Seueral'Anzeiger / Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Sana« a. M
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Ak. 68
Mittwoch den 21. März
1923
Das Neueste.
— Reichskanzler Dr. Cuno sprach gestern
Nir Maß der Wiederkehr des oberschlesischen Wimmungstages über die deutsche Treue in
Ost und West.
— In Essen wurden weitere Bürger als Setfein verhaftet. Reichstagsabgeordneter Dr. Quaa^ wurde wieder entlassen.
— Die Verlegung des Generalstabs der Rheinarmee von Mainz nach Düsseldorf ist gestern durchgeführt worden. Die Dienststellen der Generalstabs werden im Stahlhofe in Düsseldorf untergebracht.
Die EntmUttarrsierungsplSne.
Frankreichs unterirdische Politik gegen Deutschlaird kennt keine Atempause; unablässig sind die Maulwürfe am Werke, und man kann bald da, bald dort die Spuren ihrer Tätigkeit Mellen. In den letzten Tagen kann man auf- sällig oft dem Wort von der sogenannten Entmilitarisierung der Rheinlands begegnen. Was darunter in Frankreich verstanden wird, ist ziemlich eindeutig: die Loslösung ran Deutschen Reiche unter irgendeiner Form, sei es als Pufferstvât, sei es als „Rheinische Republik", jedenfalls aber als selbständiges Gebilde, wobei man die Selbständigkeit ungefähr so wie die von Polen oder Marokko verstehen muß. Als Vorwand für diese Lostrennungsabsichten wird die ewig bestehende Gefährdung der Sicherheit Frankreichs seitens Deutschlands hingestellt, die so schnell wächst, daß in Frankreich schon allgemeines Zittern und Zagen herrscht, chenn man der grundsätzlich wahrheitliebenden
Presse glauben darf. Allein nicht
Leute in Frankreich scheinen mit der Regierung übereinzustimmen, vielmehr hat der bekannte Industrielle Loucheur letztlich th einer Aede zu Grenoble sich nur für die Loslösung der Rheinlande von Preußen, nicht aber von Deutschland ausgesprochen. Man sieht also, es gibt auch noch verschämte Räuber in Frankreich.
Bezeichnend ist nun die sehr große Aufmerk- iMkeit, mit der das Schlagwort von der Entmilitarisierung von der englischen Politik und Mse ausgenommen worden ist. Gewisser- den Ton angeschlagen hat Lord Robert den man auf einem jüngsten Besuche in Aris sehr stark bearbeitet zu haben scheint, gleich nach seiner Rückkehr begeisterte er W für die Internationalisierung der Aemlande, u. zw. unter den Fittichen des ^olkerbundes. Wer sich der Tätigkeit des Völkerbundes im Dienste Frankreichs zur Zerstücke-
Deutschlands — Ostpreußen, Danzig, Ober- Eupen-Malmedy usw. — erinnert, der f Esen Vorschlag eines englischen Franzo- ,'Fundes zu würdigen wissen. Andere Fran- Dlensreunde auf Albions Insel haben andere v rrnen der „Entmilitarisierung", also der Los- der Rheinlands, vorzuschlagen. Daß nüm ^” der Pariser „Times"-Korrespondent auf französischer Seite steht, ist klar; er davon, eine passende Formel müsse »Lx n werden, um die Schwächung der öerfn"' Kelche die Rheinlands mit dem Reiche ; d- "Men, zu erlangen. Wie abgestumpft durch 31™.^ °'en ungeheuerlichen Rechtsbrüche der dev ^^?.esellschaft Entente die Empfindungen aon, ?^èn Welt sind, sieht man daraus, daß kaltblütig die passendsten Formen für den @ Länderraub erörtert werden, wie »kat^ , ichemmengäste die beste Methode, einen U $u wachen", zu ermiteln sich bestreben.
Itberni« ewige Grade anständiger gibt sich die riebst ^Mische Presse. Der diplomatische Bevor des „Daily Chronicle" hebt her- treffc s Loucheurs letzter Vorschlag be- SeuHAu 1 Loslösung der Rheinlands von nur h?™« ?/s unabhängige Republik nicht Killer N . w und dem Buchstaben des Ver- kan "vages, sondern jedem aner- entn0^n internationalen Recht nur L V en 6 esetzt sei. Er bedeute nicht fonbnm Zertrümmerung der deutschen Einbeit, Stellung dieser Zerstückelung b u Alands unter die A e g i d e des V ö lk e r- dje n^?' Dessen moralisches Prestige durch tuiniw “”Q5me einer solchen Verantwortung Bezun E w^vde. — „Daily News" schreiben mit A h e j J^ Erklärungen Louchers, daß die löst tn’J5 rovinz von Preußen l o s g e - fein mii^en wüßte, daß es jedoch ein Fehler Mitikh ^" versuchen, die Rhein-Provinz Aeich . “nb wirtschaftlich vom Deutschen alles h;M„^nnen: Dieser Vorschlag scheine über uauszugehen, was eine irgendwie ver-
antwortliche Person in England je vorgeschlagen habe und was irgendeine englische Regierung unterstützen könne. Der Grundton der britischen Politik bezüglich der Entmilitarisierung des Rheinlandes sei, daß ein fester Entschluß bestehen muß, daß die Rhein-Provinz weder politisch noch wirtschaftlich noch in irgend einer anderen Weise von Deutschland losgetrennt werden dürfe. Das, was in England vorgeschlagen worden sei, gehe nicht über die praktisckè und wirksame Anwendung der Rheinlandartikel des Friedensvertrages hinaus. Dieser Plan könne, soweit er endgültige Gestalt angenommen habe, wie folgt zusammengefaßt werden:
1. Ein allgemeiner Vertrag bei gegenseitiger Garantie unter der Aegide des Völkerbundes mit besonderen Abmachungen zum Schutze sowohl Frankreichs als auch Deutschlands,
2. Anwendung der Artikel 42 und 44, die eine dauernde Entmilitarisierung des linken Rheinufers vorsehen,
3. Entwicklung (besonders Ueberwachung der strategischen Bahnen) der Aufgaben, die dem Völkerbund aufgrund des Artikels 213 zu- gemiefen worden sind und in denen vorgesehen wird, daß der Völk^rbundsrat mit der Anstellung einer Untersuchung beauftragt wird, die die Mehrheit der Mitglieder zur Beobachtung der militärischen Bestimmungen des Vertrages für notwendig hält.
Man wird in Deutschland überwältigt sein
über so viel warmes Gefühl für Deutschland in englischer Brust. Ja, ja, sprach doch auch Lloyd George von „ehrlichem Sviel" Deutschland gegenüber in der oberschlesischen Frage!
Auf jeden Fall — welche Pläne man in Frankreich auch hegt — der Versuch der Loslösung der Rheinlande von Deutschland wird
emMUoffenlten .B^MH«^^ M* im Rheinlande selbst, wo man die culture der
Reitpeitschenhelden gründlich kennen gelernt hat.
Aus Knechtschaft zur Freiheit.
Eine Rede des Reichskanzlers.
Berlin, 20. März. Heute nachmittag 4 Uhr fand aus Anlaß der Wiederkehr des oberschlesischen Abstimmungsta- ges in Gegenwart des preußischen Ministerpräsidenten ein Empfang des Vorstandes des oberschlesischen Hilfsbundes sowie eine Abordnung aus Ober- schlesien statt. Der Sprecher der Abordnung Reichstagsabgeordneter Ulitzka wies darauf hin, daß aus rechtlichen, politischen und kulturellen Gründen nach dem deutschen Abstimmungssiege Oberschlesien vereint beim Deutschen Reiche hätte bleiben müssen. Der deutsche Anspruch auf Oberschlesien würde nie erlöschen. Bei allen Sorgen für den Westen dürfe der Osten nicht vergessen werden, weil der Ausgang des Abwehrkampfes an Ruhr und Rhein auch für den Osten entscheidend sei. Die Ansprache Ulitzkas klang in ein Treuegelöbnis Oberschlesiens zum Deutschen Reiche aus,
Reichskanzler Dr. Cuno erwiderte darauf mit folgender Ansprache: Die Augen Deutschlands sind in diesen Tagen nach Westen gerichtet, zum R h e i n , z u r R u h r, wo ein friedliches, arbeitsames Volk im schwersten Abwehrkampfe gegen einen kriegerischen, wirtschaftsfeindlichen Militarismus steht und tägliche neue Beweise von Tapferkeit und Disziplin erbringt, die die Weltgeschichte anders werten wird, als das schlummernde Gewissen dieser Zeit.'
Dort entscheidet sich der Kampf um Deutschland und d as deutsche Volk, seinen Bestand, seine Einheit und Wohlfahrt. Dort vor allem, aber nicht nur dort; denn — und darin liegt die tiefe Gerechtigkeit — zur erfolgreichen Beendigung des Abwehrkampfes an Rhein und Ruhr bedarf es nicht allein des entschlossenen Willens der Front im Westen, d. h. der zunä betroffenen Bevölkerung, sondern auch des e i n= mutigen Willens und Widerstan - des der Heimat und aller übrigen Teile des Reiches, in allen deutschen Ländern und Provinzen. Der Erfolg wird uns nur dann be- schieden sein wenn der entschlossene Wille diesen Kampf bis zum guten Ende zu führen, in allen Teilen des Reichs unverändert lebendig bleibt. Je länger die Ruhrbesetzung dauert, je schärfer sie sich in Deutschland geltend machen wird, um so stärker und fester muß dieser Wille bleiben. Es besteht eine enge Wechselwirkung zwischen der Haltung der Bevölkerung im besetzten und unbesetzten Deutschland, zwischen der äußeren
und inneren Front. Die Reichsregierung ist sich dieser Beziehungen und Wechselwirkungen ständig bewußt und betrachtet es als Aufgabe ernstester Art, neben dem großen Kampf an der Ruhr auch die besonderen Nöte und Leiden der übrigen Bevölkerungsteile nicht zu vergessen, sondern auch sie voll innerer Anteilnahme zu würdigen und, wie immer es geht, helfend einzugreifen.
Der Reichskanzler fuhr dann fort: Vielfach traten in der Bevölkerung Befürchtungen zutage, der Ruhrkonflikt könne nach Osten übergreifen.
Diese Befürchtungen haben sich bisher nicht als berechtigt erwiesen; im Osten sind Schwierigkeiten nicht eingetreten. Wir hoffen, daß auch künftig die Ruhe im Osten erhalten bleibt. Gleichwohl haben aber gerade die letzten Wochen aus dem Osten unseres Vaterlandes schwere Wunden geschlagen. Ueber das Memelgebiet ist die Entscheidung ergangen, ohne daß die Bevölkerung in einer Volksabstimmung ihren Wunsch, wieder dem alten Vaterlande anzugehören, ausdrücken durfte. Wenn ich heute den deutschen Brüdern im Memellande einen besonders warmen Gruß zurufe, so tue ich es im Bewußtsein, daß die kulturellen und geistigen Bande zwischen uns und unseren Volksgenossen nördlich der Memel unzerreißbar und unvergänglich sind. Mit dem Memellande ist ein Stück von Ostpreußen losgerissen, das selbst ein gefährdeter Außenposten des Reiches ist. Seine Lage und der Zugang der ostpreußischen Bevölkerung zu ihr trotz aller deutschen Bemühungen nicht so gestaltet worden ist, wie Ostpreußen es nach dem Vertrage von Versailles zu erwarten berechtigt war. Unsere MM i - a VWM rung Ostpreußens müssen der Schwierigkeiten Herr werden.
Auch der Südosten hat in diesen Tagen Schweres erlitten,
indem die Kreise Ratibor, die beiden Dörfer Haatsch und Sandau, die um ihr Deutschtum gekämpft und gelitten haben, ungehört der Tschechoslowakei zugesprochen wurden. Die Entscheidung isteinungeheuerlicherFehl- spruch. Wir protestierten, und dieser Protest bleibt bestehen. Zugleich grüße ich die Bewohner von Owschütz, das uns nunmehr endgültig zugesprochen ist, und von Rakowitz, das der Tschechoslowakei augeteilt war und uns wieder zurückgegeben worden ist.
Der Reichskanzler schloß: Es ist eine stolze Freude zu wissen, wie in all diesem drückenden Schicksal und der eigenen Notlage zum Trotz sich auch die oberschlesische Bevölkerung nach besten Kräften an dem „D e u t s ch e n Volksopfer", das uns in dem Abwehrkampfe im Westen stärken soll, beteiligt, so wie es auch Ostpreußen und andere Teile des Ostens es tun. Ueberall an der ganzen Ostgrenze, von der Memel bis zur Donau bewährt sich die gleiche Treue zum Vaterlande freu, die Ostpreußen und Oberschlesien in ihren Abstimmungen bewiesen. Das gemeinsame Los der Abwehr fremder Ueb ergriffe, das gemeinsame Schicksal des Ringens um deutsches Land und die Erhaltung deutscher Kultur- und Wirt- schaftswerte
verbindet unzertrennlich Ost und West.
In keinem Teile des Reiches ist die Anteilnahme an dem Geschick der Bevölkerung im Westen und dem glücklichen Ausgange des Kampfes an der Ruhr größer als gerade im Osten. Wenn alle unsere Volksgenossen so zusammenhalten und so zum Vaterlande stehen, wie Ost und West, dann wird unser Volk auch aus der gegenwärtigen Not, Bedrängnis und Elend einen Weg finden in bessere Zeiten, zu kraftvoller Entwickelung aller in ihm schlummernden großen Kräfte, ausKnechtschaftzurFrei- H e i t.
Neue Geiseln verhaftet.
M ü n st e r, 20. März. Die unter der Beschuldigung der Beteiligung an der Sprengung der Brücke bei Bollmersiein in der Rächt vom 17. zum 18. März feskgenommencn 6 Personen sind wieder auf freien Fuß aesehl worden, nachdem an ihre Stelle ein Tiefbauunternehmer aus Hazen, den die Franzosen zu einer Besichtigung der gesprengten Anlage auf- gcfordcrt hatten, verhaftet worden war. Für dessen Freilassung verlangen die Franzosen von der Stadt Hagen die Summe von10MillionenMark.
Essen, 20. März. Ueber die schon gestern feststehende Tatsache, daß der von den Frandsen erschossene Deutsche Schulte nicht der Mörder des französischen Postens sein kann, bringt heute das kommunistische „Ruhrecho" einen neuen Beweis in dem Bericht eines Augenzeugen, der von den Franzosen angehalten und untersucht wurde und beobachtet haben will, wie auf Schulte, der auf mehrmaligen Anruf einer Patrouille nicht stehen blieb, geschossen worden sei. Aus dieser und aus anderen Feststellungen ergibt sich mit Wahrscheinlichkeit, daß es sich in diesem Falle um
M M Alt ArgenMiM brechen Widerstand an Rhein und Ruhr nicht.
Er bleibt erfolgreich, wenn auch D U Deine Pflicht tust!
Also zeichne zum Deutschen Volksopfer!
Spenden nimmt unsere Geschäftsstelle an.
eine der vielen tragisch endenden Begegnungen mit französischen Wachen handelt. Das unschuldig vergossene deutsche Blut, die Geiselnahme und Kontributionsörohungen und die aus Prestigegründen wiederum zur Schau getragene Ansicht der Militärbehörden, daß nur ein Deutscher die Tat verübt haben könnte, bieten eine Parallele zu den blutigen Ereignissen von Buer. Der Abg. Ouaatz ist, aus der Haft, entlassen wor- den. Dafür sind noch einige weitere Bankdirek- toren verhaftet worden. Aus französischer Quelle verlautet, daß die Festnahme von Bankleiteru erfolgte, um den Eingang der Geldbuße sicherzustellen, die der Stadt Essen für den Fall angedroht wurde, daß der Mörder der ftanzösischen Soldaten nicht ermittelt wird.
Ausgewiesen.
Darmstadt, 20. März. Ausgewiesen wurden Vizepräsident des hessischen Landtags S o h e r r, Verleger der „Rhein- und Nahezeitung" Polenz, Vorsitzender der Deutschen Volkspartei Weinhändler Dorn, Rechtsanwalt Soldan, Frau Schapiro und Rektor Adam Schrot, sämtlich aus Mainz. Verhaftet wurde aus unbekannten Gründen Bürgermeister Wackerheim.
Straßenraub.
Münster, 20. März. Gesten: abend überfielen in Dortmund drei französische Soldaten auf der Straße mehrere Passanten und raubten ihnen unter Bedrohung mit der Schußwaffe sämtliche Geldbestände und Papiere.
Französische Gewalüai in Offenburg.
Karlsruhe, 20. März. Ein neuer Gewaltakt der Franzosen wird aus Offenburg gemeldet: Fünf Mitglieder derGewerkschaftdeut- scher Eisenbahner (christliche Gewerkschaft), darunter der Obmann der Gewerkschaft B i e s e r, hatten sich gestern abend in dem Nebenummer einer Offenburger Wirtschaft zu einer Besprechung über gewerkschaftliche Angelegenheiten zusammengefunden. Noch ehe die Besprechung beginnen konnte erschienen französische Gendarmen in dem Wirtschaftszimmer und erklärten die Anwesenden für verhaftet. Hierauf begaben sich Gendarmen in die Wohnung des Obmanns der Gewerkschaft und nahmen dort die Privatgelder Diesers, die Gewerkschaftsbeiträge, sowie die Korrespondenz der Gewerkschaft an sich. Der Obmann Bies^ sowie ein anderes Mitglied der Gewerkschaft wurden in Haft behalten; die- übrigen sind wieder freigelassen worden.
Vor Derhanblungen fozialiflischer Parlamentarier.
Paris, 20. März. HavaS meldet: Die interalliierte sozialistische Konferenz in Paris hat beschlossen, eine auS je einem Vertreter der beteiligten Länder England, Frankreich, Italien und Belgien zusammengesetzte Delegation nach Berlin zu entsenden, die mitden deutschen Sozialisten über bit ReparationSsrage und die Besetzung bef Ruhrgebiets verhandeln soll. .
Dollar (10 Ahr vorm.) 20700