General-Anzeiger
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Nr. 78
Mittwoch den 4. April
1923
EH
Das Neueste.
— Die Zahl der Todesopfer von Essen hat sich auf 13 erhöht.
— Regierungspräsident Dr. Grützner richte^ wegen des Essener Blutbades einen scharfen Protest an Degoutte.
— Loucheur, der sich augenblicklich in London aufhält, hatte eine Unterredung mit Lloyd George.
— Staatssekretär Hughes beschloß, die Initiative zur Einberufung einer neuen Konferenz zu ergreifen, die zum Abschluß von Verträgen betreffend die Verwendung der drahtlosen Telegraphie sowie der Luftfahrzeuge im Kriege führen soll.
Phantasten oder Verbrecher?
Die blutige Osterzeit im Ruhrgebiet hat nicht nur allseitig berechtigte Empörung verursacht, sondern auch Aeußerungen gezeitigt, vor denen ein Deutscher nur mit Kopfschütteln und Ent, setzen wie vor einem Rätsel steht. Man kann nur auf das Lebhafteste bedauern, daß die in Berlin erscheinende „Rote Fahne" in deutscher Sprache geschrieben ist und somit im Ausland mit einem Anschein von Berechtigung als ein Teil der deutschen Presse bezeichnet werden kann. Dieses erbärmliche Blatt bringt es fertig, zu behaupten, daß die deutschen „patriotischen" Provokateure an dem Blutbad ebenso schuldig seien wie die französische Regierung. Es stehe fest, daß sich unter den alarmierten Arbeitern Studenten und Faszistengesindel befunden habe, die versuchten, die Arbeiterschaft aufzureizen. An der Erregung der Menge seien nur die deutschen Provokateure schuld gewesen. Das genannte Blatt läßt sich von seinem Dortmunder Be- richterstatter — also nicht etwa aus Essen — melden:
„Als die Arbeiterschaft von der Besetzung gehört hatte, nutzten die nationalistischen Elemente dieGelegenheit sofort aus, um Zusammenstöße zwischen Arbeiterschaft und französischem Militär zu p r o v o- zieren. In den Straßen, auf denen die Arbeiter sich aufhielten, tauchten gut gekleidete Deutschnationale auf, die eine wüste Mord. Hetze entfalteten. Der Betriebsrat hatte wohl auf Antrag eines kommunistischen Mitgliedes beschlossen, in dem besetzten Platz einen Kordon zu bilden, um Zusammenstöße zu verhindern. Aber als die Vertrauensleute herunterkamen, stand schon eine dicht gedrängte Menge, vornan wüste Nationalisten, unter ihnen zahlreiche Gutgekleidete, besonders Studenten. Ordnung war nicht mehr aufrechtzuerhalten. Nachdem die Nationalisten sich zuerst durch den Gesang von „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen^ Mut ge. macht hatten, gingen sie dazu über, die Soldaten mit Steinen zu bewerfen. Die französischen Truppen eröffneten ein Feuer, das ein furchtbares Blutbad unter der Arbeiterschaft anrichtete.
Für jeden verständigen Menschen ist der Blödsinn, der in diesen Ausführungen steckt, handgreiflich. Woran hat der Dortmunder „Augenzeuge" der „Roten Fahne" die „Studenten" erkannt? In Mütze und Band laufen doch in Essen keine herum. Und etwaige sonstige Spuren akademischer Tätigkeit, wie Schmisse, hätte doch nur erkennen können, wer in vorderster Reihe neben den „Stundenten" gestanden hätte. Da aber hat der Augenzeuge der „Roten Fahne" sicher nicht gestanden. Und weiter, wenn die „tollen Rationalisten" wirklich „vorne" standen und von dem mitgemordeten Zander „zurückgehalten" werden mußten — tote kommt es dann, daß lauter Arbeiter erschossen worden sind? Dann hätten die „Rationalisten" um und neben Zander doch auch etwas abkriegen müssen von dem Maschinengewehr- Segen der französischen Kulturträger! Zu allem Ueberfluß braucht man nur die von uns gestern veröffentlichte Darstellung entgegen zu halten, die der Betriebsrat der Kruppschen Werke selbst von dem Vorfall gegeben hat und die feinen Zweifel darüber läßt, wie die Erregung der Arbeiterschaft entstanden ist.
Der sozialdemokratische Regierungspräsident Aru tz n e r, der die Wohltaten der „friedlichen Mission des Generals Degoutte am eigenen Leibe erfahren hat, hat das, was jeder Deutsche bei dem Essener Arbeitermord empfinden mußte, in starke und ehrliche Worte gekleidet. In Worte (siehe weiter unten), worin die ganze Empörung des Mannes zittert, der über die Entwicklung der Dinge im Ruhrgebiet nicht aus weiter Ferne urteilt, sondern der mitten in dieser Entwicklung steht und der seine eigene Person für die Aufhellung der Wahrheit zur Verfügung stellt. Die „Rote Fahne" dagegen fühlt sich verpflichtet, für die falschen Berichte der französischen Regierung falsches Zeugnis abzulegen, Poincare Handlangerdienste zu ZÄstenl
Nachklänge zu den Essener Untaten»
Die Zahl der Todesopfer auf 13 erhöht.
Nach einer Meldung aus Esten sollen die vier Direktoren der Krupp-Werke, die am Osterfams- tag verhaftet worden sind, Ende der Woche vor ein Kriegsgericht in Werden gestellt werden. Es wird also von den Franzosen der Versuch gemacht, durch eine Justizkomödie das Urteil über das Blutbad in den Krupp-Werken zu beeinflussen und den klaren Tatbestand zu verwischen. Gestern abend wurden die Direktoren in das Zuchthaus von Werden gebracht. Zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung dienen auch neue Zeitungsverbote. Die „Rheinisch-®ek- fälische Zeitung" und die „Essener Volkszeitung" wurden für acht Tage verboten, weil sie die Ereignisse vom Samstag so darstellten, wie sie sich wirklich abgespielt haben.
Die weiter gemeldet wird, hat sich die Zahl derOpfer der blutigen Ereignisse auf 13 erhöht. Die Erschossenen werden Ende der Woche in einem gemeinsamen Grabe auf dem während des Krieges angelegten Essener Ehrenfrieoyof bestattet werden. Die Kruppschen Werke werden an dem Tage der Beerdigung stillten. — Mehrere Blätter melden aus Essen, daß eine ftanzösische Aerztekommission die Leichen der Opfer des Essener Blutbades besichtigt hat. Die Kommission stellte fest, daß fünf Arbeiter durch Rückenschüsse getötet worden sind; von den verwundeten Arbeitern haben 29 Rückenschüsse erhalten. 14 Arbeiter haben leichtere Verletzungen durch Abspringen von den Dächern erlitten. Von den Franzosen ist jetzt eine Untersuchung der Vorgänge im Kruppwerk eingeleitet worden. Der Offizier, der den Beseh; zum Schießen erteilt hat, ist von General Degoutte nach Düsseldorf befohlen worden.
Proteststreik der Kruppschen Arbeiter.
Essen, 3. April. Die Arbeitnehmerschaft der Firma Krupp trat heute vormittag 10 Uhr in einen 24ftünbigen Proteststreik. Der Be- tribsrat (Arbeiter- und AngesteMenrat) erläßt dazu folgende Kundgebung:
„Noch einmal wendet sich die Kruppsche Arbeiterschaft an das Weltgewissen, um durch einen 24stündigen Proteststreik ihren Abscheu gegen das Blutbad kund zu geben, das der französische Militarismus am Samstag unter der Kruppschen Arbeiterschaft angerichtet hat. In gleicher Weise protestieren wir gegen dieBerhaftungeinigerLeiter d e r W e r k e, die wir nur als eine Folge dieser Vorkommnisse ansehen, um die Schuld an dem Blutbad von dem ftanzösischen Militarismus abzuwälzen."
Ein feiger Massenmord.
Dr. Grützner spricht feinen tiefsten Abscheu aus.
Elberfeld, 3. April. Regierungspräsident Grützner hat dem kommandierenden General der Rheinarmee, Herrn Degoutte, durch die Hand des Generals Denvignes in Düsseldorf folgendes Protest schreiben übersandt, in dem es u. a. heißt:
Am 31. März 1923 haben Ihnen unterstellte Truppen bei dem rechtswidrigen Versuche, in den Kruppschen Werken in Essen Werksauto- mobile zu entwenden, unter-den Arbeitern ein Blutbad angerichtet, das den Tod von 9 und die schwere Verwundung von mindestens 30 tüchtigen Arbeitern und Familienvätern zur Folge hatte. Von den Schwerverwundeten ringen zurzeit 3 mit dem bestimmten Tode.
Ich beschränke mich diesmal nicht darauf, Ihnen in meiner Eigenschaft als verantwortlicher Leiter des Regierungsbezirks Düsseldorf den denkbar schärfsten Protest wegen der Bluttat zu übermitteln, sondern spreche Ihnen diesmal als Worthalter der Ermordeten, Schwer- und Leichtverwundeten und künftigen Krüppel, dann deren Witwen und Waisen, Frauen und Kinder meinen tiefsten Abscheu über das Wüten Ihrer Ihnen unter st eilten Soldateska, besonders deren Offiziere, aus. Ich bin überzeugt, daß mein Urteil die Billigung aller Völker finden wird, denen das menschliche Leben noch ein Heiligtum ist, und glaube, daß der Efsener Blutsonnabend den Ruf Frankreichs als eines Kulturträgers, durch Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte hinaus in das Gegenteil verwandelt hat. Ich betrachte es schließlich nicht als das Walten eines blinden Zufalls, sondern als Fügung einer höheren Gewalt, daß sich der Karsamstag der Ermordung und Verwundung zahlreicher treuer Söhne der Katholischen Kirche gerade in dem
Augenblicke ereignete, wo der beglaubigte Vertreter Seiner Heiligkeit des P a p st e s, des unentwegten treuen Hüters und Förderers der Menschlichkeit, Milde und Gerechtigkeit, in den Mauern Essens weilte.
Sie, Herr General, und die französische Re- gierung haben durch die Agence Havas die Meldung verbreiten lassen, daß Ihre Truppe durch Gewalttaten der Kruppschen Arbeiter zu ihrem mörderischen Vorgehen veranlaßt worden sei. Wenn Kruppsche Arbeiter sich spontan dem Versuche, sie ihrer Produktionsmittel zu berauben, zu erwehren suchen, so entfällt der.leiseste Vorwand für die Truppe und ihre Führung für ein Massenverbrechen der Feigheit, wie sie es begangen haben. Als geradezu kläglich muß ich schließlich das Beginnen bezeichnen, die Direktoren der A.-G. vormals Friedrich Krupp für die Ansammlung der Arbeiter verantwortlich zu machen.
Ich hoffe von Ihnen, Heri^ General, unter ausdrücklicher Betonung, daß der Essener Arbeitermassenmord das gesamte besetzte Gebiet, besonders den Ruhrbezirk, zur Siedehitze erregt hat, daß Sie unverzüglich alle Maßnahmen ergreifen, daß Sie sich nicht mit jenem Massenmord identifizieren. Das schwere Unrecht wird auch die st r e n g st e Sühne nicht ungeschehen machen.
Zum Schluß seien Sie versichert, Herr General, daß ich die scharfe Sprache dieses Schreibens nicht spreche, weil ich zurzeit im unbesetztenDeutschland weile. Ich erkläre mich ausdrücklich bereit, für dasselbe vor jedem französischen Kriegsgericht mit meiner Person einzustehen, sofern mir dieses im vollen Umfange die Erbringung des Wahrheitsbeweises für meine Behauptungen zusichert. Wenn Sie und die französische Regierung die Wahrheit nicht zu fürchten brauchen, dann wählen Si^diesen Weg! Grützner.
Weitere Kundgebungen.
Bochum, 3. April. Der Bezirksverband Essen des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat eine Protesterklärung gegen die Gewalttaten französischer Soldaten in der Kruppfabrik erlassen, in der es heißt, daß die Vorkommnisse am Karsamstag eine unerhörte Gewalttat gegen das Leben und die Sicherheit der friedlichen Arbeitnehmerschaft seien. Zum Schluß wird gesagt: Wir erheben vor der gesamten gesitteten Welt laut Widerspruch gegen den nunmehr fast drei Monate währenden Zustand der Bedrückung und Bedrohung, dem die friedliche und arbeitsame Bevölkerung an der Ruhr durch die Gewaltpolitik Frankreichs ausgesetzt ist. Das in Essen unschuldig vergossene Blut klagt laut gegen die Politik der rohen Gewalt und fordert endlich auch für das deutsche Volk Gerechtigkeit und Frieden. Durch alle Gewaltmaßnahmen wird sich das arbeitende Volk an der Ruhr nicht im Widerstand gegen die bisherige französische Politik beirren lassen.
Berlin, 3. April. Die im Deutschen Gewerkschaftsbund vereinigten christlich-nationalen Gewerkschaften haben an den Betriebsrat der Friedrich Krupp A.-G. in Essen folgendes Telegramm gesandt: Wir sind von Schmerz und Empörung erfüllt ob des mörderischen Anschlages der französischen Eindringlinge auf die Kruppsche Arbeiterschaft. Sprechen Sie den Hinterbliebenen der Getöteten und Verletzten unsere herzlichste Teilnahme aus. Diese himmelschreiende Tat der fremden Gewalthaber bleibt picht ungesühnt. Dor der Welt fordern wir Genugtuung für diesen Ueberfall auf Frieden, Leben und Freiheit unserer Arbeitsbrüder. J. A.: S t e a e r w a l d, 1. Vorsitzender.
An die Direktion der Friedrich Krupp A.-G. in Essen ging folgende Drahtung: Anläßlich des gewalttätigen Einbruchs der Franzosen in Ihr Werk, dem so viele Ihrer wackeren Arbeiter zum Opfer fielen, spreche ich Ihnen namens der im Deutschen Gewerkschaftsbunde vereinigten christlich-nationalen Gemeinschaften Deutschlands herzlichste Teilnahme aus. Rehmen Sie gleichzeitig die Versicherung entgegen, daß die christlich-nationalen Gewerkschaften ihr Bestes tun werden, die Front des beut* schenVolkeszurAbwehr dieser schuldbeladenen fremden Machtgier n o ch n e s ch l o s- senerzu ge st alten, gez. Stegerwald.
„Cin Meisterwerk sranzSsischrr Verlogenheit".
Loydon, 3. April. Der Essener Sonder- berichterstatter des „Manchester Guardian" schreibt zu den blutigen Vorgängen in den
Kruppwerken, die französische Darstellung sei ein Meisterwerk naiver Verlogenheit mit dem der Versuch gemacht werde, vollkommen falschen Eindruck zu erwecken, daß Arbeiter vorsätzlich gegen die Fran- zosen aufgestachelt wurden und daß die Sirenen ein vorher vereinbartes Zeichen zum Angriff gaben.. Der Bericht, daß ein Deuftcher die Franzosen mit dem Revolver bedrohte, sei unwahr, ebenso der Bericht, daß Mitglieder der vormaligen grünen Polizei bei Krupp gewesen wären, die die Arbeiter zu Gewalttätigkeiten aufreizten. Der Berichterstatter fährt fort, es scheine nicht, daß die Franzosen auch nur ein Wort des Bedauerns für das Geschehene ausdrückten.
Stockholm, 3. April. Die Nachricht über das, Essener Blutbad wurde erst am zweiten Osterfeiertag bekannt und rief naturgemäß in allen Schichten der Bevölkerung Entsetzen hervor. Das stark verbreitete „Svenska Dag- blad" schreibt: „Das Essener Dlutopfer am Samstag erinnert daran,. welchem Schicksal unser Weltall entgegengebt unter der Herrschaft der „europäischen Verfassung" (gemeint ist der Versailler Frieden. Der Berich-terstatter). Aber noch viel ernsthafter ist, was in verschleierter Gestalt dahinter droht: die Verschärfung des Versailler Friedens durch die J n t e r n a t i o - n a l i s i e r u n g Rbeinland-Wesftalens. Was man dabei letzten Endes will, ist sicherlich die Abschneidung des rheinischen Ge. b i e t e s von Deutschland zusammen mit einem Verbot für den weaqeschnittenen Teil, Wiederanschluß beim Mutterlande zu suchen." Das Blatt warnt eindringlich die öffentliche Meinung davor, daß Schweden sich irgendwie bei diesem Plane mitverwenden läßt, wie es gewisse linksstehende Kreise wünschen.
Lahmlegung des Schulbetriebes durch die Franzosen.
Dortmund, 3. April. Aus einem Protest; den die sozialistischen 2 ehr er des Ruhrgebietes gegen die immer mehr um sich greifende Inanspruchnahme von Schulen durch die französisch-belgischen Besahungsbehörden erhoben haben geht hervor, daß Mitte März von den Beiatzungstruppen bereits 134 Volksschulen mit 943 Schulräumen, eine Mittelschule und 12 höhere Schulen fast ganz belegt, 11 höhere Schulen teilwe se und 6 wertere vorübergehend beschlagnahmt worden waren. Zehntausende von Schulkindern und Schülern höherer Schulanstalten sind dadurch zwangsweise vom Schulunterricht ausgeschlossen. Seitdem hat sich die Zahl der belegten Schulen noch wesentlicht vermehrt.
Ausgewiesen.
Ludwigshafen, 3. April. Ausgewiesen wurden ohne weitere Förmlichkeiten: Regierungsbaurat Gerth, Regierungsrat Wunderer, Eisenbahnoberinspektor Mork, Eisenbahninspektor R e i ch o l d und Technischer Ober- infpektor Kirst mit Familien innerhalb einer Frist von 4 Tagen.
Darmstadt, 3. April. Es sind elf neue Ausweisungen zu melden, darunter ein Straßenkehrer aus Mainz, Vater von neun unmündigen Kindern, aus Alzey ein Lehrer, eine Stadtverordnete und ein Beigeordneter.
Unerschütterliche Ballung der Eisenbahner.
Frankfurt, 3. April. Nach allen hier aut den Reichsbahndirektionsbezirken Frankfurt, Ludwigshafen, Mainz, Trier und Karlsruhe eingelaufenen Meldungen haben die Eisenbahner den Befehl des französischen Generals Degoutte, die Arbeit unter französischer Regie bis zum 3. April früh 8 Uhr aufzunehmen, einmütig a b g e I e b n t. In Jünkerath sind die Eisenbahnbediensteten aufaefordert worden, noch heute den Dienst aufzunehmen, andernfalls die Dienstwohnungen sofort geräumt werden müssen. In Dahlem müssen die Dienstwohnungen bis heute nachmittag 5 Uhr geräumt sein. Auch in anderen Orten wurden die Eisenbahnbeamten zur Abgabe einer ^riftli&en Erklärung bezw. zur Aufnahme des Dienstes unter französischer Verwaltung aufgefordert, was jedoch v e r w e i - g e r t wurde, worauf der B e f e h l z u r R ä u- mung der Dien st wohnungen erging. Die Belgier haben in Neuß mitgeteilt, daß sie aüf Betreiben der Franzosen von jetzt ab energisch vorgehen müßten, und daß für die nächste Zeit mit zahlreichen Verhaftungen und Ausweisungen zu rechnen sei.
Dollar (10 Mr vorm.) 21200