Hanauer 8 Anzeiger
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M.
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Ar. 69
Donnerstag den 22. Mörz
1929
Das Neueste
— Die
französische Besatzungsbehörde hat g ab 21 März, abends 8 Uhr, jeden esetzten und unbesetzten ; Uhr abends bis 5 Uhr
mit Wirkung ab
Lerkehr zwischen dem bi, ..
Sebiet in der Zeit von 8 Uhr abends bis
morgens verboten.
— Den Bemühungen der Kölner Polizei ist es gelungen, den Anschlag gegen Smeets aufzu- llären.
». Im Haushaltsausschuß des Reichstages «n-e eine Entschließung angenommen, wonach künftig Kinder bis zum 6. Lebensjahr freie Fahrt auf den Eisenbahnen genießen.
Deutschlands letzlesReparations- angebol.
Die Hearst-Presse bringt jetzt Einzelheiten über den Inhalt des deutschen Angebots, das Staatssekretär a. D. Bergmann Anfang Januar gelegentlich der Pariser Konferenz der ftanzösischen Regierung überbringen sollte, von Paris aber zurückgewiesen worden ist. Wir geben im Nachstehenden die Meldung der Hearst- Presse mit dem Bemerken wieder, daß der französische Einbruch in das Ruhrrevier die deutsche Leistungsfähigkeit naturgemäß erheblich vermindert hat. Ein ähnliches weitgehendes Angebot darf aber von Deutschland heute keineswegs mehr erwartet werden. Die Meldung der Hearst-Presse lautet:
„Deutschland bot Frankreich dreißig Milliarden Goldmark als die endgültige Reparationssumme für die Alliierten innerhalb seiner Leistungsfähigkeit "n. In dieser Summe waren nicht einbegriffen
bereits geleisteten Zahlungen in Bar, Wären, Kohlen, Farbstoffen, die beschlagnohm- sen oder liquidierten deutschen Besitztümer in den alliierten Ländern, die Handelsflotte, die deutschen Kabellinien, die Saarbergwerke usw. Diese Leistungen wurden bis zum 30. September 1922 in einer neuerlichen Veröffentlichung von der deutschen Regierung auf 56 Milliarden, 500 Millionen Goldmark geschätzt. Diese Ziffer schließt den Wert der von Deutschland on die Alliierten abgetretenen Kolonien nicht un. Dies sind die Hauptpunkte der geheimnisvollen deutschen Vorschläge, die am 30. Dezbr. endgültig aufgestellt worden warfen und mit oeren Ueberreichung an Poincartz die deutsche Regierung den ehemaligen Staatssekretär Karl Bergmann, Direktor der Deutschen Bank, be« ^iiragt hatte. Bergmann begab sich am 31. ^ember nach Paris. Man hoffte lebhaft, "ches Angebot werde die Ausführung des seit °ngem bestehenden ftanzösischen Planes des lnmarsches ins Ruhrgebiet hintanhalten, eines Mnes, an dem den militärischen Führern ^f^rchs so viel gelegen war und hinter dem g waltige Interessen standen. Diese Hoffnung nJ; ®« die Ereignisse lehrten, zum Fehlschlag . ^Eerlt. Poincare als Vorsitzender der alli-
en Konferenz weigerte sich, den bevollmäch- y en Sondergesandten der deutschen Regierung ^,j^pf°ngen. Hieraus ergab sich die unab- hJtr Schlußfolgerung, daß Frankreich an i^^Zten militärischen Besetzung des deut- dsn ustriezentrums nicht gehindert wer- "nd daß es, keine Vorschläge zu zu besprechen wünschte, die miß er .festgesetzten Reparationssumme ab- einer Summe, die von den leitenden llen ^'Een und wirtschaftlichen Sachverständi- »ebna^ ^E übereinstimmend für unmöglich wird- Nach Angabe der deutschen von h^rc^ Poincare auf ihre Mitteilung Nicki oi« Entsendung Bergmanns nach Paris "wal geantwortet, sondern sie ignoriert. Viird nn -"l.chtveröffentlichung der Vorschläge ba6 mJ1 Nichtamtlicher Seite damit begründet, nicht hPn Aw der Ueberreichung die Vorschläge der e>„? rigen, der Gegenpropaganda und habe aiÄ^Hß ^^ die französische Presse ückunn 5 _^tn wollen, daß ihre Veröffent- ^ergw'n^^öem Poincare sich geweigert hatte, fei unhs E$u empfangen, zwecklos geworden tDeiiia«° mt ""«mehr durch die auch nur zeit- lands As, ^nny des Ruhrgebiets Deutsch- bie 3tuÄn£5!d^ so geschwächt sei, daß üaran^Zwdustnen die Summe nicht mehr öanunr können, die Deutschland Anfang
Aus bereit war.
3er J,,stt^°wtlicher, aber absolut zuverlässi- MprcXn 'arm ich die Hauptpunkte der viel- Beben ' n,^ Vorschläge Bergmanns wieder- die folgenden:
^n Soltis Milliar-
"Wark, Die Summe soll ver-
mittels dreier internationaler Anleihen aufgebracht werden, die durch ein internationales Vankenkonsortium zu begeben seien. Die erste Anleihe würde zwanzig Milliarden betragen, die sofort auf Reparationskonto eingezahlt werden sollten, damit Frankreich bares Geld erhalte. Die zweite nach fünf Jahren sollte fünf Milliarden, die dritte nach weiteren fünf Jahren ebenfalls fünf Milliarden betragen. Die deutsche Industrie und die Banken sollten dem internationalen Bankenkonsortium die nötigen Garantien und Sicherheiten für die drei Anleihen gewähren. Drei Bedingungen waren daran geknüpft: I n - ternationale Handelsfreiheit für Deutschland auf der Grundlage der Gleichheit mit anderen Rationen, schrittweiser Abbau der Rheinlandbesetzung, um
die ungeheuren Kosten zu verr ger Rückzug der Besa pen aus Düsseldorf,
adern, völli- ungstrup- Duisburg,
Ruhrort. Wie der Reichskanzler in feiner Hamburger Rede mitteilte, war Bergmann dahin instruiert, „die Vorschläge in schriftlicher Form mit mündlichen Erläuterungen zu unterbreiten. Der deutsche Botschafter Mayer notifizierte Poincare Bergmanns Anwesenheit in Paris sowie seinen Auftrag. Die Deutschen er-
Grenze durch Personen und Fuhrwerke. Ferner sind sogenannte fliegende Streifen längs des Grenikordons eingerichtet, die rücksichtslos gegen jeden vorgehen, der während der Sperrstunden die Grenze zu überschreiten ver- suchen sollte. Der Versuch ist lebensgefährlich. An die Bevölkerung wird das dringende Ersuchen gericklek. nur in der gebotenen Zeit die Grenze zu überschreiten und dann nur auf den freigegebenen Wegen.
Ein französischer Flieger über Frankfurt.
Mittwoch nachmittag gegen 3 Uhr erschien über dem Weichbild von Frankfurt ein großer französischer Doppeldecker, der allem Anscheine nach von der Stadt photographische Aufnahmen machte.
Der französische Kohlenausfall.
Paris, 21. März. Die gestrige Versicherung des Ministers Le Trocquer, daß die Besatzungsbehörden bereits zu Ende dieser Woche imstande sein würden, täglich 3000 Tonnen Kohlen und Koks nach Frankreich zu transportieren, erfährt heute eine starke Berichtigung nach unten durch eine aus offiziöser Quelle stammende Meldung aus Düsseldorf, daß das tägliche Ladequantüm auf der Zeche Westerholt zum ersten Mal 500 Tonnen erreicht habe,
Dollar
öes Deutschen Reiches
Garantier! von der Reichsbank
Schluß der Zeichnung
5waMteiMiit$1823
klären amtlich, daß Poincare darauf keine Antwort erteilte.
Der amerikanische und der britische Botschafter waren zu jener Zeit nichtamtlich über den Inhalt der neuen Reparationsvorschläge unterrichtet. Sie haben zweifellos ihren Regierungen Mitteilung gemacht. (Bonar Law hat bekanntlich im Gegensatz hierzu erklärt, nicht unterrichtet gewesen zu sein. D. Red.) Es wird behauptet, daß Sir John Bradbury, der britische Vertreter in der Reparationskommis- sion, erklärt habe, die Vorschläge bildeten eine Grundlage für Verhandlungen zur Lösung der Reparationsfrage."
Verbot des Grenzverkehrs bei Nacht.
Frankfurt, 21. März. Wie gemeldet wird, hat die französische Besatzungsbehörde als Sanktion wegen der angeblich von Deutschen verübten Attentate gegen französische Soldaten von heule ab jeden verkehr nach und aus dem besetzten Gebiet für die StundenvonSUhrabendsbisSUhr morgens verboten.
Dieses Verbot ist von der einschneidendsten Bedeutung für den Frankfurter Wirtschafts- bezirk selbst wegen der vielen Wechselbeziehungen zwischen Frankfurt und den Industrieorlen des besetzten Gebiet. Höchst, Griesheim usw. Viele Tausende Angestellte und Arbeiter, die durch ihren Dienst zum Passieren der Grenze während der neuen Sperrstunden gezwungen sind müssen nun entweder in Frankfurt oder im besetzten Gebiet bleiben oder eine andere Dienst- einteilung vornehmen. Die Reichselsenbahnver- waltung ließ schon am Mittwoch abend die nach acht Uhr im Pendelverkehr nach Griesheim, Biederrad, Eronberg usw. rollenden Zün» ausfallen; ebenso fährt morgens kein Zug vor fünf Uhr. Große Anschläge im Hauvtbahn- Hof machen die Bevölkerung auf das Verbot auf. merksam. Die Besatzungsbehörde hat die Grenzübergänge durch Mililärpostcn außerordentlich verstärken lassen, sie haben sehr scharfe An- weiiuLaen für eilvaias Ueber ^breikunacn an der
nachdem es bisher durchschnittlich 400 Tonnen gewesen seien; aus der Zeche Concordia würden täglich etwa 470 Tonnen verladen und von der Zeche Blumenthal „hofft man in einigen Tagen täglich etwa 800 Tonnen abtransportieren zu können". Das wären zusammerr etwa 1700 Tonnen täglich, von denen aber ein beträchtlicher Teil nach Belgien ginge.
Trotz aller offiziösen Ableugnungen bestätigt es sich übrigens, daß die Regierung dem Drängen der Schwerindustrie, die mit der Tätigkeit der Mission Coste sehr unzufrieden war, nachgegeben und das private Unternehmertum mit dem Raub und der Abfuhr der Kohle von den Halden betraut hat. So ist es auf der Zeche Blumenthal eine Gruppe lothringischer Unternehmungen, die die Beschlagnahme und die Verladung für Rechnung der zuständigen Stellen besorgt. Auch die Gestellung der Arbeiter liegt in den Händen der Schwerindustrie. Diese wirbt unter dem eigenen Personal Freiwillige. Bisher sind von den großen Hüttenwerken im Osten Frankreichs insgesamt 475 Arbeiter in das Ruhrgebiet entsandt worden, die bei freier Unterbringung und Verpflegung einen Tagelohn von 30 Francs erhalten.
Weitere wertvolle Aufschlüsse über die französische Kohlenversorgung gibt die heute veröffentlichte amtliche Uebersicht über die Entwicklung des französischen Außenhandels in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres. Die Gesamteinfuhr an Kohl e.n Hot in dec Berichtsperiode 4,379 Millionen gegen 4,806 Millionen Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres betragen; das bedeutet also ein Minus von 427 000 Tonnen. Noch deutlicher wird der Ausfall, wenn man die Einzelzahlen der beiden Monate vergleicht: Während die Einfuhr des Januar die des Vorjahres um 225 OvO Tonnen übersteigt, weist der Februar ein Defizit von *670 000 Tonnen gegenüber 1922 auf. Leider fehlt die Angabe der Ursprungsländer Daaeaen könnte die Gevenüberllolluna der
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Wertziffern den französischen Verbrauchen einige Aufschlüsse über die indirekten Koster des Ruhrabenteuers geben: Währnd die 4,f Millionen Tonnen des Vorjahres mit 391 Mill lionen Francs zu Buch stehen, sind die 4,4 Mil lionen des laufenden Jahres auf 441 Million^ Francs veranschlagt. In Wirklichkeit aber scheid nen die der Berechnung zu Grunde gelegtes Wertzahlen sogar weit hinter der Wirklichkeit zurückzubleiben, da nach den Mitteilungen her Blätter der Kohlenpreis in Frankreich seit dem Einmarsch in das Ruhrgebiet nahezu auf das D o p p e l t e gestiegen ist!
Arbeilslosiqkett «.Teuerung inDelgrev
Amsterdam, 22. März. „Heet Volk" fcbreiiti Noch schwerer al« in Rotterdam scheinen sich die Folger der Nudrbesetzung ix den belgischen Häfen bemerkbai zu macken. Dar gebe aus der erschreckenden Znnahm der Arbeitslosen und der groben Verminderung bei Verkehrs hervor. Die belgische Rcaierung habe fick mit der Beteiligung an der Ruhrbc'etzung schwer ins eigene Fleisch geschnitten, oder zum mindesten in das Fleisch des eigenen Volkes. Statt der Regelung der Barzahlungen und der Sachlieferungen bringe die Regierung dem belgischen Volke durch das Ruhrabenteuer große Arbeitslosigkeit und Teuerung.
Ein Schietzerlatz in Kerne.
Herne, 21. März. In Herne hat der Kou» mandierende General scharfe Verkehrseinschränknngeu befohlen. Alle Lokale müssen von 9 Uhr ab geschlossen sein. Mehr als zwei Personen dürfen nicht zusammen sein. Niemand darf auf der Straße sichen bleiben. Die Posten sind angewiesen, bei Nichtbefolgung dieser Verordnung sofort zu schießen.
Zahlen^ die für sich sprechen.
Deutschlands Wirtschaftsbilanz.
Das Vermögen der deutschen Volkswirt- ft or ege: 376 Milliard. Goldmark Der erlust des deut
schen Volksvermögens in Kriegs- und Nachkriegszeit: 170 Milliard. Tolomark
Also Besta nd des beut, schtnVslksvermögens 1920:
Belastung durch das Londoner Ultimatum:
Also freies deutsches Bolksvermö gen Ende 1920:
206 Milliard. Goldmark
132 Milliard. Goldmarl
74 Milliard. Eoldmart
Deutschlands Leistungen:
GesamtleistungenDeutsch lands and. Feindbund Innere Ausgaben und
Verluste:
Zusammen: oder in Papiermark umgerechnet bei einem Dollarstand von Mk. 20000
46 Milliard. Goldmark
10,5 Milliard.Eoldmarl
56,5 Milliard. Goldmarl
282,5 Billionen Mark die Zahl, die kein Deutscher je vergessen darf
Ergebnis:
Deutschland hat demnach bereits an Leistungen für den Feindbund über 76 °l» seines ihn Ende 1920 verbliebenen Bolksoermogens auf- gebracht. Heute dürften wohl die Leistungen das Volksvermögen bereits überschreiten.
Deutschlands Verbrauch:
Deutschland verwandte 1921 für öffentl. Zwecke des Reichs, der Länder und Gemeinden
4 Milliarden Goldmark
Die Besatzungskosten in den besetzten Gebieten betrugen bis z. 30. April 1922
3,4 Milliard. Goldmarl
Die Besatzungskosten verschlangen also fast ebenso viel als die 3 u Wendungen Deutschland« für seine öffentlichen Zwecke.
Für Erhaltung u. Vermehrung des Kapitals der Volkswirtschaft verwandte Deutschland im Jahre 1921
4 Milliarden Goldmark
Die Kosten für Kohlen-
und Wiederaufbau- leistungen an den Feind, bund betrugen
2,8 Milliard. Goldmarl
also rund Dreiviertel dessen, was Deutschland im Jahre 1921 für die Erhaltung und Ver. mehrung seines Kapitals der Volkswirtschaft verbraucht hat.
Für Zwecke des Ver-s Die Gesamtleistungen brauche der Bevölkerung an die Entente betragen verwandte Deutschland
im Jahre 1921
19 Milliarden Eolömark 56,5 Milliard.Goldmarl
Das ist das Dreifache dessen, was Deutschland sür den Verbrauch seiner Bevölkerung 1921 verausgabt hat.
Dollar (10 Uhr vorm.) 20800