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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M
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Nr. 112
Dienstag d»n 15. Mai
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1923
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Das Neueste.
— Im Reichstag wird voraussichtlich morgen eine Menpolitische Debatte über die durch die Antworten in Alliierten gekennzeichnete Lage stattfinden.
— Die Franzosen haben heute morgen die Badische Mist« und Godafabrik in Ludwigshafen besetzt, uw ssrristoffe zu beschlagnahmen und abzufördern.
- Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung iir ReparationSkommission stehen auch die deutschen kichlieferungcn, namentlich BestellungSfrage».
Beratungen in Berlin.
Wie bei uns, so hat die englische und italienische Note auch an amtlicher Stelle in Berlin unverhohlene Enttäuschung hervorge- mfen, insbesondere über die radikale Kritik des deutschen Vorschlages und darüber, daß die beiden Noten zur Lösung des Reparations- md des Ruhrkonfliktes durch positive Anregungen in keiner Weise beitragen. Die Ruhrfrage wird mit keinem Wort erwähnt — dafür aber wird gefordert, daß die neuen deutschen Vorschläge „unter Ausschaltung aller unwesentlichen und strittigen Punkte" erfolgen solle. Damit sind offenbar alle diejenigen Punkte gemeint in denen PoincarS sich festgelegt hat: die Frage des passiven Widerstandes, die Räumung im Verhältnis der Zahlungen, die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Gleichberechtigung Deutschlands, der Verzicht auf „Sanktionen Mit aller Deutlichkeit muß gesagt werden, daß diese Punkte für Deutschland in keiner Weise unwesentlich sind. Wir stehen in einem großen Stampfe um Sein oder Nichtsein des deutschen Mes. Die Kontributionsfraae samt. wie schon
fall ms Ruhrgebiet unter feinen Ümständen getrennt werden, und es ist ganz ausgeschlossen, die wirksame Waffe der Abwehr preiszugeben, um eingebildeter, taktischer Vorteile willen,
Am merkwürdigsten berührt das Schweigen Lord Curzons über den wichtigsten Teil des deutschen Vorschlages, nämlich das Angebot, falls die vorgeschlagene Lösung nicht die Zustimmung der Entente finde, das gesamte Re- parationsproblem einer internationalen Kommission zur Entscheidung zu unterbreiten. Wir haben das seinerzeit als Bindung von unübersehbarer Tragweite bezeichnet. Selbst dieses ungeheure Entgegenkommen wird aber mi Aicksicht auf Frankreich nicht eines einzigen Wortes gewürdigt. Ebensowenig erwähnt Lord Curzon die deutsche Bereitwilligkeit zu einem gegenfeitgen politischen Friedenspakt und den Vorschlag wirtschaftlicher Kooporation. Curzon schaltet in seiner Antwort all das aus und beschränkt sich dann auf eine Betrachtung
Finanzfrage. Und hier findet er das deutsche Angebot von 30 Milliarden als viel zu niedrig.
widerspricht feiner Rede, in der es u. a.
„Ich kann es verstehen, weshalb die deutsche Regierung zögert, eine bestimmte ®umme zu nennen. Sie kann sagen, daß durch «>e Ereignisse der letzten drei Monate die Ver- dultnisse sich so schroff geändert haben, daß das, im Januar möglich war, im April nicht ^uger möglich ist." Im Mai ist es das noch Mger. Man könnte diesen Passus der eng- Mn Note dahin auffassen, daß Curzon pWanb empfehle, sich den Plan Donar "ws zu eigen zu machen. Wir sehen jetzt ganz ,?uon ab, daß die 67,31 Milliarden Goldmark, Jer vorschlug, eine vollkommen unmögliche wer darstellen. Aber in der Note Mussolinis I ausgesprochen, daß Italien diesen eng- Men Plan auch heute ablehne. Frankreich hat
°on Anfang an verworfen. Ein deutscher Schlag, der zu den Zahlen Bonar Laws zu- Mehrte, ist politisch und kaufmännisch unmög-
Ueberdies wäre auch feine Ablehnung Bemängelt wird auch die Art der von /utschland vorgeschlagenen Garantien. Wie unten hier aber genauere Angaben gemacht i/"en, solange weder über die Höhe der deut-
Leistungen, noch über die Art und Bergungen der Anleihen auch nur die geringste Herheit besteht? Die italienische Note zeigt {Der Form noch größere Schroffheit und trägt hu, französischen Standpunkt noch mehr Rech- A indem sie von „Garantien und Pfändern" ^lcht und die Verknüpfung der Kontributions- "ge mit den interollierten Kriegsschulden her- r>)ebt. Sie macht sich sogar zum Dolmetsch A Hauptpunktes der französischen Hetz- pagcmda, indem sie eine „Ansicht" erwähnt, Wach Deutschland sich unter dem Einfluß Apolitischen Strömungen der Erfüllung
Verpflichtungen zu entziehen suche. u'|olmi spricht auch direkt aus, daß die deut-
schon Vorschläge keine Grundlage für endgültige Verhandlungen bieten könnten.
Wie unter diesen Umständen deutscherseits ein Ausweg gefunden werden soll, um den Verhandlungsfaden fortzuspinnen, erscheint noch unklar. Nach einer uns zugegangener Meldung haben die beiden Noten bereits gestern vormittag den Gegenstand der Prüfung und Erörterung sowohl 'n der Wilhelm st raße als auch bei den Parteien im Reicks- t a g gebildet, wo mehrere Fraktionen und Fraktionsvorstände versammelt waren. Für den Nachmitag war eine Sitzung des Reichskabinetts in Aussicht genommen', die jedoch nicht stattgefunden hat und auf heute vertagt worden ist. Dafür wurden die Beratungen über die Note am gestrigen Nachmittag innerhalb der Reichsregierung fortgesetzt. — Nach der gestrigen Vollsitzung des Reichstages befaßten sich auch die Fraktionen mit der durch die Noten geschaffenen Lage. Wenn auch noch keine Beschlüsse gefaßt wurden, so glauben die Blätter doch bei fast sämtlichen Parteien das Ueber- wi.egen der Ansicht seststellen zu können, daß der einmal an gesponnene Verhandlungsfaden weitergefuhrt werden müsse, trotz des ungünsti- gen Eindrucks, den die beiden Noten in den Berliner parlymentorischen Kreisen hervor- gerufen haben. Die Fraktionsführer des Reichstages dürften sich darüber verständigt haben, daß sie sich bei der Wichtigkeit des neuen deutschen Schrittes diesmal nicht darauf beschränken könnten, das Fertigprodukt der Regierungsbs- ratungen inhaltlich zur Kenntnis zu nehmen, sondern sich über die Entschließungen der Regierung schon vorher Gewißheit verschaffen müßten. Diesem Zwecke wird auch eine Aus-
freiern der bürgerlichen Arsseitsgemeinschaf sowie der Sozialdemokraten stattfinden wird Eine Regierungserklärung im Reichstag dürste zunächst nicht zu erwarten fein, dagegen wird, wie wir hören, morgen Mittwoch die Beratung des Auswärtigen Etats eine außenpolitische Debatte stattfinden, bei der alle Parteien ihren Standpunkt zur gegenwärtigen außenpolitischen Lage darlegen werden.
Die verstümmelte itaNentsche Note.
Die bereits in einer Anmerkung zu der Note auch im Hinblick auf den ihm vorbehaltenen größeren Anteil an den Reparationsleistungen der italienischen Regierung als wahr- cheinlich angenommene Verstümmelung wurde )urch die italienische Telegraphenverwaltung berichtigt. Danach muß die Uebersetzung des zweiten Satzes des vierten Absatzes der italienischen Note lauten: Ferner darf nicht vergessen werden, daß der Italien zugewiesene Anteil an den deutschen Reparationsleistungen der kleineren Staaten festgesetzt ist, in Ansehung deren er aus Generosität und Mäßigung, sowie aus Rücksicht auf deren äußerste Notlage er- zebliche Konzessionen bewilligte, ohne sich bisher auf dar Recht der in den Verträgen festgelegten Mithaftung Deutschlands zu berufen oder auf dieser Recht zurückzugreifen.
Der Eindruck in Paris und London.
Zur englssch-italiemschen Antwort-Note auf die deutschen Reparationsvorschläge liegen außer den bereits gestern gemeldeten noch folgende Pariser Presse^'nimen vor:
Die „E r e Nouvelle" schreibt, die einfache Tatsache, daß Rom und London g l e i ch,z e i t i g gesprochen haben und ihrer Aktion das gleiche Ziel widmen, beweise den Ernst des Mißverständnisses, das die Entente getrennt hat. Es gebe von nun an bei den Alliierten des großen Krieges zwei Arten von Politik: die Politik Poincarè- Theunis und die Politik Curzam - Mussolini. Wenn morgen eine, Debatte zwischen den be« legten Nationen und einigen der Siegernationen eingeleitet werde, und wenn wir an dieser Debatte nicht teilnähmen, dann hätten die Deutschen ihre Revanche gehabt. Die beste Politik werde die fein, daß in dem Augenblick, in dem sich irgendein ".. treter eines der alliierten Länder an einer Tafel niederlasse, um mit einem deutschen Diplomaten zu verhandeln französische Diplomaten sich dazusetzten.
Der radikale „Rappel" schreibt: Danken wir und beglückwünschen wir Lord Curzon und Musso- ini, denn sie sprachen nicht vom Ruhrgebiet — das t das beste, was. sie tun konnten, um nicht die Klarste aller Fragen zu verwirren. Während sie noch üe Quadratur des Zirkels suchen, verfolgt Frankreich nur die Ausführung des Friedensvertrages von Versailles, der von Italien und von England wie von Deutschland selbst unterzeichnet würde. Da Frankreich nichts anderes zu tun hat, wird es eben nichts anderes unternehmen. Das Leitmotiv der britischen Politik ist dahin aufzufassen: für Großbritannien aller Nutzen aus dem Kriege, für Frankreich und selbst für Belgien alle materiellen und mora-
lischen Ungelegenheiten der starken Politik, ohne den Preis für das geopferte Blut und den Ersatz für die Ruinen erhalten zu haben. Die Note der italienischen Regierung folgt der englischen in respektvoller Entfernung. Sie nehme Rücksicht auf die Zukunft ohne allerdings eine offene Freundschaft für Frankreich auszuschließen. Der Hinweis auf die interalliierten Schulden verstärke den französischen Standpunkt.
Der sozialistische „P e u p l e" betont, die ausdrückliche Einladung Lord Eurzons, Deutschland möge neue Vorschläge unterbreiten, werde die Regierung des Reichskanzlers Euno das gut aufnehmen? Es fei sicher, daß die italienische und die englische Note jenseits des Rheins die Strömung verstärken werde, die sich zu Gunsten vollkommenerer Angebote zeige. In London scheine man dieses Resultat zu erwarten: jedoch scheine das für ein naheliegendes Datum wenigstens noch nicht sicher zu sein, da von Berlin angekündigt werde, vor Anfang Juni sei eine deutsche Antwort nicht zu erwarten. Aber das Wort hätten jetzt nicht nur die Regierenden in Deutschland. Es handele sich auch darum, wie die französische Politik diese doppelte Intervention aufnehmen werde. Die Sonntagsrede Poincarès in Commercy, die diesmal noch ein wenig wütender fei als gewöhnlich, lasse nicht den Gedanken aufkommen, daß Poincarè sehr befriedigt von der Note sei, noch daß er endlich daran denke, aus einer wenig glänzenden Isolierung herauszugehen.
In der Londoner Presse findet die englische Antwort geteilte Aufnahme. Die daran geübte Kritik betrifft hauptsächlich das Fehlen einer klaren Darlegung der britischen Reparationspolitik und insbesondere die Ignorierung des deutschen Vorschlages, die gesamte Reparationsfrage einem unparteiischen internationalen Tribunal z« unterbreiten. Die meisten Blätter stimmen jedoch Curzons Anregung bezüglich neuer deutscher Vorschläge zu.
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, die Amerikaner würden weifellos bedguern, ebenso wie, dies die Franzosen
èdanken üufnegcbe S. Deutschlands Zahlunffs- fähigkeit durch eihen internationalen Sachverstan- digenausschuß feftiehen zu Wen. Doch sei dies vielleicht unvermeidlich gewesen.
„Daily Ehronicl e" stimmt der britischen Note zu. Ebenso wie die italienische Halte sie die Tür für weitere Erörterungen offen und sei von dem Wunsche eingegeben, den augenblicklichen Kampf beendet und nicht verlängert zu sehen.
Unter der Ueberschrift „Ein Wegweiser für Deutschland" schreibt die „Daily News", Eurzons kluge Erwiderung auf die deutsche Note sei bedeutsam wegen dessen, was fté ungesagt lasse, wie wegen dessen, was sie sage. Sie ignoriere die deutsche Forderung, daß Frankreich das Rubrgebiet räumen müsse, bevor die Verhandlungen wieder ausgenommen werden könnten. Aber sie ignoriere auch die parallele französische Bedingung, daß der deutsche Widerstand im Ruhrgebiet aufhören müsse. Die Note fei jedoch, obgleich sie in der Form nur an Deutschland gerichtet sei, tatsächlich fast ebenso an Frankreich gerichtet. Poincars werde Deuffchland vielleicht nicht befriedigen können. Poincars fei aber nicht Frankreich. Zum Schluß tritt die „Daily News' dafür ein, daß Deutschland ohne Zeit zu verlieren, Eurzons Führung folge unfeinen gefunden, umfassenden Reparationsplan unterbreite.
Der „Daily Expreß" erklärt, die Tür werde weiterhin offen gehalten. Deutschland möge sie benutzen, um einzutreten, während es dies noch könne, mit einem Plan, den die Alliierten auf der Grundlage eines praktischen „Busineß" erwägen könnten.
Die „M o r n i n g P o st" ist der Slnfitht, daß diè Antwort Eurzons die Frage nicht viel weiter bringe. Die Ruhrfrage sei der Schlüssel zu der gesamten Lage.
Die Badische Anilin- und Soda- fabrik besetzt.
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Ludwigshafen, 15. Mai. Heute ftüh Uhr ist die Badische Anilin- und Sodafabrik von den Franzosen besetzt worden. Den Arbeitern wird der Zutritt zu -er Fabrik verwehrt. Die Angestellten der Nachtschicht durften dagegen das Wert verlassen, in dem
nun ein ganzes Regiment liegt. Auch das Straßenbahn-Depot ist besetzt worden. Infolgedessen verkehren keine der elektrischen Straßenbahnen. Der übrige Verkehr ist unbehindert.
Mannheim, 15. Mai. AuS Ludwigshaven wird gemeldet: In einer Pressebesprechung wurde heute früh von de« französischen BezirkSdelegierten mitgeteilt, daß die Besetzung der Badischen Anilin- und Sodafabrik zu dem Zwecke flattgesundcn habe, um diejenigen Men- zen von Farbstoffen zu beschlagnahmen und abzu- ordern, auf die Frankreich und Belgien nach dem FriedciiSvertrag Anspruch bitten. Die Betriebe in denen diese Erzeugnisse hergestellt werden, bleiben beschlagnahmt und auch für die Arbeiter gesperrt. Mair hoffe, diese Maßnahme innerhalb acht Tagen »urchführen zu können. Die VerkehrSsperre, die notwendig gewesen sei, um große Arbeiter ausamniluugen bei dem Schichtwechsel zu verhindern, habe nur von ö--s Uhr heute früh gedauert. Der
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Saarbrücken, 14. Mai. Aach der Alte (sozial» dciiiokratiiche) Berzarbeiterverbanv hat in einer Revier- konferenz heute mittag beschlossen, die Arbeit zu de« mit der Bcrgverwaltung getroffenen Vereinbarungen vom 15. Mai an wieder aufzunehmen. Damit hat »er Streik der Saarbergleute nach einer Dauer von genau hundert Lagen sein Ende genommen.
Verkehr dürfte von dieser Zeit an im vollen Umfange wieder ausgenommen werden. Einzelne Postenkette« dienten lediglich der Austechterhaltung der Ruhe und Ordnung. Den Pressevertretern ist auf das bestimmteste erklärt worden, baß die Besetzung des Werkes keine anderen Ziele als die angegebenen habe.
Es bricht der freche Uebermut Der Tyrannei zusammen;
Es soll der Freiheit heilge GluO In allen Herzen flammen.
Theodor Körner.
Dieses Wort des früh im Kampfe gegen Tyrannei und für die Freiheit gefallenen Dick, kers Theodor Körner mahnt daran, daß der Kampf um die Freiheit
Sache -es ganzen Volkes
ist, daß wir unseren Ruhrkämpfern nicht all- Last des Kampfes überlassen dürfen, sonder« daß wir alle verpflichtet sind, zu tun, was wir können, um ihnen den schweren entsagungs- voller Wmpf leichter zu machen. Sie brauchen keine Wassen, aber sie brauchen die Gen'istbeik, daß sie und ihre Familien durch stemde Tyran- nenmacht nichtbroklos und heimatlos gemacht werden können, daß alle deutschen Herzen für die Freiheit und ihre Vorkämpfer schlagen und zu Opfern bereit sind. Diese Gewißheit verschafft ihnen eine kraftvolle Weiterführung einer von allen Kressen der Bevölkerung getragenen Ruhrhilfe. Jeder also hat die Pflicht, nicht zu erlahmen, sondern ohne Unterlaß zu geben
Für -as -eulsche DolKsopfer!
Richt locker lassen! Nicht lau werden!
Helfen!
und Si
in
sie ermatten und ermüden, ist's unser aller Untergang— unser aller Rettung, wenn ar ihrem Trotze des Feindes Macht zerschellt! Darum Helfi — setzt, da der Feind alle Anstrengungen macht, erst recht!
Spenden nimmt unsere Geschäftsstelle enk- gegen.
Die Revisionsverhan-lung im Krupy-Prozetz.
Zu der am 18. Mai in Düsseldorf zur Verhandlung könimenden Revision im Krupp-Prozeß wird gemeldet, daß die Angeklagten zu dieser Verhandlung nicht erscheinen werden. Der Gerichtshof werde sich auS sieben höheren französischen Offizieren zusammensetzen. Der Anklagevertreter sei der höchste französische Gerichtr- offizier, der sich bei der OkkupotionSarmee anfhält, namens Albert. Die Verteidiguna liege in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Grimm-Essen. Die Revision slützt sich lediglich auf Verfakrensverstöße.
Sm Berliner Arzt, der Gelegenheit hatte, die Ver- küudigim- der Urteils an die Verurteilten im Krupp. Prozeß auf dem Gefängnishof des Amtsgerichts Werten zu beobachten, berichtet darüber folgendes: An der Hofmaner war ein Zug französischer Infanterie mit aufgeflauztem Bajonetr in zwei Gliedern ausgestellt. Die Deutschen mußten vor die Front treten. Nachdem die Soldaterka präsentiert hatte, würd« das Urteil von einem französischen Offizier verlesen. Die eherne Ruhcu nd völlige Unberührtheit, mit der die Verurteilten die absurten Strafen ausnahmen, waren von i überwältigendem Eindruck.
Französische Justizwillkür.
Essen, 14. Mai. Am 27. März ist der stell» vertretende Syndikus der Essener Handelskam-. mer, Dr. Dreesbach, ohne jeden Grund von den Franzosen verhaftet worden. Dreesbach wurde in das Gerichtsgefängnis Werden verbracht, in dem er sich noch heute befindet. In der ganzen Zeit wurde er nur ein einziges Mal nach feinen Personalien gefragt. Es ist ihm weder der Grund seiner Verhaftung mitgeteilt, noch ihm bekannt gegeben worden, ob und aus welchem Grunde ein kriegsgerichtliches Verfahren gegen ihn anhängig gemacht wurde. Die irutale Freiheitsberaubung Dr. Dreesbachs ist ür die französische Justizwillkür besonders kennzeichnend.
Das Ende -es Saar-Bergarbeiter- flreiks.
Loltar (io Mr oorm.) 45000