, dann dürfte seine MinisterpräsLentschaft von nicht allzu langer Dauer fein.

Was uns Deutsche anbelangt, so haben mir, wie schon gestern gesagt, auch auf den neuen Ministerpräsidenten keine besonderen Hoffnun­gen zu setzen, denn die Politik Englands wird auf den Gebieten, die uns interessieren, unge­fähr die gleiche bleiben wie bisher. R. H.

Die neue Arinisierlisie.

London, 23. Mai. Wie gemeldet wird, macht die Neubildung des Ministeriums Fort­schritte. Baldwin erklärte heute nachmittag, er hoffe, sein Kabinett bis Freitag zusammen­gestellt zu haben. Vier endgültige Ernennun­gen stehen fest: Es bleiben Curzon Außen- minister, Derby Kriegsminister, Hoare Luftfahrtminister und Wilson Hauptein­peitscher. Den Blättern zufolge wird ange­nommen, daß H o r n e, der morgen in London erwartet wird, Schatzkanzler werde. Cecil, dessen Name ebenfalls im Zusammenhang mit einem ministeriellen Posten genannt wurde, hatte heute eine lange Unterredung mit Bald­win in der Downingstreet. Wie verlautet, wird Montag mittag im Hotel Cecll eine Zusam- Menkunft der unionistischen Partei stattfinden, auf der wahrscheinlich Curzon den Vorsitz führt.

Telegrammwechsel zwischen Baldwin und poincaré,

Paris, 23. Mai. Der neue englische Pre­mierminister Stanley Baldwin hat an den Ministerpräsidenten Pomcare ein Telegramm gerichtet, in dem er die Hoffnung ausspricht, daß die herzlichen Beziehungen, die zwischen Frankreich und Eng­land bestanden hätten, und das gute Einver­nehmen sowie die Gemeinsamkeit des Zieles de»

beiden Regierungen erhalten bleiben möchten.

P o i n c a r e dankte ihm in einem Tele­gramm, in dem er chm versicherte, daß die fran­zösische Regierung von ganzem Herzen mit der englischen an der Aufrechterhaltung und Ent­wicklung der Freundschaft und der Allianzbe­ziehungen zwischen beiden Regierungen mit­wirken werde.

Kommunistische Ausschreitungen in Gelsenkirchen.

Das Polizeipräsidium von den Kommunisten besetzt. 5 Tote, 56 Verwundete.

Gelsenkirchen, 23. Mai. 3m Laufe des heutigen Tages kam es hier zu schweren Ausschreitungen, die schließlich in blutige Kämpfe ausarteten. Rach dem Muster des Vorgehens in einigen Ortschaften des Land­kreises Essen begann heute morgen aus dem hiesigen Aleischmarkt die gewaltsame Herabsetzung der Preise für Fleisch, Fett und Fische. Der Markt war von einer außergewöhnlich starken Menge besucht. 3m Anschluß hieran drangen Teile dieser Demon­stranten in die innere Stadt und versuchten die gleiche Herabsetzung in einer Anzahl von Lebensmittelgeschäften durchzuführen. Inzwi­schen hakten die meisten Geschäftslokale ihren Betrieb geschlossen. 3n den Geschäften, in denen die Abordnung, die sich Kommission nannte, die Preise herabsetzte, wurde die Dare innerhalb einer Stunde verkauft. Inzwischen waren, da die Bewegung einen immer drohen­deren Charakter annahm, sämtliche Feuer­wehren der Stadt und der Industrien sowie der Selbstschutz alarmiert worden. Gegen Mittag zeigte sich folgendes Bild: Den oer- ...»tziet» Feuerwehren und dem Selbstschutz war es gelungen, die dem Polizeipräsidium anliegenden Straßen von Demonstranten zu säubern. Kurz nach 3 Ahr sammelten sich gewaltige Menschenmassen, vom Hauptbahnhof kommend, die immer mehr Zu­strom aus einzelnen Stadtteilen und der Um­gebung erhielten, an. Mittlerweile war be­kannt geworden, daß die von den Kommunisten im Sristallpalast einberufene Versammlung nicht stattfinden sollte, da die Zugangsstraßen gesperrt wären. Plötzlich drangen mehrere Hundertschaften der Kommu­nisten, die aus der Ringstraße kamen und mit Stöcken und Waffen versehen waren, vor und mischten sich unter die Menge am Haupt­bahnhof. Als in diesem Augenblick ein Wagen der Feuerwehr vorüberfuhr, wurde er demo­liert, ebenso ein Wagen der Straßenbahn. Da- rauf entwickelte sich eine große Schieße- r e i. Die Annahme, daß die Franzosen in den Kampf eingegriffen hätten, hat sich nicht be­stätigt. Von wo aus die Schüsse gefallen sind, ist noch nicht festgestellt. Der Kampf dauerte mehrere Stunden und war abends um 7 Uhr noch nicht abgeschlossen. Bisher wurden zwei Tote und über 20 Verwundete in den Kranken­häusern unkergebracht. Bemerkenswert ist, daß eine Anzahl Verletzter und einer der Toten in dem in der Hauptsache von Franzosen besetzten Hauptpostamt Aufnahme fanden. Der Straßen- bahnverkehr wurde eingestellt.

Ein späteres Telegramm besagt folgendes:

Die Unruhen in Gelsenkirchen dauern an. Die Kommunisten haben das Poli­zeipräsidium besetzt und auf dem Ge­bäude die rote Fahne gehißt. Bei dem Sturm wurde Feuer au das Polizeipräsidium gelegt. Die Kommunisten stürmen setzt einzelne Wirt­schaften und Läden. Die Franzosen ver­haften sich v ö l l i g u n t ä t i g. Rach den bis­herigen Feststellungen wurden bei den heutigen Unruhen 5 Personen getötet und 56 verwundet. Von den kommunistischen Personen sind etwa die Hälfte der Verwundeten Aus­wärtige, die zur Verstärkung der proletari­schen Hundertschaften nach Gelsenftrchen gekom­men waren.

Die SlreiKlage in Dortmund.

Dortmund, 23. Mai. Die Streitlage in Dortmund ist unverändert. Heute nachmittag fanden auf dem Hansa-Platz Maffenversamm- lungen der Kommunisten statt, in denen zur restlosen Durchführung der Streiks aufgefordert wurde. In der Stadt ist er jetzt im übrigen ruhig. Die von den Gewerkschaften mit den Arbeitgebern geführten Verhandlungen, haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Neue Ver­handlungen finden in den nächsten Tagen statt. Auch im Bochumer Bezirk find einige Zechen in den Ausstand getreten.

Dortmund, 23. Mai. Im Bochumer Bezirk sind die Belegschaften der Zechen Präsident 1 und 2, Bruchstraße und Heinrich Gustav in den Ausstand getreten. Man befürchtet für morgen, daß auch die Belegschaft der Bochumer Verein» sich dem Streik anschließt.

Dortmund, 24. Mai. Hier erfolgt ein auber« gewöhnlich starker Zuzug von Arbeitern und man befürchtet infolgedessen Ausschreitungen der Streikenden. Der Magillrat der Stadt ermahnte deshalb in Maueranschlägen die Arbeiter, di« augenblickliche Lohnbewegung nicht durch gewissen« lose Hetzer zu politischen Zwecken mißbrauchen zu lasten. Die Bau- und Holzarbeiter haben sich den Streikenden angeschlofien. Auch eine neue Anzabl Zechen ist in den Streik getreten. Die bisherigen Lohnverhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt.

Unter der Herrschaft brutalster Gewalt.

DieD. A. 3" meldet aus Münster neue Miß­handlungen im Nubrgebiet. Der 17jährige Ober­primaner Riedel wurde wegen Verteilung von platt­deutschen Flugblättern durch Faustschläge in» Gesicht und Fußtritte gegen den Leib mißhandelt. Auch wurde er eingesperrt, nackt aukgezozen und auSgeveitscht. Er wurde dann zu 20 Tagen Gefängnis und 200000 Mk. Geldstrafe verurteilt. Der Referendar Borchmeyer wurde vor dem Theater seines Stockes durch einen franz. Soldaten beraubt. Darauf wurde er durch Schläge in» Gesicht verletzt. Auf seine Beschwerde, der wahr­heitswidrige Aussagen französischer Zeugen entgegen­gestellt wurden, erfolgte ein Verfahren wegen Beleidigung der französischen Armee beim Militärpolizeigericht.

Paris, 23. Mai. Nach einer Havaimeldung aus Koblenz bat die Interalliierte Rheinlandkommission seit dem 18. Januar insgesamt 8222 Personen au» dew besetzten Gebiet auSgewieien. Die Kommission glaubt daran erinnern zu müssen, daß aufgrund ihrer Ver­ordnung Nr. 144 die ausgewiesenen Beamten gleich­zeitig al» ihres Amte« enthoben gelten.

Am 22. Mai wurden 22 verheiratete Eisenbahner mit Frauen und (32; Kinder aus LM Reichsbahn« direktionsbezirk Ludwigshafen ausgewiesen.

Die. französische Elsenbahnregie erhöhte die Per- sonensahichrelse, die schon biSber teurer als die der deutschen Reichsbahn waren, am 14. Mai um 50 Prozent.

Er ist festgestellt worden, daß der größte Teil der in französischen Diensten arbeitenden deutschen Arbeiter au» de« unbesetzten Deutschland zuzieht. Weiter wurde festgestellt, daß die von den Franzosen aufge­brachtenZivil-Eisenbahner" vorher militärisch ange­zogen waren und nun in Zivil Dienst tun.

Die Gemeinde H e r b e d e und B l a n k e n« stein wurden von den Franzosen mit einer Geldbuße von 50 Millionen Mark belegt, da der Täter des Eijenbahnattentatr auf der Strecke HattingenHerbede nicht gefaßt worden ist. Mehrere Beamte der Landratsamt^ wurden verhaftet und sollen 3 Monate Gefängnis er­halten, wenn der Täter nicht in 8 Tagen ge­funden wird.

Paris, 23. Mai. Wie derTempr" aus Wiesbaden meldet, sollen die französischen Truppen in Ludwig»hafen heute Mittwoch den Betrieb von Oppau besetzen. Die französischen Ingenieure würden dann zur Beschlagnahme der großen Lager an chemischen Erzeugnissen schreiten.

Münster, 23. Mai. Wie aus Reckling­hausen gemeldet wird, sind die Franzosen heute nachmittag in die Hauptwerkstätten der Eisenbahn eingedrungen. Die Tore wurden gewaltsam geöffnet ; 75 Waggon» wurden au» den Hauptwerkstätten herau»- gkholt. Während der Pfingstseiertage trafen ix Recklinghausen zahlreiche neue Truppen ein.

Eine knappe Wehrhett für Poincart.

Paris, 23. Mai. Senatoren gegenüber hat Ministerpräsident P o i n c a r â zu ertennen gegeben, daß er die V e r t r a u e n s f r a g « stellen werde, wenn der von der Kammer an­genommene Gesetzentwurf über die Einführung der Sommerzeit im Senat auf eine ausge­sprochene Gegnerschaft stoße. In der Senats« sitzung selbst wurde ein Kommlsfionsbenchl eingebracht, der die Ablehnung der Sommer- zeit verlangte. Dar Haus beschoß nach Ent­gegennahme Des Berichte» die sofortige Di», kujston. Diese eröffnete Poincars; er verlangt« dringend die Annahme der Reform. Echließltch nahm der Senat mit 118 gegen 109 Stimmen die Einführung der Sommerzeit an.

Einigung zwischen Grieche» unö Türken?

London, 23. Mai. Reuter meldet, die Grieche« hätten sich bereit erklärt, anstelle einer Kriegrentschä. biqung Karaagatsch an die Türken abzutreten. 61 verlautet, daß Jèmet Pascha seine Freude über diese« Angebot bezeugt und el nach Angora telegraphiert jabe.

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