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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237.

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gr. 109 Freitag den 11. Mai 1923

Das Neueste.

- Die bayerische Regierung hat nach den Gängen »om 1. Mai eine Schutzverordnung ckjstN.

- Der päpstliche Delegat für das Ruhr- Met, Msgr. Testa, hat sich über München zur M^ung seiner Studienreise erneut in das Letzte Gebiet begeben.

- Das französische Kriegsgericht in Düssel- M sprach das erste Todesurteil aus.

- In Lausanne wurde der russische Vevoll- Echtigte Worowski durch einen Revolverschuß chtèt.

- Marschall Foch ist von Posen zurück- chhrt und nach Lemberg abgereist, wo er sich im Tag aufhält. Darauf begibt er sich für m Tage nach Krakau und von dort am Sonntag nach der Tschechoslowakei.

Eine Debatte im englischen Unterhaus.

London, 10. Mai. (Unterhaus.) Das Mit- M Lambert fragte den Pemiermini- ler, ob, da die in der Beantwortung der deut- jchm Reparationsnote verfolgte Politik eine sich enoeiternbe Meinungsverschieden­heit zwischen der französischen und der britischen Regierung bedeute, er in »olle und offene Verhandlungen mit der franzö- l'schen Regierung treten werde, die Tatsache im Ne haltend, daß ohne alliierte Solidarität kein dauernder Friede in Europa oder der asia­tischen Türkei bestehen könne? Schatzkanzler Baldwin erwiderte, Lord Curzon habe am Llpril im Oberhause zum Ausdruck gebracht, Mi die britische Regierung sich der Wichtigkeit MfcV^^

ihre augenblickliche Politik gegründet sei. Serse leg fragte, ob der Mnister sagen käme, ob dem Hause die britische Antwort auf die deutsche Note rechtzeitig für die heutige De- iEe zugestellt werden könne. Baldwin »widerte: Nein; ich glaube nicht, daß die Note Deutschland schon abgesandt ist. Kenn - Horthy fragte, ob die kürzliche Note der deutschen Regierung über die Reparationen der Nterung der Vereinigten Staaten überreicht vurde und ob die Regierung beabsichtige, 2ln= achten mit der amerikanischen Regie- ^ng ebenso wie mit der italienischen Regie- auszutauschen. Baldwin erwi- seine Antwort auf den ersten Teil der vwge laute bejahend, auf den letzten TeU ver­minend. Die Vereinigten Staaten hätten »einerlei Anspruch an Deutschland für Repa- ^tionm gestellt und es seien keinerlei Anzeichen ^Handen gewesen, daß sie zu Rate zu ziehen anderes als eine Quelle der Behinderung Nie sein könnte. Kennworthy fragte ^ier, ob die amerikanische Regierung nicht Ren Anspruch auf die Kosten für das ameri- NN Besatzungsheer erhoben habe, und auf »Den Fall weshalb schalte England eine be­kundete Nation aus, die ihm in dieser schwie­gen Frage beistehen könne? Baldwin kviderte, seiner Erinnerung nach sei der An- Mch, auf den Bezug genommen werde, voll- Mmen getrennt von der allgemeinen Frage der ^Parationen. Wed gwood Benn fragte i?res nicht Tatsache sei, daß der deutsche Vor­zug, die Forderung der Alliierten nem Schiedsgericht zu unter» .teten, auf einen Rat des Staatssekretärs ^yes zurückzuführen sei. Baldwin ant» ortete, dies sei ihm nicht bekannt. Green-

fragte den Premierminister, ob er bereit j' iw Namen der britischen Regierung der

Regierung mitzuteilen, daß, wenn sie JNei, die vorgeschlagene Zahlung einer Re- , guon von 1% Milliarden Pfund Sterling , 14^ Milliarden Pfund zu erhöhen, er willens

' die guten Dienste Englands zu verwenden, ^ Frankreich und Belgien zu überreden, die ^ Handlungen wieder zu eröffnen. Bald - bat, die Veröffentlichung der Erwiderung ^. britischen Regierung auf die deutsche Note |Jwarten. (Demnach scheint die eng» ^"Ewort Mitteilungen über den englischen j bbpunkt zum Zahlungsplan zu enthalten, m Kennworthy bat um Infor- N° bezüglich der Beschlagnahmedes h, wischen FischdampfersLord

- Evans fragte, ob das britische NNd)iffHarebell" Befehl erhalten habe, ber russischen Küste zum Schutze der kbn scheret zu begeben, und ob der be- j^bhabende Offizier Anweisung erhalten habe, ueuer auf russische Schiffe zu eröffnen, die

britische Schiffe in exterritorialen Gewässern behelligten. (Lauter Beifall auf der Regie­rungsseite.) Mac Neill erwidert, der britische Agent in Moskau sei angewiesen wor­den zu untersuchen, eine Bestätigung des Be­richts über die Beschlagnahme eines britischen Fischdampfers zu erhalten und die sofortige und bedingungslose Freigabe des Fahrzeugs und seiner Mannschaft sowie die Heimbeförderung der letzteren zu fordern. Das Kriegsschiff Harebell" habe-Befehl erhalten, die Behelli­gung britischer Schiffe außerhalb der Drei- merlengrenze zu verhindern, wenn nötig mit Gewalt. (Lauter Beifall auf der Re­gierungsseite, auf der Arbeiterseite dagegen zahlreiche Zwischenrufe wie: Noch mehr Krieg? Lansbury ruft erregt zu den Regie­rungsbänken: Warum schickt ihr nicht die Pro­teste nach Newyork? Ihr seid eine Bande von Feiglingen! Ihr habt Angst vor Amerika! Hier greift der Sprecher ein.) Kennworthy fragt, ob angesichts der Debatte am nächsten Dienstag die Regierung den britischen Vertreter in Moskau Hodgson anweisen werde, seinen Stab nicht ohne weiteren Befehl nach London zurückzuziehen? Baldwin anwortet ver­neinend.

Sir John Simon eröffnet dann die Saardebatte. Er lenkte die Aufmerksam- Heit des Hauses auf einen im Saargebiet ver­kündeten Erlaß, der, wie er sagt, die schwer sten Strafen für Akte auferlegt, die in anderen Ländern entweder überhaupt nicht strafbar seien oder als unbedeutende Ver­gehen angesehen würden. (Es handelt sich hier um das Saardekret, das Gefängnis für die Kritik am Völkerbund androht. D. Red.) Das Saargeb i et fei ein dicht, bevölkertes Gebiet, bas eine fast nur aus Deutschen be­stehende Bevölkerung von 700 000 Menschen umfasse. Die Regierung des Saarge­biets sei in die Hände des Völkerbundes gelegt worden. Es fei daher von der größten Wichtig­keit, daß die britische Regierung ebenso wie alle anderen in Betracht kommenden Regierungen zusehen, daß die Gesetze, die für dieses Gebiet gemacht würden, Gesetze seien, die gerechtfertigt werden könnten. Es sei von grundlegender Be­deutung, daß der Völkerbund in den Augen der Saarbevölkerung nicht in Mißkredit gerate. Simon bezeichnet den am 9. März von der Ver- waltungskommission verkündeten Erlaß als einenäußerst erstaunlichen Mißbrauch legis­lativer Autorität". Außer der Auferlegung einer absurden Strafe für diese lächerlichen Vergehen habe die Kommission es auch noch für nötig erachtet, einen Sondergerichtshof zu errichten, um Schuldige zu bestrafen. Simon fragte, wann die britische Regierung zuerst davon ge­hört habe. Der Erlaß sei am 7. 3. erfolgt, dem Generalsekretariat des Völkerbundes am 9. 3. mitgeteilt worden und seiner Ansicht nach in UeberschreitungdesFriedensver- t r a g e s am 12. 3. in Wirksamkeit gesetzt wor­den. Er sagte, der Erlaß sei ungesetzlich in Wirk­samkeit gesetzt worden, weil der Friedensoer- trag vorsehe, daß, bevor irgendeine Aenderung der Gesetze in Bezug auf das Saargebiet statt- finden könne, eine Beratung mit einer die Ein­wohner vertretende Körperschaft stattfinden müsse und eine derartige Beratung habe nicht stattgefunÄen. Es würde verhängnisvoll sein, wenn die britische Regierung oder irgendeine Regierung zufrieden wäre, eine Lage dieser Art hinzunehmen, mir weil ein gewöhnlicher in­dustrieller Streit stattgefunden habe. Simon fragte, welches Verfahren die Regierung einzu­schlagen beabsichtige in Bezug auf diese Frage, die wahrscheinlich den Völkerbund der Verach­tung unb Lächerlichkeit ausliefern würde und die es für Deutschland oder irgend ein anderes Land unmöglich mache zu glauben, daß durch eine internationale Aktion dieser Art sie einer fairen Behandlung versichert sein könnten. Der Unterrichtsminister und Vertreter Groß­britanniens im Völkerbundsrat Wood er­klärte, er fei gefragt worden, wann der Erlaß zuerst beim Foreign Office eingegangen sei. Er sei eingegangen am 27. 3. in Gestalt eines Schreibens vom Vorsitzenden der Verwaltungs­kommission an den Generalsekretär des Völker­bundes, der ihn dem Foreign Office über­mittelte. Er fei gefragt worden, welche Aktion die britische Regienlng heute zu unternehmen beabsichtige. Wood sagte: Ich bin beraten wor­den, daß von einem strikt legalen Standpunkt die Verwaltungskommission nicht außerhalb ihrer Rechte handele, indem sie den Erlaß für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Saarge­biet aufsetze. Ich bin beraten worden, daß der Erlaß, insofern als er nicht Modifikationen in einem bestehenden Gesetz einführt, er nicht den

Eingaben seien ihnen von den französischen Kri- minalbeamken suggeriert worden. Die Anklage nimmt an, daß die Sabotage-Organisation im Ruhrgebiet mit den Abgeordneten Wusse und v. Gräfe in Verbindung gestanden und von dort Weisungen erhalten hat. Geldliche Unterstützung sei ihnen vom Grafen Beyssel, der in der Hauptverwaltung von Krupp angestellt sei, ge­währt worden. Das Urteil wurde gestern nachmittag gefällt. Es wurden verurteilt: Schlageter wegen angeblicher Spionage und Sabotage z u m T o d e, Sadowsky zu l e b e n s- länglicher Zwangsarbeit, Becker wegen verbrecherischen Komplotts und Spionage zu 15 Jahren Zwangsarbeit, Werner wegen verbrecherischen Komplotts. Spionage und Sabotage zu 20 Jahren Zwangs­arbeit, Brisbing wegen Spionage zu 5 J a h - renGefängnis, Kulmann zu 7 Jahren Gefängnis und Zimmermann zu 10 Jahren Gefängnis. Gegen Sadowssky wird wegen der angeblichen Erschießung Srn- ders noch später verhandelt werden.

Nach dem Schandurteil von Werden.

Eine deutsche Protestnote.

Berlin, 9. Mai. Die deutschen Missionen sind beauftragt worden, den an der Ruhrbe­setzung nicht teilnehmenden Re. g i e ru n g e n eine Protestnote gegen das Schreckensurteil von Werden zu überreichen. Eingangs der Note wird der Tatbestand der Er­eignisse am Karsamstag kurz geschildert und so­dann auf das Uebereinkommen hingewiesen, das zwischen Werkleitung und Arbeiterschaft im Ruhrgebiet wegen der Sirenenzeichen getroffen wurde, um das Zeichen zur Arbeitsnisderlegung zu geben. Dieser Brauch sei den Franzosen schon von Anfang an bekannt gewesen und werde in diesem Falle dazu ausgebeutet, um die einseitige französische Schuld der deutschen Bevölkerung in die Schuhe zu schieben. Zugleich solle ein Keil zwischen die Arbeiterschaft und die Unter­nehmer getrieben werden. Schließlich meist die Note darauf hin, daß die Franzosen eine von der deutschen Regierung vorgeschlagene Unter­suchung durch einen internationalen Ausschuß verweigert haben, um dann von einem partei­ischen Militärgericht das schauderhafte Urteil fällen zu lassen. Gegen diese Drangsalierung der Ruhrbevölkerung erhebt die deutsche Regie- rung schärfsten Protest, zumal das Vorgehen in eine Zeit fällt, in der Deutschland im beider­seitigen Interesse bestrebt ist, dem Konflikt ein Ende zu machen.

Kundgebungen des Kruppschen Betriebsrates.

Essen, 9. Mai. Die Werkleitung und der Be­triebsrat der Firma Krupp haben heute folgen­den Anschlag innerhalb der Kruppschen Fabrik veröffentlicht:

Wegen der Vorgänge am Karsamstag fällte das französische Kriegsgericht in Werden nach

gewählten Vertretern unterbreitet werden müßte. (Lachen. Asquith ruft dazwischen: Wurde dieses Gutachten von den Rechtsbeamten der Krone gegeben?) Wood erwiderte, es sei von seinen eigenen Rechtsberater gegeben worden und es sei das legale Gutachten, nach dem nicht nur Großbritannien, sondern auch andere Länder handelten.

Ein neues SchreckensurleU.

Das erste Todesurteil. Lebenslängliche Zwangsarbeit.

Düsseldorf, 10. Mai. Vor dem fran­zösischen Kriegsgericht in Düssel­dorf fand am Dienstag und Mittwoch eine Verhandlung statt gegen den Kaufmann Albert Leo Schlaget er-Berlin, Kaufmann Hans Sadowsky-Essen, Student der Medizin Al­bert Decker-Meß. Schlaffer Georg Wer­ner- Potsdam, Kaufmann Georg Zimmer­mann, Zeichner V r i s b i n g - Essen, Ingen. Karl Kulmann-Essen. Die Anklage wirft ihnen vor, im März und April 1923 im Ruhr­gebiet gesammelte Berichte und Schriftstücke an deutsche Behörden übermittelt, Anschläge gegen Personen der Besatzungstruppen, Beamte der Alliierten oder von ihnen abhängige Personen verübt, ferner im März an der Bahn Hügel- Essen, im April in Werden-Kettwig vorsätzlich Bahnkörper durch Sprengstoffe zerstört, beschä­digt oder zu beschädigen versucht haben. Ein weiterer Anklagepunkt betrifft die Erschießung des Kommunisten und französischen Spitzels Sinder in Essen, der angeblich von Sadowsky vor dem Volrzeipräsidium in Essen erschaffen worden sein soll. Die AngeNagken stellten die ihnen zur Last gelegten Taten in der Verhand­lung entschieden in Abrede und erklärten, die

viertägiger Verhandlung sein Urteil. Es sind folgende Strafen verhängt worden (folgen bie bereits in der Presse veröffentlichten Strafen.^ Gegen das Urteil ist das Rechtsmittel der Re­vision eingelegt worden. Rach eingehender Prü­fung und Ueberlegung bitten wir alle Werks­angehörigen dringend, auch angesichts dieses für jedes Rechtsempfinden unfaßbaren Urteils die berechtigsten Gefühle tiefster Entrüstung zurück­zuhalten und wie bisher Würde und Besonnen­heit zu wabren. Dies entspricht, wir wir hören, auch dem Wunsche des Herrn Krupp von Boh­len und Halbach und der übrigen Beteiligten.

Essen, 9. Mai. Der Gesamtbetriebsrat der Firma Friedrich Krupp A.-G. in Essen hat heute vormittag einstimmig folgenden Protest beschlossen:

Durch das vom französischen Kriegsgericht in Werden am 8. Mai 1923 gefällte Urteil aufs hWM empört, erheben wir vor aller Welt schärfsten Protest gegen dieses allem Rechtsgs- fühl hohnsprechende Urteil des französischen Mili­tarismus. ^er Vorsitzende unseres Aufsichts- rates, Mitglieder unseres Direktoriums und unser Kollege Müller, der unter Einsetzung seiner ganzen Pe^on am Karsamstag vorbild­lich wirkte, sind dem Gewaltspruch zum Opfer gefallen. Dieses Urteil zeigt uns mit aller Deut­lichkeit, daß die brutale Faust der Machthaber selbst vor den heiligsten Rechten der Arbeit­nehmer nicht Halt macht. Wir werden uns auch durch dieses Urteil in unserem Kampf um das Recht der freien Arbeit nicht niederringen lasten. Wir, als die Arbeitnehmerschaft des größten industriellen Werkes, wenden uns an das schaffende Volk in aller Welt und rufen dieses auf, mit uns gemeinsam den Kampf zu führen gegen den Militarismus und Imperialismus, gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

In der Machmurugsfi^ung h-t der Betriebs-, rat gegen den Wi llen der Firma für den kommenden Freitag einen Protest­streik von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nach, mittags a n g e s e tz t.

Krupp mit seinen Verurteilten in Richtung Düsseldorf fortgeschafft.

Essen, 9. Mai. Die Verurteilten sind aw Dienstag abend unter den umfangreichen mili­tärischen Vorsichtsmaßregeln von Werden be­reits abtransportiert worden in Richtung Düsseldorf. Am Wege entlang standen starte Kavallerieaufgebote. Jeder Direktor saß iw einem Auto, bewacht von drei Soldaten.

Am Mittwoch vormittag ist nach vorher­gehender Besprechung zwischen den Verteidiger« die Revision angemeldet worden. Die Revisions­verhandlung dürfte ziemlich bald zu erwarten sein, vielleicht in zehn Tagen. Der Schweizer Verteidiger der Angeklagten hat sich am Mitt­woch morgen nach Düsseldorf begeben.

Ein Attentat auf »ie russische Delegation in Lausanne.

Lausanne, 10. Mai. Heute abend 9.20 Uhr wurde im Hotel Cecil, wo die russische Delegation wohnt, beim Abendessen der russische Bevollmächtigte Worowski durch einen Revolverschuß ml Genick erschossen. Seine Begleiter der Presse­chef Ahrens und der Sekretär Diwilk» w » ki wurden ebenfalls durch mehrere Schüsse verletzt, Diwilkowski ziemlich schwer, Ahrens dagegen befindet sich außer Lebensgefahr. Der Mörder gehört der Gruppe der sogenannten Schweizer Laizisten an, die in den letzten Tagen wiederholt Drohungen gegon WorowSki und gegen seine Kollegen bei der Delegation auSstießen und bereit» am letzten «oonntag morgen eine Demarche beim russischen Bevollwächtigte» gemacht barten, um ihn zum Verlassen der Schweiz zu zwingen. Der Mörder war heute abend inS Hotel gekommen und hatte sich einige Tische von WorowSki entfernt zum Abendessen niedergelassen. Als er fertig »ar, bestellte er zwei Släser Schnaps, trank sie eilig aul und gab dann sieben Schüsse auf die drei Herre« ab.

Der Vertreter des WTB., der sich wenige Minuten nach dem Attentat an da» Krankenlager des Herr» Ahrens, der in Berlin Mitarbeiter der russische« Lot- schalt ist, begab, erhielt von dem Verwundeten folgende Erklärung: Die Alliierten, die durch ihre Manöver gegen dierussische Delegation Verwirrung ix die Leister trugen und die Stellung der Delegation erschütterten und ttngewitzbeit über ihre Haltung in Lausanne ver­breiteten, habe eine schwere Verantwortung an den Ereignissen, dene« WorowSki zum Opfer gefallen ist. Herr Ahrens protestiern auch in lebhaften Worten gegen die Haltung der hiesigen Behörden, die seit dem ersten Tage von den Machenschaften unterrichtet g* wesen seien, ohne irgendwelche Schritte dagegen zu ergreifen.

Lausanne, 10. Mai. Der Mörder »orowSkir stellte sich sofort nach der Tat. Er wurde sogleich verhaftet. Er heißt Conradi, ist 38 Jahre alt unl soll in der russischen Armee gedient haben.

Dollar (18 Ahr oyrm.) 39500