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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.

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Nr. 83

Dienstag den 10. April

1923

Das Neueste.

Die Reich»r«gi«mng richtete an die deutsche« Eisknbahxer in den besetzten Gebieten einen Aufruf.

Die rheinische Gozialdemokratie erklärt, daß sie m passiven Widerstand gegen die Gewaltpolitik Frank­reich, fesihält.

Oberbürgermeister Dr. Jarre, von Duisburg.

>«r eine Gefängnisstrafe in Aachen verbüßt, wurde jestern von den Franzosen ausgewiesen und ins un» besetzte Gebiet gebracht.

Im englischen Unterhause beantwortete Bonar üaw verschieden« Anfragen über Loucheurs Reise,

Gin allgemeiner Trauerlag.

Ganz T^uffchland begeht heute mit Es fën Äe Feier, Die der Bestattung der Todesopfer vom OstersÄnstag gewidmet ist. Das ganze deutsche Volk begeht sie. Aber es ist sich dabei bewußt, daß es sie allein begeht und daß es sich auf der ganzen, weiten Welt vergebens nach einem Volke umsieht, das die Trauer mit ihm teilte. Don Frankreich wollen wir ganz schwei­gen. Die französische Öffentlichkeit hat offenbar auf Befehl von oben die furchtbare Bluttat, mit der das französische Gewissen belastet ist, so gut wie unbeachtet gelaßen. Soweit aber die fran­zösische Preffe davon Kenntnis nahm, war sie ausnahmslos der Ansicht, daß den Krupp- Arbeitern recht geschehen sei, wenn das fran- Mische Mafchinengewehrfeuer sie niedermähte. Und mögen auch von hier oder von dort Stim­men zu uns gedrungen sein, die ein absprechen­des Urteil über die französische Brutalität ab- geben nirgends war doch ein Echo der unge­heuren Lmrüstunü Md der^eM Empörung zu finden, die in allen deutschen Herzen über die Schandtat des französischen Militarismus herrscht. Hat doch sogar der internationale So­zialistenkongreß, der kurz nachher in Bregenz tagte, um die Internationale wieder aufzu­bauen, und für den die hingemordeten Essener Arbeiter Klaffengenoffen sind, für die deutsche Trauer und Empörung nur einen mageren Trost gehabt. In der Kundgebung, die er über die Essener Mordtat veröffentlicht hat, glaubt er das deuffche Volk vor der Abwendung von Gewalt gegen den französischen Militarismus warnen zu müssen. Also auch hier ein Nachklang der scheinheiligen Frage: Warum auch haben sich die Krupp-Acheiter durch ihre Demonstra­tion in Gefahr begeben? Das deuffche Volk, das m den Opfern des Ostersamstags mutige Vor­kämpfer gegen den französischen Rechtsbruch beklagt und verehrt, steht mit seiner Rechtsauf- fassung, steht mit seiner Trauer so gut wie allein.

, Wenn wir uns dessen bewußt sind, so ge- wmnen wir auch zugleich den Blick für die sichtige Art, wie wir den heutigen Trauertag begehen müssen. Nichts war bei der Aeußerung der völligen französischen Gleichgültigkeit wider­wärtiger als ein gewisses Achselzucken des Be­dauerns darüber, daß die Offener Bluttat doch vielleicht einen unwillkommen Rückschlag be­deuten könne. Die französffchen Blätter glaubten aus allen möglichen Anzeichen schließen zu kön- ban, daß Deutschlands Widerstand am Erlah- wen sei. Und der Gedanke, daß die Erschießung der Kruppschen Arbeiter den Widerstand wieder beleben könne, verursachte ihnen einiges Unbe- v?gen. Das Blutvergießen an sich ging ihnen nahe, peinlich war ihnen nur, daß das ver- övssene Blut einen Zwischenfall schuf, der in hoffnungsvolle Rechnung nicht so recht paßte. Die französische Rechnung hatte ja in- »wischen recht bestimmte Formen angenom­men und sie ist heute so weit, daß die Franzosen befreienden Lösung nicht mehr fern zu sein siauben. Es gilt den Franzosen als sicher, daß bald auch wieder den englischen Stein auf Prem Spielbrett haben werden und daß aus '.sr wohlwollenden englischen Neutralität eine atige Mithilfe erwachsen wird, wenn es sich arum handelt, Deutschland durch die Schaffung immer offenen Wunde an der Westflanke alle Zeiten unschädlich zu machen. Man ^egt sich immer mehr in die Hoffnung, daß Rechnung glatt aufgehen wird. Und in ganzen Zusammenhang sinkt für Frank­sch und für England der Essener Arbeiter- wvrd zu der Bedeutung eines Zwischenfalls Mab, der zwar zeitweilig unangenehm ist, über lnan aber doch kühl hinwegschreitet.

ß, Wir indessen wissen, daß das Blut der "^pp'Arbeiter nicht umsonst geflossen und ver- Vien ist. Für uns ist der Arbeitermord in Essen

Zwischenfall, sondern der tiefste und edelste Ausdruck des heldenhaften Kampfes, in dem das fwtfc^ Volk seit dem Ruhreinbruch steht, um

den letzten Rest seiner Selbständigkeit zu be­haupten. Wir werden nie dulden, daß Frank­reich und England über diese Opfer hinweg- schreiten, um uns die Früchte unseres Ruhr­kampfes zu rauben. Der Reichskanzler spricht heute im Reichstag im Rahmen einer Trauer- versammlung, die der allgemeinen Teilnahme des deuffchen Volkes die nationale Krönung gibt. Er wird die richtigen Worte finden, um die Essener Blutzeugen als die Vorkämpfer unserer gerechten Sache zu ehren und um der Welt zu­zurufen, daß der trotzige Widerstand, der diesen Opfern in Essen das Leben gekostet hat, das ganze deuffche Volk unerschütterlich weiter be­seelt und zusammenhält. Der heutige Trauertag wird der Erneuerung unseres Gelöbnisses dienen, fest wie ein Mann zusammenzustehen, bis die Anschläge auf Rhein und Ruhr geschei­tert sind. In der Verwirklichung dieses Gelöb- niffes sind die Krupp-Arbeiter in Essen ge­fallen. Handeln wir in ihrem Geiste, so kann uns der Sieg nicht fehlen!

Lieber tot als Sklave!

Zum heutigen Tage der allgemeinen Trauer für die Essener Todesopfer schreibt die Kölnische Zeitung": Heute früh zwi­schen 9 und 10 Uhr, wenn im Deuffchen Reichs­tag der Reichskanzler in Gegenwart des Reichs­präsidenten den Toten von Essen den Gruß und Dank des deutschen Volkes in das Grab mitgibt, wenn alle deutschen Glocken läuten, dann wird auch das besetzte Gebiet aus der Knechtschaft die Freiheit grüßen, die die Toten von Essen im Sarge fanden. Lieber tot als Sklave! so rufen die Bewohner des besetzten Gebietes heute am Begräbnistage der Essener Arbeiter der Welt zu.

Blutbades vom Ostersamstag zu Grab« getragen werden, wird im ganzen Reiche als Trauertag begangen. In Essen wird sich die ganze Stadt an den Trauerkundoebungen beteiligen. Die Arbeit ruht. Alle Läden und Gastwirtschaften bleiben den ganzen Tag über geschlossen.

DerVorwärts" sagt: Das ganze deuffche Volk ist heute mit seinem Herzen in Essen, wo 13 Männer der Arbeit als Opfer einer rechtswidrigen Gewalt zu Grabe getragen werden.

Die Trierer Austreibungen.

Berlin, 9. April. Der Präsident der Reichs­bahndirektion Trier hat an den Reichspräsiden­ten folgende Meldung gerichtet:

Gestern hat die wild gewordene SoldateskavonTrier eine 24 Stunden zuvor ausgesprochene Drohung wahr gemacht, indem sie mit ihren farbigen Afrikanern 106 Familien der Eisenbahnerkolonie in Trier-West auf die Straße setzte, weil die Männer dem Reiche den Treueid nicht brechen wollten. Erst als die Saphis die Möbel aus den Fenstern auf die Straße warfen, griffen hilfreiche Hände mit zu, um nicht alles in Stücke gehen zu lassen. Jetzt sind die Aermsten mit Weib und Kind und ihrem Hausrat obdachlos. Die Flüchtlingsfür­sorge zu Trier versucht die Not zu lindern. Hilfs­aktion nötig. Einer anderen, 98 Familien starken Kolonie der Eisenbahnbaugenossenschaft St. Paulin in Trier und der über 500 Mitglie­der starken Kolonie in Ehrang steht für die nächsten Tage das gleiche Schicksal bevor. Diese irrsinnige Roheit kann nicht laut genug vor aller Welt gebrandmarkt werden. "

Der Reichspräsident hat darauf ge­antwortet:

Diese neueste unmenschliche Grau­samkeit des französischen Militärs gegen Frauen und Kinder, die durch eine brutale af­rikanische Soldateska aus Haus und Heimat verjagt werden, weil ihr« Männer und Väter es ablehnen, ihren Treueid zu brechen, wird so hoffe ich inderganzenzivilisier- ten Welt die gleiche Entrüstung und Empörung hervorrufen wie in Deutschland. Als erste Hilfe für die vertriebenen Familien habe ich an Sie aus den mirzur Verfügung stehenden Mitteln 10 Millionen Mark überwiesen; weitere Hilfsmaßnahmen sind in die Wege geleitet."

«ine weitere «isenb-hnerkolsnie gewaltsam geräumt.

Frankfurt a.M., 9. April. Die Franzosen haben heute die Eisenbahnerkolonie Trier - St.-Paulsen ge­waltsam geräumt. Obdachlos sind etwa 10 Eisenbahner- familien. Die Eisenbahnbramtr« von Conz und Karthaus (etwa 20) haben heute den schriftlichen Befehl erhalten, den Dienst wieder «ufznnehmen. Im Weigerungsfälle wird ihn«n ein kriegsgerichtliches Ver­fahren angedroht.

Die Reichsregierung an die Eisenbahner.

Berlin, 9. April. Ax die deutschen Eisenbahner im besetzten und Einbruchsgebiet ist unter dem 8. April folgender Aufruf ergangen:

Der Abwthrkampf, den Deutschland um Freiheit und Leben im Ruhrgebiet zu führen gezwungen ist, hat die deutschen Eisenbahner an der Ruhr und am Rhein, in der Pfalz, in Hessen und in Baden in die vorderste Kampfer­linie gestellt. Unsere Gegner wissen, heg sie ohne die Mithilfe der Angehörigen der deutschen Reichs­bahn ihr Ziel nicht erreichen. Durch hart« Be­drückung, brutale Verfolgung uud arglistige Ver­lockung suchen sie daher mit aller Macht deutsche Eisen­bahnbeamte und Arbeiter auf ihre Seite zu ziehen, Eid und Pflicht, Recht und Gesetz, Völkerrecht und Vertrag zu Füßen tretend. Dem Haien die deutschen Gisenbahxer ihr stummes, unbezwinglichesNein" ext* gegengestellt. Trotzend allen Drohungen, trotzend den sich b»n Woche zu Woche steigernden Quälereien und unangefochten von den verführerischen Versprechungen bleiben sie standhaft, bleiben sie treu ihrer beschworenen Pflicht, ihrem Laterlande und ihrem Volk«. Ma, landfremde Gewalt sie aus Heimat und Eigentum ver­treiben, mag brutales Faustrecht sie mißhandeln und in die Gefängnisse schleppen, sie wollen und werden keine Dienste in Knechtschaft tun. Mit tiefem Mit­gefühl und stolzer Bewunderung sieht ganz Deutschland dieses stille Heldentum, das uns allen als Vorbild des Mutes und Ausharren« täglich neu stärkt und uni anseuert, in den Hilfeleistungen bis an die Grenzen unserer Kraft zu gehen. Es wird Ehrenpflicht des ganzen Reiches sein, nach besten Kräften alle Schäden wieder zu hecken, bit ncuef.Uu^ zu-,

gefügt hat. Es muß unser aller erste Sorge sein, die Freiheit wieder zu gewinnen. Das deutsche Volk wcißs » die Eisenbahner un W«sten für eine bessere Zu­kunft des Vaterlandes Schweres und Bitteres tragen und weiter zu dulden bereit sind. Der Dank des ganzen deutschen Volkes für ihr Ausharren sei ihnen erneut versichert. Dieser Dank und unsere Bewunde­rung sollen sie begleiten in die Zeiten hinaus, in denen irr wiever frei sind von f rentier Gewalt uni auf unserer Vater Erde in freier Arbeit leben.

Reichspräsident ; Ebert.

Reichs, erteyrsminifier: Groener.

Aeue Bahnhofs- n Zechendefetzungen.

Essen, 9. April. Die B ahnhofsbe­setz u n g am gestrigen Sonntag, die den Ver­kehr im Innern des Ruhrgebietes zum Teil völlig lahmlegte, läßt in Verbindung mit der ebenfalls gestern erfolgten bereits gestern gemel- üeten Besetzung von fünf weiteren Zechen jetzt einigermaßen klar erkennen, weichen Zweck Die Franzosen mit der offenbar durch die Be­setzung des Bahnhofes Kray-Nord vor einigen Tagen eingeleiteten Aktion verfolgen. Die neubesetzten Zechen liegen sämtlich nicht in unmittelbarer Nähe der Vekehrswege, die bisher für den Abtransport der Kohlen- uni) Koksbestände in Betracht kamen, also der mili­tarisierten Viorih und Süd strecke, sowie des Rhein-Herne-Kanals. Die neuen Bahnhofsbe­setzungen müssen daher so gedeutet werden, daß durch sie der Anschluß an die bis jetzt in französischer Hand befindlichen Verkehrswege hergestellt werden soll. Durch die Besetzung der Zeche Bonifatius sowie der Schächte Hubert, Friedrich Joachim und der Zeche Königin Eli­sabeth erhält erst jetzt die bisher schlecht erkenn­bare Besetzung des Bahnhofes Kray-Nord, durch die der direkte Verkehr Essen-Nord-Dortmund empfindlich gestört wurde, einen Sinn. Alles deutel daraufhin, daß die Franzosen beabsich­tigen, die Strecke Kray-Nord Essen- Hauptbahnhof in den militarisier- ten Betrieb einzubeziehen. Es wäre den Franzosen dann möglich, die auf der neuen Strecke aufgelesenen Kohlen über Essen-Werden auf der militarisierten Südstrecke abzutranspor­tieren.

Kupferdreh, 9. April. Am Sonntag vormit­tag besetzten die Franzosen die Zeche Johann Deimelsberg (Adler A.-G. für Bergbau). Die Belegschaft fuhr heute früh nicht ein. Gleichzeitig mit der Zeche Bonifatius ist auch die Zeche Joachim (Mannesmann) besetzt worden.

Waltrop, 9. April. Auf der staatlichen Zeche Waltrop wäre es bei der Besetzung durch die Franzosen auch zu Blutvergießen gekom­men, wenn nicht die Franzosen zum Glück chlecht geschossen hätten. Die Eindring­inge verlangten von der Zechenverwaltung, ldaß sie die stilliegenden Koksgewinnungsan-

lagen wieder in Stand setzen lasse. Das An­sinnen wurde abgelehnt, weshalb der Direk­tor Stinn und einige technische Beamte ver­haftet wurden. Als die durch Sirenen zu Tage gerufene Belegschaft sich auf dem Zechenplatz versammelte, fühlten sich die Besatzungstruppen bedroht und gaben nach dem Essener Bei­spiel einige Schüsse ab, die aber ihr Ziel verfehlten. Nun trat die Belegschaft in den A b- wehr streik und verweigerte auch die Aus­führung der Nofftandsarbeiten. Die Zeche war schon einmal ersoffen, und man fürchtet, daß sich derselbe Fall abermals ereignet, wenn die Fran- zosen auf der Zeche bleiben und die Arbeiter und Angestellten an der Arbeit hindern. Wie man f)5rt, befinden sich 40 Pferde in der Grube, die lebendig umkommen müßten, wenn ihnen nicht bald Hilfe gebracht wird. Der Betriebs- rat der Belegschaft ist energisch bei der Be­satzung vor st eilig geworden und hat rhi Abrücken gefordert. Daraufhin wurde dem Be­triebsrat mit der Verhaftung gedroht.

Münster, 9. April. Ueber Eastrop ff seitens der französischen Besatzungsbehördi wegen Einstellung der Gaszufuhr infolge der Streiks der Belegschaft der gestern besetzter ZecheGraf Schwerin" der verschärft, Belagerungszustand einschließlich bei üblichen Verkehrsbeschränkungen verhäng,' worden.

El'werbslose«gel-er beschlainahml.

Aus Mainz wird gemeldet, daß die Fran­zosen in der städtischen Sparkaffe eine Summe von etwa 14 54 Millionen Mark be­schlagnahmten. Das Geld war zur Auszahlung an die E r w e r b s l o s e n bestimmt. Die Stadt­verwaltung hat bei dem Delegierten der Rhein­landkommission Protest erhoben. In der Main­zer Handelskammer wurde eine Haussuchung vorgenommen wegen des Verdachtes, daß dort eine Zweigstelle der Post eingerichtet sei. Die Familie des Handelskammersyndikus, der ver­haftet wurde, wurde ausgewiesen.

Das enqlifche Unterhaus über Loucheurs Reise.

Seine englische Zustimmung zur ftauzösijchea Aktion im Ruhrgebiet.

London, 10. April. Das Unterhaus trat gestern nachmittag nach den Osterferien wieder zusammen. Bovar Law saß auf der Regie- rungsbank, seine Stimme war jedoch schwächer als vor der letzten Vertagung; er konnte sich im Hause kaum verständlich machen. In Beant­wortung verschiedener Fragen erklärte der Premierminister, er könne feinen wegen der Lage im Ruhrgebiet bereits gemachten Erklä­rungen nichts hinzufügen. Das Mitglied der Arbeiierpartei Wedgwood fragte, ob nicht Poincarë vor kurzem eine Botschaft an die Bel- gier gerichtet habe, in der er erklärt habe, daß die Räumung des Ruhrgebiets nicht eher statt- finden werde, bis die Reparationen voll ge­regelt seien. Bonar Law erwiderte: Ich glaube nicht, ich habe sie nicht gesehen. Das Arbeiterparteimitglied fragte den Minister wei­ter, ob Loucheur während feines letzten Besuchs ihm irgendwelche Vorschläge für die Lösung des Ruhrkonflikts vorgelegt habe und ob die Vor- schlüge entweder die Neutralisterung des Rhein- landes oder die Uebernahme der Bürgschaft für eine Anleihe, die durch Deutschland ausgenom­men werden soll, um sofort Zahlungen an Frankreich zu leisten, auch England umschließe. Wenn ja, ob er Loucheur klargelegt habe, daß England keinen dieser Vorschläge annehmen könne. Bonar Law erwiderte, Loucheurs Besuch sei vollkomm n inoffiziell gewesen. Es habe nur eilte allgemeine Unter­haltung stattgefunden.

Kenworthy fragte, ob es wahr sei, wie man berichtet habe, daß der Premierminister in seinem eigenen Namen und namens der eng­lischen Regierung seine Zustimmung zu der französischen Aktion im Ruhr­gebiet ausgedrückt habe. Bonar Law er­widerte, seine Antwort laute verneinend! Die Frage wurde niemals erwogen. (Hört, hört!) Kenworthy fragte hierauf, ob denn die Berichte der französischen u. englischen Presse, daß Loucheur nach Frankreich zurückge­kehrt sei mit der Zustimmung der britischen Re­gierung zu der französischen Aktion im Ruhr­gebiet, nicht die wahren Mitteilungen der Tat­sachen darstellten. BonarLaw erwiderte: Ich habe keinerlei derartige Mit, teilungen gesehen. (Hört, hört!)

Dollar (10 Uhr norm.) 21000