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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan a. M

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Nr. 66

Montag den 19. März

1823

SS

MMM Giert über Den »Worauf

Der Reichspräsident, Reichsarbeits­minister Dr. Brauns, Reichswirtschaftsmini­ster Dr. Becker, preußischer Minister des Jnnem Severing und preußischer Handels- minifter Siering sind zu Besprechungen mit den Führern der Behörden, der wirtschaftlichen Organisationen der Gewerkschaften und der Ar- beitgebewerbände des Ruhrgebietes in Hainm eingetroffen. In einer im Laufe des gestrigen Nachmittags abgehaltenen, von etwa fünfzehn­hundert Delegierten und Vertretern des wirt- schaflichen und öffentlichen Lebens des Ruhr­gebiets besuchten Versammlung sprach der Reichspräsident; er legte dar, daß Deutschland nicht durch eigene Schuld in diesen Kampf geraten sei; es habe von den un­erträglichen Lieferungen des Friedensdiktats erfüllt, was es zu leisten vermocht, und die größten Opfer gebracht, um die rechtlose Be­setzung weiterer deutscher Gebiete zu verhin­dern; es habe im Dezember in Paris posi­tive, von der gesamten deutschen Volkswirtschaft getragene Vor­schläge gemacht, die aber nicht entgegengenom­men worden seien.

So können wir", fuhr der Reichsprä- ft d e n t fort,mit ruhigem Gewissen vor aller Welt feststellen, daßDeutschlangesnicht ist, das diese Auseinandersetzung verschuldet oder gar gesucht hat. Die Unruhestifter, die Schuldigen an diesem Konflikt, der immer weitere Wellen schlägt und heute schon ganz Europa in Mitleidenschaft zieht, sitzen da, wo man schon seit Jahrhunderten nach fc OUe i ngrenze strebt, wo man deutsche Stämme und Gebiete wie Neger­kolonien mit Gewalt an das eigene Land an- schmieden will, wo man die Ruhrbesetzung schon lange beschlossen hatte, ehe man sich die Ziffern der Kohlen- und Holzlieferungen zurechtgemacht hatte. Dieser Einbruch eines fremden Heeres in ein friedliches und arbeitssames Gebiet, heuchlerisch der Welt als Entsendung einer Jn- genieurkommission mit geringer militärischer Bedeckung angekündigt, ist

der leichtfertigste Bruch von Recht und Moral,

den die neuere Geschichte kennt,

durch nichts veranlaßt und begründet, wirt- aftlich ein vollkommener Wahnsinn, wefer Einbruch ist die krasse und fast unver- yullte Aeußerung des französischen politi- Ichen und wirtschaftlichen Impe­rial l 5 m u 5. So wurde dieser rechtlose Umbruch auch von Ihnen, Männern und Peilen an der Ruhr, gleich erkannt, Sie wuß- b hier ein Anschlag auf Ihre und unsere n s b e d i n g u n g e n gemacht wurde, QB unter dem fadenscheinigen Vorwand von Aeparationszielen deutsches Land und deutsche rveit fremder kapitalistischer Beutesucht dienst- gemacht werden sollten; Sie, Arbeiter wie Mwehmer, wußten, daß das deutsche Wirt- Mstsleben und die deutsche Einheit in höchster . sahr standen. Ohne daß es auch nur einer Z.sderun g der Regierung be- "hatte, schlossen Sie sich in einigem und Woffenern Widerstand zusammen. Das ist i?,^ ^as Große an dieser Abwehr, daß sie m^ befohlen oder angeordnet wurde. Kein

Organisation und Methode dieser Ab- Uf M vor Aus dem Boden der Heimat, aus ».^Men Willen ihrer Bewohner, aus eigener stank r un& wirtschaftlicher Erkenntnis ent- sm;\r spontan und allerorts die Front des g.,o^standes gegen militärische Vergewalti- haben durch diese Haltung, durch impulsiven Willen der Einzelnen, der D.sl"^vfloß zu dem Willen eines Volkes, der gezeigt,

$ h^ Nacht der Idee größer und siärcker ist als die Idee der Macht.

hell nüchterner Ueberlegung, Entschlossen- qestüst äähem Willen zur Selbstbehauptung, leisi^f ^nser unerschütterliches gutes Recht, M r^ ^ie einer bis an die Zähne bewaffneten tran arjBP^t Widerstand. Zähneknirschend er» alb nv r hrutale Gewaltakte, ohne sich durch Quabrl- rof,en geradezu sadistischen lass." ^'^n zu Unbesonnenheiten Hinreißen zu Nen haben Sie mit der Macht des eifer» her mens den Erfolg erkämvU. N i ch t s bat feblaps^i"" ereicht, alle seine Methoden sind wundp^ ^as dankt Ihnen heute mit be- ^olf i r Anerkennung das ganze deutsche hinter f5 g"N Volk, das einig und geschlossen Hennen Brüdern " " --------- sicher Beweaun»

inen Brüdern im Ruhrgebiet steht! In jeder Not zu steuern und jeder Zer- T Bewegung gedenken wir aller derer,mürbung der Bevölkerung, wie sie der Gegner

die in diesem Abwehrkampf im Vordertreffen stehen, der Beamten des Reiches, des Staates und der Kommunen und der Männer der Schutzpolizei, gegen die sich mit besonderem Haß die brutale Roheit einer ent­täuschten Soldateska richtet, der Effenbahner aller Dienstzweige, die eher Frei­heit, Haus und Hof dahingeben, als sich frem­dem Joche beugen, der Schiffer und Transport­arbeiter, die verächtlich, auf alle Lockungen und Bedrohungen blicken, der in zähem und ent­schlossenen Willen zusammenstehenden Berg­leute, der Führer des Bergbaues und aller Ar­beitgeber und Arbeitnehmer, die die Not und Last dieses passiven Widerstandes tragen. Was von der Ruhr gilt, gilt vom Rhein, von Hessen, der Pfalz und Baden. Allen danke ich im Namen des Reiches aufs herz-

lichste.

Nie wird und darf Deutschland ver­

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Schahanweisungen des Deutschen Reiches

Schlutz der Zeichnung : Soiiiiabenb den 24. Wn 1923

gessen, welch große Dienste die Kämpfer an Ruhr und Rhein dem Vaterland in schwerster Zeit geleistet haben! In Trauer und Empö­rung gedenken wir aber auch der erschreckend zahlreichen totenVolksgenossen, die eine brutale, Recht und Gesetz mit Füßen

tretende fremde Militärmacht ermordet hak,

die einem unmenschlichen Militärterror zum Opfer gefallen sind. Ihrer Hinterbliebenen zu gedenken,- ihnen unsere Fürsorge zuzuwenden soll eine Ehrenpflicht des ganzen Volkes sein.

Mit freudiger Befriedigung können wir fest­stellen, daß die Pflicht, den Bedrängten im Einbruchsgebiet helfen zu müssen, und der Wille, ihnen nach Kräften beizustehen, in allen Schichten des deutschen Volkes lebendig ist; auch diese Opferfreude ist eine impulsive, wie der Wille zur Abwehr von selbst entstanden in allen Kreisen des Volkes. Groß ist die Fülle der Spenden und Gaben, die aus dem ganzen Reiche, von vielen Deutschen jenseits unserer Grenzen und zahlreichen Deutschfreunden im Auslande täglich zusammenfließen. Allen die­sen Gebern sei herzlicher Dank gezollt für die Bekundung ihrer Zusammengehörigkeit zu den Brüdern in Not und ihre Hilfsbereitsschaft, die wir auch weiter brauchen. Wir hoffen zuver­sichtlich, daß diese Opferbereitschaft nicht er­lahmt sondern erstarkt. Jeder neue Druck, jede neue Gewalttat der Gegner, muß mit neuer Hilfe für die Bedrückten erwidert werden. Be­sonders erfreulich ist, daß hier im Hammer Revier, wie in den anderen deutschen Kohlen­bezirken, die Bergleute im Bewußtsein, auch in äußerster Arbeitsleistung dem deutschen Wirtschaftsleben zu helfen, mit den Ueber» schichtenleistungen in die Bresche sprin­gen; ihnen danke ich dafür besonders herzlich.

Schwer liegt die Hand des fremden Erobe­rers auf dem Gebiet, das bisher nur den Puls­

rers auf dem wut«, ^»^ -,-- v.^'vr schlag friedlicher Arbeit kannte: groß ist die Not an vielen Orten und in vielen Familien, insbesondere da, wo die Willkür der fremden Gewalthaber die arbeitsamen Bewohner des Landes zur Arb-itslosigkeit gezwungen, wo sie Beamte und Arbeiter aus den Wohnungen ver­jagt, wo sie Berkehr und Versorgung verhindert haben. Sie dürfen überzeugt sein, d a ß R e i ch und Preußen allestun werden, um

systematisch betreibt, entgegenzuwirken. Kein Opfer darf uns zu groß sein, wenn es gilt, der Not zu wehren, insbe­sondere die Ernährung sicherzu - st e l l e n. Wo sich aber statt Gemeinsinn und Opferbereitschaft Gewinnsucht Einzel­ner zeigt, wo Preistreiberei und Wucher sich breit machen, muß gegen solches Schmarotzer­tum mit aller Energie und Schärfe vorgegangen werden. Wer in dieser Zeit unserer schwersten Not seine persönlichen Interessen nicht denen der Gesamtheit unterordnet, handelt ver­brecherisch!

Bis jetzt ist der fremde Anschlag auf diesen durch Recht und Arbeit geheiligten Boden un­serer Väter abgewehrt, am eisernen Willen der Männer der Roten Erde zerschellt. Aber noch reifen die Gegner keine Bereitschaft zu freier und gerechter Verständigung, zu der

die deutsche Regierung immer bereit ist.

Noch herrscht bei ihnen der Geist militäri - scherundwirtschaftlicherDiktatur. Niemand von uns kann darüber im Zweifel

sein, was es bedeuten würde, wenn wir uns den Machtgelüsten Frankreichs unterwürfen; dann wäre es geschehen um Bestand, Selbstbe­stimmung und Zukunft der deutschen Republik um ihre Weiterentwicklung, die dem französi­schen Kapitalismus ein Dorn im Auge ist! Wir wissen, welche Folgen es für unsere Volkswirt­schaft hätte, wenn dieses Land der Kohle dauernd unserer Arbeit verloren wäre, daß es dann zu Ende wäre mit der Selbständigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirt­schaft, mit der unser Dasein aufs engste ver­knüpft ist: die Lebensmöglichkeit vieler Hundert- tausend deutscher Arbeiter wäre vernichtet.

Diese Erkenntnis gibt uns den festen Willen und die Kraft, auszuhalten in der Abwehr.

Auf uns allein gestellt, müssen wir diesen schweren Kampf weiterführen: wir sind wehrlos, wir können ihn nur führen mit der Waffe des passiven Widerstands, gestützt auf unser gutes Recht, auf unseren festen, unbeugsamen Willen. Bei Euch, Ihr Männer von der Ruhr, liegt die Last der Abwehr, aber auch ihre Kraft! Auf Euch vertraut Deutschland. Haltet aus, seid wie bisher tapfer, fest, ruhig und besannen. Dann ist unserer gerechten Cache der Erfolg sicher. Und dazu: Glückauf!"

Nach dem mit stürmischem Beifall aufge­nommenen Ausführungen der Reichspräsidenten sprachen Reichsarbeitsminister Brauns und die Führer der Wirtschaftsorganisationen und Gewerkschaften des Ruhrgebiets. Aus allen Ausführungen klang der feste Wille, ein Ab­wehrkampf mit allen Kräften durchzuhalten und die sichere Ueberzeugung, daß an diesem Willen aller Volksschichten der Ruhrgebiets die feind­lichen Pläne scheitern werden. Beim Verlassen des Versammlungshause, wurde der Reichs­präsident von einer vieltausendköpfigen Menge, unter der sich die zur Revierkonferenz heute hier ver'ammelten Bergleute befanden, begrüßt. Der Reichspräsident richtete an die Menge Worte des Dankes und der Mahnung. Er erklärte, daß die Besprechungen eine volle Ueberein­stimmung der Meinungen er,eben haben, und daß die Regierungen des Reiches und Preußens alles tun würden, «as in ihren Kräften steht, um die Nöte der Ruhrbevölkerung zu lindern, und vor allem die Ernährung sicherzustellen. Preistreiberei und Wucher sollten energisch bekämpft werden. Der uns auf-erwungene

Abwehrkampf sei gleichzeitig ein Kampf um die Freiheit der Nation und ein Kampf um die Existenz der deutschen Arbeiterschaft. Noch zeig« der Gegner keine Bereitschaft zum Frieden uni zur Verständigung, zu der die deutsche Regierung immer bereit war und immer bereit ist. Du Rede schloß mit einem dreifachen Hoch auf bas deutsche Volk, die deutsche Republik und dar deutsche Vaterland.

Die Wiirlür Kontrolle beginnt wieder.

Bcrli«, 18. März. Zwischen dem Auswärtigen Amt und der interalliierten Militärkontrollkommission hat während der letzten Wochen über die Beteiligung französischer und belgischer Offiziere an Kontroll- Handlungen ein Schriftwechsel stattgefunden. Es ist n i d) t gelungen, die Kommission dazu zu be­wegen, daß sie die Offiziere während der gegenwärtigen kritischen Periode auS der Kontrolle ganz zurückhält. Sie hat im Gegenteil erklärt, daß che die in dieser Hinsicht bis zum 15. d. Mts. teilweise geübte Zurück­haltung jetzt aufgeben und jene Offiziere in vollem Umfange Mieter an der Außenkontrolle beteiligen will, Für den Beginn dieser Woche sind bereits ein« ganze Reihe von Kontrollhandlunge» angesagt, a» denen sich französische und belgische Offiziere teil­weise sogar in Uniform beteiligen werden.

Die Reichsregierung ist nicht in der Lage, die Kommission an der Ausführung dieses bedauerlichen Entschlusses, über dessen psychologische Wirkungen sie nicht im unklaren gelassen worden ist, zu verhindern. Es bleibt ihr daher nur übrig, die Oeffentlichkeit noch­mals mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß auch die französischen und belgischen Kontrolloffiziere für uns nicht als Organe ihrer Regierungen, sondern lediglich als Organe einer interalliierten Körperschaft ^^^MMMMHlNilK.

gebietsaktion nicht beteiligen. Jede Ausschreitung gegen einen dieser fremden Offiziere ist geeignet, der Reichsregierung unabsehbare außenpolitische Schwierig­keiten einzutragen.

Sagen wir mit einem Worte, was das ist: Da­nennt man, auf der Seele eines mißhandelten Volkes mit groben Nagelschuhen herumtrampeln. DaS nennt man ein frivoles Spiel mit dem F uer, bei dem gar zu deutlich die wahre Absicht durchschimmert. PomcarS Will Zwischenfälle, er hat sie nötig als Gegenwirkung gegen das brutale Verhalten der französischen Sol- daleska im Ruhrgebiet, vor dem sich die ganze Welt mit Abscheu abwendet. Die Gelegenheit schien günstig. Und Herr Nollet gehorchte. Dieser .Befehl" Rollet, mag er von Pomcarö auSgehen, mag Rollet felbit der Urheber und Poincarâ der Zustimmende gewesen sein ist ein Ausfluß jener mittelalterlichen Blut diplematie, die Rienschenkeelen gleich Kieselsteinen ab. wägt und in brutaler Verworienbeit nur darnach fragt Ivas die Sache einbringt. Als Zugstück seiner Lügen- Propaganda ist Pomearö das Leben einiger Franzosco

Reitpeitsche und Bajonett bleiben vergeblich, wenn Du Dich Deiner Pflicht bewußt bist und weiter zum

Deutschen Volksopfer

gibst.

Spenden nimmt unsere Geschäftsstelle a»

nicht zu teuer bezahlt. Wir haben fdjon _ gelegentlich her Zwischenfälle von Passau und Ingolstadt daraus hingewiesen, daß Poincars nichts willkommener ift als wenn ein französischer Offizier auf einen Kontroll- naiig sein Leben verliert. Wir haben die Hoffnung, »atz das deutsche Volk, mißhandelt und getreten und ins Gesicht geschlagen von jenen Frömdlmgcn, dennoch die riesenhafte Selbstbeherrschung aufbringt, Herrn Poincarö nicht nach Gefallen zu handeln.

Berlin, 18. März. Blättermeldungen zufolge hat die dcntschnationalc ReichstagSiraktion eine dringliche Interpellation cinqcrcicht, in der sie unter Bezugnahme auf die angekündigte Wiederaufnahme der Kontroll- Handlungen 6er interalliierten Militärkontr»llkommmion von der Reichsregierung Auskunft verlangt, welche Maßnahme sie zu ergreifen gedenke, um die Durch­führung dieses Ansinnens unter allen Umständen zu zu versilbern.

Eine neue Bluttat.

Bochum, 18. März. In der vergangene« Nacht gegen 2l'i Uhr, ist in der Herkulerstraße in Essen der Buchdrucker Kurt Schulte von französischen Soldaten durch einen Kopfschuß schwer verletzt worden. Schulte ist heute nach­mittag seiner Verletzung erlegen.

Dollar (10 Uhr vorm.) 20700