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Nr. 60
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Montag den 12. März
1923
Das Neueste.
— Nach einer Meldung aus Ingolstadt ist es dort M ßomltag zwischen Nationalsozialisten xnb Sszial- ftniokraten zu einem Zusammenstoß gekommen. Zwei Arbeiter sollen durch Schüsse leicht verletzt worden sein.
— In Buer wurden zwei französische Offiziere et« schossen. Die Franzose« gehen infolgedessen mit scharfen Repressalien^gegen die Bevölkerung vor.
— Zn Hamborn drangen gestern die Franzosen in die August-Thyffen-Hütte ein und ließen das Werk durch eine Ingenieur-Kommission revidieren.
Dr. Stresemann über Oie Lage.
(Eigenbericht des „Hanauer Anz."
Im Saale des Saalbaues in Frankfurt sprach gestern abend der Führer der Deutschen Volkspartei, Herr Dv. Stresemann vor einer vieltausendköpfigen Zuhörerschaft über die gegenwärtige politische Lage. Der Redner wurde bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt, seine gehaltvollen Ausführungen, die einen Appell nach innen und außen darstellten^ wurden des öfteren von minutenlangem Beifall unterbrochen, der sich am Schluß der Rede zu einem nimmer endenwollenden gestaltete. Dr. Stresemann führte u. a. aus:
All unser Interesse konzentriert sich gegenwärtig auf den Kampf, der in dem widerrechtlich besetzten Gebiet ausgefochten wird. Was dieser Kampf politisch bedeutet, so nenne ich ihn den Endkampf um d»n Frieden, den wirklichen Frieden, den wir ja noch nicht haben. Denn Versailles und die vier Nachkriegsjahr sind in der Tat weiter nichts als die Fort-
war Friede in Europa. Ein amerikanischer Gelehrter, der in einem Werke die Frage untersuchte, ob man ein Recht habe, von einem deutschen Imperialismus zu sprechen, beantwortete die Frage mit einem entschiedenen Nein. In den 50 Jahren ihrer Macht und Größe hätten, so schreibt der amerikanische Gelehrte, die Deutschen Gelegenheit genug gehabt, sich auszudehnen. Sie hätten, wenn sie von Imperialismus getrieben gewesen wären, die Rheinmündung, die deutschen Teile der Schweiz, die baltischen Provinzen Rußlands genommen und dort die deutsche Herrschaft aufgerichtet. Wann aber, so frage der Amerikaner, habe Deutschland je ein schwächeres Volk vergewaltigt? Habe es etwa Rußlands Ohnmacht während des Krieges mit Japan zu eigennützigen Zwecken benutzt? Der Gelehrte folgere daraus, daß die, die Deutschland so hinzustellen suchen, als sei es der Friedensstörer der Welt gewesen, sich irren. Im Gegenteil, Europa habe ein halbes Jahrhundert der Mäßigung und des Friedens lediglich dem friedfertigen Deutschland zu verdanken. Soweit der Amerikaner über Deutschland. Frankreich dagegen hat immer, wenn irgend die Mittel es ihm gestatteten, die Ruhe der Welt mit ungeheurer Brutalität zu stören verstanden.
Redner erörterte dann
die verschiedenen deutschen Vorschläge, die auf eine Einigung mit Frankreich hinstrebten, von diesem aber stets abgelehnt worden seien.. Bezüglich des Vorschlags, der von Bergmann auf der letzten Pariser Konferenz unterbreitet werden sollte, führte Stresemann u. a.
Wigkeit vor. Aber man muß sich die tatsächliche Lage unseres Landes vergegenwärtigen. Unter nichtgefestigten Verhältnissen der Willkür eines unerbittlichen Gegners preisgegeben, unter ständiger Gefährdung unserer Grenzen haben wir heute keine andere Möglichkeit, als den Kampf um eine Revision des Versailler Friedensvertrages in der Weise, daß die Entente unter dauernder Respektierung unserer Landesgrenzen Rücksicht zu nehmen hat, auf die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes. Aber auch Frankreich will revidieren. Doch diese Revision sieht ganz anders aus als die von uns geforderte. Offen wird heute in Frankreich erklärt: Was uns der Waffenstillstand und der Versailler Vertrag nicht gegeben haben, das soll jetzt die Besetzung des Ruhrgebietes ver- Man spricht weiter ganz offen davon, W Frankreich es nicht länger dulden wolle, I M im Saargebiet nach 15 Jahren eine Ab- ' nmmung stattfinden soll. Aus diesen wahn- gunigen Forderungen schon können wir er» was wir zu erwarten haben, bei einer eventl. Kapitulation Deutschlands. Kommt es ; az"- dann wird man uns auch noch das neh- . Das uns geblieben ist, nämlich das Reich : dw Einheit, um all den Alpdruck von Frank- I öu nehmen, der auf ihm lagert in dem r^W^- daß es noch einmal eine Wiederauf- ■ Deutschlands geben könnte.
Was hat der Friede von Versailles, wie sie I ^ nennen, überhaupt der Welt gebracht? Gibt I V der ganzen Welt ein einziges Volk, das
' H Wuctlid) befindet unter den Verhältnissen,
-1 8 -^Friede ÖDn Versailles für die Weltpolitik ' - Weltwirtschaft gebracht hat?
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ipflilftl der n^ ^' ^ a hat keinen Handelsabsatz wegen
A end^?^^^^" Kaufarmut, die Versailles allen ’tfUM nie eine Uttern eingetragen hat. Es sah noch 511 . B von ? derartige Wirtschaftskrisis, wie sie heute 15 E durchgemacht wird. England hat ‘ Wtosinfo^ .m^ einem Problem der Arbeits-
B i le 65 die englische Geschichte nie ge« ' IÄern'n? ' Frankreich zeigt eine finanzielle
' traip ?. °^ gleichen und in den neu- „ lief I sie prÄ ändern herrscht eine Verarmung, daß 18 j.cffi I Niere» ^„blühende Gewerbe heute subventio- z°d I tzrick-?""^- Alles das hat die Welt einem
techtHÄ verdanken, der „im Namen der Ge- ^ölker« " t “nb »3ur Wiederaufrichtung der die N°^Wlossen worden ist. Niemals waren iNals in t -^e so eingestellt auf das Chaos, nie» bothen ,0,DteI Zerrüttung in die Welt gebracht Aari- b noch dem Friedensschluß, der in Ler Nöle geheckt wurde und der eine Epoche
Der ^»^nung bringen sollte.
^Örchp« ' räumte dann gründlich mit dem s^ried^^ü' ba& Deutschland in Europa der âent-il ^" gewesen sei und stellte fest: Im
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werden, die insgesamt den Reparationen zugute kommen sollte. Bliebe die Anleihe hinter der endgültigen Reparationssumms zurück, so wollte Deutschland für die Differenz die Zinsen an die Reparationskommission zahlen. Die während des Deutschland zu gewährenden Moratoriums gestundeten Beträge erklärte sich Deutschland später nachzuzahlen bereit. Ueber eine etwaige fernere Rate sollte ein internationales Sachverständigenkollegium auf Grund der sich ergebenden deutschen Situation entschei den. Dieser Vorschlag war schriftlich fixiert, mit den Industriellen durchberatenn, die für Zahlung der Goldzinsen die Garantie zu übernehmen sich bereit erklärten. Diese wäre dann zur gegebenen Zeit i n g e - setzliche Form gebracht worden. Dieses schriftlich fixierte deutsche
b als DeuMland noch mächtig mrJii^
Reparationsprogramm b o t Frankreich mehr als der englische Vor- schlag. Der deutsche Vorschlag war Poincarâ zur-Zeit der Pariser Konferenz bekannt, obgleich dieser ihn nicht offiziell entgegengenommen hat. Frankreich hat damit gezeigt, daß es ihm auf Reparationen überhaupt nicht ankommt, sondern daß es ihm nur um seine imperialistischen Ziele in Europa zu tun ist.
Im Weltkriege wurden Flugblätter abgeworfen, in denen den deutschen Soldaten klargemacht werden sollte, daß sie für eine ungerechte Sache kämpfen. Das haben viele geglaubt. Sie schenkten den falschen Vorlpiege- lungen Gehör, daß die Feinde nicht gegen das deutsche Volk kämpfen, sondern für die Demokratie, die uns von unerträglichem Druck befreien solle. Sie glaubten der Versicherung, daß die Feinde, nachdem wir unsere Staatsform geändert, uns die Hand reichen würden, ohne daß es, nach Wilson, Sieger und Besiegte geben würde. Die Feinde sprachen von Gewährung des SelbstbestimmungSrecht-s, von einer gerechten Entscheidung über die Kolonien. Die ganze Wel^ so be- vsuvteten sie, sei tn Unruhe und Garung, weil der Alpdruck des deutschen Militarismus auf ihr laße. I tzt werde ein« neue Kultur die Herrschaft antreten.
Millionen box Ohren drangen diese Worte und wurden von den dummen Deutschen geglaubt, worauf der Friede von Versailles folgte. Und heute ? Heute ertönt dieselbe Melodie. Wie damals der Krieg
a neu bal deutsche Volk gerichtet sein sollte, nur ^?en dke Hobenzollern, für die Demokratie und die ^huMif so heißt es jetzt, nachdem Deutschland eine Republik' geworden, wir führen nicht Krieg gegen ba$ £ y(T' sondern nur gegen die Jndustrle- tSSL âir buffen, so sagen sie jetzt, daß daS Volk d e EiltMdigungen nicht zahlen kann, wir sind Freunde der Arbe ter, die Magnaten sollen Zahlung leisten. Zu dir, dciüsches Volk, kommen wir als a',,X0 Wf Vater Lam-rmam könnte man aus- E Wär der «-dank- nicht so verflucht gescheit, f ibn herzlich dumm zu nennen".
vb-"r der «edanr^'ist verflucht gescheit. Der Kampf, e k dem deutschen Volke emzurcden, gilt
.m il chn Wil-n dkl lk.ilchki ««ikruug, »i« sich y» ‘SÄ " iS
ükrsiäildlSllllll mit Frankttich tu komme». Wir seilen
Spekulation nuf die Dummheit deS deutschen Volkes sich zu zerfleischen.
Deshalb ist «s von Bedeutung, darauf hinzuweisen, daß die Regierung Cuno Vorsckiläge gemacht hat, die vorher mit der beutfcben Wirtschaft durchbereten werden, sind. — Die Sozialdemokratie hat wiederholt betont, sie verlange eine
Besteuerung der Sachwerte.
Ich würde eine derartige Besteuerung, einen derartigen Eingriff ehe die deutschen Entschädigungsleistungen nicht endgültig festgesetzt sind, für das Verderblichste kalten, was wir tun könnten. Was würde geschehen, wenn auf Industrie und Landwirtschaft eine Reichs- Hypothek liegen würde? Frankreich würde sie beschlag, nahmen um dann von neuem Gewaltmaßnahmen gegen Deutschland vorzunebmen.WknneS sich darum bandelt ans dem Zustand,der kein Friede ist, zu einem wirklichen Frieden zu kommen, bei dem wir wissen, daß die Franzosen abziehen und unsere Grenzen nicht wieder überschreiten, bei dem wir weiter wissen, kdaß wir nur zu leisten brauchen, was wir leisten können, ist es notwendig, daß wir zurückgrcifen auf eine solche Belastung des Sachbesitzes in Deuisckiland. Die deutsche Wirtschaft wird dieses Opfer bringen, aber nur für die Freiheit Deutschlands, aber nicht für Frankreich, bamit es dann aufs neue gegen uns vorgeht.
Die Situation in Frankreich kennzeichnete der Redner dahin, daß die berftänbigungShuffige Richtung schwach fei, die wirtschaftsimperialistische bte absolute Herrschaft über die deutsebe Wirtschaft ünstrebc, die militärische sogar die völlige Vernichtung der deutschen Wirtschaftskraft und die ewige Okkupation der besetzten Gebiete wolle, in der Hoffnung, Deutsch- land zu zermalmen. Redner ging bann auf den
einmütigen Widerstand ein, dem der Bankerott der französischen Ruhrpläne zu danken ist. Die heutige EinbeitSfront sei keine Augenblickrlaune, auch kein Rauschprodukt sondern langsam, aber desto undurchdringlicher gewachsen im harten Kampfe. Mit aller Entschiedenheit lehnte Aedncr jeden JllusionitmuS ab._ Auf eine her« ile Intervention sei gegenwärtig noch von keiner Seite zu boffen. Rein wirtschastlich gesehen, könne es auf keiner Seite einen Erfolg geben, denn die französische Aktion bedeute nur Zerstörung und völligen wirtschaftlichen Wahnsinn. Es frage sich nur, auf welcher Seite die Zerstörung der wirtschaftlichen Werte größer sein werde, die sinnlose Zerstörung wirtschaftlicher Produktionskräfte, in einer Zeit, in der die Welt He unbedingt brauche, um aus dem Elend herauszukommen.
Nach einem Appell an die Garanten des Versailler Vertrages, sich auf ihre Verantwortlichkeit zu besinnen, ging der Redner zur inneren Politik über, wobei er besonders betonte, daß all die kleinen Fragen, u. a. auch Rechts- oder Linksblock, der einen großen deutschen Lebensfrage untergeordnet werden müßten. Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes stehe hinter dem Kabinett Cuno.
Steuer Vorsivtz geg. die Kohlenzechen.
Gelsenkirchen, 10. März. Nachdem heute morgen Dortmund von zwei Bataillonen der Infanterieregiments 31 besetzt worden ist, haben die Franzosen jetzt auch ben ersten direkten Vorstoß gegen die Industrie unternommen. In der Frühe rüÄcn zehn Autos mit Soldaten in Gelsenkirchen auf das Gelände der Zeche C » n s o l i d a t i o n III vor, umstellten den Schacht, zogen dann aber, nach Eintreffen von 20 weiteren Kraftwagen mit Verstärkung, darunter 5 Tanks, weiter bis vor dar Verwaltungsgebäude der Gelsenkirchener Bergwerk-Vereins Akt.-G«s., Abteilung Gießerei in Hüllen. Vor dem Eingang wurden zwei Tanks aufgefahren. Die ganze Umgegend wurde besetzt und abgesperrt. Unter Bedeckung begab sich eine Jngenieurkommission mit 4 Offizieren zur Verwaltung und verlangte die Vorlage der geschäftlichen Unterlagen und eine Besichtigung der Werkes. Als ihnen die» verweigert wurde, zogen sie unter Drohungen ab, kehrten dann aber, während inzwischen das ganze gewaltige Werk regelrecht umzingelt worden war, mit einem größeren militärischen Aufgebot wieder und nahmen die leitenden technischen und kaufmännischen Beamten Langehohl, Triguart, Arold und Mankaniky fest. Unter der Bedeckung der Bajonette wachte die Jngenieurkommission einen Rundgang durch das Werk und s»chte namentlich die Erz- und Kohlenbestande festzustellen. Die» war offenbar der Hauptzweck des Unternehmens. Der Arbeiters chaft hatte sich eine starke 6r« re jung bemächtigt. Sie versammelten sich auf dem Werkplatz. Der Betriebsrat begab sich zu dem Major und setzte unter Hinweis auf die aufgereizte Stimmung der Arbeiterschaft zunächst durch, daß augenblicklich die Seitengewehre abgenommen wurden. Als Der Betriebsrat bett Franzosen das Ultimatum der sofortigen Werksräumung überbringen wollte, zog« sie Franzosen ab. Die verhaftete» warben WKb« reigtlaffen. Bemerk«n»wert ist, daß dir 3n|«iexr« kommission einen genauen Plan bet Werker bei sich hatte. — Die Franzosen beabsichtigten, so heißt es, , amtliche Zechen zu belege».
affen, 10. März. 3n ähnlicher Weise wie in
Gelsenkirchen sind die Franzosen auch in Hamborn vorgegangen. Dort wurden heute vormittag sämtliche Eingänge zur August-Thysien-Hütte von einem belgisch-französischen Truppenaufgebot mit Panzerwagen besetzt. Eine belgisch-französische Ingenieur- kommission erschien mit mehreren Offizieren im Jnspektionsgebäude und verlangte vom Generaldirektor Lanaris Angaben über die Bestände an Waffen und Rohstoffen. Der Generaldirektor lehnte es ab.solche Angaben zu machen, und protestierte gegen das Eindringen der Franzosen in das Dienstgebäude. Seinem Protest schloß sich auch der hinzugekommene Betriebsrat an, der die sofortige Zurücknahme des Militärs verlangte. Die Kommission erklärte, sie müsse auf Veranlassung der französischen Regierung Angaben über die Bestände des Werkes machen. Schließlich begab sich die Kommission unter militärischer Bedeckung in das Werk, das sie um 12»/, Uhr wieder verließ. Sobald die Jngenieurkom» miffion das Werk betrat, begannen sämtliche Sirenen der Hütte zu heulen. Die Sirenen verstummten erst wieder alsdieKommission das Werk verließ. Tausende von Arbeitern verließen ihre Arbeitsstelle und um« : ringten das Direktionsgebäude. Fritz Tyffen, der im Laufe des Vormittags von Mülheim zurück» kehrte, wurde von der Menge mit lauten Zurufen begrüßt.
Nsue Mordtaken.
Bochum, 10. März. Im Bahnhofsgebäude boR Löttringhausen ist in der vergangenen Nacht der Eisenbahnbeamte Heinrich Hölling erschoffen worden. Er gehörte der Uebcrwachungsabteilung an, die »oi etwa 2 Jahren von der Eisenbahnverwaltung zur Ueberwachung wegen Eisenbahnräubereien eingerichtet .warben Mr. ^^hcfauo sich auiL UM gang, um Fesksteüungen hinsichtlich eines grißeo Kupferdiebstahls auf der Leitung Löttringhausen- Hannen zu machen, als er der Angel zum Opfer fiel.
Ein Todesopfer bei Schwanheim.
Schwanheim, 10. März. Heute nacht gegen 11 Uhr wurde der 22 Jahre alte Taglöhner Alexan- der Merz, der zu Fuß von Griesheim herkam, von einem marokkanischen Posten an der hiesigen Mainbrücke durch Kopfschuß getötet.
Ein Zwèschensall in Duer.
Zwei französische Offiziere erschossen.
Siecktinghaufen, 11. März. Im b-uachbart-n Buer wurden in der Nacht vom 10. zum 11. März zwei französische Offiziere ermordet. Einzelheiten über die Ermordung liegen noch nicht eor. Nach einer Lesart soll der Mord von zwei Belgiern begangen worden sein, die mit den Offizieren in Streit geraten wären. Nach anderer Lesart soll der Bursche der beiden Offiziere den Mord begangen haben.
Infolge dieses Zwischenfalles ergriffen die Franzosen gegenüber der Bevölkerung die schärfsten Repressalien. Ueber Duer wurde der verschärfte Belagerungszustand verhängt. Der Oberbürgermeister wurde aus dem Bett heraus als Geisel verhaftet. Alle Wirtschaften sind dis auf weiteres geschlossen. Aus der Kirche kommeude Bürger wurden von Trupp» bewaffneter Franzosen auseinandergejagt, mit fiolbex« flößen und Reitpeitschen übel zugerichtet und ge« zwungen, Plakate anzukleben, die die französischen Re- preffalien ankündigen. Da die Plakate von der erregten Bevölkerung fast sämtlich wieder abgerissen wurden, verhafteten die Franzosen eine Reihe von Bürgern, nahmen ihnen die Pässe weg und befahlen ihnen, die ganz« Nacht bet den neu angellebten Plakaten Wache zu stehen. Für den Fall, daß die Plakate trotzdem abgerissen werden sollten, würden die Zivil- posten erschossen werden. Der Stadt selbst ist eine Buße von 100 Millionen auferlegt worden. Drese Maßnahmen werden aber nur als provisorisch erachtet und sollen verschärft werden, wenn eS nicht gelingen sollte, die Urheber des MorreS zu verhaften.
Ein grauenvoller Raubmord hat sich in Köln ereignet Die 75 Jahre alte Witwe Erpelt wuroe morgens gegen 3 Uhr von zwei Räubsen überfallen. Der Tochter gelang es, sich scheintot zu stellen und dem Schmsal Oer Mutter, die lurd) Knabeln erstickt wurde, zu entgehen. Dem Räuüer fiel für etwa 2u Millionen Mark Gold in die Hände. Der Verdacht lenkte sich von An» ang an auf das Dienstmädchen der Ermorde- en, dar mit zwei swanziajährigen Burschen ein Verhältnis unterhalten hat. Bei dem einert der beiden ist ein 30 000-Markschein, der durch ein Zeichen wieverzuerkennen war, gefunden worden. Die Verhafteten leugnen noch die Tat.
Dollar (10 Mr ddi«l) 20 W