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Sanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan a. M.

General-Anzeiger

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Nr. 113

Mittwoch den 16. Mai

1923

itauiöWtr Beierlall auf deWe Soriwerte.

Nutzer -er Ba-ifche« Anilin- und Sodafabrik auch -ie höchster und Uer-ingener Farbwerke besetzt.

Kein Tw

?ohne einen neuen Rechtsbruch t", das scheint die Losung zu

uitb Semaltai

fein, auf die Poincarös Politik jetzt eingestellt ist, Er glaubt damit das deutsche Volk in die Sitte zwingen zu können, um ihm dann das Alaoenjoch mühelos aufzuerlegen.. Ueberblickt man all das Furchtbare, das seit dem Einbruch « das Ruhrgebiet an wirffchaftlicher Ver- zjchtungsarbeit geleistet wurde, was als man­gelnde moralische Abrüstung in unzähligen Ver- doten, Maßnahmen, Kriegsgerichtsurteilen und Ausweisungen in steigendem Maße zutage trat, dann fällt es einem schwer, zu glauben, daß Paris überhaupt den Willen hat, Europa den Frieden zu geben. Gestern sind, wie wir be­reits zum Teil meldeten, zum Teil durch Aus­hakig bekannt machten, eine Reihe chemisch­industrieller Anlagen besetzt worden, Gewalt­akte, die neben der Taffache des Ruhreinbruchs als solche doch als das ungeheuerlichste Ver­

brechen gegen den mit allen erdenklichen Ga­rantien des Well- und Bölkerechts umgebenden Gedanken dès Privateigentums erscheinen. Die umfassende Planmäßigkeit, mit der die De- fetzung der Badischen Anilinfabrik, der HochsterFarbwvrke und der Chemi- Ichen Fabrik norm. Weiler ter Mer bei ilerbingen durchgeführt wurde, läßt die Absicht erkennen, einengroßen Schlag" gegen die deutfche Widerstarckskraft zu führen. Auch sonst lassen allerlei Anzeichen vermuten, daß Poincarè darauf vusgeht, den Konflikt in rück-

Moi

Ms deutsche MS der denkbar schwersten Be- jajtatgsprobe zu unterwerfen. Frankreich will offenbar eine Atmosphäre schaffen, die jede Ver- Hendlungsmöglichkeit von vornherein aus- Ichließt. Und daran trägt die englische Antwort- Note, die in schlauer Absicht die politische Seite des Ruhrkonflikts völlig unerörtert gelassen hat, einen großen Teil der Schuld. Die englische Antwortnote hat mit ihrer nur schlecht verhüll­ten Kapitulation vor Poincarès Erpressungs­politik der letzteren nur Ermutigung gebracht. Ja, wir gehen sogar soweit, zu behaupten: erst die Gewißheit, daß England ihm nicht in den Beg trete, die Poincarè unschwer aus der letzten Note Curzons herauslefen konnte, hat Frankreich diese neueste Brutalität unter- ochmen lassen. Dadurch wurde Curzons Note ieradezu ein Freibrief für Poincar« und seine Horden, durch Beitertreiben seiner Zerstörungs­politik jegliches redliche Mühen um eine Lösung «s Reparationsproblems zu hintertreiben.

Ueber die erwähnten Besetzungen liegen fol» j«nde Meldungen vor:

.höchst. 15. Mai. Der französische Be- msdelegierke ließ sich heule morgen den B e - Uebsrat der höchster Farbwerke '»»men und eröffnete ihm, man werde die Derke besetzen, umdieReparalionenzu Hl en, die Frankreich von der deutschen Re­gierung vorenthalten würden. Man hoffe "Wen drei Tagen damit zu Ende zu sein und Ne werke wieder freigeben zu können. Der Betriebsrat wurde aufgefordert bei der Expe- Ntion der Materialien behilflich zu sein, lehnte M aber selbstverständlich ab. Die Morgen-

die um 6 Uhr antraf, durfte nickt mehr "bas Werk hinein ebensowenig wurden die Bestellten zugelasfen. Nur die Leute in ^enrwichligen Betrieben konnten das Werk Greten. Auch die Direktoren konnten sich in N Betrieben bewegen, wurden jedoch «erwacht.

.Der französische Bezirksdelegierte hat mit Verhängung des Belagerungszustandes ge- y und gleichzeitig heute vormittag den Bürgermeister Asch und einen Beigeordneten M Amte suspendiert, beide Maßnahmen ^ch bereits nach einer halben Stunde wieder stigehoben. Landrat Z l m m e r m a n n ist in Mem hausè festgesetzt und vorläufig seines Mies enthoben. Nach einer weiteren Mel- Hg soll der Landrat durch den separatistischen ^HÄinspektor Dr. h i n d r i ch s ersetzt werden. . Düsseldorf. 15. Mai. Wie die höchster Mtverfe und die Badische Anilin- und Soda. >"°rik ist heute nacht auch die Ehemische Fabrik Weiler ter Mer in Uer- u g e n am Rhein von den Franzosen beseht worden.

Ueber diese Besetzung wird noch gemeldet: Nge« 5 Uhr früh zog eine etwa 60 bis 80 M«n starke Abteilung Belgier mit Maschinen­

gewehren und Tanks vor die beiden Werke Wedekind und Weiler ter Wer und besetzte die Ausgänge. Die Arbeiter wurden nach Hause geschickt. Kurz darauf wurden von einem Kommando zwei Direktoren aus der Stadt herbeigeholt. Die Besatzung erklärte ihnen, daß sie gekommen sei, um die seit dem 1. Januar 1923 eingestellten Sachlieferun­gen mit Gewalt abzuholen. Seitens der Direktion wurde erwidert, daß sie jede Mit­wirkung hierbei entsprechend den Weisungen der deutschen Regierung ablehne. Eine Ver­sammlung der Arbeiterschaft nimmt heute zu der Lage Stellung. Die Weister haben bereits heute mittag den Beschluß gefaßt, die Arbeit solange ruhen zu lassen, bis die Werke von der Besetzung wieder befreit sind.

Ludwigshafen, 16. Wai. Den Be­wohnern der Einwohnerblocks der Nordstadk- vierlel ist gestern nachmittag von den Fran- zosen die Weisung zugegangen, ihre Woh­nungen bis heute nachmittag 4 Ahrzuräumen. Ueber 100 Familien wer­den von der grausamen Maßnahme betroffen. Der Stadtverwaltung ist es gelungen, die Leute notdürftig anderweit unterzubringen. Die Lage in der Anilinfabrik ist unverändert. Die Lohnzahlung an die Arbeiter und Beamten soll heute erfolgen. Bei der gestrigen Absperrung der Fabrik durch die Spahis sind mehrere Per­sonen verletzt worden, da die Araber rücksichts- los in die Menge Hineinritten.

als besetzt.

Limburg, 15. Mai. Heute nachmittag 4 Uhr ist Limburg von den Franzosen wieder geräumt worden. Die Franzosen haben dort einen Anschlag hinterlassen, daß Limburg ab 16. Mai 1923 zum besetzten Gebiet zu rechnen sei und zwar mit der Maßgabe, daß nunmehr alle Stationen der Strecke Niedernhausen-Limburg mit zum besetzten Gebiet zu rechnen seien. Sämtliche Stationen zwischen Camberg und Limburg, beide Orte eingeschlossen, sind unbesetzt. Der Betrieb Limburg-Gießen, Limburg- Camberg und Limburg-Westerwald ist wieder aus­genommen worden.

*

Ueber die Vorgänge bei der Besetzung Limburgs meldet das Wolff-Büro noch folgendes:

Sofort nach ihrem Einrücken besetzten die Fran­zosen das Stadthaus, das Landratsamt, die Post und den Bahnhof. Die Hotels, die voll von Aus­gewiesenen waren und das Geschäftsgebäude des Nassauer Boten" wurden umstellt. Bürgermeister Dr. K r u ß m a n n und Polizeikommissar K l e i t e r wurden aus dem Bett heraus verhaftet. Später wurden weiterhin verhaftet der Stellvertreter des Landrats, Regierungsassessor Sauerborn und Stadtdirektor Biondino,sowie die Beamten der Fahndungsstelle Kluge, Gräfe, Dautzen­berg. Kurz nach dem Eintreffen wurde das Ee- richtsgefängnis einer scharfen Revision unterzogen. Offenbar suchte man von den Deutschen festgesetzte französische Spione. Die Untersuchung verlief er­gebnislos. Ebenso wurden die Hotels genau durch­sucht nach bestimmten Personen und Akten. 5m Gebäude desNassauer Boten" wurde eine genaue Hausdurchsuchung vorgenommen, ebenso in den Privatwohnungen des Nerlagsdirektors Beckerund des Chefredakteurs Dr. Sieber, auch in den ver­schiedenen Eewerkschaftsdüros sowie beim Orts­vorsitzenden der Deutschnationalen Partei wurden Haussuchungen abgehalten. Etwa siebzig Personen, die ihre außerhalb liegenden Arbeitsstätten aufsuchen wollten, wurden in der Frühe festgenommen und mußten unter starker militärischer Bewachung bis zum Abend auf dem Platz vor dem Landgericht stehen. Sämtlicher Zugverkehr ruhte. Um halb 6 Uhr abends zogen sich die Franzosen wieder nach Dietz zurück und führten die verhafteten Herrn mit sich, außer Kluge» der ausgewiesen wurde. Sie hinter­ließen Plakate, in denen sie Limburg und die bis an den Emsbach liegenden Ortschaften Eschenhofen, Mühlen, Ennerich und Lindenholzhausen für besetzt erklärten. Die Mannschaften erklärten beim Ab­rücken, daß sie in einigen Tagen wiederkommen würden. Der Zugverkehr und der Postdienst wurden abends wieder ausgenommen.

Aus dem Ruhrgebiet.

Wie die Franzosen räubern.

Düsseldorf, 15. Mai. Bei der Zahlstelle Derendorf der Düsseldorfer Erwerbslosenfürsorge beschlagnahmten gestern die Franzosen die Kasse mit 25 Millionen. Der Betrieb mußte deshalb eingestellt werden.

Kettwig, 15. Mai. Gestern sind starke französische Truppennbteilungen hier eingerückt und haben das Rathaus umstellt. Ueber zehn Millionen Mark sind beschlagnahmt worden.

Außerdem wurde ein Geldschrank, in dem sich ungefähr 12 Millionen befinden, versiegelt. Die französische Aktion bezweckt, die der Stadt auf­erlegte Geldbuße einzutreiben.

Wieder eine Brücke gesprengt.

Essen, 15. Mai. Die Ruhrbrücke bei Block Ruhrtal Weddau ist gesprengt worden. Ueber den Umfang der Zerstörungen ist nichts Genaues festzustellen, weil die Straße in weitem Umfang von belgischen Truppen abgesperrt ist. Der Verkehr geht jetzt über Ruhrtal Duisburg HochfeldSüd.

Rigoroses Vorgehen gegen die Eisenbahner.

Köln, 15. Mai. Das unmenschliche Vor­geben der Franzosen bei der Ausweisung der Eisenbahner erfuhr heute morgen eine neue Bestätigung. In Altenkirchen wurden heute morgen 8.45 Uhr wiederum 25 Familien, ins­gesamt 100 Personen, ohne vorherige Ankün­digung aus dem besetzten Gebiet ins unbesetzte Deutschland abgeschoben. Es wurde ihnen keine Zeit gelassen, das Allernotwendigste mitzu- nehmen, sogar die Wäsche und dergleichen mußte zurückgelassen werden.

Düsseldorf, 15. Mai. Auf Befehl der fran­zösischen Besatzungsorgane mußten 45 Eisen­bahner mit ihren Familien ihre Dienst­wohnungen räumen.

Unterbindung des Fernsprech- und Telegrammverkehrs.

Essen, 15. Mai. Die Franzosen scheinen zu beabsichtigen, in allen größeren Städten des Industriegebiets jeden Fernsprech- und Tele­grammverkehr zu unterbinden. Ihre Maßnahmen in Essen, Mülheim, Duisburg, Düsseldorf und Bochum zielen schon seit Anfang Februar folge­richtig darauf ab. Seit geraumer Zeit dringen sie systematisch in die Kabelfchachte, und sie j«« zahlreiche âchiâr^ sumuerhalb des besetzten Gebietes wie auch nach dem unbe­setzten Gebiet. Handel und Industrie, die damit fast ausschließlich auf den brieflichen Verkehr

angewiesen sind, erwachsen durch dieses gehen große Nachteile.

Die Gefahr der Stillegung des ^Bochumer Vereins".

Vor-

Bochum, 16. Mai. Nachdem die Franzosen in der vorigen Woche die Seilbahn zwischen der ZecheKarolinenglück" und demBochumer Verein" lahmgelegt haben, wurde nunmehr auch die Eisenbahnverbindung zwischen der genannten Zeche und dem Bochumer Verein von ihnen unterbunden, so daß der Bochumer Verein keinen Koks mehr beziehen kann. Es droht daher die Stillegung des 22000 Arbeiter beschäftigenden Werkes.

Gelsenkirchen mit Franzosen belegt.

Gelsenkirchen, 15. Mai. Heute früh er­schienen drei französische Osfiziere und 20 Mann bet dem Oberbürgermeister der Stadt, um Quartiere zu verlangen. Er sollen drei Bataillone hierher verlegt werden. Ein Bataillon beansprucht als Quartier die Echupokaserne auf dem Flugplatz. Gelsenkirchen ist die einzige Großstadt des Industriegebiets, die bisher von feindlicher Besatzung frei war. Die bevor­stehende Besetzung hängt vermutlich mit der Ankunft von Verstärkungen und der in den letzten Tagen im Industriegebiet vorgenommenen Umgruppierung zusammen.

Die Berliner Besprechungen über die Lage.

Berlin, 16. Mai. Reichskanzler Dr. Cuno empfing gestern die Abgeordneten aus dem besetzten Gebiet und besprach mit ihnen die Fragen, die Ruhr und Rhein betreffen. Besonder« wurde die durch die Franzosen hervorgerufene Berkehrserschwerung erörtert. An der Unterhaltung n«hmen auch die Minister v. Rosenberg und Braun» teil.

Heute vormittag 9 Uhr wird der Reichskanzler die Vertreter der sozialdemokratischen Partei, gegen 10 Uhr die Vertreter der bürgerlichen Parteien zu einer Aussprache über die politische Lage empfangen. Der Aeltestenrat der Reichstags wird unmittelbar vor der Plenarsitzung, die um 7ilt Uhr beginnt, zu­sammentreten. Es wird sich dann entscheiden, ob ei noch vor dem Pfingstfest zu einer großen politischen Autsprache kommen wird.

Die Zentrumrfraktionen vom Reichttag und Land­tag brachten gestern m einer gemeinsamen Sitzung die Ansicht zum Ausdruck, daß der Faden der Verhand­lungen mit der Entente nicht abreisen dürfe und Deshalb ein neues präzises Angebot, besonder« in der Frage der Garantien, gemacht werden müsse. Auch in der Aufsaffung, das keine andere als die gegen­wärtige Regierung zu dieser Aufgabe berufen sei, herrschte große Einmütigkeit.

Die japanische Anlworlnole.

Berlin, 15. Mai. Die japanische Botschaft hat heute nachwittaa dem Auswärtigen Amt folgende Ant.

wortnote ihrer Regierung auf die Note der Reichr- regierung vom 2. Mai übermittelt:

Die japanische Regierung unterzog das neue In« gebet, da» die deutsche Regierung in ihrem Memoran­dum vom 2. Mai Javan, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien und Belgien vor­legte, uflb die gesamte RevarationSfrage «mfaßt, einer sorgfältigen Prüfung. Die japanische Regierung ist nicht in der Lage, sowohl in Rücksicht auf den Ge­samtbetrag der Reparation»summe wie auf die Modali­täten der Zahlungen, den Garantien im Reparation»- Plan, der den Hauptteil des oben erwähnten Angebot» ausmacht, seine Zustimmung zu geben. Angesicht» der Tatsache, daß Japan» gegenwärtige» Interesse an bet vorliegenden Frage nicht so groß und nicht so vital ist, wie das der anderen Alliierten, an die die Note gerichtet ist, nimmt die japanische Regierun« Abstand, sich über die Einzelheiten der neuen Deutschen Vor­schlag» zu äußern. Sie möchte indessen den lebhaften Wunsch ausdrücken, die deutsche Regierung möge weitere geeignete Schritte in der Richtung unternehmen, die eine baldige, freundschdftliche Regelung der ganze» Reparationèfrage auf einer billigen Grundlage er­leichtert.

Das -eulsche Gold in England.

London, 15. Mai. (Unterhaus). Das Parla­mentsmitglied W r s e r fragte den Schatzkanzler, ob er den Goldbetrag mitteilen sönne, der von der Reichs­bank in den letzten zwölf Monaten ausgeführt worden sei, und ob er Schritte getan habe, um sicherzustellen, daß alle» der Republik gehörige, in Deutschland oder im Ausland deponierte Gold der Reparationskommissior verpfändet werde. Stanley Baldwin erttiberte. er verfüge über keine anderen Informationen als du in der Presse gegebenen bezüglich der Transaktionen der Reichsbank. Diese fei eine unabhängige Ein­richtung, deren Guthaben nicht das Eigentum her deutschen Regierung sei. Er fei nicht in der Lage, Schritte zu tun, wie sie in dem letzten Teil der An­frage angegeben würden.

Die proletarischen Kun-erlfchafte« in Preutzen verboten.

Berlin, 15. Mai. Der preußische Minister bei

21. Juli 1922 dir sogenannten proletarischen Hundertschaften für das preußische Staatsge­biet a u f g e l ö st und v e r b o t e u. In der Begrün­dung wird u. a. auSgefübrt, daß die proletarischen Hundertschaften durch die SluSübung polizeilicher Be­fugnisse wie Straßenpatrouiücn, Postendienst, verbunden mit Leibesvisitationen usw., sich staatliche HobestSrechte anniaßen, wobei cs unter teilweise gewaltsamen Aus­schaltungen der berufenen Sicherheitsorgane wiederholt zu blutigen Hebers allen und Zusammenstößen gekommen ist. Die proletarischen Hundertschaften stellten sich hiernach im Sinne des Reichsstrafgesetzbuches als Ver­bindungen dar, zu deren Zwecken und Betätigungen es gehöre, die Maßregeln der Verwaltung durch unge­setzliche Mittel zu verhindern und zu entkräften. Nach öffentlichen Werbungen zu einer militärischen Organi­sation und Bewaffnung seien die proletarischen Hun. bertfdtafien tatsächlich auch dazu ausersehen, den offenen Kampf vorzubercltcn und zu führen. Dieser Kampf solle sich. nach den verschiedensten Veröffentlichungen der kommunistischen Presse angriffsweise gegen alle nichtkommunisiischen Teile des Volkes, gegen da» Bürgertum, die Sozialdemokratie und letzten Endes gegen die verfassungsmäßige Regierung selbst richten. Die proletarischen Hundertschaften seien somit staats­feindliche Verbnldmigcn.

Die Sicherung Ser Broloersorgung.

Berlin, 15. Mai. Der ReichSrat hat den Ge­setzentwurf zur Sicherung der Brotversargung im Wirtschaftsjahr 1923/24 angenommen. Der Gesetz- entwarf bedeutet voraussichtlich einen letzten Schritt »an der GetrcidezwangSwirtschaft zur freien Wirtschaft. E« soll nunmehr vom 15. August ab von der Er­hebung der Umlage abgesehen werden, jedoch in bei öffentlichen Hand eine Brotgetreidereserve in Höhe bis zu 37, Millionen Tonnen gehalten werden. Dress Reserve soll teils aus dem Inland, teil» «u» dem Ausland beschafft werden. Mindesten» 17* Millionen Tonnen Znlandkgctreidr sollen durch Lieferungsverträge und 17* . Millionen Tonnen durch freien Ankauf auf dem inländischen Warft beschafft werden. Für den Fall, daß Die Liefe- rung von 17« Millionen Tonnen Jillandsgetreide nicht bis zum 15. Juni vertragsmäßig gesichert ist, soll die Reichsregierung ermächtigt sein, bis 1'/. Millionen Tonnen Brotgetreide im Wege des Umlageverfahren» zu beschaffen. Für eine gewisse Uebcrgang»zelt soll die öffentliche Broloersorgung noch fortgesetzt werden. Gegen die Vorlage stimmten Braunschweig, Württe«. bcrg, Thüringen und Hamburg.

V»m englischen Besatzungsheer.

London, 15. Mai. (Unterhaus). Food stellte an den Staatssekretär für den Krieg eine Anfrage bezüglich der augenblicklichen Zahl der Offiziere und der anderen Chargen im brnischen Besatzung^ Heer in Deutschland und bezüglich der Sefamtloiten des britischen Besatzun^-yeeres seit dem Waffen­stillstand. Guinea erwiderte, die Zahl der Offi­ziere betrage 545, die der übrigen Rangstufen 8230s Die Kosten seit dem Waffenstillstand bis zum 30. April betrügen ungefähr 56,o Millionen Pfund Sterling, ausschließlich der Unterbringung und ver­schiedener durch die Deutschen geleisteten Dienste,

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