General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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SrTllS Mittwoch den 23. Mai 1923
Das Neueste.
— Der Schatzkanzler Baldwin ist zum Premier- «iniffer ernannt worden.
— In der französischen Kammer hat gestern die »uhr- und Reparationsdebatte begonnen.
— In Dortmund hat sich der Streik weiter aus- gkdehnt; ferner ist es erneut zu schweren kowmunisti- Hm Ausschreitungen gekommen.
— Die neuen Eisenbahntarife treten am 1. Juni in Kraft.
Baldwin engl. Premierminister.
London, 22. Mai. Der König hat den bisherigen Schatzkammer Stanley Baldwin zum Premierminister ernannt. Baldwin hat angenommen.
»Evening Standard" zufolge verlautet, daß keine großen Veränderungen in der Zusammensetzung des Kabinetts ein- iretm werden. Curzon sei, wie es heißt, bereit, das Amt des Außenministers weiterzu- führen. In gut unterrichteten unionistischen Kreisen werde mitgeteilt, daß Baldwin eine riesige Anhängerschaft in der City habe? Weiter verlautet, daß sich Sir Robert Horne, der bereits in Lord Georges Kabinett Schatzkanzler war, auf Ersuchen Baldwins bereit erklärt habe, dasselbe Amt wieder zu übernehmen. Wahrscheinlich werde die Zusammenkunft der unionistischen Partei am Dienstag oder Mittwoch nächster Woche stattfmden. Wie die Blätter melden, wird Baldwin zugleich Premierminister und Führer des Unterhauses sein.
, sie englische Regierungskrise ist rasch bei- Rlegt worden, und England hat alle Ursache, ^ese rasche Beilegung zu begrüßen, denn die Krise fiel in die Zeit zugleich mit den russischenglischen Meinungsverschiedenheiten und da russisch, britische Meinungsverschiedenheiten stets ihre Wirkung in der Richtung der orien= bischen Fragen auszustrahlen pflegen, so gab es für England nichts Wichtigeres, als die Krise so rasch wie möglich zu beenden. Gestern glaubte man noch, daß Curzon die meiste Aus- auf den Premierposten habe, denn Curzon war es ja, der die Geschäfte seit Bonar Krankheit geführt hat. Doch man ist von dieser Ernennung abgekommen, wahr- Wmlich deshalb, weil Curzon nicht Mitglied «s Unterhauses ist, man aber der Ansicht ist, daß der Erste Minister Wautage iry Unterhause sitzen muß. è Regierung steht im Unterhause Wer starken und energischen Opposition gegenüber, deren Angriffe die Anwesenheit so iw führender Mitglieder wie möglich auf er Regierungsbank erfordert. Im Unterhause »egt m der gegenwärtigen Zeit die tatsächlich.
und wer im Unterhause führt, [/ wie die „Morning Post" gestern Meibt, der tatsächliche Erste Minister. ■ ° sit die Wahl auf Stanley Baldwin ge- l sten, der seit 1908 im Unterlaufe auf den «anten der Konservativen sitzt und seit 1922 Watzkanzler im Kabinett Bonar Law war.
Schatzkanzler Baldwin, dessen Ansehen bei Konservativen in den Wochen, wo er Bo- ^ Aw im Unterlaufe vertreten hat, sehr ^wachsen ist, zumal nachdem er die Glanz- ^tung fertiggebracht hat, dem Hause ein er- tah^r^r Budget — dessen Haupterfolg, den m . ^ âem argen Schätzungsfehler ^nes Vorgängers zu verdanken hatte — vor- c*n Die hard ans Ruder gekommen, i-r» Angehöriger jenes Flügels der Kon- ! wllUven, dessen franzosenfreundliche Tenden- bekannt sind. Aus dieser Tatsache schon er= rf sich- was wir von dem neuen Premier zu warten haben. Aus allen bisherigen öffent- X Aeußerungen Baldwins geht hervor, daß Aufrechterhaltung der Solidarität unter gierten zu einem Leitgedanken seiner macht und daß er feine Hauptaufgabe vvm erblickt, das Verhältnis zu Frankreich woer besser zu gestalten. Er hat freilich mehr- â betont, wie wichtig Deutschlands Wieder- ^nau für den englischen Handel sein wird, Jr er hat ständig vergessen hinzuzufügen, ihr Deutschland nach feiner wirklichen Lei- b^bfähigkeit Zahlen müsse. So errechnete er ^annDch auch sofort, daß das letzte deutsche hr ^vbot hinter dem englischen Plane zurück- Ure, den Bonar Law im Januar auf der ^jsir Konferenz vorgelegt hatte, wobei er Asich einem Irrtum unterlegen war.
Deutschland hat also von dem Personen
wechsel in der englischen Regierung nichts Wesentliches zu hoffen. Für uns bleibt nach wie vor die Wahrheit bestehen, daß keine Macht der Erde uns noch retten kann, wenn wir selber nicht uns unserer Feinde im Westen noch aus eigener Kraft zu erwehren verstehen.
Stanley Baldwin wurde 1867 in der Grafschaft Worcestershire geboren. In Harrow wurde er erzogen und auf dem Trinity College in Cambridge vollendete er seine Studien. Er lebte dann, nachdem er sich schon 1892 verheiratet hatte, auf seiner Besitzung Astley Hall bei Stourport und trat verhältnismäßig spät in die Politik ein. Im Wahlkreis Kedderminster unterlag er 1906. Doch wurde er dann 1908 in Worcestershire bei einer Ersatzwahl gewählt. Seither sitzt er im Unterhaus auf den Bänken der Konservativen, unter denen sein Ansehen immer mehr wuchs, bis er 1922 im Kabinett Bonar Law Schatzkanzler wurde.
Der Eindruck in Frankreich.
Paris, 22. Mai. Die Berufung Baldwins zum Premierminister hat in den politischen Kreisen Frankreichs große Befriedigung hervorgerufen. Man verweist insbesondere darauf, daß Baldwin in der Frage der interalliierten Schulden einen sehr entgegenkommenden Standpunkt vertrete und daß er im Gegensatz zu Lord Curzon weder in der Reparationsfrage überhaupt noch hinsichtlich der diplomatischen Behandlung zu erwartenden deutschen Vorschläge nach irgend einer Richtung bin festgelegt sei. In nationalistischen Kreisen hofft man, unter Baldwin sich einer neuen interalliierten Konferenz auf die die Politik Lord Curzons offensichtlich hingesteuert habe, entziehen zu können. Auch in der Orientpolitik gilt Baldwin hier als der gemäßigtere.
Die französische ämmerdebatts über die Ruhrpvlittk.» ^
Paris, 22. Mai. Die Kammer begann heute nachmittag bei vollbesetztem Hause und unter großem Andrang auf den Tribünen die Beratung der von der Regierung a n g e f o r - dorten Kredite für die Operationen an der Ruhr. Für die Debatte, die die seit Wochen erwartete Aussprache über die Ruhr- und Reparationspolitik der französischen Regierung bringen wird, sind bereits mehr als 20 Redner eingeschrieben. Man rechnet damit, daß sie die Sitzungen bis Ende der Woche ausfüllen wird. Nach Erledigung einiger dringlicher Vorlagen ergreift als Erster der Abg. Louis Dubois, der ehemalige Präsident der Reparationskommission, das Wort. Er führte aus, Deutschland sei den ihm im Vertrag von Versailles auferlegten Verpflichtungen niemals nachgekommen. Dis geringfügigen Zahlungen und Restitutionen, die es geleistet habe, feien erfolgt unter dem Drucke der Gewalt und erst nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten. Bereits am 30. Juni 1920 habe sich die Reparationskommission gezwungen gesehen, die erste vorsätzliche Nichterfüllung Deutschlands bei den Kohlenlieferungen festzustellen. Drei- oder viermal habe die Kommission in der Folgezeit Verfehlungen Deutschlands zur Kenntnis der alliierten Regierungen gelangen lassen. Wenn diese auch nicht sofort von den ihnen zustehenden Zwangsmitteln Gebrauch gemacht hätten, so hätten sie sich damit keineswegs der Rechte begeben, die ihnen der Friedensvertrag an die Hand gegeben habe, um Deutschland zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu zwingen.
Der Redner geht sodann in sehr eingehenden Ausführungen über die G e s ch i ch t e d e r Reparationskonferenzen in den Jahren 1921 und 1922 ein. Bereits auf der Konferenz in London, die zur Festsetzung des deutschen Zahlungsplanes geführt habe, habe Deu schland so offenkundige Beweise seines bösen Willens gegeben, daß die Gesamtheit der alliierten Delegationen darüber aufs äußerste entrüstet gewesen sei. Anstelle der 132 Milliarden, die damals als Gesamtbetrag der deutschen Schuld festgesetzt worden seien, habe es die deutsche Regierung gewagt, einen Betrag von 30 Milliarden, also noch nicht einmal ein Viertel der alliierten Forderungen, anzubieten. Unter diesen Umständen findet es der Redner unbegreiflich, daß in gewissen politischen Kreisen des Auslandes die Ablehnung der letzten deutschen Vorschläge durch Frankreich Befremden erregte. Der Redner hebt dann die Bedeutung der von der Reharationskommission geleisteten Arbeiten hervor. Die Reparationskommission, deren sich gewisse Alliierte so gerne entledigen möchten, habe die deutsche Schuld erst nach Anhörung der Deutschen und von 32 Sachverständigen in 23 Sitzungen von durchschnittlich vier Stunden Dauer auf 132
Milliarden festgesetzt. Dubois glaubt sodann der Kammer den Beweis liefern zu müssen, daß die Reparationskommission nichts versäumt habe, Deutschland zur Erfüllung seiner Verpflichtungen heranzuziehen. Er spielt auf gewisse Schwierigkeiten an, die die Reparationskommission dabei von Seiten gewisser alliierten Regierungen gefunden habe und erwähnt, daß kurz vor der Konferenz von Cannes der englische Delegierte in der Reparationskommission chn darauf aufmerksam gemacht habe, daß von London her neue Schwierigkeiten zu erwarten seien. In Cannes sei infolge der Demission des Kabinetts Briand alles in der Schwebe geblieben. Lloyd George Habe damals die Gewährung eines Moratoriums an Deutschland angeregt, aber die Reparationskommission, die bereits im Dezember 1921 ein darauf gerichtetes deutsches Ersuchen mit einem Ultimatum beantwortet habe, habe sich von chrer ursprünglichen Haltung nicht abbringen lassen. Der Redner gibt sodann eine ziffernmäßige Aufstellung der Leistungen, die Deutschland bis zum 31. Dezember 1922 getätigt hat. Die von ihm angeführten Zahlen stehen jedoch im Widerspruch zu den heute von der Reparationskommission veröffentlichten Ziffern. Dubois behauptet, Frankreich habe nach Abzug der Okkupationskosten nur 143,6 Millionen Mark Goldmark erhalten. Da es seinerseits Deutschland auf Grund des Abkommens von Spa 180 Millionen vorgeschossen habe, habe es 35 Millionen Mark mehr bezahlt, als es von Deutschland erhalten habe. Ein Zwischenruf des Abg. Daudet, das sei die Schuld des Kabinetts Briand, das dafür vor dem Staatsgerichtshof zur Verantwortung gezogen
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lärmenden Unter-
Dubois, der nach dem Havasbericht seit einiger Zeit Anzeichen von Ermüdung zeigt, fährt fort, man könne demnach sagen, daß Frankreich von Deutschland so gut wir gar nichts erhalten habe. (Heiterkeit und ironische Zwischenrufe auf der Linken, die den Redner in Erregung bringen.) Frankreich, fährt Dubois fort, habe nicht nur Deutschland,sondern auch einigen seiner Alliierten gegenüber genügend Beweise seiner Geduld gegeben. Es sei vollkommen in seinem Recht gewesen, als es sich zu den Sanktionen entschlossen habe, zu denen die verbrecherische und wortbrüchige Haltung Deutschlands Veranlassung gegeben habe, auch wenn es ohne Zustimmung sämtlicher Alliierten zur Beschlagnahme von Pfändern geschritten sei. Die französische Regierung habe damit nicht nur ihre Pflicht gegenüber dem eigenen Land, sondern auch gegenüber der ganzen Welt erfüllt. Das verbrecherische (!) Deutschland müsse zum mindesten einen kleinen Teil der Verpflichtungen erfüllen, die ihm der Vertrag von Versailles auferlegt habe. Die Annahme der von der Regierung geforderten Kredite müsse Deutschland zeigen, daß Frankreich nun am Ende seiner Geduld und entschlossen sei, das P f a n d, in dessen Besitz es sich gesetzt habe, zu behalten, bis es bezahlt fei.
Dor Abg. Margaine beginnt mit längeren Ausführungen über die Frage, welche materiellen Resultate die Besetzung der Ruhr haben könnte. Er weist nach, daß der Betrieb des Eisenbahnnetzes im Ruhrgebiet durch die französisch- belgische Regie praktisch unmöglich sei. Deutschland habe im Ruhrgebiet allein 65 000 Eisenbahnbedienstete gehabt. Wenn man bedenke, daß die französische Nordbahn nur 55 000 Beamte beschäftige, so könne man sich keinen Illusionen über die Ergebnisse des Bahnbetriebs an der Ruhr hingeben. Im Gegensatz zu den offiziösen Kundgebungen schätzt der Redner die Höchstmenge der Kohlen, die die Okkupationsbehörden aus dem Ruhrgebiet abfahren könnten, auf 20 000 Tonnen täglich. Marga i ne gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die französische Regierung die Kammer über ihre wahren Absichten unterrichten wird und sich nicht wieder hinter irgendwelchen „diplomatischen Notwendigkeiten" verschanzen werde.
Poincar ë : Sie werden von mir hoffentlich nicht erwarten, daß ich diese Absichten auf diesem Wege zur Kenntnis Deutschlands bringe?
M a r g a i n e fortfahrend: Was das Land wissen wolle, sei, daß dem Krieg endlich ein Ende gemacht werde, derart, daß Frankreich sich wieder der friedlichen Arbeit widmen könne, sobald es bezahlt sei und seine Sicherheit gefunden habe. Eine Anspielung des Redners
auf einen von dem Präsidenten der Finanzkommission, Daric, erstatteten Geheimbericht, beantwortet Poincarè dahin, Dariac sei niemals von der Regierung mit irgendeiner Mission betraut worden. Er wolle dies vor allem zur Kenntnis Deutschlands bringen. — Dariac erklärt, sein Bericht habe keinerlei Geheimnisse enthalten und sei sowohl an die Mitglieder der Finanzkommission für Auswärtige Angelegenheiten verteilt worden. — Margaine schließt seine Ausführungen mit der Forderung, daß die Regierung sich eingehend darüber äußere, was sie zu tun gedenke. — Die Fortsetzung der Debatte mirb daraufhin auf Donnerstag vertagt.
Aus dem Mnbrurbsqebiek.
Berlin, 22. Mai. Nach Blâitermeldungen besetzten die Franzosen heute vormittag das Hauptpostamt in Gelsenkirchen und verlangten von heffen Leitung, daß ihnen Anschlüsse und Leitungen mr Verfügung gestellt würden. Diese F»rderung wurde abaelebnt. Die Franzosen requirierten die Televbonapparate.
Nach Blättermeldungen aus Gelsenkirchen haben die Franzosen ans der in Gelsenkirchen - BiS- marck-Kontrollsteve mehrfach Kokswagen, aus den Güterzügen herauSsenommen und auf die militarisierten Strecken überführt. Dar Zugpersonal wurde verhaftet, weil die Franzosen annabmen, daß der Koks ine unbesetzte Gebiet geschmuggelt werden sollte. Bei diesem beschlagnabmten Koks handelt es sich aber in Wirklichkeit um für Holland bestimmte vertragsmäßig zu liefernde KokSmenaen.
In Wanne rückte am Psingstmontagabend ein Infanterieregiment ein, dar in vier Schulen und einigen Sälen unterqebracht wurde. Ferner wurde eine größere Anzahl von Privatquartieren verlangt. Wattenscheid erhielt zwei Bataillone des 40< Infanterieregiments, das direkt aus Frankreich kommt. Ein weiteres Bataillon rückte in die kleineren Gemeinden des Amtes Wattenscheid ein.
SitdtviaShafen, 22. Mai.' FrmsMEMllZef und Agenten versuchen fortwährend das Eii'enbadn- perwnal für die Regie zu gewinnen. Sie versprechen 800 000 Mark und 50 Prozent weitere Zuschläge all Monatsgehalt. Aus ihren Aeußerungen gebt hervor, daß sie den Auftrag haben, persönlichen Widerstand mit allen Mitteln zu brechen. — Hier sind heute etwa 30 Eisenbahnbeamte ausgewiesen worden.
In Zweibrücken haben die Franzosen von den babnamtlichen Rollführern die Güterabfuhr verlangt und zwar unter Androhung der Beschlagnahme der Autos im Weigerungsfälle.
Verurteilt wurde ein gewisser Braun in Neustadt a. d. Haardt vom Polizeigericht in Landau wegen Flugblätterverteilung zu sechs Monaten Gefängnis und'500 Mark Geldstrafe.
Die Lage in den desetzten chemischen Fabriken.
Ludwigshafen, 21. Mai. In der Badischen Anilin- und Sodafabrik sind die von den Franzosen eingestellten Arbeiter ununterbrochen von morgens 4 Uhr bis abends 7 Uhr in verschiedenen L ckichten damit beschäftigt, die beschlagnahmten Farbstoffe abzufübrcn. Hauptsächlich wird das Alizarin. Laaer stark abgetaut. Obwohl den Franzosen nach dem Versailler Vertrag nur das Recht zusteht, 25 Prozent in Anspruch zu nehmen, holen sie bedeutend größere Mengen. — Die drei am BesetzungStage all Geiseln festgenommencn Direltoren werden immer noch im Hauptgebäude der Firma festgebalten.
Höchst, 22. Mai. Der französische KreiSdelegstrte verlangte vom Betriebrausschuß der Höchster Farbwerke die Wiederaufnahme der Arbeit. Der Ausschuß glaubte die Verantwortung hierfür nicht übernehmen zu können, worauf der KreiSoelegierte eine Willenskundgebung der gesamten Arbeiter,chaft der Farbwerke forderte. Heute fand nun eine Abstimmung auer Arbeiter und Angestellten statt, an der sich 6000 Personen beteiligten. Einstimmig wurde beschlossen, daß, solange die Besetzung andauere, an eine Lieberausnahm« der Arbeit nicht gedacht werde« könne.
Ein Kommunist von Franzosen erschossen.
Essen, 22. Mai. Bei einer Versammlung der kommunistischen Jugend am Pfingstsonntag wurde man auf zwei Personen aufmerksam, die sich auffällig benahmen. Es entstand der Verdacht, daß sie sich als S p i tz e l in die Versammlung eingeschlichen hatten. Man suchte die beiden aus dem Saal herauszudrängen. Plötzlich zog einer von ihnen einen Revolver und feuertemehrere Schüsse ab, durch die ein junger Mann aus der Versammlung getötet wurde. Der Täter suchtè mit seinem Begleiter zu entkommen. Einer von beiden wurde noch im Saalbau ergriffen und verprügelt, der andere auf der Straße eingeholt und niedergeschlagen. In den Taschen der beiden fand man französische Ausweispapiere. Bei dem einen Han. delt es sich um einen Angehörigen der 128. französischen Division.
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