SanauerW Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.
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Nr. 89
Dienstag den 17. April
1923
M MMlWe ÄWe im MstW v. Rosenberg gegen jede Preisgabe deutschen Gebietes. — Deutschlands Grundsätze für Verhandlungen.
Das lange mit Spannung erwartete erste Auftreten des Reichsministers des Aeußeren v. Rosenberg im deutschen Reichstage hatte am Montag dem Hause der deutschen Volksvertretung das Gepräge des großen Tages aufge- drückt, erschienen waren Reichskanzler Dr. Cuno und sämtliche Mitglieder des Kabinetts. Die Tribünen waren sehr gut gefüllt, das Haus ziemlich. Rach kurzer Einleitung nahm der Minister v. Rosenberg das Wort. Er erfreut sich eines sehr gut verständlichen, weittragenden Organs und seine Vortragsweise ist klar und eindringlich. So konnte es nicht fehlen, daß er einen nachhaltigen Eindruck erzielte, obwohl auch er in Anbetracht der Wichtigkeit seiner Ausführungen sich stark an fein' Manuskript hielt. Die Worte des Ministers werden dazu beitragen, die Stimmung ruhigen Ertragens der Ereignisse im Ruhrgebiet zu kräftigen. D i e Regierung steht fest bei der rein defensiven Abwehr der französischen Invasion. Sie will weder politisch noch wirtschaftlich Dinge auf sich nehmen, die Deutschland nicht erfüllen kann, sie will und wird sich daher, was tm Lande allgemein begrüßt werden dürfte, keinemDiktatunterwe'rfen.
Im Laufe der Rede brachte v. Rosenberg bas dem Staatssekretär Bergmann zu Anfang Januar nach Paris mitgegebene deutsche Angebot' offiziell zur Kenntnis des Hauses. Wir haben bereits früher die Ziffern dieses Planes gekannt gegeben: 20 Milliarden Goldmark, die durch Anleihe zu beschaffen sind, als sofortige feste Zahlung. Drei Jahre lang soll Deutschland ein Moratorium gewährt werden. Vom vierten Jahre ab verzinst es die Anleihe mit 5 Prozent. Dazu komme« nach Ablauf von vier und acht Jahren je weitere 5 Milliarden, alls die deutsche Leistungsfähigkeit nach dem Irteil berufener internationaler Sachverständiger so viel hergeben kann.
Wie steht die Regierung heute zu diesem vor vier Monaten gemachten Angebot? Durch die Ruhraktion sind mir wirtschaftlich ganz bedeu- tend schwächer geworden, aber die Regierung so versichert der Minister, bereit, das irgend Mögliche auch jetzt zu leisten. Nur hält sie es ur unmöglich, in diesem Augenblick, da der umfang des durch die französische Invasion an- gerichteten Schadens noch nicht zu übersehen ist, positive Vorschläge zu machen. Sie will, wie 65 der amerikanische Staatssekretär Hughes an- 9kegt hat, eine internationale Bankierkonfe- rep8, auf der Deutschland vertreten sein müßte, mit der Untersuchung her deutschen Wirtschafts- wie sie jetzt noch ist, beauftragen, und vorauf gestützt eine möglichst große Anleihe vom übernationalen Kapital zu ereilen suchen. Für ^uz undiskutierbar jedoch erklärte v. Rosen- vvrg mit aller Schärfe d i e politischen Micherungspläne", die Frankreich über ven Vertrag von Versailles hinaus an Rhein Ruhr hegt. Mit Genugtuung wird man gesamten deutschen Volke die entschiedene un= iMeideutige Ablehnung jeder Form der Los- 'rennung der Rheinlands begrüßen. Unan- Fe|)tpbar bleibt jede weitere Schmälerung der .sutzche Hoheitsrechte über den Friedensvertrag hm' worüber völliges Einverständnis mit m, Reichskanzler Cuno besteht. Den von den Regiern und den Franzosen beschlossenen Plan, ^"'Ruhrgebiet etappenweise je act) dar Zahlung der Raten zu r 8 u m e n, er- arte Herr v. Rosenberg, wie nicht anders zu stand, ebenfalls für unannehmbar. cF Zukunft zu opfern, um gegenmätige R^^csteiten zu beheben, dazu kann sich die regierung nicht verstehen. — Das ge- deutsche Volk wird v. Rosenberg für diese dankbar sein.
Sitzungsbericht.
des bet Tagesordnung steht die zweite Lesung ^.-Haushaltsplanes des Auswärtigen Amtes. - linden damit werden die Interpellationen Az ^.gt (Dnatl.), v. Schoch (D. Vpt.), K o ch- 'e.1 (Dem), betreffend Veröffentlichung des
' öur Aufklärung der Schuldfrage am I betritt ‘cße> ferner die Interpellation Hergt (Dnatl.) Wtzc-. ^Rußenkontrolle durch die Interalliierte Votitrontommiflion.
®ärti ‘ötzfch (Dnatl.) fordert für das Aus- I Unb Sparsamkeit, Umorganisation des Amts zweckmäßige Ausbildung der Anwärter.
% tV#** d«S Aeutzern Dr. v. Rose»»berg
^ttk^mt Stellung zur auswärtigen Lage:
uns auferlegt und die Fülle schier unlöslicher Prob leiste, vor die er uns stellt, drücken Deutschland mit ihrem Gewicht ungeheuer schwer. Wenn sich auch hier und da bescheidene Ansätze zur Entspannung zeigten, so mag das Tempo der Entwicklung doch unerträglich langsam dünken. Wer aber die Dinge von außen betrachtet, der muß die Fülle redlicher und entsagungsvoller Arbeit anerkennen, die von meinen Vorgängern in der Nachkriegszeit geleistet worden ist. Der Minister dankt sodann unter dem Beifall des Hauses den wenigen Freunden, die Deutschland ihre Treue gehalten haben. Mit dankbarer Freude sehen wir überall im Ausland die Teilnahme der dort heimisch gewordenen Deutschen sich regen. (Bravo.' Ihre Anhänglichkeit und tätige Hilfe zeugen von ihrem Glauben an eine Wiederaufrichtung Deutschlands auch unter veränderter Staatsform. Der Glaube an Deutschland gab uns die Kraft, waffenlos dem französischen Einbruch, in das Ruhrgebiet entgegenzutreten. Ein starkes, mit allen Mitteln neuzeitlicher Kriegskunst ausgestattetes Heer kämpft gegen eine völlig entwaffnete, nur mit der Macht einer Idee gerüstete Bevölkerung. (Sehr wahr!) Zahlreich sind die Opfer, aber hart und opferreich ist das Schicksal auch der Lebenden. Der Redner gedenkt insbesondere der vertriebenen Eisenbahner.
Der Ausgang des ungleichen Kampfes wird von weltgrschichtftcher Tragweite sein.
Erweist sich der Waffenlose als unüberwindlich, so ist der. Beweis erbracht, daß militärische Gewalt ihre Grenzen hat und daß der auf Vernunft und Recht gestützte geschlossene Wille eines Volkes stärker ist als Kampf und Maschinengewehre. (Lebhafter Beifall.) Der Aiinister weist auf die Wuiuhuuw,*» âr>è M-UMèS We^â Entwaffnung hin und knüpft daran die Frage, ob es denkbar sei, daß dieser Vertrag dem einen Kontrahenten, der die störtste Kriegsmacht der Welt aufgebaut hat, das Recht geben sollte, mitten im Frieden in das Gebiet des tatsächlich entwaffneten anderen Kontrahenten einzubrechen. Das würde bedeuten, daß zwar der Krieg auf der ganzen Linie verpönt, daß er aber in einem Einzelfalle statthaft ist, nämlich wenn es sich darum handelt, Schulden einzutreiben.
Unser eigenes Ziel ist ein reines Berteidigungsziel und hat nichts Aggressives. Der. Erfolg unserer Abwehr hängt davon ab, daß wir defensiv bleiben. (Sehr gut!) Wir wollen zu einer Freiheit gelangen, die allerdings 'chwer belastet jein wird mit Leistungen. Daß aber kein Dittat den Glauben an die Erfüllbarkeit erjetzen kann, hat die Vergangenheit gelehrt. (Sehr richtig!) Der Redner weist sodann auf den guten Willen Deutschlands und den schlechten Willen Frankreichs hin. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die Vorschläge, die der Reichskanzler dem englischen Aiinifter- präsidenien für die Londoner Konferenz umer- vreilete. Diese Vorschläge sollten die Brücke zur endgültigen Lösung schlagen. Sie wurden abge- tehnt. Da Frankreich auch politische Sicherheiten verlangte, entstand der Vorschlag, daß die am Rhein iniereifierten Staaten sich verpflichten sollten, für einen längeren Zeitraum ohne Volksabstimmung keinen Krieg gegeneinander zu führen. Auch dreier Vorschlag wurde abgelehnt. Auch der Vorjchlag der Entsendung von drei deutschen Wirrschaftlern nach Frankreich wurde abgelehnt. Der Redner ging dann auf den Vorschlag ein, der der Pariser Konferenz der alliierten Ministerpräsidenten Anfang Januar vorgeregt werden jolite. Unser Erjuchen, diesen Plan durch einen Vertreter der Reichs- regietung in Paris mündlich erläutern zu lassen, wurde keiner Antwort gemürö.gt.
So sicht der böse Wille» Deutschlands und der gute Witte» Kra»kreichs a»s.
Kapitalmarkt wegen Bewilligung einer großen Anleihe heran niireten, die von Lentichlaud mit jeder Sicherheit au »gestattet und an Frankreich ober die Alliierten als lowrtigcr Barvor- sckuß zu behändigen sein würde. Die Regierung würde auch dafür sorgen, daß
die deutschen Industrie- und Wirtschaftskreise ihre Kraft
in den Timst bet so der Erfüllbarkeit zugeführten deiitschcn Rcparationspstichten stellen würden.
Der Minister erinnert auch noch daran, daß die fremden Mächte ans die Gefahr eines Ausbruches der Volkslcidcn' chatten i m Westen aufmerksam gemacht worden sind sowie auf die Unmöglichkeit einer einseitigen Wederlegun unserer einzigen Waffe; des passiven Widerstandes, und daß Deutschland auch eine Sicherheit batik haben müsse, daß die über den Vertrag von Veräillcs hinaus be enteil Gebiete wirklich geräumt werden. Zu praktischen Ergebnissen haben unsere Mitteilungen an die fremden Regierungen nicht geführt.
Der Minister weist dann noch hin auf die auf eine amerikanische Anregung hin gesüßte Resolution der internationalen Handelskammern in Rom, die sich m t dem von uns angenommenen amcrikanjfchen Vorucklaze vielfach berührt. ES ist ein Vorteil bei von Amerika gewiesenen Weges, bai er bie Zahlen nicht an den Anfang louberit an das Ende der Taibcstandsprüfung eßen will. Im Eomwer 1919 in Paris, als wir noch im Besitze einer tut wesentlichen gesunden Wirt- chaft und Währung waren, al« Dberfdjltiien, bie deutschen Kolon en, die deutsche Handelsflotte und die deutschen Auklaudsguthabcu uns noch gehörten, boten wir 100 3)1 111 i a rb e n Goldmark als Reparationen an. Der französische Finanzmiiiister aber ertlärte sich damals nicht damit zufrieden, sondern erhob Ampruch auf 1175 Milliarden Goldmark. (Heiterkeit.) Zwei Jahre später, in London, als die Erkenntnis auf der Gegenseite soweit vorgeschritten war, daß man sich unserem Pariser Angebot von 10. Milliarden Goldmark näherte, allerdings immer noch 132 Milliarden Goldmark von unS verlangte, damals war die » c u t s ch e 'W ist f dj a11 schon s o g e« chw ä ch t, daß die beut che Regierung nnt g u.t e in
Gewissen nur noch 50 Milliarden»
Es hantelte sich um ein festes Angebot von Milliarden Goldmark zu 5 Prozent Verzinkung und nach Möglichkeit im Wege einer internationalen Anleihe auszubringen. Diese 20 Munarden Goldmark sollten sich nach vier und acht Jahren um je 5 Milliarden auf zusammen 30 Milliarden erhöhen, wenn das internationale Ameihekoniortium die Leistungsfähigkeit Deutschlands als gegeben erachte. In den Instruktionen, die dem Staatssekretär Dr. B er g in ann nach Paris mitgegeben worden sind, hieß es unter anderem: Die deutsche Regierung wird dem Anleihekonsortium für die Anleihe jede vernünftige Sicherheit einräumen und alle wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands sind entschlossen, die Regierung zu unterstützen. Die Reichsregierung wird diejenigen gesetzlichen und Verwaltungswaßnahmen veranlassen, die zur Heranziehung aller schaffenden Kräfte und Erwerbsstände des Volkes notwendig sind. Es wird auch nichts unterlassen werden, um der deutschen Mart wieder einen festen Wert zu geben. Deutschland muß aber von den jetzt auf ihm lastenden unproduktiven Ausgaben uns von den wirtschaftlichen und politischen Fesseln befreit werden. Die deutsche Regierung ist bereit, vor der Konferenz der alliierten Ministerpräfldenten oder vor einer anderen Instanz ihre eigenen Vorschläge zu begründen und sich auch
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zu anderen Vorschlägen zu äußern sowie alles notwendige Material zur Verfügung zu stellen.
Das für Paris geplante Angebot war das, was im höchsten Falle bei der äußersten Kraftanstrengung von uns hätte geleistet werden können.
Inzwischen hat jedoch der Einbruch in das Ruhrgebiet stattgefunden, der die wichtigsten Kraftzentren der deutschen Wirtschsft lahmgelegt hat. Große Werte find dadurch vernichtet worden, und unsere gesamten wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse sind in Verwirrung gebracht worden. Unsere Verkehrseinrichtungen sind in eine heillose Unordnung geraten. Deutschlands Leistungsfähigkeit zur Zahlung von Reparationen ist dadurch vermindert worden. Trotzdem wird die Lösung, die eines Tages doch kommen muß, von dem damals in Paris so stiefmütterlich behandelten deutschen Angebot ihren Ausgang nehmen müssen. Deutschland ist bereit, zur Erfüllung seiner Reparationsverpflichtungen zu opfern und zu bezahlen, was immer in seinen Kräften steht. Dies ist der Inhalt, zugleich aber auch die Grenze seiner Verpflichtungen, sie werden erfüllt werden. Vielgestritten wird augenblicklich um die Frage, was Deutschland bezahlen kann. Nachdem der wirtschaftliche Krieg gegen Deutschland nach nicht zum Stillstand gekommen ist, ist es eine reine Unmöglichkeit, zahlenmäßig die Leistungsfähigkeit Deutschlands festzuftellen »der sie auch nur abzu- schäden. Wer vermöchte sich denn ein Bild davon zu machen, welches wirtschaftliche Trümmerfeld Deutschland bilden wird, wenn das französische Abenteuer eines TageS seinen Abschluß gefunden haben wird? Wie sollen von der deutsch-n Remerung Zahlen genannt werden, bevor wir wissen, wann und in welcher Form die elementarsten Boraussehungen für eine deutsche Arbeitsmöglichkeit durch die Aäumung der widerrechtlich besetzten Gebiete, durch Abbau der Besetzung der Rbeinlande. durch endgültigen Verzicht auf jede SauktionS- und Psänderv«lftik und durch die Gewährung der wirtschaftlichen Gleichverechtigung erfüllt werden? Wenn aber konkrete Zahlen auch jetzt mit Reckt nicht genannt »erben können, so will und kann sich die Reichsrcoieriins mit Diesem negativen Ergebnis nicht beruhigen, sie bat daher nach anderen Wegen gesucht, um der täglich wachsenden Spannung und wirtschaftlichen Verwirrung, unter welcher Europa heilte leitet, ein Ende zu bereiten und um die Repa- rationSfroge aus dem Sumpft herauszuholen.
Der Minister erinnert dann an den bekannten Vorschlag, die Lömng der Probleme einer von jeglicher no itischen Einwirkung unabhängigen internationalen Kommiision der höchsten finanziellen Autoritäten zu übertragen. Die Reichsregierung hält diesen Weg für gangbar, und sie bat auch die am Ruhrkonflikt beteiligten Mächte davon in Kenntnis gesetzt. Nach Ansicht der deutschen Regierung soll diese internationale Kommission von Finanzleuten, an ser auch Deutschland und Frankreich mit voller Gleichbercchtigun teilnelimcn sollen, möglichst bald zusammeutretcn und folgende Fragen beantworten:
1. Was hat Deutschland bisher geleistet?
2. Was kann und soll Deutschland g.rechtcrweise noch leisten?
3. Auf welche Weise können diese Leistungen bewerkstelligt werden?
Wird dieser oder ein ähnlicher Weg beschritten, so wäre die Reich reqicrung bereit an den internationalen
Goldmark anbieten konnte. Im Januar dieses Jahres in Paris, also wieder zwei Jahre später, war man drüben ebenso weit gekommen, bie von unS vor zwei Jahren in London angebotenen 50 Milliarden Goldmark zur Grundlage der Erörterungen zu macken. Inzwischen waren aber die Zeiten und die Entwicklung über unser Londoner Angebot binweggesckr ften, und was für uns 1921 in London noch möglich war, konnte 1923 in Paris nicht mehr die Grundlage der Erörterungen bilden. (Zuruf: Oberschlesicn). Liegt irgend ein Anzeichen bafür vor, daß Paris auS den Fehlern der Vergangenheit gelenk hat ?
Die Wirtschaftskraft Deutschlands bsivegt sich, so lange die augenblicklichen Verhält- nisie in Europa noch andauern, unentrinnbar ans der absteigenden Llnie.
DaS deutsche Volksvermögen war durch den fast 4Vs1 jährigen Weltkrieg stark geschmälert, aber noch nicht ganz vernichtet worden, bei einer vernünftigen und gereckten Behandlung Deutschlands nach dem Abschluffe des Weltkrieges wären aus dem verminderten beut) eben Volksvermögen noch, immer sehr, erhebliche deutsch« Zahlungen zugunsten bei Wiederaufbaues möglich gewesen. Statt dessen aber begann bie Tortur der Nachkriegszeit und die weiteren 41/, Jahre, die inzwischen verganaen sind, haben an der VcllkSkraft Deutschlands Verwüstungen angerichtet, bie sich in der Zukunft vielleicht noch verhängnisvoller auswirken werden, als die Zerstörungen in Nordftankreich (sehr waor l), denn bie durch den Krieg angcrickteten mechanischen Zer- störungen sind leichter zu beseitigen, als die, ich möchte sagen „chemische Zersetzung", die ein ausgeklügeltes System von Drangsalierungen am lebenden Körper der deutschen Wirtschaft angerichtet hat. (Lebhafte Zilstimmimg.) In einer schwer verständlichen Ver- gilickiing heterogener Dinge, die nur aus dem Wunsch einer gründlichen und raschen Ausnutzung rechtswidrig ungeeigneter Druckmittel zu erklären ist, beginnt Frankreich neuerdings wieder das Problem seiner angeblich bedrohten Sicherheit in die Debatte zu werfen (Sehr wahr!'. Es muß befremden, wenn zu einer Zeit, wo Frankreich mit einem großen militärischen Aufgebot mitten im deutschen Geviet steht, bie Frage mr Diskussion genetzt wird, wie denn Fra«trcich gegen eine etwaige Annriffsabstcht Deutschlands gesichert werden kann. (Sehr gut!) Diese Umkehrung der Logik scheint in der Welt io wenig empfunden za werden, wie der merkwürdige Widerspruch, der in dem hm und wieder auftauchenden Veriuchc liegt, das Ruhr- unternehmen, das doch nur französische Reparatwus- ansprüche verwirklichen sollte, jetzt mit der Furcht Frankreichs vor beutiefjen Angriffen plausibel zu machen. (Sehr wahr!) Anstatt eon der Sicherheit Frankreichs zu sprechen,'lassen Sie uns lieber unter- mdjen, wie sich die Wied-rl- m ähnlicher Attentate auf bie Souveränität des deutschen Reiches verhindern lassen (lebhafte Zustimmung', und welche Garantien zu geben Frankreich bereit ist, um im Interesse der Zufriedenheit Eurovas eine ruhige Entwicklung der deutschen Verhältnisse zu gemährlevien. (Sehr richtig!) Sollten wir cs hier mit jenem Programm b e r Panik zu tun haben, das, in Den Memoiren und Zofumenten der Präsidenten Wujon bei der Darstellung ber interalliierten, Sorbe- jprechungen zum Verträge von Versailles mit unoerknnl chem Sartasmus gcge ßelt wird? Rèarjchall Foch, so heißt es dort, batte cuick nul tärmbeii, und Bourgeois einen wirtschaftlichen ^sichcrheusvlan ein cbiacht, und Clemenceau war der unstreitige Leiter des ganzen Felszuges. Foch wünschte den Rhein als die gemeinsame Sichcracitsgrenze unb Bourgeois legre den französischen El tivurf zu einem Völierbunde vor, der mit dem natürlichen Plane des Manchalls Foch vollkommen . armomerte, unb Der bie Lücken hinter der Front ausfüllte. Der wirtschaftliche Plan fußte Daraus, daß der Krieg aus einer wirtschaft- nchcn Grnnolage deruye, um Doultänoig sicher zu geaen, gelte cs Deshalb nicht nur die militärische Entwaffnung Deutschland» und eine vom Völkerbund ausgcführte Kontrolle der Rveingrenze sicher zu stellen, sondern r eutich'and auch wirrfchaftllch lahm zu legen. (Hört, hört!) Zu bleiern Zwecke schlug ser Bericht eine ab» loiitte Kontrolle der wichtigsten Kruppschen Fabriccn vor, und eine ciugeyende, Kontrolle bei größten Seite! Der rheimsch-wcufitlschen Kohlengruben, sowie der davon abhängigen Melallmdustne, durch eine militärische Besetzung von Essen. (Lebhastes Hört, Hort!) •Lieic Vorschläge waren cs, die Prästocnt^Utiljon als ein Programm der Panik beze chnete. Sie wurden damals zum Scheitern gebracht, aber Dennoch ichwcrtc, so heißt es in den Aiemoircn, der Gedanke einer dauernden wirtschaftlichen Knebelung Deutschlands als Garantie für die französische Sicherheit fort und Die einseitige Eingabe an diesen Lichcrdntsgcdanken trieb Frankreich in ein hoffnungsloses Dilemma, in dessen Klauen eS sich heute noch
befindet. Denn wie sollte Deulichlau», so fragen die niemo.ren, wenn cs wirtschaftlich geichwächt und iaym- gclegr wurde, die ungeheuren Reparationskoueu bt» zahlen? Im Lichte dieser Memoiren entsch eierj sich der Ein mar >cp ins Ruhrgebiet und die Aufweisung der Sichel beitrfrage als die Wiederaufnahme der damals am Wilsonschen Widerstande gescheiterten fcanzö ische« Lahmungspoluft. (Sehr wahr!) Äser schließen wir oie Augen vor Diesen biftorneuen Tatsachen und
prüfen wir die Pläne Frankreichs
so wie sie heute in der Presse zur Erörterung gelangen. Das westtl che Rheinland fou ein Bunoesstaa»
(Fortsetzung auf Seite 5.)
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