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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237.

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Nr. 90

Mittwoch öen 18. April

1923

Das Neueste.

- Die Rheinlandkommisfion hat dem deutschen Reichskommissar für die besetzten rheinischen Ge­biete mitgeteilt, daß er mit dem heutigen Tage leine Tätigkeit und die seiner Behörde im besetzten Erbiet, als beendet betrachte und seine und seiner Behörde Abreise aus dem besetzten Gebiet erwarte.

- Von den 206 Bahnhöfen des Ruhrgebietes find 170 von den Einbruchstruvven besetzt.

- Aus dem Einbruchsgebiet werden neueMassen- ausweisungen von Eisenbahnern gemeldet.

In Düsseldorf raubten die Franzosen 22^ Millionen Mark Arbeitslosengelder.

Der Stand der Ruhraktion.

- Die Franzosen laden auf den von ihnen be­setzten Zechen zur Zeit rund 4000 Tonnen Koks täglich auf. Diese Menge entspricht knapp dem 15. Teil unserer freiwilligen Leistungen vor der Ruhraktion, die im Durchschnitt des Jahres 1922 rund 62 000 Tonnen arbeitstäglich betrug. Während unsere freiwilligen Leistungen aber ws hochwertigen Kohlen und Koks bestanden, laden die Franzosen alles auf, sogar den von ihnen gefundenen Kohlen- und Koksabfall. Es ist verschiedentlich einwandfrei festgestellt wor­den, daß die Wagen zum überwiegenden Teil mit Koksgrus und ähnlichen minderwertigen Sorten beladen wurden, auf die man dann eine dünne Schicht von hochwertigem Hochofenkoks legte. Qualitätsmäßig entspricht eine Tonne der srüher von uns gelieferten Brennstoffe unge- sähr 34 Tonnen des von den Franzosen ver- Ilidenen Materials. DieserBrennstoff" ist für die Verwendung im Hochofen, die für die Fran- *h besonhtzD wichtig ist nM zu gebrauchen, da er nicht verhüttet werden kann. Nach Ab­transport der von ihnen jetzt erfaßten Mengen selbst Koks herzustellen, sind die Franzosen nicht in der Lage, da sie die deutschen Kokereien, die eine ganz andere technische Einrichtung haben als die französischen, auch unter Aufbietung ihres gesamten technischen Personals nicht be­treiben können. Außerdem sind die deutschen Kokereien auf die speziellen Kokskohlen der betreffenden Zechen eingerichtet; Kohlen von an­deren Gruben können nicht verkokt werden, so­daß Versuche, fremde Kohle in den besetzten Kokereien zu verkoken, nichts nützt; zur Kohlen- Mderung mit eigenen Kräften auf deutschen Kohlenzechen überzugehen, sind die Franzosen aus leicht erklärlichen Gründen aber nicht im Stande. Unter diesen Umständen ist die dauernde und regelmäßige Belieferung der ttlnzösischen Hochöfen mit Koks völlig ausge- sh ossen; gerade die Regelmäßigkeit in der Be- sserung ist aber beim Hochofenprozeß aus- Mggebend. Besondere Schwierigkeiten wird ^ französische Industrie nach Beendigung der Fraktion haben, da während der Wieder- wandsetzung der deutschen Zechen und Koke-

Kohlen- und Kokslieferungen an Frank- M natürlich wegen Vrennstoffmangels Engere Zeit nicht vorgenommen werden kön-

Erwähnt fei noch, daß infolge der Be- Mng der Kokereien der Zeche Mathias Stin- Ferngasversorgung des von den Eng- besetzten Teiles des bergischen Landes belgisch besetzten Stadt Neuß einge- M werden mußte.

dem Abtransport der von ihnen aufge- > anen Kohlen- und Koksmengen haben die ^anzofen bisher keinen Erfolg gehabt. Es er- fraglich, ob in der letzten Zeit überhaupt ks aus Rheinland-Westfalen nach Frankreich ^n, ist. Tatsache ist jedenfalls, daß die ^«ge nördliche militarisierte Strecke Hamm- ^lald ganz verstopft ist. Wahrscheinlich aus

Grund ist letzthin der Bahnhof Kray be- tjZ borden, um die Möglichkeit zu schaffen, [;hl a aus auch Transporte über die Süd- v'uf ^twig-Düffeldorf leiten zu können; ob wese Weise «Erfolge erzielt werden können, ^i 'ragljch, da die Zubringerstrecke Kray-Essen hehren Kolliwagen verstopft ist. Zur Be- Man s Eisenbahnschwierigkeiten haben die M^fen teilweise Schmalspurbahnen gelegt; pj^we Transporte können aber auf diesen §g, ausge^ihrt werden. Der Rhein-Herne- Kg-w yt für den Abtransport von Kohle und gänzlich ausgefallen; die in den Zechen-

" wgernden Brennstoffmengen können nicht f^,.?a?portiert werden. Auch die Rheinschij - ^e vollkommen still, so daß nicht einmal foenti n aus dem Ruhrorter Hafen abge- werden können. Da das Binger Loch planen die Franzosen, die in den härt« en biegenden Brennstoffmengen tal= l^lennnac^ Rotterdam bezw. Antwerpen zu um sie von dort aus weiter zu ver­

senden. Es erscheint aber fraglich, ob die Fran­zosen Raum- und Transportmöglichkeiten be­schaffen können.

Ergänzend sei noch bemerkt, daß die mit den Verladungsarbeiten beschäftigten Arbeiter sich größtenteils zusammensetzen aus Polen, Tschechen, Insassen von französischen Arbeits­anstalten und freiwilligen französischen Arbei­tern, die von den französischen Hüttenwerken zur Verfügung gestellt worden sind. Die Lei­stungsfähigkeit dieser Arbeiter scheint aber sehr gering zu sein.

Die Franzosen heben das Reichs- Rommiffariat in Koblenz auf.

Koblenz, 17. April. Die Rheinland- kommission hat dem Reichskommis- sar für die besetzten Gebiete mitge- leilt, daß sie mit dem heutigen Tage seine Tätigkeit und die seiner Behörden am be- setzten Gebiete als beendigt betrachte und seine und seiner Behörde Abreise aus dem besetzten Gebiet erwarte.

Alik dieser verschleierten Ausweisung ist die Tätigkeit des Reichskommissars für die besetzten Gebiete als beendigt anzusehen. Schon seit langem war ja bekannt, daß die Franzosen und in letzter Zeit auch die Belgier darauf bedacht waren, die ihnen unbequeme Einrichtung des Reichskommissariats in Koblenz zu beseiti- gen. Schon einmal trat dieser Wunsch für alle Oeffentlichkeit in Erscheinung, als dem ersten Reichskommissar Herrn v. Starck durch die Botschafkerkonferenz das Agrement entzogen wurde. Der Reichsregierung war es gelungen, gegen erhebliche, vor allem französische Wider­stände die Agrementserteilung an einen neuen Reichskommissar, den Fürsten v. Hatzfeld- Vildenburg zu erreichen. Seit Beginn des Ruhreinbruchs mußte das Verhalten zwischen dem Reichskommissariat und der Rheinlandkommisfion Zwangsläufig zu einem Konflikt hinkreiben. Wenn auch angenommen werden muß, daß zunächst die Bokschafkerkonfe- renz über eine Agremenksentziehung Beschluß fassen würde, .haben die Franzosen und Belgier sich anscheinend über die Botschafter- konferenz hinwegsetzend, bei der Be­sprechung am Samstag in Brüssel sich dahin ge­einigt, das Reichskommissariat kurzweg zu be­seitigen und so die Bokschasterkonferenz vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Reber die Hal­tung der Engländer zu diesem Vorgehen der Rheinlandkommission ist nichts bekannt.

Die französischeBegründung".

PariS, 17. April. Ueber den Beschluß der Rhein» landkommiiston, den Posten des Reichrkommissaricit« in Koblenz aufzuheben, meldet HavaS: Die Einrich­tung des Reiäiskommisiariat» war weder im Versailler Vertrag noch im Rheinlandabkommen vorgesehen und ist lediglich auf Ersuchen der deutschen Negierung von den alliierte« Regierungen provisorisch zugcstanden worden, um die Beziehungen zwischen den deutschen Beamten der besetzten Gebiete und der Nheinland­kommission zu erleichtern. Aber weit entfernt, sich als Hilfsbeamten der Rheinlandkommisfion zu betrachten und für die genaue Durchführung der Ordonnanzen zu wachen, habe sich der Reichskommissar vielmehr bemüht, die Tätigkeit der alliierten Behörden zu er­schweren und die von ihnen unternommene Pazi­fizierung und Annäherung zu verhindern. (!) Aui den Vorschlag des französischen OberkommissarS sei 1 die Auflösung des Amies von den Alliierten schon wiederholt in Erwägung gezogen worden. Nachdem : Herr v. Stark zurückgctrcten war, hätten die Alliierten ' den letzten Rheinlandkommissar, Herrn V. Hatzfeld- ' Waldenburg, nur unter folgenden Bedingungen an- ' genommen: Die zur Bekämpfung des Einflusses der Bcsatzungèbehörden gebildeten geheimen Verbände , müssen aufgelöst werden, die bei den alliierten Militär- ' gerichtcu angcklagtcn und nach beut nichtbesetzten Deutschland geflüchteten Personen sollen ausqcbesert werden, die von den Militärgerichten verhängten Geld­strafen sollen den Verurteilten nicht mehr von der : deutschen Regierung ersetzt werden, der neue Reichs- 1 konimissar soll mit der Rhcuilandkommissiou zusammen- 1 arbeiten und es sich angelegen sein lassen, ihre Aus­gaben zu erleichtern. Der französische Obnkommisfar Tirard habe ständig darauf bingewiesen, daß keine dieser Bedingungen erfüllt worden sei. Ueberdies l habe die deutsche Regierung seit drei Monaten die ' Beamten und die Bevölkerung der besten Gebiete , unablässig zur Aufsässigkeit gegen die Ordonnanzen t der Rheinlandkommission aufgefordert, weshalb jetzt . von den Alliierten Regierungen auf Vorschlag des französischen und des belgischen OberkomiiiissarS die offizielle Aufhebung des RcichSkommissarlatr beschlossen worden sei. 1

* (

Hierzu wird uns von zuständiger Seite bemerkt: t Es handelt sich um einen neuen Gewaltakt der Rhein- 6 landkomnnssion, der die Einrichiung. reS Reichs- ( komnnssanat« von Ankang «u mißliebig war. Nach- dein der unterdrückten rheinischen Bevölkerung durch dauernde ZcitungSverbotc und sonstige Knebelungen der Presse fast vollständig die Möglichkeit genommen ist, Hebelgriffe nnd Gewaltakte der Besatzungsbehörden r und Truvven innerhalb des besetzten Gebietes zur ^

Sprache zu bringen, soll ihr jetzt auch noch der Weg abgeschnitten worden, ihre Beschwerden durch die be­glaubigten Vertreter der Reichsregieruug bei der Rhein­landkommission vorzubringen. Die Einrichtung einer derartigen Vertretung bei der Okkupationsgewalt war zwar weder im Vertrage von Verfalles noch im Rhein­landabkommen ausdrücklich vorgesehen, doch entspricht diese Einrichtung einem Herkommen bei vertragsmäßigen militärischen Okkupationen^ wie denn auch im Haupt­quartier des FeldwarschallS von Manteuffel ein Ver­treter der französischen Regierung in der Person der Grafen St. Vallin bis zum Schluß der Besatzung be­glaubigt war. Die ReichSregierung hat in Paris London und Brüssel energisch Protest eingelegt. Für Hatzfcldt verläßt einstweilen entsprechend den ihm er teilten Instruktionen, der Gewalt weichend, mit dem gesamten Bcamtenstab dar besetzte Gebiet.

Rigorose Kohlenbeschlagnahmungen.

Wie aus Essen gemeldet wird, wird die neue Ver­ordnung des Generals Degoutte, die den Transport . von Kohlen ohne französische Passierscheine verbietet, rigoros dnrchgesührt. Im Laufe des gestrigen Tage? sind selbst kleine Kohlenmengen von einem Zentner, die auf vierräderigen Kinderwagen in die Wohnungen geholt wurden, beschlagnahmt worden. Auch die Kinder­wagen sind weggenommen worden, weil die Verord­nung ausdrücklich auch die Beschlagnahme des Ge­fährtes vorsieht. Von der Beschlagnahme der Kohlen­trankporte werden in erster Linie kleine Fabriken und gewerbliche Betriebe, in zweiter Linie aber auch die Haushalte betroffen, die bei der kühlen Witterung wieder Hausbrand benötigen. Wie uns mitgeteilt wird, wird der enorme Druck, der durch die schikanösen Maßnahmen auSgeübt wird, einen erheblichen Gegen­druck Hervorrufen.

Ausplünderung der Erwerbslosen.

.2!omcn MarkMbcitslofcngeldcx,

Köln, 17. Avril. Kurze Zeit, nachdem gestern vormittag eine größere Summe Geldes in die Räume der Arbeitslosenfürsorge im Kunstgewerbe­museum in Düsseldorf gebracht worden war, drangen die Franzosen dort ein und nahmen 2?1/» Millionen Mark fort. Der Sa stierer und »er Listen- führer wurden mitgenommen. Man suchte sie zu tzlus- sagen zu bewegen, ließ sie dann aber wieder frei. Dem Kassierer legte man eine französisch geschriebene Er­klärung vor, wonach es sich nicht um Geld der Er- werbslosennnterstützung, sondern der Rhein- und Ruhr- Hilfe handele, »aS er aber nicht gewußt Habe. Der Kassierer, der zufällig Französisch verstand, verweigerte die Unterschrift unter dem Hinweis, daß es sich tat­sächlich um Er w e r b s l o s en n nter stü tzun g e n bandle. Die Franzosen haben auch die Listen der Erwerbslosen und die Kartei mitgenommen.

Die französischen Kassrnräubereien in Recklinrhause«.

Ueber die Vorgänge in der Ktadtsparkafse und der Stadtbank zu Recklinghgusen seien folgende Einzel­heiten mitgeteilt: Am 11. April drangen gegen 10 Uhr zwei französische Zivilisten lKr>minalbeamtej in Begleitung einer bewaffneten Mannschaft in die Dienst- räume der Stadtsparkasse und der Staitbant ein und legten den Betrieb still. Im Arbeitkraum der Spar­kasse bemächtigten sich die Franzosen der ilrbeitsdücher der im Betrieb befindlichen Konten und der Spar­bücher, wobei nach einer Lohnzahlungsliste für Eisen- bahnbeamte gesucht wurde. Bei der Durchsuchung der Räume wurden dann auch die i« Bearbeitung befind­lichen Ukberweisungslitten über einen Betrag von 157 355 193 Mk. gefunden. Während einer der Fran- zoien den inzwischen »beschlagnahmten" Selddetrgg in Höhe von 12'/, Millionen Mark fortschaffte, blieb der andere mit der Wache zurück. Bis zur Rückkehr heg crsrcu Franzosen durften die Gelder oer vtadtbank liiert berührt werden. Es wurden dann aus der Stadtbank 3ßM2 Millionen Markbeschlagnahmt". Am nächsten Tage erschienen die Franzosen zu er» neuter Beschlagnahme, die aber wegen der geringen an diesem Tage vorgefnndenen Menge an barem Geld unterblieb. Am 13. April mittags 12 Uhr wurden taun noch 103 Millionen Mark auf den Barbeständen bet Sladtbauk requiriert, so daß eine Gesamtsumme von 157 Millionen Mark .beschlagnahmt" worden ist.

170 Bahnhöfe besetzt.

Ueber die Verkehrslage im Ruhrgebiet ist heute folgendes zu berichten: Bon den 206 Bahnhöfen des Ruhrgebietes sind im ganzen 170 von den Feinden befett. Ruf 60 von diesen ruht der deutsche Betrieb, während die übrigen besetzten Bahnhöfe noch immer in deutschem Betriebe sind. Von den 60 der deut- chen Betriebsleitung entzogenen Bahnhöfen werden 44 in mäßigem Zugverkehr von dem Gegner befahren, zehn liegen still, auf sechs ist der Betrieb infalge Besetzung an<renzender Strecken lahmgelegt. Am Rande des besetzten Gebietes sinst 8 Kontrollstellen im Essener und 4 im Elberfelder Bezirk eingerichtet. 2m alt« refetzten Gebiet versuchen die Franzosen in den Persanen- und Güterverkehr eine gewisse Regel­mäßigkeit zu bringen. Ihre Regie hat eine Lekanntmachuna im südlichen Bezirk anichlagen

lassen, wonach sie den Reise und Eepäckverkehr sowie die Beförderung von EU- und Fracht« f gütern in Wagenladungen übernommen habe.

Die Eifenbahner-Ausweisungen.

Ludwigshafen, 17. April. Die Ausweisunzen : von Eisenbahnpersonal aus der Pfalz gehen weiter. . BiS 16. April wurden insgesamt 283 Eisenbahner . ausgewiesen. Auch neue Gewaltakte über Wohnungs» . Verweffungen und dergl. werden aus den verschiedensten , Städten gemeldet.

Offenburg, 17. April. Der Stationsoorstanst vom Offenburger Raiigicrbabnhof, Kleiber, Eisen« bahninspektor Gall und der Amtsgehilfe Borbo, bie , im Verwaltungsgebiet des Rangierbahnhofs Offenburg wohnen, müssen ihre Dienstwovnungen innerhalb von 48 Stunden räumen, weil in dem Bahnhof Sabotage­akte vorgekommen fein sollen. Wenn wirklich Bc- schädiaunge« entstanden sind, dann bürsten sie nur auf > bie Unkenntnis der Franzosen selbst in der Hand« t habung der Einrichtungen zurückzuführen sein.

Frankfurt a. M., 17. April. Die Franzosen fuhren heute nachmittag einen Sonderzug an der Grenze des besetzten Gebiets bei Griesheim a. M. an, , der 111 Ausgewiesene der Strecken der Reichsba^n- , birettionen Mainz und Frankfurt enthielt. Außerdem sind 49 Eiieiibahiibeamrc und »arbeitet der rechten Rhcinstrcckc ausgewiesen wordeu.

In Bonn im Gefängnis befinden fich in Haft der , Bahnhofsvorsteher Bender von Capellen-Ltolz.nfriS . und die Eisenbahubcdstnstctcn Andreas Groß und Josef Ecker aus Rheus. Der Grund »er Verhaftung

1 ist unbekannt.

Das Ausland über die Rede AojenderZS.

Die Aufnahme in London.

London, 17. April. Die Blätter, deren In« tereffe heute hauptfächlich dem gestern von dem Schatzkanzler eingebrachten Budget zugewandt ist, nehmen, von Morning Po ft abgesehen, nidlL in Leitartikeln zu der gestrigen Rede des liner Berichterstatter der Times, der seinem Blatte einen sehr ausführlichen Bericht über die Rede von Rosenbergs gesandt hat, den die Times unter der Ueberschrift:D a s d e u t s ch e Angebot", veröffentlicht, schreibt, es wäre kaum wahrscheinlich, daß die Forderung nach einem neuen Angebot durch die Rede Rosen­bergs befriedigt sein werde. Wenn die Rede des deutschen Außenministers als Gegenstück zu der Rede Poincarës dienen sollte, so hätte sie niemals gehalten zu werden brauchen. Das Ar- beiterblatt Daily Herald veröffentlicht eine Zusammenfassung der Rede unter der Ueber­schrift:Deutschland macht kein neues Angebot". Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph führt aus, RosenbergsAnge­bot" wäre eine Erneuerung des Bergmann im Januar mitgegebenen von 30 Milliarden Gold­mark. Es sei jedoch von dem deutschen Außen­minister zu verstehen gegeben worden, daß, wenn die Verbündeten den Vorschlag des Staatssekretärs Hughes für die Festsetzung des Entschädigungs-Gesamtbe­trages durch eine ^internationale Körperschaft von Sachverständigen an­nehmen, und diese Körperschaft eine höhere Summe als 30 Milliarden feststen würde, Deutschland sich dieser Entscheidung fügen werde. Insofern stelle das neue deutscheZAnge« bot einen wesentlichen Fortschritt über frühere Angebote hinaus dar (abgesehen von dem An­gebot von 100 Milliarden im Jahre 1919, bas die Alliierten damals ablehnten). Es wäre jedoch kein genügender Forffchritt, um Frank­reich zu besänftigen oder die offizielle Unter­stützung anderer alliierten Regierungen, zu rechtfertigen. Es wäre sehr schade, daß politische Drahtzieherei in Berlin Reichskanzler Euno und seine Regierung daran gehindert habe, eine Summe von 40 Milliarden zu unterbreiten, die nicht vollkommen hätte verworfen werden kön­nen, jedenfalls nicht als eine mögliche Erörte­rungsgrundlage. Dies, die allgemeine Ansicht in London, und auch der Rat, der Berlin von London erteilt worden, anscheinend jedoch nur mit geringem Erfolge. Dem Berichterstatter zu- olge ist Poincare dafür, daß die ) ?i tische Regierung weitere Schritte unternimmt, um stärkeren

) ruck auf Deutschland auszuüben; aber das Wie? wäre sehr schwierig zu sagen. Der französische Botschafter habe gestern m Zusammenhang mit laufenden Geschäften leim Foreign Office vorgesprochen. Der Pariser Berichterstatter der Daily Mail meldet, man wäre dort der Ansicht, daß die gestrige Rede Bosenberg- das Reparationsproblem in keiner Leise vorwärtsgebracht habe. Der Berliner

(Fortsetzung auf Seite 5.)

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